Halsbreken Grappen (NDE)

Niederdeutsche Erstaufführung

HALSBREKEN GRAPPEN

(Ein Sommerabend im Wintergarten - Dangerous Obsession)
Kriminalthriller von Norman J. Crisp, Deutsch von Renate und Christian Quadflieg
Niederdeutsch von Arnold Preuß

Inszenierung: Günter Boye
Bühnenbild: Günter Boye

Bühnenbildbau: Walter Borraß, Alfred Christoffers, Erwin Hildebrandt
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Bühnentechnik: Klaus Panka, Sönke Kiewitt, Siegfried Margowski,
Günter Newerla, Gesienus Thomas
Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Inspizientin: Helga Borraß
Souffleuse: Anne Hillers
Requisiten: Angelika Lauxtermann

Rollen und Darsteller
Jan Garrelts - Michael Hillers
Silvia Dresen - Marion Zomerland
Martin Dresen - Arnold Preuß

Jan Garrelts (Michael Hillers) ist zu allem entschlossen, auch auf Martin Dreesen (Arnold Preuß) zu schießen

WILHELMSHAVENER ZEITUNG VOM 13. FEBRUAR 1995

Publikum auf spannenden Psychotrip geführt

Premiere des Drei Personen Kriminalthrillers "Halsbreken Grappen" im Stadttheater

Von Ernst Richter

Zu dem getragenen Musikstück "Valse Tristesse" von Jean Sibelius öffnet sich der Vorhang und gibt den Blick frei auf einen exklusiven Wintergarten im Landhausstil mit Hausbar und einladendem Sitzensemble. Durch die Fenster wandert der Blick über den blühenden Hausgarten auf eine reizvolle Sommerlandschaft. Vögel zwitschern. Eine friedvolle Stimmung, die Dämmerung wird sich demnächst einstellen. Hier in dem alten Kapitänshaus residiert das gut betuchte Ehepaar Silvia und Martin Dreesen. Silvia im Badedreß und leichtem Negligé ist damit beschäftigt, die Zimmerpflanzen zu gießen. Ab und zu nimmt sie auch selbst einen Schluck an der Hausbar.

Auf einmal ist diese ruhevolle Idylle dahin. Ein Fremder betritt durch die Terassentür den Raum. Dieser ungebetene Gast Jan Garrelt stellt Fragen. Zunächst belanglos. Silvia hält ihn anfangs für einen Vertreter und weist ihm die Tür. Der Mann geht zunächst auch, kehrt aber umgehend zurück, schließt die Terrassentüre ab und versteckt den Schlüssel. Unheil droht. Die Situation scheint brenzliger zu werden. Der Fremde erinnert an einen gemeinsam verbrachten Abend. bei dem viel getrunken wurde. Silvia mußte später eingestehen, richtig besoffen gewesen zu sein. Die Kontroverse flackert auf. Endlich kommt ihr Mann Martin nach Hause. Zu dritt wird die Unterhaltung fortgesetzt und mit Longdrinks alkoholisch aufgeheizt.

Der bis dahin gepflegte Umgangston wird zunehmend bissiger, ironischer und direkter. Plötzlich zieht der Fremde einen Revolver aus seiner Tasche, richtet ihn auf Martin Dreesen. Zwei Schüsse krachen. Das Glas in der Hand des Hausherrn zersplittert. Die zweite Kugel reißt ein Bild von der Wand. So endet der erste Akt des plattdeutschen Kriminalthrillers "Halsbreken Grappen".

Am Freitag war Premierenvorstellung der Niederdeutschen Bühne Wilhelmshaven im Stadttheater.In der Pause rätselt das Publikum, wie das Stück wohl weitergeht, was passieren wird. Der Engländer N. J. Crisp hat das Kriminalstück "Dangerous Obsession" geschrieben, in Hochdeutsch übertragen von Renate und Christian Quadflieg mit dem Titel ..Ein Sommerabend im Wintergarten", plattdeutsch übersetzt von Arnold Preuß. Eigentlich ist es eher ein Psycho- , denn ein Kriminalthriller, den Günter Boye als Speelbaas inszeniert hat. Das Ehepaar Silvia und Martin Dreesen spielen Marion Zomerland und Arnold Preuß, den ungebetenen Gast Jan Garrelt stellt Michael Hillers dar. Alle drei bieten in diesem Dialogstück, das vor der Pause streckenweise Hörspielcharakter hat, eine profihafte Bühnenleistung.

Arnold Preuß kniet sich mit Bravour und Vehemenz in seinen Part, der damit an einigen Ecken einer gewissen Situationskomik nicht entbehrt, während Michael Hillers als Jan Garrelt fast immer ein wenig zu cool bleibt. Man möchte ihm zurufen, Junge kehre ein bißchen die Gefühle dieses Jan Garrelt nach außen, spiele sie unverkrampft aus. Marion Zomerland trifft genau das Wesen dieser ausdrucksvollen Rolle der Silvia Dreesen, gestaltet sie charmant und packend mit den wechselvollen, empfindlichen Reaktionen einer jungen Frau. Wie es im zweiten Akt weitergeht, darf hier mit Rücksicht auf die kommenden Theaterbesucher nicht verraten werden. Auf alle Fälle wird es nach der Pause dramatisch. Menschliche Schwächen werden aufgedeckt, eingestanden und ein Unfall aufgeklärt.

"Halsbreken Grappen" wurde vor einem Jahr von der Niederdeutschen Bühne Osterholz Scharmbeck aufgeführt. Dort erlebte Arnold Preuß die spannende Aufführung und nahm sie prompt ins Programm der Wilhelmshavener Bühne auf. Und weil Preuß als Bühnenleiter selbst so gern Theater spielt, schlüpfte er auch in die Rolle des Martin Dreesen hinein. Das lebendige Bühnenbild bauten Walter Borraß, Arnold Christoffers und Erwin Hildebrandt, Ausstattung Angelika Lauxtermann. Mit diesem Krimi wird die Wilhelmshavener Bühne am 17. Februar in Oldenburg beim Niederdeutschen Theatertreffen gastieren. Außerdem will sich die Niederdeutsche Bühne damit um den Willy-Beutz-Schauspielpreis bewerben. Dafür hat sie übrigens noch zwei weitere Eisen im Feuer, nämlich die Studio Produktion ,.Josef und Maria" von Peter Turrini und "Bottervagels sünd free" von Leonard Gershe aus der vergangenen Spielzeit.

Martin (Arnold Preuß) ist mit den Nerven am Ende, kann Silvie (Marion Zomerland) ihm helfen

JEVERSCHES WOCHENBLATT vom 14. Februar 1995

"Halsbreken Grappen" ein spannungsreicher Thriller

Niederdeutsche Bühne präsentierte anspruchsvolle Aufführung

Von Jutta Schmidt

Wilhelmshaven. Atemlose Stille herrschte am Freitag abend zeitweise im Zuschauerraum des Stadttheaters, als die Niederdeutsche Bühne ihren Kriminalthriller ,.Halsbreken Grappen" aufführte. Zwei Stunden lang saßen die Besucher wie gebannt auf ihren Plätzen und verfolgten mit immer steigender Spannung. was sich vor ihnen auf der Bühne abspielte. Und so war es auch nicht verwunderlich, daß das Publikum noch Sekunden, nachdem der Schlußvorhang gefallen war, in Anspannung verharrte, bis tosender Beifall die Stille durchbrach.

Mit "Dangerous Obsession", so der englische Titel des Krimis, gab der Schriftsteller Norman J. Crisp 1985 Sein Debüt als Bühnenautor. Sein Stück wurde mit großem Erfolg am Forme Theatre in London und schließlich an vielen englischen Provinzbühnen aufgeführt. Renate und Christian Quadtlieg übertrugen diesen Thriller ins Deutsche und machten daraus .,Einen Sommerabend im Wintergarten". Aber damit nicht genug, auch Arnold Preuß von der Niederdeutschen Bühne war von dem Stück begeistert, übersetzte es schließlich ins Niederdeutsche und machte daraus "Halsbreken Grappen".

Halsbreken Grappen" ist eine Kriminalgeschichte. die bei den Betreffenden an Grenzen körperlicher und seelischer Belastungen stößt. Ein Thriller, dessen Verlauf nicht annähernd erahnt werden kann. alle möglichen Thesen, die sich der Zuschauer während der Aufführung über den Ausgang des Krimis vielleicht schon gemacht hatte, werden schließlich wie eine Luftblase zerplatzen. Es sollte ein Wochenende zu zweit werden. das Silvia und Martin Dreesen (Marion Zomerland und Arnold Preuß) gemeinsam in ihrer wunderschönen alten Kapitänsvilla mit Wintergarten verbringen wollten. Aber plötzlich werden sie durch einen unbekannten Mann gestört. Der Fremde erpuppt sich als Jan Garrelts (Michael Hillers). den sie vor Wochen auf einer Tagung in Kiel kennengelernt haben.

Man freut sich über den Besuch, trinkt ein Gläschen zusammen, in der Hoffnung. daß der Besucher bald wieder verschwindet. Aber ohne daß das Ehepaar Dreesen es merkt, werden sie Gefangene in ihrer eigenen Villa, und Jan Garrelt fängt an, Fragen zu stellen, die von Silvia und Martin nur widerwillig beantwortet werden. dringen sie doch weit in die Intimsphäre eines jungen Ehepaares ein. Der scheinbar depressive Besucher setzt die Beiden mit seinen Fragen systematisch unter Druck, bis sie nur noch ein nervliches Bündel sind. Ein Autounfall. in den die Frau von Jan Garrelt verwickelt war. spielt dabei eine große Rolle. Als die ersten Schüsse fallen. wird klar. in welcher gefährlichen Situation sich die Dreesens befinden. Der am Anfang so souverän aufgetretene Geschäftsmann Martin Dreesen und seine aparte verwöhnte Frau werden angesichts der ihr vorgehaltenen Pistole von Jan Garrelt zu Menschen, die sogar auf die Knie fallen und um ihr Leben kämpfen. ein dramatischer Kampf beginnt.

Arnold Preuß begnügte sich nicht damit. eine Niederdeutsche Fassung zu schreiben, sondern er schrieb sich den Part des Martin Dreesen förmlich auf den Leib. Seine Darstellung des Martin Dreesen, der vom selbstbewußten Geschäftsmann abgleitet zu einem Menschen, der in die Enge getrieben wird, der vor Garrelt auf Knien kriecht und um sein Leben bettelt, war eine Meisterleistung. Seine Gestiken und Mimiken brachten seine Ängste zum Ausdruck und gingen unter die Haut. Aber auch Marion Zomerland war wie geschaffen für die Rolle der Silvia Dreesen. Mit ihren schauspielerischen Leistungen war sie eine hervorragende Ergänzung zu Arnold Preuß.

Großen Eindruck hinterließ ebenfalls Michael Hitlers als Jan Garrelts beim Publikum. Seine Interpretation des unheimlichen Besuchers, der Fragen stellte, als habe er das Recht über diese beiden Menschen und dessen Handeln zu urteilen, wurde mit Spannung verfolgt. Denn letztendlich geht es in dem Stück um die Bedeutung des moralischen Grundsatzes: "Wir müssen alle die Verantwortung für die Konsequenzen unseres eigenen Handelns übernehmen." Doch wer weiß schon im voraus seines Handelns. mit welchen Konsequenzen er eines Tages zu rechnen hat.

Wie das Schicksal Konsequenzen herausfordern kann. zeigt "Halsbreken Grappen". Ein packender, psychologischer Thriller, der von den Niederdeutschen meisterhaft interpretiert wurde. Wer eine seichte plattdeutsche Aufführung erwartet, sollte zu Hause bleiben, hier wird anspruchsvolles Niederdeutsches Theater gezeigt.


Silvie (Marion Zomerland) findet Jan (Michael Hillers) auf Dauer sehr langweilig und will ihn loswerden

NORD-WEST-ZEITUNG

Cooler Fremder im Wintergarten

Erstaufführung des Thrillers "Halsbreken Grappen" im Wilhelmshavener Stadttheater

Von Ernst Goetsch

Wilhelmshaven. Frau Silvia jung und schön und reich sonnt sich im sommerlichen Wintergarten. Doch ihr Feierabendfrieden im Nobelheim währt nicht lange. Ein Schatten der Vergangenheit zieht ein in Gestalt des mysteriösen Herrn Jan. Der hat im Gegensatz zu anderen Gästen nicht Blumen oder Konfekt mitgebracht, sondern einen Ballermann! Und diesen Ballermann richtet er gegen den heimkehrenden Hausherrn Martin.

Das Publikum im Wilhelmshavener Stadttheater darf 45 Minuten, fast einen ganzen Akt lang, darüber grübeln. was denn der coole Fremde eigentlich will. Erpressung'.' Nötigung? Rache? Warum? Weshalb? Wieso . . .? Erst nach der Pause kommt Schicht um Schicht des Pudels Kern zu Tage. Und wenn das Publikum glaubt, nun vollends klarzusehen, hagelt es noch einen Gag und noch einen . . . Denn Mr. N. J. Crisp, der Autor dieses Verwirrungs- und Droh- Spiels, ist ein perfekter Hochspannungselektriker.

Im englischen Original ("Dangerous Obsession") machte Mr. Crisps Schocktherapie Furore, in der hochdeutschen Fassung des Übersetzerpaares Renate und Christian Quadfieg ("Sommerabend im Wintergarten") schlug sie gleichfalls gut ein. Nun aber sprechen die Crisp-Figuren dank Übersetzer Arnold Preuß plötzlich Mundart und präsentieren "Halsbreken Grappen" frei übersetzt: "gefährlich-verrückte Einfälle".

Wenn nicht alle diese Einfälle auf Anhieb zünden, so liegt das u. a. an der Eigenart des Niederdeutschen, dessen unverschnörkelte, sehr "direkte" Sprache nicht immer voll jene intellektuelle Härte und Sprödigkeit zu vermitteln vermag, die mit der englischen respektive hochdeutschen Zunge des dämonischen Herrn Jan ins Spiel kommt.

Zum anderen bleibt (auch bei Handlungsfortgang) spürbar, daß Regisseur Günter Boye nur für zwei der drei Rollen eine rundum zufriedenstellende Besetzung gefunden hat. Marion Zomerland gibt eine "genervte" Silvia zwischen Entsetzen und Aufbegehren mit überzeugenden Ausdrucksmitteln; Arnold Preuß als unmittelbar gebeutelter Hausherr biegt und windet sich gleichfalls respektabel. Doch der unheimliche Gast (Michael Hillers) bleibt fast den ganzen Abend über etwas blaß. Offensichtlich hat Hillers Furcht, den Gerechtigkeitsfanatiker Jan allzu psychopathisch erscheinen zu lassen. Regisseur Boye hätte ihm Mut machen sollen, etwas mehr und etwas öfter die coole Art seines Agierens zu überspringen.

Das Publikum quittierte das wechselvolle Spiel von einem der auszog, andere das Fürchten zu lehren, mit langem Beifall. Am heutigen Freitag (17. Februar, 19.30 Uhr, Cäcilienschule) werden die "Halsbreken Grappen" aus Wilhelmshaven im Rahmen des Niederdeutschen Theatertreffens auch den Oldenburgern vorgeführt.

Hier wird gleich scharf geschossen, oder nicht? (v.l. Arnold Preuß, Marion Zomerland, Michael Hillers)

Dat Verlegenheitskind (3. WA)

3. Wiederaufführung (4), davor 1952/53, 1964/65 und 1977/78 gespielt

DAT VERLEGENHEITSKIND

Lustspiel in drei Akten von Jens Peter Asmussen

Inszenierung: Jürgen Tapken
Bühnenbild: Jürgen Tapken

Bühnenbildbau: Walter Borraß, Alfred Christoffers, Erwin Hildebrandt
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Bühnentechnik: Klaus Panka, Sönke Kiewitt, Siegfried Margowski,
Günter Newerla, Gesienus Thomas
Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Inspizient: Anne Hillers
Souffleuse: Helga Lauermann
Requisiten: Angelika Lauxtermann

Rollen und Darsteller
Amandus Quandt - Horst Karstens
Katrin, seine Frau - Karin Heyel
Hein, ihr Sohn - Thorsten Könnecke
Peter Brandt, Bauer - Horst Jönck
Gesche, seine Frau - Heidi Rausch
Evchen, ihre Tochter - Petra Loschen
Hans Wickenhusen, Briefträger - Heinz Zomerland
Emma Meier - Rowitha Wunderlich
Mali, ihre Tochter - Dagmar Grube
Jan, Gehilfe bei P. Brandt - Michael Hillers

Amandus (Horst Karstens) umschwärmt Mali (Dagmar Grube), etwas verdutzt nicht das Katrin (Karin Heyel) zur Kenntnis.

WILHELMSHAVENER ZEITUNG UND GRODEN POST

Ein Feuerwerk schlagkräftiger Pointen

Premiere bei der Niederdeutschen Bühne: "Dat Verlegenheitskind" erhielt viel Beifall

Von Ernst Richter

Entspannen war am zweiten Weihnachtsfeiertag angesagt. Man streckt sich in die Theatersessel. Erwartet keine Probleme. Möchte sich nur unterhalten lassen. Die Niederdeutsche Bühne am Stadttheater Wilhelmshaven bringt "Dat Verlegenheitskind" een lustig Spill in dree Töörns van Peter Asmussen auf die Stadttheaterbühne. Das Ensemble steckt die weihnachtlichen Wunderkerzen an. Brennt einen deftig fröhlichen Schwank ab, der von ständig wiederkehrenden Lachsalven aus dem Parkett begleitet wird.

Allein das Bühnenbild macht Lust auf sonnige Tage auf dem Lande zwischen Blumen, gemütlicher Häuslichkeit und einladenden Holzbänken. Der Blick schweift über die Landschaft, welch eine Idylle, auf die Bühne gestellt von Sönke Kiewitt, Michael Müller, Siegfried Margowski und Gesinus Thomas. Wenn da nur nicht diese garstige Katrin das Kommando über ihren Mann Amandus Quandt führen würde. Die beiden (gespielt von Karin Heyel und Horst Karstens) sind hier nämlich zu Hause, zusammen mit ihrem Sohn Hein (dargestellt von Thorsten Könnecke). Der Amandus Quandt entwickelte bäuerliche Schläue und erfand eine Tochter aus vorehelicher Zeit, um seine Saufdiäten um 150 Mark pro Monat aufbessern zu können.

Evchen (Petra Loschen) und Hein (Thorsten Könnecke) sind sie bald ein Paar?

Ganz im Gegensatz dazu ist sein Freund und Nachbarsbauer Peter Brandt (in Szene gesetzt von Horst Jönck), eher ein wenig begriffsstutzig. Dessen Frau Gesche (gespielt von Heidi Rausch) hat nicht nur Haare auf den Zähnen, sie weiß auch den Besen bedrohlich zu schwingen, um ihrem Kommando Nachdruck zu verleihen. Natürlich haben sie auch ein hübsches Töchterlein Evchen (Petra Loschen), auf das der Briefträger Hans Wickenhusen (Heinz Zomerland) ganz scharf ist.

Das Verlegenheitskind Mali wird mit viel Chic und Charme von Dagmar Grube verkörpert. Dessen Mutter Emma Meier wird von Roswitha Wunderlich dargestellt. Bleibt zu nennen noch Michael Hillers als Jan, Knecht bei den Brandts. So entwickelt sich ein die Lachmuskeln erschütternder Schwank, über den sich schon Väter und Urväter der heutigen Theatergeneration halb totgelacht haben. Da wird ein richtiges Feuerwerk an Situationskomik und schlagfertigen Pointen unter der erfrischenden Regie von Jürgen Tapken aufgetischt. Das Publikum darf gespannt bleiben, bis sich der Schlußvorhang schließt.

Immer wieder gibt es überraschende Wendungen in der verzwickten Handlung um die außereheliche Tochter, die es eigentlich gar nicht gibt, die dann aber doch plötzlich leibhaftig vor Amandus Quandt steht. Die Komplikationen nehmen kein Ende. Und wer nach dem zweiten Akt dachte, die Handlung sei nun wohl gelaufen, den erwartet nach dem Pausenschampus die letzte Überraschende Aufklärung.

Das Laienspiel Ensemble agierte durchaus profihaft. Ein paar Unsicherheiten beim Text konnten nicht ablenken. Die gute Laune sprang zum Publikum über, das die Mitwirkenden mit anhaltendem Beifall verabschiedete.

Hans Wickenhusen (Heinz Zomerland) bringt nicht nur die Post für Katrin (Karin Heyel) mit - er hat auch ein Auge auf Evchen geworfen.

Die weiteren Aufführungen sind am 8., 14., 15., 27. und 28. Januar, Beginn jeweils um 20 Uhr; am B. und 15. Januar wird auch um 15.30 Uhr im Stadttheater gespielt sowie am 19. Januar im evangelischen Gemeindehaus Sande, am 20. Januar in der Aula der AgnesMiegel Schule in F'groden (jeweils Beginn 20 Uhr) und am 29. Januar ab 19.30 Uhr im Theater auf der Werft in Papenburg.

Arsenik un ole Spitzen (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

ARSENIK UN OLE SPITZEN

(Arsen und Spitzenhäubchen)
Komödie in drei Akten von Joseph Kesselring
Plattdeutsch von Konrad Hansen

Inszenierung: Albrecht C. Dennhardt
Bühnenbild: Albrecht C. Dennhardt
Regieassistenz:: Wilma Welte

Bühnenbildbau: Alfred Christoffers, Walter Borraß, Erwin Hildebrandt,
Sönke Kiewitt, Karl-Heinz Goldenstein, Gesienus Thomas, Günter Newerla, Siegfried Margowski und Klaus Panka
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Requisiten: Angelika Lauxtermann
Inspizientin: Margot Andrews-Jäkel
Maske: Anke Schluppkotten
Souffleuse: Luise Pampuch

Rollen und Darsteller
Abelke Brauer - Brigitte Halbekath
Martha Brauer - Hanna Christoffers
Martin Brauer, Neffe - Michael Kever
Willem Brauer, Neffe - Ralf-Rüdiger Brauer
Jonas Brauer, Neffe - Manfred Janßen
Dr. Einstein - Günter Boye
Pastor Harder - Horst Jönck
Ellen Harder, Pastor Harders Tochter - Petra Loschen
Herr Göbel - Günter Jaedeke
Herr Grünspan - Karl-Heinz Schröder
Herr Runkel - Ingo Folkers
Herr Klein - Rolf-Peter Lauxtermann
Herr Brodersen - Claus Miehlke

Ist er nun Wilhelm II oder nicht? (Ralf-Rüdiger Bayer)

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Englischer Humor auf niederdeutsch

Viel Beifall für "Arsenik un oole Spitzen"

von Ernst Richter

Schwarzer Humor made in England wird in der Kriminalkomödie "Arsenik un oole Spitzen" groß geschrieben. Wer gedacht hatte, die hochdeutsche Fassung von "Arsen und Spitzenhäubchen" des Autos Joseph Kersselring könnte, von Konrad Hansen ins Plattdeutsche übertragen, nicht die gleiche Situationskomik bieten, der wurde am Sonntagabend eines Besseren belehrt, als die Premiere von "Arsenik un oole Spitzen" im Stadttheater über die Bühne ging. Inszeniert hat das Stück als Gast Albrecht C. Dennhardt für die Niederdeutsche Bühne am Stadttheater Wilhelmshaven. "Arsenik un oole Spitzen" bietet alles, was das Publikum von einer echten Kriminalkomödie erwarten darf: Spannung, gewürzt mit Komik und überraschenden Effekten, dazu Humor der englischen Art. Albrecht C. Dennhardt machte aus diesem Stück keinen platten Schwank, keinen Klamauk, sondern achtete auf Spielwitz und gelungene Charakterdarstellung. Dabei behielt er die Zeit im Auge: knapp zwei Stunden dauert diese mit vielen Turbulenzen angereicherte Handlung.

Wer kennt sie nicht, die beiden liebenswerten, schrulligen alten Tanten, die einem Dutzend älterer Herren den Weg in die Ewigkeit abgekürzt und im Keller ihres Hauses begraben haben. Brigitte Halbekath und Hanna Christoffers verkörpern bravourös die Schwestern Abelke und Martha. Mit verständnisvollem Schmunzeln gehen sie ihrer Arbeit nach und streiten sich bestenfalls darum, ob sie nun zwölf oder dreizehn Leute ins Jenseits befördert haben. Neffe Wilhelm, gespielt von Ralf Rüdiger Bayer, wähnt sich als Kaiser Wilhelm, trägt eine entsprechende Uniform und stürmt zur Attacke davon. Da ist dann noch der normale Neffe Martin, dem Michael Kever in seiner ersten großen Bühnenrolle sehr plastisch und mit geschickter Mimik Gestalt verleiht. Er ist Zeitungsmann, wittert hier großes Unheil und möchte seine Zukünftige von allem Gruseligen fernhalten. Petra Loschen schlüpfte in die Rolle der Verliebten und doch sehr bestimmt reagierenden Ellen, Tochter von Pastor Harder, den Horst Jönck übernahm.

Der dritte Neffe im Bunde ist Jonas, ein Fremdling im Hause der Brauers, der auch seine zwölf Morde auf dem Kerbholz hat und mit Dr. Einstein aus dem Gefängnis geflohen ist. Im Reisegepäck führen sie einen weiteren Toten mit sich. So kommt es zu haarsträubenden Verwechslungen. Manfred Janßen stellt diesen Jonas als furchterregende Dracula Figur mit rostiger Stimme und immer weit aufgerissenen Augen dar. Den Part des verschrobenen Doktors übernahm Günter Boye. Die Polizei wirkt recht einfältig und tritt nur zögerlich in Aktion. Als Polizisten mit und ohne Uniform erscheinen auf der Bildfläche Claus Miehlke als Brodersen, Rolf Peter Lauxtermann als Kelin und Ingo Folkers als Runkel. In weiteren erheiternden Rollen agieren Günter Jaedeke als Göbel und Karl Heinz Schröder als Direktor Grünspan.

Die Niederdeutsche Bühne hat für diese Inszenierung ein homogenes Ensemble aufgeboten, das die Erwartungen mehr als nur erfüllt. Dazu bauten Walter Borraß, Alfred Christoffers und Erwin Hildebrandt das passende Bühnenbild, die gute Stube der 20er Jahre mit Plüsch un oole Spitzen. Am Ende applaudierte das Publikum anhaltend.

Abelke (Brigitte Halbekath, re) und Martha (Hanna Christoffers) umgarnen ihren
Neffen Martin (Michael Kever)

JEVERSCHES WOCHENBLATT

Englischer, Krimi ist auf platt ein Vergnügen

Niederdeutsche Bühne begeisterte mit ihrer jüngsten Inszenierung "Arsenik un oole Spitzen" / Die Darsteller erhielten tosenden Schlußapplaus

(js) Wilhelmshaven. Eine ganz besondere Art von schwarzem Humor servierte am Sonntag abend die Niederdeutsche Bühne im Stadttheater. Mit "Arsenik un oole Spitzen" kam eine äußerst köstliche Kriminalkomödie zur Aufführung, die das Publikum mit Begeisterung aufnahm. Immer wieder wurden die Zuschauer zum Applaus auf offener Szene hingerissen, und mit tosendem Schlußbeifall dankten sie den Niederdeutschen für diese hervorragende Darstellung der kurios heiteren Mörderkomödie. Was im Hochdeutschen schon eine großer Erfolg ist, kann im Plattdeutschen nur noch erfolgreicher sein. Und so ist es auch nicht verwunderlich, daß das Theater und Filmvergnügen "Arsen und Spitzenhäubchen" in plattdeutscher Sprache übersetzt wurde. Während die englische Fassung von Joseph Kesselring stammt, zeigt sich für die niederdeutsche Konrad Hansen verantwortlich. 'Für die Regiearbeit konnte die Niederdeutsche Bühne ein weiteres Mal den Berufsschauspieler und Regisseur Albrecht D. Deenhardt gewinnen, der "Arsenik un oole Spitzen" bereits in Brake mit Erfolg inszeniert hatte.

Sie sind wohl die friedvollsten, freundlichsten und hilfsbereitesten Damen weit und breit. Ihr Haus strahlt Ruhe und Frieden aus und gleicht doch bei näherem Hinsehen einem Irrenhaus. Die beiden Hausdamen Abelke und Martha Brauer, hervorragend dargestellt von Hanna Christoffers und Brigitte Halbekath, handeln aus reinster Nächstenliebe, wenn sie ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Morden, nachgehen. Mittlerweile haben sie ein Dutzend voll. Wie kleine Kinder freuen sie sich, wenn sich wieder ein Opfer, ein älterer Herr ohne Familienangehörigen, in ihrem Haus verirrt hat. Zur Begrüßung gibt es ein Glas Flederbeerwien mit Arsenik. Der im Haus wohnende, leicht angeschlagene Neffe Wilhelm, brillant dargestellt von Ralf Rüdiger Bayer, ist für die Beseitigung der Leichen zuständig. Wilhelm hält sich für Kaiser Wilhelm II. und widmet sich ganz seinem Kanalbau im Keller. Hier verbuddelt er auch in geheimer Mission die angeblich an Thyphus verstorbenen Herren. Mit seinen Attacke Rufen und Trompeteneinlagen hatte er die Lacher schnell auf seiner Seite.

Mit der Ruhe und dem Frieden im Hause Brauer ist es vorbei, als der zweite verrückte Neffe auftaucht. Jonas Brauer, meisterhaft grausam dargestellt von Manfred Janßen, nistet sich mit seinem Freund Dr. Einstein (Günter Boye) und einem Toten im Gepäck gegen den Willen von Abelke und Martha bei seinen alten Tanten ein. Neffe Wilhelm hält Dr. Einstein für den Großadmiral Tirpitz und nimmt ihn mit in den Keller, was ungeahnte Folgen hat. Mit Bravour meisterte Michael Kever seine erste große Rolle. Als normaler Neffe Martin hat er alle Hände voll zu tun, seine Tanten vor dem Gefängnis zu bewahren, Jonas dort hinzubringen und Kaiser Wilhelm nach Holland ins Exil zu schicken, besser gesagt, Wilhelm im Heim Abendsonne unterzubringen. Bis auch die liebenswert schrulligen Tanten Abelke und Martha sich auf den Weg in das Heim begeben, müssen noch manche Familienangelegenheiten geklärt werden. Denn als Jonas schließlich hinter die Machenschaften seiner Tanten kommt, will auch er seine Leiche im Keller verbuddeln. Abelke und Martha wehren sich energisch gegen dieses Vorhaben. Mit zwölf Grabstellen sei ihr Keller voll. Für eine 13. Leiche ist kein Platz und schon gar nicht für eine fremde. Doch Jonas Leiche kommt in den Keller. Und so steht es 12:12. Aber die freundlichen Damen schaffen auch noch die Nummer 13 und das Publikum schaut mit einem Lächeln auf den Lippen genüßlich zu. Weitere Darsteller diese sehenswerten Kriminalgeschichte sind Pastor Harder (Horst Jönck), Martins Braut Ellen (Petra Loschen), die begriffsstutzigen Polizisten Brodersen (Claus Miehlke), Klein (Rolf Peter Lauxtermann) und Runkel (Ingo Folkers) sowie Günther Jaedeke als Göbel.


Dr. Einstiein (Günter Boye) hat Jonas (Manfred Janssen)  noch  mehr verunstaltet, Bruder Willem (Ralf-Rüdiger Bayer)  ist entsetzt

Laat us endlich anfangen! (NDE)

Niederdeutsche Erstaufführung

LAAT US ENDLICH ANFANGEN

(Laßt uns endlich anfangen! - Steppin out)
Komödie von Richard Harris,
Deutsch von Frank - Thomas Mende,
Niederdeutsche Bearbeitung von Arnold Preuß

Inszenierung: Arnold Preuß
Bühnenbild: Arnold Preuß
Choreographie Susanne Mittmann

Bühnenbildbau: Alfred Christoffers, Walter Borraß, Erwin Hildebrandt,
Sönke Kiewitt, Karl-Heinz Goldenstein, Gesienus Thomas, Günter Newerla, Siegfried Margowski und Klaus Panka
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Requisiten: Angelika Lauxtermann
Inspizientin: Anke Schluppkotten/Anne Hillers
Souffleuse: Karin Heyel/Brigitte Halbekath

Rollen und Darsteller
Vera - Roswitha Wunderlich
Linda - Alexandra Wegener
Silvia - Maike Michalczyk
Marlies - Wilma Welte
Dorothea - Katrin Schmidt
Rosi - Margot Andrews-Jäkel
Maxi - Helga Lauermann
Andi - Marion Zomerland
Georg - Jürgen Tapken
Fro Freese - Hildegard Steffens


Das Ensemble in der Schlusspose von "Laat us endlich anfangen!"

Wilhelmshavener Zeitung vom 26. September 1994

Niederdeutsche steppte in neue Saison

Komödie "Laat us endlich anfangen" mit Schwung und Situationskomik aufgeführt

Von Ernst Richter

Zwei Schritte vor, einen zurück, Spitze, Hacke eine Drehung, Arme schwenken und lächeln. Die Bühne wird zum Tanzstudio für eine Laiengruppe, die den Steptanz mit Ausdauer und Beharrlichkeit probt. Das wird zu einem abendfüllenden Thema. Und wer ganz genau vom bequemen Parkettsessel zugeschaut hat, der bekam theoretisch die erste Lektion in Sachen Steptanz gratis mit und kann vor dem heimischen Spiegel probieren, wie es um sein Steptalent bestellt ist. Die Niederdeutsche Bühne am Stadttheater Wilhelmshaven eröffnete die Spielzeit 1994/95 mit dem doppeldeutigen Titel "Laat us endlich anfangen".

Die englische Komödie "Stepping out" von Richard Harris wurde von Frank Thomas Mende übersetzt und ins Plattdeutsche von Arnold Preuß übertragen, der auch als Speelbaas die Regie übernahm. So begann die Niederdeutsche Bühne mit einer niederdeutschen Erstaufführung.

Der ersten Schritte fallen am schwersten

Es wird auf der Bühne nicht nur gesteppt. Dazwischen läuft mehr als "nur so nebenbei" eine Parabel über zwischenmenschliches Verhalten ab. Neun Damen und ein Mann haben ihre eigenen Probleme, die vor und nach den Übungsstunden in den Vordergrund treten. Zeitweise werden diese ernsten bis heiteren Gefühlsaufwallungen von dem Übungseifer der Truppe überlagert. Insgesamt betrachtet entsteht aber doch ein vielseitiges Bild menschlicher Charaktere, vorgetragen mit viel Situationskomik.

Da ist Marlies (Wilma Welte), die Gruppenleiterin, die trotz ihrer eigenen Probleme sehr diszipliniert den Steptanz trainiert und die Gruppe zusammenhält. Die attraktive Vera (Roswitha Wunderlich) hat in vielfacher Beziehung einen Puztfimmel. Linda (Alexandra Wegener) ist Krankenschwester und möchte sich die Sorgen um die Patienten einmal für ein paar Stunden von der Seele tanzen. Silvia (Maike Michalczyk) nimmt das Leben lässig und läßt in Sachen Männer wohl nichts anbrennen. Dorothea (Kathrin Schmidt) hat Minderwertigkeitskomplexe, die ihr das Leben manchmal zur Hölle machen.

Rosi (Margot Andrews Jäkel) hat keine Probleme mit sich und der Welt, sie bringt treffsicher ihre sarkastischen Pointen und weiß sich als "ulkige Nudel" sehr plastisch in Szene zu setzen. Maxi (Helga Lauermann) wirkt gedanklich immer "auf Achse", stets geschäftige Hilfsbereitschaft signalisierend. Andi (Marion Zomerland) ist sehr in sich gekehrt und ein wenig verliebt in Georg (Jürgen Tapken), den einzigen Mann dieser Gruppe, der aber recht unbeholfen als "Hahn im Korb" reagiert. Und "last not least komplettiert Hildegard Steffens als meistens mißverstandene und pessimistisch veranlagte Klavierspielerin Fro Freese das gut aufeinander eingespielte Ensemble.

Für die eine ist der Ubungsraum ein Fahrradschuppen für die andere eine Oase in dei Alltagshektik. So begegnen sich die unterschiedlicher Charaktere zum gemeinsamen Training. Das Theaterpublikum lugt wie durch eine große Glasscheibe, die Vera immer wieder blankputzt, auf menschliche Verhaltensweisen, die in geschickten Gleichgewicht zwischen ernsten und heiteren Dialogszenen gehalten werden.

Die Regie (Arnold Preuß) hat den Text auf zwei Spielstunden komprimiert und fast zu einer Boulevardkomödie stilisiert. Den rasanten Schlußunkt setzen die "Marlies Törner Stepdancers" auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung mit einer tollen Stepnummer. Für die Choreographie zeichnet Susanne Mittmann verantwortlich. Das in teressante Bühnenbild bauten Walter Borraß, Alfred Christoffers und Erwin Hildebrandt. Mit viel Beifall wurde das Ensemble der Niederdeutschen Bühne vom Premierenpublikum am Sonntagabend verabschiedet.

Im Üburngssaal ist es kalt oder warum wird so mit Pelzklamotten geprotzt?

Peper un Solt (2. WA)

2. Wiederaufführung (3), davor 1954/55 und 1973/74 gespielt

PEPER UN SOLT

Volksstück in drei Akten von Karl Bunje

Inszenierung: Arnold Preuß
Bühnenbild: Arnold Preuß

Bühnenbildbau: Walter Borraß, Alfred Christoffers, Erwin Hildebrandt
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Bühnentechnik: Klaus Panka, Sönke Kiewitt,
Siegfried Margowski, Günter Newerla, Gesienus Thomas
Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Inspizientin: Anke Schluppkotten
Souffleuse: Karin Heyel
Requisiten: Angelika Lauxtermann

Rollen und Darsteller
Gerd Bödeker, Landmaschinenbau - Horst Jönck
Lisbeth, seine Tochter - Petra Loschen
Marie Peters, Inhaberin einer Pension - Brigitte Halbekath
Theda, ihre Tochter - Alexandra Wegener
Kathrin, Hausgehilfin bei Peters - Margot Andrews-Jäkel
Cord Jaspers, Maschinenbauer - Michael Kever
Eggert Pannenborg, Buchhalter - Jürgen Tapken
Jochen Schlarmann, Nachtwächter - Klaus Aden
Ewald Precht, Reisender in Schmierölen - Manfred Janßen

Wem gehört das Kind, das ist hier die Frage (v.l. Manfred Janßen, Jürgen Tapken, Alexandra Janßen, Hanna Christoffers, Petra Loschen)

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Humorvolle Breitseiten gefeuert

"Peper un Solt": Gelungene Premiere der Niederdeutschen Bühne

Von Ernst Richter

Die fünfte und damit letzte Premiere der Niederdeutschen Bühne Wilhelmshaven in der Spielzeit 1993/94 "knallte" am vergangenen Samstag über die Bühne des Stadttheaters, heftig unterstützt von anhaltendem Szenen- und Schlußapplaus des Publikums. "Peper un Solt", Volksstück in drei Aufzügen von Karl Bunje, steht auf dem Programm. Erinnern wir uns, nach "Een Joghurt för twee", nach "De Kunnerlüür", nach "Rut ut de Puschen" und "Bottervagels sünd free" gibt es mit diesem altbewährten Schwank einen unkomplizierten Nachschlag.

Es durfte gelacht und gewitzelt werden. Das Publikum hatte keine Denkaufgaben zu lösen, es konnte zuschauen und sich amüsieren über die neun Mitwirkenden, die im Rampenlicht eines gut gestellten Bühnenbildes ihre Querelen miteinander ausfochten. Das machte Stimmung. "Peper un Solt" wurde nicht nur von dem Fabrikanten Gerd Bödeker auf den Achtersteven eines mutmaßlichen Eindringlings in dunkler Nacht abgefeuert, "Peper un Solt" ging auch als humoristische Breitseit-Salven auf das Publikum los.

Der schüchterne Eggert (Jürgen Tapken) ist schon lange in Theda (Alexandra Janßen) verliebt

Alle guten Dinge sind drei: Arnold Preuß mußte als Speelbaas in große Fußstapfen treten, denn "Peper un Solt" wurde von der Niederdeutschen Bühne Wilhelmshaven bereits in den Spielzeiten 1952/53 und 1973/74 sehr erfolgreich aufgeführt. Nein, ein kleines Malheur gab es diesmal nicht, wenn der Nachtwächter Jochen Schlarmann seinen allmorgendlichen Pannkoken verzehrt. Es sollten auch keine Vergleiche zu den vorausgegangenen Inszenierungen gezogen werden. Die Handlung führt in die Pension von Frau Peters in einer norddeutschen Kleinstadt und direkt in den Empfangsraum. Türe links, Türe geradeaus und Türe rechts. Dazwischen ein herrlicher Ausblick auf die grüne Kleinstadtidylle.

Klappt eine Türe zu, geht die andere auf. Das Wechselspiel bringt Überraschungen und ist manchmal schon richtig verwirrend. Und als dann noch ein Baby ins Spiel kommt, geraten fast alle aus dem Häuschen. Da ist der Fabrikant Gerd Bödeker, den Horst Jönck prachtvoll bärbeißig auf die Bühne bringt. Dessen Tochter Lisbeth wird von Petra Loschen gespielt, die mit einem Baby heimkommt, von dem Vatern zunächst aber nichts wissen soll. So übernimmt zunächst Tochter Theda der Pensionsinhaberin Marie Peters die mütterliche "Schande" ein uneheliches Kind ins Haus gebracht zu haben. Alexandra Wegener spielt äußerst aufgedreht diesen Part.

Die Rolle der Mutter und Pensionsinhaberin Marie Peters wird sehr resolut von Brigitte Halbekath ausgefüllt. Was wäre die Handlung, gäbe es da nicht den umsichtigen, schlitzohrigen Nachtwächter Jochen Schlarmann, den Klaus Aden bravourös und augenzwinkernd in Szene setzt. In turbulenter Spiellaune präsentiert sich Manfred Janßen als gut aufgelegter und ständig singender Ewald Precht, seines Zeichens Reisender in Sachen Schmieröl. Er ist es am Ende dann auch, der mit viel Gejammere zum Ergötzen des Publikums die "Peper un Solt" Ladungen verschmerzen muß.

Nicht ganz so humorig agiert Margot Andrews Jäkel als Pensions Hausmädchen Kathrien. Der Maschinenbauer Cord Jaspers wird von Michael Kever dargestellt, und Jürgen Tapken spielt den verliebten Buchhalter Eggert Pannenbrog.

Am Ende lösen sich die Verwicklungen äußerst happy. Die neun Lüü bieten zwei Stunden heitere Entspannung mit einer Neuauflage von "Peper un Solt", eines Evergreens der niederdeutschen Theaterliteratur, an dem sich bereits Generationen labten. Das ansehnliche Bühnenbild bauten Walter Borraß, Alfred Christoffers, Siegfried Margowski, Günter Newerla, Gesienus Thomas und Ulrich Weiß.


He hett´n Ladung Peper in´n Moors kregen - Manfred Janßen alias Ewald Precht, Reisender in Schmierölen

Bottervagels sünd free (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

BOTTERVAGELS SÜND FREE

(Butterflies are free - Schmetterlinge sind frei)
Stück von Leonard Gershe
Deutsch von Sibylle Hunzinger
Plattdeutsch von Heide Tietjen

Inszenierung: Arnold Preuß
Bühnenbild: Arnold Preuß

Bühnenbildbau: Alfred Christoffers, Walter Borraß, Erwin Hildebrandt,
Sönke Kiewitt, Karl-Heinz Goldenstein, Gesienus Thomas, Günter Newerla, Siegfried Margowski, Ulrich Weiß, Ulrich Schmidt und Klaus Panka
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Requisiten: Angelika Lauxtermann
Inspizientin: Anne Hillers
Souffleuse: Petra Loschen, Alexandra Wegener

Rollen und Darsteller
Tim Becker - Michael Hillers
Silvie Tanner - Elke Theesfeld a.G.
Flora Becker - Luise Pampuch
Ralf Anders - Arnold Preuß

Silvie (Elke Theesfeld) und Tim (Michael Hillers) sind Nachbarn

WILHELMSHAVENER ZEITUNG UND GRODEN POST

Blinder Mann fängt süßen Schmetterling

Niederdeutsche Bühne mit großem Premierenerfolg von "Bottervagels sünd free"

Von Ernst Richter

Während bei zahlreichen Veranstaltungen der Karneval auch in Wilhelmshaven in Blüte stand, bot die Niederdeutsche Bühne am Samstag mit der Premierenvorstellung "Bottervagels sünd free" ein heiteres, manchmal schön sentimentales sowie hier und da auf die Tränendrüsen drückendes Kontrastprogramm. Das Stück ist als Film mit dem Originaltitel "Butterflies are free" von Leonard Gershe aus den USA nach Deutschland gekommen.

Sibylle Hunzinger besorgte die deutsche Ubersetzung, Heide Tietjen übertrug den Text ins Plattdeutsche. Mit viel Erfolg wurde "Bottervagels sünd free" bisher am Ernst Waldau Theater in Bremen und von der Niederdeutschen Bühne Neumünster gespielt, jetzt wird das Stück von der Niederdeutschen Bühne Wilhelmshaven aufgeführt: Premiere in Niedersachsen.

Ursprünglich sollte "Johanninacht" auf dem Spielplan erscheinen, mußte aber wegen Erkrankung auf die nächste Spielzeit verschoben werden. "Bottervagels sünd free" wurde von Arnold Preuß in Szene gesetzt. Die Bühne (Bau: Walter Borraß, Alfred Christoffers und Erwin Hildebrandt) führt in eine Mansardenwohnung, in der der von Geburt an blinde Tim Becker zwei Monate sein eigenständiges Leben erprobt, um sich damit endgültig von seiner Mutter abzunabeln.

Das Premierenpublikum erlebt Michael Hillers in der Rolle dieses blinden jungen Mannes Tim Becker, wie er auf seinem Hochbett hockt, die Gitarre spielt und ein Lied singt. Diese behutsamen Töne werden plötzlich von dröhnender Rockmusik aus dem Nachbarapartment "erschlagen". Tim hämmert an die Wand und bittet seine Nachbarin, die Musik doch etwas leiser zu stellen. So kommt es zur ersten Begegnung zwischen Tim und Silvia, die als besonders hübscher Schmetterling temperamentvoll und mit viel Charme von Elke Theesfeld (Gast von der Niederdeutschen Bühne Jever) dargestellt wird. Daraus wird sehr schnell eine Liebesbeziehung solange, bis Tims Mutter eintritt um nachzuschauen, ob es ihrem Sohn Timmi auch an nichts fehlt.

Tims Problem ist nicht seine Blindheit, sondern seine Mutter. Die Handlung, das zarte Antasten der beiden jungen Menschen Tim und Silvia, das Entdecken seiner Blindheit, die er zunächst geschickt verborgen hält, wird abrupt unterbrochen von dem rigorosen, zynisch bis arroganten Agieren Tims Mutter, der Luise Pampuch glaubhafte Gestalt gibt. Die Auseinandersetzung um Leben und Lebensstil, um die Behausung und diese in den Augen der Mutter recht zweifelhaften jungen Frau besitzt bissige Schlagfertigkeit, ist tragikomisch und vielleicht auch ein kleines Schulbeispiel dafür, wie sich Mütter manchmal gegenüber ihren erwachsenen Kindern aufführen, die sie nicht in ihr selbständiges Leben entlassen wollen. Es gibt einen Riesenkrach, der von Michael Hillers und Luise Pampuch in einer Paradeszene voll ausgereift wird und das Publikum fesselt.

Doch, so hartherzig kann letztlich keine Mutter sein. Sie ist schließlich bereit, ihren Sohn so zu akzeptieren, wie er ist, wie er werden will. Da nimmt die Handlung erneut eine überraschende Wendung. Als vierte Person erscheint der ehemalige Freund Ralf Anders, um Silvia mitzunehmen, Arnold Preuß ist in diesem kurzen Auftritt auf der Bühne. Es gibt einen gefühlvollen Abschied. Zurück bleibt Tim mit seinem Kummer und der Gitarre. Leise singt er seine Melodie, die Tür öffnet sich, Silvia ist zurückgekehrt. Happyend mit viel Beifall und anhaltendem Premierenapplaus.

Die nächsten Aufführungen sind am kommenden Freitag, 18. Februar, um 20 Uhr sowie am Sonntag, 20. Februar, um 15.30 und 20 Uhr. Außerdem wird "Bottervagels sünd free" noch mehrmals im Stadttheater sowie im Gemeindehaus Sande und in der Agnes Miegel Schule in F'groden gespielt.

Eine Aufführung, die weit über das Maß einer unterhaltsamen Komödie hinausgeht, die Atmosphäre vermittelt und schauspielerische Qualitäten einer Laienbühne bietet.

Beim "Picknicken" kommen sie sich näher (Elke Theesfeld, Michael Hillers)

NORD-WEST-ZEITUNG

Auch als heimische Falter effektvoll

Leonard Gershes "Butterflys are free" auf Niederdeutsch im Stadttheater Wilhelmshaven

Von Ernst Goetsch

Wilhelmshaven. Am Anfang steht eine Art Unabhängigkeitskrieg, am Ende ein herzhafter Hauch von Kinomärchenglück. Und dazwischen wirbelt, verführerisch Wünsche weckend, ein Schmetterling ein flatterhafter Falter namens Silvia. Mansardennachbar Tim kann diesen Falter Silvia zwar nicht sehen, denn er ist seit seiner Geburt blind, aber die närrisch sprudelnde Art dieser temperamentvollen Nachbarin macht auch ihn freier, optimistischer. Fragt sich nur, wie lange Tims Verzauberung und Silvias Zuneigung anhalten werden.

Das gab's schon einmal (vor 25 Jahren im Kino, vor 20 Jahren auf Tourneebühnen, so unter anderem 1974 im Kleinen Haus Delmenhorst bei einer Aufführung mit Amadeus August als Blindem, mit Evelyn Grassmann als Schmetterling und Inge Meysel als Mama). Und das kommt jetzt wieder nicht minder effektvoll, aber anders im Stadttheater Wilhelmshaven. Denn inzwischen hat Heide Tietjen Sibylle Hunzingers hochdeutsche Bühnenfassung des amerikanischen Originals ("Butterflys are free") mit Gespür für gediegen ernsthafte Untertöne in Mundart übersetzt. Und die Niederdeutsche Bühne Wilhelmshaven ist die erste Bühne Niedersachsens, die die "Butterflys" des Leonard Gershe als heimische "Bottervagels" präsentiert.

Respekt gebührt dieser Wilhelmshavener Produktion. Denn Regisseur Arnold Preuß ist es gelungen, den Rührstückeffekt des Werkes von Gershe einzudämmen, den harten (nämlich sehr ernsten) Kern des Vierakters in real wirkenden Dialogblöcken zu signalisieren. Da steht mit Michael Hillers als Tim kein träumerisch Versponnener im Raum; da trifft Elke Theesfeld als scheinbar indifferente Silvia durchaus tiefere Töne von Nachdenklichkeit, und Luise Pampuch als Tims scheinbar rigoros reglementierende Mutter schafft überzeugend den Sprung von besitzverwaltendem Matriarchat zu allmählichem Verständnis für den Unabhängigkeitsdrang des Sohnes.

Arnold Preuß hingegen (für Inszenierung und Ausstattung sorgend) bleibt als Darsteller in der kleinen Rolle des großspurigen Silvia Gefährten Ralf vergleichsweise blaß. Der Versuchung zu sentimentalen Aufsetzern haben die Wilhelmshavener weitgehend widerstanden. Streckenweise gewann das Boulevardstück von Gershe in dieser Mundartfassung die Ausdruckstiefe eines Kammerspiels nicht zuletzt auch durch den Umstand, daß in niederdeutscher Sprache viele analytische Passagen rundum den Blinden und seinen Schmetterling ungleich weniger penetrant dozierend wirken als dementsprechende hochdeutsche Formullegen.


Flora (Luise Pampuch) ist entsetzt, wie ihr Sohn Tim (Michael Hillers) lebt und noch dazu in unmittelbarer Nachbarschaft von dem Flippy Silvie (Elke Theesfeld)

Rut ut de Puschen (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

RUT UT DE PUSCHEN

Musical in drei Akten von Heinz Wunderlich
Musik von Wolfgang Pappenburg
Niederdeutsch Heinz Busch

Inszenierung: Albrecht C. Dennhardt
Bühnenbild: Albrecht C. Dennhardt
Kostüme: Christine Saurbier
Musikalische Leitung: Michael Reininghaus

Bühnenbildbau: Alfred Christoffers, Walter Borraß, Erwin Hildebrandt,
Sönke Kiewitt, Karl-Heinz Goldenstein, Gesienus Thomas, Günter Newerla, Siegfried Margowski, Ulrich Weiß, Ulrich Schmidt und Klaus Panka
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Requisiten: Marga Goldenstein
Inspizientin: Helga Borraß, Anke Schluppkotten
Souffleuse: Hildegard Steffens

Rollen und Darsteller
Karl Assmann, Schiffsingenieur - Wilfried Pampuch
Theo Körner, Schiffsmaschinist - Horst Karstens
Carla Gerdes, Pensionsbesitzerin - Roswitha Wunderlich
Frl. Kühl - Helga Lauermann
Frau Fürst - Wilma Welte
Frl. Blume - Marion Zomerland
Frau Kron - Heidi Rausch
Anna, Zimmermädchen - Kathrin Schmidt
Edgar Erich Nelke - Claus Miehlke

Musiker:
Michael Reininghaus (Klavier), Günter Jaedeke (Akkordeon),
Ingo Folkerts (Schlagzeug)


Das Bühnenbild zeigt die wunderschöne Pension

WIHELMSHAVENER ZEITUNG UND GRODEN POST

Wenn Theo auf dem Tisch tanzt, tobt der Saal

Das Musical "Rut ut de Puschen" hatte bei der Niederdeutschen Bühne Premiere

Von Ernst Richter

Wer hätte das vermutet: Hinter dem Titel "Rut ut de Puschen" verbirgt sich ein spritziges, humorgewürztes und parodierendes Musical, das mit zündenden Melodien das Publikum in Schwung bringt. Am Premierenabend am zweiten Weihnachtstag herrschte im Stadttheater vorweggenommene Silvesterstimmung. Was den Erfolg dieser Inszenierung verdoppelt, ist die Tatsache, daß dieses Musical ohne eine gewaltige Ausstattung mit Glitzer und Glamour, ohne Ballett und Showeffekte auskommt. Es ist das Ensemble, das mit Spielbegeisterung seine Möglichkeiten voll und profihaft ausreizt und das Publikum im Handumdrehen mitreißt.

Die Handlung dieses Musicals textete Heinz Wunderlich, plattdeutsch von Heinz Busch, die Musik komponierte Wolfgang Poppenberg. In dem Schauspieler Albrecht C. Dennhardt als Gastregisseur hält die Niederdeutsche Bühne einen weiteren Trumpf in der Hand. Die Musik machen Michael Reininghaus (Klavier), Günter Jaedeke (Akkordeon) und Ingo Folkers (Schlagzeug). Ein Trio, das mit dezentem Sound den musikalischen Rahmen produziert, in dem sich die witzige und ausgesprochen heitere Handlung in der Alterspension "Trauter Winkel" abspielt.

Dort wohnen die vier Damen Fräulein Kühl (Helga Lauermann), Frau Fürst (Wilma Welte), Frau Kron (Heidi Rausch) und Fräulein Blume (Marion Zomerland), betreut und streng bewacht von der Pensionsinhaberin Carla Gerdes (Roswitha Wunderlich). Der Alltag ist trist wie die Kleidung der Pensionärinnen. Türen öffnen, Türen schließen sich.

Theo (Horst Karstens) becirct alle Bewohnerinnen (Wilma Welte, Marion Zomerland, Heidi Rausch v.l.)

Doch dann erscheinen der Schiffsingenieur Karl Assmann (Wilfried Pampuch) und der Schiffsmaschinist Theo Körner (Horst Karstens). Beide haben sich in dem "Trauten Winkel" einquartiert. Die Pensionsdamen fangen Feuer, und wenn Theo auf dem Tisch tanzt, dann stimmen sie im Chor "Hut ab vor Theo" an, und beim Publikum im Saal breitet sich grenzenlose Heiterkeit aus. Nicht zu vergessen ist die Pensionshilfe Anna (Kathrin Schmidt), die sich zu einer echten Stimmungskanone entwickelt, besonders wenn sie ein paar Gläschen zuviel konsumiert hat. Dazu gesellt sich dann noch der schnieke und auf das Geld der Pensionsdamen scharfe EdgarErich Nelke (Claus Miehlke).

Karl (Wilfried Pampuch) geht dem feinen Pinkel Edgar-Erich (Claus Miehlke) an die Gurgel

Ob es nun der "Vitamin Song" oder "Der Tango der späten Jahre" oder zum Finale die phantasievolle Kutschfahrt in die Pfingstfeiertage ist, die Songs gehen in die Beine und werden mit Applaus auf offener Szene für die gutaufgelegten singenden Schauspielerinnen und Schauspieler begleitet. Walter Borraß, Alfred Christoffers und Erwin Hildebrandt bauten ein realistisches Bühnenbild, das den Empfangs und Speisesaal der Pension "Trauter Winkel" darstellt.

Die weiteren Aufführungen sind am 18. und 20. Februar sowie am 6., 11. und 13. März; am 24. Februar wird in Sande und am 25. Februar in der Agnes Miegel Schule in F'groden gespielt. Wer Freude an einem unkomplizierten musikalischen Spaß hat, darf diese Aufführung der Niederdeutschen Bühne Wilhelmshaven nicht verpassen.

Natürlich gehören auch Tänze zu einem Musical (von rechts Marion Zomerland, Wilma Welte, Heidi Rausch, Helga Lauermann, Horst Karstens, Wilfried Pampuch (halb verdeckt)

De Kunnerlüür oder Goot smeert is half wunnen (NDE)

Uraufführung (13.11.1993)

DE KUNNERLÜÜR ODER GOOT SMEERT IS HALF WUNNEN

Komödie in fief Töörns van Arnold Preuß nach Nikolei Gogol "Der Revisor"

Inszenierung: Georg Immelmann
Bühnenbild: Marion Eiselé
Kostüme: Christine Saurbier
Regieassistenz: Luise Pampuch

Bühnenbildbau: Alfred Christoffers, Walter Borraß, Erwin Hildebrandt, Sönke Kiewitt, Karl-Heinz Goldenstein, Gesienus Thomas, Günter Newerla, Siegfried Margowski, Ulrich Weiß, Ulrich Schmidt und Klaus Panka
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Requisiten: Helga Borraß
Inspizientin: Helga Borraß
Souffleuse: Annchen Warrings-Konken

Rollen und Darsteller
Asmus Ansmann, Stadthauptmann - Arnold Preuß
Anna Ansmann, sien Fro - Christine Fein
Maria Ansmann, sien Dochter - Petra Loschen
Friedrich Lamken, Richter un Schoolinspektor - Manfred Janßen
Karl Specketer, Postmeistser un Sükenhuusverweser - Horst Jönck
Peter Hansen, Grootbuer - Klaus Aden
Peter Nansen, Grootbuer - Horst Karstens
Jans Schlünsen, de Kunnerlüür - Jürgen Tapken
Ossi, sien Dener - Wilfried Pampuch
Ahrens, Kramer - Ralf-Rüdiger Bayer
Matten, Dener - Klaus Panka
Kellner - Günter Jaedeke
1. Wachtmeister - Heinz Zomerland

Assmann (Arnold Preuß, li) hält Schlünsen (Jürgen Tapken, Mitte) für einen berüchtigten Kontrolleur, das glauben auch Klaus Aden und Wilfried Pampuch

NORD-WEST-ZEITUNG vom 15.11.1993

Ein Windbeutel kassiert ab

Gogols "Revisor" als "Kunnerlüür" zurückgekehrt Uraufführung

Von Ernst Goetsch

Wilhelmshaven. Ein "Kunnerlüür" was ist das? Zu Hochdeutsch: Ein Kontrolleur, ein Visitator, ein von der Obrigkeit Entsandter. Einer, der bis in den letzten Winkel der allertiefsten Provinz hinein erkunden soll, ob die lieben Untertanen auch alle eine reine Weste haben. Was geschieht, wenn so ein Mann von ganz oben überraschend ganz unten einsteigt, hat Nikolaj Gogol, der ukrainische Dichter, vor 157 Jahren ebenso komisch griffig wie zeitsatirisch in seinem "Revisor" auf die Bühnenbretter der Welt genagelt: Ein Windbeutel düpiert die korrupte Gesellschaft einer russischen Kleinstadt, beutet sie aus, indem er kein Abgesandter, sondern nur ein zufällig vor Ort gestrandeter Hasardeur! die Honoratioren ausnimmt wie die Martinsgänse.

Bei der "Uraufführung" der Niederdeutschen Bühne Wilhelmshaven am vergangenen Sonnabend feierte dieser "Revisor" des Jahrgangs 1836 fröhliche Urständ als Mundart sprechender "Kunnerlüür", der bedrohlich störend in den Scheinfrieden einer norddeutschen Kleinstadt des ausgehenden 19. Jahrhunderts (so etwa um 1880) einbricht einer, der sich schmieren läßt von jenen, die sich selbst durch Schmiergelder ihrer Schutzbefohlenen nach oben gerobbt haben. Der rotbefrackte "hohe Herr" aus der fernen Residenz kassiert ab, turtelt und tändelt und verzieht sich, bevor ruchbar werden kann, daß er, der vermeintliche "Kunnerlüür" nur ein armer Hund ist, der durch Liebedienerei der furchtsamverschreckten Kleinstadtungeheuer zu hemmungsloser Unverfrorenheit getrieben worden ist.

Arnold Preuß Leiter der Niederdeutschen Bühne, Übersetzer und Autor hat Gogols "Revisor" herzlich-deftig oldenburgischen Zungenschlag verliehen, die Satire des Ukrainers bis in pralldralle Schwankgefilde gelenkt, Gogols Figurenkabinett halbiert, die Originalfassung erheblich reduziert, aber wesentliche Handlungsstränge (und Aussagen!) des Entlarvungsschriftstellers einbezogen.

Georg Immelmann (Intendant der Landesbühne Nord) widerstand als Gastregisseur des Mundarttheaters offensichtlich der Versuchung, die auf augenzwinkernden Schwank getrimmten Grundtöne der Preuß-Version durch allzuviel feinnervige Charakterisierung zu veredeln. Aber er machte den Spielern hurtig Beine, streute ein paar szenische Glanzlichter (Auftritt des "dösig" umwerfenden Großbauernpaares!) bei, hielt auf Tempo, auf Quirligkeit. Und die Rahmengestalter (Bühnenbildnerin Marion Eisele, Kostümbildnerin Christine Sauerbier) setzten anheimelnde, geschmackvoll stimmungsträchtige Tupfer drauf.

Angesichts so reizvoll offerierter Vordergründigkeit nahm das Publikum keinen Anstoß an der arg schrill geratenen Einstiegs Brüllerei des "Kunnerlüürs" (Jürgen Tapken), der schließlich doch noch die komödiantisch angemessene Kurve kriegte. Auch die zum Ende hin abfallende darstellerische Präsentation des Hauptgegenspielers (Arnold Preuß als Stadthauptmann zunächst präzise real, schließlich etwas weniger überzeugend akzentuiert) wurde schmunzelnd gnädig registriert. Die frisch fröhliche Zustimmung am Ende jedes der fünf kurzgemachten Aufzüge galt, wie auch der üppige End Applaus allen , die sich da redlich mühten, die rustikale Nachdichtung von Preuß zündend über die Rampe zu bringen.

Schlünsen (Jürgen Tapken, li) ein hervorragender Blender,  die anderen - Christine Fein, Petra Loschen, Arnold Preuß, Manfred Janßen und Horst Jönck) fallen auf ihn herein.

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 15. November 1993

"Kunnerlüür" als klassischer Schwank

Uraufführung der Niederdeutschen Bühne vom Publikum mit viel Beifall aufgenommen

Von Barbara Schwarz

De Kunnerlüür kam auf die Bühne des Stadttheaters. Asmus Ansmann heißt er, ist Stadthauptmann in einer ungenannten Kleinstadt fern der Hauptstadt und lebte etwa zu jenen Zeiten, als Wilhelmshaven gegründet wurde. Arnold Preuß, Leiter der Niederdeutschen Bühne am Stadttheater Wilhelmshaven, schrieb sich den Kunnerlüür nach dem Vorbild von Nicolai Gogols Anton Antonowitsch Skwosnik Dmuchanowski aus der Komödie "Der Revisor" auf den Leib. Preuß, der bereits fünf teils klassische, teils boulevardeske Komödien ins Niederdeutsche übersetzte, steht mit seiner Gogol Adaption in bester niederdeutscher Tradition. Paul Schurek hat mehrere Gogol Stücke ins Niederdeutsche übertragen; unter anderem "Die Heirat".

Um Gogols vielschichtigen "Revisor", den die Landesbühne im Januar 1978 mit Claus Hofer und Barbara Dembeck zum letzten Mal spielte, mit dem Ensemble der Niederdeutschen Bühne überhaupt verwirklichen zu können, mußte Preuß straffen und vereinfachen. Aus dem Schulrektor und dem Kreisrichter, aus dem Postmeister und dem Hospitalverwalter wurden je eine Person. Viele Rollen, vor allem die der Frauen, hat er ganz gestrichen, die der unterjochten Stadtbewohner in einer einzigen Person, dem Kramer Ahrens, zusammengefaßt. Herausgekommen ist eine farbige, pralle Komödie, die unter Georg Immelmanns lockerer, einfallsreicher, pointierter Regie ein nahezu klassischer Schwank wurde, dessen Höhepunkte mehr im ersten Teil des Stücks liegen.

Die Grootbuurn Hansen und Nansen sind urkomisch (Horst Karstens, Klaus Aden)

Über dessen Aktualität braucht man gar nicht erst lange, zu grübeln, liegen Schubladen und Amigo Affairen noch ganz nahe. Und die ewig menschlichen Schwächen wie Dummheit, Eitelkeit und Bestechlichkeit gehören zu den Themen klassischer Komödien Molieres "Tartuffe" über Kotzebues "Kleinbürger" bis hin zu Sternheims "Hose". Hübsch verpackt in russischgrünen Unter und Hintergrund (Bühne Marion Eisele) und schmucke zeittypische Kostüme (Christine Sauerbier), dazu wunderbar ausgeleuchtet, kam Preuß' niederdeutscher Revisor "De Kunnerlüür" beim Premierenpublikum ebensogut an, wie sein eigenes Spiel. Gelungen hier besonders jene Szenen, in denen er als Stadthauptmann Macht und Herrschsucht ausspielen darf.

Wunderbare Rollen hat Preuß auch für Manfred Janßen als hundezüchtenden Richter und Schulinspektor Friedrich Lamken und Horst Jönck als überaus neugierigen, herumwieselnden Postmeister und Sükenhuusverweser Karl Specketer geschaffen. Beide füllen ihre Rollen mit hintergründigem Humor. Klaus Aden und Horst Karstens als Grootbuuern Peter Hansen und Peter Nansen bereiten als clowneskes Komiker Duo rundherum Freude. Jürgen Tapkens Kunnerlüür Jan Schlünsen ist weitaus selbstbewußter und weniger schüchtern als Gogols Chlestakoff. Ein durchtriebener Gauner, der hier die Kleinstadt Größen an der Nase herumführt. Sein Diener Ossi ist in der Gestalt von Wilfried Pampuch ein naher Verwandter des plietschen Tüffelhannes. Zum munteren Spiel tragen auch Christine Fein und Petra Loschen als Anna und Maria Ansmann, Ralf Rüdiger Bayer als wackerer Kramer Ahrens, Klaus Panka als Diener Matten, Günter Jaedeke als Kellner und Heinz Zomerland als Wachtmeister bei.

Chameur Schlünsen (Jürgen Tapken) umgarnt die ganze Familie Assmann (Christine Fein, Arnold Preuß und Petra Loschen)

Een Joghurt för twee (WE)

Oldenburgische Erstaufführung

EEN JOGHURT FÖR TWEE

(The starving rich, Ein Joghurt für zwei)
Boulevard-Komödie von Stanley Price
Plattdeutsch von Heiko Hundt

Inszenierung: Horst Jönck
Bühnenbild: Carl Ransleben
Regieassistenz Luise Pampuch

Bühnenbildbau: Alfred Christoffers, Walter Borraß, Erwin Hildebrandt, Sönke Kiewitt, Karl-Heinz Goldenstein, Gesienus Thomas, Günter Newerla, Ulrich Weiß und Klaus Panka
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Requisiten: Marga Goldenstein
Inspizientin: Anne Hillers
Souffleuse: Berta Brinkhoff

Rollen und Darsteller
Eva Siemann - Maike Michalczyk
Peter Fischer - Klaus Aden
Hildegard Fischer - Hildegard Steffens
Georg Mansing - Karl-Heinz Schröder
Kutte Kaminski - Wilfried Pampuch
Dr. Schmalkopf - Friedrich Müller
Diätköchin - Hanna Christoffers
Inspektor Kalmus - Rolf-Peter Lauxtermann

Kutte (Wilfried Pampuch) bedroht das Ehepaar Fischer (Hildegard Steffens und Klaus Aden)

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Mit viel Situationskomik und Temperament

Niederdeutsche Bühne in Spielfreude bei der Boulevard Komödie "Een Joghurt för twee"

Von Ernst Richter

Wilhelmshaven. Premiere bei der Niederdeutschen Bühne am Stadttheater Wilhelmshaven mit der Boulevard Komödie "The starving Rich" oder "Un Yaourt pour deux" von Stanley Price, als "Een Joghurt för twee" aus dem Englischen ins Plattdeutsche übertragen von Heiko Hundt. Es handelt sich übrigens um eine Wilhelmshavener Erstaufführung, die in fünf Akten serviert wird. Die Regie führt Horst Jönck. Es kann durchaus sein, daß sich im zahlreich gekommenen Premierenpublikum viele Leute befanden, die selbst eine oder mehrere Aufenthalte in Kurkliniken oder Erholungsheimen hinter sich gebracht haben. Die werden sich hier und da vielleicht an eigene Kurerlebnisse erinnern können. Die Handlung spielt in einem Kursanatorium, in dem fettleibige Patienten auf ihr Normalgewicht getrimmt werden sollen.

Zeit zum Abschalten vom Alltagskram, zurücklehnen und genießen: Die Handlung führt in das gemütlich eingerichtete Einzelzimmer des Geschäftsmanns Peter Fischer, der sich hungernd durch die Kurzeit quält und dennoch ein scharfes Auge auf Schwester Eva geworfen hat, obwohl auch seine Frau Hilde im selben Haus kurt. Der Hunger ist gewaltig, vorsorglich steht auf dem Rasen des Sanatoriums das Schild "Essen verboten", und sogar der Gang zum "stillen Örtchen" wird zu einem "therapeutischen Happening".

Das wäre bis dahin ja alles noch ganz normal, bekäme da nicht dieser Peter Fischer urplötzlich Besuch von dem "Quetscher", einem ausgebrochenen Ganoven, mit dem er nun sein een Joghurt teilen muß. Das gibt natürlich komplizierte Verwicklungen, Situationskomik ist Trumpf. Mehr kann und soll dazu nicht verraten werden, denn "Een Jughurt för twee" wird weitere siebenmal im Stadttheater und je einmal in F'groden, in Sande und in Papenburg gespielt. Allen Besuchern soll die Spannung erhalten bleiben.

Klaus Aden spielt mit List und Schläue den Immobilienmakler Peter Fischer. Nie um eine Ausrede verlegen, schafft er es, sich augenzwinkernd auch den brenzlichsten Situationen zu entziehen. Hildegard Steffens geht als Hilde Fischer nachsichtig mit ihrem kurenden Mann um, sie ist von Chefarzt Dr. Schmalkopf begeistert. Maike Michalczyk gefällt als Diätschwester Eva Siemann nicht nur dem Patienten Peter Fischer, sie bringt "das gewisse Etwas" in die Handlung ein, ohne das eine Boulevard Komödie atmosphärisch Fehlanzeige wäre. Keß und gut aufgelegt ist sie eine echte Evastochter. Friedrich Müller übernimmt die Rolle des Chefarztes Dr. Schmalkopf. Es ist nicht nur der weiße Arztmantel, der ihm Autorität verschafft. Friedrich Müller avanciert zum personifizierten Chefarzt, der in jeder echten Kurklinik glatt durchgehen würde.

Mit dem Auftauchen von Wilfried Pampuch als Kutte Kaminski alias "Der Quetscher" kommt Schwung in die Handlung. Pampuch gibt dem Ganoven Kaminski lebendige und durchaus auch sympathische Züge. Das Publikum freut sich mit ihm, wenn es gelingt, dem Arm des Gesetzes ein Schnippchen zu schlagen. Und dieses Gesetz wird repräsentiert von Inspektor Kalmus, den Rolf Peter Lauxtermann mit kriminalistischem Fingerspitzengefühl und stoischer Gelassenheit auf die Bühne bringt.

Sie (Hildegard Steffens) möchte Sport treiben, er (Klaus Aden) lieber nicht

Karl Heinz Schröder spielt den Mitpatienten Georg Manning, der es auf Peter Fischers "eiserner Ration" die Schokoladenriegel abgesehen hat und mit ihm das MonopoliSpiel pflegt. Seinen großen Auftritt, sozusagen als Racheakt, hat Georg Manning in der Schlußszene. In einem amüsanten Zwischenakt spielt Hanna Christoffers die Diätköchin der Klinik, als sie dem Patienten Peter Fischer begegnet, der mit geschientem Arm wie der "einarmige Geiger" es auf das Gemüse abgesehen hat, das die Diätköchin in einem Wagen vor sich herschiebt. Sie dagegen möchte den flotten Karl Fischer ein wenig in ihre Nähe ziehen. Dieses komödiantische Duett löst große Heiterkeit beim Publikum aus.

Horst Jönck läßt als Speelbaas dem Ensemble viel Aktionsraum. Das Bühnenbild vermittelt ein nicht ganz stilechtes Patientenzimmer. Mancher "Ehemalige" wird sich noch im nachhinein solch ein Mobiliar wünschen, mit Sofa, Sessel und einer vielseitig verwendbaren Stehlampe.

"Een Joghurt för twee" kommt der Niederdeutschen Bühne Wilhelmshaven zum Start in die Theaterspielzeit 1993/94 gerade recht. Das lustig Speel macht Appetit auf die nächsten Inszenierungen, die aber nicht nur die Lachmuskeln strapazieren sollen. Die Niederdeutschen haben sich viel vorgenommen. Zunächst heimsten sie am Schluß der Premierenvorstellung den verdienten Beifall des Publikums ein: Zwei Stunden amüsante Unterhaltung.

De Kaktusblööt (NDE)

Niederdeutsche Erstaufführung

DE KAKTUSBLÖÖT

(Fleur de cactus - Die Kaktusblüte)
Komödie von Piere Barillet und Jean-Pierre Gredy
Deutsch von Charles Regnier
Niederdeutsch von Arnold Preuß

Inszenierung: Arnold Preuß
Bühnenbild und Kostüme: Arnold Preuß, Marion Eiselé

Bühnenbildbau: Alfred Christoffers, Walter Borraß, Erwin Hildebrandt, Sönke Kiewitt, Karl-Heinz Goldenstein, Gesienus Thomas, Günter Newerla und Klaus Panka
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Requisiten: Marga Goldenstein
Inspizientin: Helga Borraß
Souffleuse: Annchen Warrings-Konken

Rollen und Darsteller

Ino Martens - Michael Kever
Anna Siemens - Petra Loschen
Stephanie Wienhold - Wilma Welte
Fro Dürchen-Benesch - Frieda Harms
Dr. Julius Deterding - Claus Miehlke
Norbert Obermüller - Manfred Janßen
Herr Koschnieder - Klaus Aden
Dat Vörjahr van Botticelli - Annette Risch

Bei Julius (Claus Miehlke)  und Stephanie (Wilma Welte) spielen die Gefühle verrückt

NORD-WEST-ZEITUNG vom 31. März 1993

Schwerenöter gerät ins Stolpern

"Die Kaktusblüte" sprießt jetzt auch auf Platt Erstaufführung in Wilhelmshaven

Von Ernst Goetsch

Wilhelmshaven. "Dieser Ring macht mich unverwundbar", prahlt Dr. Julius, Zahnarzt seines Zeichens. Und er verweist selbstgefällig auf den schlichten Schmuck am vierten Finger seiner rechten Hand. Da blitzt ein Ehering, der Julius (dem notorischen Junggesellen!) Schutz bei allen amourösen Abenteuern bieten soll Schutz vor allzu fester Bindung. Denn der smarte Julius liebt die Liebe, aber er scheut die Ehe wie der Teufel das Weihwasser.

Teufel auch . . .! Diese Geschichte ist nicht funkelnagelneu. Schon 1964 wurde sie von Jean Pierre Gredy und Pierre Barillet auf Pariser Vaudeville Bretter gewuchtet mit sensationellem Erfolg, der via Hollywood rund um die Welt lief (so 1967 in Bremen, so 1969 in Wilhelmshaven): Die Geschichte eines allzu gewitzten Einspänners, der am Ende über einen "Kaktus" stolpert, über seine vermeintlich allzu stachelige Vorzimmer Assistentin Stephanie.

Jetzt hat der schon ein bißchen angejahrte, aber immer noch sehr , jagdfreudige" Julien der französischen Urfassung als Julius eine niederdeutsche Zunge erhalten dank Arnold Preuß (Chef der Niederdeutschen Bühne Wilhelmshaven), der die hochdeutsche Übersetzung von Charles Regnier sprachlich "auf Platt" umsetzte etwas unpariserisch bedächtig, aber trotz unverkennbarem Tempoverlust insgesamt doch stimmungsvoll zündend. Preuß hat zwar seine "Kaktusblööt" nicht ganz so sicher und überzeugend in den Griff bekommen wie andere ausländische Knüller, die er bislang dem Niederdeutschen einverleibte, aber seine Übertragung ins etwas kühlere, nüchterner erscheinende Nordwest Milieu gedieh letztlich doch, weil mit Wilma Welte als Assistentin Stephanie eine Darstellerin agierte, die stilsicher und nuanciert Charakterkomik auszubreiten wußte (eine "Kaktusblüte", die ihren mehr auf schnurrige Situationskomik getrimmten Mitund Gegenspielern differenziertere Töne entgegensetzt).

Unter Julius (Claus Miehlke) und Stephanies (Wilma Welte) Eskapaden muss die nette Patientin (Frieda Harms) leiden.

Stärker als der Übersetzer und Regisseur Preuß erschien bei dieser Erstaufführung der neuen Version des witzig pfiffigen Bühnenulks der Bühnenraumgestalter Preuß; denn der versteht es, listig lustig Farb- und Lichttupfer in das neckisch angelegte Spiel von Verlegenheiten und Verwegenheiten eines Schwerenöters einzubringen. Wo andere (frühere) "Kaktusblüten" Züchter ironischanzüglich Evergreens einstreuten, vertraut Preuß auf Klassik, auf Sibelius zum Beispiel. Wo andere Spielbereiter forcierten Schwung bevorzugten, da serviert Preuß gemächlichen Ausdruck von unfreiwillig komisch wirkender Unvollkommenheit. Doch! So geht's auch! Und wenn's denn schon keine Offenbarung pyramidaler Lustspielkunst war so war es in Wilhelmshavef letztlich doch unzweifelhaft ein weiteres Beispiel für die Möglichkeit, scheinbar "fremden Stoff` zur Bereicherung niederdeutschen Theatervergnügens lustvoll nutzbar zu machen.

Die Premierengäste feierten spontan und lautstark auch das gesamte Umfeld der "Kaktusblööt": Claus Mielke als tapsig sympathischen Möchtegernhabenden (sprich: Julius/Julien), Petra Loschen als quicklebendig agierende Junggespielin und kritisch wertende Teilzeitgefährtin (sprich: Anna/Antonie) und alle anderen Akteure dieses Schmunzel- und Entlarvungsabends.

Norbert (Manfred Janßen)  und das Vörjahr (Annette Risch)  langweilen sich auf einer Partie

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 30. März 1993

Erfolgreiche niederdeutsche Inszenierung: "De Kaktusblööt"

Lacherfolg beendete Spielzeit 1992/93  - Bravo für Arnold Preuß

Von Inse Leiner

Es müssen nicht unbedingt Ingrid Bergman und Walter Matthau in den Hauptrollen zu sehen sein, damit die französische Komödie "Die Kaktusblüte" ein Erfolg wird. Auch auf der niederdeutschen Bühne kommt der Humor der Autoren Jean Pierre Gredy und Pierre Barillet nicht zu kurz. In einer Bearbeitung des Bühnenleiters Arnold Preuß gab es am Sonntag im Wilhemshavener Stadttheater die plattdeutsche Uraufführung von "De Kaktusblööt". Zum Abschluß der Spielzeit 1992/93 gönnte die Niederdeutsche Bühne ihrem Publikum einen garantierten Lacherfolg.

Zahnarzt Dr. Julius Deterding (Claus Mielke) liebt die Frauen. Um jedoch gleichzeitig die Freiheiten eines Junggesellen genießen zu können, hat er stets einen Ehering in der Hosentasche. Und wenn seine Damen besonders hartnäckig werden, hat er auch drei Kinder. Diese "Notlügen" führen jedoch eines Tages zu einer kleineren Katastrophe: Freundin Anna Siemens (Petra Loschen) besteht darauf, seine Frau kennenzulernen. Woher nun die fiktive Ehegattin nehmen? Zunächst scheint Dr. Deterding Glück zu haben, denn seine Zahnarzt Assistentin Fräulein Stephanie (Wilma Welte) läßt sich zu dieser Rolle überreden. Die korrekte, zuverläßige "rechte Hand" des Doktors fühlt sich schon lange zu ihrem Chef hingezogen, aber anmerken läßt sie sich nichts.

Wilma Welte spielte sich unter der Regie von Arnold Preuß feinfühlig in die Rolle der Fräulein Stephanie hinein, die ihre Wochenenden lieber mit Mutter und Schäferhündin Frieda verbringt. Harte Schale geknackt. Dr. Julius Deterding verstrickt sich mehr und mehr in seine Lügengeschichten. Seine gutgläubige Freundin Anna läßt nicht locker. Nicht einmal ein Pelz kann die junge Frau beruhigen. Sie sorgt sich ernsthaft, fast naiv, um die Gattin ihres Liebhabers. Dann taucht auch noch ein jugendlicher Konkurrent auf: der junge Ino Martens (Michael Kever), der Tür an Tür mit Anna wohnt und nur mit einem Handtuch begleitet in ihre Wohnung spaziert.

Der Knoten der Lügengeschichten wird gesprengt, als Fräulein Stephanie nicht mehr mitspielt. Nach einer aufregenden Nacht mit viel Tanz hat sie ihre harte Schale abgeworfen und entpuppt sich als lebendige, lebensfrohe Frau. Mutig erzählt sie Anna von der inszenierten Lügengeschichte. Das Donnerwetter bleibt aus ein HappyEnd folgt. Der Charmeur Julius besinnt sich und schließt Stephanie in seine Arme. Anna trauert nicht lange um ihren Julius. Sie fühlt sich schnell wohl in Inos Armen.

Die Besetzung der Nebenrollen mit Klaus Aden, Frieda Harms, Manfred Janssen und Annette Risch war, gelungen und rundeten die Komödie ab. Einen glanzvollen Auftritt hatte Frieda Harms als Patientin Dürchen Benesch eine vielbeschäftigte Frau mit Hut, die sich aus Liebe zum Zahnarzt auch gerne häufiger in den Mund schauen läßt. Einen neuen Stil in Sachen Bühnenbild hat sich Arnold Preuß zusammen mit Marion Eisele überlegt: wenige Requisiten wurden eindrucksvoll eingesetzt.

Ungewollt, und deshalb besonders wirkungsvoll, erhielt der pinkfarbene Türvorhang, der bei jedem Szenenwechsel auf bzw. abgehängt wurde, eine wichtige Rolle. Mit Argusaugen beobachtete das Publikum die Umgestaltung und half den Bühnenarbeitern mit gutgemeinten Zurufen.

Julius (Claus Miehlke) ist entsetzt, was treibt ein halbnackter Ino (Michael Kever) in Anna´s (Petra Loschen) Wohnung

As´n Wulk in´n Wind (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

AS´N WULK IN´N WIND

Niederdeutsche Komödie in drei Akten von Ingo Sax

Inszenierung: Jürgen Tapken
Bühnenbild: Jürgen Tapken
Regieassistenz Luise Pampuch

Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Requisiten: Marga Goldenstein
Inspizientin: Anne Hillers
Souffleuse: Hildegard Steffens
Bühnenbildbau: Alfred Christoffers, Walter Borraß, Erwin Hildebrandt, Sönke Kiewitt, Karl-Heinz Goldenstein, Gesienus Thomas, Günter Newerla, Ulrich Weiß und Klaus Panka
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich

Rollen und Darsteller
Wilhelm Eilers - Wilfried Pampuch
Niels Eilers - Michael Hillers
Harm Richertsen - Horst Jönck
Christine Engehard - Christine Fein
Aglaja Engelhard - Alexandra Janßen
Lilo Rathjens - Hanna Christoffers

Christine und Aglaja Engelhard (v.r. Christine Fein, Alexandra Janßen) machen Urlaub auf dem Lande

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 16. Februar 1993

Das Publikum feierte Bühnenautor Ingo Sax

Gelungene Erstaufführung von "As'n Wulk in'n Wind" im Wilhelmshavener Stadttheater

Von Inse Leiner

Eine niederdeutsche Komödie mit Tiefgang präsentierte die Niederdeutsche Bühne am Sonntag. Mit seinem ersten Bühnenstück "As'n Wulk in'n Wind" trägt der Hamburger Autor Ingo Sax ohne Zweifel dazu bei, daß das Plattdeutsche Theater noch mehr Freunde findet. Die Erstaufführung im Wilhelmshavener Stadttheater wurde ein toller Erfolg. Auch Ingo Sax freute sich über den tosenden Applaus. Das Rezept des Bühnenautors ist einfach, hat aber eine hervorragende Wirkung: Geschiedener Vater (Wilfried Pampuch) verliebt sich nicht in jung gebliebene Mutter (Christine Fein), sondern in deren 22jährige Tochter (Alexandra Janßen). Sein Sohn (Michael Hillers) hingegen fühlt sich zur Mutter hingezogen.

Diese ungewöhnlichen Beziehungen bringen Unruhe in die schon zerrütteten Familienverhältnisse. Vater Wilhelm Eilers, seit zehn Jahren geschieden, trauert im Stillen seiner Exfrau Ursel nach. Die Uhr scheint im wahrsten Sinne des Wortes stehen geblieben zu sein. Wilhelm stürzt sich in die Arbeit, um das Vergangene zu verdrängen und bemerkt nicht, wie er innerlich immer mehr vereinsamt. Nicht einmal die resolute Haushälterin Lilo Ratjen (Hanna Christoffers), die ihn liebevoll umsorgt, vermag ihm zu helfen.

Nur der Straßenvagabund Harm Rickertsen (Horst Jönck) wagt es, dem verbitterten Landwirt den Spiegel vorzuhalten. Die Inszenierung von Jürgen Tapken und Regieassistentin Luise Pampuch verdient Anerkennung. Das Bühnenbild von Alfred Christoffers, Walter Borraß und Erwin Hildebrandt mit den vielen Details harmoniert ausgezeichnet mit der Handlung und der Ausstattung von Marga Goldenstein. Wilfried Pampuch, in dieser Spielzeit auch schon hervorragend in "Kattenspöök", verkörpert die Rolle des Landwirts Eilers überzeugend. Trauer und Schmerz sind in seinem Gesicht ebenso zu lesen wie Wut, Enttäuschung und Hoffnung.

Aglaja (Alexandra Janßen) holt Wilhelm (Wilfried Pampuch) aus seinem Stimmungstief heraus

Einmalig auch die Kabbeleien zwischen Harm und Lilo, die sich wie "Hund und Katz" vertragen. Sowohl Horst Jönck als auch Hanna Christoffers sind die Rollen auf den Leib geschrieben. Jönck ist als Harm die treibende Kraft in diesem Stück und sorgt auch für das Happy End. Die Rolle des beobachtenden Familienfreundes mit der Erfahrung eines Landstreicherlebens füllt er mit sehr viel Leben. "As'n Wulk in'n Wind" ist Harm durch die Weltgeschichte gezogen. Ihm und der einfühlsamen Tochter Aglaja gelingt es, Wilhelm etwas von dieser Leichtigkeit wiederzugeben.

Michael Hillers hat nach "Kattenspöök" auch in dieser Komödie die Rolle des Sohnes übernommen. Christine Fein und Alexandra Janßen sind in ihren Rollen Frauen mit Gefühl und Sachverstand, die genau wissen, was sie wollen. Eigenschaften, die Vorbildcharakter haben. Die Niederdeutsche Bühne hat mit Ingo Sax einen Autor gefunden, der den Mut hatte, die Trampelpfade des plattdeutschen Theaters zu verlassen. Diese neue Richtung steht dem niederdeutschen Theater sehr gut zu Gesicht. Ingo Sax läßt seine Personen nicht nur erzählen, sie haben etwas zu sagen. Schon jetzt darf man gespannt sein auf die Aufführung am 4. März von "Güstern eerst un morgen wedder". Dieses Schauspiel von Ingo Sax feierte in einer Gemeinschaftsproduktion des Niederdeutschen Bühnenbundes bereits in Varel Premiere.

Reifere Frau - junger Mann, geht das gut - Christine Fein, Michael Hillers

Güstern eers un morgen wedder (WE)

elfte Gemeinschaftsproduktion
Niedersächsische Erstaufführung

GÜSTERN EERS UN MORGEN WEDDER

Eine Alltäglichkeit für die Niederdeutsche Bühne von Ingo Sax

Inszenierung: Albrecht C. Dennhardt
Bühnenbild: Albrecht C. Dennhardt
Regieassistenz Petra Buchtmann, Varel
Produktion und Dramaturgie: Arnold Preuß, Wilhelmshaven

Bühnenbildbau: Harald Kaminiski, Dirk Brumund, Bernd Theilen, Thomas Wächter,
Andreas Frerichs, alle Varel
Bühnenmalerei: Egon Lopp, Erwin Heidemann, Varel
Bühnentechnik: Gesienus Thomas, Karl-Heinz Goldenstein, Wilhelmshaven
Licht und Ton: Hans-Walter Freels, Heiko Iden, Varel
Souffleuse: Jenny Backermann, Varel
Maske: Helga von Essen, Wera Schwärmer, Varel
Requisiten: Dieter Schwärmer, Jenny Backermann, Varel
Inspizientinnen: Petra Buchtmann, Varel, Annemarie Penningroth, Brake

Rollen und Darsteller
Rolf Nissen, Landwirt - Werner Nörtker, Emden
Carola Nissen, seine Frau - Gitta Laßen, Varel
Rasmus, Allroundman - Ferdinand Müsker, Neuenburg
Munja Weiß, Heilkundige - Brigitte Halbekath, Wilhelmshaven
Marion Weiß, ihre Tochter - Elke Theesfeld, Jever
Dr. Heimbuch, Jurist - Dieter Stöver, Varel
Munja Weiß, 1945 - Elke Theesfeld, Jever
Heimbuch, 1945 - Alf Hauken, Neuenburg
Hannes, landw. Angestellter - Horst Karstens, Wilhelmshaven
Hannes, Flakhelfer - Arne Laßen, Varel
Vadder Weiß - Rolf Jaspers, Emden

Aus Wilhelmshaven dabei: Brigitte Halbekath (Munja Weiß) und Horst Karstens (Hannes)

Nord-West-Zeitung

 Schauspiel von Ingo Sax:

Güstern eerst un morgen wedder

Gemeinschaftsproduktion des Niederdeutschen Bühnenbundes

Von Ernst Goetsch

Varel. Rechtsradikalismus und Rassismus haben das Dritte Reich überlebt. Diese Erkenntnis trieb 1987 den Hamburger Autor Ingo Sax, Szenen unbewältigter deutscher Vergangenheit nachzugestalten. Doch sein Schauspiel "Güstern eerst un morgen wedder" als Mahnung und Warnung gedacht fand damals, zwei Jahre vor der Wiedervereinigung, beim Publikum der Kieler Uraufführung keine ungeteilte Aufnahme. Inzwischen haben Übergriffe auf Ausländerheime in Ost und West drastisch unterstrichen, daß der Hinweis von Sax auf latente Gefahr durch nationalistischen Ungeist weder verfrüht noch übertrieben war.

Seit dem vergangenen Wochenende ist das brisante Werk des Hamburgers (52, Sozialpädagoge und Psychologe) auch zwischen Weser und Ems zu sehen als Gemeinschaftsproduktion des Niederdeutschen Bühnenbundes Niedersachsen Bremen. Die einhellig wirkende Zustimmung des Publikums der Premiere im Allee Hotel zu Varel läßt positive Aufnahme auch bei den geplanten weiteren 30 Vorstellungen an 12 Spielorten des Nordwestens erhoffen.

Sax führt in seinem Stück vielschichtig Variationen von Ausländerfeindlichkeit während der Hitler Zeit und in der Gegenwart vor: Kampf gegen "alles Undeutsche", Machtmißbrauch, Habgier, Intoleranz. Da taucht ein ehemaliger NS Offizier, der einst eine Gruppe von sogenannten Landfahrern mit "abgeflammt" hat, im demokratischen Mäntelchen (Kanzleirat, Stadtrat!) als Grundstücksspekulant auf, um einer längst bodenständig gewordenen Sinti Frau ihre Kate abzuluchsen. "Munja", dieser Frau, ist die Kate nebst Grundstück von einem ihr innig zugeneigten "arischen" Bauern vermacht worden!

Aber Munja hat ihre bescheidene bürgerliche Existenz auch gegenüber der jungen Nachbarin Carola zu verteidigen, die sich als "Herrin" der Kate wähnte und sie zu verkaufen trachtete. Am Ende sind Schatten der Vergangenheit aufgehellt; eine Ehe ist an Habgier zerbrochen, ein mysteriöser Tod aufgeklärt, ein Ansatz zu Gerechtigkeit, zu harmonischer (neuer) Partnerschaft und nachbarlichem Miteinander erkennbar.

Sax bringt in dieses etwas verknotete Spiel realistisch geformte Dialoge ein, trifft den Kern. Das wird in dieser von Arnold Preuß (Wilhelmshaven) produzierten, von Albrecht C. Dennhardt (Oldenburg) feinfühlig inszenierten Aufführung besonders deutlich, wenn der Darsteller des Ex Seemanns und Hausausbauhelfers "Rasmus" (Ferdinand Müsker aus Neuenburg) exakt den humanen Ton eines unverfälscht Gebliebenen anschlägt, der die verlogen barbarischen Praktiken der "Braunen" durchschaut, sich selbst nie ändert, aber nicht die Kraft hat, andere zu wandeln.

Von Dennhardt gleichermaßen exakt eingewiesen wirken u. a. Brigitte Halbekath (Wilhelmshaven) als an "Angst gewohnte", gleichwohl couragierte Munja, wie auch Dieter Stöver (Varel) in der Rolle des unbelehrbar auf Verjährung von Schuld pochenden AltNazis Dr. Heimbuch. Ihnen und allen anderen Akteuren insgesamt zehn Amateurschauspielern von fünf niederdeutschen Bühnen wurde in Varel viel Applaus zuteil. Auch das griffig angelegte, zwei Schauplätze ausweisende Bühnenbild Dennhardts fand Würdigung. Autor Sax, bei Spielende auf die Bühne gehend, durfte den Eindruck heimnehmen, daß er in Varel verstanden worden, daß sein Warnund Lehrstück "angekommen" ist.

Sluderkraam in´t Treppenhuus (2. WA)

2. Wiederaufführung, davor 1960/61 und 1975/76 gespielt

SLUDERKRAAM IN´T TREPPENHUUS

Komödie in vier Akten von Jens Exler

Inszenierung: Horst Jönck
Bühnenbild: Carl Ransleben

Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Souffleuse: Marion Zomerland
Requisiten: Marga Goldenstein
Inspizientin: Helga Borraß
Bühnenbildbau: Alfred Christoffers, Walter Borraß, Erwin Hildebrandt, Michael Müller, Karl-Heinz Goldenstein, Gesienus Thomas, Günter Newerla, Frank Schmidt und Klaus Panka
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich

Rollen und Darsteller
Hanne Knoop, Wwe. - Wilma Welte
Heike Seefeldt, Untermieterin bei Frau Knoop - Petra Loschen
Ewald Brummer, Steuerinspektor a.D. - Klaus Aden
Dieter Brummer, sein Neffe - Günter Jaedeke
Bernhard Tramsen, Schlachtermeister - Karl-Heinz Schröder
Herr Seefeldt, Heike´s Vater - Claus Miehlke
Felix, Bäckerjunge - Annette Risch
Meta Boldt, eine Nachbarin - Margot Andrews-Jäkel

Meta Boldt (Margot Andrews-Jäkel) berichtet Schlachtermeister Tramsen (Karl-Heinz Schröder), was hier im Hause für Ungeheuerlichkeiten passieren

WILHELMSHAVENER ZEITUNG UND NORD-WEST-ZEITUNG

Szenenapplaus und begeisterte Zurufe für den Sluderkram

Toller Erfolg für die Niederdeutsche Bühne im Stadttheater

Von Inse Leiner

Wilhelmshaven. Es gibt wohl kaum ein Mietshaus, in dem zwischen Tür und Angel nicht getrascht wird. Die Nachbarn belauschen, Gerüchte verbreiten und herumspionieren, das sind nicht selten die Lieblingsbeschäftigungen so mancher Leute. Obgleich der "Sluderkram in't Treppenhus" von Jens Exler am 2. Weihnachtstag bereits zum dritten Mal in der Geschichte der Niederdeutsche Bühne im Wilhelmshavener Stadttheater gespielt wurde, war die Premiere erneut ein Lacherfolg. Die Inszenierung von Horst Jönck wuxde mit der ausgezeichneten schauspielerischen Leistung ein "Bravourstück" ein Genuß für jeden Theaterfreund. Und immer wieder.gab es Szenenapplaus.

Margot Andrews Jäkel bewies in der Rolle der tratschenden Meta Boldt nicht nur Talent sondern Können. Sie schnatterte, spekulierte und traschte, als wenn sie es gar nicht anders kennt. Eine Glanzrolle für Margot Andrews Jäkel, die von Anfang an in Höchstform schauspielerte. . ' Ebenso überzeugend spielte sich Klaus Aden als Finanzbeamter a.D. und Junggeselle Ewald Brummer in die Herzen des Publikums. Großartig sein Auftritt im vierten Akt, als er nach dem lustigen Stiftungsfest mit seinen Zuchtkaninchen unter dem Arm über den Hausflur torkelt und seinen "zweiten Frühling" mit Nachbarin Hanne Knoop alias Wilma Welte erlebt.

Hanne Knoop (Wilma Welte) und Ewald Brummer (Klaus Aden) kommen bester Laune vom Stiftungsfest des Kaninchenzüchtervereins

Auch Wilma Welte fühlte sich in ihrer Rolle als resolute, aber herzensgute Frau, sichtlich wohl. Vom Klatsch der Meta Boldt läßt sie sich nicht einwickeln. Als liebenswerter Hauswirt und Schlachtermeister Bernhard Tramsen glänzte auch Karl Heinz Schröder. Schnell findet er an der jungen und hübschen Heike Seefeldt alias Petra Loschen gefallen, die bei Hanne Knoop unerlaubt zur Untermiete wohnt. Der nächtliche Besuch mit einer frischen Mettwurst wird für ihn jedoch zu einer Enttäuschung. Denn Heike Seefeldt fühlt sich mehr zum flotten Dieter (Günter Jaedeke) hingezogen, der ebenfalls ohne Erlaubnis bei seinem Onkel Ewald Brummer zur Untermiete wohnt.

Heike weiß die "Mannslü" zu nehmen: Mit Charme erreicht sie ihr gestecktes Ziel. Auch der Streit mit ihrem Vater (Claus Mielke) wird schließlich beigelegt. Den Einstieg in die Geschichte, die sich überall zutragen könnte, gibt der Bäkkerjunge Felix (Annette Risch) aus der Nachbarschaft, der mit Vorsicht und Bedacht stellvertretend für den 1987 verstorbenen Autor Jens Exler dem Publikum den "Spiegel des Alltags" vorhält. Exler wurde 1914 in Flensburg geboren und leitete von 1951 bis 1961 die Niederdeutsche Bühne in Flensburg. In vielen Theaterstücken stand er selbst auf der Bühne. Schon 1947 versuchte er sich als Autor und landete mit dem Stück "Swattbunte Farken" einen Erfolg. Sein erfolgreichstes] Stück "Sluderkram in't Trep penhus" wurde 1960 veröffentlicht.

Die Niederdeutsche Bühne Wilhelmshaven hat den "Sluderkram" auch diesmal wieder erfolgreich inszeniert und einen humorigen und turbulenten Theaterabend, der auch zum Nachdenken anregte, geboten. Die Darsteller wirkten hervorragend aufeinander eingestellt und steckten sich gegenseitig mit der offensichtlichen Freude am Spiel an alle ließen ihrer Spielfreude freien Lauf. Abgerundet wurde der Theatergenuß nicht zuletzt durch das Bühnenbild, an dem Walter Borraß, Alfred Christoffers, Erwin Hildebrandt und Herbert Ulbrich mitwirkten sowie der Ausstattung von Marga Goldenstein unter der Gesamtleitung von Helga Borraß.

Heike Seefeldt (Petra Loschen) sorgt morgens für gute Stimmung mit lauter Musik - zumindest bei Hanne Knoop (Wilma Welte)

Kattenspöök (WE)

Niedersächsische Erstaufführung

KATTENSPÖÖK

Lustspiel in drei Akten von Bernhard Fathmann

Inszenierung: Arnold Preuß
Bühnenbild: Arnold Preuß
Regieassistenz: Roswitha Wunderlich

Souffleuse: Helga Lauermann
Bühnenbildbau: Alfred Christoffers, Walter Borraß, Erwin Hildebrandt, Klaus Panka, Michael Müller, Karl-Heinz Goldenstein, Gesienus Thomas,  Günter Newerla, Frank Schmidt
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Souffleuse: Hildegard Steffens
Requisiten: Marga Goldenstein
Inspizientin: Anne Hillers

Rollen und Darsteller
Hein Bolle - Wilfried Pampuch
Ella Bolle - Roswitha Wunderlich
Eva Bolle - Petra Loschen
Klaus, angehender Doktor - Michael Hillers
Tante - Herta Tapken
Geist - Ralf-Rüdiger Bayer

Der Geist (Ralf-Rüdiger Bayer) lässt Hein Bolle (Wilfried Pampuch) nicht zur Ruhe kommen

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 10.11.1992

Ein Hausgeist stört das ruhige Beamtenleben

Gelungene Premiere bei der Niederdeutschen Bühne mit dem Lustspiel "Kattenspöök"

Wenn plötzlich ein Geist in Katzengestalt auftaucht, und sich zudem mit Naturheilkunde auskennt, dann ist es mit der Alltagsruhe dahin. Diese leidvolle Erfahrung muß der Finanzbeamte Hein Bolle (Wilfried Pampuch) machen. Mit dem Lustspiel "Kattenspöök" stellte die Niederdeutsche Bühne Wilhelmshaven unter der Regie von Arnold Preuß das Erstlingswerk des jungen Autors Bernard Fathmann vor. Das Publikum der Premierenvorstellung im Stadttheater genoß einen unterhaltsamen Abend, bei dem der Spaß wahrlich nicht zu kurz kam.

Erzählt wird die turbulente Geschichte von Hein Bolle und seiner Familie, die jahrelang mehr oder weniger friedlich in einem Bauernhaus am Rande der Stadt lebt. Bis eines Tages Hein auf Drängen seiner Frau Ella (Roswitha Wunderlich) die Diele aufräumt. Dabei stößt er auf eine Kiste, in der er Kräutersalben und Säfte findet.

Eva (Petra Loschen) setzt bei Klaus (Michael Hillers) auf die Heilkraft der Blumen

Und dann kriecht unter der Spüle, gekleidet im schwarzen Anzug mit Zylinder und weißem Schal, der Geist (Ralf Rüdiger Bayer) hervor. Er verspricht, Bolle stets die richtigen Rezepte ins Ohr zu flüstern, solange das Fachwerkhaus mit seinen zwei Pferdeköpfen auf dem Dachfirst erhalten bleibt. Neugier und Angst schütteln den biederen Finanzbeamten gleichermaßen.

Die Rezepte wirken tatsächlich Wunder: Die Tante (Herta Tapken) ist plötzlich wieder fidel, entwickelt sich zur Motoradbraut. Seine Ella zeigt nach der regelmäßigen Einnahme eines Kräutersaftes ungeahnte Leidenschaften. Erfolgreich schlägt sich auch Tochter Eva im Kampf um die Liebe des jungen Doktors Klaus (Michael Hillers). Die "Quacksalberei" bringt Hein viel Ansehen, und ein neues Auto ist schnell gekauft.

Doch der Trubel bekommt dem Finanzmann nicht: Seine Ausbildung zum Heilpraktiker hat er just abgeschlossen, da sehnt er sich zu seinem ruhigen Büro zurück: zu den liebgewonnenen Akten, der Brotdose, der Thermosflasche und dem aufgeräumten Schreibtisch. Aus dem verantwortungsbewußten Beamten ist ein verzweifelter "Wunderheiler" geworden.

Doch wie es der Zufall will, stürzen während eines Gewitters die zwei Pferdeköpfe vom Dach, und der Spuk scheint ein Ende gefunden zu haben. Im Nachbarhaus hat sich jedoch inzwischen der junge Doktor Klaus mit seiner zukünftigen Ehefrau Eva niedergelassen und mit ihnen auch der "Kattenspöök".

Hein Bolle (Wilfried Pampuch) glaubt, dass er den Geist losgeworden ist, Herta Tapken und Roswitha Wunderlich sind da eher skeptisch

Die humorvolle Geschichte des 1948 im südoldenburgischen Lastrup geborenen Bernard Fathmann lebt von der Figur des Hein Bolle: einem unselbständigen, arbeitsscheuen aber liebenswerten Beamten. Wilfried Pampuch hat diese Rolle überzeugend angenommen. Seine Hilflosigkeit drückte er nicht nur in Worten aus, sondern setzte auch glänzend seine Mimik ein. Als geschäftstüchtige Ehefrau Ella, die weiß, wo der Hammer hängt, trat Roswitha Wunderlich auf. Sie hält ihren Mann auf Trab und organisiert den "Bolle Versand".

Wie auf den Leib geschrieben waren die Rollen für Petra Loschen und Michael Hillers als jungverliebtes Paar. Eine Glanznummer servierte Herta Tapken. Sie verwandelte sich zwischen dem ersten und zweiten Akt von der kränkelnden Tante mit einer Schwäche für Rum zur begeisterten Mopedfahrerin. Einen seriösen Anstrich gibt Ralf Rüdiger Bayer dem Hausgeist. Er genießt Cognac und feine Zigarren und wünscht sich als Gegenleistung für seine Dienste eine Siamkatze. Rundherum ein humorvoller, spöökenhaftiger Theaterabend mit "Happy End".

Dat Halunkenstück (2. WA)

60. Jahre Niederdeutsche Bühne Wilhelmshaven
2. Wiederaufführung (3), davor 1960/61 und 1975/76

DAT HALUNKENSTÜCK

(VOSS GEGEN VOSS)
Komödie in drei Akten von Hans Balzer
für die Niederdeutsche Bühne eingerichtet von Rudolf Plent

Inszenierung: Rudolf Plent
Bühnenbild: Rudolf Plent
Musikalische Leitung Yvonne Erdmann
Regieassistenz: Roswitha Wunderlich

Souffleuse Helga Lauermann
Bühnenbildbau: Alfred Christoffers, Walter Borraß, Erwin Hildebrandt, Klaus Panka, Michael Müller, Karl-Heinz Goldenstein, Gesienus Thomas, Günter Newerla, Frank Schmidt
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Souffleuse: Kathrin Schmidt
Requisiten: Marga Goldenstein
Inspizientin: Petra Loschen

Rollen und Darsteller
Graf Wulf von Ochtmissen - Günter Boye
Fred Lujo, sein Halbbruder (Doppelrolle) - Günter Boye.
Adele, dessen Frau - Karin Heyel
Eveline, beider Tochter - Alexandra Janßen
Junker Heiko von Lehsten - Heinz Zomerland
Peter Manegold, Altbürgermeister - Horst Jönck
Hinnig Riekenbeek, Sülfmester i.R. - Horst Karstens
Hieronymus Butenschön, Stadtsyndikus - Arnold Preuß
Lodemann, Notar - Michael Hillers
Frerk, Dener - Rolf-Peter Lauxtermann

Musikanten:
Barry Brinkhoff, Helga Lauermann, Petra Loschen Michael Kever, Annette Risch

Fred Lujo (Günter Boye) präsentiert dem Stadtsyndikus (Arnold Preuß) seine Gauklertruppe

Wilhelmshavener Zeitung

Komödiantische Geburtstagspremiere

Rundherum gelungenes "Halunkenstück" bei der Niederdeutschen Bühne im Theater

Von Barbara Schwarz

Fröhliche Geburtstagsfeier der "Niederdeutschen Bühne am Stadttheater Wilhelmshaven" Sonnabendabend im Theater: Schon im Foyer werden die Gäste von nah und fern auf einen komödiantischen Abend eingestimmt. Gaukler und bunt maskierte Musikanten tanzen, springen, singen und musizieren. Im Anschluß an das Grußwort von Oberbürgermeister Eberhard Menzel, der die Niederdeutsche Bühne als unverzichtbares Aushängeschild für Wilhelmshaven bezeichnet, kommt die quicklebendige, buntgewürfelte Truppe vom oberen Foyer über die Treppen in den Saal und von dort auf die Bühne gesprungen. Kostüme werden ausgepackt, Requisiten, Kisten und Kasten. "Dat Halunkenstück" von Hans Balzer (1891 1960) steht auf dem Spielplan.

Das Stück spielt zu jenen fernen Zeiten nach dem 30jährigen Krieg, als Lüneburgs wirtschaftliche Blüte begann, deren Grundlage ein Salzstock war. Um all die vielen Schiffe auch beladen zu können, mußte der Hafen erweitert werden. Das dafür notwendige Gelände aber hatte Graf Wulf von Ochtmissen der Stadt vor Jahren abgepreßt. Wie die Stadt nun wieder zu dem für ihr Wachsen und Gedeihen notwendigen Land gekommen sein soll und dabei auch noch einem gräflichen Bankert Gerechtigkeit wiederfährt, das erzählt Hans Balzer, der aus dem nahe bei Lüneburg gelegenen Hansdorf stammte, in seinem "Halunkenstück".

Rudolf Plent hat die Komödie mit Mitteln der Commedia dell'arte munter und lebendig mit einem Augenzwinkern in Szene gesetzt. Da wird Theater im Theaterstück mit wahrer Lust an der Klamotte gespielt. Der Halbbruder des ebenso geizigen, wie geilen alten Zausels von Grafen, Fred Lujo, ist Baas einer Schauspieltruppe. Diese kommt, wie es der Zufall so will, gerade nach Lüneburg, als der Graf das Zeitliche segnet. In Fred Lujo findet der gewitzte Stadtsyndikus Hieronymos Butenschön einen Partner, mit dem er das Halunkenstück planen kann, das am Ende wirklich allen Beteiligten zum Vorteil gerät.

Günter Boye in der Doppelrolle des Grafen wie des Theaterdirektors, darf seiner Spielfreude vollen Lauf lassen; ein niederdeutscher Komödiant par excellence. Karin Heyel als Lujos Frau Adele steht ihm in keiner Weise nach. Arnold Preuß stellt den von wenig Skrupeln geplagten Stadtsyndikus Butenschön als einen modernen, geschmeidigen Politiker dar. Die alte Garde repräsentieren Horst Jönck als Oltbörgermester Manegold und Horst Karstens als Sülfmester Riekenbeck so wacker, wie es die Figuren erfordern. Herrlich clownesk die Frühstücksszene mit dem phlegmatischen Diener Frierk, fein charakterisiert von Rolf Peter Lauxtermann.

Rund machen das Spiel Alexandra Janßen als Lujos verliebte Tochter Eveline, Heinz Zomerland als ihr Verlobter Junker Heiko von Lehsten, Michael Hillers als Notar. In der Schauspieltruppe dabei Petra Brinkhoff, Anette Risch, Helga Lauermann, Petra Loschen, Katrin Schmidt, Klaus Panka und Michael Kever. Den unverzichtbaren Rahmen mit Musik auf alten Instrumenten stellten Yvonne Erdmann, Helga Lauermann und Michael Kever. Rundherum ein ansehnlicher Spaß. Viel Beifall für alle Beteiligten und Bravo für Günter Boye bei der Premiere.

Hier werden schnell mal Kontrakte auf dem Rücken der Justiz gemacht (v.l. Heinz Zomerland, Alexandra Janßen, Michael Hillers, Günter Boye, Karin Heyel)

Friesicher Hausbote

Niederdeutsche Bühne Wilhelmshaven

Dat Halunkenstück ein starkes Stück Theater

Wilhelmshaven. Schlitzohrig, deftig und komödiantisch turbulent geht es beim Jubiläumsstück der Niederdeutschen Bühne Wilhelmshaven zu.

60 Jahre und noch bestens drauf. Nimmt man die phänomenale Entwicklung der Zuschauerzahlen, die dynamische Bühnenleitung und die erfolgreichen Inszenierungen, kann man nur konstatieren: Die Niederdeutsche Bühne Wilhelmshaven ist besser als je zuvor. Mit dem Halunkenstück in der einfallsreich flotten Inszenierung vom Profi Rudi Plent hat die Bühne sich und ihren Zuschauern ein tolles Geburtstagsgeschenk gemacht.

Phantasievoll altertümelnde Kostüme, ein spielfreudiges großes Ensemble, locker flockige Action, komödiantische Gags bis hin ins Foyer Theater vorm Theater, Theater im Theater, Theater ums Theater: Spiellaune auf der Bühne und beste Unterhaltung im Zuschauerraum. Der Auftakt in die Spielsaison n Wilhelmshaven stimmt.

In der altehrwürdigen, durch die Verwüstungen des Dreißigährigen Krieges arg angeschlagenen Hansestadt Lüneburg soll mit aller Macht die Wirtschaft wieder in Gang gebracht werden. Das heißt in Lüieburg, den Salzhandel europaweit wieder ankurbeln. Das bedeutet auch Hafenerweiterung; und das geeignete Gelände dazu liegt im Besitz des Grafen von Ochtmissen, einem wollüstigen Greis.

Die Stadtoberen versuchen alle Tricks, an des Edelmannes Land zu kommen. Beim Wettlauf ums Testament geht's ums rechte Timing des siechen Greises. Kompliziert wird die Story durch das Auftreten einer nicht standesgemäßen Nichte Evelyn, gezeugt von des Grafen Vater mit einer bürgerlichen Braut, der sich als Landesherr das Recht der eisten Nacht herausgenommen hatte. Verwirrend verwickelt wird die Story aber erst recht als die Schauspieltruppe von Evelyns Vater, Halbbruder des Grafen und diesem zum Verwechseln ähnlich, auftritt.

Die Spitzbuben, gierig nach Land und Geld, treffen sich zum schmutzigen Wettstreit, spielen in makabrer Weise Schicksal. Und die Moral bleibt ganz sicher auf der Strecke. Am Samstag, 19. September, ist um 19 Uhr Premiere. Vormittags tagen die Bühnenleiter im Seehafenrestaurant 'Columbus', abends ist dann im Festsaal großer Bühnenball angesagt. 60 Jahre lebendiges volksnahes Theater.

Adele (Karin Heyel) bittet mit aller Weiblichkeit um Spielerlaubnis beim Syndikus (Arnold Preuß), Lujo (Günter Boye) ist es recht so.

Quickborn

Hans Balzer Dat Halunkenstück. Komödie in 3 Akteni, Niederdeutsche Bühne am Stadttheater Wilhelmshaven, Premiere 19.09.1992 (anläßlich des 60jahrigen Bühnenjubiläums und der Tagung des Niederdeutschen Bühnenbundes Niedersachsen Bremen als geschlossene Vorstellung.)

Die Niederdeutsche Bühne Wilhelmshaven hat sich zu ihrem Bühnenjubiläum mit der nicht mehr allzuoft gespielten Komödie ein Stück ausgesucht, als wolle sie die nicht mehr zutreffende Klage über den Mangel an niederdeutschen Bühnenstücken neu beweisen, und es dann auch noch so gespielt, als wolle sie den alten, ebenfalls nicht nicht mehr berechtigten Zweifeln an der Ernsthaftigkeit des niederdeutschen Theaters neue Nahrung geben. Das geht vor allem auf das Konto der Regie (Rudolf Plent a.G.), die mit viel nicht immer logischer Bewegung, mit vielen Äußerlichkeiten (auch Mätzchen - sogar ein Mann in Unterhosen fehlte nicht) ein wenig aufdringlich in einem künstlichen Komikstil spielen ließ. Außerdem wurde eine ganze siebenköpfige Komödiantentruppe hinzuerfunden, die vor dem Lübecker Syndikus Butenschön ein Probespiel als fast alberne Theaterkarikatur absolvierte, und eine historisierende von drei "Muskanten"' ausgetuhrte Bühnenmusik.

Das alles geschah in einem Bühnenbild, für das das Programmheft nur die Erbauer Werner Borraß und Alfred Christoffers), aber sinnvollerweise keinen Erfinder nennt; es besteht aus einer offenen Buhne mit bunten Tüchern als Hintergrund, einem Gerüst, Stühlen und Kisten und wurde wahrend des Spiels ständig ziemlich unmotiviert umarrangiert. Die aufwendigen, bunten und stillosen Kostüme (Marie Hunke a.G.) unterstrichen das Ganze komisch karikierend.

Von den Darstellern ist hervorzuheben der Spieler der Doppelrolle (Günter Boye), der in doppelter Weise sehr Verschiedenartiges bot, als Graf Wulf war er reichlich plump als Prinzipal Lujo einerseits unangemessen patheatralisch, andererseits und dies zum Glück in den wichtigsten Szenen - vorzüglich in seiner sogar menschlichen Verschlagenheit. Der Lichtblick des Abends war der agile und wendige Syndikus Butenschön (Arnold Preuß) durch seine mit viel Spieleifer und -geschick gebotenen Vielschichtigkeit und Flinkheit. Insgesamt viel spielersicher Einsatz und herzlicher Vereinhalbminutenbeifall. Karl Veit Riedel


Die Stadtoberen erwarten die Schauspieltruppe (v.l. Horst Karstens, Arnold Preuß, Horst Jönck)

Valentinaden (2. WA)

2. Wiederaufführung (3.), davor 1990/91 und 1991/92 gespielt

VALENTINADEN

10 Szenen von Karl Valentin
Plattdeutsch von Fritz Wempner und Arnold Preuß

Inszenierung und Bühnenbild: Jürgen Tapken

Darsteller:
Barri Brinkhoff
Frieda Harms
Herta Tapken
Annchen Warrings-Konken
Michael Hillers
Claus Miehlke
Rolf-Peter Lauxtermann
Horst Karstens
Heinz Zomerland

Unterkategorien