De Radikalkur (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

DE RADIKALKUR

Schwank in drei Akten von Max König

Inszenierung: Willi Minauf
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Beleuchtung: Hugo Kazmierczak
Souffleuse: Elisabeth Stammereilers
Frisuren: Helmut Teichmann
Inspizientin: Maria Siebels

Rollen und Darsteller
Krischan Peper, Bauer - Willi Minauf
Stine, seine Haushälterin - Annemarie Beermann
Jan, Knecht - Emil Meinen
Anna, Dienstmädchen - Gerda Jörss
Bull, Pferdehändler - Ernst Neumann

Trina - Therese Peters

radikalkur_56_57_01
Emil Meinen als Knecht Jan und Therese Peters als Trina

radikalkur_56_57_02

Emil Meinen als Knecht Jan

radikalkur_56_57_03

Emil Meinen, Willi Minauf, Gerda Jörss

Prinzess Dickkopp

PRINZESS DICKKOPP

Een Märchenspeel för groot un lütt in veer Biller van Georg Perlick
Musik Walter Bullerdiek

 

Keen Utkamen mit´t Inkamen (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

KEEN UTKAMEN MIT´T INKAMEN

Komödie in drei Akten von Fritz Wempner
Inszenierung: Willy Beutz
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Beleuchtung: Hugo Kazmierczak
Souffleuse: Marianne Tholen
Frisuren: Helmut Teichmann

Rollen und Darsteller
August Bodendiek, Rentner Bernd Pflog, een jungen Buur - Hans Macker
Ida Bodendiek, seine Frau - Annemarie Beermann
Helmut Jäger, Obst- und Gemüsegroßhändler - Arno Tholen/Willy Beutz
Klaus, sein Sohn - Karl-Heinz Herpel
Gerry Franzen, später Frau Jäger - Ellen Beutz
Lisa, ihre Tochter - Gerda Jörss
Fide Sprott, Nachbar von Bodendieks und Rentner - Heino Aden/Willi Minauf
Frau Bollmann, Frau von Lisas Chef - Therese Peters

utkamen5657_1

 

Fiete Sprott (Heino Aden) "verpasst" Augsut (Hans Macker) erst einmal eine Zigarre. - eine Szene aus "Keen Utkamen mit dat Inkamen" - Spielzeit 1957/58 -

utkamen5657_2

Frau Bollmann (Therese Peters) ist entstetzt über diesen Fiete Sprott (Heino Aden)
- eine Szene aus "Keen Utkamen mit dat Inkamen" - Spielzeit 1957/58 -

Dat Herrschaftskind (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

DAT HERRSCHAFTSKIND

Volkskomödie von Wilfried Wroost

Inszenierung: Willi Minauf
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Inspizientin: Marie Siebels
Souffleuse: Elisabeth Stammereilers
Beleuchtung: Hugo Kazmierczak
Frisuren: Helmut Teichmann

Rollen und Darsteller
Krischan Kattwinkel, Hafenarbeiter - Emil Meinen
Sophie, seine Frau - Ellen Beutz
Gerda, ihre Tochter, Verkäuferin - Gerda Jörss
Dieter, ihr Sohn, Deckmann - Heino Aden
Johann Jungnickel, Malermeister und Hausbesitzer - Enno Buß
Werner Hauschildt, sein Neffe - Karl-Heinz Herpel
Frau Konsul Clementine Zerrhusen, Wwe. - Annemarie Beermann
Rudolf, Sohn aus zweiter Ehe, Kaffe-Importeur - Willi Völker
Mijnheer van Vlierberghe, Plantagenbesitzer aus Java - Arno Tholen
Albert, Diener bei Zerrhusen - Ernst Neumann

herrschaftskind56_57_01

Frau Konsul Zerrhusen (Annemarie Beermann) mit dem Ehepaar Sophie und Krischan Kattwinkel (Ellen Beutz, Emi Meinen) in einer Szene aus "Dat Herrschaftskind" - Spielzeit 1956-57

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 16. Oktober 1956

Zwischen Hamburgs Trampgang und Harvesthude

Viel Beifall um Wilfried Wroosts Volkskomödie „Dat Herrschaftskind"

Eine abgrundtiefe Kluft liegt zwischen den beiden Hamburger Wohnbezirken Harvestehude und dem „Trampgang", jenem vornehmen Villenort Hamburger Patrizierfamilien und dem Domizil armer Menschen, die ihres Lebens Unterhalt durch tägliche Handarbeit verdienen müssen. Es sind zwei vollkommen verschiedene Welten, um die Wilfried Wroost's „Volkskomödie", wie er sie nennt, „Dat Herrschaftskind" kreist. In einem „Plädoyer für das Volksstück", das im Programmheft abgedruckt worden ist, sagt der Dichter auch, warum er diese Bezeichnung wählte.

So sehr viel Komödienhaftes diesem prächtigen niederdeutschen Bühnenstück auch anhaftet, es steckt auch sehr viel von einer echten Tragödie in ihm. Das liegt allein in dem Schicksal jenes armen Schauermanns Krischen Kattwinkel begründet, der als Hafenarbeiter recht und schlecht sein Geld verdienen muß, in einer mehr als bescheiden möblierten Küche wohnt, mit der Miete rückständig ist, weil ein Unfall im Hafen ihn im Verdienst zurückgeworfen hat, und mit einem recht lockeren Mundwerk gern über die „vornehmen Leute" herzieht. Und eben dieser Mann erfährt am Geburtstag seiner alten Mutter, daß er eigentlich gar nicht ihr richtiges Kind ist, sondern vielmehr bei einer Maskerade vertauscht worden ist. Eigentlich ist nämlich Krischen ein „Herrschaftskind", ein Kind reicher Eltern, und der „richtige" Krischen Kattwinkel, der Mensch, der wohlbehütet in einer Villa aufwuchs, müßte von Rechts wegen Hafenarbeiter sein.

Wroost hat nun die Konflikte, die sich mit der Entdeckung des biederen Schauermanns, daß er eigentlich ein völlig falsches Leben seit 46 Jahren geführt hat, entwickeln, sehr fein herausgearbeitet und die ganze Tragik, die sich dem falschen Krischen mit seiner Entdeckung offenbart, auf diese eine Rolle verdichtet. Und der krasse Gegensatz zwischen dem armseligen Trampgang, dem „ArmeLeute-Viertel", und dem satten Villenort Harvestehude tritt sehr deutlich in den handelnden Personen hervor. Krischen Kattwinkel, dessen Lebensschicksal ein leichtfertiges Dienstmädchen einen völlig anderen Kurs gab, kann nicht plötzlich ein Leben zwischen Sesseln und seidenen Tapeten führen, er ist als einfacher Mensch groß geworden und paßt nicht in die noble Umgebung. Und die vornehme Mutter, die Frau Konsul, spürt keinen Hauch der Blutsverwandtschaft zu ihrem leiblichen Sohn, der da plötzlich aus dem Tranmpgang auftaucht; sie sieht nur den linkischen Schauermann mit den verarbeiteten Händen und seine allzu redselige Frau, deren goldenes Herz ihr verborgen bleibt.

Willi Minauf als Regisseur des Stückes übertrug mit Recht Emil Meinen den schweren Part des Krischan Kattwinkel . Und dieser bewährte Darstellter gab erneute eine treffende Probe seines Könnens, wenn es ihm gelang, überzeugend echt die ganze Tragik eines verfehlten Lebens als „Kuckucksei up twee Beenen" in seinem Spiel anklingen zu lassen. Ihm zur Seite als seine Frau Sophie steht Ellen Beutz als resolute, nur dem praktischen Leben zugewandte Gefährtin, die sich nicht blenden läßt, aber im entscheidenden Augenblick beweist, wo die echte Herzensbildung ihre wahre Heimstatt hat. Beide Spieler fanden mehrmals Beifall auf offener Szene, wenn man Ellen Beutz auch anraten möchte, in derartigen Rollen ihre so oft und treffend bewiesene eigene Persönlichkeit auszudrücken und sich nicht an Vorbilder zu halten.

Gerda Jörß als Tochter dieses Schauermanns-Ehepaars war ein niedliches, verliebtes junges Mädchen mit viel Charme und Liebreiz. Ihr Partner Karl-Heinz Herpel ein rescher und zielbewußter junger Handwerksmeister, der sich nicht den Wünschen eines alternden Onkels fügt, sondern sein Glück allein schmieden will. Ein unbekümmerter und frischer Decksmann, der durch eine kühne Tat die Bekanntschaft mit den reichen Leuten vermittelt, die eigentlich die engste Verwandtschaft der Familie Kattwinkel sind, ist Heino Aden. Enno Buß ist wieder ganz in seinem Element als alter gnatteriger Malermeister und Hausbesitzer Jungnickel, dessen Rheuma sich sogar in seinen Gesichtszügen und in seinen Handlungen abzeichnet. Eine überragende Charakterstudie, die volles Lob verdient! Ausgezeichnet ist wieder Annemarie Beermann in ihrer Rolle als „distinguierte" Frau Konsul, die es im Grunde ihres Herzens bedauert, daß plötzlich, nach fast einem halben Jahrhundert, ihr echtes „Fleisch und Blut" sich als ganz gewöhnlicher Hafenarbeiter bei ihr präsentiert. Es ist immer wieder eine Freude, diese Spielerin in einer Rolle zu sehen, die eine eigene Note verlangt.

Willi Völker gab der Person des reichen Kaffee-Importeurs Zerrhusen jene Züge, die der Dichter dieser Rolle vorschreibt, schwankend und ohne eigentliches Profil und sehr dem Einfluß der patrizierstolzen Mutter unterliegend. Arno Tholene als reicher Plantagenbesitzer Mijnheer van Vlierberghe, der sich als vertauschtes Kind entpuppte, war straff und gefestigt im Vollgefühl seines vom Adoptivvater ererbten Reichtums, aber sympathisch als Mann mit Herz für die Sorgen der kleinen Leute. Eine volle Leistung bot Ernst Neumann als Diener im Hause der Frau Konsul, Hannes Kaebe gab mit seinen Bühnenbildern einen stilechten Rahmen für das sehenswerte Stück, dem ein vollbesetztes Haus lang anhaltenden Beifall für den Dichter, die Darsteller und nicht zuletzt den Regisseur aus ehrlichem Herzen zollte. -bs.

herrschaftskind56_57_02

Annemarie Beermann stellte die Konsulin Zerrhusen eindrucksvoll dar, ebenso Willi Völker ihr Adoptivsohn, als Mjenheer van Vlierberghe beeindruckte Arno Tholen in "Dat Herrschaftskind" - Spielzeit 1956/57

WILHELMSHAVENER RUNDSCHAU vom 16. Oktober 1956

Premiere der „Niederdeutschen Bühne"

"Dat Herrschaftskind" / Volkskomödie in 3 Akten von Wilfried Wroost

„Ich bin nicht mehr ich", mit dieser Feststellung kommt Krischan Kattwinkel vom Geburtstagsbesuch bei seiner Mutter zurück. Das führt zu den größten Verwirrungen im Hause des Schauermannes, der im Armeleuteviertel Hamburgs wohnt, aber „juristisch" und „biologisch" Anspruch auf ein Leben in einer Harvestehuder Villa gehabt hätte, wenn er nicht als Baby auf einer Maskerade, wo ihn ein leichtsinniges Kindermädchen in der Garderobe abgegeben hatte, vertauscht worden wäre.

Wilfried Wroost nennt sein Werk eine Volkskomödie, um mit dem Titel „Volksstück" nicht in den falschen Verdacht zu kommen, sozialkritische oder gar politische Ziele zu verfolgen.

Die Niederdeutsche Bühne verhalf diesem Stück zu einem großen Erfolg. Im Mittelpunkt steht Krischan Kattwinkel selbst. Emil Meinen spielte diese Rolle so echt, so lebensnah, daß der Beifall , den er mehrfach bei offener Szene erhielt wohlverdient war. Nichtminder begeisternd spielte Ellen Beutz die Frau des „Herrschaftskindes", deren Herzensgüte auch von einem raschen Mundwerk nicht zu übertönen war. Sie fand am schnellsten den Weg in die rauhe Wirklichkeit zurück, als sich herausstellte, daß zwar an der hohen Herkunft ihres Gatten nicht mehr zu zweifeln war, ihm der Weg in die Villa aber doch versperrt blieb.

Großes schauspielerisches Talent in Mimik und Sprache entwickelte Annemarie Beermann in der Rolle der Frau Konsul Clementine Zerrhusen. Auch Enno Buss bewies wieder einmal sein großes Können als Darsteller origineller Typen, diesmal als Malermeister und Hausbesitzer Jungnickel. Willi Völker und Arno Tholen, der eine als der echte Sohn der Frau Konsul, der andere als der vertauschte, beide gefielen durch ihr Geschick, sich der jeweiligen Situation schnell anzupassen. Hervorgehoben zu werden verdient auch Ernst Neumann als vornehmer Diener, der verschmitzt lächelnd den Vorhang schließt, ehe der strenge Blick seiner Herrin das Liebesglück der beiden jungen Leute (Gerda Jörss als Tochter Kattwinkels und Karl-Heinz Herpel als angehender Malermeister) erspäht. Heino Aden als Decksmann Dieter, der durch seine mutige Tat der Rettung des Enkels der Frau Konsul den Stein ins Rollen bringt zur Aufklärung der ursprünglich verwickelten Familienverhältnisse, spielte frisch und lebendie bis zum Ende. Seine Belohnung erhielt er nicht nur in Form eines 1000-Mark-Schecks, sondern auch durch eine gute Position auf der Kaffeeplantage des Mannes, der 46 Jahre lang die Stelle seines Vaters im Hause Zerhusen „vertrat".

Willi Minaufs Regie klappte ausgezeichnet, während das von Hannes Kaebe geschaffene Bühnenbild sowohl die ärmlichen Wohnverhältnisse im Hamburger Trampgang als auch in der Harvestehuder Villa milieugerecht wiedergab. Zweieinhalb Stunden lang gab es im Stadttheater teils schallendes Gelächter, teils verständnisvolles Lächeln. Und zum Schluß stürmischen Applaus für die Mitglieder der Niederdeutschen Bühne. Joce

Wenn de Hahn kreiht (2. WA)

2. Wiederaufführung, davor vor 1939 und 1948/49 gespielt

WENN DE HAHN KREIHT

Komödie in drei Akten von August Hirnichs

Inszenierung: Willi Minauf
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Inspizient: Heino Aden
Souffleuse: Erika Kaebe
Beleuchtung: Hugo Kazmierczak

Rollen und Darsteller
Jan Kreyenborg, Gemeindevorsteher - Willi Minauf
Gesine, seine Frau - Therese Peters
Lena, seine Tochter - Hildegard Templin
Wilhelm Tameling, Knecht - Enno Buß
Renken, Tierarzt - Karl-Heinz Herpel
Kröger, Amtshauptmann - Hans Macker
Stindt, Wachtmeister - Arno Tholen
Gustav Pieper, Bauernsohn - Ernst Neumann
Peter Witt, Schneider - Heino Aden
Trina Witt, seine Frau - Annemarie Beermann

 

Lene (Hildegard Templin) hatte nachts Besuch vom Tierarzt Renken (Karl-Heinz Herpel). Wenn dat man kien Malleur gifft  -eine Szene aus "Wenn de Hahn kreiht" - Spielzeit 1956/57 -

Die Blumenrabatte ist völlig zerstört, stellt Gesine (Therese Peters) fest, Lena (Hildegard Templin) und Willem (Enno Buß) stellen sich erst einmal dumm - eine Szene aus "Wenn de hahn kreiht" - Spielzeit 1956/57 -

Kreyenborg (Willi Minauf) weiß von nichts, alles was der Amtshauptmann (Hans Macker) fragt, wird mit "weet ik nich" beantwortet. Gesine (Therese Peters) stutzt und der Wachtmeister (Arno Tholen) schreibt - eine Szene aus "Wenn de Hahn kreiht" - Spielzeit 1956/57 -

Dat Horoskop (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

DAT HOROSKOP

Lustspiel in drei Akten von Jens Exler

Inszenierung: Willy Beutz
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Inspizientin: Maria Siebels
Souffleuse: Erika Kaebe
Beleuchtung: Hugo Kazmierczak

Rollen und Darsteller
Jochen Brooks, Buur un Kröger - Arno Tholen
Silke, sien Dochter - Gerda Jörss
Kalle Troll, Knecht - Enno Buß
Jünne Griffel, Knecht - August Oeltjen a.G. (Neuenburg)
Martin Witmaak, Nawers Söhn - Ernst Neumann
Jens Wulff, Ingenieur - Karl-Heinz Herpel
Soffi von Apen, Frollein ut de Stadt - Ellen Beutz
Professor Wassermann ut Chickago - Willy Beutz
De Bürgermeister - Hans Macker
De Wachtmeister - Heinrich Frese

horoskop5556_1

Der Bürgermeister (Hans Macker) liest dem hohen Gast (Enno Buß) die Ehrenurkunde vor, umstehend die zahlreiche Statisterie  - eine Szene aus "Dat Horoskp" - Spielzeit 1955/56 -

horoskop5556_2

Ein doppelter Professor Wassermann? v.l. Arno Tholen, Karl-Heinz Herpel, Willy Beutz und Enno Buß sorgen für die Verwirrung im Stück - eine Szene aus "Dat Horoskop" - Spielzeit 1955/56 -

horoskop5556_3

"Dat Horoskop" mit viel Statisterie auf der Bühne - Spielzeit 1955/56 -

De Fall Hansen (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

DE FALL HANSEN

(nach dem Kriminalroman "Die Spur im Hafen" von Georg von der Vring)
Kriminalschauspiel in 6 Bildern von Walter A. Kreye

Inszenierung: Willy Beutz
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Inspizientin: Maria Siebels
Souffleuse: Elisabeth Stammereilers

Rollen und Darsteller
Peter Tewes, Assessor - Jochen Schenk a.G.
NDB Bremen (später Ohnsorg-Theater)
Frau Jürgens, Haushälterin - Annemarie Beermann
Dr. Sievers, Arzt - Willi Völker
Adelheid Stege, Pflegetochter von de Grut - Gerda Jörss
van der Zandt, holländischer Kapitän - Hans Macker
Hannes Clausen, Jugendfreund von Peter Tewes - Heino Aden, Karl-Heinz Herpel
Dora Renken, Witwe - Erika Kaebe
Visser, Seemann - Enno Buß
De Grut, Konsul - Adalbert Kiehn a.G. NDB Bremen

hansen5556_2

Zwei "Star-Gäste" bei den Niederdeutschen:  Jochen Schenk (später Ohnsorg-Theater) und Adalbert Kiehn von der NDB Bremen als Assessor Tewes und Konsul de Grut - eine Szene aus "De Fall Hansen" - Spielzeit 1955/56 -

hansen5556_1

Ist der Fall geklärt? Visser (Enno Buß), Hannes Clausen (Heino Aden), van der Zandt (Hans Macker), Peter Tewes (Jochen Schenk), Adelheid (Gerda Jörss) und Konsul de Grut (Adalbert Kiehn) sind jedenfalls wild dazu entschlossen  - eine Szene aus "De Fall Hansen" - Spielzeit 1955/56 -

hansen5556_3Visser (Enno Buß), van der Zandt (Hans Macker), Clausen (Heino Aden), Tewes (Jochen Schenk), de Grut (Adalbert Kiehn)  und Adelheid (Gerda Jörss) in einer Schlüsselszene des Krimis  - ein Szenenfoto aus "De Fall Hansen" - Spielzeit 1955/56 -

Dat Hörrohr (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

DAT HÖRROHR

Komödie in drei Akten von Karl Bunje

REGIE: Willi Minauf
BÜHNE: Hannes Kaebe

ROLLEN und DARSTELLER

Opa Meiners - Willi Minauf
Jochen Meiners, sein Sohn - Emil Meinen
Bertha, Jochens Frau - Erika Kaebe
Elke Saathoff - Gerda Jörss
Bernd Eikhorst, Knecht auf Meiners Hof - Karl-Heinz Herpel
Tobias Quadfasel, Landbriefträger - Heino Aden
Lieschen, seine Frau - Therese Peters
Arnold Hogeback - Hans Macker
Notar Fesenfeld - Ernst Neumann

Souffleuse: Annemarie Beermann
Inspizientin: Maria Siebels

hoerrohr_55_56_01

Emil Meinen (links), Heino Aden (rechts)

hoerrohr_55_56_02

Emil Meinen

Jeppe in´t Paradies (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

JEPPE IN´T PARADIES

Komödie in drei Akten von Paul Schurek

Inszenierung: Willi Minauf
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Inspizientin: Maria Siebels
Souffleuse: Elisabeth Stammereilers
Beleuchtung: Hugo Kacmierczak
Kostüme: Paul Welzel

Rollen und Darsteller
Jeppe, ein kleiner Bauer - Emil Riemer a.G.
Mieke, seine Frau - Ellen Beutz
De Herr Baron - Willi Minauf
De Herr Inspektor - Heino Aden
Hein, Kammerdiener - Karl-Heinz Herpel
Anna, Kammerzofe - Gerda Jörss
Der Wirt - Emil Meinen

jeppe5556_3

De Herr Inspektor (Heino Adn) besucht den verdutzten Jeppe (Emil Riemer)  - eine Szene aus "Jeppe in´t Paradies" - Spielzeit 1955/56 -

PRESSESTIMMEN

Viel Beifall um den pfiffigen Jeppe

Paul Schureks Komödie "Jeppe in´t Paradies" großartig aufgenommen

Daß Paul Schurek, dieser Sohn eines schlesischen Schumachers und einer Hamburger Deern, Niederdeutschlands bester Komödienschreiber ist, hat er nicht allein durch seine in 20 Sprachen übersetzte "Stratenmusik" (1921), seinen "Lünkenlarm" (1931), die "Tulipantjes", "Kasper kummt na Hus" und "Pott will heiraden" bewiesen, um nur einige seiner besten Stücke zu nennen. Die ganze Hintergründigkeit einer echten niederdeutschen Komödie, so wie sie beispielhaft in "Stratenmusik" dargestellt ist, kommt auch in seinem in unserer Stadt bisher noch nicht bekannten Stück "Jeppe in 't Paradies" zum Ausdruck.

Man muß zu meisterlicher Reife gelangt sein, wie Schurek, man muß niederdeutsche Art und Sprache beherrschen, aber auch ein gerüttelt Maß Lebensweisheit erworben haben, um eine solche echte Komödie schreiben zu können. Wie wohltuend sticht ein solches Werk ab von den billigen Schablonenschwänken, die von Vielschreibern produziert werden. Und man muß der Niederdeutschen Bühne Rüstringen dankbar sein, daß sie nach dem Albrecht Janßen Drama "De Diekrichter" ihren vielen Freunden nun diese plattdeutsche Kostbarkeit bietet.

In der Titelrolle des kleinen Bauern Jeppe aus dem typischen niederdeutschen Dorf, deren es Tausende in unserer Heimat gibt, stand als Gast von der Oldenburger August-Hinrichs-Bühne Emil Riemer auf den Brettern. Wir lernten in ihm einen geradezu prächtigen Spieler kennen, der alle Zuschauer mit seiner verschmitzten Pfiffigkeit, seiner Treuherzigkeit und seiner einfach entwaffnenden Philosophie vom süßen Nichtstun in den Bann schlug. Prächtig anzusehen, wie er seiner ihm doch so sehr trotz aller Fehler zugetanen Mieke beizubringen versucht, wie schön doch Gottes Welt ist, wie man sich an jeder Blume erfreuen soll, jedes Vogelzwitschern als eine göttliche Offenbarung hinnehmen muß. überwältigend und ob man will oder nicht, auch überzeugend, seine Philosophie von den beiden Seiten aller Dinge und Geschehnisse, wie beispielsweise das herrliche Gleichnis von der Katze, die die Maus frißt. Man kann diesem Lebenskünstler beim besten Willen einfach nicht böse sein, der zwei Seelen in seiner Brust, aber auch ein goldenes, treues Herz hat, ein Herz, das eben nur seine Mieke kennt und zu schätzen weiß. Emil Riemer war ohne Zweifel in erster Linie der große Erfolg zu verdanken, den das Stück gestern abend beim vollbesetzten Haus fand.

Regisseur Willi Minauf hatte Ellen Beutz die Rolle der Mieke, der fleißigen Frau des Jeppe, anvertraut, und so lag dieser Part von vornherein in den besten Händen. Resolut und doch vor Liebe zu ihrem leichtsinnigen Jeppe überströmend, arbeitsam und besorgt um ihren Mann, stellt Ellen Beutz eine Persönlichkeit dar, die Sympathie herausfordert. Wir sahen wieder eine durchaus abgerundete Leistung. Willi Minauf gab dem Baron sehr menschliche Züge, stellte einen kleinen Landedelmann dar, der zwar ungehalten ist, daß der unverbesserliche Jeppe nun einmal des Herrgotts Tagedieb ist, aber doch nie verleugnet, wie gern er diesen Alltagsphilosophen eigentlich hat. Und so macht er gute Miene zu jenem Spiel, das sich der Kammerdiener ausdenkt, um sowohl Jeppe als auch den Baron zu kurieren.

Heino Aden stand als schneidiger Inspektor mit Stiefeln und karierten Breeches fest und sicher in seinem Wirkungskreis, abhold jeder Faulenzerei und heftig in seinen Worten. Der Spieler mied klug jede Übertreibung, zu der diese Rolle leicht herausfordern könnte. Mit Witz und Verstand bot sich Karl Heinz Herpel als Kammerdiener Hein dar, der durch seinen Einfall den guten Jeppe in arge Verlegenheit bringt, als er ihn in das Himmelbett des Barons schafft. Emil Meinen war eine Prachttype von Dorfkrüger, ein Wirt, der sich ins Fäustehen lacht, wenn er sein Schäfchen geschoren hat. In Gerda Jörß sahen wir ein niedliches Kammerkätzchen, einem kleinen Flirt keineswegs abhold, aber doch sehr auf Reputation bedacht.

Hannes Kaebe stellte die Bühnenbilder mit gewohnter Einfühlung in ein echt niederdeutsches Milieu; die Kostüme von Paul Welzel waren ansprechend und stilecht, so daß eine untadelige Aufführung zustande kam, eine Aufführung, der das Publikum langen und herzlichen Beifall zollte, so wie sie es verdient hatte.

jeppe5556_2

Mieke (Ellen Beutz), Baron (Willi Minauf), Inspektor (Heino Aden) und Kammerdiener Hein (Karl-Heinz Herpel) beraten über Jeppes Verbleib - eine Szene aus "Jeppe in´t Paradies" - Spielzeit 1955/56 -

"Son beten fallt ok of för jo!"

"Jeppe" (und die Zuschauer) "int´t Paradies"

Man darf der Niederdeutschen Bühne Rüstringen zu ihren vielen anderen, lobenswerten Eigenschaften noch zu einer anderen gratulieren, die man schlicht "Riecher" nennt. Sie hat eine außerordentlich gute Hand in der Wahl der Darsteller-Gäste, das bewies der erfolgreiche "Ferdinand", der heute abend zum letzten Male läuft, und das beweist mehr noch der "Jeppe", der am Sonntagabend über die Bühne des Stadttheaters in das Paradies ging und die Zuschauer mit ihm.
Zuerst einmal gehört dieses Spiel von Paul Schurek in die ganz kleine Gruppe plattdeutscher Komödien, die schon vom Inhalt her Sonderklasse sind. Da gibt es keine Plattitüden um uneheliche Kinder mit unwahren Typen aus der Retorte des Lustspielroutiniers und keine Situation um der bloßen Komik willen, sondern das Stück wächst aus sich selbst.

Da kann man herzlich lachen über diesen Jeppe, der ein Tagedieb ist und als kleiner Landarbeiter so gern Baron sein möchte aber man kann's nicht immer, denn in dieser grauen Alltag blitzen Weisheiten auf und lassen mitten im Lachansatz nachdenken. Emil Riemer als Gast der August-Hinrichs-Bühne Oldenburg gibt diesen Jeppe, der tatsächlich für kurze Stunden zum Baron wird und entdeckt, wie gut sich's doch als kleiner Mann lebt. Lebt! Das ist es, was diesen Mann dort auf der Bühne auszeichnet! Keine Sekunde ist verloren, in der man ihn agieren sieht; in der er seine aus Klugheit und Pfiffigkeit gemixte Weisheit verzapft; in der man ihn als kleinen Mann, der ganz groß wird erlebt! Ihm danken wir einen köstlichen Abend mit einem niederdeutschen Darsteller, wie wir ihn in Wort, Gebärde und Mienenspiel, echt bis in den kleinen Finger, ganz selten sahen.

Auch der Autor war in seinen Jeppe verliebt, denn er läßt alle anderen Typen zu Randfiguren werden. Am ehesten ist noch Ellen Beutz als Jeppes Frau Mike da und ergänzt den Gast prächtig. Alle anderen Rollen, ganz gleich, ob es Willi Minaufs Baron, Heino Adens Inspektor oder Karl Heinz Herpel als Kammerdiener sind sie werden wie die Kammerzofe Anna (Gerda Jörss) und Emil Meinens Wirt vom Autor wie von einer klugen Regie (Willi Minauf) lediglich skizziert und bleiben bewußt im Hintergrund.

Als ausgezeichneter Bühnenbildner zeigte sich wieder einmal Hannes Kaebe, der den Platz vor dem Dorf mit der Burg des Herrn Baron im Hintergrund ebenso echt baute wie das Schlafzimmer des "gnädigen Herrn". Es wäre nur zu wünschen, daß man den wohlabgestimmten Spannungsbogen des ganzen Spieles auch im dritten Akt wirken läßt und hier Wiederholungen streicht, um das Tempo zu halten. Dann darf man von dieser Inszenierung sagen, daß sie die beste der ganzen Spielzeit und ein Gewinn für alle Freunde der echten niederdeutschen Komödie ist.

jeppe5556_1

Sie waren Klasse - Ellen Beutz und Emil Riemer a.G. von der August-Hinrichs-Bühne Oldenburg - ein Szenenfoto aus "Jeppe in´t Paradies" - Spielzeit 1955/56 -

De Diekrichter (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

DE DIEKRICHTER

Niederdeutsches Schauspiel in vier Akten von Albrecht Janßen

Inszenierung: Willi Minauf
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Inspizientin: Maria Siebels
Souffleuse: Elisabeth Stammereilers
Beleuchtung: Hugo Kacmierczak

Rollen und Darsteller
Edzard Agena, Bauer und später Deichrichter - Willy Beutz
Hilke Heyen, seine Frau - Ellen Beutz
Haiko Agena, sein Bruder - Hans Macker
Die alte Mutter - Annemarie Beermann
Dirk Tammling, alter Großknecht - Willi Minauf
Teetje Teetens, alte Großmagd - Therese Peters
Hajo Hajunga - Heinrich Frese
Ulfert Ulferts - Emil Meinen
Kasjen van Kothen - Walter Hinrichs
Jan, Deichwache - Heino Aden
Klaas, Deichwache - Werner Helfer
Harm, Deichwache - Heinrich Hinrichs
Ein Kleinknecht - Klaus Aden

diekrichter5556_1

Annemarie Beermann und Willy Beutz als alte Mutter und Edzard Agena - eine Szene aus "De Diekrichter"; Spielzeit 19955/56 -

 
PRESSESTIMMEN vom 7. November 1955

Der Deich ist heilig für alle Zeiten

Albrecht Janssens Schauspiel "De Diekrichter" hinterließ im Stadttheater nachhaltigen Eindruck

Der aus Bingum stammende ostfriesisehe Dichter Albrecht Janßen (geb. 8.Januar 1886) hat mit seinern Schauspiel "De Dickrichter" der plattdeutschen Bühnenbewegung einStück gegeben, das immer wieder auf denn Spielplan erscheinen wird. Es gehört zu den wenigen ernsten niederdeutschen Bühnenwerken, die in den zwanziger Jahren herauskamen, als das niederdeutsche Spiel noch kräftige Impulse bekam, von denen heute leider nichts mehr zu spüren ist.

Einen großen Teil seines gesamten Schaffens hat Albrecht Janßen der Frage der Landgewinnung an der friesischen Küste gewidmet, denken wir nur an seinen Roman "Das Königreich im Meer", zu dem er durch das neugewonnene Dort Neu-Westeel angeregt wurde, oder an seinen weiteren Roman "Der Deichgraf", an seine Novellensammlung "Das einsame Land". Immer sind es Menschen, deren Wesen und Charakter unmittelbar der ostfriesischen Küstenlandschaft entwachsen sind, die der Dichter in seinen werken lebendig; werden läßt. Davon ist nicht zuletzt sein gestern von der Niederdeutschen Bühne "Rüstringen" nach langer Zeit wieder aufgeführtes Schauspiel "De Dickrichter" ein Beweis.

diekrichter5556_2

Der Bruderkampf Edzard (Willy Beutz) gegen Haiko Agena (Hans Macker)  - eine Szene aus "De Diekrichter" - Spielzeit 1955/56 -

Willi Minaufs meisterliche Regie brachte eine Aufführung zustande, die wie aus einem Guß gelang. Wenn dieser Künstler selbst auf kleinste Requisiten achtete, so ist das ein Beweis, wie sehr er sich um Stilechtheit bemüht hat. In Willy Beutz stand ein Jungbauer und Deichrichter Edzard Agena auf den Brettern, der diesem unter der Last der Schuld seines Vaters stehenden Mann ein scharf ausgeprägtes Profil gab, ein Mensch, dessen Handlungen und Taten unter dem kategorischen .Imperativ der Pflicht, nach denn alten Wort "De nicht will dicken, rnutt wieken"° stehen. "Ik dwing de Düwel doch!" ist seine Lebensrichtschnur geworden, über der er sogar seine junge Frau vergessen kann.

Willy Beutz spielte diese schwierige Rolle mit der gebotenen klugen Zurückhaltung, aber doch voller Kraft und Ausgeprägtheit. Willi Minaufs Großknecht Dirk Tammling war eine Leistung, die besonderes Lob verdient. Er ist ein wahrer Diener und väterlicher Freund des jungen Hofherrn, fühlt sich mit dem Kreyenhof so verwachsen, als sei er sein eigen. Annemarie Beermann bot in der Rolle der alten Mutter ein überzeugendes Bild einer alten Ostfriesin, die zäh um den Bestand des Hofes ringen mußte, als der Mann im Suff einen unrühmlichen Tod fand. Diese Leirtung bekam den starken Beifall, den sie verdiente.

In Therese Peters sahen wir eine spökenkiekersche Magd, die mit gleicher Intensität in ihre Rolle hineingewachsen war und sie, wie wir es nicht anders von dieser Spielerin gewohnt sind, voll ausschöpfte. Ellen Beutz stand als junge Frau des Deichrichters in der ganzen Hoheit ihres blühendes Frauentums im Spiel, verfällt jedoch bald eiern Verführer und ist Mitschuldige an der Tragödie auf dem Kreyenhof. Dämonisch gab sich Hans Macker als älterer Bruder des Deichrichters, der nach Jahren des Verschollenseins wieder auftaucht und alle Schatten der Vergangenheit wieder heraufbeschwört, bis schließlich das Unglück seinen Lauf nehmen muß. Die restlose Ausfüllung dieser Rolle verdient Anerkennung.

Heinrich .Frese als alter Deichrichter, Emil Meinen und Walter Hinrichs als Deichgeschworene waren prächtige Bauerngestalten, Ebenso ausgeprägt spielten Heino Aden, Werner Helfer und Heinrich Hinrichs als Deichwachen und Klaus Aden als Kleinknecht. Hannes Kaebe stellte in der Bauernstube ein Bühnenbild, das in seiner Echtheit verblüffend wirkte.

Es gab langen und herzlichen Beifall für eine Leistung, auf die alle Mitwirkenden berechtigt stolz sein können.

PRESSESTIMMEN vom 8. November 1955

Niederdeutsche Bühne 'Rüstringen': "De Diekrichter"

Schauspiel in 4 Akten von Albrecht Janssen

Nicht selten hört man die Meinung, für die plattdeutsche Bühne seien die Komödie, die Burleske, überhaupt das Heitere am besten geeignet. Daran ist gewiß etwas Wahres, denn der Besucher plattdeutscher Bühnen erwartet zumeist, daß er sich amüsieren und von Herzen auslachen kann.

Albrecht Janssens niederdeutsches Schauspiel "De Diekrichter", wie es am Sonntagabend unter der Regie von Willi M i n a u f , gespielt von der "Niederdeutschen Bühne Rüstringen" auf den Brettern des Stadttheaters vor einem der plattdeutschen Sprache zugängigem Publikum abrollte, bewies jedoch, daß diese Sprache auch zum Interpreten des menschlich Tragischen werden kann.

Selbst ein Kind der Küste (er ist 1886 an der Ems geboren), kennt der Autor den Kampf des Deutschen gegen die Naturgewalt des Wassers. "De nich will dieken, mutt wieken", das ist der Wahlspruch der Bauern im ostfriesischen Küstenland. Er kennt aber auch die allzu menschlichen Schwächen und die Sorgen um die nackte Existenz dieser Menschen. Er zeigt sie uns auf, die Probleme, wie sie sich immer wiederholen: Das Gute und das Böse, das Verhältnis des Mannes, der seine Aufgabe außerhalb des Hauses sieht, zum Weibe, der Kampf der jungen gegen die alte Generation.

diekrichter5556_3

Dierk Tammling (Willi Minauf) und Teetje Teetens (Therese Peters) können das Unglück nicht aufhalten  - ein Szenenfoto aus "De Diekrichter" - Spielzeit 1955/56 -

Um den jungen Diekrichter, der die Sünden seines Vaters wieder gutmachen und den "Düwel" draußen und drinnen bekämpfen will, rankt sich das Schicksal von Menschen, die ihm vertrauen. Und gerade er muß zum Kain werden, der den Bruder erschlägt, weil der im Begriff ist, ihm nicht nur sein Weib zu nehmen, sondern auch seinen Lebenswert, den Schutz des Deiches zu gefährden.

Um 1830 spielt das Stück irgendwo zwischen Dollart und Jade. Heute, 125 Jahre später, ist der Kampf mit dem "Blanken Hans" derselbe und es wird in weiteren 125 Jahren noch sein. Das Stück ist gewissermaßen zeitlos und daher spricht es uns heutige Menschen auch an.

Dem Publikum sei deshalb das erste Lob für sein Verhalten am Premierenabend gespendet, da es sich trotz der gedämpften Akustik (wodurch vieles im Saal vom Gesprochenen verlorenging) mustergültig verhielt; aber am Schluß mit dem Beifall nicht kargte.

Die Spieler hatten diesen Beifall wirklich ehrlich verdient. Ganz Bauer und Diekrichter Willy B e u t z , der seine Rolle überzeugend spielte. Leider war Hans Macker als Bruder Haiko diesmal nicht der gleichwertige Partner für die Rolle des Lasterbruders, Tunichtgutes und Frauenverführers; er wirkte zu seriös und daher nicht glaubhaft genug.

Dagegen war Willi M i n a u f ganz in seinem Element als der allzeit ausgleichende und der Gerechtigkeit ein wenig nachhelfende Großknecht. Ihm würdig zur Seite Therese P e t e r s als Großmagd. Gerade sie erforderte besondere schauspielerische Fähigkeiten, ihre Mimik und ihre klare bis auf den letzten Platz hörbare Sprache zeugten von großem Können. Annemarie B e e r m a n n als alte Mutter in der ostfriesischen Tracht der Bauersfrauen und Ellen B e u t z als die junge und liebreizende, in ihrer Ehe aber unbefriedigte Frau des Bauern, entledigten ich ihrer Aufgabe mit großer Getaltungskraft. Ihre beiden Rollen waren neben der des Diekrichters die tragenden, sie wurden prächtig gespielt.

Heinrich F r e s e , Emil Meinen, Valter Hinrichs, Klaus Aden und einige ungenannte Mitspieler verhalfen in ihren Nebenrollen der Aufführung zu einer guten Gesamtwirkung. Hannes K a e b e s Bühnenbild einer ostfriesischen Bauernstube trug dazu ebenfalls nicht unwesentlich bei.

Ferdinand verpumpt sien Fro (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

FERDINAND VERPUMPT SIEN FRO

(Fro Meyer ward Fro Meier)
Schwank in drei Akten von Wilfried Wroost

Inszenierung: Willi Minauf
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Inspizientin: Maria Siebels
Souffleuse: Erika Kaebe
Beleuchtung: Hugo Kacmierczak

Rollen und Darsteller
Julius Mayer, Inhaber ein Schiffs- und Kesselreinigungsfirma - Willi Völker
Agathe, seine von ihm getrennt lebende Frau - Annemarie Beermann
Charles Meyer aus Brooklyn, Julius Vetter - Hans Macker
Mr. William Taylor, Charles Freund - Jochen Schenk a.G. (auch Klaus Macker)
Ferdinand Meier bei J. Mayer beschäftigt - Emil Meinen
Adele, seine mehr als resolute Ehehälfte - Ellen Beutz
Heinrich, beider Sohn auf Elbbagger XI - Egon Schumacher
Karin, beider Tochter - Gerda Jörss

Als Gast (damals vom Waldau - Theater, später war er am Ohnsorg-Theater) spielte Jochen Schenk die Rolle des Mr. William Taylor, der hier Emil Meinen in der Rolle des Ferdinand Meier einen Kinnschieber verpasst. "Ferdinand verpumpt sien Fro" - Spielzeit 1955/56


Adele (Ellen Beutz) macht den Haushalt, während Sohn Heinrich (Egon Schumacher) nicht arbeiten gehen möchte, weil er Zahnschmerzen hat, auch Karin (Gerda Jörss) möchte lieber etwas anderes tun, als Hausarbeit  - eine Szene aus "Ferdinand verpumpt sien Fro - Spielzeit 1955/56 -

Adele (Ellen Beutz) macht Ferdinand (Emil Meinen) einen unverhofften Empfang  - eine Szene aus "Ferdinand verpumpt sien Fro - Spielzeit 1955/56 -

Swattbunte Farken (1. WA)

1. Wiederaufführung, davor 1950/51

SWATTBUNTE FARKEN

Lustspiel in drei Akten von Jens Exler

Inszenierung: Willi Minauf
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Inspizient: Heino Aden
Souffleuse: Elisabeth Stammereilers
Beleuchtung: Hugo Kacmierczak

Rollen und Darsteller
Gerd Thiesen, Gastwirt und Gemeindevorsteher - Arno Tholen
Heino Thiesen, sein Sohn - Karl-Heinz Herpel
Lina, Haushälterin bei Thiesen - Therese Peters
Guste, Magd bei Thiesen - Erika Kaebe
Klaus, Großknecht bei Thiesen - Enno Buß
Ole Sörn, Bauer und Thiesen´s Nachbar - Hans Macker
Lotte Sörn, seine Tochter - Hildegard Templin
Jörn Bessenbinner, ein Landstreicher - Willi Minauf

Richard Germer und Rudolf Kinau (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

RICHARD GERMER UND RUDOLF KINAU

Vortragsabend mit Gesang

germer5455_1

Richard Germer - "Ach, laß mich rein, Paula! - Spielzeit 1954/55 -

kinau5455_1

Rudl Kinau,  de Finkwarder Jung, de so wunnerbar op Platt vertellen kann - Spielzeit 1954/55 -

kinau5455_2

Rudolf Kinau (mitte) und Richard Germer (rechts)  im Gespräch mit dem Bühnenbaas Willy Beutz - Spielzeit 1954/55

De verflixte Strump (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

DE VERFLIXTE STRUMP

Lustspiel in vier Akten von Hans Balzer

Regie: Willi Minauf
Bühnenbild: Hannes Kaebe
Musik: Mitwirkende des Wilhelmshavener Sinfonieorchesters

Souffleuse: Erika Kaebe
Inspizient: Maria Siebels
Kostüme: Paul Welzel
Frisuren: Salon Stein, Marktstraße

Rollen und Darteller:
Lafrenz - Karl-Heinz Herpel
Sneewitt - Gerda Jörss
Gundula, ihre Freundin - Ellen Beutz
Kasper, Gärtner bei Lafrenz - Willi Minauf
Sötmund - Willy Beutz

Ellen Beutz als Gundula sorgt für Verwirrung - eine Szene aus "De verflixte Strump" - Spielzeit 1954/55 -

strump5455_2

Lafrenz (Karl-Heinz Herpel), Sneewitt (Gerda Jörss), Gundula (Ellen Beutz) und Sötmund (Willy Beutz) flirten was das Zeug hält - eine Szene aus "De verflixte Strump" - Spielzeit 1954/55 -

strump5455_3

Die NDB Rüstringen wieder einmal zu Gast auf der Freilichtbühne in Wiesmoor. Willi Minauf, Gerda Jörss und Karl-Heinz Herpel - in einer Szene aus "De verflixte Strump" - Spielzeit 1954/55 -

Peper un Solt (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

PEPER UN SOLT

Volksstück in drei Akten von Karl Bunje

Inszenierung: Willi Minauf
Bühnenbild: Hannes Kaebe, Enno Buß

Inspizientin: Maria Siebels
Souffleuse: Annemarie Beermann

Rollen und Darsteller
Gerd Bödeker, Landmaschinenbau - Hans Macker
Lisbeth, seine Tochter - Hertha Tammen
Marie Peters, Inhaberin einer Pension - Therese Peters
Theda, ihre Tochter - Gerda Jörss
Kathrien, Hausgehilfin bei Peters - Erika Kaebe
Cord Jaspers, Maschinenbauer - Klaus Macker
Eggert Pannenborg, Buchhalter - Willi Minauf
Jochen Schlarmann, Nachtwächter - Heino Aden
Ewald Precht, Reisender in Schmierölen - Willi Völker


Jochen (Heino Aden), Theda (Gerda Jörss), Lisbeth (Herta Tammen), Gerd (Hans Macker) und Ewald (Willi Völker) - eine Szene aus "Peper un Solt" - Spielzeit 1954/55 -

Wilhelmshavener Zeitung vom 6. März 1955

"Peper un Solt"

Neuer Erfolg der Niederdeutschen Bühne "Rüstringen"

Wilhelmshaven. Mit Karl Bunjes "Peper un Solt" feierte die Niederdeutsche Bühne Rüstringen wieder einen ,großen Erfolg'. Das humorgewürzte Volksstück des Verfassers des "Etappenhas" kam wie konnte es bei der Dürstellerkunst der seit Jahren bewährten Kräfte dieser Heimatbühne und der Regie Willi Minaufs anders sein im vollbesetzten Stadttheater bei einem aufgeschlossenen Publikum wieder groß am.

"Peper un Solt" ist eines der wenigen niederdeutschen Stücke, die neben ihrem sprühenden Humor auch eine besinnliche Note haben. Die in der Umgebung von Hamburg spielende Handlung zeigt die kleinen und großen menschlichen Schwächen auf, die sich in der plattdeutschen Sprache so treffend veranschaulichen und sagen lassen. Ein pfiffiger Nachtwächter hält die Fäden in den verzwicktesten Situationen und Ereignissen zusammen und führt alle Personen der Handlung im Grunde doch menschlich weise und gütig dorthin, wohin er sie haben will: Ans glückliche Ende!

peper5455_2

Kathrien (Erika Kaebe) versorgt Jochen (Heino Aden) jeden Morgen mit einem frischen Pfannkuchen, den er dann mit´n beten Peper un Solt' verfeinert  - eine Szene aus "Peper un Solt" - Spielzeit 1954/55 -

Diesen Nachtwächter des von Werkspionage und Verbesserungseifer spukenden Betriebes eines zunächst unbelehrbaren Unternehmers, der tagsüber "seute Deerns" und die Insassen eines Ledigenheimes e inschließlich des städtischen Lebemanns mit "Peper an Solt" durcheinander wirbelt, spielt Heino Aden vortrefflich. Mit ihm garantieren den vollen Erfolg Therese Peters als Inhaberin dies Ledigenheimes, Erika Kaehe, Gerda Jörss, Hertha Tammen, Hans Macker, Klaus Macker, Willi Völker und der auch die Regie führende Willi Minauf.

Der Beifall war nach zwei Stunden herzhaften Lachens und stiller Freude groß. "Peper un Solt" des "Bantes Butjers" wie sich der Verfasser Karl Bunie selbst nennt wird, in Wilhelmshaven, Friesland und Ostfriesland noch so oft auf den Bühnen verstreut und verschossen werden.

peper5455_3

Wie kommt Kathrien (Erika Kaebe) an das Kind?, denkt Jochen (Heino Aden)  - eine köstliche Szene aus "Peper un Solt" - Spielzeit 1954/55 -

Unterkategorien