Swienskomödie (1. Wiederaufführung)

1. Wiederaufführung, davor vor 1939 gespielt

Wilhelmshavener Erstaufführung

SWIENSKOMÖDIE

Ein Bauernstück in drei Akten von August Hinrichs

Krischan Lamken, een Buer
Anna, sien Dochter
Hinnerk, Knecht bi Lamken
Sofie, Magd bi Lamken
Gerd Bunjes, Lamken sien Nawer
Anton Borchers, Lamken sien Nawer
Harm Pieper, Lamken sien Nawer
Walter Meiners, Schoolmester

 

Kunzert in Dippelshagen (Wilhelmshavener Erstaufführung)

Wilhelmshavener Erstaufführung

KUNZERT IN DIPPELSHAGEN

Komödie in drei Akten von Jep Nissen Andersen

Aufführungen im Gesellschaftshaus

Speelbaas Heinrich Frese

Minschen
Johann-Peter Puck, Schoolmester un Muskant - Adolf Marxfeld
Lina Jensen, Witwe, sien Dochter - Lotte Stehl
Gesa Jensen, ehr Dochter - Elisabeth Robbe
Chrischan Nut - Arno Tholen
Hanns Holler, Bürgermeister in Dippelshagen - Johnnes Nottelmann
Hannis Kark, Schoostergesell un Muskant - Heinrich Aden
Mieke Mett, Zeitungsfro - Therese Peters
Max Bock, Kapellmeister von eene städtische Musikschool - Willi Völker

PRESSESTIMMEN

"Kunzert in Dippelshagen"

Niederdeutsche Bühne "Rüstringen" brachte eine Dorfmusikanten-Komödie

von Theodor Murken

Wenn die Niederdeutsche Bühne "Rüstringen" dem Drama "Een van de Landstraat" im vorigen Monat gestern abend nun eine Komödie folgen ließ,so gab sie damit der Winterspielzeit nicht nur einen heiteren Ausklang, sondern sie vermittelte uns damit Jep Andersens Komödie "Kunzert in Dippelshagen" eine nette Episode aus dem Volksleben des alten Dorfes,die nicht ohne tieferen Sinn ist.

Das Stück ist eine nette Dorfmusikantenkomödie. Das Haupt der Dorfmusikanten ist der ehrbare Schuhmachermeister Johann-Peter Puck, und von den beiden anderen Musikanten der Dorfkapelle ist Chrischan Nut Schneidermeister und Hannes Kark Schustergeselle. Was die Musik betrifft, so ist er freilich noch Anfänger, dem Meister Puck und Meister Nut noch allerhand lehren müssen. "Disse paar Hauptteken mußt leren" - sagt Nut zu Hannis - "so as: "P" piano, heet "lisen" - "pp" pianissimo, heet "ganz lisen" - un "f" forte, dat heet "stark" - "ff" fortissimo, heet "heel dull". Dat hört dar mit to to´t Handwark." Worauf Hannis zufrieden und zuversichtlich meint: "Dat warr ik mit de Tiet woll allens to Kopp krigen, Meister Nut; ik bün erstmal tofreden, dat ik överhaupt en Toon ut de Fleit rutkrieg."

Schon so manches dörfliches Ereignis haben die Dorfmusikanten mit ihrer Musik verschönt. Meister Puck und Meister Nut haben schon ihre 70 Jahre auf dem Puckel, und ein halbes Jahrhundert sind sie Dorfmusikanten - sie verstehen ihre Schache, aber die Zeit ist doch an ihnen vorübergegangen. Das merken wir, als die Kapelle der Musikschule aus der Stadt ins Dorf kommt und mit einem Konzert alle Herzen gewinnt, die drei Dorfmusikanten aber, vor allem den alten Schuster, in solchen Zorn versetzten, daß der Meister den Kapellmeister aus der Stadt recht unsanft aus seinem Hause weist, als dieser bei ihm einen kleinen Schaden an seinem Schuh ausbessern läßt.

Ja, was solch eine Stadtkapelle alles anrichten kann? Was hilft es da, die Musik dieser Kapelle herabzusetzen? "Auszug aus "Der Vogelhändler", liest der alte Chrischan Nut auf dem Programm und meint: "Nich mal dat ganze Stück, blots ein Auszug", und der alte Schuhmachermeister tromepetet in das gleiche Horn: "Hebbt se sachts nich ganz kunnt und hebbt sich blots dat utsöcht, wat licht to spelen weer." und ein ander Mal "Mit keen Stück kaamt se richtig to Enn..." Es nützt ihnen wirklich nichts, gegen die Städtische Musikschule anzuknurren. Gesa, die Enkelin des alten Dorfmusikanten hat schon recht, wenn sie meint: "Awers schöön weer dat doch, to schöön."

Für sie war es im doppelten Sinne schön, denn sie hat sich bei dem Konzert auch noch in den Kapellsmeister verguckt. So fehlt es denn nicht an Möglichkeiten, eine richtige Komödie sich entspinnen zu laaaen, an deren Schluß die Dorfmusikanten von der Stadtkapelle die Waffen strecken und Gesa ihren Mann bekommt, dem ihr Herz gehört, so bleibt die Musik in der Familie. Die Musikanten der Stadt tun aber auch das Ihre zur Versöhnung, sie bringen den Dorfmusikanten zum 50jährigen Musikerjubiläum den beiden Alten ein Ständchen.

Wenn der Dichter der Komödie, Jep Andersen (die im Verlag Karl Mahnke, Verden a.d. Aller als Buch erschiehn) das Stück seinem 85-jährigen Vater, dem alten Dorfkapellmeister Jens Peter Andersen gewidmet hat, so beweist das, daß er mit diesem lustigen Stück all den wackeren Männern ein Denkmal setzen wollte, die neben ihrem Beruf auf dem Dorf ihren Mitbewohnern frohe Stunden bereiteten durch ihre Musik. Freude bereiten, war ihre Absicht. Die Dorfmusikanten sind weniger geworden. Der Rundfunk schon bringt die wertvollste Musik ins entfernteste Dorf. Zum Dorf von früher aber gehören die alten Dorfmusikanten.

"För de jungen Welt dat Warken, för dat Oller de Fierabend", dieses Wort, das Jep Andersen dem Stück vorangesetzt hat, ist hier im besonderen Maße berechtigt, und trotz allem Gegeneinander bringt der Dichter am Schluß des Stückes Alter und Jugend auf eine Linie, indem die beiden 70jährigen der Jugend den Vortritt lassen und die Junged die Alten in so schöner Weise ehrt. Stetig sich steigernd, entwickelt sich die Komödie zu einem Lobgesang auf die beglückende Musik, die auch die vielleicht bescheidene aber doch liebevoll ausgeübte Kunst der Dorfmusikanten in alle Herzen eindringen läßt.

In der gestrigen von Heinrich Frese geleiteten Aufführung im "Gesellschaftshaus" kam diese Steigerung der Komödie in den Bereichen des Lustspiels in schöner Weise zur Geltung. Wir wurden bei dieser Aufführung erinnert an Bahns Lustspiel "Konzert", das gleichfalls in so feiner Art Ernstes mit Heiterem vereint. Wir können also sagen, daß die Aufführung der Art des Stückes in jeder Weise gerecht wurde. Das gilt auch für die einzelnen Rollen, für die beiden alten Dorfmusikanten, die Adolf Marxfeld (als Johann-Peter Puck) und Arno Tholen (als Chrischan Nut) gaben, wie für den jungen Stadtkapellmeister Willi Völkers und die Handwerkerstochter Gesa von Elisabeth Robbe, die auch in dieser Rolle ein ausdrucksvolles Spiel bot (nachdem wir sie zuletzt als Madg in "För de Katt" gesehen hatten). Und das gilt nicht weniger für Lotte Stehl als Witwe Lina Jensen wie für den Bürgermeister Johannes Nottelmanns und vor allem für Therese Peters als Mieke Mett, die "Zuträgersche", die, was Mundwerk und Mimik betriftt, nicht mehr zu übertreffen war und sogar Beifall mitten in der Szene erhielt.

Freilich dürfen wir über diesen kraftvollen Ausbruch des Komödienhaften nicht die feinen Züge übersehen, die gerade die Rolle des Schustermeisters und Musikers Puck auszeichnen, und die stille Versonnenheit, die der Dichter auch dem zweiten der alten Handwerker und Muskanten, dem Chrischan Nut gegeben hat. Daß auch diese Seiten des Stückes nicht verloren gingen, dafür sorgen Adolf Marxfeld und Arno Tholen in vollendeter Weise. Schließlich bleibt noch Heinrich Aden als Schustergeselle und Musikant Hannis Kark zu nennen, der nicht minder am rechten Platz stand.

Die Niederdeutsche Bühne "Rüstringen" hat gerade mit dieser Aufführung ihre Leistungsfähigkeit bewiesen.

Een van de Landstraat

Wilhelmshavener Erstaufführung

EEN VAN DE LANDSTRAAT

Een nedderdüütsch Drama von Ernst Behrens

Speelbaas Heinrich Frese

Minschen
Bur Wilhelm Meinert - Adolf Marxfeld
Fro Lise Meinert - Therese Peters
Een oln Mann - Hermann Beuß
Fro Anna Lüders - Lotte Stehl
Een Knecht - Gerhard Kruse

PRESSEMITTEILUNGEN

Niederdeutsche Bühne "Rüstringen"

"Een van de Landstraat" - een nedderdüütsch Drama von Ernst Behrens

von Heinz Jacobs

Wohl selten hat ein niederdeutsches Drama auf die Freunde der Niederdeutschen Bühne "Rüstringen" einen solchen tiefen Eindruck hervorgerufen, wie dieser Dreiakter von Ernst Behrens, es sei denn, wir erinnerten uns der unvergleichlichen Dramen Hermann Boßdorfs. Die Art Behrens klingt übrigens leicht an Boßdorf an, auch hier fehlt das Helle, Aufstrebende, Lebensbejahende. Der Dichter läßt den Zuschauer ein erschütterndes Lebensschicksal erfahren und er malt dieses Schicksal in naturalisitschen Farben, wie es Boßdorf in seinen dramatischen Werken tat. Der niederdeutsche Mensch neigt schon von sich aus zum Ernst, er versteht es nicht, dem Leben in jeder Lage die heitere Seite abzugewinnen und dieser Charakterzug wird meistens als Hemmung empfunden. Daß hinter dieser Lebensauffassung aber viel mehr steckt, eine unvorsellbare Zähigkeit, eine nieversagende Unrast und eine vorbildliche Treue, ist auch bekannt.

Behrens hat einen Zug im Wesen und in der Art des niederdeutschen Menschen mit plastischer Schärfe herausgearbeit, als er jenen alten zerbrochenen Landsteicher als Mittelpunkt seines Drams nahm, diesen Mann, der als Jüngling einen Menschen im Jähzorn erschlug und deshalb von seiner jugendlichen Frau und seinem zweijährigen Kind gerissen wurde, um eine zehnjährige Zuchthausstrafe zu verbüßen und nachher ruhelos durch die Welt zu streifen, um als alter Mann wieder in die Heimat zu ziehen. Wohl ist dieser Mann ein menschliches Wrack, aber die Sehnsucht nach der Hemat hält ihn aufrecht und läßt ihn den Weg zurückfinden in sein Heimatdorf. Unerkannt kommt er auf den Hof des Bauern Meinert, der seine Tochter geheiratet hat. Und hier soll der alte Mann, dem das unerbittliche Sicksal so überaus hart mitgespielt hat, kennenlernen, wie versteinert ein Menschenherz werden kann. Denn der Bauer Meinert will den alten Landstreicher durch den Gendarmen vom Hof weisen lassen, als er in der Nacht erfährt, daß seine Frau ihm eine Kammer angewiesen hat.

Im ersten Akt des Dramas spürt man bereits, daß zwischen den beiden Eheleuten Meinert irgendetwas steht, daß diese Ehe nicht glücklich ist und der Stoff wird zum Konflikt geballt, als der Bauer die Faust hebt, um seine Frau zu schlagen, die gegen seinen Willen den alten Mann aufgenommen hat. Der zweite Akt bringt als Höhepunkt die Lebensgeschichte des Landstreichers, der sich schließlich seiner Tochter zu erkennen gibt und erschüttert zusammenbricht, als er erfährt, daß seine auf dem Hof des Bauern lebende Frau ihm seine jähe Tat vor 40 Jahren verziehen hat. Als er dann nach einem ergeifenden Wiedersehen mit seiner Frau merkt, daß der Bauer in ihm doch nur den Zuchthäusler und Landstreicher sieht, nicht aber den Menschen, der in einer unbeherrschten Stunde einen Fehler gemacht hat, schleicht er still zur Tür hinaus und setzt seinem Leben selbst ein Ende. Die Tochter und die Mutter aber verlassen den Hof des hartherzigen Bauern, der wiederum biltzartig zu derselben Erkenntnis kommt, die der Alte von der Landstraße 40Jahre lang mit sich herumgetragen hat. "To laat!" So endet das dreiaktige Drama mit einem tragischen Ausklang und vier Menschenleben sind durch eigenes Verschulden, durch Jähzorn und Halsstarrigkeit verpfuscht. Es gibt in diesem Stück keine verzeihende Liebe, keine alles überstrahlende Herzensgüte, die einen einmal begangenen Fehler vergessen und verzeihen könnte.

Bevor sich der Vorhang öffnete, sprach der Speelbaas der Niederdeutschen Bühne "Rüstringen", Rektor Pg. Heinrich Frese zu den zahlreich erschienenen Zuschauern. Es waren nur wenige Worte, die er der Aufführung voranstellte und es war derselbe Satz, den Ernst Behrens von Hermann Boßdorf entliehen an die Spitze seines Dramas stellte: "Mien Schicksal du, ik tahl di aff, mit Traan un Truer, Smart un Pien. De letzte Tahlung is mien Graff, mein Schicksal du, so mutt dat sien!" Das ist echt Boßdorf. Wir wissen, daß dieser unerreichte niederdeutsche Dramatiker viele Jahre als unheilbar kranker Mann lebte und seine unvergänglichen Werke schuf und es war wohl notwendig diese Worte für das Drama "Een van de Landstraat" voranszustellen. Die Zuschauer verstanden den Dichter und die Worte Hermann Boßdorfs. Sie saßen atemlos im Banne dieses erschütternden Menschenschicksals eines Mannes, der für ein unbedachte Tat eine allzuschwere Strafe auf sich nehmen mußte. Und der Beifall, der am Schluß vielhändig und lange gespendet wurde, galt neben dem Dichter in erster Linie den bewährten Darstellern der Niederdeutschen Bühne "Rüstringen".

Schon mehrere Jahre hindurch haben wir bei jeder Aufführung der Niederdeutschen Bühne "Rüstringen" immer wieder auf einen Spieler hinweisen können, der u. E. überhaupt die Seele dieser niederdeutschen Laienspielschar ist: Hermann Beuß. Dieser unermüdliche Mann, dieser geboren Künstler, kann in wenigen Wochen, am 21. April, seinen 81. Geburtstag feiern. Er lieh gestern abend dem alten Mann von der Landstraße seine reife und unerreichte Kunst. Wir haben Hermann Beuß schon in sehr, sehr vielen Rollen gesehen, in Komödien und Dramen. Aber wir müssen sagen, dies war die ergreifendste und erschütternste Rolle, die Hermann Beuß je gespielt hat. Die Kunst eines Schauspielers besteht darin, sich die Rolle, das Schicksal, daß der Dichter vor seinen Augen gesehen hat, zu eigen zu machen und sich selbst hineinzuversetzen. Wer das kann, ist ein wahrer Künstler. Ein solch begnadeter Mensch ist Hermann Beuß. Ergreifend und packend spielte er den alten Mann, dessen Leben urplötzlich seine alltägliche Bahn verließ und auf der Landstraße endete. Kaum hätten wir ihn wieder erkannt, als er einem menschlichen Wrack gleich in abgetragenen Kleidern, schlohweißem Haar und einem lagen Bart auf die Bühne kam. Diese Darstellung krönt die bisherige Bühnenlaufbahn eines so alten Schauspielers, wie Hermann Beuß es ist und wir sagen nicht zuviel, wenn wir zum Ausdruck bringen, daß er es verstanden hat, die Menschen im Saal bis ins Innerste zu packen und aufzurütteln.

Therese Peters hatte in der Rolle der Tochter dieses alten Mannes als Frau des hartherzigen Bauern Meinert, keine leichte Aufgabe. Wir waren überrascht von der seelischen Tiefe, mit der Frau Peters diese Rolle meisterte. Ohne falschen Pathos, mit einer echten und wahren Innerlichkeit spielte sie ihre Rolle, die ein außerordentliches schauspielerisches Können verlangte. Frau Peters kann für sich in Anspruch nehmen, daß sie neben Hermann Beuß die Trägerin des Dramas ist, denn auf diese beiden Personen, auf Vater und Tochter kommt es allein an. Als Bauer hatte Speelbaas Heinrich Frese Adolf Marxfeld eingesetzt. Wir kennen die leidenschaftliche Art dieses Spielers von dem Tage an, als er in Paul Schurecks Komödie "Stratenmusik" die schönste Rolle übernommen hatte und waren nicht enttäuscht. Mit seinen ganzen darstellerischen Fähigkeiten stattete Adolf Marxfeld auch diese Rolle aus. Daneben stand Lotte Stehl als Frau des Landstreichers. Alt und doch ungebeugt, typisch niederdeutsch hatte sie ihr Schicksal gemeistert und sie brach nicht zusammen, als sie im Alter ihren geliebten Mann wiedersah. Eine feine Leitung vor allem auch in der Maske. Gerhard Kruse gab einen untadeligen Kecht ab, der stur und doch von einer großen Herzensgüte seiner Bäuerin zur Seite steht, als der Bauer den alten Mann vom Hof jagen will.

Dieses Drama ist nichts für Menschen, die sich eine frohe Stunde machen wollen. Es regt zu Nachdenken an. Wir glauben auch gerade deswegen, daß die Niederdeutsche Bühne "Rüstringen" über die morgen abend stattfindende KdF-Vorstellung hinaus noch oft Gelegenheit haben wird, dieses Drama den Wilhelmshavenern zu zeigen.

Dat Sympathiemiddel (Wilhelmshavener Erstaufführung)

Wilhelmshavener Erstaufführung

DAT SYMPATHIEMIDDEL

Komödie in 5 Törns von Max Dreyer

Aufführungen im Gesellschaftshaus

Speelbaas: Willi Minauf
Bühnenbild: Karl Götz, Stadttheater

De Lüüd:
Heinrich Rohde, Fischer - Willy Beutz
Marie, sien Fro - Ellen Beutz
Korlludwig Heister, Fischer und Dorfwirt - Willi Minauf
Minning, sien Dochter - Hanna Meyer
Fine Kuhlendiek, Krüüterfro - Therese Peters
Steffen Korthals, Fischhändler - Enno Buß
Gottfried Mestermann, Fischer - Arno Tholen
Jakob Nehls, Fischer - Willi Völker
Korl Ströper, Fischer - Heino Aden
Martin Drews, Fischer - Karl-Heinz Herpel

Willy und Ellen Beutz als Hinrich und Marie Rohde in "Dat Sympathiemiddel" (1950/51)

Familienansluss (Wilhelmshavener Erstaufführung)

Wilhelmshavener Erstaufführung

FAMILIENANSLUSS

Komödie in drei Akten von Karl Bunje

Aufführung im Gesellschaftshaus

Spälbaas Heinrich Frese

Personen
Krischan Barkhahn, alter Kapitän - Hermann Beuß
Mali, seine Frau - Therese Peters
Erna, beider Tochter - Elisabeth Robbe
Alfred Stegmann, ein junger Kaufmann - Willi Völker
Klaus Seekamp, selbständiger Schiffer - Paul Solterbeck
Der Gerichtsvollzieher - Adolf Marxfeld
Jochen Krull, mehrfahcer Hausbesitzer - Arno Tholen
Zwei Möbelpacker - Heinrich Aden, Christoph Janssen

Wilhelmshavener Kurier vom 12. Oktober 1938

Käppen Barkhahn kann an Land nich torechtkamen!

Unsere Niederdeutsche Bühne Rüstringen eröffnete mit Karl Bunjes "Familienansluß" ihre Winterspielzeit

von Hermann Ahner

"Nee Vadder, wat hest du denn nu all wedder anstellt?!" Die betuliche Frau des ollen Kapitäns Krischen Barkhahn und die knusperige Tochter Erna haben wahrlich oft Ursache zu diesem Ausruf. Der olle Käppen Barkhahn ist von einer kleinen Küstenreederei gleichsam aufs Trockene gesetzt in des Wortes zweifacher Bedeutung: Er bekommt keine Pension wie seine Kameraden von der großen Schiffahrt, sitzt nun an Land und muß sich da, treuherzig wie er ist, mit allen Widerwärtigkeiten herumscnlagen.

Barhahn hat schon fünf Konkurse gemacht, zuletzt in seinem Grünkramladen, denn er kann es nicht übers Herz bringen, arme Leute fortzuschicken, wenn sie nicht bezahlen können. So ist er denn schließlich auf die Idee gekommen, in einer neuen Wohnung eine "Pension mit Familienanschluß" einzurichten. Die Logismänner sollen es bei ihm "wie zu Hause" haben. Freilich, die Möbel hat er auf Abstottern gekauft und als Anzahlung nahm er das letzte Geld, das im Hause und für die Miete bestimmt war, und auch sonst ergeben sich sehr viele Schwierigkeiten.

Aber der alte Barkhahn weiß sich in allen Situationen zu helfen. Mann kann diesem alten Seemann, der in seiner Herzenseinfalt alles sehr leicht nimmt, wirklich nicht böse sein, selbst wenn er großzügig mit dem Tausenmarkschein herumprahlt, der ihm nicht gehört, sondern vom Logismann nur in seine "sichere" Verwahrung gegenben worden war. Ein alter Kapitän also, den Karl Bunje, unser erfolreicher niederdeutscher Lustspieldichter und Sohn unserer Stadt, mit aller Liebe gezeichnet hat. Ja, es scheint uns, als wenn er, der im alten Bant und Brake wohl das Los der alten Küstenschiffer beobachten konnte, etwas deutlicher hinweisen wollte auf die Notwendigkeit, diesen alten Kapitänen den Lebensabend zu erleichtern.

Vielleicht wollte Karl Bunje dazu noch ein übriges: Als langjähriger Finanzbeamter nahm er auch die Gelegenheit wahr, in dem Gerichtsvollzieher, der gewissermaßen der ständige Begleiter des ollen Käppen ist, eine Type anzudeuten, der nicht wenig darunter leidet, daß dieses Amt seinen bitteren Beigeschmack hat. Auch dieser Gerichtsvollzieher hat ein weiches Herz in der Brust, ist besser als sein Ruf und zahlt sogar, als eine Taschenpfändung bei Barkhahn natürlich erfolglos ist, aus eigener Tasche einen Betrag.

Übrigens so ganz unmotiviert doch nicht, denn als Witwer mit drei Kindern möchte er gern die frische und tüchtige Erna zur Frau. Die aber ist so umworben von dem Prokuristen Stegmann, von dem mehrfachen Hausbesitzer Krull (dem es mit einem mal sogar nicht mehr so sehr eilig ist mit der Miete) uns schließlich am heftigsten von dem jungen Kapitän Seekamp, der als Logismann mit Familieanschluß bei Barkhahn einzieht, daß sie sich bei diesem Andrang für den Witwer am wenigsten interessiert. Daß es der sympathische, hilfsbereite und aufrechte Kapitän Seekamp wird, dürfen wir noch verraten, im übrigen soll nicht mehr erzählt werden von allem, was in dieser Komödie passiert und die Zuhörer vor allem deshalb so sehr ins Lachen bringt, weil alles aus dem Leben genommen und nachgezeichnet ist.

Jedenfalls hat Karl Bunje mit seinem "Famileinanluß" wieder einmal ein ricntiges Volksstück geschrieben. Es bewahrheitet sich immer wieder, daß die niederdeutsche Bühnenliteratur hieran reicher ist, als das hochdeutsche Theater und das manche Lustspieldichter bei ihren plattdeutschen Kollegen in die Schule gehen sollten. Eine Figur wie dieser alte Käppen Krischen Barhhahn wird man so schnell nicht vergessen. Zumal wir an der Küste haben in unserer Verwandschaft und Bekanntschaft ja selbst so einen goldigen Kerl, dem man nichts übel nehmen kann, selbst wenn er den größten Unfug anrichtet. Und wenn nun Hermann Beuß diesen ollen Krischan spielt, dann weiß man schon, was man zu erwarten hat. Wie dieser alte Theaterhase, der mit seinen über achtzig Jahren immer noch jung geblieben ist, diesen Barkhahn spielt, das muß man selbst sehen, muß sien kniffliges Mienenspiel beobachten, seine erstaunten Pupillen, wenn mal wieder etwas schief gelaufen ist, sein Schmunzeln, wenn er die kleinen Schinkenscheiben mit dem Fleischklopfer kunstgerecht vergrößert, seinen köstlichen Humor in allen Lebenslagen. Hermann Beuß hat hier wieder eine jener tragenden Rollen, die beweisen, wie sehr er diesen Volkstypen auzuschöpfen weiß. Nicht minder sicher in Spiel und Charakterisierung Therese Peters als seine Frau, eine niederdeutsche Laienspielerin, um die manche große Bühne bereichert werden könnte. Und schließlch haben wir in Elisabeth Robbe die nüdliche Erna, die Speelbaas Frese neu entdeckt hat und die er gewissermaßen von der Schule auf die Bühnenbretter hob, denn sie ist erst sechszehn Jahre alt, hatte gestern ihren ersten Bühnenauftritt und gefiel schon gleich so gut, daß wir uns noch viel von ihr versprechen.

Den jungen Kapitän Seekamp spielte Paul Solterbeck, der früher im Ollnburger Kring schon Bühnenluft geschnuppert hat und nun nach seiner Versetzung nach hier die Reihe der niederdeutsche Darsteller unserer heimischen Bühne vortrefflich erweitert. So lebensecht wie sein Kapitän war auch der junge Prokurist Stegemann des Willi Völker, der schüchtern liebende Gerichtsvollzieher des Adolf Marxfeld und der ebenso auf Freiersfüßen gehende Hausbesitzer Krull des Arno Tholen. Alle Volkstypen, die mit sicheren Strichen angedeutet, dem Leben entnommen sind, wie auch die beiden robusten Möbelpacker von Heinrich Aden und Christoph Janßen.

Unser bewährter Speelbaas Heinrich Frese, hat bei der Einstudierung Sorgen gehabt, da durch die Ereignisse der letzten Zeit Spieler ausfielen und deshalb Rollen umbesetzt werden mußten. Damit sei erklärt, weshalb die gestrige Darstellung ihn ihrem Tempo nicht ganz bis zum Schluß durchhielt, wobei der letzte Akt sowieso nicht mit dem Brillantfeuerwerk des zweiten konkurrieren kann. Karl Bunje hatte den "Familienansluß" ja zuerst als Einakter geschrieben und nachher zu einem abendfüllenden Stück ausgeweitet.

Unsere "Niederdeutsche Bühne Rüstringen" eröffnet mit diesem Bühnenstück neueren Datums ihre Winterspielzeit. 'Wie wenig hinwegzudenken sie ist aus dem Kulturleben Wilhelmshavens, welche schöne und große Aufgbae sie gerade in unserer Großstadt hat, bewies der volle Saal des "Gesellschaftshauses" gestern schon und der fröhliche Beifall. Heute abend wird für "Kraft durch Freude" gespielt und in einigen Tagen werden Mitglieder und Freunde der NSDAP genau so herzlich lachen und fröhlich werden, wie wir gestern abend. Es tut gut, sich einmal von der heiteren Sorglosigkeit des ollen Krischan Barkhahn einfangen zu lassen. Etwas davon kann jeder für sein Leben gebrauchen.

Füer!

Wilhelmshavener Erstaufführung

FÜER!

Drama in vier Akten von Hans Ehrke

Spälbaas Heinrich Frese

Minschen
Gendarm Höwel - Heinrich Frese
Wiebke Höwel, sien Fro - Nelly Schwarting
Klas Wessel, Buer - Willi Völker
Jeppe Otzen, Buer - Adolf Marxfeld
Jochims, Buer - Johannes Nottelmann
Fäh, Buer - Christoph Janssen
Beernd, Buer - Willi Robe
de Kröger - Arno Tholen
de Krögersch - Therese Peters
Een Deenstdeern - Hildegard Onken

PRESSEMELDUNGEN

Niederdeutsche Bühne "Rüstringen"

"Füer!"" Drama in vier Akten von Hans Ehrke

von Heinz Jacobs

Als der Spälbaas der Niederdeutschen Bühne "Rüstringen", Rektor Heinrich Frese, vor einiger Zeit beim Treffen der Niederdeutschen Bühnen in Hamburg die Aufführung dieses vieraktigen plattdeutschen Dramas von Hans Ehrke sah, stand es für ihn fest, daß dies ein Werk sei, das auch die Wilhelmshavener Freunde des niederdeutschen Bühnenspiels sehen mußten. "Füer" heißt der Titel knapp und streng, und wenn das Stück auch nicht voll und ganz den Gesetzen eines Dramas entspricht, wenn ihm auch noch verschiedentlich Mängel anhaften, so beispielsweise im ersten Akt bei der reichlich langen Skatszene, so ist es dennoch wohl geeignet, die Zuschauer zu packen.

Die gestrige Aufführung war wieder einmal ein schöner Erfolg für die Niederdeutsche Bühne, abgesehen von einigen Störern, die den Sinn des Stückes vollkommen mißverstanden. Sollen doch diese Leute, die in jeder plattdeutschen Aufführung eine billige Komödie sehen, die bei den ergreifendsten Szenen in völlig unangebrachtes Gelächter verfallen, lieber zu Hause bleiben, sie rauben den ernsthaften Besuchern nur den vollen Genuß eines mit viel Arbeit einstudierten Bühnenwerkes, das eher zum Nachdenken anregen soll, als zum Lachen. Wir danken der Niederdeutschen Bühne "Rüstringen" jedenfalls, daß sie dafür sorgt, daß man in unserer schönen Heimatsprache nicht nur den Dolmetsch abgeplattelter Seemannswitze sieht.

Das Stück spielt kurz nach dem Kriege in einem Dorfe von einem Abend zum anderen. Da sitzen in der ländlichen Gastwirtschaft die Bauern Jeppe Otzen, Joachims, Fäh, Beernd und Klas Wessel. Otzen, der sich während des Krieges als Däne ausgab und gefangen nehmen ließ, liebte genau wie Klas Wessel die junge Bauerntochter Wiebke, die den Gendarm Höwel kurz vor Beendigung des Krieges heiratete. Zwischen den beiden Bauern, die nach ihrer Rückkehr kein anderes Mädchen ansahen, steht nun Feindschaft, die sich in einem stillen aber zähen Haß verzehrt. Wahrend Otzen mit zwei anderen Bauern Skat spielt, entsteht ein Streit zwischen den beiden alten Rivalen, wobei Otzen den Namen der Frau Höwels gebraucht. Es kommt zu einer schweren Auseinandersetzung, in deren Verlauf der Gendarm in dem Augenblick in das Gasthaus tritt, als Wessel eine schwere Drohung gegen Otzen ausspricht. Wessel hat während des Streites sein Feuerzeug auf dem Tisch liegen lassen, das Otzen schnell an sich nimmt und dann das Haus verläßt. Wenig später steht die Scheune Otzens in Flammen. Der Verdacht richtet sich natürgemäß gegen den jungen Wessel, der sich bei der Vernehmung durch den Gendarm immer mehr in Widersprüche verwickelt. Wiebke, die junge Frau des Gendarms, will Wessel von dem Verdacht reinigen, denn der Bauer war während der Zeit der Brandstiftung bei ihr. In einer packenden Szene gesteht die Frau nun ihrem Mann, daß Wessel während der fraglichen Zeit nicht am Tatort gewesen sein konnte. Der Gendarm bricht unter der Wucht der Erkenntnis, daß er betrogen worden ist, fast zusammen, aber er läßt der Gerechtigkeit den Lauf und legt nachher Hand an sich selbst. Das ist kurz der Inhalt des Stückes.

Im Mittelpunkt der Handlung steht der Gendarm Höwel, den Heinrich Frese in überzeugender Art darstellte. Immer ist er im Dienst, dieser alte Husar, der nur ungern die blaue Uniform ausgezogen hat, um Landjäger zu werden. Er hat eines Bauern Tochter zur Frau genommen, owohl er um Jahre älter war. Nie haben sich die Ehehleute recht verstanden. Für Höwel galt nichts als seine Dienstvorschrift. So mußte die Entfremdung kommen, und als gar der junge Bauer Wessel wiederkam, vollendete sich das Schicksal des Mannes und Soldaten Höwel. Korrekt und unbestechlich geht er seinen ihm vorgezeichneten Weg bis zum bitteren Ende. Seine Pflichtauffassung läßt ihm keinen Fingerbreit von diesem Weg abkommen. "Ik bün in´n Deenst!" dieses Wort hält ihn aufrecht, läßt keine anderen Gedanken aufkommen, und so hat Hans Ehrke mit diesem Gendarm bestes deutsches Pflichtbewußtsein verkörpert. Dieser Höwel erkennt, daß dort nichts neues wachsen kann, wo das Feuer gewütet hat, er ist ein ausgebranntes Wrack, zum zweiten Male abgehalftert, und sieht nun keinen anderen Ausweg als die Kugel.

Heinrich Frese hat mit dieser Aufführung bewiesen, daß er nicht nur ein guter Spielleiter ist, sondern auch ein Darsteller. Ihm zur Seite stand die bewährte Nelly Schwarting als Wiebke, die den Bauer Wessel liebt und Hochachtung vor ihrem Manne bekommt, als es schon zu spät ist, als sich nichts mehr ändern läßt. Frau Schwaring legte gestern abend wieder einen Beweis ihrer darstellerischen Kunst ab, die sie gerade für solche tragischen Rollen befähigt. In Willi Völker fand der Bauer Klas Wessel einen vortrefflichen Gestalter und ebenso war Adolf Marxfeld in der Verkörperung des Bauern Jeppe Otzen eine charakteristische Figur. Als Bauer waren Johannes Nottelmann, Christoph Janßen und Willi Robe beschäftigt und sie ware echt in der Sprache und im Ausdruck. Arno Tholen und Therese Peters gaben ein gutes Kröger-Ehepaar ab und in einer kleineren Rolle war Hildegard Onken als Magd beschäftigt.

Alles in allem können wir auch diesmal wieder feststellen, daß die Niederdeutsche Bühne ihre Leistungen von Aufführung zu Aufführung steigert und daß immer mehr Freunde der plattdeutschen Sprache Anteil an der niederdeutschen Bühnenarbeit nehmen.

Wir freuen uns, daß die NSG "Kraft durch Freude" am Dienstag, den 15. Februar, den Volksgenossen Gelegenheit gibt, das Drama zu sehen.

 

Besöök ut de Stadt (Wilhelmshavener Erstaufführung)

Wilhelmshavener Erstaufführung

BESÖÖK UT DE STADT

Lustspiel in vier Akten von Friedrich Lange

Hier der Programmzettel anläßlich der Freilichtaufführung auf dem Rosenhügel im Stadtpark

PRESSESTIMMEN

Freilichtaufführung im Rüstringer Stadtpark: "Besöök ut de Stadt"

Ein schöner Erfolg der "Niederdeutschen Bühne, Rüstingen" des Heimatvereines

von Hermann Ahner

Anna, die beim Bauern Plog in Diensten war, sagte es immer wieder: daß die jungen Mädchen und Frauen nun einmal ohne die Mannsleute nicht auskommen könnten und daß es umgekehrt nicht anders sei. Und deshalb tat sie viel dazu, das zusammenzubringen, was zusammengehören sollte. 0 ja, Anna war schon so eine kleine Kupplerin, in allen Ehren natürlich, aber eine Frauensperson, die das Herz auf dem rechten Fleck hatte und ein doppeltes Mundwerk, wie der alte Knecht Martin zu bemerken Grund genug hatte. Annas Grundsatz war der, daß die Frau dazu geschaffen ist, einen Mann glücklich zu machen und Kinder zu bekommen, und das es immer nur auf das Herz dabei ankommt und nicht darauf, was man hat oder sein will.

Es hätten noch mehr diese Anna sehen und hören müssen, als gestern nachmittag vor dem Rosenhügel des Rüstringer Stadtparks Zuhörer dieser Freilichtaufführung erschienen waren. Die Hunderte, die gekommen waren, haden einen herrlichen Nachmittag in strahlender Sommersonne inmitten grüner Tannen, denn es gibt kaum eine schönere Freitlichtbühne als in diesem Stadtpark, aber es hätten wie gesagt noch viel mehr sein müssen. Man sah nicht alle Freunde der „Niederdeutschen Bühne". Vielleicht hatten sie es vorgezogen, da gerade Hochwasserzeit war, am Strande zu liegen, vielleicht war ihnen auch der Weg etwas weit, denn es fehlt ja leider noch an einer guten Fahrverbindung zum Rüstringer Stadtpark.. Jedenfalls müssen es bei der Wiederholung am kommenden Sonntag noch viel mehr werden, damit die Niederdeutschen Bühne neben ihrem restlosen Einsatz - so manchen Morgen begann man um 4 Uhr mit den Proben — nicht auch noch finanzielles Defizit hat. Ein Nachmittag wie gestern gibt so viel Freude, daß man den Weg zur Freilichtbühne wohl daranwenden ktann.

Ober hatte nicht jeder seine Freude an Therese Peters, die als Anna im Mittelpunkt des ganzen Spiels stand? Das war gestern wieder eine Bombenrolle für sie, man kam aus dem Högen und Lachen nicht heraus, wenn man dieses resolute Frauenzimmer so mit den Mannsleuten umspringen sah. Ja ja, die Anna wusste schon, was nottat, und sie hatte auch erkannt, daß die kleine Marie, die mit ihrer Mutter aus der Stadt kam, die aber als Verwandte des jungen Bauern gleiches Blut und gleiche Sehnsucht zur Scholle hatte, zum Jan Rungen paßte und nicht wieder zurückdurfte in die Stadt, sondern auf dem Lande bleiben mußte. Therese Peters hat gestern wieder bewiesen, daß sie echtes Theaterblut in den Adern hat und daß sie berufen ist zur Darstellung solcher Rollen.

Man muß immer wieder staunen, über wie gute Kräfte unsere „Niederdeutsche Bühne" verfügen kann. Da stellte Ellen Tammen doch eine Marie hin, die in der frischen, ursprünglichen Art jedern gefallen mußte! Sie war das Mädchen, um das in diesem Heimatspiel von Friedrich Lange alles ging, das Mädchen aus der Stadt, das dem Bauern Rungen ein Dorn im Auge war, weil es ihm einmal sein Maigras plattgetreten hatte und weil überhaupt diese Stadtmenschen vom Lanbe fernbleiben sollten. Aber daß der alte Rungen nachher selbst die Marie seinem Jan zuführt, weil das Mädchen sich nämlich inzwischen so rausgemacht hatte und so gut Landarbeit verrichten konnte, daß aus dem nervösen Stadtmädel ein frisches, gesundes Bauernmädel geworben war, ist der Witz dieses ganzen Spiels und darf nur angedeutet werden, um sen Zuschauern der Wiederholung den ganzen Spaß nicht zu nehmen. Johannes Nottelmann spielte diesen alten Bauern Rungen so vorzüglich, daß er ein echter niederdeutscher Bauer mit aller Dickköpfigkeit war. Da war nichts auszusetzen an seiner schauspielerischen Leistung, ebensowenig bei Emil Meinen, der seinen Sohn Jan spielte und der nachher die liebe Marie trotz aller seiner Schüchternheit doch bekam.

Was für prächtige Bauernfiguren dann noch in den übrigen Rollen! Willy Beutz gab einen sympathischen jungen Bauern Plog, der mit beiden Beinen auf der Erde stand und stolz war auf sein Bauerntum als Urquelle unseres völkischen Lebens. Liebreizend Nelly Schwarting als feine Braut Martha. Ein bischen überkandidelt, wie es die Rolle vorschrieb, Lotte Stehl als Plogs Schwester und verwittwete Frau Doktor, eine jener unglücklichen Geschöpfe, die vom Lande in die Stadt verpflanzt worden sind und dort nicht Boden fassen können, die aber nun auf den Bauern und seine Sippe herabfeuert, weil sie mehr „Büldung" genascht zu haben meinen, in Wirklichkeit aber auch nur bei ihrem Blut und auf altem Heimatboden nur ganz sie selbst sein können, wie man an ihrer Tochter Marie ja so schön erlebt hatte.

Noch drei schöne Typen: Christoph Janßen als der alte Knecht Martin, ein prächtiger Kerl, dem auch der Hochzeitsbitter gut stand, Erich Stammereilers Als Annas Bräutigam und Zimmermann Gerd Winkel, dem Anna übrigens schnell noch ein paar Neubauten zuschanzte und Willi Robe als der lockere Zeisig Plüsch, der schließlich auch seine verdiente Abfuhr bekam, denn solche Mannsleute passen nicht zum Lande. Die Trachtengruppe darf nicht vergessen werden, denn sie vervollständigte das Bild beim Richtfest, Polterabend und Hochzeitstag und zeigte mache alten
Bräuche.

Man merkte dem flüssigen Spiel gestern kaum an, welche Arbeit der Spälbaas Heinrich Frese darabgewendet hatte. Es klappte alles wie am Schnürchen, und vor allem war dort oben auf dieser Freilichtbühne soviel blutvolles Leben, soviel echt Niederdeutsches in Wort und Darstellung, daß wir der Niederdeutschen Bühne und ihrem Spíelleiter die gleiche Anerkennung sagen können, wie sie gestern aus dem starken Beifall der restlos befriedigten Zuhörer zu erkennen war. Es war wieder ein neuer schöner Erfolg unserer heimischen Niederdeutschen Bühne.

Wenn am kommenden Sonntag zur Wiederholung eingeladen wird, sollten recht viele Wilhelmshavener den Weg zum Rosenhügel des Rüstringer Stadtparkes machen, man wird dann ebensoviel Freude heimbringen wie wir gestern. .

Schattenspeel

Wilhelmshavener Erstaufführung

SCHATTENSPEEL

Komödie in einem Akt von Hermann Boßdorf

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