De lüttje Wippsteert (1. WA)

1. Wiederaufführung, davor 1957/58 gespielt

DE LÜTTJE WIPPSTEERT

(Die spanische Fliege)
Schwank von Franz Arnold und Ernst Bach
Plattdeutsch von Erich Schiff

Inszenierung: Rudolf Sang
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Souffleuse: Erika Kaebe
Inspektion: Berta Herpel
Beleuchtung: Theo Pottbacker

Rollen und Darsteller
Willem Cordes, Kolonialwaren - Hans Macker
Meta, seine Frau - Annemarie Beermann
Lene, beider Tochter - Agda Tauscher
Eduard Stint, Schulmeister - Waldemar Schröder
Mathilde, seine Tochter - Jutta Meyer
Christian Krey, Polizeidiener a. D. - Enno Buß
Gerd Bruns, Assessor - Friedrich Müller
Anton Stüring, Kichdiener - Günter Boye
Otto Gemeiner, Revisor - Wilhelm Pick
Liese, seine Frau - Hildegard Steffens
Heinrich, beider Sohn - Heinrich Müller
Adeline, Dienstmädchen - Gisela Schmidt

Meta Cordes (Annemaire Beermann) ist entsetzt, ebenso Wilhelm Cordes (Hans Macker). Ihre Tochter Lene (Agda Tauscher) und Gerd Bruns (Friedrich Müller) ein Paar? - eine Szene aus "De lüttje Wippsteert" - Spielzeit 1967/68 -

Mathilde (Jutta Meyer) bestaunt den jungen Herrn Gemeiner (Heinrich Müller), das Dienstmädchen Adeline (Gisela Schmidt) ist entsetzt, ebenso Lene (Agda Tauscher) - eine Szene aus "De lüttje Wippsteert" - Spielzeit 1967/68 -

Funktaxizentrale "Jade" (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

FUNKTAXIZENTRALE "JADE"

(Froonslüüd sünd ok Minschen)
Lustspiel in drei Akten von Hand E. Jürgensen

Inszenierung: Rudolf Sang

 

Stratenmusik (2. WA)

Zweite Gemeinschaftsinszenierung
2. Wiederaufführung (3), davor 1932 und 1953/54 gespielt

STRATENMUSIK

Komödie in drei Akten von Paul Schurek

Inszenierung: Rudolf Sang
Idee und Planung: Willy Beutz
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Beleuchtung: Theo Pottbacker
Inspizientin: Berta Herpel
Souffleuse: Annemarie Beermann

Rollen und Darsteller
Jan Lünk, erste Trompete - Hermann Dirksen, Norden
Emil Spittel, zweite Trompete - Emil Riemer, Oldenburg
Hein Dickback, Baß - Arnold Cordsen, Brake
Greten Witt, Haushälterin - Ellen Beutz, Wilhelmshaven
Katrin, Nachbarin - Edith Beyer, Delmenhorst
Godemann, Gastwirt - Franz Hertlein, Emden

Das Ensembel von "Stratenmusik" - v.l. Edith Beyer, Hermann Dirksen, Ellen Beutz, Arnold Corsen, Emil Riemer und Franz Herlein - Gemeinschaftsproduktion 1967/68 -

Greten Witt (Ellen Beutz) führt den drei Muskanten (v. l. Emil Riemer, Hermann Dirksen und Arnold Cordsen) den Haushalt - eine Szene aus Stratenmusik - Spielzeit 1967/68 -

Sie spielen für ein Paar Groschen: Emil Spittel (Emil Riemer - Oldenburg), Jan Lünk (Hermann Dirksen - Norden) und Hein Dickback (Arnold Cordsen - Brake) - eine Szene aus Stratenmusik - Spielzeit 1967/68 -

Eine der köstlichsten Szenen: Spittel (stehend in der Mitte - Emil Riemer) fängt an zu philosophieren. Gespannt hören Godemann (Franz Hertlein),  Lünk (Hermann Dirksen) und Hein Dickback (Arnold Cordsen) zu - eine Szene aus Stratenmusik - Spielzeit 1967/68 -

Dat Doktorbook (1. WA)

1. Wiederaufführung (2), davor 1953/54

DAT DOKTERBOOK

Lustspiel in drei Akten von Jens Exler

Inszenierung: Rudolf Sang
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Inspizientin: Bertha Herpel
Souffleuse: Gisela Schmidt
Beleuchtung: Theo Pottbacker

Rollen und Darsteller
Asmus Timm, Bauer und Gastwirt - Hans Macker
Berta Timm, seine Frau - Annemarie Beermann
Frieda Timm, beider Tochter - Jutta Meyer
Lisa Krummhusen, bei Timm in Stellung - Erika Kaebe
Julle Schäper, Tagelöhner - Enno Buß
Gerd Imhoff - Friedrich Müller
Christof Julius Emmerich Grube, Reisender - Heinrich Müller
Irma Bruhn, Friedas Freundin - Helga Hinrichs

...un baven wahnen Engel (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

....UN BAVEN WAHNEN ENGEL

Lustspiel in drei Akten von Jens Exler

Inszenierung: Rudolf Sang
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Inspizientin: Bertha Herpel
Souffleuse: Gisela Schmidt
Beleuchtung: Theo Pottbacker

Rollen und Darsteller
Helene Engel - Annemarie Beermann
Elvira Engel - Hildegard Steffens
Klaus, ihr Neffe - Kurt Röthel
Herr Schlüter, ein Nachbar - Heino Aden
Karen, seine Tochter - Agda Tauscher
Alma Fritsche, eine Nachbarin - Erika Kaebe
Herr Babbel, Hauswirt - Enno Buß

Elvira (Hildegard Steffens) geht´s nicht gut. Am Krankenbett v. l. Karen (Agda Tauscher), Schlüter (Heino Aden),  Babbel (Enno Buß) und Helene (Annemarie Beermann)  - eine Szene aus "...un baven wohnen Engel" - Spielzeit 1966/67 -

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Wenn schrullige Schwestern Geister spielen

Niederdeutsche Bühne servierte mit "..un baven wahnen Engel" vierte Premiere

von Gustav Remmling

Wenn auch das niederdeutsche Lustspiel "Un baven wohnen Engel", von Jens Exler literarisch kaum das Niveau eines derben Schwankes überschritt und in der Charakterisierung der einzelnen Typen zu stark aufgesetzte Lichter zeigte, so gab gerade dies den Laienspielern der Niederdeutschen Bühne im Stadttheater Wilhelmshaven die Möglichkeit, in ihren Rollen ganz groß herauszukommen. Unter diesem Gesichtswinkel hatte Rudolf Sang das Stück inszeniert und ihm einen rasanten Ablauf und Schwung zuteil werden lassen, dem das fast ausverkaufte Haus im begeisternden Mitgehen unter dröhnenden Lachsalven nur zu gern folgte.

Autor Jens Exler weiß um das Geheimnis eines bühnenwirksamen Aufbaues, wenn er mit sicherem Gespür menschliche Schwächen zum Ausgangspunkt eines Dreiakters macht und es dabei fertig bringt, in dem so gefürchteten dritten Akt mit netten Einfällen urwüchsige Situationskomik noch eine bedeutsame Steugerung zu bringen. An der Niederdeutschen Bühne herrscht ein in jahrzehntelanger Pflege gefestigter Ensemblegeist, der gerade in diesem Tratschstück nachbarlicher Unduldsamkeit wieder einmal beispielhaft zum Tragen kam.

Annemarie Beermann und Hildegard Steffens als Helene und Elvira Engel, gaben ein Konterfei von zwei ungleichen, schrulligen Schwestern, die einen Komplex geistiger Vereinsamung auf ihre Nachbarn abreagieren mußten. So quälten sie insbesondere die vielköpfige Familie Schlüter, der sie die größere und bessere Wohnung nicht gönnten. Das Spiel der beiden Darstellerinnen war mimisch wie darstellerisch bis ins letzte Detail ausgefeilt: Annemarie Beermann herrschsüchtig, rechthaberisch, ja bösartig, Hilde Steffens als Jüngere stets von der Schwester unterdrückte Kreatur, von ängstlicher, wenn auch aus tiefster Seele sich dagegen auflehnender Unterordnung unter die Knute der älteren.

Wo kommen nur diese Geräusche her?, Babbel (Heino Adn) ist ebenso sprachlos wie Elvira (Hildegard Steffens) - eine köstliche Szene aus ".. un baven wohnen Engel" - Spielzeit 1966/67 -

Als sie aber ihren ,lieben` Neffen unter Vorspiegeluung verwandtschaftlicher Gefühle für ihre Zwecke dienstbar machen wollten, hatte dieser die Situation sehr bald erkannt und spielte den Tanten auf seine Art auf. Kurt Röthel, am Nachmittag der Premiere doch stockheiser und sprechunfähig, hatte sich in echter Hingabe an seine Bühne durch ärztliche Kunst für den Abend spielfähig machen lassen und stand seine Rolle als Neffe Klaus mit eisener Selbstdisziplin glänzend durch.

Eine überaus gelungene Type gestaltete Erika Kaebe aus der Rolle der langffingerigen Nachbarin Alma Fritsche, deren geiferndes Mundwerk auch durch Enno Buß, der den Hausmeister Babbel mimte: nicht gestopft werden konnte. Dieser Urkomiker, der allein schon durch seine Körperlichkeit und seine gekonnte Mimik in jeder Rolle überzeugt, fand auch diesmal den charakteristischen hinreißenden Lustspielton. Last not least war Heino Aden als etwas troddeliger Nachbar Schlüter sehr bühnenwirksam eingesetzt und bewies ein hervorstechendes darstellerisches Talent.

So wurde die vierte Inszenierung dieser Spielzeit wiederum ein voller Erfolg der Niederdeutschen Bühne, die mit Recht auf ihre langjährige Tradition als Hüterin des wertvollen Kulturgutes der nIederdeutschen Sprache stolz sein kann. Der starke Beifall war ehrlich verdient.

Alma Fritsche (Erika Kaebe) kann mal wieder ihr Muulwark nicht halten. Die Engel-Schwestern (Annemarie Beermann und Hildegard Steffens) hören peinlich berührt zu  - eine Szene aus "...un baven wahnen Engel" - Spielzeit 1966/67 -

Revolution in Riesdörp (1. WA)

1. Wiederaufführung (2), davor 1954/55 gespielt

REVOLUTION IN RIESDÖRP

(Wiewerupstand in´t Dörp)
Komödie in drei Akten von Max König

Inszenierung: Rudolf Sang
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Inspizientin Bertha Herpel
Souffleuse Gisela Schmidt
Beleuchtung Theo Pottbacker

Rollen und Darsteller
August Pörksen, Gastwirt - Wilhelm Pick
Anna, geb. Müller, seine Frau - Annemarie Beermann
Krischan, Hausknecht bei Pörksen - Enno Buß
Mieke, Annas Nichte - Agda Tauscher
Peter Lehmann - Friedrich Müller
Behnken, Bürgermeister - Kurt Röthel
Stine, seine Frau - Erika Kaebe
Piepenbrink, Schneider - Karl-Heinz Herpel
Fieken, seine Frau - Helga Hinrichs
Stehen, Wachtmeister - Klaus Aden

Jeppe in´t Paradies (1. WA)

1. Wiederaufführung (2), davor 1955/56 gespielt

JEPPE IN´T PARADIES

Komödie in drei Akten von Paul Schurek

Inszenierung: Rudolf Sang
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Inspizientin: Bertha Herpel
Souffleuse: Annemarie Beermann
Beleuchtung: Theo Pottbacker
Tontechnik: Klaus Aden

Rollen und Darsteller
Jeppe, ein kleiner Bauer - Heino Aden
Mieke, seine Frau - Erika Kaebe
De Herr Baron - Hans Macker
De Herr Inspektor - Wilhelm Pick
Hein, Kammerdiener - Enno Buß
Anna, Kammerzofe - Ellen Beutz
Der Wirt - Waldemar Schröder

Jeppe (Heino Aden - Mitte) fühlt sich wie im Paradies, v.l. de Herr Baron (Hans Macker), Hein (Enno Buß), de Herr Inspektor (Wilhelm Pick) und Anna (Ellen Beutz) amüsieren sich köstlich  - eine Szene aus "Jeppe in´t Paradies" - Spielzeit 1966/67 -

PRESSESTIMMEN

Premiere der Niederdeutschen Bühne Rüstringen "Jeppe in´t Paradies" - mit drei Jubilaren

Die zweite Premiere dieser Spielzeit der Niederdeutschen Bühne "Rüstringen" brachte Karl Bunjes Komödie "Jeppe in´t Paradies". Wie Jeppe vom Misthaufen ins Paradies, d. h. in das Bett des Barons, kommt, ist hierorts vor längerer Zeit bereits einmal auf der Bühne gezeigt worden. Intendant Rudolf Sang hatte diesmal bei der Auswahl der Titelfigur keine Schwierigkeit, denn der nunmehr 30 Jahre dem Ensemble angehörende H e i n o A d e n ist für diese Rolle geradezu prädestiniert. Er setzte seinen vielen glanzvollen Leistungen einen neuen Höhepunkt hinzu. Man muß seine philosophischen Betrachtungen über das Leben gehört, sein nuancenreiches Mienenspiel dabei beobachtet haben, um zu erkennen, wie sehr er in seiner Rolle aufgeht und mit seinem Spiel die Herzen der vielen, vielen Freunde gewinnt.

Gleichzeitig mit ihm feiert Ellen B e u t z das "30jährige". Auch sie hat es in diesen vielen Jahren in welchem Fach auch immer, stets verstanden, die Zuschauer zu begeistern. Der dritte Jubilar, Enno B u ß ist seit 20 Jahren "Rüstringer". Aber sein Anteil am Erfolg der Bühne ist nicht minder erwähnenswert. Ob grob oder fein, er weiß alle Register zu ziehen, um das Publikum mitzureißen.

Nun könnte man sagen, ferner spielten . . . Aber es wäre ungerecht, Erika Kaebe, Hans Macker, Wilhelm Pick und Waldemar Schröder derart abzutun. Die Jubilare sollen und wollen nicht als Stars behandelt werden, und wie wir es seit eh und je von den "Rüstringern" kennen, bilden sie eine große Familie. Jeder trug zu seinem Teil zu dem guten Gelingen der Premiere bei.

Wir haben bewußt auf eine detaillierte Inhaltsangabe verzichtet, es hieße nämlich, ein wenig von der Spannung wegzunehmen. Man sehe sich dieses köstliche Stück an, man wird sich an Inhalt und Darstellung gleichermaßen ergötzen.

Wie sich die ganze "Rüstringer Familie" mit ihren Jubilaren freute, wird dadurch bewiesen, daß entgegen sonstiger Gepflogenheit Agda Tauseher, ein junges Mitglied der Bühne, Frau Beutz, Heinrich Aden und Enno Buß ein herrliches Blumenangebinde überreichte. Ein vierter Strauß war für den Leiter der Rüstringer Bühne bestimmt, der aus dem Parkett auf die Bühne geholt wurde: Willy Beutz, der auch 30 Jahre dabei ist, aber infolge betrieblicher Überlastung leider nicht mehr aktiv sein kann. Doch als "Motor" ist er wirklich unentbehrlich. Hannes Kaebes Bühnenbilder waren wieder einmal hervorragend gelungen. (tgh)

Jeppe (Heino Aden) "filosofiert" mal wieder, Mieke (Erika Kaebe) ist mehr als beunruhigt - eine Szene aus "Jeppe in´t Paradies" - Spielzeit 1966/67 -

Aus schwerem Herzen mit leichter Hand

Glänzende Premiere mit Paul Schureks "Jeppe in´t Paradies"

Kein treffenderes Bühnenstück konnte die Niederdeutsche Bühne "Rüstringen" auswählen, um drei ihrer bekanntesten und beliebtesten Mitglieder besonders zu ehren, die viele Jahre zum Ensemble gehören, als Paul Schureks klassische Komödie "Jeppe in 't Paradies".

Wir berichteten bereits vor einiger Zeit in einer Bild Sonderseite "30 Jahre Freude am plattdeutschen Spiel", daß Ellen und Willy Beutz sowie Heino Aden seit drei Jahrzehnten, Enno Buß dagegen seit 20 Jahren aktive Spieler der Niederdeutschen Bühne sind. Schureks Stück fand zum ersten Male in einer Inszenierung von Willy Minauf am 4. Dezember 1955 in Wilhelmshaven eine begeisterte Aufnahme. Denn dieses Stück ist ein echter Schurek.

Der Dichter sagte einmal selbst über sein Schaffen: "Szenen zu bauen war mein liebster Zeitvertreib geworden. Ich dachte mir Leute aus, scharf profilierte Charaktere, die in ihren Kontrasten harmonierten, und ließ sie miteinander reden. Gern setzte ich einen komischen Kauz in die Mitte, an dem sich eine Narrheit, die ich an mir oder anderen entdeckt hatte, gut demonstrieren ließ. Alle diese Stücke machte ich aus schwerem Herzen, doch mit leichter Hand aus einer zwar oft galgenhumorigen, doch zuversichtlichen Grundstimmung heraus, denn ich bin ein Optimist, obschon meine Freunde es bezweifeln und selbst meine Frau es nur zögernd zugibt."

Ein solcher "komischer Kauz" ist der kleine Bauer Jeppe, der lieber angeln geht, als zu arbeiten, dessen Lebensauffassung sich im Nichtstun und Sprüchemachen erfüllt, der aber auch gerne zu tief ins Glas schaut, weil "der andere Mensch in ihm" es so will. "De nicks deiht, deiht ok keen Unrecht", sagt Jeppe, und "Denken is bäter as dohn", ist seine Philosophie, mit der er seine unverbesserliche Trägheit bemäntelt.

Intendant Rudolf Sang, dessen Inszenierung ohne jeden Tadel werktreu bis zum letzten Buchstaben war, verlegte die Handlung in das frühe 19. Jahrhundert, in die Biederrneierzeit. So kam allein schon durch die Kostüme viel Farbe auf die Bühne. Zweifellos ein Gewinn! Die Aufführung selbst war wie aus einem Guß und ließ erkennen, wie sehr auch an der kleinsten Szene gefeilt worden ist.

Heino Aden präsentierte einen Jeppe, an dem auch Paul Schurek seine helle Freude gehabt hätte. Das war keine Routine, sondern erlebtes Spiel, so sehr war Heino Aden mit dieser Rolle identisch geworden. Von der ersten bis zur letzten Szene gab es nicht den geringsten Stilbruch in der Ausdeutung dieser schwierigen Rolle.

Jubilarin Ellen Beutz, die vor elf Jahren die Rolle der Mieke, Jeppes Frau, spielte, begnügte sich dieses Mal mit der kleineren Rolle der Kammerzofe Anna. Schelmisch mit dem unverbesserlichen Jeppe flirtend und doch auf Abstand bedacht, ließ Ellen Beutz mit dieser Leistung keinen Wunsch offen. Enno Buß war als Kammerdiener, der Jeppe dazu verhilft, daß er im "Paradies" erwacht, genauso richtig eingesetzt. Faustdick hinter den Ohren ist er der Initiator eines Scherzes, der die Grenzen des Makabren streift und für Jeppe eine heilsame Lehre wird.

Hans Macker deutet seine Rolle als Baron in sehr feiner Weise mit wohltuender Zurückhaltung aus und verrät trotz allen Unmutes über seinen pfiffigen Pächter Jeppe seine Zuneigung zu dem Lebenskünstler im Bauernwams. Die Rolle der Mieke, der fleißigen Frau Jeppes, war Erika Kaebe anvertraut, die erst im dritten Akt Gelegenheit hatte zu beweisen, zu welch einer großartigen Leistung sie fähig ist. Bei aller Energie, mit der sie ihren Jeppe ändern will, läßt sie nie vergessen, wie ihr gütiges Herz doch an diesem liebenswerten Faulpelz hängt. Bei ihrer "sozialkritischen" Anklage gegen den Baron wächst Frau Kaebe über sich selbst hinaus

Wilhelm Pick bot gleichfalls eine erfreulich treffende Erscheinung als polternder Inspektor des Guthofes, der Jeppe mit seinem Knotenstock kurieren will, dann aber doch das von Kammerdiener Hein ausgedachte Spiel mitmacht. Eine ausgezeichnete Charakterstudie bot Waldemar Schröder als Kröger, der in Jeppe seinen besten Gast sieht. Für die Jubilare gab es am Schluß Blumen, auch für den im Parkett sitzenden Bühnenleiter Willy Beutz und für alle Mitwirkenden vielen und herzlichen Beifall. bs.

Das Ensemble von "Jeppe": v.l. Erika Kaebe, Hans Macker, Heino Aden, Waldemar Schröder, Enno Buß, Ellen Beutz und Wilhelm Pick - eine Szene aus Jeppe in´t Paradies - Spielzeit 1966/67 -

Heino Aden vollbrachte eine Glanzleistung

Die Niederdeutsche Bühne ehrte ihre Jubilare - Viel Beifall für "Jeppe"

Wilhelmshaven. Kann man Jubilare einer heimatverbundenen Bühne besser ehren als in tragenden Rollen? Diesen Gedanken machte sich die Niederdeutsche Bühne im Stadttheater Wilhelmshaven zu eigen, als sie die Hauptrollen in der klassischen Komödie "Jeppe in't Paradies" von Paul Schurek, die in ihrer hintergründigen Besinnlichkeit schon als Dichtung angesprochen werden darf, mit Jubilaren besetzte.

Heino Aden in der Titelrolle, der nun schon dreißig Jahre voll Idealismus diesem in sich verschworenen Laienensemble angehört, gestaltete Traum und Wirklichkeit dieser problematischen Komödie unter Einsatz echten schauspielerischen Talentes in packender Realität, wobei er Komik und Tragik seiner Rolle in gleicher Weise meisterte.

Die zweite dreißigjährige Jubilarin war Ellen Beutz, deren Chargenwandlung von der munteren jugendlichen Liebhaberin von einst zur Darstellerin mütterlicher Frauenrollen die langjährigen Freunde der Niederdeutschen Bühne miterlebt hatten und die diesmal als fröhliche unbekümmerte Schloßbedienstete wieder jenen Liebreiz entwickelte, den wir so an ihr schätzen.

Als zwanzigjähriger Jubilar mimte Enno Buß in figaroartiger Possenhaftigkeit den Leibdiener Hein des verarmten Barons mit bewährter komödiantischer Delikatesse. Nur solchem eulenspiegelhaften Spaßmacher konnte es gelingen, den melancholischen Grafen zu bewegen, seinen tolltrunkenen Häußler Jeppe von einem Lager auf dem Misthaufen in das herrschaftliche Bett zu bringen und den vom Alkohol noch ganz Benommenen gleichsam im Traum den Baron spielen zu lassen.

Dieser etwas weinerliche und unter der Last seiner Schulden bedrückte Herr über ein kleines Bauerndorf wurde von Hans Macker in philosophisch pessimistischer Reflektion ausgezeichnet verkörpert. Besonders eindrucksvoll gestaltete Erika Kaebe Jeppes Frau Mieke, die der Autor mit sehr viel Einfühlung in die Psyche der sich für ihren Mann abrackernden und ihn trotz seiner Fehler liebenden Ehefrau zeichnete. Ihrer Verkörperung wußte die beliebte Darstellerin Akzente zu geben, die trotz starker Situationskomik die Zuschauer fesselte und zum Nachdenken zwang.

Wilhelm Pick als Inspektor und in der Traumkomödie als Advokat sowie Waldemar Schröder als Wirt zeichneten sich wie stets durch charakteristisches Erfassen ihrer Rolle aus. Der Bühnenbildner Hans Kaebe hatte für Traum und Wirklichkeit einen malerischen Rahmen geschaffen, in dem Speelbaas Rudolf Sang in straffer Regie seine Darsteller beweglich einzusetzen vermochte.

Als der Vorhang über das turbulente Geschehen fiel, wurden die Jubilare und der verdienstvolle Bühnenleiter Willy Beutz, der ebenfalls eine dreißigjährige Bühnenzugehörigkeit und ein zwanzigjähriges Jubiläum als Bühnenleiter begehen konnte, mit großen Blumensträußen geehrt. Die Freunde und Abonnenten der Niederdeutschen Bühne dankten mit langanhaltendem, herzlichem Applaus.

Gustav Remmling

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Jeppe in't Paradies

Lieber Jan!

Zu köstlich, diese Komödie am 19. November im Stadttheater! Ein Dank und ein Lob zugleich allen beteiligten Darstellern der Niederdeutschen Bühne Rüstringen für ihre außerordentliche schauspielerische Leistung und den hohen Idealismus. Ich kam von außerhalb und wurde nur durch Zufall auf diese Aufführung aufmerksam. Ist es nicht etwas Wunderbares, daß unsere niederdeutsche Sprache so gepflegt wird und zur Geltung kommt? Meine Anregung und Frage zugleich: Warum werden solche hervorragenden Stücke nicht auch einmal der Landbevölkerung, die nicht über die notwendigen Bühnen und Räumlichkeiten verfügt, vom "Fernsehen" präsentiert? Man sollte dafür getrost einen spannungsreichen "Krimi" fallenlassen'

Mit niederdeutschem Gruß!
E. Manßen, Buttforde

Küselwind (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

KÜSELWIND

Lustspiel von Magna Petersen

Inszenierung: Rudolf Sang
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Inspizientin: Bertha Herpel
Souffleuse: Hanna Christoffers
Beleuchtung: Theo Pottbacker

Rollen und Darsteller
Frau Marquardt, Wwe. - Annemarie Beermann
Peter Marquardt, Fischer - Karl-Heinz Herpel
Hans-Hartwig Marquardt, gen. Hattje - Heinrich Müller
Elfriede Amalie Kruse, genannt Küsel - Agda Tauscher
Lisa Anders - Jutta Meyer
Ringer, Zollassistent - Horst Jönck

Dat Horoskop (1. WA)

1. Wiederaufführung (2), davor 1955/56 gespielt

DAT HOROSKOP

Lustspiel in drei Akten von Jens Exler

Inszenierung: Rudolf Sang
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Inspizientin: Bertha Herpel
Souffleuse: Hanna Christoffers
Beleuchtung: Theo Pottbacker

Rollen und Darsteller
Jochen Brooks, Bauer und Gastwirt "Zur alten Mühle" - Hans Macker
Silke, seine Tochter - Agda Tauscher
Kalle Troll, Knecht bei Brooks - Enno Buß
Jünne Griffel, Knecht bei Brooks - Klaus Aden
Martin Witmaak, Nachbars Sohn - Friedrich Müller
Jens Wulff, Ingenieur der Deutschen Erdöl AG - Karl-Heinz Herpel
Soffi von Apen - Ellen Beutz
Professor Wassermann ut Chickago - Waldemar Schröder
Bürgermeister - Kurt Röthel
Wachtmeister - Horst Jönck, Nachwuchsdarsteller

Die Verträge werden gemacht: v.l. Agda Tauscher, Hans Macker, Kurt Röthel, Horst Jönck, Enno Buß, Karl-Heinz Herpel und Heino Aden - eine Szene aus "Dat Horoskop" - Spielzeit 1965/66 -

Martin Wittmaak (Friedrich Müller) möchte mit Silke (Agda Tauscher) anbandeln - eine Szene aus "Dat Horoskop" - Spielzeit 1965/66 -

De Kriegskamerad (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

DE KRIEGSKAMERAD

Schwank in drei Akten von Rudolf Reiner

Inszenierung: Rudolf Sang
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Inspizientin: Berta Herpel
Souffleuse: Annemarie Beermann
Beleuchter: Theo Pottbacker
Tontechnik: Klaus Aden

Rollen und Darsteller
Otto - Heino Aden
Helene, seine Frau - Erika Kaebe
Fritz - Karl-Heinz Herpel
Luise, seine Frau - Helga Dannemann
Siegfried - Wilhelm Pick
Klara, seine Frau - Gerda Rehdelfs
Hausierer - Enno Buß


Heftige Diskussion zwischen den Kriegskameraden Siegfried (Wilhelm Pick), Otto (Heino Aden) und Fritz (Karl-Heinz Herpel)  - eine Szene aus "De Kriegskamerad" - Spielzeit 1965/66

Jonny de Drütte (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

JONNY DE DRÜTTE

Komödie in drei Akten von Konrad Hansen

Inszenierung: Rudolf Sang
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Inspizientin: Berta Herpel
Souffleuse: Gerda Rehdelfs
Beleuchter: Theo Pottbacker

Rollen und Darsteller
Opa - Enno Buß
Vater - Hans Macker
Jonny - Heinrich Müller
Betty Lührs - Annemarie Beermann
Anjte - Agda Tauscher
Tetje - Friedrich Müller
Herr Schmidt - Waldemar Schröder
Frau Schmidt - Hanna Christoffers
Uschi - Jutta Meier
Susi - Ilse Kleen
Alma Krützfeld - Erika Kaebe
Adele Schnoor - Hildegard Steffens


Heinrich Müller als Jonny de Drütte und Enno Buß als Jonny de Eerste - eine Szene aus "Jonny de Drütte" - Spielzeit 1965/66 -

Een Mann mit Charakter (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

EEN MANN MIT CHARAKTER

Lustspiel in drei Akten von Wilfried Wroost

Inszenierung: Rudolf Sang
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Inspizientin: Berta Herpel
Souffleuse: Hanna Christoffers
Beleuchter: Theo Pottbacker

Rollen und Darsteller
Heinrich Hinzpeter, Bäckermeister - Enno Buß
Selma, seine geschiedene Frau - Gerda Redelfs
Gisela, beider Tochter - Agda Tauscher
Dora Hinzpeter, Heinrichs Mutter - Annemarie Beermann
Fritz Hinzpeter, Heinrichs Bruder - Heino Aden
Detlef Düwelö, Betriebsprüfer vom Finanzamt - Friedrich Müller
Karl Kroepelin, Bäckergeselle - Heinrich Müller
Peter Hinz, Lehrling - Friedhelm Herpel

Die Brüder Hinzpeter (Enno Buß und Heino Aden) sind sich gar nicht so grün - eine Szene aus "Een Mann mit Charakter" - Spielzeit 1966/67 -

Die Brüder Hinzpeter (Enno Buß und Heino Aden) überspielen gegenüber Gisela (Agda Taucher) ihre Meinungsverschiedenheiten geschickt - eine Szene aus "Een Mann mit Charakter" - Spielzeit 1966/67 -

Havareee (WE)

Erste Gemeinschaftsproduktion
Wilhelmshavener Erstaufführung

HAVEREE

Schauspiel in drei Akten von Klaas Smelik
aus dem Holländischen übertragen von Walter A. Kreye

Inszenierung: Rudolf Sang
Idee und Planung Willy Beutz

Rollen und Darsteller
Vorsitzender - Hans Macker, Wilhelmshaven
1. Beisitzer - Rudolf Sang, Wilhelmshaven
2. Beisitzer - Hans-Gerd Logemann, Brake
Inspekteur der Seefahrt - Walter Toben, Jever
Melle Niebuhr, Kapitän der "Eppie Reina" - Arnold Cordsen, Brake
Elko Ubbens, Steuermann - Horst Beekmann, Cuxhaven
Jan Diekema, Matrose - Georg Andrae, Jever
Fokke Wiersma, Matrose - Wilhelm Pick, Wilhelmshaven
Tanno Scholtens, Leichtmatrose - Hermann Dirksen, Norden
Hajo Niewold, 2. Maschinist - Albert Janssen, Aurich
Menno Doyen, Koch Franz - Hertlein, Emden
Van Ganderen, Schiffsagent - Hans-Wilhelm Toben, Jever
Sekretär und Gerichtsdiener - Arnold Fischer, Wilhelmshaven


Sie halten Gericht. (v.l. Hans-Gerd Logemann, NDB Brake, sowie Hans Macker und Rudolf Sang, NDB Wilhelmshaven
- eine Szene aus der Gemeinschaftsproduktion "Havaree" - Spielzeit 1965/66 -

Hajo Niewold (Albert Janssen, NDB Aurich) wird vom Inspekteur für Seefahrt (Walter Toben, NDB Jever) verhört. Das Gericht (Mitte Rudolf Sang und Hans Macker , beide NDB Wilhelmshaven) sowie der Schreiber (Arnold Fischer,NDB Wilhelmshaven) schauen zu - eine Szene aus der Gemeinschaftsproduktion "Havaree" - Spielzeit 1965/66 -

Dicke Luft in Rönnekamp (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

DICKE LUFT IN RÖNNEKAMP

Lustspiel in drei Akten von Jens Exler

Inszenierung: Rudolf Sang
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Inspizientin: Berta Herpel
Souffleuse: Annemarie Beermann
Beleuchtung: Theo Pottbacker

Rollen und Darsteller
Gerd Bockelmann, Bauer und Amtsvorsteher - Wilhelm Pick
Polle, sien Knecht - Enno Buß
Ida, Köchin - Helga Hinrichs
Dr. Benno Kruse, Tierarzt - Karl-Heinz Herpel
Elke Kraft, Lehrerin - Agda Tauscher
Adje, Landstreicher - Hans Macker
Sonja von Essen, Reporterin - Ellen Beutz
Gottfried Rehbein, Amtsschreiber - Heino Aden

Sie sorgen für "dicke Luft" - v.l. Wilhelm Pick, Heino Aden, Enno Buss, Karl-Heinz Herpel, Ellen Beutz und Agda Tauscher - eine Szene aus "Dicke Luft in Roennekamp" - Spielzeit 1964/65 -

Es herrscht immer noch "dicke Luft" - von links: Heino Aden, Wilhelm Pick und Enno Buß - ein plietsches Dreigespann - - eine Szene aus "Dicke Luft in Roennekamp" - Spielzeit 1964/65 -

Dat Verlegenheitskind (1. WA)

1. Wiederaufführung (2), davor 1952/53 gespielt

DAT VERLEGENHEITSKIND

Lustspiel in drei Akten von Jens Peter Asmussen
Musik Curt Koschnik

Inszenierung: Rudolf Sang
Bühnenbild: Hannes Kaebe


Inspizientin: Berta Herpel
Souffleuse: Hanna Christoffers
Musikalische Begleitung: Uwe Gremmel
Beleuchtung: Theo Pottbacker

Rollen und Darsteller
Amandus Quandt - Hans Macker
Katrin, seine Frau - Annemarie Beermann
Hein, ihr Sohn - Friedrich Müller
Peter Brandt, Bauer - Waldemar Schröder
Gesche, seine Frau - Marie Engelke
Evchen, ihre Tochter - Gerda Jörss
Hans Wickenhusen, Briefträger - Heinrich Müller
Emma Meier - Gerda Redelfs, Nachwuchsdarstellerin
Mali, ihre Tochter - Agda Tauscher
Fieken, Magd bei Peter Brandt - Roswitha Bertz, Nachwuchsdarstellerin

Petrus gifft Urlaub (1. WA)

1. Wiederaufführung (2), davor 1950/51 gespielt

PETRUS GIFFT URLAUB

Schwank in drei Akten von Fritz Wempner

Inszenierung: Rudolf Sang
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Inspizientin: Berta Herpel
Souffleuse: Annemarie Beermann
Frisuren: Helmut Teichmann
Beleuchtung: Theo Pottbacker

Rollen und Darsteller
Herr Thomsen, Fabrikant för Landmaschinen - Wilhelm Pick
Ursula Thorgard, sien Steefdochter - Gerda Jörss
Knut Thomsen, Buer - Karl-Heinz Herpel
Fiete Keesmüller, steiht in´n Deenst bi Buer Thomsen - Heino Aden
Emma Petersen, de Nawersch van Buer Thomsen - Helga Dannemann
Stina, steiht in´n Deenst bi Emma Petersen - Hildegard Steffens
Hein Kohlmann, steiht ok bi Emma Petersen in´n Deenst - Enno Buß
Harro Kopmann, Ingenieur bi Herrn Thomsen - Heinrich Müller

Das Stimmungstriumvirat im Stück: Hein Kohlmann (Enno Buß), Fiete Keesmüller alias Tante Frieda (Heino Aden) und Stine (Hildegard Steffens) - eine köstliche Szene aus "Petrus givt Urlaub" - Spielzeit 1964/65 -

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Ein vergnügliches Weihnachtsgeschenk "Petrus givt Urlaub"

Auch Wilhelmshaven folgte in diesem Jahr dem allgerneinen Brauch der Theater, am zweiten Weihnachtstag der 'leichten Muse' das Feld einzurärumen. Die Niederdeutsche Bühne tat das mit Fritz Wempners Schwank "Petrus givt Urlaub" - und nicht ohne Erfolg.

Heiter gings zu in der Stube des Bauern Knut Thomsen, wo zu Beginn des Spiels auf der Bühne des Theaters Knecht Fiete Keesmüller des Bauern Tante Friedas Bild mit Blumen schmückt. Die Tante ist zwar schon vor zwei Jahren verstorben, aber davon hat der junge Bauer seinem Brunder nichts gesagt, so daß ihm noch immer monatlich eine willkommene Summe Geldes zufließt. Allerdings droht diese Quelle durch verschiedene, nicht vorauszusehende Dinge zu versiegen, des Bauern kleiner Betrug aufgedeckt zu werden. Da greift Petrus ein. Er gibt Tante Frieda Urlaub...

v.l. Fabrikant Thomsen (Wilhem Pick), Bauer Knut Thomsen (Karl-Heinz Herpel), Ursula Thorgard (Gerda Jörss), Stine (Hildegard Steffens) und Fiete Keesmüller (Heino Aden) - eine Szene aus "Petrus givt Urlaub" - Spielzeit 1964/65 -

Es hieße, den Spaß vorwegnehmen, wenn man die heitere Geschichte aufrollen würde; eine Geschichte voller köstlicher Verwicklungen, in der Fiete Keesmüller ("Wat mien Fründ Heino Aden van de plattdütsche Bühne kann, kann ik ook") sein ganzes Talent aufbieten muß, um schließlich alles ins Lot zu bringen. Heino Aden hatte dieser Rolle Form zu geben: Und er tat es. War die Aufführung schon ein herzliches Weihnachtsgeschenk, so gilt das für die Leistung Heino Adens im besonderen. Er wuchs diesmal 'über sich hinaus' und hatte größten Anteil an der Fröhlichkeit auf der Bühne und im Parkett.

Das schmälert nicht die Verdienste der anderen Mitspieler. Enno Buß als Hein Kohlmann und Hildegard Steffens als Stine waren die anderen Figuren in diesem herrlichen Triumvirat, das in humorvoller Weise für "Stimmung" sorgte. Karl-Heinz Herpel war wie immer souverän, unbekümmert und stilecht. Helga Dannemann als Emma Petersen rnischte kräftig mit. Gerda Jörss wußte als Ursula Thorgard auch alle Register ihres Könnens einzusetzen, um schließlich zum "glücklichen" Ende zu kommen. In der Rolle des Ingenieurs Harro Koopmann hatte Heinrich Müller Gelegenheit, seine Vitalität voll auszuschöpfen, und schließlich - als Neuling auf der Bühne - überzeugte Wilhelm Pick, der den Landmaschinenfabrikanten Thomsen darstellte.

Regisseur war Intendant Rudolf Sang, der ebenso wie Bühnenbildner Hannes Kaebe ehrlichen Beffall erhielt. Dieser herzliche Applaus, der sich von Szene zu Szene steigerte, gipfelte schließlich in einem Beifallsorkan, der nicht enden wollte. Es war ein schöner Abend niederdeutscher Freude und Fröhlichkeit. (tgh)

Tja, gefaßt, der Werksspionage überführt. vl. Hildegard Steffens, Wilhelm Pick, Enno Buß, Heinrich Müller, Heino Aden und Gerda Jörss - die Schluss-Szene in "Petrus givt Urlaub" - Spielzeit 1964/65 -

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