Friesensippe in Amerika rührt ihr Publikum zu Tränen

JEVERSCHES WOCHENBLATT vom 22. März 2017

Friesensippe in Amerika rührt ihr Publikum zu Tränen

PREMIERE Theater am Meer bringt „Toeerst kummt de Familie!" von Joe Di Pietro — Viel Applaus für Leistung der Darsteller

VON DIETMAR BÖKHAUS

Ob der Plan gelingt? Gramps (Heinz Zommerland), Granma (Heidi Strowik), Nan (Marion Zomerland) und Gran (Arnold Preuß) versuchen mit Hilfe von Caitlin (Ulrike Schütze 3. v. I.), Enkel Nick (Yannik Marschner 2. v, r.) von seinen Plänen abzubringen. - BILD: DIETMAR BÖKHAUS

WILHELMSHAVEN — Eine dreifache Premiere hat am Sonnabend das Ensemble des Theaters am Meer (TAM) mit dem Stück „Toeerst kummt de Familie!" von Joe Di Pietro gefeiert. Nicht nur die niederdeutsche Erstaufführung im TAM, sondern auch die Schauspielerin Ulrike Schütze feierte mit ihrer Rolle als Caitlin Bauer einen sehr guten Einstand auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Der Hamburger Schauspieler, Sänger und Regisseur Philip Lüsebrink hatte mit der Regie sein erstes Engagement in Wilhelmshaven. Mit viel Gefühl Lachen und Weinen lagen dicht beieinander - begeisterten die Akteure ihr Publikum.

Die Komödie spielt in Amerika, genauer in Hoboken, New Jersey, im Haus der Auswandererfamilie Russel aus
Friesland. Und die besteht aus Anna, genannt „Nan" (Marion Zomerland) und Frank „Gran" (Arnold Preuß), die immer wieder Besuch von Alfred Gruber „Gramps" (Heinz Zomerland) und seiner Frau Emma „Granma" (Heidi Strowik) bekommen, etwa um 1900. Wichtig ist für die zwei Großelternpaare vom jungen Nicholas Gruber „Nick" (Yannik Marschner) die plattdeutsche Sprache und das Motto: „Toeerst kummt de Familie". Danach wird gehandelt. So hat Gran laut seiner Nan „dieses Haus nur für mich gebaut, für mich", so erzählt es Nan ihren Besuchern und dem Enkel Nick, der Veränderungen in seinem beruflichen Umfeld plant. Er möchte für seine Firma nach Seattle auf der anderen Seite des Kontinents ziehen und dort arbeiten. Das möchte er nun seinen Verwandten schonend beibringen. Immer Sonntags fährt er von New York mit dem Bus nach Hoboken, um seine Angehörigen zu besuchen und mit ihnen zu essen. Die aufdringliche und fürsorgliche Liebe der Familie ist für den 29-jährigen Nick jedoch sehr anstrengend, und er hat es schwer, sich Gehör zu verschaffen, um ihnen von seinen Pläne zu erzählen. Immer wieder möchte Nan ihn mit leckerem Essen verwöhnen.

Dann schäumt er über vor Wut, weil ihm keiner aus der Familie so recht zuhört. Die Theaterbesucher hielten den Atem an, so überzeugend wirkte Yannik Marschner. Da bekommt er endlich Gehör und offenbart der Familie seine Pläne, was Veränderungen auch in das Leben der Großeltern bringt. Tausende von Kilometern entfernt von der Familie zu leben, das geht gar nicht, denn „Toeerst kummt de Familie!" Um den jungen Nick umzustimmen, ist der Familie alles recht. So kommt dann mit der Schauspielerin Ulrike Schütze die attraktive Caitlin ins Spiel, die zum Essen eingeladen wird und rein zufällig neben Nick am Tisch Platz nimmt. Geht der Plan der Familie auf? Bleibt Nick bei der Familie?

Einzelne Darsteller werden für innere Monologe aus dem Stück gelöst, dass so kurzzeitig zum Standbild wird. Viele sehenswerte Stücke haben die Mitglieder des kleinen Zimmertheaters schon abgeliefert, aber was jetzt an emotionaler Leistung geboten wurde, war den Extra-Applaus der Zuschauer und spontanen Szenenbeifall wert. Ein dickes Kompliment an den Regisseur und das Ensemble auf und hinter der Bühne. Punktgenau lieferten die Darsteller, denen die Rollen in der Tragikomödie auf den Leib geschneidert scheinen, pointierte Dialoge, die den Zuschauern doch die eine oder andere Träne in die Augen trieben. Auch die Leichtigkeit, mit der der Regisseur das Thema umsetzte, ist bemerkenswert. Besonders Yannik Marschner und Marion Zomerland verkörperten ihre Rollen absolut überzeugend.

Hinter der Bühne wirkten in vielen Funktionen außerdem Wolfgang Buttjer, Christel Dörnath, Traute Fischer, Heinz Fuchs, Inge Gelhart, Stefanie Herre, Ingo Heuer, Ingrid Kothe, Thomas Marschner, Marco Norden und Fynn Dießner.

AUFFÜHRUNGEN
Weitere Termine: Freitag, 24. März, um 20 Uhr; Sonntag, 26. März (15.30 und 20 Uhr); Sonnabend, 1. April (20 Uhr); Sonntag, 2. April um 15.30 und 20 Uhr; Mittwoch, 5. April um 20 Uhr; Sonnabend, 8. April um 20 Uhr; Sonntag, 9. April 15.30 Uhr (geschlossene Vorstellung) und 20 Uhr; Donnerstag, 13. April (20 Uhr); Sonnabend, 22. April (20 Uhr), Sonntag, 23. April (15.30 und 20 Uhr), Freitag, 28. April, und Sonnabend, 29. April jeweils um 20 Uhr.