Romantik auf Plattdeutsch

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 13. November 2017

Romantik auf Plattdeutsch

Mit einer romantischen Komödie hat das Theater am Meer das Premierenpublikum begeistert.

Happy-End nach grantigen Wortgefechten

Schauspiel Theater am Meer bringt mit „Post ut Talamone“ eine romantische Komödie auf die Bühne

Reihenweise zieht die herrische Ellen dem wehleidigen Tom Stacheln vom Seeigel aus den Füßen. Dafür wird er von Ulrike sehr bedauert. Szenenfoto mit (v.li.) Dagmar Wehrmann, Arnold Preuß und Stefanie Herre.   FOTO: THEATER AM MEER

Regisseurin Nina Arena gibt mit ihren Ideen dem Affen richtig Zucker. Die Akteure überzeugen mit herzerwärmendem Spiel.

VON WOLFGANG A. NIEMANN

WILHELMSHAVEN - Kein weltbewegendes Theater, sondern eine kleine romantische Komödie bietet „Post ut Talamone", die jüngste Inszenierung des Theaters am Meer. Schon die Premiere am Sonnabend aber bot ein solch herzerwärmendes Spiel, dass es das Publikum zum Abschlussbeifall von den Sitzen riss.

Der Zweiakter des versierten Stückeschreibers Frank Pinkus feierte an diesem Abend seine niederdeutsche Erstaufführung in der Übertragung durch Arnold Preuß, der auch selbst die Rolle des Tom Steinmanns spielte. Eingangs turteln da im einzigen Hotel des italienischen Ferienortes Talamone dessen Empfangschef Frank (Rune Opitz) und die ebenso attraktive wie flirtwillige Ulrike (Stefanie Herre), die ihrem Ex, der während des gemeinsamen Urlaubs ausgebüxt ist, kein bisschen nachtrauert.

Dann jedoch erscheint die elegante Ellen Christiansen (Dagmar Wehrmann) und tritt ziemlich arrogant als Hausgast mit viel Gepäck auf. Und während sie noch den braven Frank scheucht, trudelt als nächster Gast Tom ein, genervt, verschwitzt und wie die Christiansen angeblich verwitwet. Für die klingt Talamone im Übrigen „nach Sonnenschein und dösigen Kerls", während Tom erst aufblüht, als ihm Ulrike unter die Augen kommt.

Zugleich offenbart er sich als wehleidiger Jammerlappen und sorgt für köstliche Szenen, wenn ihm ausgerechnet die herrische Ellen reihenweise Stachel von Seeigeln aus den Füßen ziehen muss. Allmählich wird klar, dass die beiden Mittfünfziger irgendetwas verbindet. Was zu grantigen Wortgefechten führt, als Tom heftig mit der jungen Ulrike flirtet und dabei seine angeblich verflossene Ehefrau als langweilig und hässlich schmäht. Tom und Ellen sind quasi zur Bewährung von ihren Kindern in einem Test gesteckt worden, um wieder zueinanderzufinden. Das aber führt zu herrlichen Wortgefechten. Und als sie gemeinsam auf eine Schiffsfahrt gehen, muss der umständliche Tom sogar im wahrsten Sinne des Wortes die Hosen herunterlassen. Immer wieder kommt es zu komischen Situationen und Gastregisseurin Nina Arena sorgt da für manch interessanten Regieeinfall.

So wie die versierte Bremer Regisseurin und Schauspielerin „dem Affen Zucker gibt“, setzt das spielfreudige Ensemble die tiefsinnige Grundidee flott und mit sanftem Charme um. Der hibbelige Tom und die gär nicht so coole Ellen finden zu dem von ihren Kindern erhofften Happy-End. Und neben Rune Opitz als Empfangschef Frank, eigentlich beider Sohn, überzeugte auch Stefanie Herre, die zwar erstmals beim Theater am Meer mitwirkte, aber bereits auf einige Erfahrung auf anderen Bühnen verweisen kann.

Fazit: ein rundum gelungener Theaterspaß, auf den sich nun die Zuschauer der weiteren Aufführungen freuen dürfen.

Die nächsten Vorstellungen sind am Freitag, 17. November, am Sonntag, 19. November, am Sonnabend, 25. November, Jeweils um 20 Uhr sowie am Sonntag, 26. November, um 15.30 und 20 Uhr im Theater am Meer, Kieler Straße 63.