Klassiker flott und witzig neu aufgelegt

JEVERSCHES WOCHENBLATT vom 24. Januar 2017

Klassiker flott und witzig neu aufgelegt

THEATER Gelungene Premiere — Niederdeutsche Bühne präsentiert altbekannte Komödie mit viel Charme

August und Ida Bodendiek (Wolfgang Watty und Helga Lauermann) müssen aufpassen, um nicht aufzufliegen. Damit ihre zwei Untermieter nichts voneinander merken, muss auch die Bettwäsche farblich passend sein. - BILD: DIETMAR BÖKHAUS

Publikum erlebt mit „Keen Utkamen mit dat Inkamen" einen kurzweiligen Abend im Theater am Meer.

WILHELMSHAVEN/BOE — Unter der Regie von Elke Münch haben die Schauspieler des Theaters am Meer wieder mal ihre Höchstform gefunden. Unterhaltsam und mit viel Witz feierten sie mit dem immer aktuellen Klassiker „Keen Utkamen mit dat Inkamen" am Samstag Premiere auf der Bühne des kleinen Zimmertheaters. Damit bescherten sie dem verwöhntem Publikum wieder einen kurzweiligen Abend.

Das Rentnerehepaar August und Ida Bodendiek (Wolfgang Watty und Helga Lauermann) hat so seine Probleme, denn wer kommt schon mit dem Geld aus, das reinkommt? Beide sind nicht gerade mit Reichtum gesegnet, und das Wirtschaftswunder ist bei ihnen nicht angekommen. Also machen sie sich so ihre Gedanken, wie sie an Geld kommen könnten. Man müsste auf besonders originelle Weise die Rente aufbessern, sinniert August Bodendiek und hat auch gleich die zündende Idee: Ein Logiergast müsse her. Gattin Ida stimmt  zu, doch sie hätte gerne einen jungen Mann als Untermieter. „Nein, das muss schon eine junge Deern sein", gibt August zur Antwort.

So kommt, was kommen muss: Die Stube wird versehentlich doppelt vermietet. Tagsüber schläft der Fernfahrer Klaus Jäger (Rune Opitz) im Zimmer, und nachts bewohnt die junge Lisa Franzen (Lena Schmidt) die Stube. Sie beide sind von zu Hause weggelaufen, weil Lisas Mutter Gerry Franzen (Edith Schlette) Klaus' Vater, den Obst- und Gemüsehändler Helmut Jäger (Harald Schmidt), heiraten will. Ein heilloses Durcheinander beginnt, dann schließlich darf keiner der beiden Gäste etwas vom jeweiligen anderen erfahren. Also muss das rote gegen das blaue Bettzeug getauscht werden, und auch Zahncreme und Pyjama dürfen die Bodendieks beim Zimmerumräumen nicht vergessen. Eine schwere Aufgabe, um nicht aufzufliegen.

Es geht auch eine Zeit lang gut, bis Lisa einen Manschettenknopf findet und Tabak-qualm riecht. Doch sie vermutet Opa Bodendiek dahinter. Auch Klausentgeht der süße Parfümduft nicht. „Irgendetwas stimmt hier nicht", murmelt er leise vor sich hin. Auch die Nachbarin Paula Sprott (Roswitha Wunderlich), die hinter der Bühne agiert  und nur vom Balkon zu hören ist, bekommt etwas von dem doppelt vermieteten Zimmer mit und plärrt lautstark heraus, was sie davon hält. Die Rolle der Nachbarin ist für das Stück hervorragend, da das Gekeife, mit dem sie ihre Nachbarn wieder und wieder nervt, unterhaltsam ist und die Zuschauer stets zu spontanem Applaus animiert.

Doch damit nicht genug, ihr Ehemann Fide Sprott (Clemens Otte) steht unter ihrem Pantoffel und ist auf ihr Anweisen immer wieder bei August Bodendiek vorstellig. „Dass man mit meiner Gattin nicht so umgeht, will ich ihnen mal sagen", sagt Fide Sprott und denkt hinterrücks: „Wie werde ich diese ,Olsch los?" Auch die nervige und eifersüchtige Ehefrau von Lisas Chef, Frau Bollman (Sandra Krüger), gibt ihren Senf dazu. Mit dem gemeinsamen Auftritt Helmut Jägers und seiner frisch angetrauten Gattin Gerry kommt es aber doch zum Happy End, wenn auch zu einem etwas hektischen.

Mit dieser Premiere zeigten die Darsteller des Theaters am Meer, dass man aus einem Uraltklassiker, den die Zuschauer noch aus der guten alten Ohnsorg-Theater-Zeit kennen, einen Hit machen kann. Mit Clemens Otte als Gast, der dem Fide Sprott Leben einhauchte, kam noch mehr Farbe auf die Bühne, als ohnehin schon. Szenenapplaus und stehender Beifall waren der Lohn für eine sehr gelungene Premiere.
@ Weitere Aufführungstermine und mehr Informationen unter www.theater.am-meer.de