THEATER AM MEER Ensemble spielt überzeugend Rosenkrieg

THEATER AM MEER Ensemble spielt überzeugend Rosenkrieg

„Wer hett Angst vor Virginia Woolf?“ fesselt die Besucher

‚Wer hett Angst för Virginia Woolf?‘ mit Marion Zomerland (als Martha) und Arnold Preuß (als Schorsch) – Foto: TAM, Olaf Preuschoff

Wilhelmshaven. Das vierköpfige Ensemble im aktuellen Stück des Theaters am Meer, Edward Albees Ehedrama „Wer hett Angst för Virginia Woolf?“, überzeugt die Besucher mit leidenschaftlichem Theaterspiel. „Das Theater am Meer ist dafür bekannt, seinem Publikum regelmäßig auch besonders anspruchsvolle Schauspiele zu präsentieren,“ sagt Theaterleiter Arnold Preuß, der auch die Niederdeutsche Fassung geschrieben hat. „Das dies nicht unbedingt ‚typische‘ Niederdeutsche Theaterstück mit seinem wilden Humor und seinem düsteren Glanz aber so großartig bei unseren Besuchern und bei der Kritik ankommt, haben wir zwar gehofft, aber konnten es bei Leibe nicht ahnen. Daher sind wir sehr froh und glücklich, dieses besondere Stück im Spielplan zu haben.“

Die Rezensenten schrieben über die Premiere, dass die Aufführung im Wilhelmshavener Theater am Meer eine Herausforderung für Schauspieler und Zuschauer war. Nach zwei Stunden bittersten Ehekrieges aber riss es das Publikum zu stehenden Ovationen und Bravo-Rufen von den Sitzen. „Viele Besucher haben uns gratuliert, dass wir das Spektrum unseres Theaterangebotes so breit fächern und damit zeigen, wie hervorragend die Niederdeutsche Sprache geeignet ist, Gefühle auszudrücken,“ sagt Preuß. „Dies ist natürlich ein Lob, was uns in unserem Bemühen die niederdeutsche Sprache zu pflegen und zu erhalten, weiter den Rücken stärk.“

Darum geht es in dem von Ulf Goerges inszenierten Stück: Was kann geschehen, wenn nach Mitternacht zwei Ehepaare aufeinander treffen - ein älteres auf ein jüngeres? Wie spielt man „Die Gästefalle“? Und welche Regeln kann Mann oder Frau in einem brutalen Ehekrieg verletzen? Martha (gespielt von Marion Zomerland) und Schorsch (Arnold Preuß) - ihre Träume sind unerfüllt geblieben, ihre Illusionen haben sie verloren. Seit Jahren kleben sie an ihren Lebenslügen und führen einen permanenten Ehekrieg mit klaren Spielregeln: Den anderen kleiner machen als er sich selbst schon fühlt.

Nach einem Hochschul-Empfang für die neuen Dozenten kommen sie um 2 Uhr nachts angetrunken nach Hause. Schorsch will zu Bett gehen, aber Martha erwartet noch Gäste. Nick (Yannik Marschner) und Putzi (Sontka Zomerland) – er ist auf der Hochschulparty als neuer Dozent für Biologie vorgestellt worden. Sie sind bereit, sich den Spielregeln anzupassen. Zunächst Zaungäste eines ehelichen Schauturniers, werden sie bald aus ihrer Zuschauerrolle gerissen, voll in den Konflikt der Gastgeber einbezogen und müssen Stellung beziehen. Dabei wird das brüchige Fundament ihrer eigenen Beziehung immer deutlicher.

Die nächsten Termine
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Jeweils zu allen Vorstellungen auch Karten im freien Verkauf -

Sonnabend, 09. Februar 2019, 20 Uhr - Abo F
Sonntag, 10. Februar 2019, 15:30 Uhr - Abo N 3
Sonntag, 10. Februar 2019, 20 Uhr - Abo G
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Die Theke ist ihre liebste Bühne

WILHELMSHAVENER ZEITUNG, 9. FEBRUAR 2019

Die Theke ist ihre liebste Bühne

PORTRÄT Iris Watty betreut seit 2010 ehrenamtlich das Café des „Theaters am Meer"

In den Räumlichkeiten der Niederdeutschen Bühne an der Kieler Straße kümmert sie sich um das leibliche Wohl der Gäste. Ihre Leidenschaft zum Theater ist familiär bedingt.

VON DENNIS SANDHORST

Die Theke ist ihr Zuständigkeitsbereich: Iris Watty (WZ-Foto: Gabriel-Jürgens)

WILHELMSHAVEN - Ohne Ehrenamtliche geht beim „Theater am Meer" — der Niederdeutschen Bühne in Wilhelmshaven - nichts. Egal ob Schauspieler, Souffleuse oder eben auch die Thekenkräfte im „Café Kulissensnack", die helfenden Hände arbeiten alle kostenlos und voller Leidenschaft. Beispielhaft dafür ist Iris Watty. Bereits seit 2010 ist sie Thekenkraft im Café des „Theaters am Meer". An Vorstellungstagen steht , sie im Wechsel mit anderen Ehrenamtlichen hinter hinter dem Tresen und versorgt die Theatergäste mit Snacks sowie kalten und warmen Getränken. Außerdem teilt sie gemeinsam mit Kollegin Sandra Krüger die Schichten der Theaterkräfte ein.

Vor allem bei den Premieren ist sie sehr oft selbst mit von der Partie. „An den Premierenabenden öffnen wir um 19 Uhr, also immer eine Stunde vor der Aufführung“, sagt Iris Watty. Doch bereits vorher gebe es einiges zu tun, führt sie weiter aus: „Um 18 Uhr beginnen wir im Café mit der Arbeit. Dann bereiten wir die Tische vor, einige Gäste reservieren bereits ihren Platz für die Pause. Außerdem sind wir fürs Herstellen der Snacks — zum Beispiel Käsespieße — zuständig. " Pünktlich um 19 Uhr trudeln dann die ersten Gäste ein.

Dann, in den Pausen und nach dem Ende des Stückes, ist Iris Watty für ihre Kundschaft da. Denn auch nach der Aufführung bleibt das „Café Kulissensnack" für eine weitere Stunde geöffnet. „Gerade in diesem Zeitraum kommt man mit den Gästen ins Gespräch und tauscht sich mit ihnen aus. Es gibt fast ausschließlich positive Rückmeldungen, die sich vor allem an unsere Schauspieler richten", freut sich Iris Watty.

Vollkommen zu Recht, wie die erfahrene Thekenkraft weiter ausführt: „Ihnen merkt man definitiv nicht an, dass sie keine professionellen Schauspieler sind." Über die Qualität der Zurschaustellungen weiß sie auch familiär bedingt bestens Bescheid. Sowohl Iris Wattys Mann als auch ihr Sohn sind bzw. waren als Schauspieler beim „Theater am Meer" tätig. Sohn Kay begann in der Schauspielschule der Niederdeutschen Bühne und spielte fortan in mehreren Inszenierungen eine Rolle. Damals noch zu Zeiten, als die plattdeutschen Stücke im Stadttheater aufgeführt wurden – begann uahc das Engagement der Eltern von Kay Watty.

„Damals haben wir dabei geholfen, die Bühnenbilder auf- und abzubauen. Aktive Mitglieder waren wir noch nicht." Das änderte sich nach dem Umzug an die Kieler Straße schlagartig. Iris Watty übernahm eine tragende Rolle im „Cafe Kulissensnack“, ihr Mann Wolfgang Watty wurde Schatzmeister. Wolfgang Watty ist mittlerweile auch als Schauspieler tätig. Nur allzu gerne hätte er das bereits eher getan.

Das wollte unser Sohn allerdings nicht. Zumindest solange er noch bei Aufführungen dabei war.“  Aufgrund seines Studiums wohnt Kay Watty jedoch nicht mehr in Wilhelmshaven, so dass auch Vater Wolfgang ins Rampenlicht gelangte. Mit ihrem Mann ist Iris Watty bereits seit 24 Jahren verheiratet. Neben ihrem Sohn haben die beiden noch eine gemeinsame Tochter. Kennengelernt hat die gebürtige Wilhelmshavenerin ihren Liebsten bei einem Treffen mit einer Freundin in einer Bar. „Da sind wir hingegangen, weil ein gemeinsamer Freund ebenfalls dort den Abend verbrachte." Eben jener Freund hatte in ihrem späteren Mann Wolfgang seine Begleitung. Seither sind die beiden ein glückliches Paar und teilen mit dem „Theater am Meer" ein zeitintensives Hobby. Zu vielen anderen Ensemblemitgliedern pflegt das Paar eine Freundschaft. Iris Watty: „Wir sind schon sowas wie eine kleine Familie. Besonders schön sind die Vorpremieren, wo alle zusammenkommen und das neue Stück gemeinsam schauen."

Zeit für andere Hobbys bleibt da nicht wirklich übrig im Tagesplan der Familie Watty. Nichtsdestoweniger schafft es Iris Watty einmal pro Woche zu ihrer Aqua-Jogging-Gruppe, was durchaus beachtlich ist. Denn zusätzlich zu ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit bei der Niederdeutschen Bühne übt sie zwei Berufe aus. Vormittags sitzt die Wilhelmshavenerin am Empfang einer Zahnarztpraxis, am Nachmittag ist sie als selbstständige Fußpflegerin unterwegs. „Die Ausbildung zur Fußpflegerin habe ich neben meinem Hauptberuf beim Zahnarzt absolviert. Meinen Kunden statte ich Hausbesuche ab, ein eigenes Studio brauche ich nicht.“

Erfolg: "Wer hett Angst vör Virginia Woolf?" im Theater am Meer

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 7. Februar 2019 - EVENTS IN DER REGION

"Wer hett Angst vör Virginia Woolf?"

Nick und Putzi (Yannik Marschner und Sontka Zomerland) - FOTO: TaM, Olaf Preuschoff

Was kann geschehen, wenn nach Mitternacht zwei Ehepaare aufeinander treffen - ein älteres (Marion Zomerland, Arnold Preuß) auf ein jüngeres (Yannik Marschner, Sontka Zomerland)? Martha und Schorsch - ihre Träume sind unerfüllt geblieben, ihre Illusionen haben sie verloren. Nach einem Hochschul-Empfang für die neuen Dozenten kommen sie um 2 Uhr nachts angetrunken nach Hause. Schorsch will zu Bett gehen, aber Martha erwartet noch Gäste. Nick und Putzi - sie sind bereit, sich den Spielregeln anzupassen. Zunächst Zaungäste eines ehelichen Schauturniers, werden sie bald aus ihrer Zuschauerrolle gerissen.

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Das Chaos menschlicher Beziehungen

JEVERSCHES WOCHENBLATT vom 22. Januar 2019

Das Chaos menschlicher Beziehungen

KULTUR Premiere von "Wer hett Angst vör Virginia Woolf?" begeistert Besucher im Theater arn Meer

Älteres und jüngeres Ehepaar treffen aufeinander - Streit ist vorprogrammiert

Martha (Marion Zomerland) und Schorsch (Arnold Preuß) bekämpfen sich mit Beleidigungen bis aufs Blut.
BILD: Dietmar Bökhaus

WILHELMSHAVEN/BOE - Streit, angedrohter Mord und eingebildete Schwangerschaft - um all das dreht sich der Klassiker "Wer hett Angst vör Virginia Woolf?". Nun feierte das anspruchsvolle Stück vergangenen Samstag im Theater am Meer Premiere und wurde von den Besuchern begeistern angenommen. Theaterleiter Arnold Preuß zeichnet für die Übersetzung des jüngsten niederdeutschen Stücks im Spielplan 2p018/19 "Wer hett Angst vör Virginia Woolf"? verantwortlich , das von Ulf Georges inszeniert. wurde. "Mit dem Wunschregisseur Goerges wurde ein erfahrener Profi gewonnen mit dem dieses Stück umgesetzt werden konnte", sagte Arnold Preuß.

In dem anspruchsvollen Klassiger geht es um das Chaos menschlicher Beziehungen. Es treffen nach Mitternacht ein älteres und ein jüngeres Ehepaar (Martha und Schorsch, gespielt von Marion Zomerland und Arnold Preuß sowie Nick und Putzi, dargestellt von Sontka Zomerland und Yannik Marschner) aufeinander.

Martha und Schorsch haben ihre Illusionen verloren und füllen ihr Leben nur noch mit Lügen. "Den anderen kleiner machen, als er sich selbst schon fühlt", das ist die Devise der beiden. Sie kommen von einem Hochschulempfang eines neuen Dozenten angetrunken nach Hause und sind direkt wieder an der gut gefüllten Hausbar zu finden,. Sie fangen sofort an sich zu bekriegen, da hat sich der Besucher noch nicht einmal richtig im Sessel positioniert. Auf sein Versprechen im Laufe des Disputes: "Ich bring dich um, Martha!", antwortet sie: "Nicht einmal dazu taugst Du!" Die Stimmung heizt sich weiter auf und die Anfeindungen werden gemeiner. Schorsch will zu Bett gehen, aber seine Angetraute erwartet noch Gäste: Nick und Putzi. Nick ist der neue Biologiedozent an der Hochschule. Beide sind zunächst nur Zaungäste der Konflikte ihrer Gastgeber werden aber bald schon in die ehelichen Kämpfe hineingezogen. Dabei offenbart sich, wie gefährdet ihre junge Ehe ist.

Nick hat Putzi geheiratet, weil er ihre eingebildete Schwangerschaft für wahr hielt und an das Vermögen ihres Vaters - ein Wanderprediger - rankommen will. Diese Erkenntnis ist ein Schock für Putzi. Schorsch kennt die Spielchen seiner Ehefrau Martha nur zu gut. Sie liebt es, mit den Gefühlen anderer zu spielen. Doch an diesem Abend ist alles anders und das Spiel eskaliert. Ungeniert verhöhnt und demütigt Martha ihren Schorsch, der es ihr nicht minder brutal heimzahlt.

Nachdem Schorsch in seiner Rage versucht hat, seine Frau Martha zu erwürgen, wendet diese immer extremere Mittel an, um ihn vorzuführen. Sie flirtet so lange mit Nick, bis dieser mit ihr in der Küche verschwindet. Schorsch kommt die Idee, wie er sich für die heftigen Demütigungen durch seine Frau rächen und auch ihren innersten unerfüllten Wunsch an diesem Morgen aufdecken kann. Martha hat ais Gegenbild zu ihrem trostlos erscheinenden Alltag in ihrer Fantasie einen Sohn erschaffen. der es weit gebracht hat. Schorsch beschließt, Marthas Lebenslüge zu zerstören. Er lässt in der eigenmächtigen Fortführung der Erzählung den Sohn sterben. Am nächsten Tag wäre diese Geschichte und somit auch der erfundene Sohn 18 Jahre alt und somit volljährig geworden.

Mit viel Wehmut und Ironie zeichnet Edward Albees Meisterstück messerscharf und doch mitfühlend das Bild des Menschen, der offenbar alles hat, um glücklich zu sein, es aber nicht schafft, dieses „Glück" zu begreifen. Ein Spiegel der Gesellschaft erwartet den Theaterbesucher. Bis tief in die Seelen und Herzen seiner Protagonisten bohren sich die Verletzungen dieser ehelichen Schaukämpfe. Gekonnt setzten Preuß und Zomerland die Szenerie dieses Ehegruselschockers gemeinsam mit Sontka Zomerland und Yannik Marschner um und beweisen einmal mehr, dass im Theater am Meer neben den heiteren Komödien auch anspruchsvolle Schauspielkunsl präsentiert wird. Die Besucher bedankten sich Ende der Premierenveranstaitung mit stehendem Applaus bei den Akteuren.

Begeistertes Bravo für bittersten Ehekrieg

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 21. Januar 2018

(Seite 1) - WILHELMSHAVEN Das Theater am Meer ging mit ""Wer hett Angst vör Virginia Woolf?" ein Wagnis ein. Die Premiere überzeugte auf ganzer Linie.

(Seite 6)

Begeistertes Bravo für bittersten Ehekrieg

SCHAUSPIEL Theater am Meer zieht mit „Wer hett Angst för Virginia Woolf?" Zuschauer in Bann

Eine Herausforderung für Akteure wie Publikum: Das Theaterstück ist auch schon mit Liz Taylor und Richard Burton furios verfilmt worden.

VON WOLFGANG A. NIEMANN

Marion Zomerland und Arnold Preuß lieferten eine herausragende schauspielerische Leistung ab.
FOTO: PREUSCHOFF/THEATER AM MEER

WILHELMSHAVEN - Diese Premiere im Wilhelmshavener Theater am Meer war eine Herausforderung für Schauspieler und Zuschauer: „Wer hett Angst för Virginia Woolf?" Nach zwei Stunden bittersten Ehekrieges aber riss es das Publikum zu stehenden Ovationen und Bravo-Rufen von den Sitzen.  Es war schon ein gewisses Wagnis, das legendäre Theaterstück von Edward Albee - vielen auch noch als furiose Verfilmung mit Liz Taylor und Richard Burton (1966) in Erinnerung - als plattdeutsches Stück auf die Bühne zu bringen. Arnold Preuß ist jedoch eine hervorragende Übertragung des intellektuellen Dramas gelungen und er selbst brillierte nun darin als Schorsch, abgetakelter Geschichtsprofessor.

Seine Ehefrau Martha, nicht nur ebenso kaputt und alkoholsüchtig wie er, sondern auch noch die Tochter seines Hochschulpräsidenten, spielt Marion Zomerland und sie steht Preuß an galliger Großartigkeit nichts nach. Gastregisseur Ulf Goerges treibt diese beiden zu immer neuen Höhepunkten der gegenseitigen gewollten Verletzungen und Erniedrigungen und er stellt ihnen mit Nick und Putzi auch noch die passenden „Opfer" entgegen.

Als Martha und Schorsch um 2 Uhr nachts schwer angeheitert von einer Feier heimkommen, will er nur noch ins Bett, sie aber hat noch Gäste eingeladen. Es sind der neue junge Biologieprofessor Nick (Yannik Marschner) und seine Frau Putzi (Sontka Zomerland), ein naives Doofchen.

Schon vor deren Eintreffen hatte sich das langjährige Ehepaar böse mit makabren Scherzen und niederträchtigen Bemerkungen so beharkt, dass Schorsch wutentbrannt drohte: „Ich bring dich um." Marthas gehässige Antwort:  „Nicht mal dazu taugst du."

Was sie dann im Beisein der unbeholfenen Gäste gegenseitig loslassen, macht diese fassungslos und treibt die zur Hysterie neigende Putzi zeitweise ins Bad. Der dabei versprühte Humor ist so giftig und verletzend, dass einem das Lachen meist im Halse stecken bleibt. Und während die zentral platzierte, gut gefüllte Hausbar unablässig regelrecht leergesoffen wird, laufen die von all ihren Eheschlachten und Lebenslügen wundgeriebenen Martha und Schorsch gegeneinander und später auch als eingespieltes Team in Bosheit mit dem Spiel „Die Gästefalle" gegen das junge Paar zu bitterböser Meisterschaft auf.

Doch diese unselige Nacht überschreitet Grenzen, sei es, dass Martha das Familiengeheimnis um den angeblichen Sohn anspricht und sich schließlich sogar handgreiflich mit Nick befasst und ihn „nach oben" abschleppt, sei es, dass Schorsch mit verbittertem Zynismus reagiert und das Heft zu einem vernichtenden Gegenschlag an sich reißt.

Auf dem Schlachtfeld gibt es am Ende nur Verlierer und die letzten nur noch gemurmelten Worte der erschöpften Kampfhähne lassen nach zwei Stunden intensivstem Schauspiel eine gewisse Reglosigkeit
der bis dahin gebannt lauschenden Zuschauer zurück. Bis es sie zu begeistertem Beifall und Bravo-Rufen von den Sitzen reißt.

Und wenn man den Seelen-Duellanten Marion Zomerland und Arnold Preuß eine absolut herausragende schauspielerische Leistung samt großem körperlichem Einsatz bescheinigt, seien auch die Auftritte von Yannik Marschner und Sontka Zomerland gewürdigt, denn ihnen bleiben in diesem Kriegsszenarium nur wichtige Nebenrollen, die aber haben sie ganz und gar adäquat ausgefüllt.

Die nächsten Aufführungen folgen am 25. und 27. Januar jeweils um 20 Uhr im Theater am Meer, Kieler
Straße 63.

"Wer hett Angst vör Virginia Woolf?" - Fotos von der Hauptprobe

"Wer hett Angst vör Virginia Woolf?" - Fotos von der Hauptprobe

Olaf Preuschoff hat unsere Inszenierung auf der 2. Hauptprobe fotografisch begleitet.

Zu sehen sind unsere Protagonisten Marion Zomerland als Martha, Sontka Zomerland als Putzi, Yannik Marschner als Nick und Arnold Preuß als Schorsch.

Martha und Schorsch (Marion Zomerland, Arnold Preuß)

Putzi und Nick (Sontka Zomerland, Yannik Marschner)

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