Ein Kreditvertrag mit besonderen Bedingungen

JEVERSCHES WOCHENBLATT vom 21. Januar 2020

Ein Kreditvertrag mit besonderen Bedingungen

KULTUR Niederdeutsche Erstaufführung „De Kredit" feiert Premiere im Theater am Meer

Arnulf Schmidt sieht das Familienfoto auf dem Schreibtisch und macht dem Filialleiter Goetz klar, dass er ohne große Mühe dessen Frau verführen kann. - BILD: DIETMAR BÖKHAUS

WILHELMSHAVEN/BOE - Der Bank-Filialleiter Goetz (Rune Opitz) hat in seinem Leben scheinbar alles richtig gemacht. Familie, Frau, Haus, Job - alles in bester Ordnung, denkt er. Bis zu dem Tag, an dem Arnulf Schmidt (Arnold Preuß) in der Bank auftaucht, um einen Kredit in Höhe von 3.000 Euro zu beantragen. So begann die erste Premiere des neuen Jahres am vergangenen Samstag im Theater am Meer. Die Komödie von Jordi Galceran - überarbeitet für das Theater von Arnold Preuß - fand im kleinen Zimmertheater mit überraschenden Wendungen, Wortwitz und viel App!aus, statt.

Die Niederdeutsche Erstaufführung "De Kredit" spielt im Bankmilieu, in dem es um Macht, Geld und Gefühle geht. Bühnenleiter Arnold Preuß hat die Regie übernommen, spielt eine Rolle und hat auch den Bühnenraum gestaltet. In dem Stück stehen sich mit dem Filialleiter Goetz und dem Kunden Arnulf Schmidt zwei Charaktere gegenüber, durch die das gerade noch so perfekte Leben des Bankers Goetz total aus den Fugen gerät. Goetz lehnt den Kreditwunsch ab, wegen fehlender Sicherheiten. Die Verweigerung dieses Kredits bringt in Arnulf Schmidt verborgene Energien zum Vorschein. Der Banker gerät immer mehr in die Fänge des cleveren Bankkunden und die Rollen vertauschen sich. Erfrischend komisch wird in dieser Psychokomödie dem Publikum vor Augen geführt, wie sich Machtverhältnisse gleich mehrfach ändern können. Mit wortgewaltigen Duellen wird hier dem Publikum im Theater am Meer eine Aufführung geboten, deren Ende offen gelassen werden soll - die aber mehr als sehenswert ist. Alle drei Akteure verkörpern ihre Figuren so, dass der Theaterbesucher denkt, im realen Leben zu stehen. Am Ende der Vorstellung wurde der Einsatz mit dem stehenden Applaus des Publikums belohnt.

MIt der Figur der Sekretärin Beate hatte Kristin Röben ihre erste große Rolle auf der Abendbühne und überzeugt dabei, als stünde sie schon seit Jahren auf den Brettern, die die Welt bedeuten.

Herausragend war die Leistung von Rune Opitz als Bank-Filialleiter Goetz, der zwischendurch dem Wahnsinn nahe war, was die Besucher im kleinen Zimmertheater auch mit Zwischenapplaus zu würdigen wussten. Arnold Preuß hat mit der Regiearbeit, der Bühnengestaltung und seiner Rolle auf der Bühne wieder eine rundum gelungene Arbeit für das Theater vorbereitet, wovon sich die Besucher in den kommenden Wochen überzeugen können.

Mit diesem Stück wird sich das Theater am Meer am 17. Mai am 2. Niederdeutschen Theaterfestival „Neue Niederdeutsche Dramaturgie im Kleinen Haus in Delmenhorst beteiligen.

NDE von "De Kredit" - Das Ensemble vom Theater am Meer sagt "Dankeschön"

Theater am Meer, 20. Januar 2020

NDE von "De Kredit" - Das Ensemble vom Theater am Meer sagt "Dankeschön"

Danke! Danke! Danke - sagt das Ensemble von "De Kredit"!

Die Niederdeutsche Erstaufführung am vergangenen Wochenende im Theater am Meer ist glänzend gelungen. Ein kleiner Ausschnitt aus den bisherigen Zuschauerstimmen: "Ein sehr spannendes, lustiges Stück, danke den Akteuren für die tolle Darbietung." - "Es war gestern toll. Großes Kompliment an alle." - "Sie haben alle eine Superleistung am Samtstagabend abgeliefert!!!!! Das war ein toller Abend, der sicher noch lange nachhallt. Nochmals vielen Dank."

Der WZ-Rezensent schreibt heute sehr treffend: "Mit der Komödie "De Kredit" aus der Feder von Jordi Galceran, plattdeutsch von Arnold Preuß (der auch Regie führt), feierte das Theater am Meer am Samstag eine sehr gelungene Premiere. Dabei erhielten die Zuschauer spannende Einblicke in die Manipulierbarkeit zwischenmenschlicher Gefühle... Großes Gelächter provozieren die beiden grandiosen Darsteller (Rune Opitz, Arnold Preuß)... Langanhaltender Applaus war den Darstellern (Opitz, Preuß und Kristin Roeben) und den Kräften hinter der Bühne gewiss...."

Bei bisherigen drei Aufführungen gab es jeweils kräftige Bravos und stehenden Applaus. Die nächste Aufführung ist am kommenden Freitag.... Seht wi us?

Ehrenwort und ein unmoralisches Angebot

Wilhelmshavener Zeitung vom 20. Januar 2020

Ehrenwort und ein unmoralisches Angebot

THEATER Komödie „De Kredit" feierte am Samstag Premiere im Theater am Meer

WILHELMSHAVEN/KAR - Mit der Komödie „De Kredit" aus der Feder von Jordi Galceran, plattdeutsch von Arnold Preuß, feierte das Theater am Meer am Samstag eine sehr gelungene Premiere. Dabei erhielten die Zuschauer spannende Einblicke in die Manipulierbarkeit zwischenmenschlicher Gefühle.

Bankfilialleiter Goetz (Rune Opitz) sitzt scheinbar fest auf seinem Posten. In der Anfangsszene des Dreiakters sieht man ihn, wie er im Büro den Abschlag beim Golfen übt: Auf seinem Schreibtisch lächelt ein Familienbild aus dem Rahmen. Seine Vorzimmerdame Beate (Kristin Röben) scheint sich ihm stark unterzuordnen. Beate hat kaum mehr zu tun, als hin und wieder nach dem Rechten zu sehen. Das scheint nötig, denn Goetz hat in Arnulf Schmidt (Arnold Preuß, der auch Regie führt) einen komplizierten Kunden. Dieser wirkt mit seiner blondierten Frisur und dem über der Hose getragenen Hemd wie ein Casanova und auch leicht diabolisch. Leider bringt er für 3000 Euro Kredit „nich de nötigen Sekerheiten tosammen". Goetz will ihm das Geld „nienich" geben, Dabei bleibt es im dynamisch geführten Wortgefecht, bis Schmidt eine obskure Ankündigung ausstößt. Er will die Frau des Bankers verführen. Dieser droht zunächst mit seinem „schwatten Karategürtel", will dem Kunden seine Wirbel so verdrehen, dass er „sien Nös in sien Mors rinstecken" kann.

Noch wirkt der Banker aufgeblasen, legt siegessicher die Füße auf den Schreibtisch. Mehr und mehr wird ihm klar, dass der schelmische Schmidt es ernst meint. Der sagt, das neoliberale System zwinge ihn zu seinem Handeln. Woher wisse Goetz, dass ihn seine Frau nicht längst betrüge, fragt der Kunde. Er solle ihm vertrauen, wie er seiner Frau vertraue. Auf Schmidts Idee, Goetz solle sich gegen die Vorschriften der Kreditvergabe stellen und damit Menschen glücklich machen, geht dieser nicht ein und wirft den renitenten Kunden hinaus. Dann begeht Goetz wohl den entscheidenden Fehler. Am Telefon erzählt er seiner Frau von dem Kunden und dessen Bedingung. Zu seinem Erstaunen fragt sie nach Schmidts Aussehen. Für 3000 Euro verkaufe er sie billig, meint sie.

Im zweiten Akt erlebt man Goetz mit wirrem Haar, er lebt seit vier Tagen im Hotel, weil seine Frau ihn „to'n Düvel" gejagt hat. Schmidt taucht wieder auf und bietet an, Goetz „een Warktüch to geben, sien Fro torüch to kriegen". Großes Gelächter provozieren die beiden grandiosen Darsteller, als Schmidt Goetz demonstriert, wie dieser seine Gefühle ausdrücken solle. Die Zuschauer erfahren, dass Goetz seine Frau im Kurs Rechnungswesen kennenlernte, weil im Kurs internationaler Handel kein Platz mehr war.

Der Banker fordert keine Phrasen oder Philosophie, sondern die Wahrheit. Schmidt bietet nun an, Goetz' Frau zu verführen und dann zu verlassen, damit sie merke, dass ihr Mann der Bessere sei. Goetz, der Schmidt inzwischen 10 000 Euro Kredit geboten hat, wenn er ihm helfe, seine Frau zurückzubekommen, ruft sie an. Er sagt ihr, sie solle Schmidt sagen, mit 10 000 Euro könne er eine Jüngere als sie bekommen. Ob das die richtige Entscheidung ist, erfahren die Zuschauer im dritten Akt.

Langanhaltender Applaus war den Darstellern und den Kräften hinter der Bühne gewiss. Die nächsten Aufführungen von „De Kredit" an der Kieler Straße 63: Freitag, 24. Januar, 20 Uhr, Sonntag, 26. Januar, 15.30 Uhr und 20 Uhr.

Halbzeit der Spielzeit 2019/20 – was war, was kommt…

Guten Morgen SONNTAG | 19. Januar 2020

Halbzeit der Spielzeit 2019/20 – was war, was kommt…

Niederdeutsche Bühne weitere 10 Jahre in der Kieler Straße

Drei der Theaterschülerinnen (v.l. Alessia Mohr, Leyan Besser, Keana Meyer) bei der Szenenarbeit – FOTO: TaM, Arnold Preuß

Wilhelmshaven. (gms) Das Ensemble des Theater am Meer geht mit einem besonders guten Gefühl in das neue Jahr, denn aktuell hat Arnold Preuß als Vorstandsvorsitzender des Trägervereins „Theater am Meer – Niederdeutsche Bühne Wilhelmshaven e.V.“ den Mietvertrag für das Privattheater an der Kieler Straße um weitere 10 Jahre neu abgeschlossen. „Im kommenden Jahr werden wir am 9. Mai unser 10jähriges Bestehen in unserem kleinen Schauspielhaus feiern können“, so Preuß. „Durch diese Vertragsverlängerung wird es uns weitere Jahre möglich sein, dort engagiertes Theater in Niederdeutscher Sprache zu produzieren.“

„Wir konnten es uns in den kühnsten Träumen nicht ausmalen, diese 10-jährige Erfolgsgeschichte hier in diesem besonderen Theaterraum erleben zu dürfen. Aber meist ausverkaufte Vorstellungen und ein Stamm von rund 1.000 Abonnenten sowie eine Schar von 90 engagierten Ehrenamtlichen auf und neben der Bühne hat es uns ermöglicht, ein Privattheater ohne jegliche regelmäßige finanzielle Bezuschussung aus öffentlichen Kassen zu unterhalten. Ich weiß dabei gar nicht, wem ich zuerst dafür danken muss, den vielen Zuschauern oder den wunderbaren ehrenamtlichen Mitgliedern“, so der Bühnenleiter. „Wahrscheinlich ist es so, wie bei der Frage nach der Henne und dem Ei. Es bedingt sich beides – und das ist auch gut so!

Die Spielzeit 2019/2020 ist am letzten Sonntag des Jahres 2019 mit der letzten Vorstellung von „…un denn de Heven vull van Geigen“ in die Halbzeitpause gegangen. Das Fazit der ersten Spielzeithälfte fällt ungeheuer positiv aus. Mit den ersten beiden Inszenierungen ist es nicht nur gelungen, das Publikum und die Kritik zu überzeugen, sondern es haben auch viel neue Kräften ihren ersten Auftritt auf der Bühne gehabt, was ja erklärtes Ziel dieses Jahres war.

Nachdem im Jahr zuvor eine Gruppe älterer, am Niederdeutschen Theaterspiel Interessierter durch bühneninterne Schulungen und Fortbildungskurse des Niederdeutschen Bühnenbundes fit für die Bühne gemacht wurden, konnte ein Teil von ihnen in der Eröffnungsinszenierung „Allens ut de Reeg“, einer Farce von Ray Cooney in der Regie von Arnold Preuß die ersten Erfahrungen in einer Inszenierung sammeln. An der Seite von bewährten Kräften des Ensembles ist ihnen dies mit Bravour gelungen.

Das zweite Stück der Spielzeit "...un denn de Heven vull van Geigen" von Marc Becker hat in der Inszenierung von Elke Münch seit Anfang November das Publikum ebenfalls bestens unterhalten. Zwei Flirtchoaches haben sich intensiv um sechs Senioren im rüstigen Altern gekümmert. Diese begaben sich beim Speed Dating einer Kontaktbörse auf die Suche nach einer neuen Liebe oder auch eines neuen Lebensinhalts. Jede und jeder der rüstigen Best-Ager brachte ganz eigene Hoffnungen und Sehnsüchte auf die Bühne. Neben urkomischen Situationen kamen auch die weichen und nachdenklichen Töne nicht zu kurz. Vier zusätzlichen Vorstellungen sind ein beredtes Zeichen, dass das Stück den Nerv der Zeit und der Besucher getroffen hat.

Das neue Jahr startet am Sonnabend, 18. Januar, mit der ersten Premiere des Jahres, die gleich eine Niederdeutsche Erstaufführung ist. Arnold Preuß hat die Komödie von Jordi Galceran "Der Kredit" ins Niederdeutsche übertragen und übernimmt nicht nur die Regie, sondern auch eine der drei Rollen. Das im Bankmilieu spielende Stück zeigt ein ausgeklügeltes Spiel um Macht und Gefühle. Einem Bankkunden wird ein Kredit von 3.000 Euro verwehrt, da er nicht über die nötigen Sicherheiten verfügt. Der Kunde lässt sich aber vom Filialleiter nicht so leicht entmutigen und fragt nach und verfängt den Kreditunwilligen in ein geschicktes Netz aus Fragen und Antworten. Man merkt sehr schnell, es geht um die Frage von Macht und um das Thema „Oben“ und „Unten“. Das idyllisch spießbürgerliche Leben des Filialleiters wird durch das Auftauchen des impertinenten Kunden nach und nach aus den Angeln gehoben und der Wert des Geldes in ein neues Licht gerückt. Erfrischend komisch wird gezeigt, wie sich die Machtverhältnisse neu ordnen!

Im März 2020 wird dann mit „Honnig in’n Kopp“ das Theaterstück nach dem bekannten Film von Till Schweiger in dem Dieter Hallervorden glänzen konnte auf die Bühne des Theaters am Meer gebracht. Elke Münch wir ein zweites Mal in der laufenden Spielzeit das Bühnenbild entwerfen und die Inszenierung vornehmen. Das Theaterstück hat schon vielerorts bewiesen, dass es hervorragend gelingen kann, einen Stoff, der im Film Millionen Zuschauer in den Kinos begeisterte, auch auf der Bühne eine den Theaterbesucher fesselnde Intensität und Intimität erlangen kann. Die Erkrankung an Alzheimer ist ein die Menschen tief berührendes Thema und wird mit der Inszenierung sensibel vor Augen geführt. In dieser an der personenreichsten Inszenierung der laufenden Spielzeit werden wie schon zu Beginn der Spielzeit viele neue Darsteller erstmal die Bühne betreten und in wechselnde Rollen schlüpfen. Die herausragenden Rollen des Opas Amandus und der Enkelin Theda werden von Heinz Zomerland und Leyan Besser (aus der Theaterschule) verkörpert.

Seit Beginn der Spielzeit 2019/20 hat das Theater am Meer wieder eine aktive Gruppe von 13 jungen Menschen im Alter von 12 bis 20 Jahren in der bühneneigenen Theaterschule, die seit Saisonbeginn von Martina Brünjes geleitet wird. Mit großer Begeisterung haben sich die Jugendlichen dabei der für sie neuen Sprache gewidmet und schon große, erstaunliche Fortschritte gezeigt. Man könne daher sehr optimistisch sein, dass hier ein sehr guter Jahrgang der Theaterschule heranwächst, der dann später im Ensemble der Erwachsenen jugendliche Verstärkung bringt.

Nach einer ersten Phase des Theatertrainings seit September geht es ab dem 8. Januar in die nächste Ausbildungsphase. Dann starten die Proben unter der Leitung von Martina Brünjes für das neue Stück der Theaterschule. Das Stück heißt „Hapen“ (Hoffnung) und Martina Brünjes hat es nicht nur geschrieben, sie wird es selbstverständlich auch inszenieren. Die Premiere wird am 12. Juni 2020 im Theater am Meer sein. Nach ca. 6 Aufführungen geht es dann damit Anfang Juli 2020 nach Emden zum 12. Niederdeutschen Jugendtheaterfestival des Niederdeutschen Bühnenbundes Niedersachsen & Bremen.

Thematisch geht es in „Hapen“ allgemein um Hoffnung. Es gibt viele Situationen, in denen wir hoffen. Wir hoffen, dass wir in der Schule die Arbeit nicht vergeigt haben, dass die Freundschaft echt ist, dass wir schnell aus peinlichen Situationen rauskommen… aber wir hoffen auch auf Frieden, Sicherheit, dass die Eltern ewig Leben… Hoffnung ist ähnlich wie die Liebe, ohne wären wir verloren. Es werden viele verschiedene Situationen des Lebens theatralisch dargebracht, egal ob schrill, komisch oder auch nachdenklich.