NOVEMBERPREMIERE „…un denn de Heven vull van Geigen“

THEATER AM MEER | 21. Oktober 2019

PREMIERE „…un denn de Heven vull van Geigen“

Theater am Meer spielt zauberhaften Liebesreigen in der Regie von Elke Münch

Die Senioren (stehend von links Harald Schmidt, Walter Bleckwedel, Dagmar Wehrmann, Heidi Strowik und Ute Menssen) schauen verdutzt auf die „Gesprächsthemenkarten“, die ihnen das Coachingduo (Claudia Ducci, Rune Opitz) für das erste Speed-Dating vorgelegt hat. Eine Szene aus „…un denn de Heven vull van Geigen“
– FOTO: TaM, Arnold Preuß

WILHELMSHAVEN/AP – Bei der zweiten Premiere des „Theaters am Meer“ in der laufenden Spielzeit 2019/20 hängt am Sonnabend, 09. November 2019, um 20 Uhr, im kleinen Schauspielhaus an der Kieler Straße der Himmel voller Geigen, denn der zauberhafte Liebesreigen von Marc Becker (in der Niederdeutschen Fassung von Annegret Peters) „..un denn de Heven vull van Geigen“ wird von Elke Münch mit viel Empathie und emotionalen Momenten in Szene gesetzt. Theaterleiter Arnold Preuß berichtet: „Elke sagte nach dem ersten Lesen des Stückes hocherfreut ‚Das ist genau mein Stück!‘, daher sind wir sehr froh, dass wir mit ihr „…un denn de Heven vull van Geigen“ als Regisseurin und im eigenen Bühnenbildentwurf nach der Uraufführung an der August-Hinrichs-Bühne Oldenburg und der weiteren Aufführung an der Niederdeutschen Bühne Kiel als dritte Bühne diese junge, frische und lebensbejahende Komödie zur Aufführung bringen werden“.

Jemand, dem der Himmel voller Geigen hängt, ist dem Volksmund nach schwärmerisch glücklich und sieht erwartungsvoll in die Zukunft. So hoffen auch die sechs Senioren (drei Damen und drei Herren) des Stückes, die sich in Beckers Liebesreigen auf den Weg machen, um ihrem Leben neuen Schwung und neuen Sinn zu geben. Becker umbeschrieb die Rollen der Senioren mit „Menschen zwischen 50 und 100“. Sie sind heutzutage vielfach alles andere als altmodisch und gebrechlich. Sie reisen um die Welt, kaufen Tablets, sind körperlich und geistig fit und haben auch noch eine gehörige Portion Lebenserfahrung im Gepäck.

Aber kann man auch im hohen Alter noch eine neue Liebe finden? Unsere sechs Senioren wagen den Schritt: Sie begeben sich auf die Suche nach einer neuen Partnerin oder einem neuen Partner – beim Speed-Dating einer Kontaktbörse. Ob verwitwet, geschieden oder jahrelanger Single, jede und jeder bringt seine ganz eigenen Hoffnungen und Sehnsüchte mit. Doch was sie alle eint, ist das Bewusstsein über die eigene Vergänglichkeit, die Sehnsucht nach Nähe und die Bereitschaft, sich dafür einem wildfremden Menschen auszuliefern – und natürlich eint sie alle der Wunsch, das am Ende der Himmel voller Geigen hängen möge.

Wie mache ich einen guten ersten Eindruck? Bin ich vielleicht zu langweilig? Wie flirtet man eigentlich nochmal und wie geht es nach einem vielversprechenden Gespräch weiter? Vom Flirt-Coaching, kleinen Tanz- und Gesangseinlagen bis hin zum spannungsreichen Speed Dating hat diese Kontaktbörse alles zu bieten, was die Chance auf das passende Herzblatt größer macht. Doch findet hier jede und jeder genau das, was sie oder er sucht. Den geneigten Zuschauer erwartet ein amüsant-berührendes Stück über die Frühlingsgefühle im hohen Alter.

Es spielen Claudia Ducci, Ute Menssen, Heidi Strowik, Dagmar Wehrmann, Walter Bleckwedel, Thomas Gathemann, Rune Opitz und Harald Schmidt. Ferner wirken mit Iris Holjesiefken (Souffleuse), Fynn Dießner (Inspizient), Traute Fischer, Inge Gelhart, Gerti Evers (Requisiten), Rolf-Peter Lauxtermann (Beleuchtung), Lars Landes (Hausdienst), Kristin Röben, Gitta Gampe, Claudia Ducci (Maske), Ingrid Bicke, Helga Lauermann (Kostümberatung), Wolfgang Buttjer, Heinz Fuchs (Bühnenbild), Thomas Marschner (Bühnenmaler).

Termine

  • Jeweils zu allen Vorstellungen auch Karten im freien Verkauf -

Sonnabend, 09. November 2019, 20 Uhr, Abo P
Sonntag, 10. November 2019, 15:30 Uhr, Abo N 1
Freitag, 15. November 2019, 20 Uhr, Abo A
Sonntag, 17. November 2019, 15:30 Uhr, Abo N 2
Sonntag, 17. November 2019, 20 Uhr, Abo B
Sonnabend, 23. November 2019, 20 Uhr, Abo D
Sonntag, 24. November 2019, 15:30 Uhr, Abo N 3
Sonntag, 24.November 2019, 20 Uhr, Abo E
Sonnabend, 30. November 2019, 20 Uhr, Abo F
Sonntag, 01. Dezember 2019, 15:30 Uhr, Abo N 4
Sonntag, 01. Dezember 2019, 20 Uhr, Abo G
Mittwoch, 04. Dezember 2019, 20 Uhr, Abo C
Sonnabend, 07. Dezember 2019, 20 Uhr, Abo H
Sonntag, 08. Dezember 2019, 15:30 Uhr, Vorstellung für Banter Kirche
Sonntag, 08. Dezember 2019, 20 Uhr, freier Verkauf
Sonnabend, 14. Dezember 2019, 20 Uhr, freier Verkauf Z 17 – noch nicht frei*
Sonntag, 15. Dezember 2019, 15:30 Uhr, freier Verkauf Z 18 – noch nicht frei*
Sonntag, 15. Dezember 2019, 20 Uhr, freier Verkauf Z 19
Donnerstag, 26. Dezember 2019, 20 Uhr, freier Verkauf
Sonnabend, 28. Dezember 2019, 20 Uhr, Z 20 freier Verkauf - noch nicht frei*
Sonntag, 29. Dezember 2019, 15:30 Uhr, Z 21 freier Verkauf - noch nicht frei*
Sonntag, 29. Dezember 2019, 20 Uhr, Z 22 freier Verkauf – noch nicht frei
*Vorstellung noch nicht freigegeben

Ich bin ein hoffnungsloser Optimist

Wilhelmshavener Zeitung vom 11. Oktober 2019

Ich bin ein hoffnungsloser Optimist

KULTUR Leiter des Theaters am Meer, Arnold Preuß, über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Arnold Preuß ist Leiter des Theaters am Meer, Vorsitzender und Präsident des Bühnenbundes - WZ-Foto: LÜBBE

Der Standort des Theaters in der Kieler Straße feiert diese Spielzeit Jubiläum. Preuß verrät, ob die plattdeutsche Sprache seiner Meinung nach noch eine Zukunft hat.

VON JULIANE MINOW

WZ: Herr Preuß, seit wann gibt es das Theater am Meer in Wilhelmshaven?

ARNOLD PREUß: Genau seit dem 28. September 1932.

WZ: Wie und warum ist es entstanden?

PREUß: Aus dem Heimatverein ,,Die Boje". Damals wurde ein Seebade-, ein Heirnat- und ein Verkehrsverein gegründet. Aus dem Teil des Heimatvereins, der sich später ,,Die Boje" nannte, haben sich die Plattdeutsch-Spielen-Wollenden verabschiedet, um die Niederdeutsche Bühne ,,Rüstringen" zu gründen. Und: Das Ganze war eine überregionale Beweguug im gesamten norddeutschen Bereich. Die moisten Niederdeutschen Bühnen wurden in den l920er Jahren aus dem Bedürfnis heraus gegründet, einen Gegenpol zum ständischen, hochdeutschen Thealer zu schaffen. Die Bevölkerung hatte teilweise Probleme, die Stücke zu verstehen und wollte Theater in ihrer Sprache.

WZ: Woher kommt das Vorurteil, dass Niederdeutsche Bühnen eher Unterhaltungstheater als ernstes Theater bieten?

PREUß: Tatsächlich war es so, dass das Theater am Meer in Wilhelmshaven schon früh mehr ernstes Theater als Unterhaltungstheater gespielt hat. Grundsätzlich aber kommt das daher, dass andere Bühnen aus profitableren Gründen eher unterhaltende Stücke gespielt haben und sie ungefähr ab den 50er ]ahren auch im Fernsehen übertragen wurden. Da ging es eben auch schon um Einschaltquoten. Aber letztlich ist Niederdeutsch nur eine Sprache, mit der man alles machen kann - ernst und humorvoll.

WZ: Wie ist es nach der Gründung mit dem Theater am Meer weitergegangen? Was ist im Nationalsozialismus passiert?

PREUß: Das Theater war schon in den ersten Jahren ziemlich erfolgreich und hat mit seinen Freilichtaufführungen teilweise 35.000 Menschen erreicht. 1939 wurde der Betrieb eingestellt. Nach dem Krieg, ungefähr 48/49, setzten sich die einstigen Gründer dafür ein, dass das Theater wieder auflebt.

WZ: Wo war das TaM damals räumlich angesiedelt?

PREUß: 1952 wurde das Stadttheater eingeweiht. Da hat der Kulturdezernent sich dafür eingesetzt, , dass dort das gesamte kulturelle Spektorum spielen darf, also nicht nur die Landesbühne, sondern auch das Niederdeutsche Theater. Dort haben wir bnis 2010 gespielt und sind dann in die jetzigen Räume an die Kieler Straße gezogen. Ich war damals mit einer anderen Kollegin, Marion Zomerland, zusammen in der Bühnenleitung und habe mich an dieses Gebäude erinnert. Am Anfang konnte ich mir nicht so richtig vorstellen, dass man hier Theater machen kann. Gemeinsam haben wir das dann aber so hergerichtet, das wir heutzutage hier alles haben, was ein Theater braucht. Das war ein großes Gemeinschaftswerkt aller knapp 90 ehrenamtlichen Mitglieder.

WZ: Wie sind Sie denn zum Theater am Meer gekommen?

PREUß: Wie so Vieles in meinem Leben durch Zufall. Ich habe in der Schule Theater gespielt, das hat bei mir die Leidenschaft geweckt. Als ich Azubi bei der Stadt war, habe ich einer Kollegin erzählt, dass ich gerne wieder Theater spielen würde, weil mir wieder eingefallen war, wie viel Spaß mir das mal gemacht hat. Da sagte sie: Meine Mutter ist bei der Niederdeutschen Bühne, komm doch mal vorbei. Das war Anfang der 70er Jahre. Das erste Mal habe ich 1972 gespielt.

WZ: Und seitdem sind Sie nicht nur dabei geblieben, sondern mittlerweile auch künstlerischer Leiter des Theaters am Meer und Vorsitzender des gemeinnützigen Trägervereins. Das heißt doch, dass es so schlecht nicht sein kann, oder?

PREUß: Nein, im Gegenteil. Es macht immer noch wahnsinnig viel Spaß. Ich habe bei der Niederdeutschen Bühne unglaublich viel gelernt und bin sehr froh, dass alles so gekommen ist.

WZ: Warum glauben Sie, dass Niederdeutsches Theater gerade heutzutage wichtig ist?

PREUß: Weil ich ein hoffnungsloser Optimist bin. Als ich beim Theater am Meer anfing, haben mir die älteren Schauspieler gesagt: In ein paar Jahren gibt es Plattdeutsch sowieso nicht mehr. Das ist einige Zeit her und bislang ist dieser Fall nicht eingetreten, im Gegenteil: Ich habe eher das Gefühl, dass die Sprache heutzutage mehr denn je gefördert wird – in Kindergärten, Schulen und anderen Einrichtungen. Wir merken auch, dass wieder viele junge Leute zu uns ans Theater am Meer kommen. Es ist toll, mit welcher Begeisterung sie dabei sind. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass Niederdeutsch auch in Zukunft Bestand hat.

WZ: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

PREUß: Aktuelle Überlegungen sind, ob wir ein Angebot im Sommer schaffen, um auch den Touristen in der Stadt etwas zu bieten – vielleicht sogar Freilichttheater, was es hier lange nicht gegegen hat. Darüber hinaus wünsche ich mir, dass ich in nächster Zeit eine Nachfolge finde. Ich bin zwar jetzt Pensionär und habe mehr Zeit, aber ich merke, dass es gut wäre, wenn ich wüsste, wie es in drei, vier, fünf Jahren weitergeht – auch wenn ich weiterhin für das Theater am Meer da bin. Vielleicht nach dem 90. Theater-Geburtstag, der 2022 ansteht, wäre ich bereit, etwas kürzer zu treten.