Bewährten Schwank temporeich gespielt

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 23. Januar 2017

Bewährten Schwank temporeich gespielt

THEATER Niederdeutsche Bühne führt Komödien-Klassiker mit viel Witz auf

August und Ida Bodendiek (Wolfgang Watty und Helga Lauermann) vermieten ihre Kammer unter — versehentlich gleichzeitig an eine junge Dame und einen jungen Herrn.  - FOTO: TaM, PREUß

VON HARTMUT SIEFKEN

WILHELMSHAVEN — Wer einen fröhlichen Abend erleben möchte, der ist mit der Komödie „Keen Utkamen mit't Inkamen" von Fritz Wempner gut bedient. Sie zählt mittlerweile zu den Klassikern des niederdeutschen Theaters und ist jetzt vom Theater am Meer neu inszeniert worden. Unter Regie von Elke Münch feierte das Stück am Sonnabend eine viel beklatschte Premiere. Das Stück lebt vom schlagfertigen Dialog, von Mimik und gelegentlichem Tempo, vom Rein und Raus und dem bisschen heillosen Durcheinander, das es braucht, damit die gewollten Verwechslungen zustande kommen.

Das Rentner-Ehepaar August und Ida Bodendiek (gespielt von Wolfgang Watty und Helga Lauermann) wollen mit Untervermietung ihrer Schlafstube ihr karges Einkommen aufbessern und vermieten die Bettstatt versehentlich gleich zweimal: an Lisa Franzen (Lena Schmidt) und Klaus Jäger (Rune Opitz). Zufällig nehmen die jungen Leute beide Reißaus vor ihren verwitweten Eltern, dem Obstgroßhändler Helmut Jäger (Harald Schmidt) und Gerry Franzen (Edith Schlette). Nachbar Fide Sprott (Clemens Otte), sein angetrauter Hausdrache Paula (aus dem „Off' Roswitha Wunderlich) und Frau Bollmann (Sandra Krüger), die quasselige Frau von Lisas Chef, geben ihren Senf zu den Verwicklungen hinzu, die natürlich zum Schluss in Wohlgefallen aufgelöst werden.

Bis dahin fliegen Blumentöpfe und „rotte Appelsinen" rauf und runter vom Balkon, werden zwei Sonntagshüte massakriert und rot und blau karierte Bettwäsche im Geheimkommando ausgetauscht, damit der Tag- und die Nachtschläferin den Schichtwechsel auf der doppelt vermieteten Matratze nicht bemerken.

Auch wenn man als Fernseh-Verwöhnter stets das Ohnsorg-Theater vor Augen hat und unwillkürlich als Elle anlegt, darf man den Schauspielern der niederdeutschen Bühne Wilhelmshaven ein Lob aussprechen: Der kleine Unterschied war nicht der Rede wert. Es gab keine peinlichen Hänger, der Spielfluss war flott, die Pointen saßen, un Plattdütsch kunn'n se ok. Moiet 0llnborger Platt, dat mookte Spoaß bi'n Tolüstern.

Wolfgang Watty spielte als August Bodendiek eine Paraderolle, köstlich im Zusammenspiel mit Clemens Otte als Nachbar Fide, der von seiner Paula stets aufs Neue zum Jagen gescheucht wurde und im „dunen Kopp" den Spieß gegen „sine Olsch" umdrehte.

An und hinter den Kulissen beteiligt waren Wolfgang Buttjer und Heinz Fuchs (Bühnenbau), Thomas Marschner (Bühnenmaler), Marco Norden und Harald Schmidt (Beleuchtung), Diana Westerholt (Inspizientin), Roswitha Wunderlich (Souffleuse), Monika Eilers und Barbara Spengler (Requisiten), Merle Ennen und Annika Gärtner (Maske) sowie Ingo Heuer und Werner Dörnath (Hausmeister).

Das Stück wird bis Ende Februar an den Wochenenden sowie am Mittwoch, 15. Februar aufgeführt.
@ Mehr Informationen unter www.theater-am-meer.de