Dat Glück liggt op de Straat (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

DAT GLÜCK LIGGT UP DE STRAAT

Lustspiel in drei Akten von Hans E. Jürgensen

Inszenierung: Willy Beutz
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Souffleuse: Hanna Christoffers
Inspektion: Berta Herpel
Beleuchtung: Theo Pottbacker
Frisuren und Perücken: Rudolf Helmut Kunze

Rollen und Darsteller
Lucie Klatt, Inh. der Ratstätte "Blaue Tanne" - Hildegard Steffens
Kuddel Dührkopp, Fuhrunternehmer - Heino Aden
Christa - Agda Tauscher
Willi Gerken, Fernfahrer - Wilhelm Pick

Knut Sievers, Fernfahrer - Wilfried Pampuch a.G. aus Jever
Benno Hennemann - Kurt Röthel

Nicht nur Glück, nein auch Gefahr liggt op de Straat - v.l. Wilhelm Pick, Wilfried Pampuch, Heino Aden, Hildegard Steffens und Kurt Röthel  - eine Szene aus "Dat Glück liggt op de Straat" - Spielzeit 1971/72 -

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 8. November 1971

Zweimal Glück in der Raststätte

Viel Beifall für "Dat Glück liggt up de Straat"

von Heinz Jacobs

Mit dem sicheren Gespür eines erfahrenen Bühnenleiters wählte Willy Beutz als zweite Inszenierung der diesjährigen Spielzeit ein Lustspiel aus, das einen so feinen Humor ausstrahlt, daß man daran seine helle Freude hat. Der Verfasser des Stückes "Dat Glück liggt up de Straat", Hans E. Jürgensen, hat jede Abgleitung in sich ohne weiteres anbietende schwankhafte Züge vermieden und darüber hinaus auch eine Forderung der Bühnenleiter erfüllt, die immer wieder bei Tagungen des Niederdeutschen Bühnenbundes vorgebracht wird. Er schrieb ein zeitnahes Stück, das nicht in oft verwendetem Bauernmilieu angesiedelt ist.

Eine kleine, aber blitzsaubere Raststätte an einer Landstraße, die nicht von vielen Fernfahrern aufgesucht wird, bietet den Rahmen für die Handlung. Wirtin der Rastätte "Blaue Tanne" ist eine recht ansehnliche Witwe, die sich zwar Existenzsorgen macht, aber auf die Hoffnung setzt, daß ein Autobahnzubringer unmittelbar an ihrem Hause vorbeiführen soll. Ein zweites Problem für diese Lucie Klatt ist die immer wieder vorgebrachte Werbung eines älteren Fuhrunternehmers, der selbst einmal Fernfahrer gewesen ist, für den sich Lucie jedoch noch nicht entscheiden kann. Erst der durch diesen hartnäckigen Bewerber um die Gunst der Wirtin aufgedeckte Schwindel eines aalglatten Betrügers bringt das Eis zum Schmelzen.

Lucie (Hildegard Steffens) träumt von besseren Zeiten, Dührkopp (Heino Aden) träumt mit - eine Szene aus "Dat Glück liggt op de Straat" - Spielzeit 1971/72 -

Wir sahen Hildegard Steffens bereits in zahlreichen Rollen auf der plattdeutschen Bühne, aber noch nie war diese beliebte Darstellerin so gelöst, wie in der Rolle der Lucie Klatt. Frau Steffens gewann von der ersten Szene an die Herzen der vielen Premierenbesucher am Sonnabend im Stadttheater. Regisseur Willy Beutz hätte keine bessere Darstellerin für diese Rolle einsetzen können. Weit über seine bisherigen Leistungen, die sich häufig in klischeehaften Wachtmeisterrollen erschöpften, wuchs Wilhelm Pick in seiner Rolle als Fernfahrer Willi Gerken hinaus. Er spielte mit feiner Zurückhaltung diesen Part und traf damit genau den richtigen Ton, selbst in Situationen, in denen er hätte seinem Temperament freien Lauf lassen können.

Ein Gewinn war zweifellos Wilfried Pampuch von der Niederdeutschen Bühne Jever, den die Wilhelmshavener bereits aus einer früheren Aufführung her kennen. Der Gast gab seiner Rolle als Fernfahrer Knut Sievers jene Forsche, die ihn als den kommenden jugendlichen Liebhaber der Niederdeutschen Bühne "Rüstringen" prädestiniert. Wir hoffen, diesen Darsteller mit seiner vollen Stimme und seinem herrlichen jeverländischen Platt noch oftmals zu sehen.

Herausragend war auch Agda Tauscher als Tochter des auf Freiersfüßen gehenden Fuhrunternehmers. Daß aus einem zarten Lastkraftwagenfahrer Christian plötzlich eine reizende blonde Christa wird, spürt der junge Fernfahrer Knut Sievers erst im letzten Augenblick, als er das Herz des jungen Mädchens längst erobert hat. Gut aufgehoben war die Rolle des verliebten ältlichen Fuhrmanns Kuddel Dührkopp bei Heino Aden, dessen sanfte Werbung allerdings bei Lucie Klatt erst im turbulenten Finale ihre stürmische Erfüllung findet. Heino Aden gab dem Fuhrunternehmer Dührkopp, der seine Tochter als Jungen auf den Bock seines Lastwagens setzt, die bedächtigen Züge eines reifen Mannes, der weiß, was er will, und der schließlich seine angebetete Lucie vor großem Verlust wahrt.

Die einzige hochdeutsch gesprochene Rolle, des geschniegelten Betrügers Benno Hennemann, hatte Willy Beutz Kurt Röthel anvertraut. Mehrfach belohnte das Publikum diese reife und ausgewogene Leistung mit Beifall auf offener Szene.

Obwohl der erste Akt einige Längen hat, die sich allerdings kaum vermeiden lassen, steigerte sich die Spannung von Szene zu Szene, vor allem auch, weil das ganze Ensemble sehr sicher und flott spielte. Die Inszenierung war zweifellos eine meisterliche Leistung, die volles Lob verdient. Sehr ansprechend war das Bühnenbild von Hannes Kaebe, die Gaststube der Raststätte "Blaue Tanne", in der sich zuletzt zwei Paare fürs Leben finden und ein Gauner überführt wird. Viel Beifall bewies Regisseur Willy Beutz, allen Spielern und Bühnenbildner Hannes Kaebe, daß diese Aufführung wieder ein Volltreffer war.

Christa (Agda Tauscher) taucht als rettender Engel auf, es staunen und bewundern  v.l. Wilhelm Pick, Wilfried Pampuch, Hildegard Steffens und Heino Aden  - eine Szene aus "Dat Glück liggt op de Straaat" - Spielzeit 1971/72 -