Wat is mit Lisa? (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

WAT IS MIT LISA?

(Die Falle)
Kriminalkomödie in vier Akten von Robert Thomas
Plattdeutsch von Jens Peter Asmussen

Inszenierung: Günter Boye
Bühnenbild: August Ahlers

Bühnenbildbau: Enno Buß, Alfred Christoffers, Karl-Heinz Goldenstein
Requisiten: Marga Goldenstein
Inspizientin: Helga Lauermann
Beleuchtung: Erwin Telgmann, Peter Pfaus
Souffleuse: Karin Heyel
Tontechnik: Klaus Aden

Rollen und Darsteller
Peter Petersen - Arnold Preuß
Sabine - Hildegard Steffens
Der Kommissar - Kurt Röthel
Pastor Petersen - Horst Jönck
Seehecht - Klaus Aden
Frollein Bertram - Käthe Baumann

"Düsse Fro is nich mien Fro", schreit Peter, aber keiner glaubt ihm - v.l. Arnold Preuß, Hildegard Steffens, Kurt Röthe, Käte Baumann und Horst Jönck

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Voll knisternder Spannung

Niederdeutsche Bühne bereitete Publikum köstliche Stunden

Von Ingrid Paus-Haase

Zweieinhalb Stunden knisternde Spannung bot die Niederdeutsche Bühne ihrem zahlreichen Publikum am Sonntagabend im Stadttheater. "Wat is mit Lisa" ist ein voller Erfolg und läßt verwöhnte Krimifreunde voll auf ihre Kosten kommen. Ein Verblüffungseffekt wie ihn Freunde dieses Genres so sehr schätzen, bringt erst in den letzten Minuten dieser gelungenen Aufführungen die langerwartete Antwort.


Ist der Pastor vergiftet worden? Es staunen Hildegard Steffens und Arnold Preuß. Horst Jönck mimt das Gift im Hals perfekt

Folgende Situation findet sich im ersten Akt der vier Akte umfassenden Kriminalkomödie von Robert Thomas: Peter Petersen, ein sympathischer junger Mann, bangt um seine Frau. Nach nur dreimonatiger Ehe ist sie mit einem Mal verschwunden. Eine völlig fremde Frau taucht mit dem stellvertretenden Ortspastor Jensen bei Peter im Ferienhaus an der See auf und behauptet, Lisa zu sein.

Der Kommissar des Ortes versucht Peter Petersen, der von seiner vermeintlichen Frau Lisa als geistesgestört erklärt wird, dennoch zu glauben und zu helfen, zumal sich der Pastor und Lisa verdächtig machen. Die Situation wird noch komplizierter, als ein Landstreicher namens Seehecht auftaucht, der als Trauzeuge bei der Hochzeit von Peter mit der richtigen Lisa zugegen war. Eine mehr als ominöse Rolle spielt auch Fräulein Bertrams, eine Krankenschwester.

Kann Peter (Arnold Preuß) sich auf den Kommissar (Kurt Röthel) verlassen?

Mehr von dieser von Günter Boye gelungen inszenierten Kriminalkomödie zu verraten, hieße, all denen, die noch nicht wissen, wat mit Lisa is, den Spaß zu verderben, sie um spannungsreiche, köstliche Stunden zu bringen. Nicht verschwiegen werden darf hingegen die schauspielerische Leistung, die das Ensemble der Niederdeutschen Bühne mit dieser Aufführung unter Beweis gestellt hat. Als herausragend ist die Leistung von Arnold Preuß zu bewerten. Brillant spielt er den Peter Petersen, der sich immer mehr in ein Netz von Intrigen verstrickt sieht, der unter höchster nervlicher Anspannung steht. Er interpretiert seine Rolle so glaubwürdig, daß das gesamte Publikum mit ihm fühlt, empört ist über die Handlungsweise der Ganoven, ihm die Daumen drückt und auf den Moment hinfiebert, wo sich alles für ihn aufklären wird.

Arnold Preuß gebührt höchstes Lob. Als eine ebenbürtige Gegnerin erweist sich die vermeintliche Lisa, die Hildegard Steffens voller Gerissenheit und dennoch ruhig und überlegen spielt. Sie wird mit dieser tragenden Rolle keinesfalls überfordert, sondern kann vielmehr alle Register ihres Könnes ziehen. Als ein rechter Ruhepol erscheint der Kommissar, den Kurt Röthel auf sympathische Weise lebendig werden läßt. Ihm vertraut man, alles wieder ins rechte Lot bringen zu können.

Peter (Arnold Preuß) glaubt sich dem Wahnsinn nahe, die Lisa (Hildegard Steffens) ist nicht seine Frau. Glaubt ihm wenigstens der Kommissar (Kurt Röthel)

Zwielichtig die Gestalt von Pastor Jensen: Horst Jönck gelingt es, diese Rolle gut zu verkörpern. Er zieht während der Aufführung wohl die meisten bösen Blicke auf sich, so überzeugend erweist er sich als ein Wolf im Schafspelz. Gekonnt verwirklichen auch Klaus Aden als vertrottelter Landstreicher und Käthe Baumann als kaltblütige Krankenschwester ihre Rollen.

Eine oft schummrig geheimnisvolle Atmosphäre vermittelt zudem das Bühnenbild, von August Ahlers aus Oldenburg entworfen und in bewährter Weise von Enno Buß und Alfred Christoffers ausgeführt. Am Ende von Agatha Christies mittlerweile seit 28 Jahren in Londoner Theatern gespielten "Mausefalle" heißt es am Schluß vielsinnig: "Pst, nicht weitersagen!" Das sollten auch alle die beherzigen, die das Vergnügen hatten, diese Kriminalkomödie zu sehen und schon das Geheimnis um Lisa kennen.


"Se wüllt mi ümbringen", denkt Peter (Arnold Preuß), Pastor (Horst Jönck), Kommissar (Kurt Röthel)  und Lisa (Hildegard Steffesn) stecken unter einer Decke?

Moral in Müggenhuusen (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

MORAL IN MÜGGENHUUSEN

Lustspiel in drei Akten von Jens Exler

Inszenierung: Karl-Heinz Herpel
Bühnenbild: August Ahlers

Bühnenbildbau: Enno Buß, Alfred Christoffers, Karl-Heinz Goldenstein
Requisiten: Marga Goldenstein
Inspizientin: Berta Herpel
Beleuchtung: Erwin Telgmann, Peter Pfaus
Souffleuse: Hertha Tapken

Rollen und Darsteller
Schorsch Noogens, Bürgermeister und Gastwirt in Müggenhuusen - Enno Buß
Hedi, seine Frau - Hanna Christoffers
Fred, sein Sohn - Arnold Preuß
Addi Moog, Gemeinderatsmitglied - Heino Aden
Mimi, seine Frau - Karin Heyel
Harm Renner, Gemeinderatsmitglied - Wilhelm Pick
Selma, seine Frau - Annchen Warrings- Konken
Anni Rehbehn, Posthalterin - Helene Schneider
Uschi Kröger, Lehrerin - Roswitha Bertz
Jonny Neelsen, Hegeringsleiter - Karl-Heinz Herpel

Das Ensemble im Bühnenbild von "Moral in Müggenhusen"

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Premiere der Niederdeutschen Bühne war ein voller Erfolg

"Moral in Müggenhuusen" bereitete Publik vergügten Abend

Von Ingrid Paus-Haase

Um Moralisch Zweideutiges geht es in Jens Exlers Lustspiel "Moral in Müggenhuusen", das die Niederdeutsche Bühne am Sonntagabend vor einem vollbesetzten Haus aufführte. Langanhaltender Beifall dankte den Schauspielern für ihre witzighintergründige Spielweise und den geglückten Start in eine neue Spielzeit.

Müggenhuusen, ein kleines verschlafenes Nest, irgendwo auf dem platten Land, wird mit einem Mal zum Schauplatz tiefgreifender Konflikte: Ein Striptease Lokal hat dort seine Pforten weit geöffnet, ganz und gar nicht zur Freude von Fräulein Anni Rehbehn, Posthalterin in Müggenhuusen und vor allem die oberste Wächterin der Moral in diesem kleinen Ort.

Hier wird gegen das Striplokal gewettert (v.l. Arnold Preuß, Roswitha Bertz, Helene Schneider, Hanna Christoffers)

Sie versucht, die Frauen der Gemeinderatsmitglieder gegen diesen Sündenpfuhl aufzuhetzen. Und sie trifft damit auf recht fruchtbaren Boden; denn die Hüter der allgemeinen Ordnung in Müggenhuusen, die Herren Gemeinderäte, werfen nur zu gerndienstlich versteht sich einen Blick hinter die Kulissen des fragwürdigen Etablissements

Ein Spiel voller Überraschungen

Diese Auseinandersetzungen, die nicht zuletzt auch die Ehen der hohen Herren im Dorfe ins Wanken bringen, war Jens Exler dennoch nicht Konfliktstoff genug. Er brachte als weiteres spannendes Element, zeitnah und kritisch, das Problem "Umweltschutz" in sein Lustspiel mit hinein: Da geht es um eine Kiesgrube, bisher mit Wasser gefüllt, die der Dorfjugend zum Baden diente. Mit einem Mal aus einem einsamen Entschluß des Bürgermeister Noogens heraus, darf eine Chemiefirma ihren Giftmüll dort deponieren.

Mitten in diesen beiden Hauptkonflikten stehen nun die Akteure in Müggenhuusen: Dem Publikum wird ein Spiel voller Überraschungen und Höhepunkte gezeigt, das nicht selten zu Szenenapplaus Anlaß gab. Treffend gelingt es da vor allem Helene Schneider, die alte Jungfer darzustellen, die, über soviel Unmoral in Müggenhuusenbitter entsetzt, für die Sauberkeit im Dorf kämpfen will. Sie läßt in ihrem Spiel deutlich durchblicken, daß purer Neid sie treibt.

Hier hängt nicht nur der Haussegen schief (v.l. Heino Aden, Karin Heyel, Wilhelm Pick, Annchen Warrings-Konken)

Ihr Gegenpart, modern, aufgeschlossen und voller Humor, oft auch voller Ironie, ist Fred Noogens, der Sohn des Bürgermeisters, gespielt von Arnold Preuß. Er legt zur rechten Zeit immer den Finger in die rechte Wunde und sagt der "Rehbehnschen"auf den Kopf zu, wo die wirklichen Gründe für ihr "moralisches" Verhalten liegen. Arnold Preuß sorgt in seiner spritzigen Spielweise dafür, daß die Spannungen wachsen und die Konflikte sich zuspitzen.

Dickköpfig und letztlich dennoch gutmütig, zeigt sich dei Bürgermeister Schorsch Noogens, den Enno Buß in seiner bewährten witzigen und auch ein wenig tapsigen Weise nicht besser hätte spielen können. Er steht nun im Mittelpunkt der Konflikte: Der konservative Teil der Bevölkerung verlangt die Schließung des Etablissements und er selber mag nicht auf sein Vergnügen, dort täglich seine Sitzungen zum Wohle der Gemeinde abzuhalten, verzichten.

Ähnlich geht es seinen beiden Mitstreitern Addi Moog, überzeugend gespielt von Heino Aden, und Harm Renner, den Wilhelm Pick voller Spielfreude und Humor lebendig werden läßt. Alle drei hängen an dem fragwürdigen Lokal und kämpfen gegenseitig um die Gunst seiner Leiterin. Für Überraschungen sorgen dann vor allem die drei Frauen der Gemeindepolitiker, die zu. nächst sauertöpfisch über ihre untreuen Männer lamentieren dann aber auf den Rat des Fräulein Lehrerin, und Freundin vor Fred, Fräulein Kröger temperamentvoll gespielt von Roswitha Bertz sich auf weibliche List besinnen.

Am Ende klärt sich alles auf und alle sind zufrieden - die Zuschauer auch? - v.l. Heino Aden, Karin Heyel, Wilhelm Pick, Annchen Warrings-Konken, Arnold Preuß, Roswitha Bertz, Enno Buß, Karl-Heinz Herpel, Hanna Christoffers

Mit langanhaltendem Applaus dankte das Publikum der drei Vorkämpferinnen für weiblichen Charme in Müggenhuusen, als sie alle drei völlig verändert, mit chicer Kleidung, poppiger Frisur und Duftwolken, die weit bis in den Zuschauerraum zu riechen waren, auf der Bühne auftauchen, um nun ihrerseits ihre Männer zu becircen.

Hanna Christoffers als Hedi Noogens, Karin Heysel als Mimi Moog, und Annchen Konken als Selma Renner spielen ihre Rollen so vortrefflich, daß ihre Verwandlung mit zu einem echten Höhepunkt des Theaterabend: wird.

Daß sich am Ende lustspielgemäß alles zum Guten wendet das Etablissement Pleite geht die Fabrik die Müllkippe zu einem Schwimmbad umbaut und die Ruhe in Müggenhuusen wieder einzieht, nachdem Fräulein Rehbehn das Weite gesucht hat, derart ist auch der Hegeringsleiter Jonny Neelsen, ruhig und überlegen gespielt von Karl-Heinz Herpel, der auch für die Regie verantwortlich zeichnet, nicht ganz unschuldig. Alles in allem ein mehr als amüsanter Theaterabend.

Dat Smugglernest (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

DAT SMUGGLERNEST

Lustspiel in drei Akten von Hans Bunje

Inszenierung: Karl-Heinz Herpel
Bühnenbild: August Ahlers


Bühnenbildbau: Enno Buß, Alfred Christoffers, Karl-Heinz Goldenstein
Inspizientin: Berta Herpel
Beleuchtung: Erwin Telgmann, Peter Pfaus
Souffleuse: Rika Janßen

Rollen und Darsteller
Sven Svensen, Landwirt, hat seinen Hof verpachtet - Enno Buß
Sophie, seine Tochter - Brigitte Halbekath
Anke, deren Tochter - Roswitha Bertz
Wilhelm Ulfers, Landwirt - Horst Jönck
Heino Meiners, Zollbeamter - Manfred Janßen
Wulf Dirks, ein junger Arzt - Friedrich Müller

eine Szene mit (v.l.) Horst Jönck, Manfred Janßen, Friedrich Müller, Roswitha Bertz

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Letzte Premiere der Spielzeit: Aufregung um "Dat Smugglernest"

von Theodor Murken

Eine wirkungsvolle Aufführung der Niederdeutschen

Als fünfte und letzte Inszenierung in dieser Spielzeit brachte die Niederdeutsche Bühne im Stadttheater Hans Bunjes Lustspiel "Dat Smugglernest" heraus und hielt damit zwei Stunden lang das Publikum in vergnüglicher Spannung. Der Autor des Stückes, Hans Bunje, Oberstudienrat in Kiel und dort auch im niederdeutschen Bühnenwesen tätig, ist der Sohn von Karl Bunje, dessen "Etappenhas" ihn berühmt machte.

eine Szene mit (v.l.) Brigitte Halbekath, Horst Jönck, Manfred Janßen und Friedrich Müller

Was die Theaterwirksamkeit der Stücke betrifft, die Hans Bunje bisher geschrieben hat, so stehen sie denen seines Vaters kaum nach. Ein Sohn hat es im Schatten seines berühmten Vaters immer etwas schwer. Dieses Lustspiel, das irgendwo an der deutsch dänischen Grenze in Schleswig Holstein spielt, ist ein Beispiel dafür, wie Hans Bunje recht bühnenwirksam eine verzwickte Situation zu schildern vermag.

Die Familie des Bauern Sven Svensen gerät in eine Schmuggelaffäre.Das alles entwickelt sich aus einer ganz alltäglichen Butterfahrt der Tochter von Bauer Svensen. Der Bauer freilich ist ein rechter Ulenspeegel, wie sein Nachbar Wilhelm Ulfers richtig vermerkt. Seine Tochter glaubt, ihn durch ihre Erziehungskunst vom Rauchen und Trinken abgebracht zu haben. Ihre Heimkehr von der Butterfahrt benutzt Ulenspeegel Svensen, seine Tochter in allerlei Schrecken zu versetzen. Durch Fernsehkrimis und Illustriertengeschichten ist sie dafür sehr anfällig.

Hans Bunje spielt vergnüglich darauf an, wie er denn auch schmunzelnd Kritik übt an all den Krankengeschichten, die man in illustrierten Blättern liest und die ihre Wirkung auf die Leser nicht verfehlen

Enno Buß (Mitte) kann sich voll entfalten, links Brigitte Halbekath, rechts Roswitha Berth

Bauer Svensen spielt seiner Tochter, seiner Enkelin und seinem Nachbarn vor, wie "high" er von dem "Haschisch" geworden ist, das offenbar ein Mitglied der von der Zollfahndung gesuchten Schmuggelbande derTochter am Grenzübergang heimlich zugesteckt haben muß in Wirklichkeit war es Svensens Kautabakbeutel. Dieser geistert dann durch alle drei Akte. Und was aus dem ganzen Spektakel wird, das sollte man sich ruhig einmal im Theater ansehen.

Am Ende löst sich natürlich alles auf. Der diensteifrige und karrieresüchtige Zollbeamte greift buchstäblich ins Leere, tröstet sich aber damit, dieses "Smugglernest" künftig gut im Auge zu behalten. Ein Stück also mit effektvollen Szenen, die unter der Regie von Karl Heinz Herpel recht wirkungsvoll hervorgehoben werden.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht der Bauer Svensen. Enno Buß ist diese Rolle geradezu auf den Leib geschrieben. Der alte Theaterhase unserer Niederdeutschen Bühne hat hier einmal wieder Gelegenheit, sich als Charakterkomiker reinsten Wassers zu entfalten. Wie echt er sich in Haschischrausch versetzt (nur weil er schnell von seinem Kautabak abgebissen hatte), das ist unübertrefflich. Er war im besten Sinne der richtige Ulenspeegel und hatte auch alle anderen Darsteller schön am Bändsel.

Brigitte Halbekath als Tochter Sophie war in ihrem Element, wenn sie mit ihrer angelesenen Weisheit die "High" Erscheinungen des Vaters diagnostizierte. Da konnte ihr auch der von Friedrich Müller dargestellte junge Arzt Wulf Dirks nichts weismachen, zumal Sophie in ihm den Schmuggler wiederzuerkennen glaubte, der ihr das "Haschischpäckchen" in die Tasche gesteckt haben sollte.

Roswitha Bertz als Enkelin Anke vertrat mit Verve die junge Generation und nutzte die Gelegenheit, mit drei Liebhabern anzubändeln: dem freilich nicht mehr ganz jungen Landwirt Wilhelm Ulfers (Horst Jönck), dem von Manfred Janßen forsch gespielten Zollbeamten Heino Meiners und schließlich dem Arzt, der vielleicht sogar das Rennen macht, da beide das Reise Fernweh miteinander teilen.

Das turbulente Geschehen spielt sich in einer von August Ahlers, Oldenburg, entworfenen, von Enno Buß, Alfred Christoffers, Karl Heinz Goldenstein und anderen Bühnenmitgliedern gebauten Küche ab. Am Schluß der Aufführung blieb die Erkenntnis. wie schwer es ist, die Wahrheit an den Mann zu bringen, wenn ihr weibliche Logik und die "Symptome" entgegenstehen.

Enno Buß und Brigitte Halbekath

Appels in Navers Gaarn (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

APPELS IN NAVERS GAARN

Lustspiel in drei Akten von Walter A. Kreye

Inszenierung: Karl-Heinz Herpel
Bühnenbild: August Ahlers
Regieassistenz: Arnold Preuß


Bühnenbildbau: Enno Buß, Alfred Christoffers, Karl-Heinz Goldenstein
Requisiten: Berta Herpel
Inspizientin: Berta Herpel
Beleuchtung: Erwin Telgmann, Peter Pfaus
Souffleuse: Rika Janßen

Rollen und Darsteller
Harm Gerdes, Bauer - Kurt Röthel
Alma Gerdes, seine Frau - Hanna Christoffers
Lina, Magd bei Gerdes - Wilma Welte
Hinnerk, Knecht bei Gerdes - Manfred Janßen
Peter Ottens, kleine Landkaufmann - Horst Jönck
Mathilde Ballmann - Helene Schneider
Jochen Köhm, Hausierer - Wilhelm Pick
Korl Lürssen, älterer Bauer - schwerhörig - Heino Aden

Hier geht´s kräftig an die Wäsche (v.l. Wilhelm Pick, Kurt Röthel, Hanna Christoffers)

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Niederdeutsche bereiteten Spaß mit "Appels in Navers Gaarn"

Vierte Neuinszenierung dieser Spielzeit im Stadttheater

von Theodor Murken

Mit der Aufführung des Lustspiels "Appels in Navers Gaarn" von WaltherArthur Kreye brachte die Niederdeutsche Bühne im Stadttheater Wilhelmshaven das vierte Stück dieser Spielzeit heraus. Mit der alten und ewig jungen Geschichte vom "Seitensprung" aus der Ehe bereitete sie den Freunden plattdeutschen Theaters zwei recht vergnügliche Stunden.

De Appels ut't Navers Gaarn sind uns schon als Kinder immer viel verlockender gewesen als die (etwaigen) eigenen, und wir sind sogar noch stolz gewesen, wenn es uns gelungen war, aus des Nachbars Garten einige Apfel zu "klauen". Aber in Walther Arthur Kreyes Stück geht es um "Äpfel" eigener Art.

Der Autor, vom Bremer Rundfunk vielen bekannt, in Wilhelmshaven auch durch plattdeutsche Lesungen, hat hier eine Geschichte aus merkwürdigen Zufällen konstruiert und nicht nur zwei Ehen durcheinandergewürfelt, sondern auch noch einige großartig komödiantische Typen hineingebracht. Als Journalist, Rundfunk Autor und Regisseur an Prägnanz gewöhnt, schreibt Kreye knappe Dialoge. Alle drei Akte sind kurz und voller Leben.

Auch dieser Händler stört gewaltig (v.l. Kurt Röthel, Horst Jönck, Hanna Christoffers)

Unter der gestrafften Regie von Karl Heinz Herpel bot die Niederdeutsche Bühne eine recht wirkungsvolle Aufführung im Rahmen eines von August Ahlers (Oldenburg) entworfenen, von Enno Buß, Alfred Christoffers, Karl Heinz Goldenstein und anderen ausgeführten, ansprechenden Bühnenbildes mit dem Wohnzimmer eines Bauernhofes, in dem sich die ganze Komödie abspielt.

An dem großen Eichentisch sitzen zu Anfang nicht etwa Bauer und Bäuerin, sondern Knecht und Magd, von Manfred Janßen und Wilma Welte dargestellt; und Manfred Janßen zeigt durch Mimik und Sprache, daß er es fingerdick hinter den Ohren hat.

Es erscheint dann auch recht bald die Bäuerin, heimkehrend von einer Kur, und damit beginnt das ganze Debakel zwischen ihr, der Bäuerin Alma Gerdes (Hanna Christoffers), ihrem Mann Harm (Kurt Röthel), dem kleinen Landkaufmann Peters Ottens (Horst Jönck) und Mathilde Ballmann (Helene Schneider).

Das wäre allerdings weniger komisch, wenn nicht zwischendurch der Hausierer Jochem Köhm in Erscheinung tritt, dem Wilhelm Pick recht drastisch komödiantische Züge zu verleihen versteht, wie denn auch der Bauer Korl Lürssen, dessen Schwerhörigkeit Heino Aden auf seine Art glaubhaft macht, sein Teil zur Verwirrung der Situation beiträgt.

Aber es können noch so viel schlimme oder auch weniger schlimme Dinge geschehen sein zwischen Bad Soden, Frankfurt und Wilhelmshaven. Am Ende renkt sich alles wieder ein. Sogar Knecht und Magd vertragen sich wieder. Die recht einheitliche Aufführung fand starken Beifall. Am Ablauf waren Arnold Preuß als Regieassistent, Bertha Herpel für Inspektion und Requisiten. Erwin Telgmann und Petet Pfaus für die Beleuchtung beteiligt.

Jochen Köhm (Wilhelm Pick) ist von Alma (Hanna Christoffers) nicht wegzukriegen

Hotelschipp "Ahoi" (1. WA)

1. Wiederaufführung (2), davor 1961/62 gespielt

HOTELSHIPP "AHOI"

(Villa Sorgenfrei)
Posse in drei Akten von Theodor Stockmann

Inszenierung und Musik: Karl-Heinz Herpel
Bühnenbild: August Ahlers

Bühnenbildbau: Enno Buß, Alfred Christoffers, Karl-Heinz Goldenstein
Souffleuse: Herta Tapken
Requisiten: Marga Goldenstein
Inspizientin: Berta Herpel
Beleuchtung: Erwin Telgmann, Peter Pfaus
Tänze: Roswitha Bertz

Rollen und Darsteller
Fiede Klüver, Handelsvertreter - Arnold Preuß
Irmgard, seine Frau - Roswitha Bertz
Frau Puttfarken, ihre Mutter - Käthe Baumann
Bobby Wendland, Bankbeamter - Friedrich Müller
Henny, seine Frau - Helga Lauermann
Robert Vogel, ihr Vater - Enno Buß
Berta Quast, Wendlands Tante - Karin Heyel
Bernhard Specht - Günter Boye
Krischan Harms, Knecht bei Frau Puttfarken - Jürgen Tapken

Fiete Klüver (Arnold Preuß) lässt es sich mit seiner Frau Irmgard (Roswitha Bertz) gut gehen auf dem Schiff

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Tolles Durcheinander auf der "Ahoi"

Niederdeutsche Bühne servierte eine fröhliche Weihnachtspremiere im Theater

Von Theodor Murken

Von der besinnlichen Freude der Weihnachtszeit leitete die Niederdeutsche Bühne im Stadttheater Wilhelmshaven am zweiten Weihnachtstag mit dem Lustspiel "Hotelschipp Ahoi" zum Frohsinn des Jahresausklangs und dem Übermut der Karnevalszeit hinüber; und man darf sagen, sie tat es mit einem Elan, der alle Anerkennung verdient. Dieses Lustspiel mit Musik und Tanz von Theodor Stockmann ist durch sein wirklich tolles Durcheinander mit Verwechslungen, komischen Szenen und immer neuen Verwickelungen ein Stück, das den klassischen "Schwankfabrikanten" alle Ehre eingebracht hätte.

"Hotelschipp Ahoi" ist eine unterhaltungsträchtige Mischung aus Lustspiel, das den bitteren Ernst einiger Situationen nicht verkennen läßt, aus Schwank und Posse. Wenn Tränen fließen, lösen sie sich in Gesang und Tanz auf. Und am Schluß gibt es natürlich ein Happy End.

Wenn die Version richtig ist, daß das Wort "Ahoi" von Seeleuten gar nicht gebraucht wird, dann ist der Titel für dieses Stück gerade richtig. Alle, die auf dem Schiff agieren, sind gar keine Seeleute: der eine ist Handelsvertreter, der andere Bankbeamter, dann gibt es da noch den Schneidermeister und die Bäuerin aus Edewecht, die mit ihrem Knecht sich auf der "Ahoi" einquartiert.


MIt Bobby (Friedrich Müller) beginnen die Probleme für Fiete (Arnold Preuß), nur zuschauen können zunächst Käte Baumann und Roswitha Bertz

Die "Ahoi" liegt in Wilhelmshaven, besser gesagt in Rüstersiel, und gehört nun, das ist ja gerade die Schwierigkeit, mit der alles anfängt. Wie konnte Fiede Klüver seiner jungen Frau auch vormachen, es sei sein Schiff, wo es doch seinem Freund gehört, der nun aber auch heiratet und sein Schiff allein bewohnen will. Wie sich daraus eine heillose Verwirrung ergibt, weil Fiede plötzlich zum Matrosen wird und . . . das alles soll man sich am besten selber ansehen. Theodor Stockmann hat es jedenfalls verstanden, immer neue Schwierigkeiten in sein Stück hineinzubringen.

Karl Heinz Herpel hat sie als Regisseur mit viel Freude und Eifer hervorgeholt. Die Aufführung hatte Schwung und Schmiß, es gab keine schwache Stelle, die Szenen sprudelten nur so. Er selbst begleitete mit Musik auf die Lieder und Tänze, die sehr wirkungsvoll in das Stück eingeflochten sind und zwischen den einzelnen Szenen eine kleine "Verschnaufpause" gönnen. Daß es auch bei den Tänzen klappte, dafür hatte Roswitha Bertz gesorgt. Sie spielte mit Charme auch die Rolle der jungen Frau von Fiede Klüver, während es Arnold Preuß als Handelsvertreter Fiede verstand, plötzlich, wenn auch wider Willen, zum Decksmatrosen zu avancieren.

Schuld daran war das Erscheinen seiner Schwiegermutter aus Edewecht. Käthe Baumann schien diese Rolle auf den Leib geschrieben worden zu sein, sie war in "allen Sätteln gerecht", vor allem aber mit dem Mundwerk unwiderstehlich ("Gegen disse Fru kümmt'n Mann nicht an", stöhnte Fiede). Sie war mit ihrem Knecht Krischan Harms, einen wunderbaren fünschen Kerl, auf die "Ahoi" gekommen. Jürgen Tapken stellte recht wirkungsvoll diese "komische Type" dar. Ihm stand freilich wenn auch in anderer Art der von Günter Boye gespielte Bernhard Specht nicht nach, wenn er von dem erbosten Fiede "an Land befördert" wurde.

Friedrich Müller und Helga Lauermann waren der Bankbeamte Bobby Wendland und seine Frau, Enno Buß der Schwiegervater, der gleich den Dingen auf den Grund zu gehen sich bemühte. In der Reihe der wirkenden Geister stand Karin Heyel als Berta Quast als wirklich "sorgender Geist" zwischen all dem Tumult auf dem Schiff, das sich im Bühnenbild von August Ahlers (Oldenburg), ausgeführt von Enno Buß, Alfred Christoffers, Karl Heinz Goldenstein, recht wirkungsvoll ausmachte.

Nanu, Bobby Wendland kommt noch einmal zurück? Die Katastrophe nimmt ihren Lauf (v.l. Roswitha Bertz, Arnold Preuß, Friedrich Müller, Karin Heyel)

Dat warme Nest (WE)

sechste Gemeinschaftsinszenierung
Wilhelmshavener Erstaufführung

DAT WARME NEST

Sozialkritische Komödie in fünf Akten von Konrad Hansen

Inszenierung: Rudolf Plent a.G.
Produktion: Willy Beutz
Bühnenbild: August Ahlers
Regieassistenz: Arnold Preuß


Bühnenbildbau: Enno Buß, Alfred Christoffers, Karl-Heinz Goldenstein
Beleuchtung: Erwin Telgmann, Peter Pfaus
Inspizientin: Bertha Herpel
Souffleuse: Helga Lauermann
Requisiten: Marga Goldenstein

Rollen und Darsteller
Paul Lüth - Ferdinand Müsker, Neuenburg
Elfriede Möller - Hildegard Steffens, Wilhelmshaven
Willi Pieper - Peter Blohm, Brake
Paster Kramer - Manfred Malanowski, Neuenburg
Frau Multhaupt - Gertrud Büsing, Varel
Schulz, Vertreter - Arnold Preuß, Wilhelmshaven
Polizist - Heino Brackhahn, Delmenhorst
Kagoma - Heino Brackhahn, Delmenhorst
Konsistorialrat - Willi Ochsendorf, Neuenburg

Peter Blohm (Brake) als Willy Pieper im Bühnenbild von "Dat warme Nest"

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

"Dat warme Nest" brillant aufgeführt

Eine gelungene Gemeinschaftsproduktion des Niederdeutschen Bühnenbundes

von Ingrid Paus-Haase

"Das war'mal etwas ganz anderes, kein rechtes Happy End wie sonst, aber gut", hörte man eine Reihe begeisterter Zuschauer sagen, die nach lang anhaltenden Beifallsspenden das Theater verließen. Mit "Dat warme Nest" führt der Niederdeutsche Bühnenbund eine Komödie auf, die von ihrer treffenden Zeichnung der Charaktere her bereits so manchem, das Herz im Leibe lachen läßt. In einer brillanten Aufführung bereitete diese sozialkritische Komödie von Konrad Hansen dem Premierenpublikum einen mehr als gelungenen Abend.

Vom Schluß der Komödie noch ein wenig betroffen denn wie sonst war diesmal am Ende nicht alles im "rechten Lot" dauerte es ein paar Sekunden, doch dann brach eine Beifallslawine über die Schauspieler herein, die gekonnt, man möchte fast sagen professionell, sich alles abverlangt haben, was diese Rollen von ihnen forderten.

Paul (Ferdinand Müsker - Neuenburg) und Willi (Peter Blohm - Brake) spielen ein ganz raffiniertes Spiel

Im Mittelpunkt dieser sechsten Gemeinschafts-Inszenierung des Niederdeutschen Bühnenbundes Niedersachsen-Bremen steht der gerissene Paul Lüth. Er ist ein Mensch, der sich ein feines Leben zu machen versteht, weil er seinen Mitmenschen mit seiner vorgegaukelten Armut so recht einen Maßstab für ihren eigenen wirtschaftlichen Aufstieg bietet und dafür "Almosen" kassiert. Ferdinand Müsker aus Neuenburg zeichnet den ständig besonders in Gegenwart des Pastors hüstelnden Mann so überzeugend, daß es kaum jemanden der Zuschauer gelingt, mit dieser zum Schluß so armselig wirkenden Kreatur Mitleid zu empfinden.

Er zumindest erhält die gerechte Strafe. Er wird Schlichtweg von einem noch Gerisseneren ausgebootet, aus dem warmen Nest vertrieben. Elfriede Möller, seine Lebenspartnerin, bietet mit ihrem Haus und der, wenn auch bescheidenen, Witwenrente dieses warme Nest: Sie ist eine gutmütige Frau, Ende der mittleren Jahre, leicht mit ein paar zärtlichen Worten zu gewinnen. Ihr ganzes Leben hat sie Verzicht geleistet. Brav und voller Selbstaufgabe ließ sie sich die Tiraden und Armutseskapaden ihres Lebensgefährten Lüth bieten, bis . . .

Bis sie ein wenig Zärtlichkeit erhält. Der findige, gerissene und doch nicht unsympathisch wirkende Landstreicher Willi Pieper sieht die Gelegenheit für sich gekommen und gewinnt Frau Möller für sich. Schritt für Schritt. Mit den Lockungen, die das ach so bequeme Wirtschaftswunder bietet: Waschmaschine, Fernseher und, und, und... Alles muß dann selbstverständlich auf Raten durch tägliches Raumpflegen bezahlt werden. Hildegard Steffens aus Wilhelmshaven ist eine perfekte Elfriede Möller, so begierig auf ein Stück vom "großen Kuchen" des Glücks und wenn es nur ein Lächeln und ein gutes Wort dieses "kleinen Diabolos" Willi Pieper ist.

Das Ensemble vom warmen Nest (v.l. Arnold Preuß,Heino Brackhahn, Ferdinand Müsker, Hildegard Steffens, Peter Blohm, Manfred Malanowski, Willy Ochsendorf)

Sie spürt es wohl gar nicht, wie sie von der einen Abhängigkeit (Paul Lüth mit seiner "Armut") in die neue, ein wenig reizvollere Abhängigkeit (Willi Pieper als ihr Manager) hinein treibt. Peter Blohm aus Brake spielt diesen Landstreicher, der mit seinem teuflischen Lachen und seinen listig blitzenden Augen die ganze Situation im "Armenhaus" Lüth Möller umkehrt und für sich auszunutzen weiß, brillant.

Unordnung bringt Willi Pieper auch in das Leben des Dorfpastors Kramer. Er wußte in seiner salbungsvollen Art so gut auf der Welle von Paul Lüth mitzuschwimmen und seine Vorteile daraus zu ziehen. Und sei es nur, um sich 'mal "durchzufressen": Ein "guter Landpastor" ist nicht pingelig, wenn es ums Zugreifen am Tisch geht, er verschmäht auch die Kekse der "ganz Armen" nicht.

Manfred Malanowski aus Neuenburg überzeugt mit seiner vor Mitleid triefenden Spielweise. Er bringt auf ganz köstliche Weise den Typ eines Dorfpastors auf die Bühne, der haarscharf seine Interessen verfolgt, nach außen hin aber ein überzeugender Vertreter der Demut ist.

Arnold Preuß als Schulz, Heino Brackhahn aus Delmenhorst als Polizist und schwarzer Pfarrer Kagoma, Willi Ochsendorf aus Neuenburg als Konsistorialrat und Gertrud Büsing aus Varel als die neureiche Frau Multhaupt spielten ihre Rollen ebenso gut wie die Träger der: Hauptrollen.

Eine überzeugende Inszenierung unter der Regie von Rudolf Plent aus Oldenburg und in der, Produktion von Willy Beutz vor einem gut getroffenen Bühnenbild von August Ahlers in der Ausführung von Enno Buß, Alfred Christoffers und KarlHeinz Goldenstein.

Wer in der Wanne sitzt, ist Herr des Hauses - wie lange noch? (v.l. Ferdinand Müsker, Peter Blohm)

Land in Sicht (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

LAND IN SICHT

Lustspiel in sechs Bildern von Janne Furch und Pat Barryl
Niederdeutsch von Günther Siegmund

Inszenierung: Karl-Heinz Herpel
Bühnenbild August Ahlers a.G.


Bühnenbildbau: Enno Buß, Alfred Christoffers, Karl-Heinz Goldenstein
Inspizientin: Bertha Herpel
Souffleuse: Karin Heyel
Requisiten: Marga Goldenstein

Rollen und Darsteller
Else Krüger, ehrenamtliche Bewährungshelferin - Brigitte Halbekath
Peter Lohmann, Wachtmeister - Heino Aden
Hans Heinrich, Steuerberater, Steuerbeamter - Arnold Preuß
Jutta Müller, Schützling Elses - Roswitha Bertz
Tante Agnes, Elses Tante - Hanna Christoffers
Fritz, Schützling Elses - Manfred Janßen
Käpt´n Lundt, pensionierter Seebär - Wilhelm Pick
Gustav, Ganove - Horst Jönck

Bei Ihnen ist Land in Sicht - v.l. Brigitte Halbekath, Roswitha Bertz, Arnold Preuß

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Mit "Land in Sicht" munter in die neue Theatersaison

Niederdeutsche Bühne bereitete Premierenpublikum Spaß

von Ingrid Paus-Haase

Mit dem Lustspiel "Land in Sicht" von Janne Furch und Pat Beryll in der Übersetzung ins Plattdeutsche von Günther Siegmund "schipperte" die Niederdeutsche Bühne in die neue Spielsaison. Humorvolle Verwicklungen bestimmten auch diesmal die Entwicklung des Lustspiels und bereiteten dem begeisterten Premierenpublikum viel Spaß. "Land in Sicht", ein publikumswirksames Stück der beiden Autoren, von denen die Niederdeutsche Bühne bereits die Komödie "Twee Engels" vor einigen Jahren mit großem Erfolg herausgebracht hatte, handelte von den Sorgen und Nöten einer freiwilligen Bewährungshelferin.

Else Krüger, überzeugend mit viel Humor und Durchsetzungskraft von Brigitte Halbekath gespielt, versucht immer wieder jungen Leuten, die auf die schiefe Bahn geraten sind, auf die Pfade der Tugend zurückzuholen. Ihre Tante Agnes, von Hanna Christoffers gespielt, schrullig und wie ein bissiger Hund auf die Spur von Vorbestraften angesetzt, macht ihrer Nichte die Bemühungen um eine verständnisvolle, mütterliche warme Bewährungshilfe nicht ganz leicht. Sie hält es vielmehr für ihre Tantenpflicht, bevor sie selber sich Käpt'n Lund im Matrosenaltersheim an die Seite stellt, die Nichte unter eine egal welche Haube zu bringen.

Zwischen Jutta (Roswitha Bertz) und Hans (Arnold Preuß) da funkt´s gewaltig

Mit einer Annonce in der Zeitung "Wer sucht bescheidenes Veilchen?" preist sie auf recht ungewöhnliche Weise ihre Nichte an. Sie weiß nicht, daß diese längst ihr Herz dem Polizisten Peter Lohmann von Heino Aden dem Drehbuch gemäß recht "dusselig" dargestellt, er tritt fortan in ein Fettnäpfchen geschenkt hat, ohne es selbst wahrhaben zu wollen. Erst ein vermeintlicher Banküberfall, der sich dann doch als ein Wettmanöver um die "Milchstraße" herausstellt, kommen Else und Peter zum verdienten Glück.

Doch in einem richtigen Lustspiel bekommt ja bekanntlich jeder die "Seine", wenn auch viele Verwicklungen und gar kriminalistische Aktivitäten bestimmter Personen das Glück immer wieder zu verhindern suchen. So braucht auch das korrekte "Muttersöhnchen", Steuerberater Hans Heinrich, Arnold Preuß läßt diese Figur gelungen hilflos und komisch wirken, nicht mit leeren Händen nach Hause gehen. Seiner wartet Jutta, einst Callgirl und in den Fängen des schmierigen Gustav, Horst Jönck, die durch das Verständnis von Else auf den rechten Weg zurückgeholt, gleich in den sicheren Hafen einer Steuerbeamtenehe einläuft. Roswitha Bertz gelang es vortrefflich, diese Rolle mit Turbulenz und Spielfreude zu verkörpern, einmal als ehemaliges Call-Girl gerissen und zum anderen als eine liebevolle Braut von Hans Heinrich recht liebenswert.

Käpt'n Lund, längst schon "scharf" auf Tante Agnes und ihre "Seemannsträne" weiß als echter Seebär ohne viel zu überlegen, was er will. Wilhelm Pick spielte den urigen alten Herrn mit Hingabe und Überzeugung, der in seinem hohen Alter noch den "Reizen" der resoluten Tante Agnes erliegt. Schlecht und doch wieder nicht hoffnungslos kam der Schützling von Else Krüger, Fritz, Manfred Janßen spielte ihn, davon. Als ehemaliger Häftling gerät er wieder auf die schiefe Bahn, doch sein Trost: Wenn er entlassen wird, warten immerhin 15 000 DM Wetterlös auf ihn.

Unter der Regie von KarlHeinz Herpel ging "Land in Sicht" munter über die Bühne.

Tante Agnes (Hanna Christoffers) kann Else (Brigitte Halbekath) auch mit Tee nicht beruhigen.

Groode Kinner (2. WA)

2. Wiederaufführung (3), davor 1950/51 und 1963/64 gespielt

GROODE KINNER

Lustspiel in drei Akten von Friedrich Lange

Inszenierung: Karl-Heinz Herpel
Bühnenbild: August Ahlers a.G.

Bühnenbildbau: Enno Buß, Alfred Christoffers, Karl-Heinz Goldenstein
Inspizientin: Bertha Herpel
Souffleuse: Herta Tapken

Rollen und Darsteller
Eekholt - Enno Buß
Frau Molle, seine Haushälterin - Käte Baumann
Hans, ihr Sohn - Günter Jaedeke
Meta Lüning - Hanna Christoffers, Karin Heyel
Else, ihre Tochter - Wilma Welte
Dora Harms - Hildegard Steffens
Karl Martens - Klaus Aden
Gerd Splint - Heino Aden
Fritz Eekholt - Arnold Preuß

Der Chef (Enno Buß, li) ist entsetzt - Stimmung im Büro (v.l. Hildegard Steffens, Klaus Aden, Wilma Welte, Heino Aden)

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

"Un of un to belewt man Romans"

Bravo Rufe bei der letzten Premiere der Niederdeutschen Bühne im Stadttheater

Von Barbara Schwarz

Einen besseren Spielzeitabschluß, als mit Friedrich Langes Lustspiel "Grode Kinner" hätten sich Mitglieder und Freunde der Niederdeutschen Bühne Rüstringen kaum wünschen können: Das Premierenpublikum am Sonntagabend war hellauf begeistert. Es gab viel Szenenbeifall, überaus starken Schlußbeifall und sogar Bravo Rufe. Gefallen hat dem Publikum, daß Regisseur Karl Heinz Herpel das zur Herbstmarktzeit in einer deutschen Kleinstadt spielende Stück nicht irgendwo in einer ungenannten Stadt spielen ließ, sondern hier in Wilhelmshaven ansiedelte und mit viel Lokalkolorit ausstattete.

Der immer wieder erwähnte Markt wurde zum Banter Markt. Die K. W. Brücke und Voslapp, der Mariensieler Flugplatz und die Ruselerstraße werden im Gespräch erwähnt. So bekommt das Spiel um den dickköpfigen Unternehmer Eekholt und seinen verlorenen Sohn Farbe.

Ein Büroflirt? Klaus Aden, Hildegard Steffens

Die Handlung spielt diesmal nicht auf einem Bauernhof oder in einer Kleinbürgerwohnung, sondern im Kontor eines Karosseriebauunternehmens Enno Buß, Alfred Christoffers und Karl Heinz Goldenstein bauten das Bühnenbild nach August Ahlers' Entwurf, in dem der alte Eekholt patriarchalisch herrscht, in dem zwei Kontoristinnen im heiratsfähigen Alter, ein junger Taugenichts, ein schüchterner Angestellter und ein uriges Faktotum beschäftigt sind.

"Un of un to belewt man noch mol Romans": Der attraktive junge Mann, in den sich die kleine Kontoristin Else im Urlaub auf Spiekeroog verliebt hat, entpuppt sich als Fritz Eekholt, Sohn des Chefs. Er ist nicht, wie der Vater zunächst befürchtet, auf dem Rummelplatz hängengeblieben, sondern Diplom-Ingenieur geworden und hat große Karriere gemacht. Dem Senior bringt er sogar noch ein wertvolles Patent heim.IUnd die kleine Kontoristin muß nicht den ungeliebten Ziegeleiarbeiter Klütenkamp heiraten, sondern wird Frau Eekholt.

Sohn Fritz Eekholt (Arnold Preuß) ist zurück. Wird es wieder Krach geben? Es schauen gespannt: Hanna Christoffers und Wilma Welte

Enno Buß, den sein Publikum meist in Rollen bauernschlauer ländlicher Typen kennt und liebt, zeigt hier wieder einmal, daß er durchaus auch ernsthafte Charakterrollen ausfüllen kann. Er gibt der Figur des alten Eekholt patriarchalische Würde.

Die schönste Rolle im ganzen Spiel ist wohl die des betagten Faktotums Gerd Splint. Heino Aden stattet diesen nahen Verwandten des pfiffigen Schwejk mit der nötigen Weisheit aus und findet anrührende, leise Töne.

Wilma Welte ist die erfrischende junge Kontoristin Else, Hildegard Steffens ihre schon erfahrenere liebenswerte Kollegin Dora Harms. Hanna Christoffers kann als Elses Mutter wieder ihre flinke Zunge einsetzen. Käte Baumann, sonst meist der "Trampel vom Dienst", spielt hier eine angriffslustige Haushälterin mit großen Rosinen im Kopf. Sie will ihren Sohn Hans, einen rechten Unsympathen und Tunichtgut, GünterJaedeke müht sich wacker mit dieser Figur ab, zum Chef machen.

Claus Adens kleiner Angestellter Karl Martens erinnert manchmal ein wenig an Jerry Lewis Bürotrottel; ein Tollpatsch, der mütterliche Gefühle weckt. Arnold Preuß gibt dem heimkehrenden Fritz Eekholt die notwendige Ansehnlichkeit. Ein frisches Spiel mit munteren Dialogen, von Karl Heinz Herpel flott inszeniert. Wer sich einen vergnügten Abend machen will, dem sei "Grode Kinner" wärmstens empfohlen.

Da fließen Trägen bei der Mutter (Hanna Christoffers), aber auch bei Heino Aden und besonders bei Wilma Welte

För de Katt (3. WA)

3. Wiederaufführung (4.), davor von 1939, 1948/49 und 1963/64 gespielt

FÖR DE KATT

Komödie in drei Akten von August Hinrichs

Inszenierung: Karl-Heinz Herpel
Bühnenbild August Ahlers a.G.

Bühnenbildbau: Enno Buß, Alfred Christoffers, Karl-Heinz Goldenstein
Inspizientin: Berta Herpel
Souffleuse: Hanna Christoffers
Requisiten: Marga Goldenstein

Rollen und Darsteller
Katrin Geerken, Weertsfro up´n Möhlenhoff - Rika Jung
Meta, ehr Dochter - Roswitha Bertz
Frerk, Möllerknecht - Manfred Janßen
Fieken, Magd op´n Möhlenhoff - Helene Schneider
Gerd Tapken, Katrin ehr Nawer - Wilhelm Pick
Peter, sien Söhn - Friedrich Müller
Mählmann, Räknungssteller un Aukschonater - Günter Boye
Kruse, een jungen Mann ut de Stadt - Horst Jönck


Mählmann (Günter Boye), de Pannemann ist mal wieder zu Besuch (v.l. Wilhelm Pick, Roswitha Bertz, Rika Jung, Horst Jönck)

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Uber diese Aufführung hätte August Hinrichs sich gefreut

"För de Katt". Viel Beifall für die Niederdeutsche Bühne

Von Barbara Schwarz

August Hinrichs hätte seine Freude gehabt, wenn er seine Komödie "För de Katt" in der Aufführung hätte sehen können, die die Niederdeutsche Bühne Rüstringen anläßlich seines sich am 18. April jährenden 100. Geburtstag jetzt herausgebracht hat.

Karl Heinz Herpel hat Hinrichs Erfolgskomödie flott und locker inszeniert. Das Premierenpublikum am Dienstagabend trotz starken Schneetreibens war das Wilhelmshavener Stadttheater recht gut besucht hatte jedenfalls viel Spaß an dem Streit zwischen der Weertsfro up'n Möhlenhoff un är'n Naber Gerd Tapken.


Mählmann ist duun und kommt zur Ausnüchterung in die Karre (Helene Schneider, Manfred Janssen, Friedirch Müller und Günter Boye)

Stein des Anstoßes ist Katrins erschossener Kater Peter, der angeblich bei Nachbar Gerd im Kükenstall gewildert hat. Hineingezogen in die Auseinandersetzung der beiden friesischen Dickschädel werden auch deren Kinder, Katrins Tochter Meta und Gerd Tapkens Sohn Peter - obwohl beide mehr als nachbarschaftliche Gefühle füreinander haben.

Auch Möllerknecht Frerk und Fieken, die Magd up'n Möhlenhoff, der Räknungssteller und Aukschonator Mählmann und Kruse, een jungen Mann ut de Stadt, ergreifen Partei und sehen ihren Weizen blühen. Rika Jung, die auch schon ganz liebe und leise Frauengestalten gezeichnet hat ("Dat Veilchen von St. Pauli"), ist in dieser Hinrichs Komödie die resulute Wirtsfrau Katrin Geerken, deren Haare auf den Zähnen die auf dem Kopf fast noch übertreffen.

Wilhelm Pick macht die Figur des dickschädeligen aber redlichen Nachbarn Gerd Tapken lebendig. Roswitha Bertz spielt Katrins Tochter frisch und locker. Friedrich Müller als Gerds Sohn Peter wirkt sympathisch männlich. Günter Boye "Mok wi! Mok wi!" heimst bei jedem Auftritt für seine Runde mit dem Fahrrad auf der Bühne, dicht an der Rampe entlang, jedesmal Sonderbeifall ein. Sein Mählmann ist wieder ein richtiges Boye-Kabinettsstückchen.


Horst Jönck spielt einen strengen Steuerprüfer - Günter Boye als Mählmann ist weniger streng, dafür mehr als einmal stramm

Viel Beifall bekommt auch die unbekümmert fröhliche Helene Schneider für ihre sehr komische Darstellung der Magd Fieken. Und Manfred Janhsen hat es als Möllerknecht Frerk faustdick hinter den Schlitzohren. Horst Jönck ist auch in dieser Hinrichs Komödie wieder einmal der arme Junge aus der Stadt, der von allen so richtig "anscheeten" wird. Auch er stattet die Figur des Paul Kruse mit recht komischen Zügen aus.

Nach dem Entwurf von August Ahlers (Oldenburg) haben Enno Buß, Alfred Christoffers und Karl Heinz Goldenstein einen ansehnlichen Mühlenhof gebaut, in dem alle drei Akte des Spiels um die erschossene Katze den richtigen Rahmen bekommen. Die Niederdeutsche Bühne, das ist sicher, wird mit dieser Aufführung noch vielen Freunden des Theaters und der niederdeutschen Sprache 140 Minuten Spaß bereiten und August Hinrichs schaut vielleicht doch ab und an von oben zu und freut sich, daß seine Komödie heute noch so lebendig ist.

Kruse (Horst Jönck) ist mit den Büchern von Frau Geerken (Rika Jung) und Tochter (Roswitha Bertz) unzufrieden

Ferdinand verpumpt sien Fro (2. WA)

2. Wiederaufführung (3), davor 1955/56 und 1962/63 gespielt

FERDINAND VERPUMPT SIEN FRO

(Fro Meier ward Fro Meyer)
Schwank in drei Akten von Wilfried Wroost mit Musik von Karl-Heinz Herpel

Inszenierung: Willy Beutz
Bühnenbild: August Ahlers a.G.

Bühnenbildbau: Enno Buß, Alfred Christoffers, Karl-Heinz Goldenstein
Musiker: Karl-Heinz Herpel
Inspizientin: Bertha Herpel
Souffleuse: Helga Lauermann
Requisiten: Marga Goldenstein

Rollen und Darsteller
Julius Mayer, Inhaber ein Schiffs- und Kesselreinigungsfirma - Kurt Röthel
Agathe, seine von ihm getrennt lebende Frau - Hanna Christoffers
Charles Meyer aus Brooklyn - Heino Aden
Mr. William Taylor, Charles Freund - Arnold Preuß
Ferdinand Meier bei J. Mayer beschäftigt - Enno Buß
Adele, seine mehr als resolute Ehehälfte - Ellen Beutz
Heinrich, beider Sohn auf Elbbagger XI - Manfred Janßen
Karin, beider Tochter, perfekte,
aber beschäftigungslose Hausangestellte - Wilma Welte

Bei den Meiers stimmt die Stimmung - oder? (v.l. Ellen Beutz, Kurt Röthel, Wilma Welte, Enno Buß)

WIHELMSHAVENER ZEITUNG

Das war eine gelungene Weihnachtspremiere!

"Ferdinand verpumpt sien Fro" voller Stimmung und Turbulenz aufgeführt

von Ingrid Paus

Für einen zünftig turbulenten Festtagsabschluß sorgte die Niederdeutsche Bühne mit ihrer Premiere "Ferdinand verpumpt sien Fro". Wer über die Weihnachtsfeiertage wenig Bewegung gehabt hatte, der konnte zumindest bei dieser gelungenen Aufführung des Schwankes von Wilfried Wroost, einem bekannten Hamburger Komödienschreiber, seine Lachmuskeln trainieren; denn an Stimmung fehlte es bei den Meyers mit ay und den "proletarischeren" Meiers mit ei bestimmt nicht.

Wilfried Wroost, hatte das Stück in eine echte Hamburger Altstadt, nach Poppenbüttel, verlegt. Die Reihe köstlicher Verwechslungen, die sich auch bei diesem Schwank zum Schluß in Wohlgefallen, in diesem Fall in Liebe und Geld auflösen, ließ das Publikum, das Stadttheater war übrigens voll besetzt, mitgehen und auch mitklatschen. Der Applaus, Szenenapplaus war nicht selten, bewies den Schauspielern, daß sie genau den Geschmack des Publikums getroffen hatten.

Vor allem Ferdinand, von Enno Buß liebevoll komisch dargestellt, brachte die Zuschauer immer wieder zum Lachen. Er spielte den "Pantoffelhelden", der es nur in genügendem Sicherheitsabstand zu seiner Frau wagte, mal ein wenig zu rebellieren, so überzeugend, daß sich im Publikum jedesmal große Vorfreude auf seinen nächsten Auftritt innerhalb des Stückes breit machte. Nicht weniger gelungen stellte Ellen Beutz die Frau, die verpumpt werden sollte, dar. Sie hatte alle Fäden in der Hand, verlor nicht den Überblick und sorgte für manche lustige Situation. Besonders gelungen schien ihre "Verwandlung" von der Frau eines "Kesselkloppers" zur "gepumpten Frau" des reicheren Julius Mayer. Sie verstand es, dem knickerigen Geschäftsmann den "Marsch zu blasen" und für die Rechte der "echten" Frau Mayer einzutreten, die unter dem Geiz ihres Mannes zu leiden hatte.

Küssen sich da auch die richtigen Meiers? - es wundert sich Arnold Preuß (re.), Ellen Beutz, Enno Buß sind allerdings die richtigen Meiers.... aber

Das gegensätzliche Ehepaar Mayer hier nun im Vergleich zu den Meiers mit ei in vertauschten Rollen da der Mann die "Hosen anhatte", wurde gelungen von Hanna Christoffers und Kurt Röthel dargestellt. Agathe Mayer, verheult und wenig durchsetzungsbereit, erlebte aber zur Freude des Publikums zum Schluß eine echte Wandlung: Sie wendet das Blatt und nimmt das Zepter in die Hand. Der von Geschäftssorgen gequälte Julius Mayer Kurt Röbel gelang es, ihn als gequält und doch auch listig erscheinen zu lassen mußte sich der Macht des Geldes beugen und die Vorherrschaft seiner ehemals so hilflosen Frau über sich ergehen lassen.

Für Frische und Spannung sorgte vor allem auch die Tochter der Kesselflicker Meiers, die oftmals stellungslose Karin. Als echte "Hamburger Deern" spielte sich Wilma Welte in die Herzen der Zuschauer, ihre kesse Art mit dem Mundwerk auf dem rechten Fleck bereitete viel Spaß. Daß auch ihr Wunsch, einen reichen Amerikaner kennenzulernen und seine Frau zu werden, sich zum Schluß erfüllt, versteht sich in dieser "HappyEnd Geschichte" schon von selbst.

Als Rehabilitation des vertrottelten Bruders, von Manfred Janssen gekonnt gespielt, erwies sich der Totogewinn, der alle Geldsorgen des "Meiers" und "Mayers" wegpustete. Der reiche Vetter aus Amerika, schon von seiner äußeren Erscheinung her mit Heino Aden gut getroffen, bereitete zusammen mit seinem jungen Freund, Mr. Taylor, einem echten "Schmusestengel" von Arnold Preuß dargestellt, dem Publikum viel Vergnügen.

Als lustige, gelungene Einlagen, die die Stimmung anheizten, erschienen die muskikalischen Einlagen von Karl Heinz Herpel. Das Bühnenbild, von August Ahlers entworfen, traf den unterschiedlichen Charakter einmal der Vorstadt Kesselklopperwohnung und dann der hellen Chefwohnung vortrefflich. Regie führte in bewährter Form Willy Beutz.

Am Ende ist wieder alles klar? (das Ensemble besteht aus Heino Aden, Manfrede Janssen, Ellen Beutz,l Enno Buß, Hanna Christoffers, Kurt Röthel, Arnold Preuß und Wilma Welte)

Kramer Krey (3. WA)

3. Wiederaufführung (4), davor vor 1939 ,1949/50 und 1958/59 gespielt

KRAMER KRAY

Komödie in fünf Akten von Hermann Boßdorf

Inszenierung: Karl-Heinz Herpel
Bühnenbild: August Ahlers a.G.

Bühnenbildbau: Enno Buß, Alfred Christoffers
Inspizient: Berta Herpel
Souffleuse: Karin Heyel
Requisiten: Marga Goldenstein

Rollen und Darsteller
Karsten Kray - Enno Buß
Mile Haak, Haushälterin - Hildegard Steffens
Asmus Broihan, Kaffemakler, sein Freund - Horst Jönck
Hein Kohrs, Hausknecht - Klaus Aden
Piepersch, Scheuerfrau - Helene Schneider
Deele Rüsch - Käte Baumann
Laura Facklamm, Wwe. - Herta Tapken
Gendarm - Günter Jaedecke

Krey (Enno Buß) setzt Broihan (Horst Jönck) an die frische Luft.

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Riesenbeifall für "Kramer Kray"

Erfolgreiche Neuinszenierung durch die Niederdeutsche Bühne

von Theodor Murken

Die vor etwa 60 Jahren geschriebene plattdeutsche Komödie "Kramer Kray" des Hamburger Dichters Hermann Boßdorf erlebte durch die Niederdeutsche Bühne Wilhelmshaven eine glanzvolle Auferstehung. Die Premiere am Sonntag wurde zu einem durchschlagenden Erfolg. Der donnernde Beifall galt dem Stück und der Aufführung unter der Regie von Karl Heinz Herpel, der der von Hermann Boßdorf gewollten Situationskomik mit der Abgewogenheit von Mimik und Sprache voll gerecht wurde.

Wie die Komödie entstanden ist, wissen wir von dem Freund und Biographen Boßdorfs, Albrecht Janssen, der dem schon mit 43 Jahren verstorbenen Dichter 1927 zu dessen 50. Geburtstag eine Biographie widmete. Boßdorf mußte im 1. Weltkrieg aus dem Postdienst ausscheiden, als er im Dienst zusammengebrochen war. Blutentmischung mit multipler Sklerose warf ihn aufs Krankenlager. Oft verließen ihn seine Kräfte. Schmerzen plagten ihn. Plötzlich aber wich der Schmerzenszug um den Mund dem aufkommenden Lachen. "Der Geist hatte wieder einmal über den elenden Körper gesiegt," so schreibt sein Freund, und Boßdorf ließ sich an seinen Schreibtisch bringen und schrieb am "Kramer Kray", den er im Dezember 1919 vollendete.

Die Idee dazu war ihm kurz nach der Uraufführung seines Schicksalsdramas "Bahnmester Dod" im Winter 1919 gekommen. Dr. Richard Ohnsorg, der Leiter der Niederdeutschen Bühne Hamburg, erfuhr davon und drängte den Dichter, ihm ein "Kassenstück" zu liefern. Als er das Stück fertig hatte, schrieb er seinem Dichterkollegen Karl Wagenfeld, daß er es "trotz allen Elends" zustande gebracht habe; das könnten alle die nicht ahnen, wenn sie sich "über das Ding ausschütten wollen".

Für Boßdorf war das Stück ein Opfer, das er darbrachte. Viel lieber hätte er an seinen Dramen weiter gearbeitet, die unvollendet geblieben sind. Inzwischen ist aber der "Kramer Kray" in die Reihe der Komödien eingerückt, die Unsterblichkeit erlangt haben, wie z. B. der "Zerbrochene Krug" von Kleist, den Boßdorf hochverehrte.

Mile Haak (Hildegard Steffens) ist ohnmächtig geworden. Broihan (Horst Jönck) ist schuld und Krey (Enno Buß) ist wütend - aber schon kuriert?

Nach der Uraufführung im Januar 1920 würdigte Hermann Claudius die hervorragende Charakterzeichnung der handelnden Personen. Und auch jetzt bei der Neuinszenierung durch die Niederdeutsche Bühne Rüstringen zeigte sich, daß die Komödie von ihrer Wirkung nichts eingebüßt hat. Köstlich war es, zu sehen, wie der zum "eingefleischten Junggesellen" gewordene Witwer Kaufmann Kray vom Venusberg am Schluß seinem Schicksal nicht entgeht.

Daß das Stück zu Anfang dieses Jahrhunderts spielt, das betonten nicht nur das von August Ahlers (Oldenburg) entworfene, von Enno Buß und Alfred Christoffers gestaltete Bühnenbild; sondern auch die Kostüme und der Stil der Darstellung. Die sehr lebendige und straffe Aufführung bot zwei Stunden ununterbrochener Heiterkeit.  Anteil daran hatten besonders der "Titelheld", den Enno Buß mit dem ihm eigenen Gespür für das Komische verkörperte, und Helene Schneider in der Rolle der heute als Putzfrau bezeichneten Schüerfroo Piepersch, die auf ihre drastische Weise zwar bei der Jagd der Frauen auf Kray unterliegt, dafür aber bei den Frauenrollen den Vogel abschoß.

Jene, die das Spiel gewinnt, die Hushollersch Mile Haak, hat Boßdorf aus viel feinerem Holz geschnitzt; der ihr gestellten Aufgabe wurde Hildegard Steffens voll gerecht. An dem allerhand Unruhe stiftenden Junggesellen Asmus Broihan von Horst Jönck hätte auch Richard Ohnsorg, der diese Rolle in Hamburg und bei seinem Gastspiel in Wilhelmshaven spielte, seine Freude gehabt.

Dann waren da noch der Hausknecht Hein Kohrs von Claus Aden und in der Reihe der Frauen Käte Baumann als "Kaffeemietje", Deele Rüsch, ein frechdreistes Mädchen von St. Pauli, und Herta Tapken in der komischen Figur jener Laura, die man dem Kramer Kray am wenigsten als neue Ehehälfte gewünscht hätte. Schließlich wäre noch Günter Jaedeke zu nennen, der als Schutzmann Pickelhaube und Säbel zeitgerecht ins Bild setzte.

Sie kabbeln sich egalweg: Hein Kohrs (Klaus Aden) und Piepersch (Helene Schneider)

Gold in de Kehl (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

GOLD IN DE KEHL

Lustspiel in fünf Akten von Christof Wehking und Gerhard Bohde

Inszenierung: Kurt Frost a.G.
Bühnenbild August Ahlers a.G.

Bühnenbildbau: Enno Buß, Alfred Christoffers, Karl-Heinz Goldenstein, Hans Tapken, Dieter Kalisch
Inspizientin: Berta Herpel
Souffleuse: Helga Lauermann
Requisiten: Marga Goldenstein

Rollen und Darsteller
Gustav Klütenkamp, Bäckermeister - Wilhelm Pick
Paula, seine Frau - Brigitte Halbekath
Uschi, beider Tochter - Roswitha Bertz
Fridolin Hogestraat, Musiker - Karl-Heinz Herpel
Jonny Becker, Geselle von Klütenkam - Arnold Preuß
Willem Slick, Frührentner - Heino Aden
Gerhard von Kokoschinski - Horst Jönck

v.l. Horst Jönck, Roswitha Bertz, Karl-Heinz Herpel, Wilhelm Pick

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Wenn's dem Gustav zu wohl wird . . .

Die Niederdeutsche Bühne eröffnet die Spielzeit mit "Gold in de Kehl"

von Barbara Schwarz

Wenn's dem Esel zu wohl wird, geht er aufs Eis tanzen. Bäckermeister Gustav Klütenkamp geht zwar nicht tanzen, aber er hat ähnlich künstlerische Ambitionen er will auf seine alten Tage noch ein großer Sänger werden, er glaubt, "Gold in de Kehl" zu haben. Christof Wehking und Gerhard Bohde schildern in ihrem fünfaktigen niederdeutschen Lustspiel, wie sich der brave Bäckermeister selber zum Esel macht.

Ein windiger Musikus führt ihn an der Nase herum und ein Trickbetrüger legt ihn herein. Gustav Klütenkamp muß erst tüchtig auf die Nase fallen, ehe er klug wird. Eine Geschichte, wie sie sich überall in einer kleinen Stadt an der Küste abspielen könnte.

Vor dem völligen Ruin wird Gustav Klütenkamp im Stück allerdings dank der Umsicht und Tüchtigkeit von Tochter, künftigem Schwiegersohn und vor allem seiner lieben Frau Paula bewahrt. Und am Happy End schaut sogar für den windigen Musikus Fridolin noch ein bißchen was heraus: er darf im geplanten Cafe zum Fünf Uhr Tee Musik machen. Und der Bäckermeister, der künftig viele kleine Brötchen backen muß, darf mit Genehmigung der lieben Frau im neuen Cafe sogar öffentlich singen.

Gustav (Wilhelm Pick) gibt Jonny (Arnold Preuß) die rechten Anweisungen

Kurt Frost von der Landesbühne Niedersachsen Nord hat das hübsche, nicht sehr vervvickelte Spiel flott inszeniert. Wilhelm Pick glänzt in der Paraderolle des Bäckermeisters Klütenkamp, ein stimmstarker Handwerksmeister wie aus dem Buche. Brigitte Halbekath findet als seine patente Frau Paula herzliche und resolute Töne. Roswitha Bertz ist beider frische, tüchtige und erfreulich anzusehende Tochter, Arnold Preuß nach einjähriger, berufsbedingter Pause wieder dabei der sympatisch schüchterne Schwiegersohn "in spe".

Karl Heinz Herpel kann als nicht ganz seriöser Musikus sein Orgelspiel und eine gewisse Schlitzohrigkeit ins Spiel einbringen. Heino Aden hat als Frührentner Willem oft die Lacher auf seiner Seite, ein echter Komödiant. Horst Jönck muß wieder einmal der "Bösewicht vom Dienst" sein, ein Hochstapler, und er zeichnet diesen windigen Burschen genau richtig.

Enno Buß, Alfred Christoffers, Karl Heinz Goldenstein, Hans Tapken und Dieter Kalisch haben das ansehnliche Bühnenbild für die erste Inszenierung der Niederdeutschen Bühne Rüstringen in dieser Spielzeit gebaut. Das Premieren-Publikum dankte mit reichem Szenen- und herzlichen Schlußbeifall.

Brigitte Halbekath (mitte) hält es nicht mehr aus und Arnold Preuß, Roswitha Bertz und Heino Aden können sie nicht trösten

Hör mal´n beten to

Sonderveranstaltung

HÖR MAL´N BETEN TO

Freitag, 24. Februar 1978

Ein Abend mit den beliebten plattdeutschen Geschichtenerzählern

Irmgard Harder
Hermann Bärthel
Ewald Christoffers
Günter Harte
und Gerd Lüpke

bekannt aus den morgendlichen Sendungen "Hör mal´n beten to" des NDR II.

v.l. Hermann Bärthel, Günter Harte, Gerd Lüpke, Ewald Christoffers

Planung und Regie: Willy Beutz

Es spielt

das Akkordeon-Orchester der Jugendpflege der Stadt Wilhelmshaven unter der Leitung von Herbert Hinrichs

Es singt

der Shanty-Chor der Marine-Kameradschaft Wilhelmshaven unter der Leitung von Herbert Häckel.

 

Ferien in Lüttjensiel (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

FERIEN IN LÜTTJENSIEL

Lustspiel in drei Akten von Christof Wehking

Inszenierung: Karl-Heinz Herpel
Bühnenbild August Ahlers a.G.

Bühnenbildbau: Enno Buß, Alfred Christoffers,
Karl-Heinz Goldenstein, Hans Tapken
Inspizientin: Bertha Herpel
Souffleuse: Helga Lauermann
Requisiten: Marga Goldenstein

Rollen und Darsteller
Meta Noormann, Wirtin - Brigitte Halbekath
Elke, ihre Tochter - Helga Fleckenstein
Gerd Lührs, Schiffsausrüster - Enno Buß
Heiko, sein Sohn - Wilfried Pampuch
Max Bullerbeck, Makler - Kurt Röthel
Franziska, seine Tochter - Roswitha Bertz
Fritz, Franzis Vater - Friedrich Müller
Fiete Kleversaat, Gemeindeboote - Heino Aden

In Lüttjensiel ist´s gemütlich - v.l. Kurt Röthel, Roswitha Bertz, Brigitte Halbekath, Heino Aden und Enno Buß

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Allerlei Wind im Sieldorf

Beifall für "Ferien in Lütjensiel" bei der Niederdeutschen

Von Theodor Murken

Als letztes Stück dieser Spielzeit hat die Niederdeutsche Bühne Rüstringen das Lustspiel "Ferien in Lütjensiel" von Christof Wehking auf die Bretter des Stadttheaters gebracht. Der Norder Christof Wehking ist in den letzten Jahren durch meistens plattdeutsche Kurzgeschichten, Erzählungen, Gedichte und niederdeutsche Hörspiele bekanntgeworden.

In seinem plattdeutschen Lustspiel zeigt er, daß er auch etwas vom Theatermetier versteht. In den "Ferien in Lütjensiel" hat er alle bühnenwirksamen Register eines Lustspiels gezogen, von der Situationskomik bis zum "Liebesleid und glück". Er greift hinein ins "volle Menschenleben" und stellt neben die Menschen des Sieldorfes die Feriengäste aus Hamburg, die allerhand Betrieb auf die Bühne bringen.

Da geht es einmal um die Frage, ob der Ort ein neues Siel bekommen und der Hafen aus dem Ort hinausverlegt werden soll, und zum andern um Heiko und Elke, in deren stilles Glück die Franzi aus Hamburg hineinplatzt. So gibt es allerlei Komplikationen. Drei Akte hindurch geht es in Lütjensiel recht windig zu. Es gibt Tränen und Enttäuschungen, aber schließlich kommt doch alles ins rechte Lot.

Dazu trägt der Gemeindebote Fiete Kleversaat bei, der zwar in den Gemeinderatssitzungen nur den Schnaps einschenkt und die Bierflaschen einsammelt, aber hier doch eine sehr gewichtige Persönlichkeit ist, die der Autor sehr fein gezeichet hat.

Karl Heinz Herpel, einer der alten Theaterhasen der Niederdeutschen Bühne, hatte für die Aufführung die Regie übernommen. Er nutzte alle Möglichkeiten, die das Stück bietet, voll aus, und durch das gute Zusammenspiel aller Darsteller wurde die Premiere zu einem vollen Erfolg.

Ein stimmungsvolles Bühnenbidl - Idyll am Deich (mit Wilfried Pampuch und Heino Aden)

Das gut besetzte Haus ging begeistert mit und gab den stärksten Beifall dem Darsteller des Fiete Kleversaat, dem Heino Aden die rechte Note gab; ihm hat der Autor sogar einige singspielhafte Lieder zugeschrieben, mit denen Heino Aden gut fertig wurde.

Brigitte Halbekath als Wirtin Meta Noormann und Enno Buß als Schiffsausrüster Gerd Lührs ließen recht temperamentvoll ihre Interessengegensätze um den neuen Siel spielen. Helga. Fleckenstein als Wirtstochter Elke und Wilfried Pampuch als Heiko Lührs gaben das "richtige Paar" ab, auch bei der Bewältigung ihrer gar nicht so einfachen Rollen.

Fast wäre ja der Heiko auf die kesse Hamburgerin Franzi hereingefallen, aber wie versöhnend diese hinterher sein konnte, das konnte in der Darstellung von Roswitha Bertz doch sehr gefallen. Sie sind ja alle nicht aus so grobem Holz geschnitzt, wie es manchmal den Anschein haben konnte, die vom Autor gezeichneten Personen, auch nicht der Hamburger Makler Max Bullerbek (Kurt Röthel) und der playboyhafte Vetter von Franzi, den Friedrich Müller auch mit seinem Äußeren die rechte Farbe gab.

Das von August Ahlers (Oldenburg) entworfene Bühnenbild war von Enno Buß, Alfred Christoffers, K. H. Goldenstein und H. Tapken treffend in Form und Farbe gebracht worde. Bertha Herpel zeichnet für die Inspektion, Marga Goldenstein für die Requisiten, und, um die Liste der Namen zu vervollständigen, darf hinzugefügt werden, daß die Souffleuse Helga Lauermann nicht nur (dem Publikum) unsichtbar, sondern auch unhörbar blieb.

...und wieder das Familienphoto zur Produktion "Ferien in Lüttjensiel"  (v.l. Karl-Heinz Herpel, Helga Lauermann, Bodo Christoffers, Jürgen Tapken, Enno Buß, Kurt Röthel, Berta Herpel, Brigitte Halbekath, Wilfried Pampuch, Roswitha Bertz, Friedrich Müller, Helga Fleckenstein, Hans Tapken, Heino Aden und Marga Goldenstein)

Dat Verlegenheitskind (2. WA)

2. Wiederaufführung (3), davor 1952/53 und 1964/65 gespielt

DAT VERLEGENHEITSKIND

Schwank in drei Akten von Jens Peter Asmussen

Inszenierung: Willy Beutz
Bühnenbild August Ahlers a.G.

Bühnenbildbau: Enno Buß, Alfred Christoffers,
Karl-Heinz Goldenstein, Hans Tapken
Inspizientin: Bertha Herpel
Souffleuse: Karin Heyel
Requisiten: Marga Goldenstein

Rollen und Darsteller
Amandus Quandt - Wilhelm Pick
Katrin, seine Frau - Käte Baumann
Hein, ihr Sohn - Wilfried Pampuch, Arnold Preuß*
Peter Brandt, Bauer - Heino Aden
Gesche, seine Frau - Helene Schneider
Evchen, ihre Tochter - Wilma Welte
Hans Wickenhusen, Briefträger - Klaus Aden
Emma Meier - Herta Tapken
Mali, ihre Tochter - Helga Fleckenstein, Roswitha Bertz**
Jan, Gehilfe bei P. Brandt - Manfred Janßen

* 1 Aufführung für die Volksbank Wilhelmshaven
** je 1 Aufführung für die Volksbank Wilhelmshaven, in Schneverdingen

Amandus (Wilhelm Pick, rechts) ist in Verlegenheit - es setzen ihm zu: Käte Baumann, Wilma Welte und Helene Schneider

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Drei Akte voller Zündstoff

Herzhafter Frohsinn beim Schwank der Niederdeutschen Bühne

von Theodor Murken

Ideen muß man haben. Wie Bauer und Dorfkrämer Amandus Quandt, der seiner Frau erzählte, jeden Monat 100 Mark für ein uneheliches Kind zahlen zu müssen, die er mit seinem Kumpan beim Dorfwirt in Bier umsetzte. Es war ja kein Risiko dabei, das Kind gab es ja gar nicht. Dachte er . . .

Aber damit fängt die Sache erst an, die J. P. Asmussen in seinem Schwank "Dat Verlegenheitskind" auf der Bühne ablaufen läßt. Mehr sollte man eigentlich dazu nicht sagen. Was da alles so passiert, kann man gar nicht erzählen, ohne den Besuchern der nächsten Aufführungen den Spaß vorwegzunehmen, den sie an diesem Schwank haben werden. Über die bekannten "klassischen" Schwänke wie die "Spanische Fliege" oder "Pension Schöller" kann man nicht herzhafter lachen als über diesen, der mit seinem plattdeutschen Wortschatz dazu noch recht urwüchsig ist.

Auf hochdeutsch gesagt, klingt das hier furchtbar nüchtern, und dabei hat das Stadttheater lange nicht mehr solche "Stürme der Heiterkeit" erlebt wie bei diesem Stück. Großen Anteil daran hatte Willy Beutz als Regisseur, der für eine straffe Inszenierung sorgte und alle die vielen Überraschungs- und (nicht zu vergessen) Wort-Effekte gut zu Wirkung kommen ließ. Sie zündeten alle wie Raketen, und jede von ihnen saß.

Gesche (Helene Schneider) sagt ihrem Mann Peter (Heino Aden) kräftig die Meinung. Amandus (Wilhelm Pick) würde am liebsten im Boden versinken. Amüsiert schaut Hein (Wilfried Pampuch) zu, Katrin (Käte Baumann) ist eher pikiert  - eine Szene aus "Dat Verlegenheitskind" - Spielzeit 1977/78 -

Willy Beutz gab auch der von alten Theaterhasen und jüngeren Spielern gestalteten Aufführung eine einheitliche Wirkung und der herzliche Beifall zeigte, wie sehr sich seine Mühe gelohnt hatte. Die beiden männlichen Hauptdarsteller lebten förmlich in ihren komischen Rollen. Wilhelm Pick war als Amandus Quandt ein wahrer Meister der Mimik und Heino Aden als Kumpan Quandts stand dessen Bauernschläue und Verschlagenheit mit dem zerknirschten Gesicht des "geprügelten Hundes" gegenüber. Beide hatten es zu Hause auch nicht leicht bei ihren Frauen, was uns Käte Baumann und Helene Schneider glaubhaft machen konnten.

Das "Verlegenheitskind" Mali Meier, von Helga Fleckenstein gespielt, eroberte durch die natürliche Art ihrer Darstellung alle Herzen und dem kleinen Evchen von Wilma Weite, die sich im Laufe der Aufführung, in ihre Rolle gut hineinfand, gönnte man, daß sie am Ende auch noch zu ihrem Ziel kam, nämlich an den Briefträger, den Claus Aden spielte

Dann trat noch Herta Tapken in der Rolle der Mutter des "Verlegenheitskindes" recht resolut und selbstsicher auf den Plan und Wilfried Pampuch, der dem Sohn des Bauern Quandt das nötige Selbstbewußtsein gab, an dem es aber auch Manfred Janßen als leicht stotternder landwirtschaftlicher Gehilfe nicht fehlen ließ.

Als das Publikum am Schluß der Aufführung die Darsteller vor den Vorhang rief, erhielt er noch einen besonders betonten Beifall. August Ahlers (Oldenburg) hatte für die Aufführung ein heiter gestimmtes Bühnenbild entworfen, für dessen Ausführung Enno Buß, Alfred Christoffers, K. H. Goldenstem und H. Tapken verantwortlich zeichnen.

Das obligatorische Familienphoto am Ende der Probenzeit (v.l. Willy Beutz, Wilhelm Pick, Herta Tapken, Käte Baumann, Alfred Christoffers, Berta Herpel, Heino Aden, Roswitha Bertz, Marga Goldenstein, Karin Heyel, Helene Schneider, Manfred Janßen, Wilfried Pampuch, Klaus Aden, Helga Fleckenstein und Wilma Welte)- "Dat Verlegenheitskind" - Spielzeit 1977/78

Mien Mann, de fohrt to See (3. WA)

3. Wiederaufführung (4), davor 1950/51, 1953/54 und 1962/63 gespielt

MIEN MANN, DE FOHRT TO SEE

Komödie in drei Akten von Wilfried Wroost
musikalische Bearbeitung: Karl-Heinz Herpel

Inszenierung: Jan-Friso Meyer (Oldenburg)
Bühnenbild: August Ahlers

Bühnenbildbau: Enno Buß, Alfred Christoffers,
Karl-Heinz Goldenstein, Hans Tapken
Inspizientin: Bertha Herpel
Souffleuse: Karin Heyel
Requisiten: Herta Tapken

Rollen und Darsteller
Karl Brammer - Enno Buß
Mary Brammer - Hanna Christoffers
Friedrich Brammer - Horst Jönck
Augusta-Viktoria - Käthe Baumann
Mandus Sötje - Heino Aden
Malwine Sötje - Rika Jung
Adrian Pott - Friedrich Müller
Ulli Stichling - Helga Fleckenstein
Johannes Menck - Wilhelm Pick
Justus Aldag - Kurt Röthel

Die Trauergesellschaft ? - so fröhlich??? (hinten Wilhelm Pick, Kurt Röthel, Hanna Christoffers, Enno Buß - vorne Käte Baumann, Horst Jönck, Rika Jung, Heino Aden)

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Zuschauern Alltagssorgen vertrieben

Niederdeutsche Bühne brachte Weihnachten "Mien Mann de fohrt to See" heraus

Von Barbara Schwarz

Premiere der Niederdeutschen Bühne Rüstringen am 2.Weihnachtsfeiertag - das ist inzwischen gute Tradition. Das bedeutet auch allemal ein ausverkauftes Haus und ein Publikum, das bereit ist, sich mit Heiterem gut unterhalten zu lassen. Es möchte gern die Alltagssorgen vergessen und lachen. Wilfried Wroost Komödie "Mien Mann de fohrt to See" bietet dafür fast eine Garantie.

Der Gastwirt Karl Brammer muß wegen eines Zollvergehens hinter "schwedische Gardinen". Damit aber die Nachbarn und die Gäste nichts erfahren, damit aus Karl Brammer nicht Karl "Brummer" wird, startet er angeblich nach Fuhlsbüttel nicht in die Strafanstalt, sondern von dort, vom Flugplatz nach Rotterdam, um wieder als Smutje zur See zu fahren. . .

Das Unglück will es, daß ausgerechnet das Schiff, auf dem er anheuert, während eines Orkans bei Terschelling sinkt. Die liebe Verwandtschaft Schwester, Bruder, Schwager und Schwägerin reißen sich sofort um das Erbe, denn der kinderlosen Witwe stehen, da kein Testament vorliegt, nur 50 Prozent zu. Aber da taucht Karl höchst lebendig wieder auf. Er hat Urlaub auf Ehrenwort bekommen und sorgt dafür, daß zu Hause alles wieder ins Lot kommt:

Die böse Verwandtschaft wird an die Luft gesetzt. Der uneheliche Sohn bekommt den anständigen Namen des Vaters und eine liebe Braut dazu. Die Liebe zwischen Karl und seiner patenten Frau Mary hat sich durch all die gemeinsam ausgestandenen Nöte noch vertieft. Die finanziellen Sorgen werden durch ein Glückslos behoben, mit dem Mary zunächst geärgert werden sollte. Nur zwei Junggesellen, die es auf Frau Mary abgesehen hatten, müssen betrübt feststellen, daß sie nun doch noch nicht Witwe geworden und damit zu haben ist.

Die patente Wirtin Mary, die mit Energie und Geschick die schwierigsten Situationen deichselt, spielt Hanna Christoffers außerordentlich sympatisch. Enno Buß als ihr Mann Karl braucht bloß mit einer großen Kochsmütze auf der Bühne zu erscheinen und hat schon einen Sonderapplaus eingeheimst. Er ist mit Recht einer der beliebtesten Spieler der Niederdeutschen Bühne.

Mary Brammer (Hanna Christoffers) ist umschwärmt von Verehrern und Trauernden (v.l. Helga Fleckenstein, Friedirch Müller, Horst Jönc, Käte Baumann und Rika Jung)

Ganz großen Beifall und wie Hanna Christoffers auch vereinzelte Bravo Rufe beim Schlußbeifall bekam Heino Aden als Schwager Mandus, der mit einem bösen Weib gestraft ist und seinen Kummer im Alkohol zu ertränken versucht. Heino Aden, der etwas von einem weisen Clown, einem klugen August hat, liefert hier wirklich ein Kleinkunst Kabinettstück ab, besonders in der Mützen Szene.

Rika Jung und Käthe Baumann haben ebenso wie Horst Jönck ganz herrliche Rollen: sie dürfen so richtig schön mies, geldgierig, bösartig und schadenfroh sein und spielen das auch mit Wonne voll aus. Die Erbauseinandersetzung der beiden Frauen ist einer der komischen Höhepunkte. Wilhelm Pick und Kurt Röthel sind zwei sehr komische Stammgäste auf Freiersfüßen. Und das sympatische junge Paar, die Serviererin Ulli und den Sohn Adrian spielen Helga Fleckenstein und Friedrich Müller.

Jan Friso Meyer, der Regisseur aus Oldenburg, hat einige sehr hübsche Einfälle inszeniert. So lacht man schon erwartungsfroh, wenn die böse liebe Verwandtschaft zum Fenster in die Gaststätte der Brammers hereinblickt. Insgesamt hätte man das Stück aber doch etwas straffen müssen, vielleicht hätte man auch die eine oder andere der gut gemeinten, an sich auch musikalisch hübschen Musiknummern von Karl Heinz Herpel fortlassen können. Der Aufführung hätte es insgesamt noch mehr Spannung gegeben. Aber da mag das Premierenfieber auch etwas mitgespielt haben. Vielleicht wird der Zusammenhalt des Ganzen etwas dichter in den folgenden Aufführungen.

Das Publikum am 2. Weihnachtstag hat sich jedenfalls prächtig amüsiert. Es gab sehr viel Szenenbeifall für die beliebten Darsteller, die wie immer alle mit großer Spielfreude dabei waren. Das ansehnliche Bühnenbild von August Ahlers (Oldenburg) gab auch den richtigen Rahmen.

Karl Brammer (Enno Buß) ist zurück. Es staunen die anderen (Heino Aden, Hanna Christoffers, Horst Jönck, Käte Baumann und Rika Jung) sehr  - eine Szene aus "Mien Mann, de fohrt to See"

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