Abonnenten geben viel Kraft und Mut

Anzeiger für das Harlinger Land vom 28. Januar 2021 

Abonnenten geben viel Kraft und Mut

BÜHNE - So geht es dem Theater am Meer während des Lockdowns – Ab Februar laufen digitale Proben

Theaterchef Arnold Preuß sitzt vor der Bühnenkulisse für das Stück „Noog is nich noog“ und macht sich Gedanken um die Zukunft des Theaters am Meer. BILD: Dietmar Bökhaus

Dietmar Bökhaus

WILHELMSHAVEN. (BOE) Arnold Preuß findet deutliche Worte: Zwar erhalte das Theater am Meer viel moralische Unterstützung von den Abonnenten. Doch je länger geschlossen bleiben muss, desto übler sieht es finanziell gesehen für die Niederdeutsche Bühne Wilhelmshaven aus, erklärt der Theaterleiter.

Bundesweit mussten alle Theater erstmals am 15. März im vergangenen Jahr schließen – so auch das Theater am Meer in Wilhelmshaven. Arnold Preuß erinnert sich noch genau an den Tag – denn an diesem war eigentlich die Premiere des Stücks „Honnig in’n Kopp“ geplant. Später, im Sommer, durften dann zwar wieder Vorstellungen unter den Corona-Auflagen stattfinden – doch es habe immer eine leichte Anspannung gegeben, so Preuß.

„Mit einem Drittel der Besucherkapazität konnten wir die Inszenierung ,Mit dien Oogen‘ mit 23 Vorstellungen über die Bühne bringen. Dann konnten wir noch zwei Lesungen aufführen, nämlich ,Love Letters‘ und einen Ringelnatz/Groth-Abend“. Doch dann war Schluss, denn die Spielzeit wurde vom 2. November an erneut unterbrochen – ein Zustand, der nach aktuellem Stand noch bis zum 14. Februar bleiben wird.

„Wir haben in dieser Spielzeit unseren Abonnenten keine Pakete ausgehändigt, weshalb wir keinen Überschuss an Abonnementseinnahmen haben, den wir möglicherweise zurückzahlen müssten“, so Preuß . „Die wenigen Vorstellungen, die wir vom November bis heute geplant hatten und für die schon Karten verkauft waren werden – so der Plan – nachgeholt, sobald wir wieder spielen können.“ Das betreffe auch das Stück „Noog is nich noog“, für das bis eine Woche vor der Premiere noch die Proben liefen. Auch die Lesungen „Love Lettern“ und „Ringelnatz/Groth-Abend“ werden dann wieder ins Programm genommen. Die gelösten Eintrittskarten behalten daher ihre Gültigkeit, so der Theaterchef.

Öffentliche Zuschüsse bekommt das Theater am Meer, dass als Privattheater im Rechtsverhältnis eines eingetragenen Vereins geführt wird, übrigens nicht. „Das Theater gehört zum Niederdeutschen Bühnenbund Niedersachsen, über den wir für bestimmte Zwecke Zuschüsse in geringerem Umfang bekommen.“ Zum Beispiel für den Einsatz von Berufsregisseuren oder für das Jugendtheater. Die Summe liege pro Jahr im unteren vierstelligen Bereich, sagt Preuß .

„Das Personal, also Schauspielerinnen und Schauspieler sowie auch die anderen an den Inszenierungen Beteiligten, bekommt keinerlei Entschädigungen, geschweige denn Gehälter und Löhne“, macht Preuß deutlich. Sämtliche Einnahmen aus dem Spielbetrieb würden im Wesentlichen für die Unterhaltung des Theaters verwendet.

Zweimal habe das Theater Zuschüsse aus Programmen zur Rettung der Kultur bekommen, die 2020 sehr geholfen hätten. „Das lief alles recht unproblematisch.“ Auch hätten Freunde des Theaters, die Abonnenten, auf die gezahlten Eintrittseinnahmen verzichtet und darüber hinaus gespendet. „Aber je länger die Schließung des Theaters dauert und wir keine Einnahmen erzielen, desto mehr kommen wir in finanzielle Schwierigkeiten.“

Und wie sieht es mit den Proben aus? „Während der Theaterschließungen von März bis Juni und ab November konnten wir nicht proben. Bei uns geht es nicht um die Berufsausübung, insofern sind uns da die Hände gebunden.“ Ansonsten hätten sie unter den vorgegebenen Abstands- und Lüftungsvorschriften geprobt. Seit November sei die Theaterschule nicht mehr aktiv gewesen. Die Gruppe hat sich aber einige Male digital getroffen und wird nun ab Februar in wöchentlichem Rhythmus digital am Stück „Hapen“ arbeiten. „ Sobald wir wieder öffnen können, werden wir auch wieder zu den Proben zurückkehren”, so Preuß hoffnungsvoll.

Zwar steht schon fest, dass nach dem Lockdown das Stück „Noog is nich noog“ aufgeführt und auch die beiden Lesungen wieder angeboten werden. „Bei allen anderen Planungen müssen wir aber sehen, wie wir damit umgehen können und wollen. Die derzeitige Lage lässt verbindliche Vorhersagen nur sehr eingeschränkt zu”, sagte der Theaterchef, der weiter ausführte, dass die Inszenierung „Honnig in’n Kopp“ – die ja auch bis zur Generalprobe fertig war – wieder in den Spielplan aufgenommen werden soll. Allerdings geht das nur, wenn auch wieder personenmäßig solch große Stücke aufgeführt werden dürfen. „Am liebsten natürlich schon in der nächsten Spielzeit.“

Die Abonnenten hätten für die Maßnahmen vollstes Verständnis gezeigt und versichert, dass sie sofort ins Theater kommen, wenn wieder gespielt wird. „Das gibt uns sehr viel moralische Unterstützung, Kraft und Mut, diese Pandemie zu überwinden. Wir freuen uns auf den Wiederbeginn.“ Und Preuß hofft, dass das nicht mehr so lange dauern wird. Denn das Niederdeutsche Theater gehöre seit fast 90 Jahren zum Kulturleben Wilhelmshavens, sei eine der ältesten Einrichtungen und in seiner Art als Schauspielhaus an der Kieler Straße einmalig. „Wir tun alles, um unser Haus halten zu können.“

Mehr Informationen: www.theater-am-meer.de