Senioren-Aufstand

JEVERSCHES WOCHENBLATT vom 19. März 2019

Senioren-Aufstand

THEATER Gelungene Premiere von „Ik mutt gar nix!“

Edith Schlette (spielt die Luise Winzig) und Walter Bleckwedel (schwerhöriger Rentner Richard Wagner) tanzen wie die anderen Heimbewohner aus Angst nach der Pfeife von Heimleiterin Sybille Hartmann (Sandra Krüger) und singen mit ihr -De Dag, an den Se mal nich quakt".

Regisseur bringt eine Rebellion im Pflegeheim mit viel Humor auf die Bühne.

WILHELMSHAVEN/BOE - ist das Leben für Senioren im Pflegeheim? Eines Themas, das im wahren Leben eine Rolle spielt, nehmen sich die ehrenamtlichen Akteure des „Theaters am Meer" an und bringen mit viel Witz und Humor das von Marion Zomerland geschriebene Musical „Ik mutt gar nix!“ auf die Bühne. Zum Abschluss der Spielzeit 2018/19 strapaziert das in Niederdeutscher Sprache aufgeführte Stück, das am vergangenen Samstag Premiere feierte, die Lachmuskeln der Zuschauer. Für dieses Musical konnten die Theatermacher wieder den Regisseur und Sänger Philip Lüsebrink gewinnen. Dieser landete im vergangenen Jahr in Wilhelmshaven mit der Musikrevue „In Hamborg sünd de Nachten lang“ einen überwältigenden Erfolg und gewann mit dem Drama „Toeerst kummt de Familie" den Willy-Beutz-Schauspielpreis.

Bei dem Stück „Ik mutt gar nix!“ wechseln sich lustige Momente mit nachdenklichen Augenblicken ab. Trist und grau ist die Kulisse, wie auch die Stimmung unter den Heimbewohnern. Die Pflegeheimleiterin, Sybille Hartmann (Sandra Krüger) behandelt die Senioren im „Ohlenhus“ wenig pfleglich und auch das Personal hat nicht viel zu lachen, zumindest, bis Pfleger Jan Fröhlich (Jendrik Marschner) kommt. Denn der macht seinem Namen alle Ehre: Ging das Personal zuvor eher lustlos mit den „Ohlenhusbewahnern“ als „Insassen" um, ändert sich das nun schlagartig. „Ik mutt gar nix!" ist sein Motto.

Fröhlich hat seine eigene Art mit den alten Leuten umzugehen, was der Heimleiterin aber so gar nicht gefällt. Sie versucht den jungen Mann wieder in die Spur zu bringen. Den jungen Pfleger Fröhlich, der aus Amerika in die Heimat zurückkommt, treibt aber ein ganz besonderer Grund ins Pflegeheim. Und bei seinen Recherchen im Heim helfen ihm die alten Leute. Doch Loswerden kann die Heimleiterin den unerwünschten Pfleger nicht so einfach: Fröhlich hat einen Jahresvertrag und somit hat der triste graue Alltag im „Ohlenhus" erstmal ein Ende. „He is dat Beste, wat us hier passeern kunn" singen die Heimbewohner, die der junge Pfleger mit seiner unbekümmerten Art auf seine Seite holt. Sein Lebensmotto „Ik mutt gar nix!" überträgt er spielerisch auf die Senioren, die den Aufstand wagen und von der Heimleiterin bessere Zustände im Pflegeheim fordern.

Für Sybille Hartmann ändert sich das Leben nun drastisch. denn die Bewohner des Ohlenhus offenbaren das große Geheimnis der Leiterin und fordern sie auf, das Haus zu verlassen. Das Blatt wendet sich und die Senioren machen aus ihrem tristen Heim nun ein fröhliches Haus, in dem das Leben Spaß macht. Sogar zarte Romanzen bahnen sich zwischen den Bewohnern an. Ein glückliches Ende also, in einem sehr sehens- und hörenswerten Musical. Die gute Mischung aus erfahrenen und jungen Schauspielern sorgt dafür, dass das Stück wieder einmal hält, was der gute Ruf von „Theater am Meer" verspricht. Mit vielen bekannten Hits und Schlagern wie „Das Beste" von Silbermond, „Am Tag, als Conny Kramer starb" von Juliane Werding oder das titelgebende „Ik mutt gar nix!“ von De fofftig Penns unterhalten die Schauspieler ihre Gäste hervorragend. Ein wunderbares Stück, dass ein gut funktionierendes Theaterensemble und ein spitzen Regisseur hervorragend auf die Bühne brachte.

Es spielen: Wilma Welte, Christel Dörnath, Edith Schlette, Arnold Preuß, Walter Bleckwedel, Ute Menssen, Fynn Diessner, Sandra Krüger, Jendrik Marschner, Ulrike Schütze und Annika Gärtner.

Weitere Vorstellurgen Intos unter www.theater-am-meer.de