Övervall in Lüttgenbüttel (WE)

Oldenburger Erstaufführung

ÖVERFALL IN LÜTTGENBÜTTEL

Kriminallustspiel in drei Akten von Wolfgang Ebert, niederdeutsch Hans-Jürgen Ott

Inszenierung: Gerhard Erfurt a.G.
Bühnenbild: Hannes Kaebe
Regieassistenz: Karl-Heinz Herpel


Beleuchtung: Theo Pottbacker
Inspizientin: Berta Herpel
Souffleuse: Luise Pampuch

Rollen und Darsteller
Franz Peters, Polizeiwachtmeister - Wilhelm Pick
Walter Busse, Polizeiwachtmeister - Wilfried Pampuch
Erik Wöltjen, Polizeihauptwachtmeister - Hans Macker
Leni - Roswitha Bertz
Frau Lübben, Lenis Tante - Erika Kaebe
Opa Bienert, Alter Ganove a.D. - Günter Boye
Arthur Holsten, Bürgermeister - Heino Aden
Hein Garbers, Bauer - Enno Buß
Herr Eberlein, ein Reporter - Horst Jönck


Niemand soll doch bitteschön die Ruhe in Lüttgenbüttel stören, auch nicht Opa Bienert (von links Wilhelm Pick, Günter Boye und Wilfried Pampuch)  -eine Szene aus "Överfall in Lüttgenbüttel" - Spielzeit 1973/74 -

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Niederdeutsche Bühne immer erfolgreicher

Hier gibt es keine bösen Buben

In Lüttgenbüttel ist die Welt noch ganz und gar in Ordnung

Von Barbara Schwarz

Lüttgenbüttel muß in irgendeinem Traumland liegen; selbst morgens um 7 Uhr ist in keinem friesischen oder ostfriesischen Dorf die Welt noch so in Ordnung wie in Lüttgenbüttel, wo aus Kinokassen noch 8000 Mark zu rauben sind. Kein Wunder, daß die drei "Holden" der Polizeistation von Lüttgenbüttel nichts zu tun haben und in die Kreisstadt versetzt werden sollen. Das ist die Grundidee zu Wolfgang Eberts Kriminallustspiel "Överfall in Lüttgenbüttel" in der niederdeutschen Fassung von Hans-Jürgen Ott. Die Niederdeutsche Bühne brachte es Freitagabend als letzte Premiere der laufenden, für sie so erfolgreichen Spielzeit heraus.

Wenn auch - abgesehen von der wirklich hübschen Grundidee - das Stück nicht ganz so witzig und bis auf den letzten Akt nicht ganz so munter ist, wie ich es mir vorstellte, soliegt das keineswegs an der Iiebevollen Inszenierung, sondern eben am Stück selber. Die Aufführung der Niederdeutschen Bühne ist wie aus einem Guß (Regie Gerhard Erfurt, Regieassistenz: Karl-Heinz Herpel). Großartig vor allem Günter Boye als alter Ganove, als Opa Bienert - hintergründig, kauzig; besonders beeindruckend in der Szene, als er noch in der Polizeistelle sitzt, sich nebenan die Polizisten mit Bürgermeister, Kinobesitzerin und Nichte zum Gruppenbild aufbauen. Man spürt, wie er sich schnapstrunken von der Pritsche erhebt, langsam aufsetzt, einen Schlappen verliert, immer wieder zögert, bis er schließlich an der Tür steht, daß er die Lösung des Falls bringt.

Weit mehr Ausdrucksmöglichkeiten als Erik Ode und seinen Assistenten in der Kommissar Serie gibt "Överfall in Lüttgenbüttel" Hans Macker als schüchtern verliebten Polizeihauptwachtmeister Wöltjen, Wilhelm Pick als angelndem Polizeiwachtmeister Peters und Wilfried Pampuch als auf Freiersfüßen gehendem Polizeiwachtmeister Busse. Die drei sind ein köstliches Gespann. Anlaß, daß Polizeihauptwachtmeister Wöltjen im fortgeschrittenen Alter noch einmal verliebt ist wie ein Jüngling, ist Margarete Lübben, die Kinobesitzerin. Erika Kaebe bringt die zwischen tantenhafter Strenge und neckischer Verliebtheit Schwankende großartig.

Roswitha Bertz spielt die ebenfalls verliebt, zu Unrecht verdächtigte Nichte Leni mit sehr viel Komik und jugcndlicher Frische. Heino Aclen als Bürgermeister Holsten ist ganz der auf Würde bedachte Kommunalpolitiker, der die Gunst der Stunde nutzen will. Enno Buß diesmal in einer kleinen Rolle, spielt den Bauern Hein Garber so richtig schön treu-doof, auch ein wenig spökenkiekersch. Horst Jönck als Reporter entpuppt sich am Ende ...

Das Bühnenbild, das wirklich treffend die Atmosphäre der Amtsstube eines kleinen Polizeipostens vermittelt, schuf Hannes Kaebe. Allen an der Aufführung Beteiligten dankte das Publikum mit herzlichem Beifall, der - so schien mir - besonders auch Günter Boye galt.

Das Ensemble stellt sich zum Gruppenfoto: von links Horst Jönck, Enno Buss, Wilhelm Pick, Erika Kaebe, Heino Aden, Hans Macker, Günter Boye und vorne Roswitha Bertz und Wilfried Pampuch

Mordsgaudi auf der Polizeistation

PREMIERE "Överfall in Lüttgenbüttel"

Von Wilhelm Böhme

Wilhelmshaven. Mit dem Kriminallustspiel "Överfall In Lüttgenbüttel" von Wolfgang Ebert brachte die Niederdeutsche Bühne "Rüstringen" die 5. und letzte Inszenierung der Spielzeit 1973/74 heraus. Bei der Premiere erlebten im Wilhelmshavener Stadttheater die Freunde der plattdeutschen Mundart zwei köstlich vergnügliche Stunden. Unter Regie des Landesbühnen-Schauspielers Gerhard Erfurt wurde das in niederdeutsche Bearbeitung von Hans Jürgen Ott recht pointenreich servierte Stück mit lebhaftem Beifall vom Premierenpublikum bewertet. Für das einsatzfreudige Ensemble gab es mehrfach Szenenapplaus und langanhaltenden Schlußbeifall.

Der Dreiakter blendet in seinem stilecht gebrachten Bühnenbild von Hannes Kaebe in das Geschehen in einem mit drei Beamten besetzten Polizeiposten einer verträumten norddeutschen Gemeinde ein, deren Ordnungshüter wegen Fehlens von besonderen Ereignissen "arbeitslos" sind. Eine angekündigte Auflösung des Polizeipostens und eine Versetzung droht, was die Polizei-Dorfgewaltigen dann zum Erfinden von Kriminalfällen sehr mobil macht.

Wilhelm Pick, Wilfried Pampuch und Hans Macker spielen treffend und in humorgewürzten Dialogen die einfallsreichen Ordnungshüter. Sie verstehen es dabei prächtig, zunächst die bewußt triste Atmosphäre der Polizeistube zu einem turbulenten Wirbel aufzuheizen. Zunächst wird das einzige kriminelle Paradestück der Gemeinde, ein recht abgetakelter Ganovenopa, umwerfend lebensecht von Günter Boye dargestellt, zum Mitmischen bei erfundenen Kriminalereignissen veranlaßt. Danach zünden dann in einer Zwerchfelerschütternden Kettenreaktion in diesem niederdeutschen Schwank die Uberraschungseffekte.

Erika Kaebe tritt dabei als resolute, um ihre Kasse gebrachte Kinobesitzerin und aufmunternd zum Liebeswerben bei dem Polizei-Postenvorsteher in der Amstsstube in Szene. Roswitha Bertz spielt in natürlicher Anmut ihre Nichte, die nicht nur zarte Bande zu einem der um Versetzung bangenden Dorfgendarmen geknüpft hat. Mit von der Partie, seine Gemeinde für die Beibehaltung des Polizeipostens interessant zu machen, ist schließlich auch der Bürgermeister, in dessen Rolle Heino Aden hauteng, zeitweilig arrogant polternd, geschlüpft ist. Besonderen Beifall löste auch Enno Buß als dösig, tapsiger Bauer aus, wobei dann für eineu überraschenden Schlußakkord im großen plattdeutschen Bühnengaudi Horst Jönck als ein als Zeitungsreporter getarnter Edelganove sorgt.

Die "Superbullen" aus Lüttgenbüttel : Hans Macker, Wilfried Pampuch, Wilhelm Pick - eine Szene aus "Överfall in Lüttgenbüttel" - Spielzeit 1973/74 -