„Allens ut de Reeg" begeistert zum Start

Jeversches Wochenblatt vom 17. September 2019

„Allens ut de Reeg" begeistert zum Start

PREMIERE Turbulente Komödie eröffnet die zehnte Spielzeit des Theaters am Meer

Assistent Sööge (Jendrik Marschner, links) soll Minister Willms (Arnold Preuß) aus der Patsche helfen, in die er sich immer weiter hinein manövriert. BILD: DIETMAR BÖKHAUS

Wilhelmshavener Ensemble überzeugt das Publikum sofort. Weitere Aufführungen finden in diesem Monat und im Oktober statt.

WILHELMSHAVEN/BOE – Sehr turbulent ist es bei der Aufführung der Komödie „Allens ut de Reeg" von Ray Cooney am Samstag zugegangen. Arnold Preuß, der auch für die Regie und Bühne verantwortlich zeichnet, hatte das Stück ins Niederdeutsche übersetzt. Preuß selbst spielt in dem Stück den Landwirtschaftsminister Richard Willms.Den Zuschauern im kleinen Zimmertheater an der Kieler Straße blieb kaum Zeit zum Atmen: Minister Richard Wilms hat eigentlich im Parlament eine Rede zu halten. Stattdessen hat er, oder möchte gern, ein Techtelmechtel mit Inge Würdemann (Lena Schmidt), die als Sekretärin des Oppositionsführers arbeitet, im Hotel „Kaiserhof" kann er es kaum erwarten, dass sich Inge im Negligé präsentiert.

Mit Humor, Wortspielen und Anspielungen nimmt das Stück Tempo auf, das im weiteren Verlauf immer schneller wird und durch viele Pointen begeistert. Durch ein offenes Fenster droht ein politischer Skandal für den Landwirtschaftsminister, denn dort eingeklemmt steckt die vermeintliche Leiche eines Einbrechers, die von Lars Landes dargestellt wird. Willms sieht den politischen Skandal - eine Leiche und eine Geliebte würde das Ende seiner Karriere bedeuten. Willms braucht Hilfe und die kommt in Person seines Assistenten Schorsch Sööge (Jendrik Marschner), der nicht ganz glauben kann, in was er da hineingezogen wird. „Mien Mudder töövt to Huus un maakt sik Sorgen", ist sein einziges Problem, als ihm der Minister erklären will, was geschehen ist. Die Notlügen seines Chefs soll Sööge immer dann in die richtige Bahn lenken, wenn neue Mitspieler auf der Bühne erscheinen. Die vermeintliche Leiche macht sich selbstständig, was Willms und Sööge total aus der Reihe bringt.

Pointenreich sind auch die Auftritte von Fynn Dießner als eifersüchtiger Ehemann Ronnie Würdemann. Die unvorhersehbaren Kettenreaktionen sind bei dieser Farce an der Tagesordnung. Die hervorragenden Leistungen der weiteren Schauspieler Ute Menssen als Ehefrau des Ministers und Sandra Krüger als Hotelmanagerin sowie Melina Seegardel als Schwester Förster ernteten stehenden Applaus. Seegardel hatte ihr Debüt im Abendspielplan im Theater am  Meer. Sie kommt aus der theatereigenen Schule. Landes und Brun wurden im vergangenen Jahr gecastet und erlebten jetzt ihr Debüt, was sie, wie auch Melina Seegardel, ohne sichtbare Nervosität über die Bühne brachten.

Kartenvorverkauf:
Theater am Meer, Kieler Straße 63.
04421 / 777749 oder
Mail:  @ Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

WEITERE TERMINE
Freitag, 20. September um 20 Uhr
Sonntag, 22. September um 15.30 Uhr und 20 Uhr
Sonnabend, 28. September um 20 Uhr
Sonntag, 29. September um 15.30 Uhr, geschlossene Vorstellung für die Banter Kirchengemeinde um 20 Uhr
Mittwoch, 2. Oktober um 20 Uhr
Sonnabend, 5. Oktober um 20 Uhr
Sonntag, 6. Oktober um 15.30 Uhr und 20 Uhr
Sonnabend, 12. Oktober um 20 Uhr
Sonntag, 13. Oktober um 15.30 Uhr und 20 Uhr
Freitag, 18. Oktober um 20 Uhr
Samstag, 19. Oktober um 20 Uhr
Sonntag, 20. Oktober um 15.30 Uhr und 20 Uhr,

Schäferstündchen mit Leiche garniert

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 16. September 2019

Schäferstündchen mit Leiche garniert

UNTERHALTUNG Äußerst schwungvolle Premiere des Stücke „Allens ut de Reeg" — Die Pointen saßen

Minister Willms (Arnold Preuß, links) und sein Assistenz Sööge (Jendrik Marschner) mühen sich, den mutmaßlichen Einbrecher (Lars Landes) aus Willms Liebesnest zu schaffen, um einen Skandal zu vermeiden. FOTO: TAM/PREUSCHOFF

Ein Schwank nach klassischem Rezept, das immer wieder funktioniert, wenn 's punktgenau klappt. Dies war der Fall.

VON HARTMUT SIEFKEN

WILHELMSHAVEN/SI - „Alles auf die Reihe gekriegt" hat das Theater am Meer mit dem ersten Stück der neuen Spielzeit. Die Truppe hatte bei der Premiere von „Allens ut de Reeg" jede Situation im Griff. Landwirtschaftsminister Willms (Arnold Preuß) hat Parlamentswoche. Um die Regierung steht es schlecht und eigentlich sollte er seinem Ministerpräsidenten in der Not beistehen. Doch Gelegenheit macht Diebe. Anstatt mit der Opposition rhetorisch die Säbel zu kreuzen, will Willms dem Oppositionsführer die Sekretärin Inge Würdemann (Lena Schmidt) ausspannen. Doch der alte Bock erlebt im Hotel Kaiserhof eine Überraschung. Das Schäferstündchen wird durch eine Leiche garniert. Sie klemmt hinter dem Fenstervorhang im Fenster fest. Der detsche Dieb hatte wohl über den Balkon einsteigen wollen.

Willms weiß, was das bedeutet: Skandal. Und den kann die Regierung nun gar nicht gebrauchen. Was tun? Die Leiche muss verschwinden. Doch ab jetzt klappt gar nichts mehr für Willms nur noch der Fensterladen, Schrank- und Zimmertüren. Sein Sekretär Sööge (Jendrik Marschner) soll's richten und seinen Feierabend verschieben, obwohl er bei Muttern am Abendbrottisch erwartet wird. Der hat nun seine Liebe Mühe, sich all die spontanen Notlügen seines Chefs zu merken, sobald ein neuer Protagonist unverhofft das Zimmer betrifft: die Hotelmanagerin (Sandra Krüger), die Zimmerfrau (Berta Brun), Inges wütender Ehemann Ronny (Fynn Dießner), Willms Gattin Pamela (Ute Menssen) und Schwester Förster (Melina Seegardel), die im Auftrag von Mama nach Sööge schauen soll. Und dann macht sich die Leiche auch noch selbstständig. Nu is allens ut de Reeg.

Ein Schwank nach klassischem Rezept, das immer wieder funktioniert, wenn's punktgenau klappt und die Pointen sitzen. Da muss viel geübt werden, kleine Texthänger oder eine verpasste Schrecksekunde können viel der Wirkung nehmen. Doch die Truppe des Theaters am Meer hatte das Publikum mal wieder für sich eingenommen. Den stehenden Applaus am Schluss hatte sie sich verdient. Arnold Preuß brillierte mit seiner Mischung aus Schlagfertigkeit und Fahrigkeit, Jendrik Marschner füllte die Rolle des bis zur Liebedienerei servilen Sööge mit routinierter Spielfreude aus, Sandra Krüger heischte resolut als Hotelmanagerin Respekt. Berta Brun ist mit ihrem russischen Akzent wie aus dem wirklichen Leben gegriffen eine Bestbesetzung für trinkgeldgierige Etagenkellnerin („Es geht auch mit Einzugsermächtigung"). Lena Schmidt verkörpert sexy das parteiungebundene Flittchen, Lars Landes macht als Leiche einen ganz entspannten Eindruck. Fynn Dießner als gehörnter Ronny hegte begründeten Verdacht und war deswegen weniger entspannt. Ute Menssen als Willms Ehefrau Pamela fand schnell an Sööge Geschmack und, nur mit dem Negligé leicht geschürzt, Zuflucht im Schrank, der vorher schon manchem anderen Protagonisten als Versteck gedient hatte. Melina Seegardel als Schwester Förster gewann schlussendlich etwas unvermittelt den Hauptpreis in dieser Boulevard-Komödie, die im Original „Out of Order" heißt, von Ray Cooney geschrieben und von Arnold Preuß mit Gespür für Wortwitz ins Niederdeutsche übersetzt worden ist.

Hinter der Bühne wirkten mit: Anna Jahn als Inspizientin, Melina Seegardel und Fynn Dießner als Beleuchter, Edith Schlette als Souffleuse, Monika Eilers und Barbara Spengler für die Requisite, Ilona Düsterdich für die Maske, Ingrid Bicke und Helga Lauermann bei der Kostümberatung. Wolfgang Buttjer und Heinz Fuchs bauten das Bühnenbild als Voraussetzung dafür, dass alles klappte, Thomas Marschner besorgte die Bühnenmalerei, Ingo Heuer übernahm den Hausdienst.

Weitere Aufführungen am 20., 22., 28. und 29. September sowie am 2., 5., 6., 12., 13., 18., 19. und 20. Oktober, alle um 20 Uhr, statt. An den Sonntagsterminen gibt es zudem Aufführungen um 15.30 Uhr.
@theater.am-meer.de