De vergnögte Tankstell (2. WA)

2. Wiederaufführung (3), davor 1952/53 und 1960/61 gespielt

DE VERGNÖGTE TANKSTELL

Lustspiel in drei Akten von Fritz Wempner
Musik Jasper Vogt

Inszenierung: Arnold Preuß
Bühnenbild: August Ahlers

Beleuchtung: Peter Pfaus, Erwin Telgmann
Souffleuse: Berta Brinkhoff
Requisiten: Marga Goldenstein
Inspizient: Michael Müller
Bühnenbildbau: Klaus Panka, Karl-Heinz Goldenstein, Walter Borraß,  Erwin Hildebrandt, Alfred Christoffers u.a.
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich

Rollen und Darsteller:
Gerd Jensen, Tankstellenbesitzer - Jürgen Tapken
Willem Bock, Tankstellenwärter - Horst Karstens
Mieke Haushälterin - Annchen Warrings-Konken
Dolly Hansen - Wilma Welte
Ellen Lund, Fotoreporterin - Luise Pampuch
Hannes Puusch, Händler - Manfred Janßen
Dr. Ramm, Landarzt - Willy Meinert
Werner Stürmer, Kreisbauamt - Günter Jaedeke
Krischan Menke, Bauer - Friedrich Müller
Heike, seine Tochter - Margot Andrews-Jäkel
Kassen Kreismann, Bauer - Karl-Heinz Schröder
Fahrschüler - Berta Brinkhoff, Klaus Panka
Motorradfanclub - Michael Müller, Roland Fritz
Musikantinnen - Cornelia Effertz, Gabriele Fritz


Fahrschulunterricht bei Gerd Jensen (Jürgen Tapken) - v.l. Friedrich Müller, Karl-Heinz Schröder, Barry Brinkhoff, Klaus Panka

JEVERSCHES WOCHENBLATT

Vergnögte Tankstell begeisterte

Schauspieler der Niederdeutschen Bühne kamen um Zugaben nicht umhin

Von Jutta Schmidt

Wilhelmshaven. Ausverkauft war die Premiere schon Tage vorher, und doch blieben am Freitagabend im Stadttheater einige Plätze leer. Dennoch, für die, die trotz der schlechten Straßenverhältnisse gekommen waren, wurde es ein amüsanter Abend. Hierfür sorgte wieder einmal die Niederdeutsche Bühne, die mit ihrer Aufführung "De vergnögte Tankstell" zwei Stunden lang das Publikum begeisterte.

"Wer Sörgen hett, hett ok Likör" hieß eines der vielen Lieder, die während der Aufführung gesungen wurden. Und Sorgen hat er, der Tankstellenbesitzer und Motorradfahrer Gerd Jensen (Jürgen Tapken). Im Hinblick auf den Ausbau der Bundesstraße hat Jensen seine Reparaturwerkstatt zu einer Tankstelle ausgebaut. Und dies ist der Ausgangspunkt des lustigen Stücks mit viel Musik, das aus der Feder von Fritz Wempner stammt und unter der Leitung von Arnold Preuß einstudiert wurde.

Ort der Tankstelle, die nach einem Bühnenbild von August Ahlers aus Oldenburg auf der Bühne errichtet wurde, ist ein Dorf dicht bei Wilhelmshaven. Jensen wartet sehnsüchtig auf den Bau der Bundesstraße, denn bald werden einige Wechsel fällig. Und auch mit seinem Hobby, dem Motorradfahren, hat er keinen Erfolg. Sein Beifahrer Willem Bock (Horst Karsten) ist als "Smermax" zu alt. Das Angebot eines Mädchens, sie als "Smermax" einzustellen, lehnt Jensen rigoros aus. Eine "Deern as Smermax" niemals.

Und so greift Dolly Hansen (Wilma Welte) zu einer List, die für ziemliche Aufregung sorgt in der "vergnögten Tankstell". Da auch die Liebe im Spiel ist, bleiben Verwirrungen und Eifersüchteleien nicht aus. Dolly muß einige Proben bestehen, bis sie endlich von Jensen als "Smermax" akzeptiert wird.

Nanu, was ist denn mit dem Hans Hansen (Wilma Welte) los, fragt sich Gerd Jensen (Jürgen Tapken)

Japser Vogt vom Ohnsorg Theater Hamburg hat für diese Inszenierung einige Texte und Melodien geschrieben. Und nach dem Schlußvorhang, kamen die Darsteller nicht umzu, ihren Rennfahrersong öfters zu wiederholen, in dem es hieß: "Kinner wer dat een Vergnögen, dat hett klappt; wi hebbt beid` Utsicht ob de Meisterschaft. All de Lüüd hebbt klatscht . . . Das Publikum klatschte lange für diese gelungene Premiere.

Weitere Mitspieler waren Annchen Warrings Konken als Haushälterin Mieke, Luise Pampuch als Reporterin Ellen Lund, Manfred Janssen als Bauchladenverkäufer Hannes Puusch, Willy Meinert als Dr. Ramm, Günter Jaedeke als Kreisbaubeämter Werner Stürmer, Friedrich Müller als Bauer Kirschan Menke, Margot Andrews Jäkel als Heike Menke, Karl Heinz Schröder als Bauer Kassen Kreimann. Weiter waren dabei: Berta Brinkhoff, Klaus Panka, Michael Müller und Roland Fritz als Fahrschüler und Motorradfans. Für die musikalische Untermalung sorgten Gabriele Fritz und Kornelia Effertz auf ihren Akkordeons.

Die nächsten Aufführungen sind am 10.,11., 23. und 30. Januar, sowie am 1. Februar im Stadttheater Wilhelmshaven. Am 15. Januar gastiert die Niederdeutsche Bühne in Sande und am 16. Januar in F`groden.

Der Doktor (Willy Meinert) staunt nicht schlecht, was er da bei Hans / Dolly Hansen (Wilma Welte) entdeckt

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Allerlei Verwirrungen an vergnögter Tankstell

Viel Beifall für die neue Inszenieurng der Niederdeutschen Bühne am Stadttheater

Von Theodor Murken

Eine gelungene Premiere begeisterte am zweiten Weihnachtstag bei der Niederdeutschen Bühne am Stadttheater Wilhelmshaven ein aufnahmebereites volles Haus. "De vergnögte Tankstell", ein vor 25 Jahren von der Niederdeutschen Bühne schon einmal als Schwank aufgeführtes Stück des Flensburgers Fritz Wempner, ist inzwischen durch Jasper Vogt vom Ohnsorg Theater mit Musik und Liedern ausstaffiert worden, deren entsprechende Texte man im Programmheft nachlesen kann.

Damit wurde aus dem Schwank ein "lustig Speel mit Musik". Dem ganzen Stück ist das gut bekommen. "Minschen, ik will ju dat Lachen schenken", ist das Motto von Fritz Wempner. Dazu ist er bewogen worden durch seine Erlebnisse in russischer Gefangenschaft, in der er die Frontkameraden schon durch lustige plattdeutsche Döntjes und Lieder aufheitern konnte. Daß er nach seiner Rückkehr in die Heimat seinen Kaufmannsberuf an den Nagel hängte und sich mit Haut und Haaren in Flensburg nicht nur dem niederdeutschen Theater als Darsteller, sondern auch als Verfasser zahlreicher Bühnenstücke verschrieb, war ein entscheidender Wandel in seinem Leben, der ihm und dem niederdeutschen Theater gut bekommen ist.

In seiner "vergnögten Tankstell" geht es nicht nur vergnügt zu (das ergäbe ja noch kein Stück), sondern recht turbulent, wobei den Beteiligten gar nicht immer so vergnögt zumute ist. Dafür sorgt ein junger Mann, der sich Hans Hansen nennt, in der Stadt wohnt und zu Besuch auf dem Land weilt, wo es ihm einfällt, dem Tankstellenbesitzer Gerd Jensen dabei zu helfen, als Rennfahrer Karriere zu machen.

Weil dieser junge Mann aber gar keine männliche Person ist, bringt das allerhand Verwirrungen mit sich. Sie sind nicht nur biologischer Natur, die mannigfachen Unterschiede schaffen auch verzwickte Situationen. Fritz Wempner hat allerhand Mühe aufwenden müssen, sie im dritten Akt seines Stückes in einigermaßen folgerichtig aufgereihten Szenen zu entwirren, bis sich der Hans als Dolly in ein weibliches Wesen zurückverwandelt hat und nun über seine Rolle als "Bifahrer" hinauswächst.

För's Publikum war dat een Vergnögen

Als Speelbas hatte es Bühnenleiter Arnold Preuß übernommen, das Stück zu inszenieren. Die Premiere bewies, daß er seine Aufgabe mit Bravour gelöst hat. Sie bewies aber auch, daß die Mühe, die der Speelbas bei den gründlichen (und das bedeutet im Theater harten) Proben aufgewendet hat, von den Darstellern mit ausgeprägter Spielfreude belohnt worden ist.

So erlebte man eine schmissige Aufführung, die kaum einen Wunsch offen ließ und die sich auch in bezug auf Gesang und Tanzbewegung sehen lassen konnte. Dabei müsen wir besonders die schauspielerischen Leistungen von Wilma Welte in der Rolle des Hans alias Dolly Hansen loben, die alle Situationen zu meistern verstand und frisch "drauf los spielte".

Jürgen Tapken war ihr als Tankstelleninhaber und Rennfahrer Gerd Jensen ein ebenbürtiger Partner. Es brauchte nicht zu verwundern, wie die ganze Sache schließlich ausging. Sein "Macker" Willem Bock mußte sich damit abfinden, daß er als einstiger (viel zu alter) Beifahrer das Nachsehen hatte. Aber Horst Karstens, der diese Rolle übernommen hatte, zeigte, daß er sich mit seinem Groll abzufinden verstand, zumal ihm durch die bald aufblühende Tankstelle eine neue Aufgabe zufallen würde. Das dürfte auch der Haushälterin Mieke von Gerd Jensen, von Annchen Warrings Konken mit gutem Gespür dargestellt, nicht Schwerfallen.

Es waren dann noch allerlei Personen mit im Spiel, das sich "in en Dörp dicht bi Wilhelmshaben" abspielen soll, die allesamt auf ihre Weise und durch ihre Einfügung in das Gesamtspiel zum Erfolg der Premiere beitrugen: Luise Pampuch als Fachjournalistin einer Motorsportzeitung, Manfred Janssen als geschäftstüchtiger Handelsmann, der seinen Laden "mit Lüttsachen" vor dem Bauch trägt, Willy Meinert als "Dokter för Lüe, nich för dat Veh" (er hätte beides sein können), Günther Jaedeke, als Werner Stürmer vom Kreisamt, dessen Wirksamkeit auch in die Handlung des Stückes hineinspielt.

Viel Schwung beim Rennfahrersong - Annchen Warrings-Konken, Horst Karstens, Wilma Welte, Jürgen Tapken, Karl-Heinz Schröder, Friedrich Müller

Den beiden Bauern Krischan Menke und Kassen Kreimann verliehen Friedrich Müller und Karl Heinz Schröder Gestalt in der Paarung von Streitbarkeit und Verträglichkeit und in ihrer Einträglichkeit als Mitglieder im Gemeinderat. Krischan Menke hatte dabei noch seinen Sonderärger mit seiner Tochter Heike (Margot Andrews Jäkel), die als Freundin von Hans Hansen ungerechtfertigt ins Zwielicht gerät. Schließlich gab es dann noch die beiden Fahrschüler (Berta Brinkhoff und Klaus Panka) und zwei Motorradfans (Michael Müller und Roland Fritz), und nicht vergessen dürfen wir ihrer Verantwortung für die Musik wegen an der Treckfidel Gabriele Fritz und Kornelia Effertz.

Die Aufführung gewann auch durch das freundliche Bühnenbild, das wieder von dem Oldenburger August Ahlers entworfen und von Klaus Panka, KarlHeinz Goldenstem, Walter Borraß, Erwin Hildebrandt, Alfred Christoffers und anderen gefertigt worden war. "Kinner, warm dat een Vergnögen!" heißt es am Schluß des "Rennfahrersongs". Für das Premierenpublikum war es augenfällig auch.

Liliom (NDE)

Niederdeutsche Erstaufführung am 7.11.1986

LILIOM

Vorstadtlegende in sieben Bildern und einem szenischen Prolog von Franz Molnar

Niederdeutsch von Hans-Peter Renz

Inszenierung: Harald Dornseiff (a.G. von der Landesbühne Niedersachsen Nord)
Regieassistenz: Wilma Welte
Bühnenbild: August Ahlers
Kostüme: Ilse Barlag (Landesbühne Niedersachsen Nord)

Bühnenbildbau: Klaus Panka, Karl-Heinz Goldenstein, Uwe Rozga, Norbert Ungermann, Walter Borraß, Bernhard Bertram, Rolf Esen
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Beleuchtung: Peter Pfaus, Erwin Telgmann
Souffleuse: Helga Lauermann
Requisiten: Marga Goldenstein
Inspizienten: Willy Meinert, Michael Müller

Rollen und Darsteller
Liliom - Arnold Preuß

Julie - Marion Zomerland
Fro Muskat - Hildegard Steffens
Luise - Dagmar Karstens
Fro Hollunder - Hanna Christoffers
De junge Hollunder - Günter Jaedeke
Fiscur - Wilfried Pampuch
Wolf Beifeld - Jürgen Tapken
De frömde Gendarm - Claus Miehlke
De Discher - Willy Meiner
Linzmann - Horst Karstens
De Kriminalkommissar - Günter Boye
Berkovics - Horst Karstens
De Himmelskonzipist - Günter Boye
De ole Gendarm - Karl-Heinz Schröder
Twee Schutzlüüd - Michael Müller, Klaus Panka
Twee Himmelsdetektive - Michael Müller, Günter Jaedeke
De Doktor - Karl-Heinz Schröder
Dr. Reich - Horst Jönck
Stephan Kadar - Klaus Aden
Een Deenstdeern - Helga Lauermann

Arnold Preuß in der Titelrolle "Liliom"

NORDWEST-ZEITUNG

Ein Jahrmarktsrauhbein mit Marzipanherz

Ferenc Molnars unverwüstlicher "Liliom" in niederdeutscher Version

Von Ernst Goetsch

Wilhelmshaven. Er ist nicht totzukriegen, dieser Tausendsassa: 77 Jahre nach seiner Zeugung durch den ungarischen Komödiendichter Ferenc Molnär (1878 - 1952) feiert Liliom, der rauhherzige Jahrmarktsausrufer der Urgroßelternzeit, fröhliche Urständ. Nachdem dieser unverwüstliche Held einer mit viel Poesie angereicherten Vorstadtlegende schon auf die Leinwand (1934) und, arg verfremdet, in ein Broadway Musical (1945) gesprungen ist, kommt er dem Publikum nun auch noch "op Platt". Denn Hans-Peter Renz, Bühnenautor, Regisseur und Darsteller hat den Liliom von Alfred Polgars erfolgreicher hochdeutscher Bearbeitung in norddeutsche Mundart übertragen.

Die Uraufführung dieser jüngsten Liliom Version durch die Niederdeutsche Bühne Wilhelmshaven löste beim Publikum zwar anfänglich etwas Verwirrung aus, weil sich auf der Bühne viel Ungewohntes vollzog (ein Arme Leute Spiel zwischen Realität und Traum, zwischen Jenseits und Diesseits), doch am Ende wurde die von Harald Dornseiff sanft behutsam inszenierte, von Augus Ahlers liebevoll romantisch ins Bild gesetzte Liliom Story mit sattem Applaus honoriert. Das aber ist wohl vor allem das Verdienst des Übersetzers Renz, der deutlich zu machen wußte, daß "die alte Geschichte" von ihm bewußt in ihrer Zeit belassen auch außerhalb des Dunstkreises von Gulasch und Paprika ihren Reiz und ihren Wert hat. Renz hielt sich durchgehend an die Molnär und Polgar Vorgaben, und er ließ dem Liliom, wie auch seiner Umwelt, in der niederdeutschen Sprache den nachempfindbaren Ausdruck von kleinbürgerlichem Gefesseltsein: Schmale Existenz zwischen Drangsal und Sehnsucht; Unvolllkommenheit im harten Alltag und risikoreiche Flucht in Traumziele. Auch niederdeutsch schwingt da viel Poesie im Wechsel zwischen rauhen Tönen der Selbstbehauptung und zarter Beseeltheit in gefährdeten Beziehungen mit.

Julie (Marion Zomerland) und Liliom (Arnold Preuß) - die Kritk fand die Darstellung wunderbar

An der weithin gut abgestuften Übersetzung Renz' lag's nicht, daß bei der Uraufführung die hier nun einmal vorgeschriebenen krassen Sprünge zwischen dem Gestern und dem Heute, zwischen bitterem Ernst und verspielter (ironischer) Heiterkeit gelegentlich ins Banale oder in ungewollt vordergründige Komik umzukippen drohten. Ein Beispiel: Die 1909 in zwei Handlungsschienen ausgebreitete poetische Passage von Lilioms derber Handgreiflichkeit, die den Frauen rückblikkend fast wie ein Streicheln erscheint, ist doch wohl 1986 angesichts aktueller Diskussion zum Thema "Gewalt gegen Frauen" kaum noch widerspruchslos hinzunehmen.

Regisseur Dornseiff setzte unverkennbar auf Weichzeichner Effekt, indem er den Liliom Darsteller Arnold Preuß sehr verhalten agieren ließ: Kein uriges Mannsbild mit überwiegend rauhem Gehabe (das seelische Verletztbarkeit überdecken soll), eher ein armer Teufel, der sich an Rechthaber Naturen wundreibt und in heilloses Dilemma rutscht. An den dröhnig rustikalen Liliom des Hans Albers darf man dabei nicht denken ... Bei Preuß sticht eher weiches Herz als trutzige Widerborstigkeit.

In entsagungsvollen Ton eingewiesen erscheint Lilioms Julie (Marion Zomerland: sehr leise, zaghaft). Dagen wirken "das naive Kind vom Lande", die am Handfesten orientierte Marie (Margot Andrews Jäkel), und besonders die vitale, auf ein auch dem Geschäft dienliches Mannsbild erpichte Karusselbesitzerin Muskat (Hildegard Steffens) komödiantisch variabler.

Es gab starke Szenen, und es gab Phasen, in denen Molnärs akzentuierte Gesellschaftskritik etwas blaß über die Rampe kam. Doch, insgesamt betrachtet, könnte sich dieser niederdeutsche "Liliom" als ein probates Würzmittel für das Programm von Mundart Bühnen erweisen, die wegen des Fehlens zeitgenössisch orientierter und artgebundener neuer Stücke auf Übersetzungen alter "Renner" anderen Zungenschlags erpicht sind.

Die ehemalige Chefin Fro Muskat (Hildegard Steffens) will ihren Ausrufer Liliom (Arnold Preuß) zurückholen.

JEVERSCHES WOCHENBLATT

Unfähig, Liebe in Worte zu kleiden

Beifallumrauschte Premiere zu "Liliom"

Von Jutta Schmidt

Wilhelmshaven. "Kann dat denn ween, dat man slagen ward, un nix marken deit?" Mit dieser Frage endete am Freitagabend die Premiere der plattdeutschen Uraufführung "Liliom" der Niederdeutschen Bühne Wilhelmshaven im Stadttheater. Arnold Preuß als Liliom und Marion Zomerland als Julie, den Hauptpersonen der Aufführung "Liliom" und 17 weiteren Spielleuten, dankte das Publikum mit tosendem Beifall für ihre hervorragende schauspielerische Darbietung. Obwohl "Liliom" bereits im Jahre 1908 von Franz Molnär niedergeschrieben wurde, erleben auch noch heute viele Paare das gleiche Schicksal wie Liliom und Julie. Zwei Menschen lernen sich kennen, verlieben sich, heiraten, und sind trotzdem nicht in der Lage, sich gegenseitig ihre Liebe zu gestehen und ein Gespräch zu führen.

Auch Julie und Liliom verlieben sich ineinander, sie ein Dienstmädchen und er ein Ausrufer auf einem Karussell auf einem Rummelplatz. Doch bevor ihre Liebe richtig erblüht, wird sie im Keim erstickt. Sie sind zwar des echten Gefühls fähig, aber nicht in der Verfassung, es zu nutzen. Jeder lebt mehr oder weniger für sich. Bis es zum Drama kommt.

Die ganze Geschichte an dieser Stelle zu erzählen, würde dem Stück nicht gerecht werden. Denn das Eigentliche dieser Aufführung, es geht um das tiefe Gefühl zweier Menschen, muß man selber spüren. Als Zuschauer leidet man mit Julie und Liliom möchte man mit einem Schlag zur Vernunft bringen, so wie er seine Julie geschlagen und später dann seine Tochter Luise, die dann fragt: "Kann dat denn ween, dat man slagen ward, un nix marken deit?" Nur wer diese Aufführung miterlebt, kann den Sinn dieser Frage verstehen.

Vor einem kunstvollen Bühnenbild, dargestellt wurden ein Rummelplatz, ein armseliges Fotoatelier, ein Bahndamm, ein Gartenhäuschen und das himmelische Gefilde, boten die Mitglieder der Niederdeutschen Bühne dem Publikum eine Aufführung besonderer Leistung. Vor allem Arnold Preuß und Marion Zomerland meisterten die Hauptrollen perfekt.

Fiscur (Wilfried Pampuch) überredet Liliom (Arnold Preuß)  zu einem Raubüberfall

Die Regie bei "Liliom" führte Harald Dornseiff und seine Helferin war Wilma Welte. Die plattdeutsche Übersetzung schrieb Hans Peter Renz und August Ahlers vom Oldenburgischen Staatstheater entwarf die Bühnenbilder. Folgende Spielleute waren an der gelungenen Premiere beteilitgt: Hildegard Steffens, Dagmar Karstens, Hanna Christoffers, Günther Jaedeke, Wilfried Pampuch, Jürgen Tapken, Claus Melke, Willy Meinert, Horst Karstens, Günter Boye, Karl Heinz Schröder, Klaus Panka, Mchael Müller, Horst Jönck, Klaus Aden, Marie Margot Andrews Jäkel sowie Arnold Preuß und Marion Zomerland.

Weitere Aufführungen sind am 12., 16., 23., 26. November und am 5. Dezember, außerdem am 13. November in Sande und am 28. November in F'groden.

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Liliom nun auch niederdeutsch

Der Held des Rummelplatzes auf der Bühne des Stadttheaters

Von Barbara Schwarz

Der Hallodri heißt Andreas Zavoczki. Zavoczki nach der Mutter. Aber das Theaterpublikum in der ganzen Welt kennt ihn nur als Liliom. Geschaffen hat ihn der ungarische Autor Ferenc Molnär(1878 1952) im Jahre 1909. Bei der Uraufführung von "Liliom" im Budapester Lustspieltheater fand der nichtsnutzige Karussellausrufer Liliom aber noch keine Gnade. Erst als Alfred Polgar ihn 1913 zum Wiener umgewandelt und auf der Bühne des Theaters in der Josefstadt herausgebracht hatte, schloß ihn das Publikum ins Herz, und er trat seinen Siegeszug in alle Welt an. So liefen in einer Spielzeit in New York sogar drei Liliom Inszenierungen parallel: eine auf Deutsch, eine auf Englisch und eine auf Jiddisch.

Verkörpert haben die Figur des Liliom seit jenen ersten Theaterjahren viele berühmte Schauspieler, von Gustav Waldau über Kari Brühl, Josef Jarno und Max Pallenberg bis hin zu Hans Albers, Josef Meinrad und Helmut Lohner. Mohärs "Liliom" ist ein märchenhaftes, anrührendes, überaus kunstvolles Volksstück. Es bietet nicht nur dem Darsteller der Titelrolle wunderbare schauspielerische Möglichkeiten, sondern darüber hinaus bis in die kleinsten Nebenrollen herrliche Aufgaben für ein Ensemble.

Julie (Marion Zomerland) trauert um Liliom (Arnold Preuß)

Nachdem Mohärs Stück in aller Welt gespielt und in so viele Sprachen übersetzt worden ist, was lag näher, als dieses herzergreifende Spiel um Liebe, Schuld und Sühne auch ins Niederdeutsche zu übertragen? Die Niederdeutschen Bühnen sind wie alle Mundartbühnen verlegen um gute Stoffe, um neue Stoffe. Und Hans Albers hatte als Liliom gezeigt, daß der Held der Dienstmägde und des Rummelplatzes durchaus nicht nur auf dem Prater, sondern auch auf einem norddeutschen Jahrmarkt zu Hause sein kann.

Der Schauspieler, Regisseur und Autor Hans Peter Renz (Bremen) übertrug Mohärs Welterfolg ins Niederdeutsche. Die Niederdeutsche Bühne am Stadttheater Wilhelmshaven brachte "Liliom" an diesem Wochenende als niederdeutsche Uraufführung heraus. Mit einem beachtlichen Aufwand h der Ausstattung Bühnenbildentwurf August Ahlers (Oldenburg) und an Darstellern hob Harald Dornseiff von der Landesbühne Niedersachsen Nord als Speelbaas "Liliom" aus der Taufe.

Niederdeutsche Bühne wagte sich auf Neuland

Dornseiff konzentrierte das Spiel auf die wesentlichen Züge des Handlungsrahmens. Seine Inszenierung zeigt trotz der Beschränkung die Grenzen auf, innerhalb derer eine von Semiprofessionals getragene Bühne wie die Niederdeutsche ein bei aller Schlichtheit und Volkstümlichkeit doch so schwierig auszubalancierendes Stück umzusetzen vermag. Es ist aller Ehren wert, daß die Niederdeutsche Bühne sich auf Neuland und an ein allein vom Umfang her auch vom Gehalt nicht unproblematisches Stück heranwagte.

Man darf eine solche "Liliom" Aufführung fairerweise auch nicht mit der einer Profi-Bühne oder gar einer exzellenten Star Aufführung vergleichen. Vielmehr muß man bewundern, wie wunderbar sich die warme niederdeutsche Sprache gerade für dieses Stück eignet und mit welch ungeheurer Anstrengung auf und hinter der Bühne versucht worden ist, die ganz eigene Poesie dieses Molnär Stückes zum Blühen zu bringen.

Das gelang in einigen Szenen dem Prolog auf dem Rummelplatz, der Szene im Stadtwald, dem Bild im Jenseits und im Schlußbild überzeugend. Andere Szenen rührten durch ihre bemühte Hilflosigkeit. Der Beifall des Publikums im fast ausverkauften Stadttheater galt vor allem Bühnenleiter Arnold Preuß als Liliom und Marion Zomerland als seiner Julie. Aber auch Hildegard Steffens als Karussellbesitzerin Fro Muskat, Margot Andrews Jäkel als Marie, Hanna Christoffers als Fro Hollunder, Günter Boye als Kriminalkommissar und Himmelskonzipist, Horst Jönck und Klaus Aden als zwei Selbstmörder im Himmel, Wilfried Pampuch als Bösewicht Fiscur und Jürgen Tapken als spießiger Wolf Beifeld gaben einer Aufführung Farbe, in der die Niederdeutsche Bühne merkwürdigerweise unter ihrem sonstigen spielerischen Niveau bleibt.

Nutzt Liliom (Arnold Preuß) die Chance, sich zu läutern? Er trifft nach Jahren auf Julie (Marion Zomerland)  und seine Tochter (Dagmar Karstens)

"Liliom" war der Versuch, ein Erfolgsstück für das Niederdeutsche Theater zu adaptieren. Ein Versuch, der trotz der gelungenen Übertragung und aller Mühen nicht als rund zu bezeichnen ist. Dennoch: Man sollte sich die Aufführung ansehen.

Snieder Nörig (1. WA)

1. Wiederaufführung (2.), davor vor 1939 gespielt

SNIEDER NÖRIG

Komödie in drei Akten von Paul Schureck

Inszenierung: Albrecht C. Dennhardt
Regieassistenz: Wilma Welte
Bühnenbild: August Ahlers, Albrecht C. Dennhardt

Bühnenbildbau: Klaus Panka, Karl-Heinz Goldenstein, Uwe Rozga, Norbert Ungermann, Walter Borraß, Bernhard Bertram, Rolf Esen
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Beleuchtung: Peter Pfaus, Erwin Telgmann
Souffleuse: Frieda Harms
Requisiten: Marga Goldenstein
Inspizientin: Helga Lauermann

Rollen und Darsteller
Fritz Nörig, Snieder - Günter Boye
Anna Nörig, sien Dochter - Luise Pampuch
Tine Pann, sien Dochter - Christine Fein
Karl Pann, Tine´s Mann - Arnold Preuß
Hannes, Slossergesell - Jürgen Tapken
Krischan Krup, Snieder - Horst Jönck
Amanda Krup, sien Süster - Heidi Rausch
Fro Meyer, Nawersch - Frieda Harms

Nörig (Günter Boye) überzeugte restlos

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Begeisterung für Snieder Nörig

Günter Boye zeichnete eine im Grunde tragische Figur

Von Barbara Schwarz

Riesenbeifall für die Niederdeutsche Bühne und ihre Eröffnungspremiere, Paul Schureks Komödie "Snieder Nörig", im Stadttheater. Verdienter Beifall für zwei Stunden glänzende Unterhaltung. Die Niederdeutsche in Hochform vor ausverkauftem Haus.

Albrecht C. Dennhardt, vier Jahre Mitglied des Ensembles der Landesbühne, heute in Coburg engagiert, hat als Gast Schureks 1927 entstandene Komödie um den altersstarrsinnigen, geizigen Schneider Fritz Nörig präzis im Timing, mit sicherem Gefühl für dramatische Effekte, temporeich in Szene gesetzt und die Spieler der Niederdeutschen Bühne zu Höchstleistungen geführt. Wilma Welte stand ihm dabei als Regieassistentin zur Seite und leitete in der letzten Woche auch die Endproben, nachdem Dennhardt wieder in Coburg auf der Bühne steht.

Nörig (Günter Boye) ist gegenüber seinem Schwiegersohn Pann (Arnold Preuß) sehr misstrauisch

"Snieder Nörig" ist vor allem der Abend von Günter Boye. Er gibt der Gestalt des alten Schneiders, der so willig auf die Schmeicheleien falscher Freunde hört und darüber die vergißt, die ihm nahe stehen und es gut mit ihm meinen, so viel Farbe, daß ein komplexer Charakter sichtbar wird. Eine im Grunde tragische Figur, denn der Schneider Nörig hat sich derart in die fixe Idee einer ihm feindlich gesinnten Umwelt verrannt, daß er aus diesem paranoiden Gefängnis nicht mehr herausfindet. Eine großartige Leistung von Boye, der streckenweise beängstigend an den alten Minetti erinnert.

Erfreulich das Wiedersehen mit Luise Pampuch aus Jever, die der Familie wegen jahrelang pausiert hatte. Frisch und ansehnlich wie immer, spielt sie Snieder Nörigs Lieblingstochter Anna. Christine Fein, ebenso hübsch anzusehen, verkörpert Tochter Tine mit Anmut. Bühnenleiter Arnold Preuß agiert als ihr Mann Karl mit Spielfreude ganz souverän. Jürgen Tapken, Annas Verlobter Hannes, ist unter Dennhardts Regie sichtbar locker geworden und spielt trotz des bei der Premiere sicher vorhandenen Lampenfiebers unverkrampft fröhlich.

Die Quasselstrippe Fro Meyer (Frieda Harms) ist zu Besuch, die Familie Nörig (v.l. Luise Pampuch, Jürgen Tapken, Arnold Preuß und Christine Fein) ist wenig begeistert

Eine herrliche Rolle hat Heidi Rausch mit der scheinheiligen Jungfer Amanda Krup. Man merkt ihr den Spaß an, den sie bei der Charakterisierung der zwei Seiten einer Medaille hat. Frieda Harms bringt die Nachbarin Meier prall komisch auf die Bühne. Eine köstliche Studie. Und Horst Jönck, bei der Niederdeutschen nun einmal zum Brunnenvergifter gekürt, führt den Schneider Krup so richtig ölig scheinheilig-schmierig vor, daß es eine Wonne ist.

Die Bühne verantwortlich dafür Dennhardt und August Ahlers ist für das Kostümstück schlicht: drei Türen machen Auf- und Abgänge logisch. Ein Tisch, ein paar Stühle, dicke Schlösser an Snieder Nörigs Kammer genügen vollauf, um das Spiel lebendig werden zu lassen. Neun weitere Aufführungen dieser Inszenierung stehen in Wilhelmshaven und Sande auf dem Programm. Die Zuschauer, die bei der Premiere noch nicht dabei waren, dürfen sich darauf freuen.

"Un wenn di dat nich passt, denn flüggst du ruut", so löst Nörig (Günter Boye) seine Probleme mit seinen Kindern Karl Pann (Arnold Preuß) und Tine Pann (Christine Fein)

Minsch ween mutt de Minsch (1. WA)

1. Wiederaufführung (2), davor 1961/62 gespielt

MINSCH WEEN MUTT DE MINSCH

Kriminalkomödie in drei Akten von Günter Siegmund

Inszenierung: Horst Jönck
Bühnenbild: August Ahlers

Bühnenbildbau: Klaus Panka, Alfred Christoffers, Karl-Heinz Goldenstein,  Uwe Rozga, Norbert Ungermann, Walter Borraß, Bernhard Bertram, Rolf Esen
Souffleuse: Frieda Harms
Requisiten: Marga Goldenstein
Inspizient: Willy Meinert

Rollen und Darsteller
Johannes Wilke, Polizeimeister - Klaus Aden
Karl Benthin, Oberwachtmeister - Manfred Janßen
Martin Stingel, Gemeindediener - Günter Boye
Friedel, seine Tochter - Marion Zomerland
Emma Wiggers, Reinmachefrau - Käte Baumann
Paster Petersen - Ralf-Rüdiger Bayer
Sebastian Knoop, ein Landstreicher - Wilhelm Pick
Hanne Kleinschmidt - Margot Andrews-Jäkel

Das Ensemble von "Minsch ween mutt de Minsch"

JEVERSCHES WOCHENBLATT

"Minsch ween mutt de Minsch"

Premiere für einen menschlichen Polizeimeister

von Jutta Schmidt

Wilhelmshaven. "Minsch ween mutt de Minsch, dann kann he maken wat he will", nach diesem Motto lebt und arbeitet Polizeimeister Johannes Wilke in der turbulenten Komödie "Minsch ween mutt de Minsch", die die Niederdeutsche Bühne Wilhelmshaven am Donnerstagabend im Stadttheater aufführte.

Er hat das Herz auf dem rechten Fleck, der Polizeimeister Johannes Wilke (Klaus Aden), der die Polizeistation in Freedensee führt. Den Landstreicher Sebastian Knoop, in hervorragender Maske gespielt von Wilhelm Pick, den Wilke als Hühnerdieb entlarvt, verklagt er kurzerhand zum Holzhaken bei der Witwe Wiggers (Käthe Baumann), wo Knoop die Hühner auch gestohlen hat. Eine Touristin (Margot Andrews Jäkel), die im See nackt badet, lädt der Polizeimeister ein, bei ihm zu bleiben, als Logiergast. Er ahnt nicht, wen er sich ins Haus geholt hat.

Polizeimeister Wilke spielt Schach während der Dienstzeit, er ist Polizist und Dorfrichter in einer Person und eine Sperrstundenverlängerung läßt er sich mit Schnaps bezahlen. Und mit Vorliebe trinkt er den Schnaps selber. Das,alles ist dem Oberwachtmeister. Karl Benthin (Manfred Janßen), ein Dorn im Auge. Kollege Benthin, oder "Embryo", wie Wilke ihn nennt, ist ein Musterbeispiel an Korrektheit und Arbeitsauffassung. Er schreibt einen anonymen Beschwerdebrief an den Polizeirat. Und damit überstürzen sich die Ereignisse auf der sonst so ruhigen Polizeistation. Alles ist ziemlich verwirrend.

Als Martin Stingel (Günter Boye), seines Zeichens Gemeindediener, auch noch eine Leiche findet, spitzt sich die Lage zu. Die Leiche wird hin und her geschoben, bis sich herausstellt, daß es gar keine Leiche gibt oder doch? Weitere IDarsteller bei, dieser Aufführung, die szenenweise etwas langatmig wirkte, waren Marion Zomerland als Fiedel, Tochter des Gemeindedieners und Ralf Rüdiger Bayer als Pastor Petersen. Besonders nennenswert ist die schauspielerische Leistung des Wilhelm Pick als Landstreicher Knoop, der mit seiner Mimik die Lacher auf seiner Seite hatte.

Die Kriminalkomödie, die aus der Feder von Günther Siegmund stammt und von Horst Jönck inszeniert wurde, wird im April noch neun Mal aufgeführt und zwar am 4. um 20 Uhr; am 13. um 15.30 und 20 Uhr; am 16. um 20 Uhr und am 20. um 15.30 und 20 Uhr und am 27. um 20 Uhr. Am Donnerstag, dem 10. April, gastiert die Niederdeutsche Bühne mit diesem Stück in Sande. Eine weitere Aufführung ist am 11. um 20 Uhr in der Agnes Miegel Schule.

Benthin (Manfred Janßen, re.)  hat den Hühnerdieb (Wilhelm Pick) verhaftet

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Der menschliche Polizist

Kriminell gespickte Premiere der Niederdeutschen

Von Theodor Murken

Eine Fülle von Witz und Komik mit geheimnisumwitterter Kriminalität erheiterte auf dem Premierenabend der Niederdeutschen Bühne am Stadttheater Wilhelmshaven ein fast voll besetztes Haus. "Watt schall dorbi rutkamen?" konnte man im ersten Akt der Kummedie "Minsch ween mutt de Minsch° von dem versierten Autoren und Schauspieler Günther Siegmund fragen. Ein Polizeimeister der Polizeistation in der Gemeinde Freedensee, der schon bei Dienstbeginn einen Schnaps nach dem anderen trinkt und mit seinem Kollegen des Nachbarorts telefonisch Schach spielt. Eigenmächtig maßt er sich das Richteramt an und verdonnert einen Hühnerdieb zu zwei, eine Frau, die nackicht im See gebadet hat, zu einer Woche, um dann die Vollstreckung gleich auf menschliche Weise zu vollziehen, getreu seiner Devise "Minsch ween mutt de Minsch".

Ganz im Gegensatz zu seinem forschen und dienstbeflissenen Oberwachtmeister.Kein Wunder, daß in den beiden nächsten Akten des dreiaktigen Spiels die Konflikte sich zusammenbrauen und zu allem Überfluß auch noch die Leiche einer gesuchten Kindesmörderin am See gefunden und zum Objekt von allerhand Verwirrungen wird. Günther Siegmund, der vor vier Jahren verstarb und dieses Stück 1959 geschrieben hat, verstand sein Fach, und gerade in diesem Stück hat er am Schluß eine Überraschung auf die andere gesetzt.

Als Speelbaas zeigt Horst Jönck, daß er auch Regie führen kann. Er überraschte mit einer schmissigen Aufführung. Für einen wirkungsvollen Anfang sorgten Käthe Baumann als wortgewandte Reinmachefrau und Manfred Janßen, der den forschen Oberwachtmeister und pingeligen Beamten herauskehrte. Seine Gegensätzlichkeit zum Polizeimeister wurde deutlich, als dann in dieser Rolle der besinnlichere Klaus Aden in Erscheinung trat mit seiner eigenen Auffassung von Menschlichkeit, die ihm eine Kette von Schwierigkeiten einbringt. Fast wäre er ganz und gar mit seiner Menschlichkeit gescheitert, wenn nicht eine nach Freedensee abgeordnete Kommissarin, als die sich die nacktbadende Frau entpuppte (sie wurde von Margot Andrews Jäkel dargestellt) bei all ihrer Forsche soviel Menschlichkeit gezeigt hätte, daß der Polizeimeister schließlich doch noch mit einem "Verweis" davonkommt.

Zwei Darsteller müssen aber besonders gelobt werden. Einmal der unverwüstliche Wilhelm Pick als landstreichernder Hühnerdieb (und in dieser Maske nur noch an seiner Stimme wiederzuerkennen), dem am Schluß noch wegen der ominösen Frauenleiche ein toller Coup gelingt, und Günter Boye als beflissener Gemeindediener, dem die Leiche schwer zu schaffen macht. Zur Gemeinde gehört neben der Gemeindeverwaltung, der an einem Sportplatz sehr gelegen ist, auch ein Pastor, der sich um einen Gemeindesaal bemüht. Ralf Rüdiger Bayer als Pastor Petersen hat da sein liebe Not mit dem Polizeimeister, der mit allerlei Tricks sich um den Sportplatz bemüht und sich im Gespräch mit dem Pastor bemüht, ein wenig tiefer (nicht nur ins Schnapsglas) zu schauen.

Mensch sein hin Mensch sein her, die Tochter des Gemeindedieners (Marion Zomerland, die noch etwas mehr aus sich herausgegen müßte) schätzt den Polizeimeister und liebt den Oberwachtmeister. Ein Trost bleibt, daß das Menschsein (dat Minsch ween) letzten Endes doch die Oberhand behält und schließlich in der Polizeistation, für die August Ahlers das Bühnenbild entwarf (von einem personenstarken Team "torrechttimmert"), Friede einkehrt daß die Sache mit der Leiche nicht ganz astrein ist, erfährt die Kommissarin nicht mehr.

Wer wäre hier nicht gerne "Minsch", die Kommissarin wird von Margot Andrews-Jäkel dargestellt, der menschliche Polizeimeister Wilke ist Klaus Aden

Medewatt ? (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

MEDEWATT?

Familien-Farce in drei Akten von Johann-Maria Meredig

Inszenierung: Arnold Preuß
Regieassistenz: Wilma Welte

Bühnenbild: Alfred Christoffers, Klaus Panka, Herbert Ulbrich
Bühnenbildbau: Klaus Panka, Alfred Christoffers, Karl-Heinz Goldenstein,  Uwe Rozga, Norbert Ungermann
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Beleuchtung: Peter Pfaus, Erwin Telgmann
Inspizientin: Helga Lauermann
Souffleuse: Marion Zomerland
Requisiten: Marga Goldenstein

Rollen und Darsteller
Ernst-Martin Fleischhauer - Horst Jönck
Gerhild, sien Fro - Heidi Rausch
Ernst-Friedrich, jemehr Söhn - Jürgen Tapken
Rudolf Lehrmann, gen. Rudi - Wilfried Pampuch
Gaby, sien Fro - Karin Heyel
Susanne, jemehr Dochter - Christine Fein

Die Grenzen zwischen Fleischauers und Lehrmanns sind rasch gezogen (v.l. Heidi Rausch, Horst Jönck und Wilfried Pampuch)

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Medewatt begeisterte Publikum

Viel Beifall für die Premiere der Niederdeutschen

Von Barbara Schwarz

"Medewatt?" eine Familien-Farce von Johann Maria Meredig, Premiere der neuesten Inszenierung der Niederdeutschen Bühne im Wilhelmshavener Stadttheater: Das Stück des sich hinter dem Pseudonym Meredig verbergenden Autors ist hübsch geknobelt und Speelbaas Arnold Preuß hat dieses noch ganz junge Bühnenwerk so ansehnlich in Szene gesetzt, daß das Premierenpublikum am Wochenende seine helle Freude hatte.

Den ersten Beifall gibt es bereits für das Bühnenbild, das Alfred Christoffers, Klaus Panka und Herbert Ulbrich entworfen haben das Innere eines alten Friesenhauses auf einer. Hallig, mit vier Alkoven, aus denen später die Buntkarierten hervorschimmern, Fensterblick auf See, und Küste. Die Ausgangssituation läßt viele Möglichkeiten zu: Einem Oberstudienrat mit Frau und Sohn sowie einem erfolgreichen Schlachtermeister mit vielen Geschäften und Wurstfabrik sowie Frau und Tochter wird das reetgedeckte Friesenhaus zur gleichen Zeit als Ferienquatier zugewiesen. Das Boot, das sie absetzte, kommt erst in 14 Tagen wieder. Außer diesem einzigen Haus gibt's auf der Hallig nichts als Mede (grüne Weidewiese) und Watt. Und natürlich Wasser, Wind und Wolken und eine Signalpistole für Notfälle.

Die Fußballbegeisterung vereint die Streithähne (Horst Jönck und Wilfried Pampuch)

Aus diesen Zutaten hätte man auch einen Krimi basteln können, Meredig, der Autor, machte eine Farce daraus, ein derbkomisches Spiel mit satirisch liebevollen Anspielungen auf die bundesrepublikanische Gesellschaft, in der jeder seinen Besitzstand mit Zähnen und Klauen verteidigt, rafft was zu raffen ist und sich die Nation nur einig ist, "wenn die Jungs" im Fußball (Tennis) siegen und über ein paar Bierchen und Klare Verbrüderung möglich wird.

Der Autor hat die Satire aber in heiteres Gewand verpackt. Es braucht sich niemand getroffen zu fühlen. Und Arnold Preuß . hat im Verein mit den Spielern der Niederdeutschen das Spiel locker auf die Bühne übertragen. Horst Jönck, der Oberstudienrat, und Wilfried Pampuch, der Schlachtermeister, sind als sich verbrüdernde Fußballfans in ihrem Rausch wirklich ein komisches Paar. Pampuchs Auftritt im Nachthemd kommt ebenso an, wie Jöncks pantoffelheldige Versuche, seiner Frau Gerhild seine Sauferei zu verschweigen.

Heidi Rausch als Frau Gerhild, herrlich zickige Aufsteigerin in gutbürgerliche Kreise, findet am Ende doch Gefallen an der patenten Schlachtmeistersgatting, die von Karin Heyel frisch, resulut und sympatisch gezeichnet wird. Jürgen Tapken schlüpft sicher in die Rolle des total verknallten Studienratssohnes und Christine Fein, zeigt als Schlachterstöchterlein nichl nur gute Figur, sondern stellt ein frisches, junges Mädchen auf die Bretter.

Happy End. Aber dann, kommt noch eine Pointe, die niemand erwartet hat. Verdienter Beifall für eine runde, gut zweistündige Auf führung, die sicher noch viele Zuschauer begeistern wird.

Bei den Kindern hat´s sofort gefunkt (Jürgen Tapken, Christine Fein)

JEVERSCHES WOCHENBLATT

Urlaub auf Einladung vom Ministerium

"Medewatt" Premiere der Niederdeutschen Bühne sorgte für Verwirrungen

von Jutta Schmidt

Wilhelmshaven/Sande. "Medewatt" heißt die vierte Inszenierung der Niederdeutschen Bühne am Stadttheater in Wilhelmshaven, die am Freitagabend Premiere hatte. Und hier sorgte "Medewatt" für Verwirrungen, Heiterkeit und immer wieder für Applaus auf offener Szene. Aber was ist "Medewatt? Zum einen ist "Medewatt" eine Familien-Farce und eine Farce ist nichts anderes als eine Posse, und in einer Posse werden derbkomisch menschliche Schwächen charakterisiert. Zum anderen ist "Medewatt" der Name einer Hallig, die irgendwo vor unserer Küste zu finden ist. Ein einziges Haus steht auf dieser Insel, wo zwar Strom und fließend Warmwasser vorhanden sind, jedoch kein Telefon.

In diesem Haus darf die Familie Fleischhauer 14 Tage Urlaub machen. Und das noch kostenlos, denn das Familienministerium hat das Haus für einen "Test" zur Verfügung gestellt. Als nun Oberstudiendirektor Fleischhauer (Horst Jönck) mit seiner Frau Gerhild (Heidi Rausch) und seinem Sohn Ernst Friedrich (Jürgen Tapken) die Insel erkunden, trifft noch eine Familie auf der Hallig ein. Fleischermeister Lehrmann (Wilfried Pampuch) mit seiner Frau Gaby (Karin Heyel) und seiner Tochter Susanne (Christine Fein) wollen ebenfalls "Urlaub auf Einladung vom Ministerium" auf dem Eiland machen.

So beginnt eine turbulente Familien Farce auf der einsamen Hallig Medewatt. Die grundverschiedenen Familien, die des Oberstudiendirektors vornehm und pingelig, die des Fleischermeisters einfach und ordinär, geraten hart aneinander. Ein Wortgefecht beginnt, das immer wieder für Lachsalven und Applaus sorgt. Denn heikle Probleme, darunter auch eine Bettgeschichte, müssen gelöst werden, bis man endlich gemeinsam am sonst geteilten Frühstückstisch sitzt. Mehr wird nicht verraten, denn es gibt noch neun weitere Aufführungen dieser amüsanten Familien Tragödie.

Es geht um die Schlachtersalami und da versteht Rudi (Wilfried Pampuch) keinen Spaß. In Deckung gehen Heidi Rausch, Horst Jönck und Karin Heyel

Die spritzige Farce stammt aus der Feder von Johann Maria Meredig und wurde von Arnold Preuß und seinen Darstellern einstudiert. Die nächsten Aufführungen sind am 13. Februar in Sande um 20 Uhr und am 14.2., 16.2., 19.2., 27.2., 2.3. und 5.3. jeweils um 20 Uhr im Stadttheater Wilhelmshaven zu sehen.

De schönste Mann van de Reeperbahn (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

DE SCHÖNSTE MANN VAN DE REEPERBAHN

Musical in drei Akten von Heinz Wunderlich und Wolfgang Rothenburg
Musik von Charly Niessen
Plattdeutsch von Christa Wehling

Inszenierung: Hans Peter Renz
Regieassistenz: Wilma Welte
Bühnenbild August Ahlers a.G.

Bühnenbildbau: Klaus Panka, Alfred Christoffers, Karl-Heinz Goldenstein, Uwe Rozga, Norbert Ungermann
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Beleuchtung: Peter Pfaus, Erwin Telgmann
Tanzeinstudierung: Tordis Hahn
Inspizient: Wilfried Meinert
Souffleuse: Frieda Harms
Requisiten: Marga Goldenstein

Rollen und Darsteller
Willy Eggers - Arnold Preuß
Hein Moos - Horst Karstens
Carola - Hildegard Steffens
Carla Rathjen - Sabine Gerdes
Käpt´n Plinkeroog - Karl-Heinz Schröder
Frau Sabine Stehen - Helga Lauermann
Lotti - Roswitha Wunderlich
Een Seemann - Günter Boye
Herr Pütt - Ralf-Rüdiger Bayer
Olga - Hanna Christoffers
Frau Rathjen - Karin Heyel
Twee Deerns - Berta Brinkhoff, Christine Fein
Noch´n Deern - Birgit Karstens
Een Mann - Günter Jaedeke
Een Kellner - Klaus Panka
De Musikdeerns - Cornelia Effertz, Gaby Janßen

Im Klabautermann wird jeden ABend der schönste Mann von der Reeperbahn gewählt

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Viel Leben im Reeperbahn Klabautermann

Musical Premiere bei der Niederdeutschen Bühne im Stadttheater

Von Theodor Murken

Die Niederdeutsche Bühne am Stadttheater Wilhelmshaven hatte sich für ihre zur Tradition gewordene Premiere am zweiten Weihnachtsfeiertag eine neue Aufgabe gestellt, die Aufführung eines Musicals, das dazu noch eine Parodie auf den Amüsierbetrieb im Hamburger St. Pauli sein will. Wie das Reeperbahnlokal "Zum Klabautermann" mit der abendlichen Wahl des schönsten Mannes (der immer derselbe ist) die Konkurrenz über trumpfen sucht, haben die beiden Autoren Heinz Wunderlich und W. Rothenburg in einem Dteiakter verarbeitet, der reich mit amüsanten Liedern ausgefüllt ist. Den Sprechtext hat das Mitglied des Ohnsorg Theaters Christa Wehling ins Plattdeutsche übersetzt.

Die Handlung des Stückes entbehrt zwar dramatischer Effekte und man merkt auch recht bald, daß sich zwischen dem "schönsten Mann" und der Serviererin Carla etwas anbahnt, aber immerhin ist so viel Betrieb im "Klabautermann", daß der Zuschauer sich nicht zu langweilen braucht. Die Autoren haben sich bemüht, das Musical als Parodie deutlich zu machen, den ganzen faulen Zauber des Reeperbahn-Milieus mit seinem Konkurrenzkampf anzuprangern. Dies auch durch die Aufführung dem Publikum näherzubringen, war die wichtigste Aufgabe der Regie. Für sie hatte die Niederdeutsche Bühne als Gast den auch als Schriftsteller bekannten Regisseur Hans Peter Renz gewonnen, der von Wilma Welte assistiert wurde.

Eine muntere Gästeschaar hat sich da versammelt im Klabautermann

Wir hätten gewünscht, daß er den Spott, der sich wie ein roter Faden durch das Stück zieht, noch stärker in den Vordergrund gerückt und die Spieler veranlaßt hätte, ihre Rollen deutlicher zu parodieren, so z. B. bei der im Lokal herumschnüffelnden Sabine Steen (Helga Lauermann) und ihrem Begleiter Pütt (Ralf Bayer), die darauf aus sind, den schönsten Mann für ihr Lokal zu gewinnen, mitsamt Serviererin, Klofrau und anderen.

Ernster Eifer statt Parodie

Der ernste Eifer der Darsteller, dem Stück als Musical volle Wirkung zu verleihen, übertünchte das Parodistische. Doch das volle Haus nahm starken Anteil an der Aufführung und bedachte einzelne Szenen und die Lieder mit begeistertem. Beifall. Ein großer Teil des Ensembles war auf der Bühne, für die August Ahlers als Bühnenbild eine zünftige Reeperbahnkneipe entworfen hatte.

Für eine schmissige Musikbegleitung auf dem Akkordeon sorgten Cornelia Effertz und Gaby Janßen, und wenn wir uns kritisch zu den gesanglichen Leistungen der Darsteller äußern sollen, so wäre da vieles zu loben. Uns machte es besonders Spaß, wie die Darstellerin der Serviererin Carla (Sabine Gerdes) die in all dem faulen Zauber Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit verkörpert, den schönsten Mann in einem Lied als tätowierten Kapitän verspottet.

Die beiden Seelöwen sind pleite (v.l. Arnold Preuß, Horst Karstens)

Um diesen schönsten Mann dreht sich natürlich alles. Arnold Preuß konnte ihn recht überzeugend verkörpern. Man konnte glauben, dieser kleine Barkassenführer sei tatsächlich ein Kapitän auf großer Fahrt. Er kam, sah und siegte nicht nur bei der Serviererin mit Charme. Sein Freund Hein Moos (Horst Karstens) hatte keine Chance, die Carla vor ihm zu warnen.

Dann gab es in diesem Lokal mehr als beobachtenden Besucher einen Käpt'n Plinkeroog, ein würdiger Mann mit vier Armelstreifen, der behauptet, er sei gar kein Kapitän, sondern betreibe am Hafen eine Wurstbude. Was tatsächlich in ihm steckte (Karl Heinz Schröder spielte ihn), erfuhr man erst wenige Minuten, bevor im letzten Akt der Vorhang fiel.

Alles Geschehen in der Kneipe dirigierte die Wirtin des , Klabautermann". Hildegard Steffens meisterte diese Rolle, als wäre sie vom Fach. Wenn noch jemand von den 19 auf der Bühne agierenden Personen hervorzuheben wäre, dann ist es Günter Boye als torkelnder Seemann, der in seinem Eifer sogar den Weihnachtsbaum mitriß und an Komik nichts zu wünschen übrigließ.

Den Ton auf St. Pauli gaben auch an: Roswitha Bertz, Birgit Karstens sowie Hanna Christoffers, Karin Heyel, Berta Brinkhoff, Christine Fein, Wilfried Meinert. Günther Jaedeke und Klaus Panka. Tordis Hahn hatte die Tänze einstudiert. Der Beifall am Schluß des Stückes galt auch dem anwesenden Autor Heinz Wunderlich.


Es fliegen schon mal die Fäuste im Klabautermann, wenn man seine Zeche nicht zahlen kann (Horst Karstens, Roswitha Bertz, Günter Boye und Arnold Preuß)

De ole Fischfroo (2. WA)

2. Wiederaufführung (3), davor vor 1953/54 und 1964/65 gespielt

DE OLE FISCHFROO

(An de Eck van de Steenstraat)
Volksstück in drei Akten von Erhard Asmus

Inszenierung: Arnold Preuß
Bühnenbild August Ahlers a.G.

Bühnenbildbau: Klaus Panka, Alfred Christoffers, Karl-Heinz Goldenstein,  Uwe Rozga, Norbert Ungermann
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Beleuchtung: Peter Pfaus, Erwin Telgmann
Inspizient: Wilfried Meinert
Souffleuse: Helga Lauermann
Requisiten: Marga Goldenstein

Rollen und Darsteller
Karl Brüdt, Kesselklopfer - Karl-Heinz Schröder
Tine Brüdt, Fischfrau - Rika Jung
Lieschen Brüdt, beider Tochter - Wilma Welte
Jupp Brüdt, beider Sohn - Jürgen Tapken
Fiede Lütt, Bootsmann - Klaus Aden
Jan Kersten, Steuermann - Wilfried Pampuch
Tetje Fries, Arbeitskollege von Karl Brüdt - Wilhelm Pick
Heinrich Meier - Ralf-Rüdiger Bayer
Dora Wutzke, Nachbarin - Annchen Warrings-Konken

Tine (Rika Jung) schließt ihren Jupp (Jürgen Tapken) glücklich in die Arme

JEVERSCHES WOCHENBLATT

Gelungene Rollen-verteilung war Garant für den großen Erfolg

"De ole Fischfro" erinnerte an schwere Nachkriegsjahre

von Jutta Schmidt

Wilhelmshaven. Einen Schritt zurück, in eine von vielen vergessene Zeit, ging die Niederdeutsche Bühne des Stadttheaters Wilhelmshaven, mit ihrer Aufführung "De ole Fischfro". Eine Nachkriegsgeschichte wurde aufgeführt, die heute noch genau so einen aktuellen Stand im Bezug auf die Arbeitslosigkeit hat, wie damals vor 33 Jahren, als das Stück zum ersten Mal vorgestellt wurde. Die Geschichte spielt im Jahre 1952, in der schweren Nachkriegszeit.

Mit dem Aufgang des Vorhanges wurde man schon durch den Bühnenaufbau, es zeigt die damalige Kücheneinrichtung einer einfachen norddeutschen Familie, in jene Zeit zurückversetzt. Was durch die hervorragende Rollenbesetzung und spielerischen Darbietungen der Spieler noch wesentlich verstärkt wurde.

Da ist zuerst einmal Mutter Brüdt (Rika Jung), die seit 25 Jahren tagein, tagaus bei Regen und Sturm mit ihrem Fischwagen auf der Straße Fisch verkauft. Sie allein verdient den täglichen Lebensunterhalt. Ihr Mann Korl Brüdt (Karl Heinz Schröder) wird durch seine Arbeitslosigkeit zum Trinker und Tochter Lieschen (Wilma Welte), ebenfalls ohne Arbeit, geht ihren eigenen Weg und läßt sich von ihrer Mutter auch noch bedienen.

"De olle Fischfro" ist über ihr hartes Leben alt, müde und krank geworden. Sie schreit ihren Kummer förmlich heraus. Ihr ganzes Dasein gilt nur noch ihrem Sohn Jupp (Jürgen Tapken), der bei Nacht und Nebel zur See gefahren ist. Er will Geld verdienen, um ihr einen Fischladen zu kaufen, ein Hoffnungsschimmer ganz in der Ferne. Als Mutter Brüdt nicht mehr ein noch aus weiß, kommt Jupp unverhofft zurück. Mit ihm kommen 5000 Mark und seine Freunde Fiede Lütt (Klaus Aden) und Jan Kersten (Wilfried Pampuch).

Nun endlich scheint es so, als wenn sich das Schicksal zum Guten wenden will. Aber da sind auch noch Hinrich Meier (Ralf Bayer), der Fast Verlobte von Lieschen, Tiedje Fries (Wilhelm Pick), arbeitsloser Freund von Korl Brüdt und Dora Wutzke (Annchen Warrings Konken), eine Nachbarin, die dafür sorgen, daß es,Not und Freude für "De ole Fischfron" gibt.

Hinter der Bühne waren tätig: für den Bühnenaufbau verantwortlich Klaus Panka, Alfred Christoffers, Karl Heinz Goldenstein, Uwe Rozga und Norbert Ungermann. Ausgedacht hat sich das Bühnenbild August Ahlers. Für gute Farbe sorgte Herbert Ulbrich. Für Licht waren Peter Pfaus und Erwin Telgmann zuständig. Die Requisiten stellte Marga Goldenstem zusammen. Die "Topustersche" war Helga Lauermann und Inspizient war Wilfried Meinert.

Tedje (Wilhelm Pick) und Karl (Karl-Heinz Schröder) gehen auf Tour - dar kummt nix goots bi ruut

Die Regie führte Arnold Preuß.Weitere Aufführungen gibt es am Mittwoch, 13. 11., Sonntag, 17. 11., Sonntag, 24. 11., Freitag, 29. 11., Sonnabend, 30. 11. und Mittwoch, 4. 12., jeweils um 20 Uhr, sonntags auch um 15.30 Uhr. Am Donnerstag, dem 14. 11., gastiert die Niederdeutsche Bühne um 20 Uhr im Ev. Gemeindehaus in Sande.

Selten gelingt es einem Regieleiter, Rollen so perfekt zu verteilen, wie es Arnold Preuß bei dem Stück "De ole Fischfron" aus der Feder von Erhard Asmus, getan hat. Darum war es auch nicht verwunderlich, daß bei dieser Aufführung, wo einmal mehr Not und Elend im Vordergrund stand, als die Liebesgeschichte, tosender Beifall, als Dank für die gelungene Darbietung gegeben wurde. Denn neben Szenen voll Besinnlichkeit und Traurigkeit, gab es auch viele lustige und vergnügliche Einsätze.

 
WILHELMSHAVENER ZEITUNG

"De ole Fischfro" begeisterte

Niederdeutsche Bühne feierte großen Erfolg

Die Premiere des niederdeutschen Volksstücks "De ole Fischfroo" wurde am Wochenende im Stadttheater ein großer Erfolg. Die lustige Inszenierung wurde vom Publikum begeistert aufgenommen. Beherzt und routiniert meisterte das Ensemble die Komödie des plattdeutschen Autors Erhard Asmus.

"De ole Fischfron" spielt im Jahre 1952 in einer Hafenstadt an der Nordseeküste. Vor dem Hintergrund der frühen Nachkriegsjahre schildert das Volksstück am Beispiel der Familie Brüdt die damalige materielle Not und die dadurch entstehenden familiären Spannungen. Um die Finanzen der Familie Brüdt ist es nicht gut bestellt: Korl Brüdt (dargestellt von Karl Heinz Schröder) ist arbeitslos. Das Stempelgeld, das für die Haushaltskasse so nötig wäre, setzt er gleich in Schnaps um. Seine Frau Tine verkauft unterdessen Fische. Sie rackert sich ab, damit die Familie wenigstens das Nötigste zum Leben hat.

Noch macht der feine Pinkel Herr Meier (Ralf-Rüdiger Beyer) Eindruck auf Lieschen (Wilma Welte) - wie lange noch?

Nach ihrer Arbeit plagt sich die "Fischfro" auch noch mit dem Haushalt ab. Durch ihren Ehemann Korl und ihre Tochter Lieschen (Wilma Welte) erfährt sie keine Unterstützung. Tines Sohn Jupp (Jürgen Tapken), der an Land ebenfalls keine Arbeit finden konnte, ist auf See. Eines Tages stellt die Fischfrau, die von Rika Jung glänzend gespielt wird, fest, daß aus ihrem Portemonnaie Geld verschwunden ist. Vadder Korl hatte es herausgenommen und mit seinem arbeitslosen Kumpel Tedje Fries (Wilhelm Pick) "versoffen". Tine Brüdt ist verzweifelt, weiß weder ein noch aus.

Doch unvermittelt erfährt das Stück eine überraschende Wendung: Jupp kehrt mit zwei Freunden zurück. Er hat seinen Lohn gespart und gibt seiner Mutter das Geld, damit sie sich das lang ersehnte Fischgeschäft kaufen kann.

Als die, Heimkehrer von Don Wutzke (Annchen Warrings Konken) erfahren, daß Mutter Brüdt nunmehr seit 25 Jahres Fisch verkauft, steht für die drei fest, daß dieses Jubiläum anständig gefeiert werden muß Von diesem Zeitpunkt an über schlagen sich die Ereignisse Lieschen, bisher widerborstig und von dem Wunsch beseelt eine "gute Partie" zu machen sorgt nun eifrig und emsig für den Haushalt. Der geschniegelt Herr Meier wird als Schwindler und Dieb entlarvt und den glücklichen wie harmonischer Ende steht nach vielen Verwick lungen nichts mehr im Wege.

Die Reaktion des Publikum; auf der drei Akter war überwältigend. Man sah fast ausnahmslos strahlende Gesichter. Schon während des Stückes hatten die zahlreichen Besucher nicht mit Szenenapplaus gegeizt, aber nach der Aufführung wurden die ausgezeichneten Darsteller mit riesigem Beifall bedacht. fb


So richtig tolle Jubiläumsstimmung kommt noch nicht auf (v.l. Jürgen Tapken, Annchen Warrings-Konken, Klaus Aden, Rika Jung, Wilma Welte, Wilfried Pampuch, Ralf-Rüdiger Beyer)

 

Lotte speelt Lotto (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

LOTTE SPEELT LOTTO

Lustspiel in fünf Akten von Hermann Kugelstadt

Inszenierung: Karl-Heinz Herpel

Bühnenbild: Karl-Heinz Herpel, Klaus Panka, Herbert Ulbrich
Bühnenbildbau: Klaus Panka, Alfred und Wilfried Christoffers,  Karl-Heinz Goldenstein, Norbert Ungermann
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Inspizientin: Berta Herpel
Souffleuse: Herta Tapken
Requisiten: Marga Goldenstein
Beleuchtung: Erwin Telgmann, Peter Pfaus

Rollen und Darsteller
Martin Hagen, ´n lütten Beamten - Horst Karstens
Lotte, sien Fro - Roswitha Bertz
Christine, ehr Dochter se nöömt sick Chris - Sabine Gerdes
Dr. Rashid Nizami, he is Assistenzarzt ut Persien - Jürgen Tapken

Lottes (Roswitha Bertz) Lottoschein spielt eine große Rolle, auch für den Ehemann (Horst Karstens)

WILHEMSHAVENER ZEITUNG

Lotte spielt mit Erfolg Lotto

Gelungener Start der Niederdeutschen Bühne

Von Barbara Schwarz

Wenn die Niederdeutsche Bühne am 20. Oktober Hermann Kugelstadts Lustspiel "Lotte speelt Lotto" abgespielt haben wird, dürfte die Lotto Gesellschaft um einige Lottoanhänger reicher sein; denn wie Lotte Lotto spielt, das überzeugt. Und wie Karl Heinz Herpel das Lustspiel inszenierte, das macht Freude. Das Premieren Publikum fand am Wochenende jedenfalls viel Gefallen an der leicht, locker und sehr komödiantisch daherkommenden Inszenierung. Man guckt gewissermaßen in die gute Stube vom Nachbarn, in diesem Fall von Martin Hagen und seiner Frau Lotte und deren gemeinsamer 22jähriger Tochter Christine. Und man schaut ihnen zu, wie sie sich streiten und wieder vertragen und versuchen, mit verlorenem bzw. unerwartet hohem Lottogewinn mehr sei hier nicht verraten fertig zu werden.

Natürlich gibt's für alle ein Happy End, ein so unerwartet glückliches, wie im Märchen. Bis es mit rund eineinhalb Stunden Spieldauer soweit ist, freut man sich an zum Teil sehr witzigen Dialogen, vor allem aber am Spiel der Vier, die das Stück allein tragen. Roswitha Bertz in der Titelrolle ist wirklich komisch und serviert die Pointen ganz trocken und prägnant. Sie ist eine hinreißende Lotte in all' der für die Rolle erforderlichen Inkonsequenz und eigenen Logik. Sabine Gerdes als Tochter Christine füllt ihre Rolle mit Spielfreude und jugendlichem Liebreiz voll aus.

Horst Karstens als Lottes Mann Martin, zeichnet glaubwürdig einen aufbrausenden Heißsporn, der Mühe hat, Vorurteile zu überwinden. Am Ende aber läßt er sich doch überzeugen, daß auch ein ausländischer Schwiegersohn etwas zu bieten hat. Jürgen Tapken spielt diesen Schwiegersohn, einen iranischen Arzt, sehr liebenswürdighöflich; die blonden Haare werden mit der englischen Mutter einleuchtend erklärt. Streit und Auseinandersetzungen das zeigt auch dieses Spiel kommen in den besten Familien vor. Daß die Niederdeutsche Bühne ihre Querelen hinter den Kulissen vergaß und unter Leitung des scheidenden, vom Amt schon zurückgetretenen Bühnenleiters Karl Heinz Herpel eine so geschlossene, lustige und hübsche Aufführung zustande brachte, ist ihr hoch anzurechnen und läßt für die Zukunft hoffen.

Das Premierenpublikum nahm die erste Inszenierung in der neuen Spielzeit, die zugleich Karl Heinz Herpels letzte für die Niederdeutsche Bühne am Stadttheater Wilhelmshaven sein soll, mit großem Beifall auf.

Anstoßen auf eine gemeinsame Zukunft? (v.l. Sabine Gerdes, Horst Karstens, Jürgen Tapken, Roswitha Bertz)

JEVERSCHES WOCHENBLATT

Menschliches und finanzielles Glück

Niederdeutsche Bühne mit "Lotte speelt Lotto"

(js) Wilhelmshaven. Eine Premiere ist immer etwas Aufregendes, die Darsteller haben Lampenfieber und wirken mitunter leicht nervös. Doch wenn zum Schluß der Aufführung die Zuschauer mit Applaus nicht sparen; weiß man, diese Premiere war trotzallem ein Erfolg. So auch bei der Niederdeutschen Bühne in Wilhelmshaven, die mit der Premiere des Lustspiels "Lotte speelt Lotto" hre Theatersaison '85/86 eröffete.

"Lotte speelt Lotto" und gewinnt, eigentlich nicht sie, doch mit weiblicher List und Tücke versucht sie, die Millionen für sich zu behalten. Doch die Träume von Lotte (Roswitha Bertz) werden von ihrem Mann Martin (Horst Karstens) und ihrer Tochter Christine (Sabine (Gendes) zunichte gemacht. Und so passiert es, daß Lotte zuerst gar kein Geld hat, dann hat sie Millionen, soll aber gerecht teilen, so daß ihr nur etwas bleibt, und zum Schluß, hat Lotte so viel Geld, daß sie nicht weiß, welchen Traum sie sich zuerst erfüllen soll.

Die Handlung ist eine "lustige" Katastrophe voller Mißverständnisse und Liebestragik. Denn Christines Liebe zu dem Assistenzarzt Dr. Rashid Nizami (Jürgen Tapken) bringt auch Tränen. Die Darsteller hatten aber mit viel trockenem Humor und immer passenden Antworten die Lacher auf ihre Seite. Karl Heinz Herpel hat dieses " turbulente Lustspiel mit den genannten Darstellern erarbeitet. Als Souffleuse, Inspizientin und Requisiteuse standen ihm Herta Tapken, Berta Herpel und Marga Goldenstein zur Seite. Das Bühnenbild haben wiederum die Techniker der Niederdeutschen Bühne unter der Leitung von Klaus Panka erarbeitet. Die notwendige farbliche Gestaltung lag in den Händen von Herbert Ulbrich.

Weitere Aufführungen im Stadttheater Wilhelmshaven sind am Mittwoch, 25. September, um 20 Uhr, Sonntag, 29. September, um 15.30 und 20 Uhr und am 10. Oktober um 20 Uhr in Sande.

Mit Geföhl un Wellenslag (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

MIT GEFÖHL UN WELLENSLAG

Seemannsgarn in drei Akten von Konrad Hansen

Inszenierung: Arnold Preuß
Bühnenbild August Ahlers

Bühnenbildbau: Klaus Panka, Alfred und Wilfried Christoffers, Karl-Heinz Goldenstein, Wolfgang Klaaßen, Norbert Ungermann
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Inspizientin: Berta Herpel
Souffleuse: Helga Lauermann
Requisiten: Marga Goldenstein
Beleuchtung: Erwin Telgmann, Peter Pfaus

Rollen und Darsteller
Peter Schlünsen - Klaus Aden
Kalli Schlünsen - Horst Karstens
Jenny - Wilma Welte
Alma Köppke - Hildegard Steffens
Käppen Brass - Karl-Heinz Herpel


Ob Alma (Hildegard Steffens) den Käppn Brass (Karl-Heinz Herpel) alles glaubt, was er so phantasiert????

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Kam gut an: Mit Geföhl un Wellenslag

Viel Beifall und Gelächter bei der letzten Premiere der Niederdeutschen

Von Barbara Schwarz.

Eine groteske, ja fast clowneske Komödie servierte die Niederdeutsche Bühne ihren Zuschauern als letzte Inszenierung in dieser Spielzeit: "Mit Geföhl un Wellenslag" von Konrad Hansen. Das Stück gehört nicht gerade zu Hansens stärksten, aber Speelbaas Arnold Preuß hat das Ganze so frisch, flott und munter mit Lokalkolorit versehen in Szene gesezt. Das Premierenpublikum im fast ausverkauften Stadttheater hatte seine helle Freude daran. Es wurde viel gelacht. Es gab viel Szenenbefall, herzlichen lang anhaltenden Schlußapplaus für Darsteller und Regisseur und sogar ein zaghaftes "Bravo".

Was will man mehr? Vielleicht ein richiges rundes Happy End, bei dem Jenny einen tüchtigen und netten Mann, ihre Kommandeuse von Mutter eine Lehre bekämen, und Käppen Brass seinen Verstand wiederfände? Aber wie? Das konnte und wollte wohl auch der Autor nicht lösen. Immerhin hat er fünf Bühnenfiguren geschaffen, die rund und plastisch sind, die Spieler ebenso erfreuen wie das Publikum.

Da sind erst einmal Peter und Kalli Schlünsen, zwei Fischer und Seeleute, die sommers Touristen zum Angeln schippern und winters nur wenn es sich gar nicht anders vermeiden läßt, mal auf Fischfang gehen. Ein steifer Grog ist ihnen allemal näher als Weib, Heim, Fleiß und Ordnung. Klaus Aden als bedächtiger Peter und Horst Karstens als der jüngere, ein wenig windigere Kalli eroberten sich nicht nur das Herz der aus Seenot geretteten Jenny aus Voslapps Kniprodestraße, sondern auch die des Publikums. Zwei echte Typen, aber als Männer für Jenny doch etwas betagt und vor allem zu sehr dem flüssigen Gold aus Jamaika zugetan.

Sie sind das Ensemble vom ""Wellenslag" - v.l. Hildegard Steffens, Karl-Heinz Herpel, Horst Karstens, Wilma Welte und Klaus Aden

So ein Mädchen wie Jenny, das mit 24 Jahren noch in Angst vor Muttern lebt, muß man heute wohl eher im Märchen suchen. Aber so etwas Ähnliches ist Hanses Spiel ja auch. Wilma Welte spielt die Deern jedenfalls frisch und glaubhaft, schüchtern und plietsch zugleich. Daß neben einer Alma Köppke, die immerhin drei Männer unter die Erde brachte, ein Mädchen überhaupt 24 Jahre alt werden konnte, ist schon ein kleines Wunder. Alma ist aus dem Holz alter Segelschiffskapitäne geschnitzt. Sie hätte es mit Sicherheit auch zum Admiral gebracht. Hildegard Steffens hat sichtbar ihre Freude daran, solch ein weibliches Rauhbein voll auszuspielen. Ihrer Alma möchte man nicht in die Quere kommen.

Karl Heinz Herpels Käppen Brass scheint just aus einem Kinderbuch von Astrid Lindgren entstiegen zu sein. In Gala-Kapitänsuniform mit Seemannszweispitz ä la Napoleon und Fernrohr ist er im Geiste immer auf Waljagd und sichtet denn auch in der Jade einen weißen Wal. Damit und mit Jennys geheimnisvollem Verschwinden endet das Spiel, mit dem die Niederdeutsche ihrem Publikum wieder einmal zwei Stunden unbeschwerte Unterhaltung geboten hat.

Ein flottes Tänzchen gefällig? Klaus Aden - Wilma Welte - Horst Karstens

JEVERSCHES WOCHENBLATT vom 6. April 1985

Liebevoll gesponnenes echtes Seemannsgarn

Niederdeutsche Bühne am Stadttheater gefiel

Von Jutta Schmidt

Wilhelmshaven. Auch mit dem letzten Stück dieser Theatersaison konnten die Darsteller der Niederdeutschen Bühne wieder ihr Können zeigen. Am Mittwochabend wurde die Komödie "Mit Geföhl un Wellenslag" im Stadttheater mit Erfolg aufgeführt. Das Seemannsgarn stammt aus der Feder von Konrad Hansen und wurde von Speelbaas Arnold Preuß inszeniert.

Mitunter kann eine junge Deern zwei Junggesellen ganz schön aus der Fassung bringen, zumal wenn beide nicht viele Ahnung vom weiblichen Geschlecht haben. So passiert es denn auch den Seebären Peter und Kalli, hervorragend dargestellt von Klaus Aden und Horst Karstens. Die beiden leben hinterm Dach und verbringen den i Tag mit schlafen und Grog trinken. Bis sie eines Tages Jenny (Wilma Welte) als "Strandgut" aus dem Meer fischen. Von nun an ist es mit dem ruhigen Dasein vorbei.

Die drei feiern, tanzen und singen. Als das Fest seinen Höhepunkt erreicht, kommt Jennys Mutter Alma Köppke (Hildegard Steffens) und macht allem ein Ende. Die Stimmung fällt nach dem Auftreten der herrschsüchtigen Frau auf den Nullpunkt. Jenny will nicht mit ihr nach Haus und so bleibt auch Mutter Köppke bei Peter und Kalli. Und für alle beginnt die Hölle auf Erden. Denn nicht umsonst war Frau Köppke schon dreimal verheiratet.

Jenny, Peter und Kalli sind sich einig: Mutter Köppke muß aus dem Haus. Aber wie? Dann kommt den Drei die rettende Idee, wie sie sie loswerden. Denn da ist auch noch Käppen Brass (Karl Heinz Herpel), der eine Haushälterin sucht. Aber wie die beiden zusammen bringen. Dieses Problem muß nun "mit Geföhl un Wellenslag" gelöst werden.

Wie dieses Problem gelöst wird und wen Jenny unter Druck von ihrer Mutter heiratet, sollte man sich am besten in den nächsten Aufführungen selbst ansehen. Wer einen amüsanten Abend erleben möchte, sollte sich dieses Seemnnsgarn nicht entgehen lassen. Weitere Aufführungen sind am 14. 4. um 15.30 und 20 Uhr, am 16. 4., 21. 4. und 26. 4., jeweils um 20 Uhr in dem Stadttheater Wilhelmshaven.

Alma (Hildegard Steffens) beordert Jenny (Wilma Welte) wieder nach Hause, traurig blickt da der Kalli (Horst Karstens)

Roland schall flegen (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

ROLAND SCHALL FLEGEN

Schwank in drei Akten von Hans Gnant
Plattdeutsch von Arthur Speck

Inszenierung: Günter Boye
Bühnenbild: August Ahlers, Klaus Panka, Herbert Ulbrich

Bühnenbildbau: Alfred und Wilfried Christoffers, Karl-Heinz Goldenstein, Uwe Rozga, Norbert Ungermann
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Inspizientin: Marianne Karstens
Souffleuse: Annchen Warrings-Konken
Requisiten: Marga Goldenstein
Beleuchtung Erwin Telgmann, Peter Pfaus

Rollen und Darsteller
Roland de Ries - Wilfried Pampuch
Herma de Ries, sien Fro - Karin Heyel
Anja de Ries, jemehr Dochter - Margot Andrews-Jäkel
Hanno Haag, Nabersöhn - Ralf-Rüdiger Bayer
Tante Ubine, Rolands Swägerin - Herta Tapken
Otto Cornelius Pufahl, Vertreter van´n Versandhannel - Horst Jönck
Lieschen Halvekatt - Hanna Christoffers

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Roland schall fleegen - Ward hee?

Ein Schwank brachte den Niederdeutschen vollen Erfolg

Von Theodor Murken

Roland de Ries heet he, hett'n Möhl mit Futterhannel, is blangenbi Veehdokter, schall nah Indien fleegen und hett' doch so'n Schiß inne Büx. So fängt die Sache an, eigentlich damit, daß, als der Vorhang hochgeht, man auf den Hof einer Bauernstelle schaut mit einem zünftigen Kaninchenstall, und besagter Roland gehörigen Ärger hat mit dem Sohn des (natürlich bösen) Nachbarn, der hinter seiner Tochter her ist.

Es ist gleich alles das fällig, was zu einem ordentlichen Schwank gehört, den sich der Österreicher Hans Gnant zurechtgeschustert und Arthur Speck ins Plattdeutsche übersetzt hat die Menschen in einem Dorf sind sich ja überall gleich im Alltagsleben. Es mag sein, daß Schönthan und Kadelburg und auch August Hinrichs noch ein wenig mehr in das Stück hineinverflochten hätten, aber auch hier ist schon allerhand Ios.

Es gibt auch einige Glanzrollen, an denen Max Pallmann seine Freude hätte haben können, wie jenen Roland oder wie Lieschen Halvekatt (das "Wäkenblatt" in't Dörp) und die Tante Ubine, die eigens herzitiert wird, um während der Abwesenheit von Roland und seiner Frau Herma auf die Tochter aufzupassen. Schließlich soll sie mit ihr den Indienflug machen und überläßt dann die Begleitung der Tochter jenem jungen Mann von nebenan, vor dem sie sie doch gerade schützen sollte.

Es geht bunt her in diesem Schwank, auch an Situationskomik fehlt es nicht und an manchem heiteren Blitzlicht. Am Ende scheint sich aus allen Verästelungen wieder das normale Leben herauszuschälen, aber dann gibt es erst den richtigen Knalleffekt, und wer weiß, wie Roland sich davon erholt, wenn er nun doch noch "fleegen schall". Er hat sich mit seiner Angst schön etwas eingebrockt und mag jenen mit Werbeslogans vollgestopften Versandhausvertreter Otto Cornelius Pufahl dorthin wünschen, wo der Pfeffer wächst.

Karin Heyel, Ralf-Rüdiger Beyer und Wilfried Pampuch

Günter Boye als Speelbaas gab der Aufführung das richtige Tempo und ließ den sprühenden Witz überall aufleuchten. Daß Roland wirklich von der Angst gepeinigt wurde, als erhörte, die gewonnene Reise nach Indien sei eine Flugreise, durfte man Wilfried Pampuch jederzeit glauben. Nicht nur seine Frau Herma,von Karin Heyel dargestellt, die die Ängste ihres Mannes nicht teilt, sondern auch die Tante Ubine, hager und handfest von Herta Tapken auf die Bühne gestellt, und das Lieschen von Hanna Christoffers taten ihr übriges, dem Roland kräftig zuzusetzen.

Tante Ubine verstieg sich zu der Bemerkung, mit dem Bus und auch mit ihrem Fahrrad könne er nicht nach Indien reisen, und Lieschen Halvekatt trug es noch dicker auf und ließ das Flugzeug schon gegen einen Eisberg rasen; diesem "Wäkenblatt" des Dorfes blieb zwar dauernd "die Luft weg", aber mit dem Mundwerk war sie immer obenauf, sie war nicht nur das ,.Original" des Dorfes, sondern der ganzen Aufführung.

Horst Jönck glänzte in der Rolle des geschäftigen Versandhausvertreters, der Verwirrung anstiftete, wo er gute Nachrichten zu bringen vermeinte. Was sich zwischen dem "jungen Paar" Anja de Ries (Margot Andrews Jäke) und dem Nachbarssohn Hanno Haag (Ralf Rüdiger Beyer) abspielte, gab dem Schwank immer zur rechten Zeit eine heitere Beschwingtheit, wenn die Komik alles durcheinandergebracht hatte.

Für das von August Ahlers (Oldenburg) entworfene Bühnenbild hatten wieder Klaus Panka, Alfred und Wilfried Christoffers, Karl Heinz Goldenstem, Uwe Rozga und Norbert Ungermann auf liebevolle Weise gesorgt. Herbert Ulrich hatte für alle und für jede Rolle die rechte ,.Klöör" erdacht, Marga Goldenstem für das, was auf der Bühne stand, Peter Paus und Erwin Telgmann schließlich die richtige Beleuchtung.



Tante Ubine (Herta Tapken) hatte stets die Lacher auf ihrer Seite, wenn sie mit dem Radl durch die Kulissen kam (rechts Margot Andrews-Jäkel)

Besöök ut de Stadt (4. WA)

4. Wiederaufführung (5), davor vor 1939, 1954/55, 1956/57 und 1964/65 gespielt

BESÖÖK UT DE STADT

Lustspiel in vier Akten von Friedrich Lange

Inszenierung: Karl-Heinz Herpel
Bühnenbild: August Ahlers, Klaus Panka, Herbert Ulbrich

Bühnenbildbau: Alfred und Wilfried Christoffers, Karl-Heinz Goldenstein,  Uwe Rozga, Norbert Ungermann
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Inspizientin: Berta Herpel
Souffleuse: Berta Brinkhoff
Requisiten: Marga Goldenstein
Beleuchtung: Erwin Telgmann, Peter Pfaus

Rollen und Darsteller
Bernd Pflog, een jungen Buur - Horst Karstens
Martha, een jungen Bruut - Christine Fein
Christiane Riemann, Plog sien Süster - Käthe Baumann
Marie, ehr Dochter - Margot Andrews-Jäkel
Martin, is bi Plog in´n Deenst - Horst Jönck
Krischan Rungen, Plog sien Nawer - Karl-Heinz Schröder
Jan, sien Söhn - Manfred Janßen
Gerd Winkel - Friedrich Müller
Anna, sien Bruut, is bi Plog in´n Deenst - Roswitha Bertz
Arthur Plüsch - Ralf-Rüdiger Bayer
Un de Danzkoppel van de Meckelbörgers un Vörpommern

WILHEMSHAVENER ZEITUNG

Besöök ut de Stadt - Ein Fest

Niederdeutsche Bühne machte altes  Lustspiel jung

Von Theodor Murken

Mit dem lustigen Spiel "Besöök ut de Stadt" von Friedrich Lange als dritter Inszenierung in dieser Spielzeit konnte die Niederdeutsche Bühne am Stadttheater Wilhelmshaven von vornherein eines Erfolges sicher sein. Schon vor nun fast 50 Jahren, im Sommer 1937, brachte sie das Stück am Rosenhügel im Rüstringer Stadtpark als Freilichtaufführung heraus.

Seitdem gehörten die Lustspiele und Komödien von Friedrich Lange zum ständigen Repertoire der Bühne. Rektor Heinrich Freese, der erste Speelbaas der Niederdeutschen Bühne, schätzte an Langes Werken die geradezu "maßgeschneiderte" Zeichnung seiner Personen mit allen Vorzügen und Schwächen niederdeutscher Menschen, ebenso feinfühlig wie grob, dickschädelig und querköpfig, aber von echtem Mutterwitz und zuverlässig.

Die Anna (Roswitha Bertz) wickelt sie alle um den Finger (Friedrich Müller, Horst Karstens)

Friedrich Lange, 1891 geboren, stammte aus Berne im Stedingerland, wuchs auf in der bäuerlichen Umgebung der Delmenhorster Geest und wechselte nach dem Besuch der Dorfschule vom Handwerk in den kaufmänischen Beruf über, zog sich aber nach schwerer Krankheit ein Beinleiden zu, das ihn sein Leben lang plagte.

1921 wurde er durch ein Stück, das die Hoykenkamper Dorfbühne aufführte, öffentlich bekannt. Recht bald gehörte Lange mit August Hinrichs und Karl Bunje zum Dreigestirn oldenburgischer Bühnenschaffender. Als er, der allezeit ein stiller und bescheidener Mann geblieben war, 1968 starb, hinterließ er 22 plattdeutsche und fünf hochdeutsche Bühnenstücke, dazu Prosa und Lyrik.

Was Stadt und Land in vielem unterscheidet und schließlich doch untereinander verbindet, das hat Friedrich Lange in "Besöök ut de Stadt" in ein lustiges Spiel gekleidet. Da hat Christine als Bauerntochter in die Stadt übergewechselt, ist eine vornehme Frau geworden, hat ihre Tochter entsprechend erzogen und will mit ihr hoch hinaus. Feine Manieren und viel Bücherwissen sind den Nerven der Tochter nicht bekommen, nun soll sie sich auf dem elterlichen Bauernhof als Feriengast erholen, vom Liegestuhl aus die Landschaft genießen.

... auch den Bauern Krischan Rungen (Karl-Heinz Schröder)

Aber dieser Mary, die eigentlich Marie heißt, ist nicht zum Faulenzen zumute. Das Mädchen stürzt sich in die bäuerliche Arbeit. Die so fein hochdeutsch sprechende Mutter ist darob so entsetzt, daß sie vor Zorn ihre plattdeutsche Sprache wiederfindet und schließlich zu ihrer Heimat zurückfindet. Darum rankt sich ein Spiel um Nachbarschaft und Liebe. Es geht oft recht dramatisch zu, doch am Schluß herrscht Heiterkeit und Eintracht.

Unter der Regie von KarlHeinz Herpel, dem neuen Speelbaas der Bühne, sah man eine trotz einiger Rollenunsicherheiten gut abgerundete Aufführung, die das vollbesetzte Haus durchaus als einen festlichen Ausklang des zweiten Weihnachtstages empfinden durfte. Die Handlung spielte sich auf dem Bauernhof des Jungbauern Bernd Plog ab, der im Begriff ist, seine Braut heimzuführen. Plogs Nachbar ist der Bauer Krischan Rungen, der als Witwer darauf bedacht ist, für seinen Sohn Jan eine Frau zu finden, denn zu einem Bauernhof gehört nun mal eine Frau.

Mecklenburger und Vorpommern tanzten

Der Jungbauer Plog ist, wie man so sagt, ein ruhiger Typ, der auch schwierige Dinge mit Gelassenheit angeht und der von Horst Karstens gut verkörpert wurde. Dagegen ist der Nachbar Krischan Rungen recht temperamentvoll und ein richtiger Dickkopp. In dieser Rolle ist Karl Heinz Schröder besonders zu loben. Seit zwei Jahren im Ensemble der Bühne, stand er in dieser Rolle recht lebensecht als niederdeutscher Bauer auf der Bühne. Man konnte ihm glauben, wie erleichtert er war, als sein Sohn Jan, von Manfred Janßen als zielstrebiger, wenn auch etwas schüchterner Liebhaber dargestellt, endlich die richtige Frau gefunden hatte.

Mithelfer dabei waren aber die beiden Bediensteten bei Plog, Martin und Anna. Sie hatten eigentlich auch in der Darstellung immer die Fäden in der Hand, Roswitha Bertz als Anna mit dem Mundwerk einer Frau, die das Herz auf dem rechten Fleck hat, Horst Jönck, der sich als Martin mit seinen Schlichen in Wort und Gebärde als Charakterkomiker auszeichnete. Bei allem geht es in diesem Stück ja um die beiden Frauen, die zu Besuch aus der Stadt gekommen sind, die Rechtsanwaltswitwe Christine Riemann, Schwester des Jungbauern Plog, und ihre Tochter Marie.

Käthe Baumann verstand es, sich von der hochdeutschen Christine blitzschnell wieder in die plattdeutsche Stine zu verwandeln, wenn ihr mütterlicher Zorn mit ihr durchging, und auch am Schluß konnte man ihr glauben, wie glücklich sie war, nun wieder die alte Stine zu sein. Margot Andrews Jäckel spielte als Marie das Stadtfräulein, das zeigen konnte, was wirklich in ihm steckt, nämlich eine bäuerliche Frau. Bei dieser Marie hatte denn auch der dritte Besucher aus der Stadt, der feine Herr Arthur Plüsch, den Ralf Rüdiger Beyer darstellte, von Anfang an einen schweren Stand.

Marie (Margot Andrews-Jäkel) als Mädchen aus der Stadt hat es nicht leicht - v.l. Horst Jönck, Roswitha Bertz

Friedrich Müller war ein rechter Zimmermann, mit dem seine Verlobte Anna zufrieden sein konnte, und Christine Fein war als künftige Frau des Jungbauern Plog von der nötigen Zurückhaltung, die ihr gut anstand. Alles spielte sich in vier Akten recht flott auf der Bühne ab. Für das von August Ahlers (Oldenburg), Klaus Panka und Herbert Ulbrich entworfene Bühnenbild hatten Panka, Alfred und Wilfried Christoffers, Karl Heinz Goldenstein, Uwe Rozga und Norbert Ungermann gesorgt, für die Ausstattung Marga Goldenstein. Berta Herpel paßte hinter der Bühne auf, daß alles seinen rechten Gang ging.

Die Tanzgruppe der Mecklenburger und Vorpommern bereicherte den festlichen Ausklang des Stückes durch Lied und Tanz. Das erhöhte die Lebendigkeit der Aufführung, die man wohl als einen Glanzpunkt im Rahmen der Darbietungen der Niederdeutschen Bühne bezeichnen darf, zumal sie frei war von jeglichen Plattheiten und übersteigerter Derbheit.

Radels üm Paul (WE)

Niedersächsische Erstaufführung

RADELS UM PAUL

Kriminalspiel in zwei Akten von Hans-Joachim Beck
Plattdeutsch von Erwin Herzig

Inszenierung: Albrecht C. Dennhardt
Bühnenbild August Ahlers

Bühnenbildbau: Klaus Panka, Alfred und Wilfried Christoffers,  Karl-Heinz Goldenstein, Norbert Untermann, Uwe Rozga u.a.
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Inspizientin: Herta Tapken
Souffleuse: Helga Lauermann
Requisiten :Marga Goldenstein
Beleuchtung :Peter Pfaus, Erwin Telgmann

Rollen und Darsteller
Fritz Warnke, Gastweert un Bur - Günter Boye
Else Warnke, sien Fro - Brigitte Halbekath
Elke Warnke, sien Dochter - Wilma Welte
Paul, ehr Pleegsöhn - Wilfried Pampuch
Frank Nissen een jungen Buur - Jürgen Tapken
Hans Nordmann, Polizeimeister - Arnold Preuß
Karl Hanke, Hölpsmann op´n Hoff - Klaus Aden
Lilo Schmidt, Modell - Roswitha Bertz

Karl (Klaus Aden) ist in Lilo (Roswitha Bertz) verschossen

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Spannende Radels um Paul

Viele Bravo Rufe bei der Premiere

Von Barbara Schwarz

Riesenbeifall und Bravo Rufe, die besonders Klaus Aden galten: Die jüngste Premiere der Niederdeutschen Bühne "Radels um Paul" von Hans Jochen Beck in der Inszenierung von Albrecht C. Dennhardt war ein Riesenerfolg. Das Premierenpublikum im vollbesetzten Stadttheater war begeistert und dankte allen Mitwirkenden sowie dem Regisseur und dem aus Lübeck angereisten Autor mit herzlichem Beifall und Bravos. Spannend und kurzweilig, aber auch ein bißchen unglaubwürdig wie ein Derrick oder Tatort sind die Radels um Paul, deren Lösung wir hier nicht verraten wollen, um den vielen Freunden der Niederdeutschen Bühne, die sich auf diesen Krimi noch freuen, die Spannung nicht zu nehmen.

Albrecht C. Dennhardt, beliebter Schauspieler der Landesbühne, hat Becks Erstlingsstück mit viel Sinn für dramatische Spannung und handwerklichem Können inszeniert. Sehr geschickt gelöst die Rückblenden, ohne daß große Umbauten nötig waren. Den Spielern der Niederdeutschen Bühne hat er einiges abverlangt, und es zeigt sich wieder einmal, daß diese zu hervorragenden Leistungen fähig sind, wenn sie gefordert werden.

Hans Nordmann (Arnold Preuß) verhört Karl (Klaus Aden), die anderen (Jürgen Tapken, Wilma Welte, Günter Boye, Brigitte Halbekath)  hören aufmerksam zu - ist Karl ein Verbrecher?

Klaus Aden, dessen verstorbener Vater Heino schon zu den profiliertesten Charakterspielern der Niederdeutschen Bühne am Stadttheater Wilhelmshaven gehörte, wächst unter Dennhardts Regie über sich hinaus. Er zeichnet den Hilfsarbeiter Karl Hanke nicht einfach als Dorftrottel, sondern vielmehr als einen geistig behinderten Menschen, der nicht nur Mitleid, sondern Mitgefühl er weckt. Seiner herausragenden Leistung galt denn auch ein Großteil der Bravo Rufe.

Hervorragend auch Wilfried Pampuch in der Titelrolle. Er schafft es als Paul wirklich, daß man ihn zur Hölle oder sonstwohin wünscht. Brigitte Halbekath und Günter Boye spielen einfühlsam die armen, von Paul gepiesackten Eltern und Wilma Welte mit Frische die liebenswerte Stiefschwester. Alle drei hätten ebenso wie der von Jürgen Tapken mit sympathischen Zügen ausgestattete junge Bauer Grund, mit Paul eine Rechnung zu begleichen.

Auch der diensteifrige junge Polizeimeister Hans Nordmann ist mit gutem Grund hinter Paul her. Arnold Preuß stattete die etwas unglaubwürdige Figur des Polizeimeisters (welcher Polizeibeamte attackiert einen schwer herzkranken alten Mann schon derart; noch dazu wenn er ihn, wie hier auf dem Dorf, so gut kennt) mit der vom Autor geforderten Schärfe aus. Roswitha Bertz, nach längerer Pause wieder einmal dabei, verdreht als attraktives "Modell" dem armen Hilfsarbeiter Karl total den Kopf.

Sie bereiten dem Publikum zwei spannende Stunden (v.l. Klaus Aden, Brigitte Halbekath, Jürgen Tapken, Wilma Welte, Günter Boye, Arnold Preuß, Wilfried Pampuch, Roswitha Bertz)

Alles in allem zwei Stunden spannende Unterhaltung und Radels um Paul fast bis zur letzten Minute. Hans Jochen Becks Krimi dürfte wieder ein Renner der Niederdeutschen Bühne werden.

Petrus gifft Urlaub (2. WA)

2. Wiederaufführung (3), davor 1950/51 und 1964/65 gespielt

PETRUS GIFFT URLAUB

Lustspiel in drei Akten von Fritz Wempner

Inszenierung: Karl-Heinz Herpel
Bühnenbild: Karl-Heinz Herpel, Klaus Panka, Herbert Ulbrich

Bühnenbildbau: Klaus Panka, Alfred und Wilfried Christoffers,  Karl-Heinz Goldenstein, Michael Müller, Norbert Ungermann
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Inspizientin: Berta Herpel
Souffleuse: Herta Tapken
Requisiten: Marga Goldenstein
Beleuchtung: Peter Pfaus, Erwin Telgmann

Rollen und Darsteller
Herr Thomsen, Fabrikant för Landmaschinen - Wilhelm Pick
Ursula Thorgard, sien Steefdochter - Marion Zomerland
Knut Thomsen, Buer - Jürgen Tapken
Fiete Keesmüller, steiht in´n Deenst bi Buer Thomsen - Arnold Preuß (25)
Emma Petersen, de Nawersch van Buer Thomsen - Helga Lauermann
Stina, steiht in´n Deenst bi Emma Petersen - Helene Schneider
Hein Kohlmann, steiht ok bi Emma Petersen in´n Deenst - Horst Karstens
Harro Kopmann, Ingenieur bi Herrn Thomsen - Günter Jaedeke

Nienich een fiene ole Daam - Arnold Preuß als Fiete Keesmüller

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Nie nich ne fiene ole Daam

Viel Beifall und Gelächter bei den Niederdeutschen

Von Barbara Schwarz

"Ick weer nie nich ne fine ole Dam!" "Mit diesem Stoßseufzer hat er wohl recht, der Knecht, Fiete Keesmüller alias Arnold Preuß. Aber als betagte Tante Frieda führt er nicht nur seinen Freund Hein, seine Braut Stina und die Nichte Ursula an der Nase herum, sondern bereitet dem Publikum reines Vergnügen. Mit "Petrus gifft Urlaub", einem Schwank von Fritz Wempner bei dem Charleys Tante Pate gestanden hat, begeisterte die Niederdeutsche Bühne zum Auftakt der neuen Theatersaison im vollbesetzten Stadttheater ihr Premierenpublikum.

Wer Plattdeutsch versteht, sich unbeschwert zweieinhalb Stunden unterhalten und lachen möchte, dem kann man die nachfolgenden Aufführungen empfehlen. Karl Heinz Herpel inszenierte Wempners lustiges Spiel mit viel Sinn für Situationskomik. Da wird jede Pointe voll ausgespielt. Herpel versteht es auch, neben den erfahrenen Spielern der Niederdeutschen Bühne wieder dabei nach langer Pause knorrig friesisch der Senior Wilhelm Pick den Nachwuchs gut einzusetzen.

Ursula (Marion Zomerland) ist beeindruckt von Tante Frieda alias Fiete Keesmüller (Arnold Preuß)

Mit viel Freude an der Klamotte agieren frisch und munter Arnold Preuß als Fiete, Helene Schneider als Stina und Horst Karsten als Hein. Alle drei versuchen, mit ihren Einfällen den sungen Maschinenbauer und Landwirt Knut Thomsen zu retten, der anscheinend in der Klemme sitzt, weil er den Tod seiner Tante Frieda verschwiegen hat. Jürgen Tapken zeichnet den Landwirt und Maschinen bauer ebenso sympathisch, wie Marion Zomerland dessen angeheiratete Cousine Ursula. Klar, daß sich beide kriegen.

Hein Kohlmorgen (Horst Karstens) soll verschwinden, aber der kapiert natürlich nichts, da Fiete mit Ursula gerne allein sein würde...  (Marion Zomerland, Arnold Preuß)

Helga Lauermann muß dagegen als Bäuerin Emma so richtig unsympathisch sein; ein zarter, aber harter Besen. Und das schafft sie ebenso gut, wie Günter Jaedeke als Ingenieur Kopmann einen hinterhältigen Charakter zeichnen muß.Das passende Bühnenbild haben Karl Heinz Herpel, Klaus Pamka und Herbert Ulbrich entworfen. Letzterer zeichnet auch für die stimmigen Kostüme verantwortlich. Viel Szenenbeifall und herzlicher Schlußapplaus bei der Premiere machten den Niederdeutschen sicher Mut und waren auch ein schöner Lohn für all die viele Probenarbeit und Mühe am Feierabend und an den Wochenenden.

 

Nun ist der Spion (Güner Jaedeke) verhaftet. (v.l. Helene Schneider, Horst Karstens, Marion Zomerland, Arnold Preuß)

Koornblomen för den olen Smuuskater (WE)

Niedersächsische Erstaufführung

KOORNBLOMEN FÖR DEN (OLEN) SMUUSKATER

Komödie in drei Akten von Christian Holsten (Krüschan Holschen)

Inszenierung: Arnold Preuß
Bühnenbild: August Ahlers

Bühnenbildbau: Klaus Panka, Alfred, Bodo und Wilfried Christoffers, Heinz Barthel, Michael Müller, Karl-Heinz Goldenstein, Norbert Ungermann u.a.
Bühnenmalerei: Herbert Ulbrich
Beleuchtung: Peter Pfaus
Inspizientin Marianne Karstens
Souffleuse: Christine Fein
Requisiten Marga Goldenstein

Rollen und Darsteller
Harm Wohltmann, he fahrt to See - Wilfried Pampuch
Meike Hölkens, Krüschans Dochter - Marion Zomerland
Krischan Hölkens, Discher - Karl-Heinz Schröder
Tine Ehlen, mit Harm verspraken - Heidi Rausch
Johannes Köppelmeier, Pastor - Arnold Preuß
Otto Oetjen, Schoolmester - Horst Jönck
Geesche, Deern ut´n Dörp - Margot Andrews-Jäkel
Meta, Deern ut´n Dörp - Helga Lauermann
Mimi, Deern ut´n Dörp - Karin Heyel
Jakob Puvagel, Buer - Günter Newerla
Dr. Dodenhoff, Landarzt - Günter Boye

Meike (Marion Zomerland) trauert um "ihren" Harm (Wilfried Pampuch)

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Neue niederdeutsche Komödie kam beim Publikum voll an

"Koornblomen för den Smuuskater" von Holschen

Von Barbara Schwarz

So viel und so von Herzen haben die Freunde der Niederdeutschen Bühne lange nicht mehr gelacht wie bei Krischan Holschens achtersinniger Komödie "Koornblomen för den Smuuskater". Der schwarze Humor kam voll an. Das Premierenpublikum dankte dem Autor, dazu Regisseur Arnold Preuß, der zugleich eine wichtige Rolle spielte, und allen Spielern mit großem Applaus.

Otto Oetjen (Horst Jönck) kann nicht glauben, dass Harm (Wilfried Pampuch) nu doot is.

Krischan Holschen, Autor zahlreicher plattdeutscher Erzählungen und Gedichte, Texter und Sprecher für Niederdeutsches bei Radio Bremen, dem NDR und WDR, hat sich in diesem Jahr erstmals mit einem Stück auf die Bühne gewagt.

Unter dem Titel "Kattenjammer" wurden die "Koornblomen för den Smuuskater" erst am 15. Januar im Ohnsorg Theater in Hamburg uraufgeführt. Das Niederdeutsche Theater Bremen griff ebenso schnell zu wie die Niederdeutsche Bühne am Stadttheater Wilhelmshaven. Sie brachte Holschens Stück am 5. Februar heraus. Jetzt bewies auch die Niederdeutsche Bühne Wilhelmshaven, daß Krischan Holschen mit seinem Erstlingswerk gleich ein niederdeutscher Bühnen-Hit gelungen ist. Sein Smuuskater wird noch das ist sicher auf vielen niederdeutschen Bühnen miauen.

Mit dem Smuuskater ist Harm Wohltmann gemeint, ein trinkfester Seemann, der schon in viele Häfen, nur nicht den der Ehe einlief. An Land verdreht er wie weiland Casanova allen Frauen und Mädchen den Kopf. Obwohl der Tine Ehlen seit sieben Jahren versprochen, läßt der Smuuskater das Mausen nicht. Kein Wunder, daß die Männer im Dorf, einschließlich des jungen Pastors, nicht gut auf ihn zu sprechen sind selbst nach seinem scheinbaren Tode nicht.

Hölkens (Karl-Heinz Schröder) nimmt schon mal Maß bei Harm (Wilfried Pampuch)

Harm hatte bei einer Wette in der Kneipe so viel getrunken, daß er das Bewußtsein verlor. Der ebenfalls nicht nüchterne Doktor bescheinigt Harms Tod. An Harms Totenbett versammeln sich nun, das ist der Ausgangspunkt des Spiels, die Dorfbewohner, vor allem die jungen Deerns, seine Braut Tine und sein einziger Freund, der Schulmeister Otto Oetjen. In Erinnerungen an selige Stunden bringen alle Damen Kornblumen und Ähren aus Bauer Puvogels Feld mit.

Auf seinem Schein-Totenbett bekommt der seefahrende Dorf-Casanova so einiges zu hören. Der jungen Meike gehen die Augen auf; überdies findet sie einen vielbegehrten Freier, den Pastor, der Harm und Tine dann auch endlich geradlinig unausweichlich in den Ehehafen steuert. Holschens Komödie lebt aus der Situation heraus. Das Publikum weiß, daß Harm nicht tot ist, die Dorfbewohner nur an der Nase herumführt, weil er mit Tine nicht Hochzeit feiern will.

Der Pastor Köppelmeier (Arnold Preuß) kann den Jakob Puvagel (Günter Newerla) kaum in seiner Wut bändigen.

Arnold Preuß hat Holschens Spiel mit sehr viel Sinn für Situationskomik in flottem Tempo inszeniert. In der Rolle des schüchternen und verliebten Pastors Johannes Köppelmeier gefällt er zudem nicht nur den Deerns aus dem Dorf, sondern auch dem Publikum. Wilfried Pampuch macht in einem bestickten Nachthemd Furore. Karl Heinz Schröder ist ein wacker aufrichtiger Tischler und Vater, Horst Jönck ein komisch besorgter Schulmeister und Freund. Günter Newerla geht als Bauer Puvogel blindwütig mit einer Mistgabel auf Damen los. Günther Boyes, alkoholisierter Landarzt Dr. Dodenhoff, hat Ähnlichkeit mit dem such immer betrunkenen "Doc" zahlreicher Western.

Die schönsten Rollen aber hat Holschen den Frauen geschrieben. Sie dürfen jammern und schwärmen und sich die Krallen zeigen. Heidi Rausch als Tine, die ewige Braut, macht das resch und frisch, Marion Zomerland als Meike mit mädchenhaft schüchternem Charme. Gesche, Meta und Mim!, gespielt von Margot Andrews Jäkel, Helga Lauermann und Karin Heyel, sind ein sehr drolliges Trauer-Trio.

De kief Katten jammert üm ehr Kater, nicht sehr erfreut ist der Pastor (v.l. Heidi Rausch, Marion Zomerland, Arnold Preuß, Margot Andrews-Jäkel, Karin Heyel, Helga Lauermann)

August Ahlers hat für Arnold Preuß' Inszenierung den passenden ansehnlichen Rahmen entworfen ein großes Schlafzimmer mit Blick ins Grüne. Wer in diesem Jahr noch keine Aufführung der Niederdeutschen Bühne gesehen hat, sollte sich diese Inszenierung unbedingt ansehen. Zwei fröhliche Stunden sind ihm gewiß.

Twee Kisten Rum (1. WA)

1. Wiederaufführung (2.), davor 1957/58 gespielt

TWEE KISTEN RUM

Lustspiel in drei Akten von Alma Rogge

Inszenierung: Günter Boye
Bühnenbild: Harro Albers, Klaus Panka, Herbert Ulbrich

Bühnenbildbau: Klaus Panka, Alfred, Bodo und Wilfried Christoffers, Heinz Barthelt, Michael Müller, Karl-Heinz Goldenstein u.a.
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Beleuchtung: Peter Pfaus
Inspizientin Berta Herpel
Souffleuse: Rika Jung
Requisiten Marga Goldenstein

Rollen und Darsteller
August Katjendörp, Torfschiffer - Karl-Heinz Herpel

Guste von Katjendörp, seine Tochter - Heidi Rausch

Dirk Uffers, Fischer - Wilfried Pampuch

Gerd Tietjen, Krämer - Ralf-Rüdiger Bayer

Lüder Bohls, Hafenarbeiter - Friedrich Müller

Timpe, Zollbeamter - Jürgen Tapken

Annette Küpers, Wirtin vom "Friesenkroog" - Hildegard Steffens

Lieschen, ihre Nichte - Wilma Welte

Hinnerk Küpers, Seemann - Horst Karstens

Mit finsterer Miene bei der "Rumkisten-Konferenz" (v.l. Friedrich Müller, Hildegard Steffens, Karl-Heinz Herpel und Ralf-Rüdiger Beyer)

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Der Rum kommt immer von See

Niederdeutsche spielte Alma Rogges "Twee Kisten Rum"

Von Barbara Schwarz

Viel Beifall bei der jüngsten Premiere der Niederdeutschen Bühne im Wilhelmshavener Stadttheater. Alma Rogges 1939 uraufgeführtes Rum Schmuggler-Stück kam beim Publikum an. Günter Boye hat "dat lustig Spill" einstudiert und es in der Ausstattung Bühnenbild und Kostüme in jener Zeit angesiedelt, in der die Rahsegler noch mit Rum aus Jamaika kamen.

Rum wird im Fresenkrog bei Annette Küpers, der adretten Krögersch, viel und gern nach dem Motto getrunken: Rum mutt, Zucker kann, Water deit nich not." Ehrensache, daß der Rum immer von See kommt. Unverzollt. So ist das seit Generationen und so soll das auch bleiben. Wenn da nur nicht der "Grüne" wär, der neue Mann vom Zoll, Timpe. Er wittert Smuggel und ahnt auch, wer diejenigen welchen sind Torfschipper August von Katjendorp, Fischersmann Dirk Utters und der Krämer Gerd Tietjen.

Aber die Jungs vom Siel sind dreimal durch die Ohren geschlitzt. Klar, daß sie auch noch an den Rum einer schon an den Zoll verlorenen Kiste herankommen. wie sie das machen, sollten Freunde des Niederdeutsehen Theaters sich selber anschauen. Verraten sei nur noch: am Ende gibt es außer Rum auch noch zwei glückliche Paare.

Lüder Bohls (Friedrich Müllerl) kann so schön auf seiner Quetschkomode spielen, das wäre doch ein wunderbares Zeichen meinen die drei Seeleute (v.l. Ralf-Rüdiger Beyer, Karl-Heinz Herpel und Wilfried Pampuch)

Das heitere Spiel, das auch ernste Töne hat, fast zum Drama wird, als Hinnerk Küpers nach drei Jahren Seefahrt unvermutet zurückkommt, hat die Niederdeutsche Bühne in einem sehr malerischen und heimeligen Bühnenbild angesiedelt im Freesenkrog mit Öllampe und niedriger Decke und draußen, direkt am Siel, mit Blick in die weite Marschenlandschaft. Ausgedacht haben sich dies hübsche Bild Harro Albers, Klaus Panka und Herbert Ulbrich, gebaut hat es das Bühnenbild Team der Niederdeutschen.

In diesem hübschen Rahmen wird munter gespielt. Karl-Heinz Herpel lügt als August von Katjendorp fröhlich frisch, daß sich die Balken biegen. Wilfried Pampuch packt als Fischersmann Dirk Uffers das Glück, ohne lange zu fragen, beim Schopf und geht einem Streit nur ungern aus dem Weg. Ralf-Rüdiger Beyer zeichnet den etwas einfältigen Krämer Gerd Tietjen sehr sinnig.

Friedrich Müller spielt als Lüder Bohl nicht nur sehr traurig auf dem Schifferklavier, sondern liefert auch die feine Charakterstudie eines etwas schwerblütigen einsamen Menschen. Timpe vom Zoll in der Darstellung von Jürgen Tapken ein preußischer Charakter. Hildegard Steffens bringt in die Rolle der Krögersch all' ihr Können ein und zeichnet eine patente Frau, die im Leben schon viel einstecken mußte. Wilma Welte spielt leicht sentimental, wie's die Rolle verlangt ihre Nichte Lieschen.

Heidi Rausch als Guste von Katjendorp, Tochter des Torfschippers, singt mit tiefer Stimme gern leicht anrüchige Lieder und grün wird ihre Lieblingsfarbe. Horst Karstens als heimkehrender Seemann Hinnerk Küpers muß den Buhmann spielen, dem anscheinend nur am Rum, am Grog, etwas gelegen ist und nicht an seiner Frau.

Wenn sich die Premieren Aufregungen in den nächsten Aufführungen noch etwas gelegt haben, wird das Spiel sicher noch munterer laufen. Das Premierenpublikum jedenfalls war, dem Beifall nach zu urteilen, sehr zufrieden. Ihr langanhaltendes Klatschen galt gleichermaßen dem gesamten Ensemble der Niederdeutschen und seinem Regisseur Günter Boye.

Dat Horoskop (2. WA)

2. Wiederaufführung (3), davor 1955/56 und 1965/66 gespielt

DAT HOROSKOP

Lustspiel in drei Akten von Jens Exler

Inszenierung: Karl-Heinz Herpel
Bühnenbild: August Ahlers a.G.

Bühnenbildbau: Klaus Panka, Alfred, Bodo und Wilfried Christoffers, Karl-Heinz Goldenstein, Michael Müller
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Inspizientin: Berta Herpel
Souffleuse: Helga Lauermann, Karin Heyel
Requisiten: Marga Goldenstein

Rollen und Darsteller
Jochen Brooks, Bauer und Gastwirt "Zur alten Mühle" - Karl-Heinz Schröder
Silke, seine Tochter - Wilma Welte
Kalle Troll, Knecht bei Brooks - Günter Boye
Jünne Griffel, Knecht bei Brooks - Horst Jönck
Martin Witmaak, Nachbars Sohn - Horst Karstens
Jens Wulff, Ingenieur der Deutschen Erdöl AG - Manfred Janßen
Soffi von Apen - Helene Schneider
Professor Wassermann ut Chickago - Friedrich Müller
Bürgermeisterin - Käthe Baumann
Wachtmeister - Ralf-Rüdiger Baumann

Am Schluss sind alle auf der Bühne, das Ensemble einschließlich des Chores der Melkerinnen

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 28. Dezember 1983

Große Verwirrung um ein tolles Horoskop

Niederdeutsche Bühne bereitete großes Weihnachtsvergnügen

Von Theodor Murken

Nach alter Gewohnheit füllte sich am zweiten Weihnachtstag das Stadttheater wieder zur Premiere der Niederdeutschen Bühne, die es bewußt darauf abgestellt hatte, den Besuchern mit der neuen Inszenierung von Jens Exlers lustigem Spiel "Dat Horoskop" einige fröhliche Stunden zu bereiten. Jens Exler, der in Schleswig-Holstein zu Hause ist und 1984 70 Jahre wird, ist unter, den plattdeutschen Bühnenautoren ein "alter Hase", der sein Handwerk versteht und schon mehr als 50 Jahre mit dem niederdeutschen Theater auch als Darsteller und Regisseur eng verbunden ist.

Insgesamt 15 Stücke hat er geschrieben; Komödien und Lustspiele, wie er sie nennt. Er hat sich darin im "Doktorbook", wie im "Sluderkram in't Treppenhus", "Moral in Müggenhusen" oder 1951 im "Horoskop" lustig gemacht über so manche menschlichen Neigungen, immer mit der Absicht, wie er es selber ausdrückt, "auf eine heitere Art über ernste Dinge zu schreiben." Es macht Exler Freude, die Menschen zum Lachen zu reizen, wenn er ihnen zeigt, wie komisch sie sind im Unzulänglichen und in ihrer Unbeholfenheit.

Turbulent geht es auf der Bühne zu, wenn die Verwechslungen überhand nehmen (v.l. Horst Jönck, Günter Boye, Manfred Janssen und Karl-Heinz Schröder)

In seinem Spiel "Dat Horoskop" macht er das deutlich an dem Beispiel, das der junge Bauer Wittmaak gibt, der sich aus einem Horoskop weismachen läßt, auf seinem Lande könne Öl gefunden werden, durch das er reich würde. Das geht natürlich völlig daneben, aber stiftet große Verwirrung im ganzen Dorf. So geht es denn in diesem Stück drunter und drüber, vor dem ernsten Hintergrund entwickeln sich komische Situationen und allerhand Allotria, was Jens Exler recht bühnenwirksam verarbeitet hat. Ein Lustspiel, eine Komödie, ein Schwank, eine Burleske? Vielleicht soll man sagen: Von allem etwas.

Die Niederdeutsche Bühne hat es richtig getroffen: "Een lustig Spill." Die Inszenierung durch Bühnenleiter Karl Heinz Herpel war geeignet, den Besuchern des vollbesetzten Hauses einen recht vergnüglichen und kurzweiligen Abend zu bereiten.

Für die Komik sorgten dabei die beiden Darsteller der Knechte Kalle Troll und Jünne Griffel, die durch Günther Boye und Horst Jönck recht wirkungsvoll verkörpert wurden. Sie bringen ja am Schluß alle Dinge in die richtige Ordnung, nachdem sie erst einmal allerhand angerichtet haben.

Es bereitete viel Spaß zu sehen, wie Günter Boye sich in einen "Professor" zu verwandeln wußte, wozu ihn Horst Jönck, sein Kumpan, nach der alten Methode "Mach du es, du kannst es besser" mit listiger Schläue überredet hatte. Zwei Bauern sind es, die in den Strudel des Ölfiebers geraten und ihm zum Opfer fallen sollen. Zwei unterschiedliche Typen. Horst Karstens gab den vom Ölfieber gepackten und nun in harte Bedrängnis geratenen Bauern Martin Wittmaak, Karl Heinz Schröder, der als Mitglied der Niederdeutschen Bühne nun seine zweite Bühnenrolle absolvierte, den Bauern und Kröger Jochen Brooks, der trotz aller Bedrängnis die Ruhe behält und einen wirkungsvollen Gegenpol zu seinem aufgeregten Nachbarn abgab.

Auch die Bürgermeisterin (Käte Baumann, links) schafft es nicht, die allgemeine Verwirrung zu entzurren (v.l.) Ralf Rüdiger Beyer, Günter Boye, Horst Jönck, Karl-Heinz Schröder, Wilma Welte und Manfred Janssen)

Natürlich darf in einem solchen Stück auch ein junges Paar nicht fehlen, das sich trotz aller Schwierigkeiten am Schluß doch in die Arme schließen kann: Wilma Weite als Silke Brooks und Manfred Janssen als Ingenieur der Ölgesellschaft. Dann gab es noch Helene Schneider, die als Wahrsagerin an allem schuld war, die ihr Fach in sechs Doppelstunden gelernt hatte, und Friedrich Müller als den echten Professor. Käthe Baumann empfängt den hohen Besuch des Professors aus Chicago als Bürgermeisterin der Dorfgemeinde feierlich, und Ralph Rüdiger Beyer führt als Dorfwachtmeister den Begrüßungsfestzug an. Dieser zieht mit Handorgel und Pauke heran, und zu Ehren des Professors tritt der Chor der Melkerinnen auf, und ihr Auftritt in diesem lustigen Spiel gab der ganzen Inszenierung noch einen besonderen Pfiff. Und schließlich: so ein bißchen ernste Mahnung klang doch aus allem: Vorsicht mit den Horoskopen!

Wenn die Sofie von Apen (Helene Schneider) nicht alles ins Rollen gebracht hätte..... (v.l. Wilma Welte, Horst Jönck und Günter Boye)

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