Övervall in Lüttgenbüttel (WE)

Oldenburger Erstaufführung

ÖVERFALL IN LÜTTGENBÜTTEL

Kriminallustspiel in drei Akten von Wolfgang Ebert, niederdeutsch Hans-Jürgen Ott

Inszenierung: Gerhard Erfurt a.G.
Bühnenbild: Hannes Kaebe
Regieassistenz: Karl-Heinz Herpel


Beleuchtung: Theo Pottbacker
Inspizientin: Berta Herpel
Souffleuse: Luise Pampuch

Rollen und Darsteller
Franz Peters, Polizeiwachtmeister - Wilhelm Pick
Walter Busse, Polizeiwachtmeister - Wilfried Pampuch
Erik Wöltjen, Polizeihauptwachtmeister - Hans Macker
Leni - Roswitha Bertz
Frau Lübben, Lenis Tante - Erika Kaebe
Opa Bienert, Alter Ganove a.D. - Günter Boye
Arthur Holsten, Bürgermeister - Heino Aden
Hein Garbers, Bauer - Enno Buß
Herr Eberlein, ein Reporter - Horst Jönck


Niemand soll doch bitteschön die Ruhe in Lüttgenbüttel stören, auch nicht Opa Bienert (von links Wilhelm Pick, Günter Boye und Wilfried Pampuch)  -eine Szene aus "Överfall in Lüttgenbüttel" - Spielzeit 1973/74 -

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Niederdeutsche Bühne immer erfolgreicher

Hier gibt es keine bösen Buben

In Lüttgenbüttel ist die Welt noch ganz und gar in Ordnung

Von Barbara Schwarz

Lüttgenbüttel muß in irgendeinem Traumland liegen; selbst morgens um 7 Uhr ist in keinem friesischen oder ostfriesischen Dorf die Welt noch so in Ordnung wie in Lüttgenbüttel, wo aus Kinokassen noch 8000 Mark zu rauben sind. Kein Wunder, daß die drei "Holden" der Polizeistation von Lüttgenbüttel nichts zu tun haben und in die Kreisstadt versetzt werden sollen. Das ist die Grundidee zu Wolfgang Eberts Kriminallustspiel "Överfall in Lüttgenbüttel" in der niederdeutschen Fassung von Hans-Jürgen Ott. Die Niederdeutsche Bühne brachte es Freitagabend als letzte Premiere der laufenden, für sie so erfolgreichen Spielzeit heraus.

Wenn auch - abgesehen von der wirklich hübschen Grundidee - das Stück nicht ganz so witzig und bis auf den letzten Akt nicht ganz so munter ist, wie ich es mir vorstellte, soliegt das keineswegs an der Iiebevollen Inszenierung, sondern eben am Stück selber. Die Aufführung der Niederdeutschen Bühne ist wie aus einem Guß (Regie Gerhard Erfurt, Regieassistenz: Karl-Heinz Herpel). Großartig vor allem Günter Boye als alter Ganove, als Opa Bienert - hintergründig, kauzig; besonders beeindruckend in der Szene, als er noch in der Polizeistelle sitzt, sich nebenan die Polizisten mit Bürgermeister, Kinobesitzerin und Nichte zum Gruppenbild aufbauen. Man spürt, wie er sich schnapstrunken von der Pritsche erhebt, langsam aufsetzt, einen Schlappen verliert, immer wieder zögert, bis er schließlich an der Tür steht, daß er die Lösung des Falls bringt.

Weit mehr Ausdrucksmöglichkeiten als Erik Ode und seinen Assistenten in der Kommissar Serie gibt "Överfall in Lüttgenbüttel" Hans Macker als schüchtern verliebten Polizeihauptwachtmeister Wöltjen, Wilhelm Pick als angelndem Polizeiwachtmeister Peters und Wilfried Pampuch als auf Freiersfüßen gehendem Polizeiwachtmeister Busse. Die drei sind ein köstliches Gespann. Anlaß, daß Polizeihauptwachtmeister Wöltjen im fortgeschrittenen Alter noch einmal verliebt ist wie ein Jüngling, ist Margarete Lübben, die Kinobesitzerin. Erika Kaebe bringt die zwischen tantenhafter Strenge und neckischer Verliebtheit Schwankende großartig.

Roswitha Bertz spielt die ebenfalls verliebt, zu Unrecht verdächtigte Nichte Leni mit sehr viel Komik und jugcndlicher Frische. Heino Aclen als Bürgermeister Holsten ist ganz der auf Würde bedachte Kommunalpolitiker, der die Gunst der Stunde nutzen will. Enno Buß diesmal in einer kleinen Rolle, spielt den Bauern Hein Garber so richtig schön treu-doof, auch ein wenig spökenkiekersch. Horst Jönck als Reporter entpuppt sich am Ende ...

Das Bühnenbild, das wirklich treffend die Atmosphäre der Amtsstube eines kleinen Polizeipostens vermittelt, schuf Hannes Kaebe. Allen an der Aufführung Beteiligten dankte das Publikum mit herzlichem Beifall, der - so schien mir - besonders auch Günter Boye galt.

Das Ensemble stellt sich zum Gruppenfoto: von links Horst Jönck, Enno Buss, Wilhelm Pick, Erika Kaebe, Heino Aden, Hans Macker, Günter Boye und vorne Roswitha Bertz und Wilfried Pampuch

Mordsgaudi auf der Polizeistation

PREMIERE "Överfall in Lüttgenbüttel"

Von Wilhelm Böhme

Wilhelmshaven. Mit dem Kriminallustspiel "Överfall In Lüttgenbüttel" von Wolfgang Ebert brachte die Niederdeutsche Bühne "Rüstringen" die 5. und letzte Inszenierung der Spielzeit 1973/74 heraus. Bei der Premiere erlebten im Wilhelmshavener Stadttheater die Freunde der plattdeutschen Mundart zwei köstlich vergnügliche Stunden. Unter Regie des Landesbühnen-Schauspielers Gerhard Erfurt wurde das in niederdeutsche Bearbeitung von Hans Jürgen Ott recht pointenreich servierte Stück mit lebhaftem Beifall vom Premierenpublikum bewertet. Für das einsatzfreudige Ensemble gab es mehrfach Szenenapplaus und langanhaltenden Schlußbeifall.

Der Dreiakter blendet in seinem stilecht gebrachten Bühnenbild von Hannes Kaebe in das Geschehen in einem mit drei Beamten besetzten Polizeiposten einer verträumten norddeutschen Gemeinde ein, deren Ordnungshüter wegen Fehlens von besonderen Ereignissen "arbeitslos" sind. Eine angekündigte Auflösung des Polizeipostens und eine Versetzung droht, was die Polizei-Dorfgewaltigen dann zum Erfinden von Kriminalfällen sehr mobil macht.

Wilhelm Pick, Wilfried Pampuch und Hans Macker spielen treffend und in humorgewürzten Dialogen die einfallsreichen Ordnungshüter. Sie verstehen es dabei prächtig, zunächst die bewußt triste Atmosphäre der Polizeistube zu einem turbulenten Wirbel aufzuheizen. Zunächst wird das einzige kriminelle Paradestück der Gemeinde, ein recht abgetakelter Ganovenopa, umwerfend lebensecht von Günter Boye dargestellt, zum Mitmischen bei erfundenen Kriminalereignissen veranlaßt. Danach zünden dann in einer Zwerchfelerschütternden Kettenreaktion in diesem niederdeutschen Schwank die Uberraschungseffekte.

Erika Kaebe tritt dabei als resolute, um ihre Kasse gebrachte Kinobesitzerin und aufmunternd zum Liebeswerben bei dem Polizei-Postenvorsteher in der Amstsstube in Szene. Roswitha Bertz spielt in natürlicher Anmut ihre Nichte, die nicht nur zarte Bande zu einem der um Versetzung bangenden Dorfgendarmen geknüpft hat. Mit von der Partie, seine Gemeinde für die Beibehaltung des Polizeipostens interessant zu machen, ist schließlich auch der Bürgermeister, in dessen Rolle Heino Aden hauteng, zeitweilig arrogant polternd, geschlüpft ist. Besonderen Beifall löste auch Enno Buß als dösig, tapsiger Bauer aus, wobei dann für eineu überraschenden Schlußakkord im großen plattdeutschen Bühnengaudi Horst Jönck als ein als Zeitungsreporter getarnter Edelganove sorgt.

Die "Superbullen" aus Lüttgenbüttel : Hans Macker, Wilfried Pampuch, Wilhelm Pick - eine Szene aus "Överfall in Lüttgenbüttel" - Spielzeit 1973/74 -

Peper un Solt (1. WA)

1. Wiederaufführung (2), davor 1954/55 gespielt

PEPER UN SOLT

Volksstück in drei Akten von Karl Bunje

Inszenierung: Heino Aden
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Beleuchtung: Theo Pottbacker
Tontechnik: Arnold Preuß
Inspizientin: Berta Herpel
Souffleuse: Brigitte Halbekath

Rollen und Darsteller
Gerd Bödeker, Landmaschinenbau - Hans Macker
Lisbeth, seine Tochter - Rosemarie Kümmel
Marie Peters, Inhaberin einer Pension - Hanna Christoffers
Theda, ihre Tochter - Luise Pampuch
Kathrin, Hausgehilfin bei Peters - Rika Jung
Cord Jaspers, Maschinenbauer - Wilfried Pampuch
Eggert Pannenborg, Buchhalter - Klaus Aden
Jochen Schlarmann, Nachtwächter - Enno Buß
Ewald Precht, Reisender in Schmierölen - Kurt Röthel

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"Nu ward de lüttje Pummel anleggt" - v.l. Hanna Christoffers, Luise Pampuch, Wilfried Pampuch und Rosemarie Kümmel - in einer Szene aus "Peper un Solt"

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

"Stürmischer Beifall für alle Spieler"

Heino Aden inszenierte Karl Bunjes Lustspiel "Peper und Solt"

Von Barbara Schwarz

Mit Szenenapplaus und lang anhaltendem Schlußbeifall für alle Spieler, aber auch für Heino Aden als Regisseur und Hannes Kaebe als Bühnenbildner bedankte sich am Sonntagabend das Premierenpublikum für zwei Stunden herrliche Unterhaltung. Die Niederdeutsche Bühne Rüstringen hatte mit ihrer vierten Inszenierung in dieser Spielzeit, Karl Bunjes Lustspiel "Peper und Solt", genau wieder den richtigen Griff getan, zumal das Stück für Publikumsliebling Enno Buss eine neue Paraderolle bot.

Der Handlungsablauf ist nur scheinbar verwirrend; wenn man das Geschehen im Theater miterlebt, ergibt sich logisch das eine aus dein anderen. Die Irrungen und Verwirrungen entstehen nur wie Lisbeth zum Schluß bekennt , weil sie so verbiestert war. Aber nicht nur Lisbeth, sondern auch ihr Vater, der Landmaschinenbauer Gerd Bödeker, die Pensionsinhaberin Marie Peters und der junge Maschinenbauer Cord Jaspers sind zeitweise verbiestert, so daß es zu Mißverständnissen kommt, die aber glücklicherweise alle gelöst werden können.

Die Maschine, die Gerd Bödeker konstruiert hat, wird mit Cord Jaspers Hilfe noch für die Ausstellung fertig. Tochter Lisbeth Bödeker wird trotz unehelichen Kindes wieder zu Hause aufgenommen. Theda Peters bekommt ihren Cord und ihre Mutter Marie hat doch noch Aussicht, Großmutter zu weiden. Buchhalter Eggert Pannenborg darf hoffen, die geliebte Lisbeth noch heimzuführen. Während der Reisende Ewald Precht froh sein muß, nur eine Ladung Peper und Solt anstatt Vier Millimeter Schrot in den Allerwertesten bekommen zu haben.

Und für die Hausgehilfin Kathrien und Nachtwächter Jochen Schlarmann wird alles beim alten bleiben: sie wird ihm auch künftig morgens, wenn er vom Dienst kommt, seinen Pannkoken backen und er ihn mit Peper und Solt verzehren. Die Welt ist wieder heil. Und das ist es auch, was das Publikum an solchen niederdeutschen Lustspielen so gern hat: man wird nicht mehr frustriert, sondern nett unterhalten. Man kann für einige Zeit seine Alltagssorgen vergessen.

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Am Ende ist wieder alles im Lot - v.l. das Ensembel von "Peper un Solt" Hanna Christoffers, Lusie und Wilfried Pampuch, Hans Macker, Enno Buß, Kurt Röthel, Rika Jung und Rosemarie Kümmel

Und bewundernswert ist auch immer wieder der Einsatz aller Mitwirkenden vor und hinter den Kulissen. Besonderes Lob verdient Luise Pampuch, die für die erkrankte Gerda Jörss einsprang und innerhalb von einer Woche die Rolle der Theda übernahm und sie dann auch noch frisch und lebendig spielte. Vor ihr kann man nur den Hut ziehen. Aber auch alle anderen Spieler waren voll da: Hans Makker war der sture Landmaschinenbauer Bödeker, Rosemarie Kümmel als seine Tochter rührte, wenn sie von ihrem auf See gebliebenen Bräutigam sprach. Hanna Christoffers als Pensionsinhaberin Marie Peters war resolut und manchmal recht unwirsch.

Wilfried Pampuch konnte nach einer Episode als Rocker in "Loop nich vörbi" jetzt als Cord Jaspers wieder den sympathischen Jungen von Nebenan spielen. Kurt Röthel als Ewald Precht, Reisender in Schmierölen, wirkte genauso glatt und ölig wie die Ware, die er vertrat. Klaus Aden in der etwas kleineren Rolle als Buchhalter Eggert Pannenburg durfte dagegen lieb und anständig sein.

Szenenbeifall bekamen vor allem Rika Jung als Hausgehilfin Kathrien und Enno Buss als Nachtwächter Jochen Schlarmann ein köstliches Paar. Wie Rika Jung als Kathrien das "Parfüm" entdeckt oder nach Schlüssellochguckerei Erkenntnisse von sich gibt, das war schon wahnsinnig komisch. Und Enno Buss, Nachtwächter mit "leicht kriminalistischer Ader", ist so pfiffig, ein solch ausgekochtes Schlitzohr, daß man einfach glaubt, er ziehe die verwickelten Fäden auseinander.

Mit dieser insgesamt hervorragenden Ensembleleistung und diesem gut geknobelten Stück von Karl Bunje wird die Niederdeutsche Bühne Rüstringen ihre Anhänger wieder begeistern.

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Katrin (Rika Jung) hätte auch gern so "wat Lütts hatt",  nun freut sie sich mit Lisbeth (Rosemarie Kümmel) und Theda (Luise Pampuch) - eine Szene aus "Peper un Solt" - Spielzeit 1973/74 -

"Peper un Solt" - gut gewürzt

Erfolgreiche Premiere der Niederdeutschen Bühne Rüstringen

Von Wilhelm Böhme

Mit dem Lustspiel "Peper un Solt" von Karl Bunje brachte die Niederdeutsche Bühne Rüstringen als weitere Inszenierung dieser Spielzeit wieder ein recht publikumswirksames Stück heraus. Bei der Premiere am Sonntagabend im Wilheimshavener Stadttheater erlebten die Freunde der plattdeutschen Mundart zwei köstlich vergnügte Stunden. Unter der Regie von Heino Aden gab es für die ausgezeichneten darstellerischen Leistungen des einsatzfreudigen Ensembles prasselnden Szenenbeifall und mehrere Vorhänge beim langanhaltenden Schlußapplaus. Dabei wäre die Premiere fast durch Erkrankung von Gerda Jörss geplatzt, wenn nicht Luise Pampuch in kurzfristiger Rolleneinstudierung in die Bresche gesprungen wäre.

Mit Erfolg. So wie der Titel des Stückes versprach, blieb bei der gelungenen Aufführung in jeder Beziehung "Peter un Solt" in allen drei Akten so gewürzt erhalten, daß dem Premierenpubikum vor Lachen über die urwüchsige Bauernkomödie die Augen tränten. Ausnahmslos hatten alle Akteure der Niederdeutschen Bühne Rüstringen durch die von ihnen glaubhaftt verkörperten dörflichen Typen ihren ebenbürtigen Anteil am großen Premierenerfolg. Nicht zuletzt verdient dabei auch das mit viel Einfühlungsvermögen von Hannes Kaebe gezeichnete Bühnenbild anerkennend herausgestellt zu werden.

Im turbulenten Bühnengeschehen spielt Hanna Christoffers die resolute Pensionsinhaberin, für die plötzlich die Welt nicht mehr in Lot ist, als sich unverhofft durch einen Säugling urkomische Situationen ergeben. Nicht schuldlos daran ist ihre Tochter, die von Luise Pampuch in natürlich erfrischender Anmut verkörpert wird. Sie ist die Verschworene ihrer mit Mutterglück gesegneten Freundin.Überzeugend gespielt von Rosemarie Kümmel. Den Poltergeist In der Pension, der zunächst nichts von seiner Opawürde wissen darf und als Fabrikant im Landmaschinenbau andere Sorgen hat, spielt in robust kerniger friesischer Art Hans Macker. Umwerfend komisch, in einer schalkhaften Paraderolle, weiß Enno Buss als Nachtwächter seine deftigen Akzente in diesern Bunje-Stück zu setzen.

Heiterkeitsausbrüche beim Premierenpubükum erregten allein schon die Dialoge mit der Haushälterin in der Pension, die in dösig-trampelhafter Weise von Rika Jung dargestellt wird. Als selbstbewußter, verliebter Handwerker tritt Wilfried Pampuch in der Komödie auf, während als Gegenpol in die fast bemitleidenswerte Haut einer schüchtern und demütigen Buchhalterseele Klaus Aden geschlüpft ist. Den heimlichen Schurken spielt in der "Peper-un-Sott"- Komödie Kurt Röthel, der als Reisender in Schmieröl den Premierengästen überzeugend eine schmierig-ölige Gesinnung demonstrierte,

Flitterweken (WE)

Oldenburgische Erstaufführung

FLITTERWEKEN

Lustspiel in drei Akten von Paul Helwig

Inszenierung: Gerhard Erfurt a.G.
Regieassistent: Karl-Heinz Herpel
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Inspizient: Berta Herpel
Requisiten: Klara Ihnen
Souffleuse: Erika Kaebe
Beleuchtung: Theo Pottbacker

Rollen und Darsteller
Ulla Witte - Gerda Jörss
Erich Stiebel - Heinrich Müller
Willi Helbrich - Karl-Heinz Herpel
Tina - Brigitte Halbekath
Sabine Senden - Roswitha Bertz

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v.l. Gerda Jörss, Heinrich Müller, Roswitha Bertz

Wilhelmshavener Zeitung

Wirklich fröhliche "Flitterwochen"

Gelungene Weihnachtspremiere der Niederdeutschen Bühne

von Barbara Schwarz

Zwei unbeschwert fröhliche Stunden hat die Niederdeutsche Bühne ihren Anhängern am zweiten Weihnachtstag geschenkt. Paul Helwigs Verwechslungskomödie "Flitterwochen" in einer Gemeinschaftsinszenierung von Gerhard Erfurt und Karl Heinz Herpel wirkte so frisch und flott, daß die Zeit wie im Fluge verging. Mit lang anhaltendem begeistertem Beifall dankte das Publikum allen Mitwirkenden. Diese Inszenierung, das ist sicher, wird garantiert eine der erfolgreichsten der Niederdeutschen Bühne in dieser Spielzeit.

Schuld an dem ganzen turbulenten Verwechslungsspiel ist Frau Senden, Mutter einer jungen Innenarchitektin Sabine. Sie fühlt sich schwer durch Willi Helbrich, Architekt, gekränkt, den sie zusammen mit der Tochter im Urlaub kennenlernte. Und die Tochter lernt ihn durch diese "Ramming" beim Kurkonzert noch besser kennen und schließlich so lieben, daß sie seine Frau werden will. Um jeden Preis.

Als die Mutter zur Kur ist, nutzt sie ihre Chance und heiratet ihn. Um aber der Mutter die Erlaubnis zur Heirat abzuschmeicheln, gibt sie im Brief per Foto einen anderen als ihren Bräutigam aus. Und das endet dann böse fast böse. Aber zum Happy End ist die Mutter dann doch mit dem richtigen Schwiegersohn einverstanden und der angebliche Angetraute der Tochter findet nach Schwierigkeiten endlich auch die Richtige, die Freundin der jungen Innenarchitektin.

Man ahnt das Ende zwar wie bei fast allen Komödien, aber bis es soweit ist, geschieht so manches und Heinrich Müller als angeblicher Ehemann Erich Striebel muß etliche saftige Ohrfeigen einstecken. Getragen wird die Komödie durch die Spielfreude aller Mitwirkenden. Roswitha Bertz spielt die patente Innenarchitektin Sabine frisch und weiblich. Gerda Jörss als ihre Freundin ist teilweise umwerfend komisch, vor allem, wenn sie an der ostfriesischen Sturheit ihres geliebten Erich Schier verzweifelt oder nach einer durchwachten, teilweise auch aus Verzweiflung durchzechten Nacht fast alle Hoffnung aufgibt. Heinrich Müller: Ideälbesetzung für diesen Berg von Sturheit, dieses Schlitzohr Erich Stiebel, diesen harmlosen Vertreter, der angeblich kein Wässerchen trüben kann.

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v.l. das Ensemble von "Flitterweken" - Gerda Jörss, Heinrich Müller, Brigitte Halbekath, Hildegard Steffens, Roswitha Bertz, Karl-Heinz Herpel

Karl Heinz Herpel spielt den netten Architekten und Frischangetrauten so mit beiden Beinen im Leben stehend; Hildegard Steffens ist die sportliche Schwiegermutter, die Ursache zu all der Aufregung. Brigitte Halbekath als liebe, aber einfältige Haushälterin, hat im Stück die dramaturgische Funktion der Stichwortbringerin, macht daraus aber eine richtig feine Studie.

Obwohl Gerda Jörss und Heinrich Müller, das komische Pärchen der Komödie, verdientermaßen besonders viel Beifall erhielten, muß man sagen, daß alle Mitwirkenden wirklich mit vollem Einsatz und viel Freude spielten, die auf das Publikum überging. Mit zum Erfolg beigetragen hat auch wesentlich wieder Hannes Kaebe, in dessen in frischen Farben gehaltenen Bühnenbild zum Fenster herein schimmerte ein Stück Alt Wilhelmshaven die Komödie abrollt.

Loop nich vörbi (UA)

dritte Gemeinschaftsinzenierung
Uraufführung

LOOP NICH VÖRBI

Schauspiel in neun Bildern von Klaus Meinert

Inszenierung: Dr. Viktor Warsitz a.G.
Planung: Willy Beutz
Bühnenbild: Hannes Kaebe
Inspizient: Günter Kühn

Rollen und Darsteller
Wanda, Hausfrau - Waltraud Bredfeldt, Oldenburg
Günter, ihr Mann - Arnold Cordsen, Brake
Horst, Jugendlicher - Norbert Pfeiffer, Brake
Heiko, Jugendlicher - Wilfried Pampuch, Jever
Vera, Jugendliche - Roswitha Bertz, Wilhelmshaven
Frl. Maaßen, Lehrerin - Ellen Beutz, Wilhelmshaven

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von links: Arnold Cordsen (Brake), Waltraud Bredfeldt (Oldenburg), Ellen Beutz (Wilhelmshaven) und Norbert Pfeifer (Brake)

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von links: Roswitha Bertz (Wilhelmshaven), Norbert Pfeifer (Brake) und Wilfried Pampuch (Jever)

Överraschungen an´n Abend (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

ÖVERRASCHUNGEN AN´N ABEND

Lustspiel in vier Akten von Franz Rauch

Inszenierung: Gerhard Erfurt a.G.
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Beleuchtung: Theo Pottbacker
Souffleuse: Hanna Christoffers
Inspizientin: Berta Herpel
Requisiten: Anke Weiß

Rollen und Darsteller
Helga Petermann, Angestellte - Rosi Kümmel
Lina, Angestellte bei Köhm-Kalli - Erika Kaebe
Willem Petermann, Angestellter - Klaus Aden
Krischan, Kippenmarder - Enno Buß
Tedje, de Spökenkieker - Karl-Heinz Herpel
Hein, der Schlingensäufer - Horst Jönck
Paul Andersen, Sohn von Hermann Andersen - Arnold Preuß
Kalli, "Köhm-Kalli" - Wilhelm Pick
Ein Matrose - Heinrich Müller
Hermann Andersen, Reeder - Kurt Röthel

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v.l. Arnold Preuß, Rosemaire Kümmerl

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Glänzender Auftakt der Spielzeit

Die Niederdeutsche Bühne mit "Överraschung an´n Abend"

von Heinz Hildebrandt

Die Niederdeutsche Bühne "Rüstringen" ist am Wochenende mit einem "Knüller" gestartet, der als glänzender Auftakt für die neue Spielzeit gelten kann. Franz Rauchs "Överraschung an'n Abend" wurde vom Publikum mit großer Freude und Begeisterung aufgenommen. Reicher Beifall galt allen Spielerinnen und Spielern, nicht zuletzt auch Gerhard Erfurt, dem Regisseur, dessen Mühe sichtbar und hörbar wurde.

Die heiter freundliche Geschichte mit der von einem Seehund und drei tüchtigen Seeleuten im Sturm geretteten "norske pike", mit Helga, ist so schlicht und schön, daß sie geradezu magisch anreizt, mit niederdeutscher Stimmung angereichert zu werden. So gelingt der Anfang in der Hafenkneipe am besten.

Hannes Kaebe hat ein vortreffliches Bühnenbild geschaffen, und drei trinkfreudige Sailors im Ruhestand beherrschen zusammen mit dem Schankwirt so intensiv das Geschehen, daß alle im Parkett und auf dem Rang angetan sind von der Dichte und Echtheit der Szenen. Enno Buß, Karl Heinz Herpel und Horst Jönck spielen das Seemannsterzett meisterhaft. Wilhelm Picks "KöhmKalli" könnte ausdrucksvoller kaum sein. Auch Heinrich Müller als Matrose, Erika Kaebe als Kallis dienstbarer Geist und das nette Liebespaar des Lustspiels Rosemarie Kümmel und Arnold Preuß tragen den 1. Akt, dessen Wirkung vorhalten muß.

Denn danach wechselt die Szene in das feudale Landhaus des reichen Reeders, wo zeitweilig auch Hochdeutsch gesprochen wird. Die Rolle des Reeders, dem das Norwegermädchen Helga zunächst nicht gut genug für seinen hoffnungsvollen Sprößling ist, bedarf eines besonders versierten Spielers, weil hier der Schlüssel zu der "Överraschung" liegt. So muß Kurt Röthel den Reeder doppelbödig bringen, damit die Überraschung total sein soll, und zwar für das glücklich liebende Paar und schließlich auch für das zweite Paar des Stücks, für Lina und Willem (Erika Kaebe und Klaus Aden).

Allen mit Recht gefeierten Darstellern ist eins gemeinsam: sie geben sich voll aus und erreichen eine beglücken de Verwirklichung der Absichten des Autors, der nichts anderes will als Freude und Unterhaltung schenken. An den bewährten Kräften der älteren Spielergeneration nehmen sich die jüngeren ein Beispiel. So gibt es eine geschlossene Leistung der "Elf" mit "Coach" Gerhard Erfurt. Das Spiel am Premierenabend endete siegreich, ohne Eigentor und ohne Abseits. Herzliche Glückwünsche den "Rüstringern"!

Das Ensemble: v.l. Arnold Preuß, Rosemarie Kümmel, Kurt Röthel, Horst Jönck, Heinrich Müller, Karl-Heinz Herpel, Enno Buß, Wilhelm Pick, Erika Kaebe und Klaus Aden

NORD-WEST-Zeitung

Eine recht heitere "Overraschung"

Gelungener Auftakt der Niederdeutschen Bühne Rüstringen

von Wilhelm Böhme.

Wilhelmshaven. Mit dem Lustspiel "Overraschung an'n Abend" von Franz Rauch eröffnete die Niederdeutsche Bühne Rüstringen ihre neue Spielzeit. Die Freunde der plattdeutschen Art erlebten bei der Premiere im Wilhelmshavener Stadttheater zwei köstlich vergnügte Stunden. Für das bereits bewährte Ensemble gab es auch in diesem amüsanten Vierakter wieder einmal Beifall auf offener Szene. Der überaus lebhafte Schlußapplaus des begeisterten Publikums erzwang bei der Premiere für den spielfreudigen Einsatz der Akteure mehrere Vorhänge.

Landesbühnen Schauspieler Gerhard Erfurt zeigt in seiner Regie ein gutes Einfühlungsvermögen. Mit leichter Hand weiß er in dieser Komödie das Ensemble selbst über handlungsarme Szenen zu leiten und in vielen kleinen Pointen den Uberqang zu einem spritzig heiteren Schlußakkord im Bühnengeschehen zu finden. Es geht in diesem niederdeutschen Lustspiel um ein inzwischen herangereiftes Findelkind, das aufgewachsen ist zwischen derb gutmütigen Seeleuten, die in einer Hafenkneipe dann über die Zuneigung ihrer "seuten Deern" zu einem Reedersohn ins Philosophieren geraten.

Bei "Köhm Kalli", dargestellt von Wilhelm Pick, fängt die ergötzliche Geschichte an. Der schon in vielen plattdeutschen Theaterrollen erprobte Laienspieler versteht es auch hier, völlig in die Haut eines Hafenkneipenwirtes zu schlüpfen und selbst aus einer recht wortkargen Art heraus Heiterkeitsausbrüche zu erwecken. Ihm zur Thekenseite steht als seine Hilfe Erika Kaebe. Resolut und glaubhaft in der von ihr demonstrierten Schlagfertigkeit mit einem "Schuß Herz" meistert sie auch in diesem Bühnenspiel wieder alle an sie gestellten Anforderungen.

Eingespannt wird sie dabei von Rosemarie Kümmel, die in überzeugender Natürlichkeit bei dieser "Överraschung an'n Abend" das Findelkind spielt. Charme und Anmut strahlt sie in den von ihr verlangten Verwandlungsszenen in eindrucksvoller Gestaltung aus. Den in sie verliebten Reedersohn verkörpert Arnold Preuß. Als Nachwuchsdarsteller bei der Niederdeutschen Bühne Rüstringen stellt dieser sich erstmals dem Publikum vor. Er verstand es, sich in seinem Part durchzusetzen.

Kurt Röthel weiß in diesem Lustspiel die Rolle des Reeders selbstgefällig und am Ende erhaben über weibliche List darzustellen. Umwerfend, bewußt dösig, fungiert hierbei Klaus Aden als sein Angestellter. Zu einem mitreißenden Vergnügen wird jedoch besonders der große Bühnenspaß durch die drei Köhmbrüder, die Enno Buß als Kippenmarder, Karl-Heinz Herpel als Spökenkieker und Horst Jönck als Schlingensäufer in zwerchfellerschütternden Typen parodieren. Als Matrose spielt dazu noch mit dem Schifferklavier Heinrich Müller auf, der mit seinen Getreuen aus der Kneipe auch das Publikum zum Taktschlagen herausforderte.

Eine empfehlenswerte Aufführung mit stilvollen Bühnenbildern von Hannes Kaebe und ein guter Start der Niederdeutschen Bühne in die neue Spielzeit, um weitere Freunde für das plattdeutsche Theater zu erobern.

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Mit 'alle Mann' auf den kleinen Matrosen (Heinrich Müller), von links Wilhelm Pick, Rosemarie Kümmel, Enno Buß, Karl-Heinz Herpel und Horst Jönck  - eine Szene aus "Överraschung an´n Avend" - Spielzeit 1973/74

Ostfriesen-Zeitung vom 11. Januar 1974

Die Niederdeutsche Bühne erfreute

Das Lustspiel "Överraschung an´n Abend" begeisterte und wird wiederholt

W i e s m o o r. Die Niederdeutsche Bühne Wiesmoor, die jetzt 20 Jahre dem Niederdeutschen Bühnenbund angehört und hier schon mit so mancher Aufführung erfreut hat, mußte zwar im vergangenen Jahr pausieren, weil ihr einige erforderliche Charakterdarsteller fehlten, doch hatte sie am Mittwochabend die Niederdeutsche Bühne Rüstringen, die mit dem Stadttheater Wilhelmshaven verbunden ist, zu einem Gastspiel nach Wiesmoor eingeladen.

Als Sprecher der Wiesmoorer Spoeldeel konnte dazu Rektor Eilers im Torfkrug auch den Präsidenten des Niederdeutschen Bühnenbundes, Willy Beutz aus Wilheimshaven, begrüßen. Eilers appellierte an alle Freunde des plattdeutschen Spiels, die selbst Lust zum Mitspielen haben, sich bei der Spoeldeel anzumelden.

Die Gäste aus Wilhelmshaven führten in Wiesmoor das vieraktige Lustspiel "Överraschung an'n Abend" von Franz Rauch auf und boten damit über den Inhalt des Stückes hinaus den Besuchern des Theaterabends allein schon durch ihre treffliche Spielweise und das gelungene Bühnenbild eine Überraschung. Die Handlung des unterhaltsamen Stückes spielt in den ersten Akten in einer kleinen norddeutschen Hafenkneipe, mit einfachen Mitteln doch recht typisch eingerichtet, selbst die Strichtafel über der Theke fehlt nicht. Die letzten Akte spielen sich in den Räumen eines Landhauses ab, bei dessen gekonnter Gestaltung die enge Beziehung der Bühne zum Stadttheater Wilhelmshaven offenbar wurde.

Um was es in der Handlung ging, kann der "Överraschung" wegen hier nur angedeutet werden. Vor allem geht es um das Liebesglück der einfachen, aber liebenswerten Angestellten Helga (Rosemarie Kümmel) mit dem Reederssohn Paul Andersen (Nachwuchsdarsteller Arnold Preuss), dem sich durch gesellschaftliche Voreingenommenheit und eigene Liebeswege des väterlichen Reeders (Kurt Röthel) einige Schwierigkeiten entgegenstellen. Es ist köstlich zu erleben, wie diese Schwierigkeiten durch mancherlei Listanwendung und mit viel deftigem Humor unter Mitwirkung des urwüchsigen Hafentrios Kippenmarder Krischan (Enno Buss), Spökenkieker Tedje (Karl Heinz Herpel) und Schlingensäufer Hein (Horst Jönck) mit Bravour überwunden werden.

Mit von der Partie sind der Kneipier Köhm Kalli" (Wilhelm Pick), dessen treffliche Angestellte Lina (Erika Kaebe), ein Schifferklavier spielender Matrose (Heinrich Müller) und der Reeder-Angestellte Willem Peterrnann (Klaus Aden). Dabei waren es vor allem immer wieder die als herrliche Hafentypen charakterisierten Darsteller des verschlagenen Krischan, des alles unzweifelhaft vorausahnenden Tedje und des verschmitzt Unmengen Alkohols verschlingenden Hein, die im Torfkrug helle Begeisterung hervorriefen. Mit ihrer Nennung sollen jedoch die Leistungen der übrigen Mitwirkenden nicht herabgesetzt werden.

Nicht zu unterschätzenden Anteil am guten Erfolg der Aufführung, die sich auch durch eine gute Beherrschung der plattdeutschen Sprache auszeichnete, hatte Gerhard Erfurt, bekannt von der Landesbühne, der meisterhaft Regie führte. Für das schon lobend erwähnte Bühnenbild zeichnete Hannes Kaebe verantwortlich, als (sicher kaum benötigte) Souffleuse agierte Hanna Christoffers. Inspizientin war Berta Herpel. Bleibt nach dem großen Beifall zu hoffen, daß die Wiederholungsaufführung am 16. Januar im Torfkrug einen vollbesetzten Saal hat.

Thea Witt maakt nich mit (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

THEA WITT MAAKT NICH MIT

Lustspiel in drei Akten von Jens Exler

Inszenierung: Heino Aden
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Beleuchtung: Theo Pottbacker
Souffleuse: Hanna Christoffers
Inspizientin: Berta Herpel
Requisiten: Anke Weiß
Tontechnik: Arnold Preuß

Rollen und Darsteller
Thea Witt, Witwe und Inhaberin der Gastwirtschaft "Zur alten Mühle" - Erika Kaebe
Peter Witt, ihr Enkel - Wilfried Pampuch
Momme Mogens, pensionierter Gemeindediener - Enno Buß
Martin Bollmann, Bürgermeister und Fleischwarenfabrikant - Wilhelm Pick
Frauke Bollmann, seine Tochter - Luise Pampuch
Carola Ganowski, ein Sommergast - Brigitte Halbekath
Jochen Hasselmann, ein Sommergast - Hans Macker
Irmgard Hasselmann, seine Tochter - Roswitha Bertz


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Fro Ganowski (Brigitte Halbekath) hett´n beten Pien, aber Irmgard (Roswitha Bertz), Thea Witt (Erika Kaebe) und Momme Mogens (Enno Buß) wissen zu helfen  - eine Szene aus "Thea Witt maakt nich mit" - Spielzeit 1972/73 -

Spektakel in Kleihörn (2. WA)

2. Wiederaufführung (3), davor 1949/50 und 1958/59 gespielt

SPEKTAKEL IN KLEIHÖRN

(DE VOSS IN DE FALL)
Lustspiel in drei Akten von Karl Bunje

Inszenierung: Hajo Freitag a.G.
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Beleuchtung: Theo Pottbacker
Souffleuse: Brigitte Halbekath
Inspizientin: Berta Herpel

Rollen und Darsteller
Hinnerk Brau, Bauer und Ziegeleibesitzer - Enno Buß
Käthe, seine Tochter - Gerda Jörss
Anthrin Frers, Wwe. - Hanna Christoffers
Gesche Slumps, Haushilfe bei Brau - Rika Jung
Anny Folkerts, Hausmädchen bei Brau - Rosemarie Kümmel
Folkert Folkerts, Ziegeleiarbeiter bei Brau, Annys Vater - Heino Aden
Krischan Stuhr, landwirtschaftlicher Gehilfe bei Brau - Günter Boye
Theo Baak, Bauingenieur - Friedrich Müller
Jan Mullfoot - Horst Jönck
Magnus Stindt - Kurt Röthel


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Hinnerk Brau (Enno Buß) bringt erwt einmal Schwung in die Abwascherei der Damen (v.l. Rosemarie Kümmel und Rika Jung) . Hinten kommt erfreut Tochter Käthe (Gerda Jörss) dazu - eine Szene aus "Spektakel in Kleihörn " - Spielzeit 1972/73 -

Twee Engels (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

TWEE ENGELS

Lustspiel von Janne Furch
Niederdeutsche von Günther Siegmund

Inszenierung: Willy Beutz

Rollen und Darsteller :
Mary Brinkmann - Ellen Beutz
Trude Engel (Doppelrolle) - Ellen Beutz
Bessie, ihre Tochter - Rosemarie Kümmel
Willy Schünzel - Heino Aden
Klaus Mönkeberg - Kurt Röthel
Psychotherapeut Dr. Schäfer - Heinrich Müller


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Heinrich Müller als Psychotherapeut Dr. Schäfer und Ellen Beutz als die französische Zwillingsschwester Mary Brinkmann - eine Szene aus "Twee Engels" - Spilelzeit 1972/73 -

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 28. Dezember 1972

Schwierigkeiten mit leichter Muse

Niederdeutsche Bühne Rüstringen spielte die "Twee Engels"

Von Barbara Schwarz

Die leichte Muse ist nur eine scheinbar leichte. Und es ist weniger schwierig, ein Drama zu inszenieren, als ein Boulevardstück so auf die Bretter zu bringen, daß es keine Längen hat, sondern witzig, spritzig und amüsant ist. In die Gattung der Boulevard Komödien gehört auch "Twee Engels" von Janne Furch, ein Stück, das von Günther Siegmund, Intendant des Hamburger Ohnsorg Theaters, ins Plattdeutsche übertragen wurde; ganz offensichtlich, weil die Doppelrolle der Trude Engel/Mary Brinkmann für den Zugstar des Ohnsorg Theaters, Heidi Kabel, eine Glanzrolle zu sein schien.

Aber schon die Aufführung des Ohnsorg Theaters in Hamburg zeigte, daß Stück, Doppelrolle - Grete Weiser auf den Leib geschrieben - und die spritzigen Dialoge und Monologe allein schon durch die Übertragung in die plattdeutsche Sprache an Tempo verloren, betulich wurden. Die Niederdeutsche Bühne Rüstringen hatte sich mit der Inszenierung der "Twee Engels", Regie Willy Beutz, eine zwar reizvolle, aber doch sehr schwierige Aufgabe gestellt, eine Aufgabe, an der auch Profis scheitern können. Das ganze Verwechslungsspiel um Mutter und Tochter Engel sowie Mutter Engels Zwillingsschwester Mary zog sich denn sehr zähflüssig hin.

Ellen Beutz in der Doppelrolle Trude Engel/Mary Brinkmann, Rosemarie Kümmel als ihre erfolgreiche Tochter Bessie, Heino Aden als Willy Schünzel und Kurt Röthel als Klaus Mönkeberg gaben ihr Bestes, aber solche Rollen erfordern ganz einfach schauspielerische Ausbildung, nicht nur Spieltalent. Heinrich Müller, einer der talentiertesten Spieler der Niederdeutschen Bühne, überchargierte den Psychotherapeuten Dr. Schäfer. Und Sächsisch im plattdeutschen Spiel, dazu in vielen Partien Hochdeutsch was bleibt da noch vom Niederdeutschen? Meiner Meinung nach täte die Niederdeutsche Bühne sich und ihren Freunden einen größeren Gefallen, wenn sie sich auf wirkliche niederdeutsche Lustspiele konzentrierte.

Gewiß ist es schwierig, jedes Jahr eine genügende Anzahl neuer Stücke zu finden, die spielbar und unterhaltsam sind. Aber das übliche Unterhaltungstheater sollte man doch besser der Landesbühne oder anderen Profi-Ensembles überlassen. Aufgabe der Niederdeutschen Bühnen ist meiner Meinung nach vor allem die Pflege des Plattdeutschen und der Volksstücke, die in dieser Sprache original geschrieben wurden. Darauf sollte man sich beschränken, auch wenn es dann nach einigen Jahren Wiederholungen gibt. Das Publikum verändert sich, wird jünger. Und auch eine heutige Inszenierung von Hinrichs' Komödie "Wenn de Hahn kreiht" um nur ein Beispiel zu nennen wird nicht der vor zehn Jahren gleichen. Und darum freue ich mich, daß als nächste Inszenierung wieder einmal ein Lustspiel von Karl Bunje "Spektakel in Kleihörn" auf dem Spielplan der Niederdeutschen Bühne Rüstringen steht.

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Auch ein Schluck Sekt, fragt der französische Teil der Zwillingsschwestern Mary Brinkmann (Ellen Beutz)? Dankend ablehnend vom Psychiater Dr. Schäfer (Heinrich Müller), obwohl Willy Schünzel (Heino Aden) bereit steht. Miteinander turteln rechts Bessie (Rosemarie Kümmel) und Klaus Mönkeberg (Kurt Röthel) - eine Szene aus "Twee Engels" - Spielzeit 1972/73 -

Leserbrief in der WZ vom 5.1.1973

Zwei heitere Stunden

Ich habe mich schon oft gefragt, warum wohl eine Theaterkritik so grundverschieden von der Resonanz des Publikums sein muß. Gewiß, der Kritiker betrachtet ein Stück unter anderen Aspekten - professionell sozusagen - , aber darf er dabei die Wirkung eines Stückes auf das Publikum, für das es ja letzten Endes gespielt wurde, völlig ignorieren? Auch im Falle der "Twee Engels" konnte ich in der Zeitung wieder einmal nachlesen, daß ich und viele meiner Bekannten (und der weitaus größte Teil der recht angetanen Premierenbesucher des 2. Weihnachtstages) mit unserem "Volksempfinden" wieder einmal völlig schief" lagen.

Die Niederdeutsche Bühne bereitete ihrem Publikum wiederum zwei amüsant heitere Stunden, die es am Schluß dankbar mit anhaltendem Beifall quittierte. Davon wird in der Kritik gar nichts erwähnt. Dagegen finde ich den Hinweis auf sogenannte klassische Trude Engel Darstellerinnen, wie beispielsweise Grete Weiser, absolut unangebracht, denn wer geht schon in ein niederdeutsches Theater in der Absicht, dort eine Pseudo Grete Weiser anzutreffen? Der von der Kritik so geschmähte Psychotherapeut, Dr. Schäfer, wurde vom Publikum doch sogar spontan mit Szenenbeifall bedacht.

Und daß in einem plattdeutschen Stück streckenweise da, wo es hingehört auch einmal Hochdeutsch gesprochen wird, werden sicher all die ebenfalls am Mundartlichen interessierten, aber des Niederdeutschen nicht ganz mächtigen Besucher der besseren Verständigung wegen dankbar vermerkt haben. Warum sollte einer Niederdeutschen Bühne nicht gestattet sein, worauf so prominente Bühnen wie das OhnsorgTheater oder der Komödienstadl nicht verzichten wollen ein breiteres und jüngeres Publikum anzusprechen und Volksgut (also die plattdeutsche Sprache) dem "Volke" nahezubringen? Schließlich spielt doch "Twee Engels" im Hamburger Raum, wo bekanntlich noch in allen Bevölkerungsschichten sehr viel plattdeutsch gesprochen wird.

Boulevard -Theater oder nicht "Twee Engels" war ein schöner Publikums Erfolg für die Niederdeutsche Bühne "Rüstringen"!
Annemarie Best
Schulstraße 76

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Auch hier turteln miteinander Rosemarie Kümmel und Kurt Röthel  als jugendliches Liebhaberpaar - eine Szene aus "Twee Engels" - Spielzeit 1972/73 -

Leserbrief in der WZ vom 16. Januar 1973

Eine echte Überraschung

Die herbe Premierenkritik, mit der die Inszenierung "Twee Engels" der Niederdeutschen Bühne "Rüstringen" bedacht wurde, blieb nicht unwidersprochen. Unter der Überschrift "Zwei heitere Stunden" erfolgte die Entgegnung aus der Sicht einer Theaterbesucherin. Vorbelastet durch die meinungsbildende Kritik der Rezensentin gestaltete sich das Erlebnis der von mir besuchten Aufführung zu einer echten Überraschung. Dem in der Leserzuschrift Gesagten kann ich voll zustimmen und auf die wiederum positive Aufnahme des Stückes beim Publikum hinweisen.

Die Aufführung und das Stück selbst veranlassen jedoch auch mich, zu zwei in der Kritik geäußerten Ansichten Stellung zu nehmen: Ich vermag nicht einzusehen, weshalb "solche Rollen ganz einfach schauspielerische Ausbildung und nicht nur Spieltalent" bedürfen. Wenn es nach Meinung der Rezensentin "übliches Unterhaltungstheater" sei und somit "doch besser der Landesbühne oder anderen Profi Ensembles" überlassen werden solle? Diese, die Stückwahl betreffende Kritik halte ich nicht für richtig. Warum soll ein aus dem Hochdeutschen übertragenes Stück ein Fehlgriff sein, da doch die Thematik des Stückes "Twee Engels" dem Plattdeutschen durchaus entgegenkommt. Anläßlich des 40jährigen Bestehens der Niederdeutschen Bühne "Rüstringen" ist immer wieder betont worden, neben der Pflege niederdeutschen Brauchtums und plattdeutscher Sprache den Besuchern Unterhaltung und heitere Theatererlebnisse zu vermitteln. Das ist mit dieser Inszenierung erfreulich gelungen.

Dr. Ernst Jürgen Kähler
Am Neuender Busch 28

Leserbrief in der WZ vom 26. Januar 1973

Von hervorragenden Leistungen angetan

Nach der eigenartigen, manchmal fast unsachlichen und auch unfairen Kritik von Barbara Schwarz über die Komödie ..Twee Engels" in der Wilhelmshavener Zeitung vom 28. Dezember 1972 habe ich trotzdem mit meiner Familie die Vorstellung am 13. Januar besucht. Verständlich, daß nach der oben angezeigten Kritik die Stimmung nicht gerade "theaterfreundlich" war. Um .so größer war unsere Freude über die dargebotene Leistung der einzelnen Künstler, wobei wirklich nicht nur Talent der tragende Faktor war. Gewiß spielt die langjährige Bühnenerfahrung der Regie und der Darsteller eine große Rolle. Daß es aber ohne schauspielerische Ausbildung aber mit Talent auch geht, hat diese hervorragende Aufführung bewiesen.

Außerordentlich bedauerlich finde in der Kritik den "Vergleich Heidi Kabel - Grete Weiser - Eilen Beutz. Das war wenig überzeugend. Wir waren Gast einer Niederdeutschen Bühne und wir sind alle von den hervorragenden Leistungen "unserer" Zwillingsschwestern Engel sehr angetan. Zu begrüßen waren die wenigen sächsischen Einlagen des Dr. Schäfer, die für eine willkommene Auflockerung sorgten. Im übrigen gehe ich mit den Ausführungen im Leserbrief von A. Best in der Ausgabe der WZ vom 5. Januar vollkommen konform. Mir bleibt nur übrig, auf die wirklich guten Leistungen aller Mitwirkenden vom Regisseur bis zum letzten Helfer hinter der Bühne mit besonderem Dank hinzuweisen.

Daß die Niederdeutsche Bühne ihre Aufgabe für die Pflege des Plattdeutschen mit "Twee Engels" sinnvoll und gelungen erweitert hat, ist mit Dankbarkeit und am 13. Januar von den Besuchern des gutbesuchten Hauses wiederholt mit Beifall auf offener Szene und mit großem Applaus am Ende der Vorstellung belohnt worden. Auch wir freuen uns - wie die Kritikerin im letzten Absatz zum Ausdruck gebracht hat, auf ein weiteres Lustspiel, und zwar "Spektakel in Kleihörn" von Karl Bunje. Gespannt sind wir darauf, ob die Kritik sich dann den Meinungen der sicherlich wieder zahlreich anwesenden Besucher etwas nähern wird.

Harm Martens
Mühlenweg 126

Swattbunte Farken (2. WA)

2. Wiederaufführung (3), davor 1950/51 und 1955/56 gespielt

SWATTBUNTE FARKEN

Lustspiel in drei Akten von Jens Exler

Inszenierung: Heino Aden

Rollen und Darsteller:
Erika Kaebe
Jörn Bessenbinner - Günter Boye
Enno Buß
Wilhelm Pick

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Sie spielen zwei ganz plietsche Exemplare: Günter Boye und Wilhelm Pick  - in einer Szene aus "Swattbunte Farken" - Spielzeit 1972/73 -

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Sie fühlen sich wohl auf dem Hof: Erika Kaebe, Enno Buß und Günter Boye - eine Szene aus "Swattbunte Farken" - Spielzeit 1972/73 -

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...und bist du nicht willig, so steck ich dich in die Tonne,  so dachte wohl Erika Kaebe und setzte Enno Buß mit´n Achtersten in de Regentünn  - eine Szene aus "Swattbunte Farken" - Spielzeit 1972/73 -

Kruut gegen den Dood (WE)

40 jähriges Bühnenjubiläum

Wilhelmshavener Erstaufführung

KRUUT GEGEN DEN DOOD

Märchenspiel von Hans Heitmann

Inszenierung: Wolf Rathjen a.G.
Bühnenbild: Hannes Kaebe
Frisuren und Perücken: Helmut Rudolf Kunze

Inspizientin: Berta Herpel
Souffleuse: Brigitte Halbekath
Beleuchtung: Theo Pottbacker
Tontechnik: Peter Otten

Rollen und Darsteller
Erzähler, Herrgottstimme - Willy Beutz
Tod - Karl-Heinz Herpel
Teufel - Günter Boye
Mutter - Ellen Beutz
Vater - Heino Aden
Junge, später Doktor - Hajo Freitag (a.G. von der August-Hinrichs-Bühne)
Mädchen, später seine Frau - Agda Tauscher
Steffen, Tagelöhner - Enno Buß
Nachbarin - Hanna Christoffers
Senator - Hans Macker
Senatorin - Erika Kaebe
Stine, Magd - Hildegard Steffens
Wirt - Wilhelm Pick
Fährmann - Waldemar Schröder


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Der Doktor (Hajo Freitag) steht zwischen Teufel (Günter Boye) und Tod (Karl-Heinz Herpel) - eine Szene aus "Kruut gegen den Dood" - Spielzeit 1972/73 -

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Der Doktor (Hajo Freitag) am Totenbett des Mädchens (Agda Tauscher). Dabei auch noch der Tod (Karl-Heinz Herpel) und Steffen (Enno Buß) der Tagelöhner - eine beeindruckende Szene "Kruut gegen den Dood" - Spielzeit 1972/73 -

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De Jung (Hajo Freitag) , de Deern (Agda Tauscher) und Steffen (Enno Buß) in eine Szene aus "Kruut gegen den Dood" - Spielzeit 1972/73 -

Dat Spöökhuus (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

DAT SPÖÖKHUUS

Lustspiel in drei Akten von Konrad Hansen

Inszenierung: Willy Beutz
Bühnenbild: Hannes Kaebe
Frisuren und Perücken: Helmut Rudolf Kunze


Inspizientin: Berta Herpel
Souffleuse: Rika Jung
Beleuchtung: Theo Pottbacker

Rollen und Darsteller
Hermann Kohrs, Obersekreträr i.R. - Hans Macker
Emil Kohrs, sein Sohn - Heinrich Müller
Greten Bruhns - Gerda Jörss
Gerd, Landstreicher - Wilfried Pampuch a.G.
Der Graf, Landstreicher - Günter Boye
Krischan, Landstreicher - Heino Aden
Lieschen Lange - Hildegard Steffens, Brigitte Halbekath
Wachtmeister - Wilhelm Pick


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De Graf (Günter Boye), Gerd (Wilfried Pampuch) und Krischan (Heino Aden) haben sich versteckt - eine Szene aus "Dat Spöökhus" - Spielzeit 1971/72 -

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 Lieschen Lange (brigitte Halbekath) im Gespräch mit Hermann Kohrs (Hans Macker) - eine Szene aus "Dat Spöökhus" - Spielzeit 1971/72 -

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Nun debattieren sie (v.l. Günter Boye, Wilfried Pampuch und Heino Aden) , was sie hier machen wollen - eine Szene aus "Dat Spöökhus" - Spielzeit 1971/72 -

Opa ward verköfft (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

OPA WARD VERKÖFFT

Lustspiel in drei Akten von Franz Streicher

Inszenierung: Willy Beutz
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Souffleuse: Brigitte Halbekath
Inspektion: Berta Herpel
Beleuchtung: Theo Pottbacker
Frisuren und Perücken: Rudolf Helmut Kunze

Rollen und Darsteller:
Hannes Kulenkamp, Bauer - Enno Buß
Schorsch, sein Sohn - Horst Jönck
Opa -
Heino Aden
Katrin, Hausgehilfin - Erika Kaebe
Peter Fiesebarg, Bauer - Wilhelm Pick
Hanni, seine Frau - Hanna Christoffers
Eva, ihre Tochter - Gerda Jörß
August, Landwirtschaftsgehilfe - Klaus Aden

Opa (Heino Aden) freut sich, Eva (Gerda Jörss) und Schorsch (Horst Jönck) verstehen sich gut, Fiesebarg (Wilhelm Pick) ist auch (noch) zufrieden  - eine Szene aus "Opa ward verköfft" - Spielzeit 1971/72 -

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Heino Aden - ein plietscher Opa

Niederdeutsche Bühne spielt einen bekannten Bauernschwank

Von Barbara Schwarz

Opa hat zwar schon eine Menge Jahre auf dem Buckel, aber er läßt keine Möglichkeit aus, anderen einen Streich zu spielen. Und so manche Fensterscheibe, so mancher gute Teller, ja selbst Fässer voller Wein gehen dabei in Dutt. Doch alles macht dem Opa gar nichts aus. Kein Wunder, daß seine Familie auf ihn nicht gut zu sprechen ist. Und als eines Tages ein mieser Erbschleicher den Opa kaufen will, um an Opas beide Häuser von denen die Familie nichts weiß heranzukommen, nimmt Schwiegersohn Kulenkamp die Gelegenheit wahr: Opa ward verköfft. Für tausend Mark.

Aber Erbschleicher Fiesebarg und seine Frau Hanni haben nicht mit Opas List und Tücke gerechnet. Und so schneiden sie sich denn gewaltig in die Finger. Opa macht ihnen die Hölle heiß und die Erbschaft bekommt sein Enkel Schorsch, der damit endlich seine geliebte Eva, die Tochter der miesen Fiesebargs, heiraten kann. Ursprünglich ist dieser Schwank von Franz Schleicher, der im bürgerlichen Leben Anton Hamik hieß und Schauspieler in Graz war, ein Paradestück bayrischer Dorfbühnen gewesen. Dr. Richard Ohnesorg übertrug den traditionellen Bauernschwank, der in viele andere Mundarten und Sprachen übersetzt wurde, ins Plattdeutsche.

Einige Ungereimtheiten entstanden dadurch, allerdings mehr äußerlicher Art. So z. B. trinkt Opa auf dem niederdeutschen Bauernhof Wein, und das noch aus einem Faß. Gewiß keine niederdeutsche Sitte. Bekanntlich halten es die Opas hierzulande mehr mit ostfriesischem Landwein. Auch ihre Flüche klingen etwas anders. Aber trotz allem war Heino Aden ein so unverfälscht niederdeutscher Opa, mit all seiner friesischen Pfiffigkeit und seinem hintergründigen Humor. daß man sich ihn schwer irgendwo anders vorstellen kann. Enno Buß, als sein Schwiegersohn und Bauer Kulenkamp bringt das Schlitzohrige gut heraus. Horst Jonck als sein Enkel Schorsch wirkt sehr sympathisch.

Wilhelm Pick als Erbschleicher Fieseberg stellt so einen richtigen fiesen Kerl auf die Bretter, Hanna Christoffers spielt überzeugend seine ehrgeizige Frau. Ganz reizend ist Gerda Jörß als beider Tochter Eva. Sie spielt ihre Rolle mit Witz und Charme. Erika Kaebe als geplagte Hausgehilfin Katrin zeigt, daß sie außer einer scharfen Zunge noch Herz hat. Klaus Aden spielt ihren Bruder August mit Pfiff. "Opa ward verköfft", das 1961 im Kino mit Hans Moser und Hubert v. Meyerinck und später in derselben Besetzung im Fernsehen viele erfreute, wird auch in der niederdeutschen Version gefallen. Einige Kürzungen täten dem Schwank vor allem vor der Pause, aber auch gegen Ende sicher noch gut.

Katrin (Erika Kaebe) wird von Opa (Heino Aden) ganz schön getriezt  - eine Szene aus "Opa ward verköfft" - Spielzeit 1971/72 -

Rund um Kap Hoorn (2. WA)

2. Wiederaufführung, davor 1952/53 und 1959/60 gespielt

RUND UM KAP HOORN

Lustspiel in drei Akten von Fritz Wempner

Inszenierung: Gerhard Erfurt a.G.
Bühnenbild: Hannes Kaebe


Rollen und Darsteller
Irmgard Christiansen - Rosemarie Ansari
Walter Christiansen, Reeder und ihr Vater - Wilhelm Pick
Mia Brinkmann, Privatsekretärin - Gerda Jörss
Jonny Tetens - Friedrich Müller
Karl Nass - Hans Macker
Falkenoog, Detektiv - Horst Jönck
Mollich, Detektiv - Enno Buß
Eduard Funk - Günter Boye


Jonny Tetens (Friedrich Müller) setzt die Detektive Falkenoog (Horst Jönck) und Mollich (Enno Buß) matt - "Rund um Kap Hoorn" - Spielzeit 1971/72

Darf ich vorstellen, das ist Mia Brinkmann (Gerda Jörss), meine Privatsekretärin,  sagt Reeder Walter Christiansen (Wilhelm Pick) zu Karl Nass (Hans Macker).  Jonny Tetens (Friedrich Müller) kann das nicht mit ansehen, seine EX! - eine Szene aus "Rund um Kap Hoorn" - Spilezeit 1971/72 -

Dat Glück liggt op de Straat (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

DAT GLÜCK LIGGT UP DE STRAAT

Lustspiel in drei Akten von Hans E. Jürgensen

Inszenierung: Willy Beutz
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Souffleuse: Hanna Christoffers
Inspektion: Berta Herpel
Beleuchtung: Theo Pottbacker
Frisuren und Perücken: Rudolf Helmut Kunze

Rollen und Darsteller
Lucie Klatt, Inh. der Ratstätte "Blaue Tanne" - Hildegard Steffens
Kuddel Dührkopp, Fuhrunternehmer - Heino Aden
Christa - Agda Tauscher
Willi Gerken, Fernfahrer - Wilhelm Pick

Knut Sievers, Fernfahrer - Wilfried Pampuch a.G. aus Jever
Benno Hennemann - Kurt Röthel

Nicht nur Glück, nein auch Gefahr liggt op de Straat - v.l. Wilhelm Pick, Wilfried Pampuch, Heino Aden, Hildegard Steffens und Kurt Röthel  - eine Szene aus "Dat Glück liggt op de Straat" - Spielzeit 1971/72 -

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 8. November 1971

Zweimal Glück in der Raststätte

Viel Beifall für "Dat Glück liggt up de Straat"

von Heinz Jacobs

Mit dem sicheren Gespür eines erfahrenen Bühnenleiters wählte Willy Beutz als zweite Inszenierung der diesjährigen Spielzeit ein Lustspiel aus, das einen so feinen Humor ausstrahlt, daß man daran seine helle Freude hat. Der Verfasser des Stückes "Dat Glück liggt up de Straat", Hans E. Jürgensen, hat jede Abgleitung in sich ohne weiteres anbietende schwankhafte Züge vermieden und darüber hinaus auch eine Forderung der Bühnenleiter erfüllt, die immer wieder bei Tagungen des Niederdeutschen Bühnenbundes vorgebracht wird. Er schrieb ein zeitnahes Stück, das nicht in oft verwendetem Bauernmilieu angesiedelt ist.

Eine kleine, aber blitzsaubere Raststätte an einer Landstraße, die nicht von vielen Fernfahrern aufgesucht wird, bietet den Rahmen für die Handlung. Wirtin der Rastätte "Blaue Tanne" ist eine recht ansehnliche Witwe, die sich zwar Existenzsorgen macht, aber auf die Hoffnung setzt, daß ein Autobahnzubringer unmittelbar an ihrem Hause vorbeiführen soll. Ein zweites Problem für diese Lucie Klatt ist die immer wieder vorgebrachte Werbung eines älteren Fuhrunternehmers, der selbst einmal Fernfahrer gewesen ist, für den sich Lucie jedoch noch nicht entscheiden kann. Erst der durch diesen hartnäckigen Bewerber um die Gunst der Wirtin aufgedeckte Schwindel eines aalglatten Betrügers bringt das Eis zum Schmelzen.

Lucie (Hildegard Steffens) träumt von besseren Zeiten, Dührkopp (Heino Aden) träumt mit - eine Szene aus "Dat Glück liggt op de Straat" - Spielzeit 1971/72 -

Wir sahen Hildegard Steffens bereits in zahlreichen Rollen auf der plattdeutschen Bühne, aber noch nie war diese beliebte Darstellerin so gelöst, wie in der Rolle der Lucie Klatt. Frau Steffens gewann von der ersten Szene an die Herzen der vielen Premierenbesucher am Sonnabend im Stadttheater. Regisseur Willy Beutz hätte keine bessere Darstellerin für diese Rolle einsetzen können. Weit über seine bisherigen Leistungen, die sich häufig in klischeehaften Wachtmeisterrollen erschöpften, wuchs Wilhelm Pick in seiner Rolle als Fernfahrer Willi Gerken hinaus. Er spielte mit feiner Zurückhaltung diesen Part und traf damit genau den richtigen Ton, selbst in Situationen, in denen er hätte seinem Temperament freien Lauf lassen können.

Ein Gewinn war zweifellos Wilfried Pampuch von der Niederdeutschen Bühne Jever, den die Wilhelmshavener bereits aus einer früheren Aufführung her kennen. Der Gast gab seiner Rolle als Fernfahrer Knut Sievers jene Forsche, die ihn als den kommenden jugendlichen Liebhaber der Niederdeutschen Bühne "Rüstringen" prädestiniert. Wir hoffen, diesen Darsteller mit seiner vollen Stimme und seinem herrlichen jeverländischen Platt noch oftmals zu sehen.

Herausragend war auch Agda Tauscher als Tochter des auf Freiersfüßen gehenden Fuhrunternehmers. Daß aus einem zarten Lastkraftwagenfahrer Christian plötzlich eine reizende blonde Christa wird, spürt der junge Fernfahrer Knut Sievers erst im letzten Augenblick, als er das Herz des jungen Mädchens längst erobert hat. Gut aufgehoben war die Rolle des verliebten ältlichen Fuhrmanns Kuddel Dührkopp bei Heino Aden, dessen sanfte Werbung allerdings bei Lucie Klatt erst im turbulenten Finale ihre stürmische Erfüllung findet. Heino Aden gab dem Fuhrunternehmer Dührkopp, der seine Tochter als Jungen auf den Bock seines Lastwagens setzt, die bedächtigen Züge eines reifen Mannes, der weiß, was er will, und der schließlich seine angebetete Lucie vor großem Verlust wahrt.

Die einzige hochdeutsch gesprochene Rolle, des geschniegelten Betrügers Benno Hennemann, hatte Willy Beutz Kurt Röthel anvertraut. Mehrfach belohnte das Publikum diese reife und ausgewogene Leistung mit Beifall auf offener Szene.

Obwohl der erste Akt einige Längen hat, die sich allerdings kaum vermeiden lassen, steigerte sich die Spannung von Szene zu Szene, vor allem auch, weil das ganze Ensemble sehr sicher und flott spielte. Die Inszenierung war zweifellos eine meisterliche Leistung, die volles Lob verdient. Sehr ansprechend war das Bühnenbild von Hannes Kaebe, die Gaststube der Raststätte "Blaue Tanne", in der sich zuletzt zwei Paare fürs Leben finden und ein Gauner überführt wird. Viel Beifall bewies Regisseur Willy Beutz, allen Spielern und Bühnenbildner Hannes Kaebe, daß diese Aufführung wieder ein Volltreffer war.

Christa (Agda Tauscher) taucht als rettender Engel auf, es staunen und bewundern  v.l. Wilhelm Pick, Wilfried Pampuch, Hildegard Steffens und Heino Aden  - eine Szene aus "Dat Glück liggt op de Straaat" - Spielzeit 1971/72 -

Wenn de Hahn kreiht (3. WA)

3. Wiederaufführung (4), davor vor 1939, 1948/49 und 1956/57 gespielt

WENN DE HAHN KREIHT

Bauernkomödie in drei Akten von August Hinrichs

Inszenierung: Willy Beutz
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Souffleuse: Erika Kaebe
Beleuchtung: Theo Pottbacker
Inspektion: Berta Herpel
Frisuren und Perücken: Rudolf Helmut Kunze


Rollen und Darsteller
Jan Kreyenborg, Gemeindevorsteher - Hans Macker
Gesine, seine Frau - Ellen Beutz
Lena beider Tochter - Rosemarie Ansarie
Wilhelm Tameling, Knecht - Enno Buß

Amtshauptmann Kröger - Horst Jönck
Gustav Piepers, Nachbarssohn - Klaus Aden
Peter Witt, Schneider - Heinrich Müller
Trina Witt, seine Frau - Gerda Jörss
Tierarzt Renken - Friedrich Müller
Wachtmeister Stindt - Waldemar Schröder


Willem Tameling (Enno Buß) hat immer eine Ausrede. Waldemar Schröder (als Polizist) und Horst Jönck schauen zu  - eine Szene aus "Wenn de Hahn kreiht" - Spielzeit 1971/72 -

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 27. September 1971

Ewig junge Bauernkomödie

Niederdeutsche Bühne brachte  "Wenn de Hahn kreiht"

von Heinz Jacobs

Es hat gewiß seine Berechtigung, wenn die Leiter der niederdeutschen Bühnen über einen Mangel an neuen und zeitgemäßen Stücken klagen. Daß aber eine psychologisch klug aufgebaute und gut geschriebene Bauernkomödie auch heute noch viel Beifall findet, hat Willy Beutz genau gewußt. Deshalb eröffnete er die neue Spielzeit der Niederdeutschen Bühne "Rüstringen" mit August Hinrichs' Bauernkomödie "Wenn de Hahn kreiht" am Sonnabend vor einem vollbesetzten Haus. Wer dieses Stück, das auch verfilmt worden ist, kennt, weiß um die Verwandtschaft zu Heinrich von Kleists "Der zerbrochene Krug". August Hinrichs schrieb ein durchaus eigen empfundenes plattdeutsches Bühnenstück, aber man ist unwillkürlich versucht, den Dorfrichter Adam mit dem polternden und pfiffigen Gemeindevorsteher Jan Kreyenborg aus irgendeinem oldenburgischen Dorf zu vergleichen, wenn er sich krampfhaft und doch mit Erfolg bemüht, seinen nächtlichen Besuch bei der überhaupt nicht anwesenden Tochter des Schneiders Peter Witt zu vertuschen und dabei sogar der ihm vorgesetzten Obrigkeit ein Schnippchen schlägt.

Diesem Jan Kreyenborg gab Hans Macker Leben und Gestalt, wie man es sich nicht besser wünschen konnte. Ein vollblütiger Bauer stand dort auf den Brettern, in heillosen Nöten ob seines Seitensprungs, der zu nichts anderem führte, als zu einem schmerzhaften Stich mit einer Mistforke in die achteren Körperpartien und der doch so spürbare Folgen haben sollte. Absolut kein Tadel für die Ausdeutung dieses Parts. Großartig Gerda Jörß! Welch ein Wandel von der zarten, fast ätherischen Lilofee zur schlampigen, keifenden Schneidersfrau Trina Witt! Diese Frau hat den Mut zur Häßlichkeit und gab eine so großartige Probe ihres reifen Könnens, wie selten zuvor. Das war gekonntes Spiel und verdient ein Bravo!

Der Dritte im Bunde der weit herausragenden Darsteller war Enno Buß als landwirtschaftlicher Gehilfe Willem Tameling. Das war einst die Paraderolle des noch heute unvergessenen Fritz Hoopts in Oldenburg. Doch Enno Buß brauchte bei diesem großen Künstler, keine Anleihe zu machen. Er stattete den Part des bauernschlauen und offenbar alles wissenden Knechts mit so vielen eigenen Zügen aus, daß er mehrmals Beifall auf offener Szene bekam. Der dritte Akt war absoluter Höhepunkt durch das Auftreten Heinrich Müllers als vertrottelter und wehleidiger Pantoffelheld Schneider Witt. Das Publikum raste vor Vergnügen über die glänzende Auslegung dieser Rolle. Heinrich Müller findet immer wieder neue Gags und gewinnt immer mehr Freunde, ohne ins Klischee zu verfallen.

Erfreulich war es, Ellen Beutz wieder einmal auf der Bühne zu sehen. Sie machte aus der etwas farblos angelegten Rolle der resoluten Bäuerin Gesine Kreyenborg eine Frau und um das Glück ihrer Tochter besorgte Mutter, wie man sie sich nicht besser wünschen konnte. Rosemarie Ansari hat längst die Sicherheit einer erfahrenen Spielerin und wurde darum von Regisseur Willy Beutz mit Recht als schon vor der Ehe: naschende Tochter Lena des liebestollen Gemeindevorstehers Kreyenborg eingesetzt. Mit feiner Zurückhaltung bewältigte sie ihre Rolle als Liebende und den Seitensprung ihres Vaters ahnende Tochter.

Die Rolle des Tierarztes Renken, der nächtens die Begonien der Gemeindevorstehersfrau zertrampelt, als er aus dem Schlafzimmerfenster der schmucken Tochter Lena steigt, wurde von Friedrich Müller gut gemeistert. Waldemar Schröder hatte bei seiner Spielerfahrung und seinem Talent keine Not mit der Rolle des Wachtmeisters Stindt, und Horst Jönck brachte die nötige Forschheit als den "Kriminalfall" Witt untersuchenden Amtshauptmanns auf. Recht gut war auch wieder Klaus Aden als etwas töffeliger Gustav Piepers, der sich vergeblich um die Gunst der reizenden Lena bemüht und doch nur Ohrfeigen erntet.

Abgesehen von einer kleinen Entgleisung gegen Ende des zweiten Aktes, die jedoch nur Kenner des Stückes spürten und die geschickt überspielt wurde, war die Aufführung wie aus einem Guß. Man spürte lie erfahrene Hand Willy Beutz' bei der Inszenierung in jeder Szene. Das Bühnenbild von Hannes Kaebe war wie konnte es anders sein stilecht und ansprechend. Die gelungene Aufführung wurde mit langem Beifall für das gesamte Ensemble, für Regisseur Willy Beutz und Bühnenbildner Hannes Kaebe bedacht. Fürwahr, ein glänzender Start in die neue Spielzeit!

Kreyenborg (Hans Macker) wäscht seine Hände in Unschuld. Ob ihm Gesine (Ellen Beutz) und Willem (Enno Buß) glauben?  - eine Szene aus "Wenn de Hahn kreiht" - Spielzeit 1971/72 -

WILHELMSHAVENER PRESSE vom 27. September 1971

"Hahn" sorgte für gute Laune

(wg) Mit einem Hahnenschrei eröffnete die Niederdeutsche Bühne Rüstringen am Freitagabend ihre Spielzeit 1971/72. Diese Äußerung eines anonymen gefiederten Künstlers war für das Publikum die Einstimmung in eine Bauernkomödie, die schon als klassisches Werk des niederdeutschen Theaters gelten kann: "Wenn de Hahn kreiht", von August Hinrichs.

Man braucht heute unter Stammbesuchern nicht mehr viel Worte über den Inhalt dieser Komödie zu verlieren. Der Zuschauer weiß in der Regel, was ihn erwartet, und trotzdem findet dieses Spiel wie die anderen, hier mit Erfolg aufgeführten Werke des Oldenburger Autoren immer wieder sein Publikum. Die "Rüstringer", für die Willy Beutz diesmal die Regie besorgte und Hannes Kaebe das Bühnenbild schuf, gingen also mit einer gewissen "Vorgabe" ins Spiel und traten im Bewußtsein des fast sicheren Erfolges auch unbeschwert und erstaunlich unbefangen auf. Die Besucher in den vorderen Reihen bewunderten jedenfalls den großen Appetit, mit dem einzelne Akteure immer wieder ins, Brot bissen, obwohl doch gemeinhin Premieren eher auf den Magen schlagen sollen.

Hans Macker, Ellen Beutz und auch die junge Rosemarie Ansari gaben als Familie Kreyenborg ein treffliches Trio ab. Hinzu kam schon etwas zuviel Filou, um noch als "dösiger Knecht" Willem gelten zu können Enno Buß, der die Lacher immer auf seiner Seite hatte. Friedrich Müller stand als freundlicher Tierarzt stets über den Dingen, während Horst Jönck unterstützt vom "Wachtmeister" Waldemar Schröder geradezu den Prototyp des betriebsamen, humorlosen Amtshauptmanns lieferte. Klaus Aden als Nachbarssohn hatte seine beste Szene, als er dem Nebenbuhler gegenüberstand; da verriet er seine Stärken. Gerda Jörß und Heinrich Müller bildeten ein komisches Paar, beide in der Rolle der Witts eine Sehenswürdigkeit des dörflichen Geschehens.

Fast überflüssig zu erwähnen, daß das Publikum gut gelaunt den Heimweg antrat.

Das Ensemble von "Wenn de Hahn kreiht"  mit dem Regisseur (Willy Beutz - Mitte mit Regiebuch)  - Spielzeit 1971/72 -

Rheiderland Zeitung vom 19. Oktober 1971

Rüstringer Schauspieler stets herzlich willkommen

Ein herrliches Vergnügen für mehrere hundert Theaterbesucher

WERNER. Ein herrliches Vergnügen wurde einigen hundert Besuchern am Sonnabend in der Aula der Kreisrealschule Rheiderland bereitet, und die allseitig bekannte freundliche Parole "Es darf gelacht werden" brauchte an diesem Abend nicht besonders ausgegeben zu werden. Fast bis auf den letzten Platz war der wunderschöne Theatersaal mit erwartungsfrohen Menschen aus dem gesamten Rheiderland besetzt, und sie alle wurden für ihr Kommen reich entschädigt.

Das seit vielen Jahren unermüdlich und "unverzagt" wirkende Volksbildungswerk in Weener hatte eingeladen und erzielte, man kann es nicht anders sagen, mit der von der Niederdeutschen Bühne Rüstringen aufgeführten Bauernkomödie "Wenn de Hahn kreiht" einen Volltreffer! Mit diesem Stück von August Hinrichs, des vor fünfzehn Jahren verstorbenen Altmeisters niederdeutscher Bühnenkunst, hat die genannte Bühne vor einigen Wochen ihre Spielzeit erfolgreich eröffnet; in nächsten Jahr will sie ihren "Vierzigsten" mit einem großen Bühnentag entsprechend feiern.

Wenn dieser oder jener Theaterbesucher am Sonnabend in Weener zunächst gewisse Bedenken gehabt haben sollte mit dem Plattdeutsch aus dem Lande rund um den Jadebusen "Verständigungsschwierigkeiten" zu bekommen, so wurde er dieser Sorge schon bald nach dem lustigen ersten Hahnenschrei enthoben; die Rüstringer Schauspielertruppe ließ schnell deutlich werden, daß ihr Platt "fast" unser Platt links und rechts der Ems ist. Man mußte nur an diesem Abend vielleicht ganz besonders scharf zuhören und auf den Tonfall achten dann war der Kontakt zwischen Bühne und Zuschauerraum hergestellt.

Auf diese hohe Kunst, daß der berühmte Funke von der Bühne ins Parkett springen möge, verstand sich August Hinrichs geradezu meisterhaft; sonst würden seine Komödien "Krach um Jolanthe" oder "För de Katt" oder "Alltomal Sünner`° oder eben "Wenn de Hahn kreiht" nicht seit Jahrzehnten solche Aufführungserfolge landauf landab sein. Der gelernte Tischler und später so erfolgreich gewordene Roman und Stückeschreiber August Hinrichs kannte und liebte seine niederdeutsche Heimat und hatte seinen Landsleuten bei all ihrem Tun und Treiben wirklich "aufs Maul geschaut", und nur so konnten ihm derartige Komödien aus der Feder fließen. Er griff "hinein ins volle Menschenleben", und so fand er in Stadt und Land d i e Typen, die er brauchte; kaum einen Berufsstand ließ er aus, all seine Männlein und Weiblein jeder Altersstufe baute er in eine publikumswirksame Handlung ein. So erging es ihm auch mit dem lustigen Spiel "Wenn de Hahn kreiht". Wie plötzlich und "unprogrammgemäß" die ländliche Ruhe gestört werden und der häusliche Friede in mehreren Familien einen gehörigen Knacks bekommen kann, das erlebt der amüsierte Zuschauer in drei turbulenten Aufzügen innerhalb von zwei Stunden.

Wenn ein Gemeindevorsteher mit seinen Freunden eine "wichtige Versammlung" bis in die Morgenfrühe leiten muß, wenn ein beim ersten Hahnenschrei aus einem gewissen Fenster springender junger Mann ein paar Geranien zertritt, wenn bei einem delikaten Einbruchsversuch eine, Mistforke ihre Spuren an einem "schenierlichen" Körperteil eines ehrenwerten Bürgers schmerzhaft hinterläßt, wenn ein gefundener Stiefel und ein abgerissener Jackenknopf zu Verdächtigungen und zu lautem Gezeter und Gejammer führen, wenn geflunkert und verheimlicht wird, daß die Wände wackeln dann m u ß ja bald das ganze Dorf förmlich auf dem Kopf stehen . . .

Wie schließlich sich alles noch zum Guten wendet, das ist mit genialer Hand, mit sprühenden Ideen und unvergleichlichem Humor von August Hinrichs weitergesponnen ein köstliches Unterfangen! Immer wieder dröhnten Lachsalven durch den Saal, auf offener Szene wurde mehr als einmal Beifall gezollt, und nach dem versöhnlichen Ausklang wurden die Darsteller mit anhaltendem Beifall begeistert gefeiert. Unter bewährter Regie von Willy Beutz spielte die Laienspielschar aus Rüstringen wie aus einem Guß. Hans Macker war ein grantiger, aber auch pfiffiger Gemeindevorsteher; Ellen B e u t z , seine Frau, hatte keinen Respekt vor Amt und Würden; Tochter Lena (Rosemarie A n s a r i ) verstand es mit List und Liebe, ihr Ziel endlich zu erreichen. Dieses Ziel war Tierarzt Renken (Friedrich M ü l l er). Eine glänzende Rolle spielte Willem (Enno Buß), der humorvolle und gewitzte Gehilfe auf dem Hof des. Gemeindevorstehers Jan Kreyenborg. Weitere Mitwirkende waren: der etwas steife und eckige Amtshauptmann Kröger (Horst J ö n c k ), der dienstbeflissene Wachtmeister Stindt (Waldemar Schröder), der liebebedürftige und immer wieder abgewimmelte Nachbar Gustav (Klaus Aden), der angstschlotternde Schneider Peter Witt (Heinrich M üller) und seine draufgängerische Frau Trina( Gerda J ö r ß ).

Hannes Kaebes Bühnenbild paßte so recht zur Handlung; es trug mit zum Erfolg dieses großartigen plattdeutschen Theaterabends in Weener bei. Die Rüstringer Schauspielertruppe wird man auch in Zukunft im Rheiderland mit Freuden willkommen heißen. (Ke)

Noch scheint keine dunkle Wolke das idyllische Familienfrühstück zu trüben.  Von links Gesine (Ellen Beutz), Tochter (Rosemarie Ansari) und Kreyenborg (Hans Macker) - eine Szene aus "Wenn de Hahn kreht" - Spielzeit 1971/72 -

Hochtietsreis ahn´n Mann (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

HOCHTIETSREIS AHN`N MANN

Lustspiel in drei Akten von Leo Lenz
Niederdeutsch von Hans-Jürgen Ott

Inszenierung: Willy Beutz
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Souffleuse: Brigitte Halbekath/Rika Jung
Beleuchtung: Theo Pottbacker
Inspektion: Berta Herpel

Rollen und Darsteller
Robert Hellwig, Maler - Heinrich Müller
Alfred Bornemann, Kunsthändler - Karl-Heinz Herpel
Luise Schulz, Lehrerin - Hanna Christoffers
Karin, ihre Nichte - Gerda Jörss
Franz Steiner, Maler - Hans Macker
Guste, Haushälterin bei Hellwig - Erika Kaebe

Zum Schluß finden sich die Paare? v. l. Erika Kaebe, Hans Macker, Karl-Heinz Herpel, Hanna Christoffers, Gerda Jörss und Heinrich Müller - eine Szene aus "Hochtietsreis ahn Mann" - Spielzeit 1970/71 -

WILHELMSHAVENER RUNDSCHAU

Hochtiedsreis', die viel Spaß bringt

Rüstringer in großartiger Spiellaune

Von Ernst Richter

Mit einer prächtigen und beifallsumrauschten fünften Inszenierung verabschiedet sich unsere Wilhelmshavener Niederdeutsche Bühne Rüstringen aus der Spielzeit 1970/71. "Hochtiedsreis' ahn Mann", Lustspiel in drei Akten von Leo Lenz, Niederdeutsch von Hans Jürgen Ott, zündete beim Publikum der Premierenvorstellung am Freitagabend im Stadttheater. Warum? Weil Heinrich Müller in der Rolle des vertrottelten eigenbrödlerischen Malers Robert Hellwig eine umwerfend erheiternde Vorstellung gab, weil Gerda Jörß als Herzensbrecherin Karin sehr temperamentvoll mit viel Charme und Chic loslegte, weil Erika Kaebe als Haushälterin Guste einmal mehr die heiteren Pointen ans Theaterpublikum zu bringen verstand, weil Karl-Heinz Herpel als Kunsthändler Alfred Bornemann geschickt zwischen Seriosität und Schelmerei seine Rolle ausbalancierte, weil Hanna Christoffers augenzwinkernd die so auf Sittsamkeit bedachte Lehrerin Schulz anlegte und weil, last not least, Hans Macker schließlich die scheinbare Verwirrung löste, den Gordischen Knoten durchschlug und für ein hübsches und keineswegs überdrehtes Happy End sorgte. Beifall! Beifall!

Da hat der Theaterrezensent gerade nach der vierten Aufführung der Niederdeutschen ein paar kritische Anmerkungen machen müssen. Ein wenig zu simpel hatte sich da unsere Laienspieltruppe ins Zeug gelegt. Natürlich bringt das Lacher ein, besonders bei denen, die ohnehin lachen. Aber am Ende fehlte eben das gewisse Quentchen Befriedigung, Beschwingtheit oder wie man es sonst nennen will, das den Besucher auch nach einem Nichts von Lustspiel, Schwank, Klamauk empfinden und als ganz kleinen persönlichen Schatz mit nach Hause nehmen möchte.

Anders nach der "Hochtiedsreis'ahn Mann". Hier tun sich geradezu elegante Gedankensprünge auf, es mangelt nicht an geistreichen Pointen, an überzeugender Gestaltungskraft. Mit einem Wort: Der Witz wird groß geschrieben. Das Ensemble verdien sich zwei Stunden lang Anerkennung.

Heinrich Müller bringt mit seiner störrischen Liebhaberpartie auch den verstocktesten Muffelbruder zum Lachen. Er und sein Bühnenkumpan Karl-Heinz Herpel geben ein Duett ab, das durchaus neben dem Hamburger Ohnsorg-Theater "Fernsehreife" besitzt. (Man verzeihe diese neue Wortschöpfung). Wie aber soll man sonst den Fernsehleuten beikommen, die wohl meinen, ständig nur die Hamburger auf die Mattscheibe bringen zu müssen, zu können! Selten gesehen - aber groß angekommen: Gerda Jörß. Ein paar Versprecher am Anfang ließ sie sehr schnell mit ihrem frisch, frech und keck angelegten Spiel vergessen. Man möchte ihr Bühnenerfahrung zugestehen, ohne damit das Kompliment schmälern zu wollen. Erika Kaebe ist schon so etwas wie ein Qualitätsbegriff für die "Rüstringer" Bühne. Sie spielt herzerfrischend gestenreich.

Das Stück ist überdies so recht für das Niederdeutsche geeignet, weil es sich dialektisch um eine gefühlsbetonte Mundart handelt und hier Emotionen in erheiterndem Sinn aufs Tapet kommen. Plattheiten kann sich der Niederdeutsche Sprachschatz nicht leisten!

Wieder führte Willy Beutz Regie. Mit leichter Hand und flüssigen Übergängen und ohne störende Längen brachte er die Handlung auf die Bühne. Das hübsche und sorgsam ins Detail gehende Bühnenbild von Hannes Kaebe paßt zu dieser Aufführung. Hier wird ein eingefleischter Junggeselle in den Hafen der Ehe gelotst. Daraus entwickelt sich ein feiner Spaß mit vielen Kontrapunkten Mit diesem Stück verabschiedet sich unsere Wilhelmshavener Niederdeutsche Bühne Rüstringen aus diesem Theaterjahr. Ein erfolgreicher Schluß, der schon Spaß auf die nächste Saison keimen läßt. Und bis dahin, um mit dem Bühnenleiter Willy Beutz zu sprechen: Dat goh jo good!

Vorher geht´s aber 'drunter und drüber'! v.l. Karl-Heinz Herpel, Erika Kaebe, Gerda Jörss und Heinrich Müller - eine Szene aus "Hochtietsreis ahn Mann" - Spielzeit 1970/71 -

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Heiterer Mannerfang mit List und Tücke

Beifall für plattdleutschs Lustspiel "Hochtietsreis` ahn Mann"

Von Heinz Jacobs

Mit einem außerordentlich flotten Lustspiel, das allerdings nicht dem Niederdeutschen entwachsen, sondern ins Plattdeutsche übertragen worden ist, beendet die Niederdeutsche Bühne "Rüstringen" ihre überaus erfolgreiche Spielzeit 1970/ 71. Leo Lenz schrieb diese prächtige Komödie, die von Hans Jürgen Ott in die niederdeutsche Sprache übertragen wurde. Ein sehr aufgeschlossenes Premierenpublikum wurde am Freitagabend im Stadttheater förmlich mitgerissen von der mitunter an einem zugkräftigen Schwank von Arnold und Bach erinnernden Aufführung, deren Inszenierung restlos überzeugte, wenn auch Frau Kaebe in ihrer Rolle etwas reservierter sein müßte.

Bühnenleiter Willy Beutz selbst führt nach langer Zeit wieder einmal Regie, und man spürt von vornherein eine langjährige Erfahrung. Es wurde herzerfrischend gespielt, die Rollen waren gut besetzt, so daß kein Wunsch offen blieb. Mit der Zentralfigur des einsam mit seiner ältlichen Haushälterin in einem abgelegenen Landhaus lebenden Malers Robert Hellwig, eines eingefleischten Hagestolzes, steht und fällt dieses Stück, so gezielt hat der Autor sie in den Mittelpunkt der Handlung gestellt. Willy Beutz betraute Heinrich Müller mit dieser Rolle. Er hätte keinen besseren Darsteller finden können, denn wie dieses Naturtalent seinen Part mit eigenen Gags anreicherte, war unübertrefflich wirksam.

Wie der frauenscheue Künstler durch List und Tücke unter den Pantoffel gerät, ist glänzend herausgearbeitet und wird glaubhaft gemacht. Gerda Jörß ist als Karin Schulz und angeblich jungverheiratete Frau Steiner das kleine Biest, dem es gelingt, den seit langem heimlich geliebten Mann zu erobern. Die Zuschauer erfreuten sich an einer gut ausgewogenen Leistung. Als Kunsthändler Bornemann steht Karl-Heinz Herpel zwischen seinem Freund Hellwig und der jungen Frau, die auf der Auto Hochzeitsreise angeblich ihren frischangetrauten Ehemann verloren hat. mit Sehwune und Charme meistert. Karl-Heinz Herpel in gewohnt zuverlässiger Weise diesen Part.

Hanna Christoffers hatte oftmals die Lacher auf ihrer Seite, als sie in ihrer Rolle als Lehrerin Luise Schulz und Tante der jungen Frau Karin unverhofft im Tusculum des Malers Hellwig auftaucht und ihre Nichte plötzlich als verheiratete Frau vorfindet. Erika Kaebe hüpft als Haushälterin Guste munter wie ein zartes Rehlein durch die Handlung (wozu eigentlich?). Diese Rolle enthält genug Situationskomik, um nicht unterzugehen. Als mit der jungen Karin befreundeter Maler Franz Steiner rundet Hans Macker in seiner souveränen Art den Kreis der Darsteller mit einer fehlerfreien Leistung in Sprache und Geste ab.

Der bereits während des Spiels vor allem für Heinrich Müller gespendete Beifall galt nach dem Schlußvorhang neben dem gesamten Ensemble vor allem der hervorragenden Regieleistung Willy Beutz' und nicht zuletzt auch Hannes Kaebe für ein stilechtes Bühnenbild, einem Maleratelier.

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