THEATER AM MEER begeht 10-jähriges Jubiläum des „Kleinen Schauspielhauses“ ohne Feier

Pressemeldung Theater am Meer - 08. Mai 2020

THEATER AM MEER begeht 10-jähriges Jubiläum des „Kleinen Schauspielhauses“ ohne Feier

Marion Zomerland und Arnold Preuß blicken auf 10 Jahre Theater am Meer in der Kieler Straße

Das Ensemble von „Honnig in’n Kopp“ freute sich auf diesem Gruppenfoto am 12. März noch auf die bevorstehende Premiere - es kam dann alles anders! Auf dem Foto: (sitzend von links): Wolfgang Watty, Edith Schlette, Ulrike Schütze, Leyan Besser, Heinz Zomerland, Regisseurin Elke Münch, Kristin Röben, (stehend von links) Lars Landes, Harald Schmidt, Talke Wittig, Gitta Gampe, Hauke Backhus, Gertie Evers, Barbara Spengler, Melina Seegardel, Traute Fischer, André Gelhart, Inge Gelhart, Iris Holjesiefken, Ilona Düsterdich und Thomas Gathemann. - FOTO: TaM, Olaf Preuschoff

Wilhelmshaven | 08. Mai 2020|AP – Am heutigen Sonnabend (9.5.) wollte das Theater am Meer (TaM) in seinem „Kleinen Schauspielhaus an der Kieler Straße“ eine Sondervorstellung des Stückes „Honnig in’n Kopp“ spielen. Es wäre dies die Dernière nach einer langen Reihe von meist ausverkauften Vorstellungen gewesen. Vor der Vorstellung hätte der Niederdeutsche Bühnenbund (NBB) den Willy-Beutz-Schauspiel-Preis verliehen und nicht nur das 6-köpfige Präsidium, sondern auch die Bühnen- und Theaterleitungen nebst Stellvertreter der Bühnen und Theater des NBBs wären anwesend gewesen. Dazu noch eine ganze Reihe von Ehrengästen, die alle den 10-jährigen Geburtstag der Spielstätte des Theaters am Meer feiern wollten.

Es ist hinlänglich bekannt, dass das Corona-Virus einen gewaltigen Strich durch die geplanten Feierlichkeiten gemacht hat! Am Tag der Generalprobe von „Honnig in’n Kopp“ (13. März) wurde entschieden, dass deutschlandweit alle Theater geschlossen werden. Seitdem verharrt das Theaterleben nicht nur beim TaM im absoluten Stillstand. Derzeit ist nicht erkennbar, wann wir wieder Verhältnisse haben, wie vor dem 14. März. Wenn auch momentan unter besonderen Hygiene- und Abstandsbedingungen eine Rücknahme der Beschränkungen stattfindet, können wir bis heute noch nicht erkennen, wann das TaM wieder probieren darf, geschweige denn den Vorstellungsbetrieb wieder aufnehmen kann. Arnold Preuß, Leiter des TaM, sagt: „Wir hängen weitestgehend in der Luft und können nur hoffen, dass wir im Herbst wieder starten können. Pläne für den Umgang mit den dann zu erwartenden Bedingungen hinsichtlich Hygiene, Abstand, Zuschauerkapazität, Einlass etc. gebe es genug und eine variable Lösung für den Spielplan 2020/21 haben wir auch. Wir müssen nur erst einmal wieder dürfen.“

„Auch wenn alle Feierlichkeiten für unser 10-jähriges Jubiläum abgesagt sind“, sagt Preuß, „möchten wir doch ein wenig an die aufregende Zeit damals erinnern. Wir haben allen Grund, stolz auf das Erreichte zu sein. Wir alle gemeinsam haben hier in diesem kleinen Schauspielhaus großartiges geschaffen.“

„Die Bilanz von 46 Inszenierungen in 10 Jahren kann sich sehen lassen. Fast immer haben wir vor ausverkauftem Haus gespielt. Bekamen sehr viel Applaus und Lob für unsere künstlerische Arbeit. Unser Theatersaal, unsere Aufführungen und unser Service sind dicke Pluspunkte, die uns ein Stammpublikum beschert haben, dass es uns ermöglichte, dieses Haus auch finanziell zu tragen“, betont Marion Zomerland, die damals gemeinsam mit Preuß als Co-Bühnenleiterin maßgeblich an der Verwirklichung der neuen Spielstätte beteiligt war. Die Öffentlichkeit wurde am 20. November 2009 davon unterrichtet, dass das TaM das Stadttheater (wo es seit 1956 aufgrund einer Entscheidung des damaligen Kulturdezernenten zu Hause war) verlassen werde, um in einer eigenen Spielstätte einen Neuanfang zu wagen. Vorausgegangen war die plötzliche Ankündigung der Stadt, das TaM aufgrund der Haushaltslage finanziell nicht mehr unterstützen zu können. “Wir waren wie paralysiert“, sagt Marion Zomerland, „nach über 50 Jahren sollten wir unsere Spielstätte verlassen. Eine für uns schier ausweglose Situation“. Just zu diesem Zeitpunkt fiel ihr eine Anzeige in einem Anzeigenblatt ins Auge: „Kirchenähnlicher Versammlungsraum zu vermieten.“

„Diese Anzeige leitete die Geburtswehen unseres neuen Theaters ein“, sagt Preuß. „Bei der ersten gemeinsamen Besichtigung war noch nicht viel von einem möglichen Theater zu sehen, viel mehr als eine Baustelle, mit viel Schutt und Dreck war nicht zu erkennen. Kannst Du Dir vorstellen, hier Theater zu spielen mit Bühne, Vorhang und Zuschauerplätzen?“, war die Frage, die unausgesprochen im Raum stand. Nachdem man eine Nacht über die Sache und die räumlichen Eindrücke geschlafen hatte, stand es fest: „Wenn wir es jetzt nicht wagen, werden wir es nie wagen – wir machen es! Hier entsteht ein neues Theater für uns, für unsere Zuschauer, für Wilhelmshaven.“

Nach ausführlicher Beratung im Vorstand und später mit den Bühnenmitgliedern stand der einstimmige Entschluss fest: Herrichtung und Umzug in die neue Spielstätte Kieler Straße 63. „Nachdem uns einstimmig das Vertrauen gegeben wurde, folgten Sie alle unseren teilweisen verrückt erscheinenden Ideen. Was wir uns in unseren unzähligen schlaflosen Nächten auch ausgedacht haben, wir haben gerufen und alle, ja wirklich alle, haben uns vertraut und ihren Fähigkeiten entsprechend unterstützt. Das war eine fürchterlich ungewisse Zeit, die auf der einen Seite unsagbar viel Kraft und Ideenreichtum gefordert hat, aber auf der anderen Seite all unsere Mitglieder unglaublich zusammengeschweißt hat und uns gemeinsam etwas ganz Besonderes erleben lassen hat. Wir haben uns gemeinsam in 10 Monaten eine neue Heimat geschaffen“, blickt Marion Zomerland sehr zufrieden auf die vergangenen zehn Jahre zurück.

In den vergangenen Jahren wurde das TaM immer erfolgreicher. Alle ehrenamtlichen Mitglieder des Theaters leisten auf, neben und hinter der Bühne Unglaubliches, so dass man von auswärtigen Profiregisseuren immer wieder dafür gelobt wurde, dass sie nahezu professionelle Bedingungen in dem kleinen Theaterhaus vorgefunden haben. Das brachte auch oftmals Terminstress, Besetzungsschwierigkeiten, gesundheitlich bedingte Umbesetzungen etc., aber dennoch, das Theater lief wie am Schnürchen. Da bis Corona alles so selbstverständlich lief, ist leider auch so manches Mal ein wenig der gemeinsame kämpferische Zusammenhalt verloren gegangen.

„Und dieser Kampfgeist ist heute wieder gefragt wie damals“, sagen Arnold Preuß und Marion Zomerland unisono. „Wir müssen einen Neustart hinlegen, wir müssen um unser Überleben kämpfen! Das können wir nur gemeinsam. In diesem Jahr müssen wir neue Wege gehen, wahrscheinlich aufgrund von Platz-Einschränkungen längere Aufführungszeiten hinnehmen, vielleicht an ungewöhnlichen Spieltagen und vielleicht auch Orten zur Verfügung stehen, offen sein für Neuerungen“. Dazu haben wir die Hoffnung, dass unsere treuen Zuschauer uns unterstützen werden, damit sie auch in den Folgejahren nicht auf dieses wunderschöne Schauspielhaus verzichten müssen.

In den Wochen des erzwungenen Stillstands haben Zomerland und Preuß ununterbrochen virtuell an Plänen gearbeitet, wie der unglaubliche finanzielle Ausfall der vergangenen Saison aufgefangen werden kann. „Wir wollen es schaffen, unser wunderschönes mit so viel Herzblut erschaffenes Theater in der kommenden Saison vorm Kentern zu schützen“, sagt Preuß. Mit Elke Münch haben wir eine professionelle Regisseurin in unserem Team, die eine große Stütze sei. Sie stelle sich uneigennützig in den Dienst des Theaters am Meer.

Für Marion Zomerland war es übrigens auch sofort klar, dass sie sich in diesen Zeiten wieder voll für das TaM einbringen muss. Preuß und Zomerland rufen gemeinsam den Mitgliedern zu: „Wir beide werden auch jetzt wie damals mit unseren Ideen an Euch herantreten und wir bitten heute, wie vor zehn Jahren, dass Ihr uns und den aktuellen Vorstand in dieser für uns entscheidenden kommenden Saison 2020/21, die hoffentlich im August/September 2020 starten kann, mit aller Kraft unterstützt, damit wir im August 2021 wieder einen Tag der offenen Tür erleben dürfen, bei dem wir erzählen können, wir haben es geschafft, GEMEINSAM haben wir diese existenzbedrohende Krise gemeistert.“