Enno Buß

Enno Buß

Enno Buß

- Mitglied
er gehörte seit 1946 zum Ensemble
er verstarb im April 1983

- Schauspieler
er stand in unzähligen Rollen auf der Bühne u.a.
spielte er den Schandarm Fiet Hillen in "Up Düwels Schuvkar" (1947),
den Steffen Korthals in "Dat Sympathiemiddel" (1950/51);
den Eugen Stork in "Hart gegen Hart!" (1950/51);
den Hinnerk in "Swienskomödie" (1951/52);
den August Dührkopp in "In Hamborg op St. Pauli" (1951/52);
den Bauer Reimers  in "De latinsche Bur" (1952/53);
den Hannes Pusch in "De vergnögte Tankstell" (1952/53;
den Hinnerk Vagelpohl in "De swatte Hannibal" (1952/53);
den Gastwirt und Postverwalter Brummer in "Alltomal Sünner" (1953/54);
den Krischan Rungen in "Besöök ut de Stadt (1954/55)
den Großknecht Anton in "Freesproken" (1954/55)
den Krischan in "Revolution in Riesdörp" (1954/55);
den Wilhelm Pieseke in "De Schelm van Möölbrook" (1956/57);
den Johnann Jungnickel in "Dat Herrschaftskind" (1956/57).

- Bühnenmaler
als gelernter Maler hat er bei vielen Bühnenbildern die Funktion des Bühnenmalers ausgeübt, u.a.
"Besöök ut de Stadt (1954/55);
"Freesproken" (1954/55)
"Revolution in Riesdörp" (1954/55).;
"Familie Pingel" (1954/55).

- Tingeln
er war ein bekannter und beliebter Solist, der bei Vereinen und Familienfest als Alleinunterhalter auftrat

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 12. April 1983

Ein großer Komödiant hat sich nun für immer verabschiedet

Trauer um Enno Buß von der Niederdeutschen Bühne

Von Barbara Schwarz

Heute um 13.45 Uhr findet in der Kapelle Friedenstraße die Trauerfeier für Enno Buß statt. Mit seinen Kindern und Enkeln trauern die Mitglieder der Niederdeutschen Bühne und viele Menschen in Wilhelmshaven und Umgebung, denen Enno Buß als einer der profiliertesten Spieler der Niederdeutschen Bühne, als ihr größter Komödiant, so viele frohe Stunden, so viel Lebensfreude geschenkt hat. Die Niederdeutsche Bühne trifft mit dem Tod von Enno Buß so kurz nach dem Verlust von Heino Aden ein weiterer schwerer Schlag. Als Spieler und auch als Mensch hinterläßt Enno Buß in den Reihen der Niederdeutschen eine Lücke, die so schnell — wenn überhaupt einmal — nicht zu schließen sein wird.

Noch im letzten November/Dezember hatte Enno Buß als Bauer Teedje Roggenkamp in Hans Gnants „Bleckschaden" auf der Bühne gestanden. Das Publikum wußte damals noch nicht, daß Enno Buß mit dieser köstlichen Charakterstudie, die ihm Gelegenheit bot, sein ganzes Können noch einmal auszuspielen, Abschied nahm. Enno Buß wußte, daß er nicht mehr lange zu leben hatte. Als ich ihn Anfang März am Bismarckplatz zum letzten Mal traf und wir über die Niederdeutsche Bühne sprachen, sagte er plötzlich: „Für mich ist ja nun alles zu Ende. Mir tut nur leid, daß ich nun nicht mehr spielen kann. Das Theater war mein Leben." Und weil ihm die Tränen in die Augen schossen, wandte er sich schnell ab und sagte nur mit einem Winken, ohne zurückzublicken, auf Wiedersehen.

Als Enno Buß dann noch vor Ostern wieder ins Krankenhaus mußte, besuchten ihn nicht nur die Kinder und Enkel, sondern auch die Mitglieder der Niederdeutschen Bühne Tag für Tag, bis die Kinder sagten: Behaltet ihn jetzt bitte so in Erinnerung. Zum Sterben aber ging Enno Buß wieder nach Hause, zu den Kindern. Seine Frau Else, die er 1938 heiratete, die ihm vier Kinder schenkte, hatte er vor zwei Jahren bereits verloren. Die Niederdeutsche Bühne aber hatte ihm, wie anderen verwitweten Mitgliedern auch, wieder neuen Lebensmut gegeben. Wenn er nicht auf der Bühne stand, sorgte er in der bühneneigenen Werkstatt dafür, daß die Kulissen richtig gemalt wurden. Der gelernte Maler und gebürtige Ostfriese griff selber wieder zu Pinsel und Farbe.

Enno Buß war der Spieler der Niederdeutschen, der am meisten auf der Bühne stand. Wenn er — ob als Bauer, Knecht, Schmuggler, Kapitän, Fischhändler oder Kaufmann — auf der Bühne stand, irgendwo schimmerte immer Enno Buß durch. Er war Erzkomödiant und eine unverwechselbare Persönlichkeit. Er brauchte noch gar kein Wort gesprochen zu haben, nur eben über die Bühne in seiner unnachahmlichen Ostfriesenart gegangen zu sein — und das Publikum bog sich schon vor Lachen.

Der 71jährige, der der Niederdeutschen Bühne seit 1946 angehörte, der so gern Döntjes erzählte, hat diese Erzählkunst nicht nur im Kreis der Familie und Bühnenkollegen gezeigt, sondern auch gern bei bunten Abenden in Vereinen, Verbänden und Altenheimen. Die Freunde der Niederdeutschen und alle, die Enno Buß als Spieler, als Döntjenerzähler, als Bühnenkollegen erlebten, haben ihn geliebt. Sie trauern mit seinen Angehörigen.