De Regenmaker (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

DE REGENMAKER

Von Richard N. Nash
Niederdeutsch von Hans-Jürgen Ott

Inszenierung: Bigge Lünemann a.G.

Rollen und Darsteller
Lies - Christine Fein
Regenmaker - Jürgen Tapken
Altbauer - Klaus Aden
jüngerer Sohn - Thorsten Könnecke
älterer Sohn - Michael Hillers
Gendarm Fritz Garfs - Wilfrid Pampuch

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 10. Februar 1998

Donner wurde zu Beifall

Laiendarsteller der Niederdeutschen überzeugten bei ihrer Premiere

Vordergründig geht es um die langanhaltende Trockenheit auf dem Land in dem Stück „De Regenmaker", mit dem die Niederdeutsche Bühne am Sonntag im Stadttheater Premiere hatte. Seit Wochen hat es in dem kleinen norddeutschen Dorf nicht geregnet, und der Bauernfamilie Jensen verendet das Vieh. Zu verdorren droht ihnen aber auch die Tochter des Hauses. Lies (Christine Fein) ist eine tüchtige, junge Frau, aber ihr fehlt das Vertrauen in ihre Weiblichkeit. Vergeblich versuchen der Bauer (Klaus Aden) und seine Söhne (Michael Kever und Thorsten Könnecke), sie an den Mann zu bringen. Schließlich kommt ein windiger Visionär in Umhang und Schlapphut daher (Jürgen Tapken) und verspricht Erlösung von der überlangen Dürre. Und so ist „De Regenmaker" auch ein Stück über Liebe und Einsamkeit, über Unsicherheit und Träume. Vieles ist symbolisch an dieser Geschichte. Manche Erzählungen beschwert eine so ausgeprägte zweite Ebene. Aber „De Regenmaker" gewinnt durch sie. Den Laienschauspielern der Niederdeut­schen Bühne gelingt es, die Typen nicht nur dadurch zu verkörpern, was sie sagen, sondern darin, was sie tun.

Was für ein verschlossener Mensch der Dorfgendarm Fritz Garfs (Wilfried Pampuch) ist, erkennt am besten, wer ihm beim Stiefelwichsen zusieht. „Ick will von nüms wat" hätte er dazu gar nicht mehr sagen müssen. Auf den Leib geschrieben ist Thorsten Könnecke seine Rolle als jüngerer Bauernsohn. Wie Quecksilber perlt er über die Bühne, dem Leben vertrauend, selbst ein blaues Auge verzeihend, und bereit, für den Regenmacher die Trommel zu schlagen. Michael Kever verkörpert das Vernunftprinzip des älteren Bruders, indem er sich mit verschränkten Armen abwendet von dem Leben, das nicht läuft, wie die Logik es vorschreibt. Und der Altbauer, gespielt von Klaus Aden, wischt sich dazu ratlos mit dem Schnupftuch über die Stirn.

Geradezu wie eine der großen, tragischen Frauengestalten aber wirkt Christine Fein in ihrer Rolle als Lies. Es ist bemerkenswert, welche Gefühlsvielfalt sie allein in ihren Blicken ausdrücken kann. Starr blickt sie und läßt das Urteil ihres älteren Bruders, sie sei häßlich, auf sich wirken, umgeben von einer Aura tiefer Trauer. Panisch sieht sie ihren Vater an, als sie ihn bittet, ihr zu helfen. Und schließlich strahlen ihre Augen mit tiefer Zuversicht demjenigen ins Gesicht, für den sie sich entschieden hat.

Ihr Gegenpart ist Jürgen Tapken als Regenmacher, wie er begeistert und überzeugend versichert, daß er ein Wunder bewirken kann, auch wenn er das vorher noch nie geschafft hat. Aber „ohne Vertroon löpt nix", und mit dem Vertrauen, daß ihm die Bauersleute schenken, kommt es schließlich zu einem gewaltigen Wolkenbruch. Der segensreiche Gewitterdonner, mit dem das Stück endete, ging fast übergangslos in den verdienten Beifall des Stadttheater-Publikums über.

Die nächsten Aufführungstermine von „De Regenma­ker" sind am kommenden Wochenende jeweils um 20 Uhr und am Sonntag zusätzlich um 15.30 Uhr.