Dat Smugglernest (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

DAT SMUGGLERNEST

Lustspiel in drei Akten von Hans Bunje

Inszenierung: Karl-Heinz Herpel
Bühnenbild: August Ahlers


Bühnenbildbau: Enno Buß, Alfred Christoffers, Karl-Heinz Goldenstein
Inspizientin: Berta Herpel
Beleuchtung: Erwin Telgmann, Peter Pfaus
Souffleuse: Rika Janßen

Rollen und Darsteller
Sven Svensen, Landwirt, hat seinen Hof verpachtet - Enno Buß
Sophie, seine Tochter - Brigitte Halbekath
Anke, deren Tochter - Roswitha Bertz
Wilhelm Ulfers, Landwirt - Horst Jönck
Heino Meiners, Zollbeamter - Manfred Janßen
Wulf Dirks, ein junger Arzt - Friedrich Müller

eine Szene mit (v.l.) Horst Jönck, Manfred Janßen, Friedrich Müller, Roswitha Bertz

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Letzte Premiere der Spielzeit: Aufregung um "Dat Smugglernest"

von Theodor Murken

Eine wirkungsvolle Aufführung der Niederdeutschen

Als fünfte und letzte Inszenierung in dieser Spielzeit brachte die Niederdeutsche Bühne im Stadttheater Hans Bunjes Lustspiel "Dat Smugglernest" heraus und hielt damit zwei Stunden lang das Publikum in vergnüglicher Spannung. Der Autor des Stückes, Hans Bunje, Oberstudienrat in Kiel und dort auch im niederdeutschen Bühnenwesen tätig, ist der Sohn von Karl Bunje, dessen "Etappenhas" ihn berühmt machte.

eine Szene mit (v.l.) Brigitte Halbekath, Horst Jönck, Manfred Janßen und Friedrich Müller

Was die Theaterwirksamkeit der Stücke betrifft, die Hans Bunje bisher geschrieben hat, so stehen sie denen seines Vaters kaum nach. Ein Sohn hat es im Schatten seines berühmten Vaters immer etwas schwer. Dieses Lustspiel, das irgendwo an der deutsch dänischen Grenze in Schleswig Holstein spielt, ist ein Beispiel dafür, wie Hans Bunje recht bühnenwirksam eine verzwickte Situation zu schildern vermag.

Die Familie des Bauern Sven Svensen gerät in eine Schmuggelaffäre.Das alles entwickelt sich aus einer ganz alltäglichen Butterfahrt der Tochter von Bauer Svensen. Der Bauer freilich ist ein rechter Ulenspeegel, wie sein Nachbar Wilhelm Ulfers richtig vermerkt. Seine Tochter glaubt, ihn durch ihre Erziehungskunst vom Rauchen und Trinken abgebracht zu haben. Ihre Heimkehr von der Butterfahrt benutzt Ulenspeegel Svensen, seine Tochter in allerlei Schrecken zu versetzen. Durch Fernsehkrimis und Illustriertengeschichten ist sie dafür sehr anfällig.

Hans Bunje spielt vergnüglich darauf an, wie er denn auch schmunzelnd Kritik übt an all den Krankengeschichten, die man in illustrierten Blättern liest und die ihre Wirkung auf die Leser nicht verfehlen

Enno Buß (Mitte) kann sich voll entfalten, links Brigitte Halbekath, rechts Roswitha Berth

Bauer Svensen spielt seiner Tochter, seiner Enkelin und seinem Nachbarn vor, wie "high" er von dem "Haschisch" geworden ist, das offenbar ein Mitglied der von der Zollfahndung gesuchten Schmuggelbande derTochter am Grenzübergang heimlich zugesteckt haben muß in Wirklichkeit war es Svensens Kautabakbeutel. Dieser geistert dann durch alle drei Akte. Und was aus dem ganzen Spektakel wird, das sollte man sich ruhig einmal im Theater ansehen.

Am Ende löst sich natürlich alles auf. Der diensteifrige und karrieresüchtige Zollbeamte greift buchstäblich ins Leere, tröstet sich aber damit, dieses "Smugglernest" künftig gut im Auge zu behalten. Ein Stück also mit effektvollen Szenen, die unter der Regie von Karl Heinz Herpel recht wirkungsvoll hervorgehoben werden.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht der Bauer Svensen. Enno Buß ist diese Rolle geradezu auf den Leib geschrieben. Der alte Theaterhase unserer Niederdeutschen Bühne hat hier einmal wieder Gelegenheit, sich als Charakterkomiker reinsten Wassers zu entfalten. Wie echt er sich in Haschischrausch versetzt (nur weil er schnell von seinem Kautabak abgebissen hatte), das ist unübertrefflich. Er war im besten Sinne der richtige Ulenspeegel und hatte auch alle anderen Darsteller schön am Bändsel.

Brigitte Halbekath als Tochter Sophie war in ihrem Element, wenn sie mit ihrer angelesenen Weisheit die "High" Erscheinungen des Vaters diagnostizierte. Da konnte ihr auch der von Friedrich Müller dargestellte junge Arzt Wulf Dirks nichts weismachen, zumal Sophie in ihm den Schmuggler wiederzuerkennen glaubte, der ihr das "Haschischpäckchen" in die Tasche gesteckt haben sollte.

Roswitha Bertz als Enkelin Anke vertrat mit Verve die junge Generation und nutzte die Gelegenheit, mit drei Liebhabern anzubändeln: dem freilich nicht mehr ganz jungen Landwirt Wilhelm Ulfers (Horst Jönck), dem von Manfred Janßen forsch gespielten Zollbeamten Heino Meiners und schließlich dem Arzt, der vielleicht sogar das Rennen macht, da beide das Reise Fernweh miteinander teilen.

Das turbulente Geschehen spielt sich in einer von August Ahlers, Oldenburg, entworfenen, von Enno Buß, Alfred Christoffers, Karl Heinz Goldenstein und anderen Bühnenmitgliedern gebauten Küche ab. Am Schluß der Aufführung blieb die Erkenntnis. wie schwer es ist, die Wahrheit an den Mann zu bringen, wenn ihr weibliche Logik und die "Symptome" entgegenstehen.

Enno Buß und Brigitte Halbekath