De Schelm van Möhlbrook (1. WA)

1. Wiederaufführung (2), davor 1956/57 gespielt

DE SCHELM VON MÖHLBROOK

Komödie in drei Akten von Erhard Asmus

Inszenierung: Willy Beutz
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Souffleuse: Gerda Jörss
Inspektion: Berta Herpel
Beleuchtung. Theo Pottbacker
Frisuren: Rudolf Helmut Kunze

Rollen und Darsteller
Stoffer Gröön - Enno Buß
Katrin, seine Frau - Hanna Christoffers
Margret, deren Tochter - Agda Tauscher
Lena, Magd - Erika Kaebe
Hans Holten Tippelbruder - Karl-Heinz Herpel
Wilhelm Pieseke, sein Freund - Wilhelm Pick
Jakob Munzel, Dorfschuster - Heino Aden
Jan Sibbert, Viehhändler - Klaus Aden
Wachtmeister - Horst Jönck

Stoffer (Enno Buß) und Pieseke (Wilhelm Pick) sind heftig am diskutieren - eine Szene aus "De Schelm van Möhlbrook" - Spileziet 1970/71 -

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

In Möölbrook gibt es mehr als einen Schelm

Erfolgreiche neue Inszenierung der Niederdeutschen Bühne Rüstringen

Von Barbara Schwarz

Da gibt es nicht nur einen, sondern eine ganze Reihe von Schelmen in Erhard Asmus' köstlichem niederdeutschen Lustspiel "De Schelm von Möölbrook", das die Niederdeutsche Bühne Rüstringen unter der Regie ihres Leiters Willy Beutz als vierte Inszenierung der laufenden Spielzeit herausbrachte. Bei der Premiere am Donnerstagabend gab es sehr viel Beifall und einen Frühlingsblumenstrauß für Willy Beutz.

Es ist wirklich erstaunlich und immer wieder bewundernswert, was diese Truppe von niederdeutschen Spielern in vielen Freizeitstunden erarbeitet. Das, was viele progressive Theater heute mit Mühen und intellektuellem Bauchaufschwung versuchen: volkstümlich zu sein, das Volk anzusprechen und zu packen, zum Lachen und Nachdenken zu bringen, schaffen die niederdeutschen Spieler ganz einfach spielend.

Und die Geschichten, die Spiele, sind auch meist so richtig schön aus dem Leben gegriffen mit einem Hauch von Märchen und breit ausgespielten Pointen. Da ist zum Beispiel Stoffer Gröön, der Müller von "Möölbrook" (Enno Buß), der lieber abends in der Wirtschaft mit den Bauern einen trinkt oder der Frau vom Schuhmacher nachsteigt, als sich um seine Mühle zu kümmern. Seine Frau Katrin (Erika Kaebe) ist darüber bekümmert und erbost. Aber am End nach vielen Verwicklungen, läuft die Mühle wieder, der Müller findet zu seiner Frau zurück und insgesamt gibt es drei glückliche Paare. Nicht ganz unschuldig an dem guten Ende sind die beiden Tippelbrüder Hans (KarlHeinz Herpel) und Willem (Heino Aden) und des .............richtiger Eulenspiegel, der für seinen Freund Hans, sehr sympathisch dargestellt von Karl-Heinz Herpel, und die von Agda Tauscher sehr munter gespielte Marlen alles in Ordnung bringt. Willem selber findet ein spätes Glück bei der braven Lena, die von Hanna Christoffers wirklich ganz lebensecht dargestellt wird.

Gute Studien lieferten Klaus Aden als gehörnter Schuhmacher und Horst Jönck als Wachtmeister. Das Bühnenbild von Hannes Kaebe gab wieder den richtigen Rahmen. Regisseur Willy Beutz hatte offensichtlich aus seiner Zinnsammlung einige Stücke beigesteuert. Darüber hinaus inszenierte er das Lustspiel zügig und straff, mit viel Gefühl für Situationskomik, so daß die Pointen wirklich ankamen und nicht wie manchmal im Gelächter einfach untergingen. Alles in allem: ein hübsches Spiel und eine lobenswert sorgfältige Inszenierung. Bewundernswert besonders die Spielfreude aller Beteiligten.

Am Schluß kriegen sie sich.... (v.l. Erika Kaebe, Enno Buß, Agda Tauscher, Karl-Heinz Herpel, Hanna Christoffers, Heino Aden)  - eine Szene aus "De Schelm von Möhlbrook" - Spielzeit 1970/71 -

WILHELMSHAVENER RUNDSCHAU

"De Schelm von Möölbrook" läßt lachen, aber auch Wünsche offen

Von Ernst Richter

Viel Beifall erhielt das Ensemble der Niederdeutschen Bühne "Rüstringen" am Donnerstagabend für die Premierenvorstellung "De Schelm von Möölbrook" von dem leider nicht sehr zahlreich ins Stadttheater gekommenen Publikum. Das Lustspiel von Erhard Asmus macht zwar auf treu doof und bedient sich gelegentlich auch politischer Geschehnisse aus jüngster Vergangenheit, um einen schwermütigen Hintergrund zu finden, erfüllte aber sonst die Erwartungen des betont heiter aufgelegten Premierenpublikums. Viel Beifall gab es auf offener Szene.

Dreh und Angelpunkt der Handlung ist wieder einmal in einer großartigen Paraderolle Enno Buß als Müller von Möölbrook. Seine Frau Katrin, dargestellt von Erika Kaebe, kommt ihrem Stoffer aber hinter die Schliche, ausgelöst durch das unerwartete Aufkreuzen von zwei Tippelbrüdern, die natürlich sofort in falschen Verdacht geraten. Karl-Heinz Herpel und Heino Aden spielen mit Bravour das Duo Hans und Willem. Gut in Szene setzte sich Wilhelm Pick als Viehhändler Jan Sibbert. Von einer sehr charmanten Seite zeigt sich Agda Tauscher als des Müllers Töchterlein Marlen. Fast schon etwas zu naiv spielt Hanna Christoffers das Hausmädchen Lena. Dazu gesellen sich Klaus Aden als Dorfschuhmacher Munzel und Horst Jönck .in der Rolle eines Wachtmeisters.

Es geht um eine zerrissene Hose, um einen amourösen Fenstereinstieg und um falsche und richtige Verdächtigungen. Dann steckt der Falsche eine Tracht Prügel ein. Zum Schluß aber finden sich die Paare zur Freude der Zuschauer. Willy Beutz inszenierte das lustige Spiel, das in seiner deftigen Sprache zu einem echten Schwank wird. Das gemütliche Bühnenbild baute nach bewährten Vorbild Hannes Kaebe. Diese vierte Inszenierung der Spielzeit 1970/71 wird sicher den ungeteilten Beifall der treuen Anhängerschaft unseres niederdeutschen Theaters finden. Andererseits wünscht man sich einen frischen Wind, der die alten Schwänke von der Bühne fegt.

Sicher, es besteht kaum ein Angebot neuer und moderner Stücke, von den wenigen sollte aber doch mehr Gebrauch gemacht werden. Bestimmt wünschen sich auch die "Rüstringer" mehr Zuschauer, was mit solchen Stücken aber kaum zu schaffen sein wird.

Das Ensemble von "De Schlem von Möhlbrook: v.l. Agda Tauscher, Enno Buß, Erika Kaebe, Heino Aden, Horst Jönck, Karl-Heinz Herpel und Klaus Aden. - eine Szene aus "De Schelm von Möhlbrook" - Spielzeit 1970/71 -

Fro Pieper läävt gefährlich (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

FRO PIEPER LÄÄVT GEFÄHRLICH

(Busy-Body - Keine Leiche ohne Lily)
Kriminalkomödie von Jack Popplewell
niederdeutsch von Hans-Jürgen Ott


Rollen und Darsteller
Fro Pieper - Erika Kaebe
Rosemarie Hinrichs
Hildegard Steffens
Gerda Jörss
Arnold Fischer
Enno Buß
Westphal - Günter Boye
Kommissar Brockmann - Hans Macker

Wat wüllt Ji denn, ik lääv, sagt der Firmenchef (Enno Buß 3. v.r.), da staunen alle anderen, von Fro Pieper (Erika Kaebe l.) angefangen. Es folgen Rosemarie Hinrichs, Hildegard Steffens, Gerda Jörss, Arnold Fischer, Günter Boye und Kommissar Brockmann (Hans Macker) - eine Szene aus "Fro Pieper läävt gefährlich" - Spielzeit 1970/71 -

Strandräubers (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

STRANDRÄUBERS

Lustspiel in fünf Akten von Gerhard Bohde
in der Bearbeitung von Günther Siegmund

Inszenierung: Rudolf Sang
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Souffleuse: Hanna Christoffers
Beleuchtung: Theo Pottbacker
Inspektion: Berta Herpel
Frisuren und Perücken: Rudolf Helmut Kunze


Rollen und Darsteller
Mutter Tröllsch, Gastwirtin und Inh. einer Gemischtwarenhandlung - Erika Kaebe
Jens Jensen, Fischer - Wilfried Pampuch a.G. aus Jever
Knud Knudsen, Fischer - Horst Jönck
Niels Nielsen, Fischer - Klaus Aden
Der Strandvogt - Wilhelm Pick
Mine, seine Tochter - Rosemarie Harms a.G. aus Jever
Stine, seine Tochter - Luise Pampuch a.G. aus Jever
Trine, seine Tochter - Ulrike Toben a.G. aus Jever
Ruth von Ehren - Agda Tauscher
Hans Holt - Friedrich Müller

Niels (Klaus Aden), Jens (Wilfried Pampuch) und Knud (Horst Jönck)  bekommen vom Strandvogt (Wilhelm Pick) gehörig den Marsch geblasen  - eine Szene aus "Strandräubers" - Spielzeit 1970/71 -

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Fischer Jensen als "Meisterdetektiv"

Niederdeutsche Bühne brachte Lustspiel "Strandräubers"

von Heinz Jacobs

Was am Sonnabendabend bei der Premiere der Niederdeutschen Bühne "Rüstringen" im fast vollbesetzten Stadttheater praktiziert wurde, wird zu einer festen Einrichtung werden: die Verstärkung des Wilhelmshavener Ensembles durch Darsteller der Niederdeutschen Bühne Jever. Schon in dieser zweiten Inszenierung der neuen Spielzei setzte Bühnenleiter Willy Beutz vier Darsteller aus der Marienstadt ein.

Daß dieser Entschluß ein Erfolg war, bewies der starke Beifall der Zuschauer. Besonders Wilfried Pampuch aus Jever als Darsteller des Fischers Jens Jensen gewann sich die Herzen der Freunde unseres niederdeutschen Theaters im Sturm. Welch ein herrliches jeverländisches Platt spricht er!

Nicht minder fanden die drei jungen Spielerinnen aus Jever die Zustimmung und den Beifall des Premierenpublikums. Sie spielten auf der für sie zunächst fremden Bühne frei und unbefangen und beherrschen das Plattdeutsch einwandfrei. So kann diese Zusammenarbeit mit der benachbarten plattdeutschen Bühne nur ein Gewinn für die Wilhelmshavener sein.

"Strandräubers", ein Lustspiel in fünf Akten von Gerhard Bohde, wurde in der Bearbeitung von Günther Siegmund inszeniert, so, wie es die Freunde des Hamburger OhnsorgTheaters vom Fernsehen her kennen. Rudolf Sangs Verdienst ist es, daß die an sich dürftige Handlung viel Farbe und Esprit bekam. Er inszenierte sogar den reichlich schleppenden ersten Akt so straff, daß ermüdende Längen vermieden wurden. Erika Kaebe könnte als hehlerische Gastwirtin und Krämerin noch glaubwürdiger wirken, wenn sie etwas mehr Verschlagenheit ausdrücken würde. Diese Rolle läßt sich weitaus farbiger und mit mehr Aussagekraft gestalten. Dennoch war Frau Kaebe in dieser etwas derben Rolle großartig wie eh und je, und sie fügte ihren Erfolgen in langen Bühnenjahren einen neuen Beweis ihrer Gestaltungskraft bei.

Überraschend gut, vor allem in der treffend gestalteten Mimik war Wilhelm Pick als Strandvogt und Vater von drei Töchtern. Jens Jensen, der Fischer und gelegentlich Strandräuber, der sich als "Meisterdetektiv" fühlt, weil er dauernd Kriminalschmöker liest, wurde von Wilfried Pampuch (Jever) in einer Art dargestellt, die keinen Wunsch offen ließ. Von ihm erwarten wir noch manche gute Rolle. Agda Tauscher, als von den drei Fischern geborgenes "Strandgut" brachte etwas großstädtische Luft in die Fischerkneipe der Mutter Tröllsch in ihrer Rolle als angebliche "Juwelen Rosi". Friedrich Müller gab den Reederssohn Hans Holt aus Hamburg, dem die junge Blondine Ruth von Ehren sein Boot entführt hatte, mit jener Korrektheit, die einem s teifen Hamburger wohl ansteht.

In Horst Jönck und Klaus Aden fand Intendant Rudolf Sang zwei Darsteller, die die Rollen der Fischer Knud Knudsen und Niels Nielsen randvoll ausfüllten, ewig grogdurstig und lieber nächtens auf Strandraub als auf Fischfang. Aus Jever kamen Rosemarie Harms, Luise Pampuch und Ulrike Thoben, die die Rollen der Strandvogttöchter Mine, Stine und Trine frisch und unbefangen spielten. Hannes Kaebes Bühnenbild, es war übrigens sein einhundertstes, gab dem Spiel einen stilechten Rahmen, wie es nicht anders zu erwarten war. Am Schluß gab es vielen und sehr herzlichen Beifall für alle Darsteller und den Regisseur.

Herr Staatsanwalt geiht angeln (1. WA)

1. Wiederaufführung (2), davor 1958/59 gespielt

HERR STAATSANWALT GEIHT ANGELN

Komödie in drei Akten von Wilfried Wroost

Darsteller:
Dora Papendiek Wwe. - Hildegard Steffens
Hilde Puttfarken, Hausmädchen - Hanna Christoffers
Heino Thomsen, Gemeindebote - Klaus Aden
Adolf Rohwedder, Dachdeckermeister - Günter Boye
Staatsanwalt
Dr. Archibald Eyssenhart - Hans Macker
seine Tochter - Agda Tauscher
ihr Verlobter - Horst Jönck

Klaus Aden und Hans Macker in "Herr Staatsanwalt geiht angeln" - Spielzeit 1970/71

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 29. September 1970

Ein Stück mit treffsicheren Pointen

Niederdeutsche Bühne eröffnete Spielzeit mit großem Erfolg

Die Niederdeutsche Bühne Rüstringen eröffnete am Wochenende ihre neue Spielzeit mit Wilfried Wrooste Lustspiel „Herr Staatsanwalt geiht angeln", ein Stück mit treffsicheren Pointen und Darstellern, die sie sicher ausspielten.

von Barbara Schwarz.

Das turbulente Geschehen spielt in der Pension „Sorgenfrei". Aber frei von Sorgen sind weder die patente Wirtin„ die noch jugendliche Witwe Dora Papendiek (Hildegard Steffens), noch ihr Mädchen Hilde (Hanna Christoffers), deren Verehrer Heino (Klaus Aden) und erst recht nicht Dachdeckermeister Adolf Rowedder (Günther Boye).

Der biedere Dachdeckermeister mietet sich in der Pension „Sorgenfrei" für zwei Monate ein, dieweil ein Halbbruder für ihn eine Gefängnisstrafe wegen Trunkenheit am Steuer absitzt, ein Delikt, das er gar nicht begangen hat, denn der brave Meister sprang nur für seinen Sohn in die Bresche. Und gerade in diese Pension muß nun ausgerechnet der Staatsanwalt kommen, der für ihn im Prozeß vier Monate beantragt hatte. Daß die Geschichte verwickelt wird, kann man sich denken. Wie alles sich auflöst? - Die nächsten Aufführungen ansehen.

Günter Boye als Dachdeckermeister in der Zwickmühle ist plietsch und pfiffig. Hildegard Steffens als Pensionswirtin frisch und patent, Hans Macker als Staatsanwalt wirklich glaubhaft und ein wenig selbstironisch, Klaus Aden als Heino sehr, sehr komisch. Mit ihm hat die Niederdeutsche Bühne wirklich einen sehr talentierten Nachwuchsspieler gewonnen.

Agda Tauscher, sonst auf sympathisch-liebe Rollen spezialisiert, spielt diesmal die herrschsüchtige Tochter eines cholerischen Vaters und Horst Jönck ihren sympathischen Verlobten, dem plötzlich die Augen aufgehen. Hanna Christoffers stellt glaubwürdig das naive, mehr in ein Auto, als den jeweiligen Mann verliebte Mädchen Hilde dar.

Für das Spiel entwarf Hannes Kaebe ein wirklichkeitsgetreues Bühnenbild. Man muß wirklich bewundern, wie hervorragend er das immer wieder macht. Ebenso alle Spieler, die aus reiner Liebe zum niederdeutschen Theater, ohne praktisch etwas dafür zu bekommen, viele Abende in ihrer Freizeit proben und wirklich mit Leidenschaft dabei sind. Daß die Niederdeutsche Bühne darüber hinaus noch einen so erfahrenen und sicheren Regisseur wie Rudolf Sang hat, das alles in allem ist eigentlich immer Garantie für einen gelungenen Theaterabend.

Und wenn dann die Stücke, so wie dieses, „so richtig schön wie aus'm Leben gegriffen" sind, kann eigentlich kaum noch etwas schiefgehen. Kleine Versprecher - was macht das schon. Es ist ja nicht Goethes „Faust sondern niederdeutsches Lustspiel, das die Leute für ein paar Stunden ihre Sorgen vergessen läßt. Und das tat es.

v.l. Hanna Christoffers, Klaus Aden, Hildegard Steffens

NORDWEST-Zeitung vom 29. September 1970

Unruhe im Haus Sorgrenfrei

Niederdeutsche Bühne eröffnete ihre Spielzeit

von Wilhelm Böhme

W i l h e I m s h a v e n. Mit dem Lustspiel "Herr Staatsanwalt geiht angeln" von Wilfried Wroost eröffnete die Niederdeutsche Bühne Rüstringen am Wochenende ihre neue Spielzeit. Unter der Regie von Rudolf Sang sorgten die bereits aus der vergangenen Theatersaison bestens bewährten Darsteller dafür, dass wieder einmal die Freunde des niederdeuschen Schwanks auf ihre Kosten kamen. Das Publikum zeigte sich jedenfalls bei der Premiere beifallsfreudig, wenn auch die Dialoge zeitweilig etwas zähflüssig wirkten.

Es ging um ein recht turbulentes Geschehen in der „Pension Sorgenfrei", in der weder die Wirtin noch die Gäste bei den vielen Verwicklungen und Verwechslungen von Sorgen frei sind. Der biedere Dachdeckermeister Adolf Rowedder (Günther Boye) verschuldete dabei den ganzen Wirbel. Er mietet sich für zwei Monate bei der Pensionswirtin und Witwe Dora Papendiek (Hildegard Steffens) ein, der er pfiffig anvertraut, daß er bei ihr Quartier bezieht, weil sein Halbbruder für ihn gegen Honorar eine Gefangnisstraße absitzt. Dabei hat Meister Rohwedder nicht einmal die bewußte Straftat begangen und ist nur für seinen Sohn als Angeklagter in die Bresche gesprungen. Aus dem Blechnapf löffeln wollte er allerdings nicht.

Ausgerechnet zieht auch Staatsanwalt Dr. Archibald Eyssenhardt (Hans Macker), als „Petri Jünger" in die Pension ein. Somit kommt es im „Haus Sorgenfrei" zu einer zwangsläufigen Begegnung, doch versteht sich der Meister mit List und Tücke sowie Unterstützung der Pensionswirtin und deren Hausmädchen (Hanna Christoffers) aus der Affäre zu ziehen. Hildegard Steffens als Wirtin bringt Natürlichkeit und viel Herz mit ins Spiel. Auch Günter Boye steht als Meister mit seiner demonstrierten Bauernschläue und seinen urkomischen Täuschungsakten nicht in seiner Rolle zurück. Hans Macker spielte glaubhaft den gesetzeskundigen Staatsanwalt und er fühlte sich dabei offensichtlich selbst als Vertreter des Gesetzes recht wohl. Seine Pointen kamen jedenfalls beim Publikum treffsicher an.

Als „Husdeern" spielte sich Hanna Christoffers schwungvoll in die Szenen hinein. Zur allgemeinen Erheiterung recht hautnah, denn sie ließ geübt und gekonnt Geldscheine im Strumpfband verschwinden. Der von Klaus Aden verkörperte etwas dösige Gemeindebote Heino Thomsen fügte sich talentiert im Lustspiel ein. Schließ
lich sorgten als jugendliches Paar Agda Tauscher mit ihrem Partner Horst Jönck noch für eine lebhafte Note auf der Bühne.

Die Gesamtleistung des Ensembles stellte somit wieder einmal die Freunde der Niederdeutschen Bühne zufrienden. Bei den oft zähen Dialogen, die einer gestrafften Form bedürften, hatten es die Darsteller jeocch keineswegs leicht, sich in ihren Rollen voll entfalten zu können. Für ein stilechtes Bühnenbild sorgte in gekonnter Weise Hannes Kaebe.

v.l. Horst Jönck, Agda Tauscher

v.l. Günter Boye, Hans Macker, Hildegard Steffens

WILHELMSHAVENER RUNDSCHAU vom 28. September 1970

Heiterkeit läßt die Angel des Staatsanwalts nicht wieder los

von Ernst Richter

Vorhang auf! zur Spielzeit 1970/71 der Niederdeutschen Bühne Rüstringen. Rudolf Sang inszenierte das Erfolgsstück „Herr Staatsanwalt geiht angeln" von Wilfried Wroost. H a n n e s K a e b e baute ein freundliches Bühnenbild mit Inventar: Das Gastzimmer der Pension „Sorgenfrei". Und es kommen Gäste: Einer, der eigentlich zwei Monate brummen sollte, dafür aber eine Vertretung gedingt hatte. Ein junges Liebespaar. Und natürlich der Herr Staatsanwalt, eben der Vertreter der Anklage, dem der Gast vor den Schranken des Gerichts bereits begegnet war. Das gibt selbstredend die heitersten Verwicklungen. Das Publikum kann herzhaft lachen - und vor allem Hildegard S t e f f e n s in der sympathisehen, Rolle der Pensionswirtin Dora. Papendiek erleben. Frisch und ganz natürlich mit viel Herz bringt sie diese Rolle.

Günter Boye spilet den niczht aus der Ruhe zu bringenden, mit viel "Bauernschläue" ausgestatteten Dachdeckermeister Adolf Rohwedder. Gut gemacht wie er den Staatsanwalt Dr. Archibald Eyssenhardt in die Parade fährt, sich nicht einschüchtern lässt und zum Schluss... (Hier soll den Theaterbesuchern nicht die Pointe vorweggenommen werden).

Hans Macker stellt richtig glaubhaft diesen gesetzeskundigen Staatsanwalt dar. Wenn Hans Macker in der Premierenvorstellung es mit den Namen seiner Mitspieler auch nicht so genau nahm und sie gelegentlich durcheinanderwarf, einem „Staatsanwalt" darf man diese Versprecher zubilligen. Hans Macker spielt sich spürbar mit eigener Freude in die Rolle hinein und darf am Schluß herzlichen Beifall kassieren - wie natürlich das ganze Ensemble.

Hanna Christoffers wirbelte wieder einmal quicklebendig über die Bühne, diesmal als Huusdeern Hilde Puttfarken. Ohne Furcht und Tadel weiß sie ihr Publikum zu fesseln, ob aus dem Überschwang einer verliebten Stimmung heraus - oder wenn sie mit kühnem Griff die Geldscheine im Strumpfband verschwinden läßt, Hanna kam immer an. Den etwas „depperten" Gemeindeangestellten Heino Thomsen spielt K l a u s A d e n mit freundlichem Augenzwinkern. Für jugendlichen Charme sorgt Agda Tauscher mit ihrem Partner Horst J ö n c k. Hier wird einmal mehr der lebendige Beweis erbracht, daß das niederdeutsche Theater jung bleiben will und wirklich nichts mit „anno dazumal" oder der. „Gartenlaube im Deichstüben" zu tun hat.

Nur unter einem Handikap hat die Aufführung im Stadttheater zu leiden wie eigentlich alle anderen Aufführungen der „Rüstringer": Die Diutstanz zum Publikum ist zu groß, weil auf der hinteren Hauptbühne gespielt wird! Das mag wohl ein technisches Problem sein. Tatsache aber bleibt, daß es unsere Laienspieler besonders schwer haben, den toten Raum zu überbrücken. Der Kontakt zum Publikum bleibt dabei teilweise auf der Strecke. Es ist wie ein Beobachten durch eine unsichtbare Wand. Wieviel mehr Stimmung ist dagegen, wenn die „Niederdeutschen" unterwegs spielen, wo sie sozusagen hautnah vor dem Publikum agieren.

Deshalb zum Schluß die freundliche Aufforderung an das Ensemble und die Technik des Stadttheaters: Kommt heraus aus dem Hintergrund! Laßt die „Rüstringer" im vorderen Rampenlicht spielen!

v.l. Günter Boye, Agda Tauscher, Hans Macker, Horst Jönck und Hildegard Steffens

v.l. Horst Jönck, Agda Tauscher und Güner Boye

v.l. Günter Boye, Hans Macker

Keen Utkamen mit´t Inkamen (1. WA)

1. Wiederaufführung(2), davor 1956/57 gespielt

KEEN UTKAMEN MIT´T INKAMEN

Komödie in drei Akten von Fritz Wempner

Inszenierung: Rudolf Sang
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Souffleuse: Rika Jung
Beleuchtung: Theo Pottbacker
Inspektion: Berta Herpel
Frisuren und Perücken: Rudolf Helmut Kunze


Rollen und Darsteller
August Bodendiek, Rentner - Hans Macker
Ida Bodendiek, seine Frau - Erika Kaebe
Helmut Jäger, Obst- und Gemüsegroßhändler - Enno Buß
Klaus, sein Sohn - Karl-Heinz Herpel
Gerry Franzen, später Frau Jäger - Hildegard Steffens
Lisa, ihre Tochter - Rosemarie Ansari
Fide Sprott, Nachbar von Bodendieks und Rentner - Heino Aden
Frau Bollmann, Frau von Lisas Chef - Hanna Christoffers

Fide (Heino Aden) verpaßt August (Hans Macker) mal wieder eine Zigarre, damit der ihm mal ordentlich die Meinung sagt - eine köstliche Szene aus "Keen Utkamen mit´t Inkamen" - Spielzeit 1969/70 -

PRESSESTIMMEN

"Rüstringer" zogen ihre Trumpfkarte

Letzte Premiere "Keen Utkamen mit´t Inkamen" mit herzlichem Beifall quittiert

Von Ernst Richter

Zum Abschluß der Spielzeit 1969/70 läßt unsere Niederdeutsche Bühne .,Rüstringen" ihr Publikum noch einmal herzhaft lachen. Am Sonnabend ging die Premierenvorstellung des Schwanks "Keen Utkamen mit't Inkamen" von Fritz Wempner in der Regie von Rudolf S a n g über die Bühne des Stadttheaters. Beifall auf offener Szene, Heiterkeitsausbrüche und stürmischer Schlußapplaus belohnten das Ensemble, das sich mit viel Spielfreude in eine wahre Turbulenz hineinsteigerte.

Gewiß, das Stück ist nicht neu. Es feierte schon manchen Triumph, auch auf dem Bildschirm. Die "Rüstringer" machten diese Neuauflage aber zu einem humorvollen und in keinern Augenblick langweilig werdenden Theaterabend. Situationskomik wird in der Handlung groß geschrieben.

Da ist das biedere Rentnerehepaar August Bodendiek (Hans Macker) und Ida (Erika Kaebe), das ein Zimmer vermieten will. Er möchte eine Deern, sie einen ,jungen Mann zur Untermiete. Als das Zimmer nun gleich zweimal vermietet wird, kommt es zu überraschenden Verwicklungen. Es ist ein ehrlicher Spaß, zuzusehen, wie Rosemarie A n s a r i als Lisa Franzen ihre Zimmervermieter und den Zimmermitbewohner, von dem sie anfangs nichts weiß weil er tagsüber und sie nachts Zimmer und Bett benutzen um den Finger wickelt. Die Liebe zeigt auch in dieseln Fall den richtigen Weg. Den jungen Zimmermitbewohner spielt Karl-Heinz Herpel. Er gibt sich angeheitert, schelmisch verliebt, stellt eine standhafte Mannsperson dar, einen Draufgänger, er schmollt und tobt, mit einem Wort: spielt eine breite Gefühtsskala treffsicher aus.

Gewitzt und fast nie um einen Ausweg verlegen, erobern sich Erika Kaebe und Hans Macker als die Bodendieks schnell die Sympathie des Publikums. Beifall vor allem auch für den angesäuselten Auftritt des Nachbarn Fide Sprott, den Heino Ade n hinlegt. Einen souveränen Gemüseboß spielt, totschick eingekleidet, Enno B u ß. Mütterliche Gefühle läßt Hildegard S t e f f e n s als Gerry Franzen walten. Und Hanna C h r i s t o f f e r s weiß selbst der Rolle einer eifersüchtigen Chefin humorvolle Aspekte abzugewinnen. Nur die keifende Frauenstimme der Oberwohnung bleibt ungenannt.

Das Bühnenbild (gebaut von Hannes K a e be ) mit Balkon und Ausblick aufs Straßen-Visavis, schafft eine anheimelnde Atmosphäre. Da ist man gleich mit zu Hause bei den Niederdeutschen. Die letzte Aufführung ist zugleich auch ein letzter Höhepunkt dieser Saison. Eigentlich schade, daß sie nun zu Ende geht. Schon ,jetzt aber darf man sich auf die nächste Saison freuen. Die "Rüstringer" haben sich mit diesem Stück in beste Erinnerung gesetzt.

Nun wird wohl Ruhe in das Haus Bodendiek einkehren  (v.l. Rosomarie Ansari, Karl-Heinz Herpel, Hildegard Steffens,  Enno Buß, Hans Macker und Hanna Christoffers - eine Szene aus "Keen Utkamen mit´t Inkamen" - Spielzeit 1969/70 -

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Großer Erfolg für Niederdeutsche Bühne

Die Aufführung von "Keen Utkamen mit´t Inkamen" ist köstlich

Von Barbara Schwarz

August und Ida Bodendiek müssen von einer ganz kleinen Rente leben. Muckefuck und Margarine sind ihr täglich Brot. Es ist einfach "keen Utkamen mit't Inkamen". Und so haben sie die gloriose Idee, die gute Stube zu vermieten. August, der sich vergeblich eine Tochter gewünscht hatte, möchte eine schmucke junge Deern als Mieterin; Ida, deren Wunsch nach einem Sohn unerfüllt geblieben ist, einen netten jungen Mann.

Es kommt, wie es kommen muß: August vermietet an eine Deern, Ida an einen schmucken jungen Mann. Damit beginnt die Komödie: Untermieterin Lisa weiß nicht von Untermieter Klaus, obwohl beide im gleichen Zimmer wohnen. Nur sie schläft nachts, und er Fernfahrer tagsüber.

Und August und Ida kassieren doppelte Miete. Nicht eigentlich aus Gewinnsucht, sondern weil beide ihren Untermieter bzw. ihre Untermieterin ins Herz geschlossen haben, sie nicht auf die Straße setzen möchten. Unverbrauchte Elterngefühle werden wach.

Aber die Sache ist noch komplizierter; denn Untermieterin Lisas Mutter hat Untermieter Klausens Vater geheiratet. Klaus zieht aus Protest aus und Lisa zieht nicht ins neue Elternhaus ein, weil Klaus sie und ihre Mutter als Erbschleicher bezeichnete. Bei Bodendieks begegnen sich beide, verlieben sich ineinander, ohne daß der eine vom anderen weiß, wer er ist. Die Verwicklungen nehmen in Fritz Wempers köstlichem niederdeutschen Lustspiel ein gutes Ende.

Und für die Niederdeutsche Bühne, die es jetzt zum Abschluß ihrer Spielzeit herausbrachte Premiere war am Sonnabend ist die sorgsame Inszenierung von Rudolf Sang wieder ein großer Erfolg. Wer den nicht enden wollenden Winter einmal für zwei Stunden vergessen möchte, dem sei der Besuch dieses Lustspiels empfohlen! Hans Macker und Erika Kaebe als biederes Rentnerehepaar mit Herz sind einfach köstlich. Genauso kann man sie in Bant oder Heppens treffen. Karl Heinz Herpel, der liebenswerte Untermieter, und Rosemarie Ansarie, frisch und patent, sind ein sympathisches Paar.

Heino Aden als von seiner Frau geknechteter Nachbar Fide Sprott, bietet eine echte Charakterstudie. Wirklich umwerfend sind die Szenen mit Hans Macker, wenn der eine den anderen zum Schein auszählt. Hanna Christoffers charakterisiert die eifersüchtige und mehr als energische Chefgattin Frau Bollmann lebensecht. Enno Buß als Obst und Gemüsehändler Jäger und Hildegard Steffens als seine junge Frau Gerry sind ebenfalls in das Verwechslungsspiel verwickelt

Alles in allem: eine runde Ensembleleistung, in der jeder auch seine große Szene hat, ein Spiel "wie aus dem Leben gegriffen", keine falschen Töne. Großes Lob für Hannes Kaebes Bühnenbild mit Aussicht auf Bant! Einziger (kleiner) Einwand: Im 1. Akt kommt das Spiel etwas zu langsam auf Touren. Einige kleine Striche hätten der Aufführung hier vielleicht noch gut getan.

Postlagernd Liebe (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

POSTLAGERND LIEBE

Komödie in drei Akten von Walter Arthur Kreye

Darsteller
Hanna Christoffers
Enno Buß
Karl-Heinz Bols
Waldemar Schröder

von links: Enno Buß, Karl-Heinz Bols und Waldemar Schröder

von links: Waldemar Schröder, Hanna Christoffers und Enno Buß

In Hamborg op St. Pauli (2. WA)

2. Wiederaufführung (3), davor 1949/50 und 1957/58 gespielt

IN HAMBORG OP ST. PAULI

Lustspiel in drei Akten von Wilfried Wroost

Inszenierung Rudolf Sang
Bühnenbild :Hannes Kaebe

Souffleuse: Rika Jung
Beleuchtung: Theo Pottbacker
Inspektrion: Berta Herpel
Frisuren: Rudolf Helmut Kunze

Rollen und Darsteller
Johannes Pröschmeyer, Gastwirt - Hans Macker
Pauline, seine Frau - Erika Kaebe
Ursula, genannt Uschi, beider Tochter - Rosemarie Ansari
Mia Puvagel, Pauline´s Schwester - Ellen Beutz
Christian Sellhorn, Kapitän für Küstenfahrt - Karl-Heinz Herpel
Otto Karstendiek, sein Onkel - Heino Aden
August Dührkopp, Schiffswachmann - Günter Boye
Frieda, seine Frau, Morgenfrau bei Pröschmeyers - Hanna Christoffers
Willi, ihr Sohn, Friseurgehilfe - Horst Jönck

Otto Karstendiek (Heino Aden) gibt Johannes Pröschmeyer (Hans Macker)  einen guten Ratschlag, aber ob´s was nützt?  - eine Szene aus "In Hamborg up St. Pauli" - Spielzeit 1969/70 -

WILHELMSHAVENER RUNDSCHAU

Erika Kaebe "schafft" die Crew

Die "Rüstringer" erspielten sich mit "In Hamburg up St. Pauli" viel Beifall

von Ernst Richter

Viel Spaß an einem handfesten Familienklamauk hatten am zweiten Weihnachtsfeiertag die Premierenbesucher der niederdeutschen Komödie "In Hamburg up St. Pauli" von Wilfried Wroost, aufgeführt von der Niederdeutschen Bühne "Rüstringen" im Stadttheater. Das heitere Spiel dreht sich um eine resolute Gastwirtsfrau, um die Unterhaltszahlungen für den Sohn aus erster Ehe, den es nicht mehr gibt, um ein Kümo namens "Ursula", um viel Geld und um verliebte Leute.

Der erste Akt schleppt sich teilweise mit langatmigen Dialogen dahin, wobei auch einige Rollenunsicherhei ten auftreten. Dann aber, als Pauline (Erika Kaebe) aufkreuzt, nimm t das heitere Spiel Fahrt auf, gewinnt an Intensität und führt im dritten Akt (nach der Pause) zu einem turbulenten "Happy End".

Hans Macker spielt in stoischer Ruheden vom Schicksal mit einem herrschsüchtigen Weib geschlagenen Gastwirt Johannes Pröschmeyer. Er läßt nichts "anbrennen". Seine Frau Pauline bringt E r i k a K a e b e in großartiger Aktion auf die Bühne. Mit ihrer Leistung steht oder fällt diese Aufführung. Mehrfacher Szenenapplaus war der Dank des Publikums für diesen kraftvoll ausgespielten Part. Rosemarie Ans a r i tut sich zunächst etwas schwer als Tochter Uschi, wird aber zusehends besser.

Beifall auch für das Wiedersehen mit Ellen B e u t z als Paulines Schwester Mia Puvogel. Hier ist die nuancierte "Bremse" auf Erika Kaebes umwerfenden Parforceritt fein angesetzt. Bei den Mannslüd muß an erster Stelle G ü n t h e r B o y e als Schiffswachmann August Dührkopp mit Hanna Christoffers als dessen Frau Frieda genannt werden.

Dieses Pärchen spielt treffsicher pointiert die "Nimmersatts", wie, sie vielleicht überall zu finden sind, wenn jemand in Bedrängnis gerät. Beifall auf offener Szene erspielt sich auch Horst Jönck als Sohn Willi, einen schauspielbesessenen Friseurgehilfen. Karl Heinz Herpel bringt den Kapitän Christian Seilhorn und Heino Aden dessen Onkel Otto Karstendiek ins Rampenlicht. Das Laienensemble steigerte sich wie schon gesagt in ein äußerst erheiterndes Finale. Das Publikum freut sich an Witz und Situationskomik, der R u d o l f S a n g als Spielleiter bei ein paar Kürzungen im ersten Akt auch vor der Pause mehr Raum hätte geben sollen. Am Anfang passiert einfach zu wenig, dafür wird eine Menge geredet. Doch das Spiel "In Hamburg up St. Pauli" lebt von der Aktion.

Akkurat Hingebaut, mit Punkt und Komma, hat Hannes Kaebe wiederum das Bühnenbild. Es ist die Gastwirtschaft der Pröschmeyers. Na, was sich da alles abspielt! Am besten, Sie schauen selbst einmal hinein! Wenn Lachen jung erhält, dann sollte der Besuch ärztlich verordnet werden.

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

,,In Hamburg up St. Pauli gefiel"

Viel Beifall für Weihnachtspremiere der Niederdeutschen Bühne "Rüstringen"

Für die Freunde der Niederdeutschen Bühne "Rüstringen" gab es gestern abend in der Premiere der plattdeutschen Komödie "In Hamburg up St. Pauli" von Wilfried Wroost viel zu lachen. Bei leicht kriminellem Einschlag geht ein Stück über die Bretter, in dessen Mittelpunkt die resolute und keineswegs von irgendwelchen moralischen Hemmungen belastete Gastwirtsfrau Pauline Pröschmeyer steht, die Jahr für Jahr von ihrem geschiedenen Mann Alimente für ein längst verstorbenes Kind bezieht. So vielfach gewandelt dieser Vorwurf auch schon als Bühnenstück bearbeitet worden ist, Wroost hat es doch verstanden, sehr einprägsame Szenen zu gestalten.

Erika Kaebe zieht als Pauline alle Register ihres Könnens, um die Lacher auf ihrer Seite zu haben, und wenn es auch nur Schadenfreude ist, daß sie mit ihren Schlichen hineinzufallen droht. Hans Macker gibt sich glaubhaft als resignierender Ehemann, der gegen die forsche Pauline in fast 25jähriger Ehe nicht aufgekommen ist. Mit viel Wohlwollen und Freude wurde Ellen Beutz nach langer Zeit wieder als Darstellerin begrüßt, die als Paulinens Schwester Mia Puvogel Herz und Gemüt beweist und ihrer jungen Nichte zu ihrem Glück verhilft.

Diese Tochter der Pauline wird von Rosemarie Ansari sehr sicher, allerdings hochdeutsch sprechend, verkörpert. Als ihr Gegenspieler und junger Kapitän für Küstenfahrt hat Karl Heinz Herpel erneut Gelegenheit, eine Rolle als jugendlicher Liebhaber auszufüllen. Großartig war das Ehepaar August und Frieda Dührkopp bei Günther Boye und Hanna Christoffers aufgehoben. Diese beiden Darsteller bekamen oftmals Beifall auf offener Szene, genauso wie Horst Jönck als deren Sohn Willi. Gekonnt war die Szene als "Schauspieler" gemeistert.

Heino Aden trat nur im dritten Akt als der geschiedene Mann der Pauline in Erscheinung. Wie nicht anders zu erwarten war, gab er seinem Part die erforderliche Würde und Überlegenheit. Die Regie Rudolf Sangs ließ keinen Wunsch offen, es wurde flott gespielt. Das Bühnenbild von Harmes Kaebe, eine Gaststube in Altona, ' gab dem Stück einen ruhigen Rahmen.

Am Schluß dankte das voll besetzte Haus für eine durchaus sehenswerte und abgerundete Leistung. bs.

Dat Whiskeyschipp (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

DAT WHISKEYSCHIPP

Kriminalspiel in fünf Akten von Günther Siegmund

Inszenierung: Rudolf Sang
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Souffleuse: Erika Kaebe
Beleuchtung: Theo Pottbacker
Inspektion: Berta Herpel
Frisuren: Rudolf Helmut Kunze
Tontechnik: Günter Boye

Rollen und Darsteller
Peter Henningsen - Enno Buß
Rebekka, seine Frau - Hildegard Steffens
Godske Reimers, Bestmann - Wilhelm Pick
Helmut Gock, Matrose - Karl-Heinz Herpel
Richard Konarski - Heino Aden
Ulrike, seine Tochter - Agda Tauscher

Rudolf Rump - Horst Jönck

Wendland, Kriminalinspektor - Günter Boye

Rebekka (Hildegard Steffens) sorgt dafür, dass ihr Mann aus der gemeinsamen Koje auszieht, die Männer staunen (v.l. Heino Aden, Horst Jönck, Karl-Heinz Herpel und Enno Buß)  - eine Szene aus "Dat Whisky-Schipp" - Spielzeit 1969/70 -

PRESSESTIMMEN

Laienspieler wagten sich auf Neuland

Niederdeutsche Bühne Rüstringen Wilhelmshaven bot einen guten Krimi

Von Gustav Remmling

W i l h e l m s h a v e n. Die von der Niederdeutschen Bühne Rüstringen im Stadttheater Wilheimshaven herausgebrachte zweite Inszenierung der Spielzeit 1969/70 war für die vielen treuen Anhänger der Bühne eine echte Uberraschung. Statt der üblichen dörflichen Schwänke stand ein Krimi auf dem Programm und was für einer!

Günther Siegmund zeichnet als Autor des fünfaktigen Kriminalstücks "Dat Whiskyschipp". Ein Könner, der als langjähriger beliebter Schauspieler, Regisseur und Dramaturg der Hamburger Ohnsorg Bühne sich dort auch das Rüstzeug für einen erfolgreichen Stückeschreiber niederdeutscher Mundart erwarb. Dazu gehören Phantasie und ein untrügliches Gespür für Bühnen- und Publikumswirkung. Beides besitzt dieser Hamburger Volksschauspieler in hohem Maß, was in seinem vom ersten bis zum fünften Akt spannungsgetragenen Krimi deutlich wurde.

Es wäre unfair, den Besuchern der nachfolgenden Aufführungen durch eingehende Schilderung des Bühnengeschehens die Spannung zu nehmen. Allzu Neugierigen sei jedoch verraten, daß es sich um Rauschgiftschmuggel handelt, daß zwei Tote auf der Strecke bleiben, und daß man im letzten Akt einen überraschenden Höhepunkt erlebt.

Diesen Krimi in jeder Hinsicht bühnenwirksam vorbereitet zu haben, ist das Verdienst von Speelbas Rudolf Sang, der seine Laienspieler an ein völlig neues Genre gewöhnen mußte. Galt es doch, die bei ländlich sittlichen Schwänken üblichen darstellerischen Übertreibungen und Überspielungen auf ein dem Krimi angemessenes Maß zu reduzieren.

Karl Heinz Herpel bildete als Matrose Helmut Gock die Zentralfigur. Sein darstellerisches Talent erwies sich als stark genug, der Realistik seiner gar nicht so einfachen Rolle absolute Glaubwürdigkeit zu geben. Um ihn drehen sich die Episoden des Kapitäns der "Hilligenley", der von Enno Buß in der ungeschlachten Originalität eines echten Hamburger Frachtenschippers gemimt wurde, ferner des alten Bestmanns Godske Reimers, dem Wilhelm Pick eine knorrige, lebensechte Gestaltung verlieh. Diesem Schiffspersonal standen Heino Aden und Horst Jönck als blinde Passagiere und Rauschgiftschieber in bezwingendem Spiel gegenüber: Aden als harter Verbrechertyp und Boß, Jönck als gefügiger Helfershelfer, denen die Umstellung vom schwankmäßigen zum nüchtern spannenden Spiel glänzend gelang.

Eine zwielichtige Note verlieh Hildegard Steffens ihrer Rolle als Rebekka und Frau des Kapitäns. Schroff und kalt gab sie ihrer nicht gerade sympatisch wirkenden, aber ausgezeidmet gespielten Rolle eine zwingende Aussagekraft. Agda Tausdier wußte sich als den Matrosen Helmut liebende Gangsterboß-Tochter Ullrike an die Gegebenheiten der Krimi Atmosphäre anzupassen. Günter Boye vervollkommnete das Ensemble durch einen profiliert gespielten Kriminalinspektor.

Hervorgehoben werden muß das Bühnenbild von Hannes Kaebe. Das Premierenpublikum war vom Stück, seiner Inszenierung und vom Spiel der Darsteller beeindruckt und spendete lange anhaltenden Beifall.

Hildegard Steffens als Rebekka - "Dat Whixkyschipp" - Spielzeit 1969/70 -

Gefährliche "Blinde" auf "Hilligenley"

Niederdeutsche Bühne "Rüstringen" brachte Krimistück "Dat Whisky-Schipp"

Diesmal gibt es bei der Niederdeutschen Bühne "Rüstringen" nichts zu lachen, selbst dann nicht, wenn Enno Buß sich als Frachtschiffer und Eigentümer des Küstenfrachters "Hilligenley" mit seinem Bettzeug bewaffnet eine neue Koje sucht. Es gibt nichts zu lachen, weil der Hintergrund für diesen Umzug viel zu ernst ist. Bühnenleiter Willy Beutz tat einen guten Griff, als er das Kriminalstück "Dat Whisky- Schipp" von Günther Siegmund auf den Spielplan setzte und es von Intendant Rudolf Sang als zweite Premiere dieser Spielzeit herausbringen ließ.

Der junge Matrose Helmut Gock kommt neu an Bord des Frachters "Hilligenley" . Im Logis des Schiffes, das seinem Onkel, dem Kapitän Henningsen gehört, ereignen sich seltsame Dinge. Da ist der knurrige alte Bestmann Godske Reimers, der Vertraute des Kapitäns da taucht plötzlich die viel jüngere Frau Rebekka des Schiffseigners Henningsen auf, eine noch immer attraktiv, aber leichtlebige Schöne in ihrer letzten Blüte. Und nach einem Besuch eines Kriminalbeamten, der nach einem geflüchteten Matrosen sucht, sind plötzlich, als die "Hilligenley" schon auf der Reise nach Esbjerg ist, drei blinde Passagiere an Bord, zwei Männer und ein junges Mädchen.

Was sich nun in einem Zeitraum von 48 Stunden an Bord des Küstenfrachters abspielt, ist hoch dramatisch verdichtet. Nicht mehr der schon beinahe harmlose gelegentliche Whiskyschmuggel des Kapitäns Henningsen steht im Vordergrund, sondern den pistolenbewaffneten "Blinden" geht es um größere Beute. Daß es in dieser kurzen Zeit von nur zwei Tagen auch zwei Tote gibt, läßt die beiden Gangster kalt.

Wenn ein Spieler aus dem Ensemble herausragt dann ist es Heino Aden in seiner Rolle als Richard Konarski. Sehr oft an den berühmten Filmschauspieler Rene Deltgen erinnernd, schöpft Heino Aden die Rolle des Piraten, der sich der "Hilligenley" bemächtigt, restlos aus. Gewandt, wie ein Panther, eiskalt und ohne Skrupel selbst seiner jungen Tochter und seiner Geliebten, der Frau des Kapitäns, gegenüber, kennt dieser Gangster nur ein Ziel: das Schiff sicher in ein verabredetes Versteck zu bringen. Diese Leistung Heino Adens verdient hohes Lob.

Ebenbürtig und gleich gut in der Darstelung der triebhaften Kapitänsfrau Rebekka ist Hildegard Steffens, die ihre Rolle abseits von jeglichem Klischee zu einer glänzenden Charakterstudie machte. Enno Buß gab dem alternden Kapitän Henningsen die rauhen Züge eines vom Schicksal geprüften Seemanns in einem glaubhaften Profil und Wilhelm Pick gefiel in Maske und Ausdruck als Bestmann Godske Reimers, der einer Kugel des Gangsters Konarski zum Opfer fällt.

Als Neffe des Kapitäns macht Karl-Heinz Herpel zunächst eine etwas fragwürdige Figur. Man weiß nicht recht, ob dieser Matrose Helmut Gock zu den Gangstern hält oder zu seinem Onkel, bis der Schlußakt die überraschende Aufklärung bringt.

Horst Jönck gefiel gut in der Rolle des Komplizen des Gangsters Konarski, dessen Tochter Ulrike von Agda Tauseher routiniert und ansprechend dargestellt wurde. Günter Boye mußte sich diesmal mit der kleineren Rolle des Kriminalinspektors Wendland begnügen.

Intendant Rudolf Sang hatte das Ensemble fest im Griff, und so wurde flott gespielt. Obwohl die Lacher nicht auf ihre Kosten kamen, gefiel die Aufführung den Premierenbesuchern, die besonders auch durch das stilvolle Bühnenbild von Hannes Kaebe angesprochen wurden. Es gab viel Beifall am Schluß. bs.

Rumpf (Horst Jönck), Konarski (Heino Aden) machen Dampf. Henningsen (Enno Buß) und Gock (Karl-Heinz Herpel) bleiben aber ziemlich cool - eine spannende Szene aus "Dat Whixky-Schipp" - Spielzeit 1969/70 -

Was auf einem Kümo nicht alles passieren kann

Rebekka macht Stimmung

Von Ernst Richter

Spannung, handfesen Hunmor und deftige Situationskomik bringt die Niederdeutsche Bühne Rüstringen mit dem Kriminalstück "Dat Whiskyschipp" von Günther Siegmund in der Regie von Rudolf Sang. Die Premiere am vergangenen Sonntag im Stadttheater wurde zu einem vollen Erfolg für das Ensemble. Nach "De Spökenkiekersch" serviert also auch die zweite Inszenierung dieser Spielzeit Heiterkeit, diesmal allerdings mit einem Schuß Spannung.

Die Szene: Der "Salon" des Kümos "Hilligenley" auf der Reise nach Esbjerg. Ganz groß in Form und wie in seinem Element spielt Enno Buuß den Schipper Peter Henningsen, der voll listiger Schläue weiß, wie er mit seinem "Seelenverkäufer" doch noch gute Geschäfte machen kann: Whiskyschmuggel. Aber es kommt anders. Hildegard Steffens verdient sich für ihre Rolle der leichtlebigen Schiffersfrau Rebekka einen herzlichen Sonderapplaus. Sie bringt diese LEbedame in allen Nuancen ins Ramenlicht, mal verführerisch, dann wieder brutal egozentrisch - immer ist Stimmung, wenn Rebekka agiert.

Mit stoischer Gelassenheit stellt sich karl Heinz Herpel als Matrose Helmut Gock aus Bremen auf der Bühne vor. Die norddeutsche Wesensart nicht verleugnend, wird hier der Kontrast zu der aufgedrehten Rebekka gesetzt. Wilhelm Pick spielt den Bestmann Godske Reimers, einen Seemann von echtem Schrot und Korn. Heino Aden bringt mit der Dartellung des Richard Konarski das kriminelle Element in die Handlung, assistiert von Horst Jönck als Rudolf Rump. Agda Tauscher spielt das nicht ganz ahnungslose Töchterchen Ulrike und Günter Boye den Kriminalinspektor Wendland.

Das Stück hat fünf Aufzüge. Bis zur Pause steigt die Spannung. Dann soll aber auch noch die Liebe ins Spiel gebracht werden. Das is ein schwieriges Unterfngen. Das Spiel auf Amors seiten rutscht ins Komische ab, ohne damit aber der Handlung Abbruch zu tun. Wenn dann noch der "Kriminale" bei der Auflösung dieses Falles etwas mehr einem "Inspektor Maigret" nacheifern würde, dann... Aber, was soll dieses Wenn und ABer, diese Laienspieltruppe hat mit viel Temperament und Idealismus ein Stück auf die Bühne gestellt, das sehenswert ist und einen vergnüglichen Abend verspricht. Das Bühnenbild entwarf Hannes Kaebe.

Im Dezember folgt der niederdeutsche Schwank "In Hamborg up St. Pauli" von Wilfried Wroost.

De Spökenkiekersch (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

DE SPÖKENKIEKERSCH

(Goode Nacht, Fro Sünnschien - später auch Goote Nacht, Fro Engel)
Komödie in drei Akten von Arthur Lovegrove
Niederdeutsch von Heinrich Schmidt-Barrien

Inszenierung Rudolf Sang
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Souffleuse: Hanna Christoffers
Beleuchtung: Theo Pottbacker
Inspektion: Berta Herpel
Frisuren: Rudolf Helmut Kunze

Rollen und Darsteller
Henry Froböse - Enno Buß
Käthe, seine Frau - Hildegard Steffens
Edith - Rosemarie Ansari
Alma - Adga Tauscher
Klaus - Heinrich Müller
Stephan Parisius - Wilhelm Pick
Willem, sein Sohn - Klaus Aden
Robert Winkler - Günter Boye
Sophie, Hausmädchen bei Froböse - Rika Jung
Anni Sünndag - Annemarie Beermann

Klevemann speelt Lebemann (1. WA)

1. Wiederaufführung (2), davor 1958/59 gespielt

KLEVEMANN SPEELT LEBEMANN

(Der keusche Lebemann)
Schwank in vier Akten von Franz Arnold und Ernst Bach
Plattdeutsch von Erich Schiff

Inszenierung: Rudolf Sang
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Souffleuse: Rika Jung
Beleuchtung: Theo Pottbacker
Inspektion: Berta Herpel
Frisuren: Rudolf Helmut Kunze

Rollen und Darsteller
Julius Mesenbrink
* - Hans Macker
Max Klävemann* - Karl-Heinz Herpel
Meta, Mesenbrinks Frau - Annemarie Beermann
Wally Mesenbrink - Rosemarie Hinrichs
Lia Pellerina, Tänzerin - Ellen Beutz
Walter Kraftmeyer, Boxer - Enno Buß
Heinz Bremer - Karl-Heinz Bols
Tante Anna - Gisela Schmidt
Minna, Hausgehilfin - Erika Kaebe
Harm Schröder, Chauffeur - Arnold Fischer

* beide Inh. der Fa. Kl
ävemann und Mesenbrink, Baustoffe

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Schwankartig und recht turbulent

Mit "Klävemann als Levemann" schloß erfolgreich die Spielzeit 1968/69 ab

von Gustav Remmling

W i l h e lm s h a v e n. Der beinahe klassisch zu nennende Schwank "Der keusche Lebemann" von Arnold und Bach, der schon unsere Großeltern begeisterte, erlebte in der Uberlragung von Erich Schiff als "Klävemann speelt Levemann" auf der Niederdeutschen Bühne im Stadttheater Wilhelmshaven eine vlelumjubelte, der Neuzelt und dem Wilhelmshavener Stadtkolorit prächtig angepaßte Wiederauferstehung.

Schwankartig turbulent ist die Handlung von dem braven Baustoff Firmenteilhaber, der auf Wunsch seines Kompagnons dessen Tochter Wally heiraten soll. Und da besagte Deern nur für Männer mit Vergangenheit schwärmt, muß eben ein Liebesverhältnis mit einem bekannten Filmstar konstruiert werden, das naturgemäß für den Pseudoplayboy .nicht ohne Folgen' bleiben konnte. Das alles wurde von Erich Schiff in so spritzigen Dialogen und knalligen Pointen dem niederdeutschen Jargon angepaßt, daß von Beginn an das gut besetzte Haus begeistert mitging und eine Lachsalve nach der anderen durch den Zuschauerraum prasseln ließ.

Speelbaas Rudolf Sang hatte es trotz Besetzungsschwierigkeiten wieder einmal geschafft, eine Inszenierung zustandezubringen, die der Turbulenz und Komik des Schwanks in jeder Hinsicht gerecht wurde. Schon die erste Szene, der witzige Dialog zwischen Frau Mesenbrink, deren Ehemann sich wieder einmal mit einem Flittchen die Nacht um die Ohren geschlagen hatte, und ihrer Hausgehilfin Minna zeigte in seiner typisierten Gegensätzlichkeit großes darstellerisches Gestaltungsvermögen: Annemarie Beermann prächtig lebensecht als über das Treiben ihres Mannes sehr verärgerte Kaufmannsfrau. Erika K a e b e ,urkomisch in der Art und Weise, wie sie neben ihrer häuslichen Verrichtung auch ihr lockeres Mundwerk betätigte und manch spitzfindige Bosheit über ihre Herrschaft vom Stapel ließ.

Neben diesem so köstlich gezeichneten weiblichen Paar stand noch ein zweites im Mittelpunkt begeisterter Zustimmung: Karl Heinz Herpel und Hans Macker, beide Inhaber der Baustoffirma Klävemann u. Mesenbrink, letzterer stets bemüht, aus geschäftlichen Gründen seine attraktive Tochter dem weltfremden Kompagnon für eine Heirat schmackhaft zu machen. Prächtig hatten die beiden hochtalentierten Laienspieler die Charaktere ihrer Rollen herausgearbeitet. Gegen diese mit allen Wassern jahrelanger Routine gewaschenen Darsteller hatte die Nachwuchsspielerin Rosemarie Hinrichs, die erstmalig auf der Bühne agierte, keinen leiten Stand. Aber sie schaffte es, aus der Rolle des Töchterchens Wally etwas zu machen. ihr Gegenspieler Karl Heinz Bols, dem diesmal die Rolle des modernen Beatle-Playboys Heinz Bremer, eines Freundes der attraktiven Wally, zufiel, ließ als Nachwuchsdarsteller weitere Fortschritte erkennen, wenn er auch in einigen Situationen etwas aufgelockert sein konnte.

Die im Textbuch vorgesehenen kleinen beiden Klatschrollen waren aus Besetzungsschwierigkeiten zu einer neueingefügten "Tante Anna" zusammengefaßt. Sie gab Gisela Schmidt die Möglichkeit, wieder eine köstliche Charakterstudie zu schaffen. Gisela Schmidt wählte dazu die Maske eines etwas überkandidelten, affektierten Familienmitgliedes, das sich über die Geschehnisse im Hause Mesenbrink zum Gaudium des Publikums nur allzu gern bemühte.

Erst im dritten Akt traten zwei gewichtige Persönlichkeiten des Schwanks in Erscheinung: die Tänzerin Lia Pellerina und ihr Verlobter, der Boxer Walter Kraftmeyer. Ellen Beutz gab der Rolle die Ausstrahlung einer hoheitsvollen Diva, die nur aus einer spontanen Laune heraus sich in die kleinbürgerliche Atmosphäre begibt, um den unbeholfenen Levemann Klävemann in seine Schranken zu weisen. So attraktiv die Gestaltung der Rolle auch war, so paßte sie dennoch nicht ganz in die Situation des Schwankes, der mehr eine karikaturartige Darstellung dieser Rolle verlangt. Damit würde sie auch glaubwürdiger zu ihrem Bräutigam, den Enno Buß mimte, gepaßt haben, der, wie gewohnt, das Premierenpublikum aus dem Häuschen brachte, wenn er als Boxer Walter Kraftmager lokomotivenhaft-kraftmeierisch in wütender Eifersucht über die Bühne walzte und die braven Spießbürger in Angst versetzte.

In der Nebenrolle eines Chauffeurs bewährte sich Arnold Fischer. Das Bühnenbild von Hennas Kaebe war dem Charakter des Stückes ausgezeichnet angepaßt. Es gab begeisterten Beifall.

Eine Prachtrolle für Karl-Heinz Herpel, der den Max Klävemann spielt.  Hier mit Ellen Beutz, die die Tänzerin Lia Pellerina gibt und Enno Buß, der als Walter Kraftmeyer einen eifersüchtigen Boxer darstellt  - eine Szene aus "Klävemann speelt Lebemann" - Spielzeit 1968/69 -

WIHELMSHAVENER RUNDSCHAU

Eine Prachtrolle für Karl-Heinz Herpel

Niederdeutsche setzt sich mit "Klävemann speelt Levemann" köstlich in Szene

von Ernst Richter

Mit einer wohlgelungenen Inszenierung des Schwanks ".Klävemann speelt Levemann" von Erich Schiff nach "Der keusche Lebemann" von Arnold und Bach, stellt die Niederdeutsche Bühne Rüstringen ihr letztes Stück der Spielzeit 1968/69 vor. Premiere war am vergangenen Sonnabend im Stadttheater. Es ist ein Spiel. das von der Situationskomik lebt, das mit Überraschungen nicht geizt, das sprühenden Humor verbreitet und dank der lnszenierung auf Wilhelmshavener "Örtlichkeiten" zugeschnitten wurde.

Groß in Form stellt sich Karl-Heinz Herpel als Max Klävemann vor, der gewolltermaßen die Rolle eines Lebemanns mimt und treffsicher die Pointen ausspielt. Hans Macker weiß mit stoischer Ruhe den Firmenchef Julius Mesenbrink darzustellen, der in listiger Schläue seinen Firmenteilhaber (den etwas einfältigen Max Klävemann) mit seiner Tochter Wally verheiraten möchte. Auch in die Enge getrieben, immer weiß dieser Mesenbrink (fast immer) einen Ausweg. Und das Publikum amüsiert sich köstlich. Denn Max Klävemann muß einen Mann "mit Vorleben" darstellen, um so der Wally imponieren zu können. Das Vorhaben gelingt : auch, wenn nicht plötzlich unvorhergesehene Ereignisse eintreten. Diese zu beschreiben, hieß jedoch, die Spannung den Besuchern der folgenden Aufführungen zu nehmen.

Mit beherrschender Gestik und einiger Vehemenz spielt Annemarie Beermann Frau Meta Mesenbrink, die sehr schnell hinter die "geschäftlichen Nachtausflüge" ihres Mannes kommt. Als Nachwuchsdarstellerin gibt Rosemarie Hinrichs ihr Bühnendebüt und hat den Beifall auf ihrer Seite. Die kleine "Modenschau" am Rande ist hübsch anzuschauen. Noch ein Nachwuchsspieler stellte sich in dieser Premiere ins Rampenlicht: Karl Heinz Bols als Playboy Heinz Bremer. Auch er zeigt keine Unsicherheiten und erhielt anerkennenden Beifall. In den weiteren Rollen spielen Ellen Beutz die "sagenumwobene" Tänzerin Lia Pellerina und Enno Buß den Boxer Walter Kraftmeyer.

Vielleicht etwas zu überdreht bringt Gisela Schmidt die lebenslustige Tante Anna. Viel Spaß hat das Publikum mit Erika Kaebe in der Rolle der quicklebendigen Hausgehilfin Minna. Und Arnold Fischer schlüpft in die Chauffeurmontur des Harm Schröder. Allein die Aufzählung der langen Darstellerliste mag mit verdeutlichen. daß in diesen 120 Spielminuten allerlei passiert um "Klävemann speelt Levemann".

Die Regie hätte, wollte man nun unbedingt nach einer kritischen Anmerkung suchen, eventuell nach der Pause ein paar Szenen straffen können. Die Länge ist jedoch nicht störend. Die urwüchsige Sprache läßt die Besucher gern verweilen, es darf gelacht, es muß geschmunzelt werden. Schließlich nicht zu vergessen das hübsche und sorgfältig gebaute Bühnenbild: Die gute Stube bei Mesenbrinks. Mit dieser Vorstellung empfiehlt sich unsere Niederdeutsche Bühne sehr erfolgreich für die nächste Spielzeit.

Witte Wyandotten (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

WITTE WYANDOTTEN

Komödie in drei Akten von Konrad Hansen

Inszenierung Rudolf Sang
Bühnenbild Hannes Kaebe

Souffleuse: Gisela Schmidt
Inspektion: Berta Herpel
Frisuren und Perücken: Rudolf Helmut Kunze
Beleuchtung: Theo Pottbacker

Rollen und Darsteller
Opa Hartmann - Heino Aden
Emmy - Hildegard Steffens
August - Günter Boye
Pitt - Enno Buß
Krawuttke - Kurt Röthel
Tante Pauline - Annemarie Beermann

Opa (Heino Aden) geht ganz normal mit dem Killer Pitt (Enno Buß) um - eine köstliche Szene aus "Witte Wyandotten" - Spielzeit 1968/69 -

PRESSESTIMMEN

Eine Gaunerkomödie ganz besonderer Art

Niederdeutsche Bühne spielte "Witte Wyandotten"

Von Gustav Remmling

Die Niederdeutsche Bühne im Stadttheater Wilhelmshaven bescherte mit der Gaunerkomödie "Witte Wyandotten" von Konrad Hansen etwas Besonderes: ein hintergründiges Schmunzelstück, das sich von dem bisherigen Possen- und Heimatniveau abhob.

Schon der Titel läßt nichts von dem eigentlichen Inhalt des Stückes erkennen denn weiße Wyandotten sind eine aus Amerika stammende Hühnerrasse mit prächtig weißgelblichem Federkleid in das sich Opa Hartmann nun einmal verliebt hatte. Aber er wohnte leider in einer jedem Federvieh feindlich gesinnten Stadt. Als nun seine nicht gerade liebevolle Schwiegertochter Emmy eine etwas schlampig gewordene Bardame, Opas Hühner kurzerhand verschachert hatte, flüchtete sich der alte Mann in seinen "Tick", seine sechs Wyandotten lebten für ihn imaginär in der alten Umgebung weiter, wobei für seine Nachbarn die Frage offenblieb. ob der verschmitzte Alte wirklich den "Tick" hatte oder ihn nur seiner Umgebung zum Verdruß vorgaukelte.

In diesen beiden Typen liegt der Angelpunkt der Regie und der Personenbesetzung Rudolf Sangs. Den Opa Hartmann hatte er Heino Aden anvertraut, dessen Naturtalent bewundernswert auch in Beherrschung der niederdeutschen Sprache und Diktion für den schrulligen Alten goldrichtige Töne fand. Dabei stand ihm in Annemarie Beermann als Tante Pauline eine ebenbürtige Partnerin zur Seite. Man schmunzelte gerührt über beider Gehabe, wenn sie großartig in Mimik und Gestaltung ihre altersbedingten Wehwehchen u und Schwächen ausspielten und damit der menschlichen Seite dieser vielschichten Gaunerkomödie lebenswarmen Ausdruck verliehen.

Für die ins Kriminelle schlagende Rolle der Schwiegertochter Emmy hatte der Regisseur Hildegard Steffens eingesetzt. Ob sie dieser Rolle ganz gewachsen war, sei dahingestellt. Für eine ehemalige Bardame fehlte ihr die raffinierte Geschmeidigkeit und anerzogene Vornehmheit, die dem Stück gerade jenem angedeuteten Esprit hätte geben müssen, um es zur echten Kömödie zu erheben. Hier versagte die Regie, wenn das Stück nicht jenen Beifall fand, den es anlagemäßig vom Autor her verdiente. Die Rolle war von vornherein auf zu hart und derb eingestellt. Man traute dieser Emmy einen Mordanschlag auf den Opa, nur um sein Haus und Vermögen zu erben sehr wohl zu, nicht aber das Aufatmen einer zweispältigen Seele, die nach Anlage des Textbuches nur mit dem Gedanken eines Mordes spielte, ihn aber niemals, wenn auch durch einen Killer, hätte vollziehen lassen.

Daß Hildegard Steffens mit dieser Rolle überfordert war, erwies sich auch im Zusammenspiel mit Günter Boje, der den kleinen Gauner August recht gut verkörperte und die Möglichkeiten seiner Rolle voll ausschöpfte. Aber gerade diese gaunerhafte Gemeinsamkeit des Ziels mußte hier eine charakterliche Gegenseitigkeit auf den Plan rufen: die ehemaligen Bardame in ihrer Haltung gegenüber dem geistig unter ihr stehenden kriminellen Handlanger August. Dies war in der Regie Rudolf Sangs in keiner Weise angedeutet.

Prächtig wurde der Makler Krawuttke von Kurt Röthel gemimt, dessen Erscheinen jeder Szene des Stücks neue und in ihrer rastlosen Geschäftigkeit betonte Lichter setzte. Enno Buß gab diesem Stück mit dem Killer Pit eine besondere Nuance seiner vielseitigen Gestaltungskunst. Daß er so starke Momente hintergründigen Spiels seiner Rolle: abzugewinnen vermochte, beweist wieder einmal seine darstellerische Begabung. Seine Wandlung vorn Saulus zürn Paulus war tiefdurchdachtes Spiel: der Killer wurde über das Hobby der Zucht weißer Wyandotten zum Freund Opa Hartmanns, der mit dem Verkauf seines Stadthauses seiner Lieblingsbeschäftigung wieder nachgehen durfte und darüber auch seinen "Tick" vergaß.

Hannes Kaebe fing in seinem Bühnenbild wie immer die Atmosphäre kleinbürgerlicher Gaunereien stilecht ein und bot der Regie die Voraussetzung für ein flottes und gutes Ensemblespiel. Der Beifall war stark.

Tante Pauline (Annemarie Beermann) spielt mit,  bei Opa Hartmanns (Heino Aden) Wyandotten-Tick  - eine Szene aus "Witte Wyandotten" - Spielzeit 1968/69 -

Opa Hartmann bändigt seinen Killer

Bühnenleiter Willy Beutz ging ganz bewußt ein Risiko ein als er die plattdeutsche Gaunerkomödie "Witte Wyandotten" als vorletztes Stück der Spielzeit 1968/69 auf das Programm setzte. Denn wenn einige der Zuschauer glaubten, sie hätten sie hätten wieder einen Abend zu ihrer eigenen Belustigung durch ein Theaterstück in plattdeutscher Sprache, so wurden sie enttäuscht. Konrad Hansen, der Autor des Stückes, schrieb keinen Schwank und keine Posse, sondern eine Kriminalkomöidie, deren Hintergründigkeit man spüren muss, deren Handlung auch einwenig Bitterkeit und Tragik enthält, wenn man daran denkt, welches Schicksal dem armen Opa Hartmann, von seiner eigenen Schwiegerktochter und deren Galan zugedacht war.

Nein, viel zu lachen gibt es in diesem Bühnenstück nicht, auch nicht über Enno Buß, der diesmal nicht einen etwas tollpatschigen Knecht spielt, sondern einen Killer, der nach außen hin eiskalt wirkt, in Wirklichkeit aber doch die Sehnsucht nach bürgerlicher Geborgenheit und sicherer Existenz mit sich herumschleppt.

Vielleicht hätte Intendant Rudolf Sang die sich schon im ersten Akt offenbarende Hintergründigkeit, die ganze dumpfe Zwielichtigkeit des Milieus noch besser herausarbeiten sollen, wie sie allein schon in dem hervorragend gelungenen Bühnenbild von Hannes Kaebe zum Ausdruck kam. So wirkte der erste Akt schleppend und ohne Höhepunkte. Daran konnte auch die glänzend ausgedeutete Rolle Hildegard Steffens` nicht viel ändern, die in ihrer Schnoddrigkeit und Frivolität als berechnende Schwiegertochter Emmy Hartmann über sich selbst hinauswuchs und ihrer Partie ein Profil gab, wie es krasser und treffender nicht sein konnte.

Als nichtstuender "Hausgenosse" steht Günter Boye in der Rolle des Helers August Drallmeier mit beiden Beinen fest im Spiel. Seine Brutalität wird erst wach, als er merkt, das er von seiner Liebsten bedenkenlos übers Ohr gehauen werden soll.

Kurt Röthel war ein aalglatter berlinernder Geschäftemachter Krawuttke, der in der Schwiegertochter Opa Hartmanns eine ihm überlegene Partnerin findet, schließlich aber doch noch sein Ziel, allerdings auf einem anderen Weg, erreicht und Opas Haus bekommt.

Daß Enne Buß auch andere Rollen als einen Bauernknecht spielen kann, bewies er treffend als der in Unterweltskreisen als erfolgreicher Killer bekannte Pit, dem nie etwas nachzuweisen ist. Wie es kommt, daß er seinen "Auftrag" nicht ausführt und sogar Partner des hühnerliebenden Opa Hartmanns wird, sei nicht verraten.

Annemarie Beermann verdiente Sonderapplaus als Nachbarin Tante Pauline, die um ihren bei einem Bankraub geschnappten Paul trauert und Trost bei Opa Hartmann und in der Schürzentasche steckenden Schnapsflasche sucht.

Die beste Leistung erreichte Heino Aden als Opa Hartmann, der um sein Hab und Gut gebracht werden soll. Gerade die besonnene Verhalteneit, diese schlichte Würde austrahlende Haltung, das Ahnen um ein ihm drohendes Verhängnis, traf Heino Aden meisterhaft. Abseits von ,jeder Routine spürte man in dieser Ausdeutung der Rolle eine echte komödiantische Reife, die hohe Anerkennung verdient.

Wer sich dieses Stück ansieht, ohne eine billige Posse zu erwarten, wird nicht enttäuscht sein, und so werden sich auch die Erwartungen, die Willy Beutz mit dieser Inszenierung verband, erfüllen. Das bewies der herzliche Beifall, der am Schluß in in erster Linie für ein fehlerloses Spiel aller Darsteller gespendet wurde. -bs.

Opa (Heino Aden) ist wieder da - Emmy (Hildegard Steffens), August (Günter Boye) und Krawuttke (Kurt Röthel) sind wenig begeistert- eine Szene aus "Witte Wyandotten" - Spielzeit 1968/69 -

Viel Milieu und weniger Humor

Von Ernst Richter

Die Szenerie führt das Publikum in Opa Hartmanns Stube. Mit viel Details hat Hannes Kaebe das nicht gerade erheiternde Bühnenbild hingebaut. Das ist so eine richtige Bruchbude kleinstädtischen Milieus. Hier lebt Opa Hartmann mit Emmy, seiner allein gebliebenen Schwiegertochter, die sich drastisch vulgär gibt und mit August, ihrem Wohngenossen, einem Ganoven, umspringt, wie es ihr die Laune eingibt. Und die ist alles andere als fröhlich.

Dies makaber stimmende Spiel um "Witte Wyandotten" hat es naturgemäß schwer, heitere Töne zu finden. So wurde zunächst auch nichts aus der vorgesehenen niederdeutschen Gaunerkomödie, zumal Hildegard Steffens als Emmy fast verbissen realistisch und ohne den gewissen Schalk im Nacken ihre Rolle bringt. Das ist ganz gewiß eine gekonnte Partie, entbehrt aber jeglicher Komik. Das ist milieuecht und deswegen keineswegs erheiternd.

Heino Aden als Opa Hartmann allein sorgt bis zur Pause für teils hintergründigen Humor, teils offenkundige Situationskomik. Günter Boje spielt den Tagedieb August, der sich gern ins gemachte Netz setzen möchte und sehr böse wird, als Opa Hartmann hinter seine Diebesbeute kommt. Annemarie Beermann sorgt als Tante Pauline für Heiterkeit um einen Pelzmantel. Und Kurt Röthel gelingt die Darstellung des aalglatten Geschäftsmanns. Doch die Geschäfte hinter Opas Rücken klappten nicht. So wird der mörderische Plan gefaßt: Opa muß weg.

Als gedungener Killer tritt im dritten und letzten Akt Enno Buß in Erscheinung. Wie er sich mit Opa anlegt, wie er von ihm "bekehrt" wird und es zu einem unerwarteten Arrangement kommt, das ist dann doch echt komödienhaft und versöhnt mit der düsteren Charakterzeichnung der vorausgegangenen Akte.

Rudolf Sang führte Regie zu diesem Spiel um die imaginären "Witten Wyandotten" von Konrad Hansen, das am vergangenen Wochenende im Stadttheater von der Niederdeutschen Bühne Rüstringen aufgeführt wurde. Die harte Realität dieser Milieustudie könnte sicher mit etwas mehr Komik ins Lächerliche verkehrt und damit zur echten Gaunerkomödie werden. Das wäre wohltuend und würde die Abwendung von der Tragikomödie bringen.

Was hecken Pitt (Enno Buß), Krawuttke (Kurt Röthel) und Opa (Heino Aden) schon wieder aus? - eine Szene aus "Witte Wyandotten" - Spielzeit 1968

Wer hett, de hett (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

WER HETT, DE HETT

Schwank in drei Akten von Erhard Asmus

Darsteller
Hanna Christoffers
Erika Kaebe
Hildegard Steffens
Enno Buß
Horst Jönck
Karl-Heinz Herpel
Wilhelm Pick

von links: Karl-Heinz Herpel, Enno Buß, Wilhelm Pick und Erika Kaebe  - eine Szene aus "Wer hett, de hett" - Spielzeit 1968/69 -

von links: Horst Jönck, Karl-Heinz Herpel, Hanna Christoffers  - eine Szene aus "Wer hett, de hett" - Spielzeit 1968/69-

Was will Erika Kaebe mit Messer und Wurst, etwa auf Hildegard Steffens losgehen?  - eine Szene aus "Wer hett, de hett" - Spielzeit 1968/69 -

Wenn de Klock wahrschaut (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

WENN DE KLOCK WAHRSCHAUT

Kriminalspiel in drei Akten von R. und Ch. Feenstra

Inszenierung Rudolf Sang
Bühnenbild Hannes Kaebe

Souffleuse: Hanna Christoffers
Inspektion: Berta Herpel
Tontechnik: Klaus Aden
Beleuchtung: Theo Pottbacker

Rollen und Darsteller
Käppen Brouwer - Hans Macker
Seine Frau - Annemarie Beermann
Babette - Agda Tauscher
Lolke - Karl-Heinz Herpel
Wietske - Gisela Schmidt
Sinne - Enno Buß
Doktor van Gendt - Günter Boye
Baronesse van Sminia - Erika Kaebe
Ein Mann - Friedrich Müller

Utkniepen helpt nich (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

UTKNIEPEN HELPT NICH

Lustspiel in drei Akten von Hans Bunje

Inszenierung Rudolf Sang
Bühnenbild Hannes Kaebe

Souffleuse: Gisela Schmidt
Inspektion: Berta Herpel
Beleuchtung: Theo Pottbacker

Rollen und Darsteller
Jan Reimers - Enno Buß
Mathilde, seine Frau - Erika Kaebe
Ralf, deren Sohn - Heinrich Müller
Baumeister Ratjen - Wilhelm Pick
Helma, seine Tochter - Jutta Meyer
Prokurist - Waldemar Schröder
Hinnerk - Arnold Fischer

Jan (Enno Buß) und Mathilde Reimers (Erika Kaebe) haben Besuch vom Baumeister Ratjen (Wilhelm Pick), der sehr aufgeregt ist  - eine Szene aus "Utkniepen helpt nich" - Spielzeit 1968/69 -

Trine hett Rosinen in´n Kopp (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

TRINE HETT ROSINEN IN´N KOPP

Posse in drei Akten von Peter Schreiber

Inszenierung: Rudolf Sang
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Souffleuse: Gisela Schmidt
Inspektion: Berta Herpel
Beleuchtung: Theo Pottbacker
Frisuren und Perücken: Rudolf-Helmut Kunze

Rollen und Darsteller
Willem Wipsch, Finanzassistent - Enno Buß
Trine Wipsch, seine Frau - Annemarie Beermann
Edith, genannt Ditta, ihre Tochter - Agda Tauscher
Jimmy Schnapp, ein Hamburger Junge - Karl-Heinz Herpel
Die Nolte, Nachbarin - Hanna Christoffers
Ole Martens, Bürobote - Horst Jönck
Hannes Brook, Untermieter bei Wipsch - Klaus Aden
Klaas, Wachtmeister - Arnold Fischer


Antrittsbesuch bei der angehenden Schwiegermama? Von links Ditta (Agda Tauscher), Jimmy Schnapp (Karl-Heinz Herpel) und Trine Wipsch (Annemarie Beermann)  - eine Szene aus "Trine hett Rosinen in´n Kopp" - Spielzeit 1967/68 -

Eerstens kummt dat anners.... (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

EERSTENS KUMMT DAT ANNERS.....

Komödie in drei Akten von Walter Looschen

Inszenierung: Rudolf Sang
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Souffleuse: Hanna Christoffers
Inspektion: Berta Herpel
Beleuchtung: Theo Pottbacker
Frisuren und Perücken: Rudolf-Helmut Kunze

Rollen und Darsteller
Peter Rix, Bauer auf Hammelskamp - Heino Aden
Matthes, Tagelöhner - Heino Aden
Mine Rix, seine Schwägerin - Erika Kaebe
Marie Reinke, seine Haushälterin - Hildegard Steffens
Wilhelm, Knecht - Günter Boye
Anna, Magd - Gisela Schmidt
Dr Hofmann, Rechtsanwalt und Notar - Kurt Röthel
Wulf, Wachtmeister - Wilhelm Pick

Bekommt Sie den Hof, fragen sich v.l. Günter Boye, Hildegard Steffens, Heino Aden, Erika Kaebe und Gisela Schmidt  - eine Szene aus "Eerstens kummt dat anners..." - Spielzeit 67/68 -

PRESSESTIMMEN

"Eernstens kummt dat anners..."

Schwindelkomödie mit Heino Aden in einer turbulenten Doppelrolle

von Gustav Remmling

Wilhelmshaven. Die rnächtigen Balken, die Decke und das Dach der guten Stube des Bauern Peter Rix auf Harnmelskamp - wieder ein gekonntes Bühnenbild von Hannes Kaebe - haben sich gewiß über so viel Erbschleicherei und SchwIndelei gebogen. Nun, Heimatdichter Walter Looschen hatte schon die richtige Nase für wirkungsvollen, volksgebundenen Humor, als er nach einer französischen Vorlage die Swinnelkomödle "Eerstens kummt dat anners" wirkungsvoll ins Niederdeutsche übertrug. Denn dieses Stück strotzt nur so von Situationskomik und wirkungsvollen Rollen, in denen sich die verschiedenartigen Temperamente der versierten Laienschauspieler der Niederdeutschen Bühne im Stadttheater Wilhelmshaven am Freitagabend nur so austoben konnten.

Speelbaas Rudolf Sang hatte wie stets mit sicherer Hand aus der Fülle seines spielfreudigen Ensembles die richtigen Typen in diesem unbeschwerten Spiel eingesetzt und wußte das Bühnengeschehen sehr aufgelockert und beweglich zu gestalten.

Heino Aden mimte den alten, aber pfiffigen Bauern Peter Rix in einer hervorragenden Maske. Klotzig reich wurde er umgirrt von einer verwitweten, geltungsbedürftigen Schwägerin und seiner nur aufs Geld erpichten Haushälterin, die sich beide bereits als künftige Ehefrau und Großbäuerin fühlten. Der listige, leider mit einem Herzfehler behaftete Alte, der sein letztes Stündlein über kurz oder lang kommen sah, machte sich einen Spaß daraus, die beiden Frauenspersonen gegeneinander auszuspielen und nebenbei auch der Magd Anna wohlgefällig die hinteren Rundungen zu tätscheln. All das gab dem ersten Akt den erforderlichen humorvollen Startschwung!

Erika Kaebe als Schwägerin Mine, vollbusig im dörflichen Sonntagsstaat, in prächtig gespielter aufgetakelter Jugendlichkeit und vielbelachter Verfressenheit, sah sich schon als Hofherrin schalten und walten. Neben ihr die selbst in ihrer Liebe zum Knecht Wilhelm kaltschnäuzige Haushälterin Marie Reinke, der Hildegard Steffens ein etwas zu tierisch-ernstes Profil gab. Eine Dosis Humor wäre vor allem im zweiten Akt angebracht gewesen, als sie den Knecht Wilhelm mit ins Komplott zog, denn was sie diesem von Günter Boye so prächtig gespielten liebenden Bauernknecht an krimineller Erbschleicherei geistig einbläute, war in ihrem Spiel städtisch empfunden und nicht, wie es sein müßte, bauernschlau ausgeheckt.

Dritter im Bunde war der Tagelöhner Matthes, der wegen seiner auffälligen Ähnlichkeit mit dem plötzlich am Herzschlag dahingeschiedenen Bauern Rix nach wohlausgetüfteltem Plan der Haushälterin mit angekleistertem Bart diesen für eine kurze Spanne ins Leben zurückrufen mußte, um dem schnell herbeigerufenen Notar ein zugunsten Maries gefälschtes Testament zu diktieren. Das gab für Heino Aden eine pfiffige und mit aller Raffinesse gespielte Doppelrolle, die dem langjährigen Laienspieler grandios gelang.

Den Notar verkörperte Kurt Röthel mit weltmännisch jovialer Sicherheit. Neben ihm mimte Wilhelm Pick einen würdehewußten, gesetzestreuen Wachtmeister Wulf, der auch mit dem Korb, den er von der Haushälterin Marie erhielt, standesbewußt fertig wurde. Günter Boye hatte als Knecht Wilhelm stets die Lacher auf seiner Seite. Wenn man aber meint, Gisela Schmidt als Nachwuchsdarstellerin unter "ferner liefen" bringen zu können, so belehrte sie mit ihrem Spiel selbst kritische Beurteiler eines Besseren. Mit ihr entwickelt sich ein Naturtalent, das mit der Gestaltung der Magd Anna eine völlig eigenständige Leistung aufwiest`

Wie dieses fröhliche Stück ausging? Nun, der Schwindel platzte, als der Notar die echte testamentarische Verfügung vom Tonband abspielte. Aber "Ende gut, alles gut', sonst wäre es keine Swinnelkomödie' .

Matthes (Heino Aden) und Wilhelm (Günter Boye) proben für den Auftritt als Peter Rix, Marie (Hildegard Steffens) assistiert dabei - eine Szene aus "Eerstesn kummt dat anners..." - Spielzeit 1967/68 -

Großartige Doppelrolle für Heino Aden

Beifall für die niederdeutsche Komödie "Eerstens kummt dat anners..."

Mit wohltemperiertem, freundlichem Beifall nahm das zahlreiche Premierenpublikum am Freitagabend die vorletzte Inszenierung dieser Spielzeit der Niederdeutschen Bühne ,.Riistringen" auf. Walter Looschens nach einem aus dem Französischen entnommenen Vorwurf geschriebene Swinnelkomödie "Eerstens kummt dat anners...."

Wurden die Zuschauer während des mit reichlichen Längen ausgestatteten ersten Aktes nicht recht warm, so wandelte sich dieser Eindruck in den beiden folgenden Akten völlig; die Zuschauer gingen begeistert mit und applaudierten auf offener Szene manche ausgezeichnete Leistung. Intendant Rudolf Sang, der auch diese Inszenierung mit souveränem Geschick besorgte, konnte sich auf sein Ensemble verlassen. Er mußte es können, weil das Stück von der Handlung her schwach ist. So kann man feststellen, daß der Erfolg in erster Linie den Spielern zuzuschreiben ist.

Längere Zeit hatten wir Heino Aden als Akteur auf der Bühne vermißt. Nun zeigte dieser Spieler in einer glänzenden Doppelrolle als schwerkranker alternder Bauer Peter Rix auf Hammelskamp und als verschmitzter Tagelöhner Matthes, der es faustdick hinter den Ohren hat, zu welchen Leistungen er fähig ist. Um eben diesen Bauern Rix, der sich dem Regiment der blitzsaubern Haushälterin Marie Reinke wohl oder übel beugt und nicht schlecht dabei fährt, dreht sich die Handlung, oder vielmehr um das Erbe des Hofbesitzers, der plötzlich stirbt, bevor er die Haushälterin heiraten kann.

Heino Aden gab dem Bauern bedächtige und durch allerlei Sorgen überschattete Züge und brachte Farbe in den ziemlich schleppenden ersten Akt. Eine sehr treffende Aussagekraft wohnte der Darstellung der Haushälterin Hildegard Steffens inne. Diese um ein spätes Glück bangende und kämpfende Frau, die selbst auf ihre Liebe zum Knecht Wilhelm verzichten will, als ihr der Bauer einen überraschenden Antrag macht, die sich aber nicht scheut, einen üblen Betrug einzuleiten, als der Bauer plötzlich stirbt, war bei Hildegard Steffens in den besten Händen.

Erika Kaebe als sehr auf ihren Vorteil bedachte Schwägerin Mine Rix des Hofbesitzers bot wieder eine ausgereifte Leistung und wirkte gekonnt in ihrer Derbheit. Günter Boye war die Rolle des Knechts Wilhelm anvertraut, der zwar ein Verhältnis mit der Magd Anna hat, jedoch eine Ehe mit der frischen jungen Haushälterin Marie herbeisehnt, die ihm unerreichbar erscheint, bis er sich auf den faustdicken Schwindel einläßt, den Marie ausheckt, Günter Boye wurde mit seinem Part ausgezelchnet fertig.

Mit spontanem Beifall quittierten die Zuschauer die oftmals ganz prachtvollen Ausdeutungen der Magdrolle, die Gisela Schmidt zu spielen hatte. Wie schon als etwas dümmliches Dienstmädchen Adeline in "De lüttje Wippsteert" gab diese Nachwuchsdarstellerin der Rolle der von dem Knecht ausgenutzten Magd Anna durchaus glaubhafte Züge. Wir glauben, daß von dieser Spielerin noch einiges zu erwarten ist, weil sie ein natürliches Spieltalent mitbringt.

Mit der gebotenen Zurückhaltung trat Kurt Röthel als Rechtsanwalt bei der Abfassung des Testaments mit dem angeblichen Bauern auf, während Wilhelm Pick als verwitweter Wachtmeister, der ebenfalls an ein später Eheglück mit der Haushälterin Marie denkt, gleichfalls gut ankam. Was Heino Aden als zum Erbschaftsbetrug bereiter Tagelöhner Matthes machte, dem es auch auf einen Hammeldiebstahl nicht ankam, war schlechthin nicht zu überbieten. Daß schließlich der Knecht Wilhelm, der sich als unehelicher Sohn des verstorbenen Bruders des Bauern Rix entpuppt, den Hof erbt und seine Marie dennoch heiführen kann, ist die glückliche Lösung der "Swinnelkomödie".

Daß trotz des erwiesenen Erbschaftsbetruges alle Beteiligten am Schluß zufrieden sind und Rechtsanwalt und Wachtmeister den versöhnlichen Mantel des Schweigens über eine üble Machenschaft decken, mag einen Juristen zwar nicht befriedigen, den Zuschauern jedenfalls war diese Lösung ganz recht, und sie dankten vor allem für eine darstellerische Leistung, für eine straffe Regie und ein millieuechtes Bühnenbild, für das wieder einmal in gekonnter Meisterschaft Hannes Kaebe verantwortlich zeichnete. bs

Schnell noch das Testament aufsetzen heißt der Plan  (v.l. Hildegard Steffens, Kurt Röthel, Güner Boye und Heino Aden)  - eine Szene aus "Eerstens kummt dat anners..." - Spielzeit 1967/68 -

Beifallumrauschte Premiere der Niedeutrschen Bühne

Swinnelkomödie mit karnevalistischem Effekt

"Eerstens kummt dat anners . . .' , zweitens als man unter den Frauenslü auf dem Hol Hammelskamp und auch im Publikum denkt. Und damit ist schon die erste Voraussetzung erfüllt, daß diese von Walter Looschen einer französischen Vorlage nachgedichtete Swinnelkomödie, die ihren Titel und diese Klassifizierung völlig zu Recht hat, als Beitrag der Niederdeutschen Bühne Rüstringen zum Wilhelmshavener Fasching vom Publikum dankbar entgegengenommen wird.

Aber, das merkten die Premierenbesucher am Freitag abend bald, diese unter der Regie von Rudolf Sang stehende Aufführung hat noch andere Trümpfe. Da ist zunächst Heino Aden mit seiner Doppelrolle zu nennen. Als Bauer Peter Rix, dessen buchstäbliche Bauernschläue alle Erbspekulationen in seiner Umgebung hinfällig macht, erscheint er glaubhaft, in Sprache und Haltung; sein Tagelöhner Matthes, in seinen Eigenheiten zugunsten des Effektes in manchen Szenen sehr stark betont, ist geradezu köstlich.

Die Frauensleute um Bauer Rix haben es in sich. Jedenfalls müssen sich das die Zuschauer sagen, sobald sie Erika Kaebe als Schwägerin Mine Rix, Hildegard Steffens als Haushälterin Frau Reinke und Gisela Schmidt als Magd Anna auf der Bühne sehen; die erste als ein Wunder von Gefräßigkeit und Gier und insgesamt eine Karikatur auf die vom Leben noch nicht restlos befriedigte Witwe um die fünfzig, die zweite sauber und adrett und erst auf den zweiten Blick erkennbar als nüchterne Rechnerin um ihr künftiges Los, die dritte als eine Gehilfin, über deren sehenswerte Schnoddrigkeit man die Nase rümpft und zugleich staunt.

Auch der von Günter Boye verkörperte Knecht Wilhelm, groß und behäbig gerade in Details überzeugend nachgezeichnet, paßt ins Milieu, in dem zwischen drei Männern und drei Frauen nicht wenlger als sechs verschiedene Heiratsprojekte ins Gespräch kommen. Kurt Röthel als Rechtsanwalt Dr. Hofmann und Wilhelm Pick als Wachtmeister Wulf, die Hannes Kaebes stilechte Bauernstube (fast) zum Tribunal werden lassen, haben ebenso ihren Anteil daran, daß diese Aufführung eine "runde Sache" werden kann.

Dieser Ansicht war am Premierenabend auch das Publikum. Es spendete reichlich Beifall beeindruckt von einem Stück, das nicht mehr sein kann, aber dank Leitung und Leistung des Ensembles auch nicht mehr zu sein braucht, als ein abendfüllendes Karnevalsvergnügen. (wg)

Nun wird´s eng für den Schwindel (er) Matthes (Heino Aden), der Wachtmeister (Wilhelm Pick) steht schon parat - eine Szene aus "Eerstens kummt dat anners..." - Spielzeit 1967/68

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