Warum es das Publikum von den Sitzen riss

Wilhelmshavener Zeitung vom 12. November 2018

Warum es das Publikum von den Sitzen riss

THEATER AM MEER „Op Düwels Schuuvkaar": Alle Herausforderungen gemeistert

Standen auf der Bühne: (v.l.) Annika Gärtner (Helga), Arnold Preuß (Jan Spin), Rune Opitz (Heiko Herkens), Dagmar Wehrmann (Taline). Foto: Olaf Preuschoff, TaM

WILHELMSHAVEN/WAN - Mehr schiefgehen als bei der jüngsten Inszenierung des Wilhelmshavener Theaters am Meer konnte eigentlich gar nicht. Drei der sechs Rollen für das neue Stück mussten während der Proben umbesetzt werden und dann kam Dienstag vor der Premiere die Hiobsbotschaft: Clemens Otte fällt krankheitsbedingt aus! Das erklärte Marion Zomerland vom Bühnenvorstand am Samstag dem Premierenpublikum von Karl Bunjes „Op Düwels Schuuvkaar". Da sei nun Regisseur Arnold Preuß notgedrungen für die umfangreiche Rolle des Knechts Jan Spin eingesprungen und man bitte um Entschuldigung, wenn der zwischendurch immer wieder das Textbuch bemühen müsse.

Und das Ergebnis dieser Improvisation: die Premiere gelang so großartig, dass es das Publikum nach dem letzten Satz von den Sitzen riss zu Ovationen und Bravo-Rufen im Stehen.

Der Vierakter aus dem Jahre 1946, das sich ganz dieser Zeit direkt nach dem Krieg widmet, hat ohnehin seine zeitlosen Qualitäten. Und das Ensemble wurde dem mit seiner Spielfreude vollauf gerecht. Wenn da die handfeste Magd Taline (Dagmar Wehrmann) und Knecht Jan seit 25 Jahren den Herkenshof auf Schwung halten, kommt immer öfter Ärger auf, als der junge Bauer Heiko (Rune Opitz) als Heimkehrer aus der Kriegsgefangenschaft sich um nichts kümmert und lieber Geld mit Schwarzbrennerei machen will. Knecht Jan ist sein eifriger Mithelfer beim Brennen, Verstecken und den Kostproben. ´

Und dann turtelt Heiko auch noch ausgerechnet mit der „fludderigen Deern" Helga (Annika Gärtner), die als hochnäsiges Dämchen herumstolziert, sich gern beschenken lässt und mit bäuerlicher Arbeit so gar nichts am Hut hat. Als Taline wegen seiner Faulheit mit Streik droht, lässt sich Heiko zu einem heiklen Versprechen hinreißen: diejenige, die seinen Kuhstall bis 18 Uhr ausmiste und blitzblank mache, werde er heiraten!

Was die starke Taline zu Heikos Entsetzen tatsächlich schafft — und schon hat er die zweite Braut am Hals. Zwischendurch taucht auch noch Gendarm Hillmer (Walter Bleckwedel) auf, der zwar gern vom Schwarzgebrannten kostet, aber dessen Geheimnis nicht erfahren darf. Ganz nebenher ist er auch noch der Vater von Helga und bedauert den Bauern als ihren Verlobten. Schließlich kennt er deren Qualitäten so gut, dass er ihr sogar auf offener Bühne den Allerwertesten versohlt.

Der Bauer in Nöten, alles läuft durcheinander und nur in dem braven, fleißigen Flüchtlingsmädchen Marie (Chantal Müller) hat er eine ehrliche Hilfe, die immer wichtiger wird. Zumal die Verlobung und das Jubiläum von Taline und Jan bevorsteht und alle im Dorf davon wissen und kommen wollen. Ob und wie es dann zu einem Happy End kommt, soll hier nicht vorweggenommen werden.

Vor allem wird ihnen ein Theatervergnügen mit viel herzhaftem Humor geboten, bei dem insbesondere Dagmar Wehrmann als herzerfrischende Magd immer wieder die Szene beherrscht, aber auch Improvisationskünstler Arnold Preuß sein Komödiantentum sprudeln lässt.

Die nächsten Vorstellungen folgen am 16. und 18. November, jeweils um 20 Uhr, Kieler Str. 63.