PREMIERE Bühnenleiter Arnold Preuß muss kurzfristig einspringen

Jeversches Wochenblatt vom 13. November 2018

PREMIERE Bühnenleiter Arnold Preuß muss kurzfristig einspringen

Amateurschauspieler lassen sich von den personellen Sorgen nicht beeindrucken.

VON DIETMAR BÖKHAUS

Im Beisein von Knecht Jan Spin (links) und Dorfgendarm Fied Hillmer fordert Magd Taline vom Jungbauern Heiko Herkens, dass der doch endlich seine Arbeit auf dem Hof erledigt, statt Schnaps zu brennen. BILD: DIETMAR BÖKHAUS

WILHELMSHAVEN - Eine besondere, eine doppelte Premiere erlebten die Zuschauer im Theater am Meer in der Kieler Straße. Nicht nur, dass drei der sechs Rollen für das aktuelle Stück neu besetzt werden mussten, meldete sich auch noch der Schauspieler Clemens Otte am Dienstag vergangener Woche, vier Tage vor der Premiere, krankheitsbedingt ab. Seine Rolle im Stück „Op Düvels Schuuvkaar" von Karl Bunje musste neu besetzt werden.

Arnold Preuß, der in diesem Stück Regie führt, sprang in die Bresche und übernahm die Rolle des Jan Spin. „Eine solche Premiere hatten wir noch nie", sagte Marion Zomerland, die vor Beginn der Aufführung vor das Publikum trat und die Lage erklärte. Sie bat um Verständnis, wenn ab und zu mal ein Textbuch zu sehen sei. Eine ehrliche Ansage, die vom Publikum mit Applaus quittiert wurde.

Das Stück spielt im Frühjahr 1946. Die Stunde „Null", in der Nachkriegsdeutschland nicht nur durch Lebensmittelmarken und Aufteilung in vier alliierte Zonen gekennzeichnet ist, sondern auch durch riesige Flüchtlingsströme.  Es standen mit Chantal Müller (spielt das Flüchtlingsmädchen Marie), Arnold Preuß (Knecht Jan Spin), Dagmar Wehrmann (Magd Taline), Rune Opitz (Jungbauer Heiko Herkens), das Theaterurgestein Walter Bleckwedel (Dorfpolizist Fied Hillmer) und Annika Gärtner (Fied Hillmers Tochter Helga) wieder Akteure auf der Bühne, die ihr Handwerk verstehen.

Das Stück steht zum vierten Mal auf dem Spielplan des Theaters und hat nichts von seinem Reiz verloren, wie die Premiere am Samstag zeigte. Immer wieder gab das Publikum verdienten Zwischenapplaus bei dieser Komödie, in der Jungbauer Heiko Herkens gerade aus der Kriegsgefangenschaft auf seinen Hof heimgekehrt ist, der mehr schlecht als recht läuft. Der Bauer brennt lieber Schnaps mit Knecht Jan Spin und macht mit „dem echten Hullmannschen" Schwarzmarktgeschäfte. Jungbauer Heiko lässt sich von der leichtlebigen Helga (Annika Gärtner) den Kopf verdrehen, statt sich um seinen Hof zu kümmern.  „Wenn ich dich heiraten soll, dann muss ich aber eine Großmagd für die Landwirtschaft haben, die die Arbeit macht", sagt sie. Dabei muss dringend der Kuhstall ausgemistet und der Weidezaun zum Nachbargrundstück repariert werden, da schon mehrfach Kühe ausgebüxt sind. Aber nichts passiert, bis Heiko verspricht, diejenige zu heiraten, die ihm den Stall bis 18 Uhr ausmistet. So nehmen die Verwicklungen ihren Lauf.

Die Schauspieler wurden vom Publikum mit viel Zwischenapplaus, Bravo-Rufen und langanhaltendem stehenden Applaus am Ende des Stücks belohnt. Theaterleiter Preuß, der schon für das nächste Stück „Wer hett Angst Vör Virginia Woolf...?" probt, hat dafür gesorgt, dass die Gäste einen kurzweiligen Abend erlebten. Die Premiere ausfallen zu lassen, wäre für die Akteure keine Option gewesen — und die Zuschauer nahmen das Textbuch als unverhoffte Requisite an.