De Fall Hansen (1. WA)

fünfte Gemeinschaftsinszenierung
1. Wiederaufführung (2), davor 1955/56 gespielt

DE FALL HANSEN

(nach dem Kriminalroman "Die Spur im Hafen" von Georg von der Vring)
Kriminalschauspiel in 6 Bildern von Walter A. Kreye

Inszenierung: Rudolf Plent a.G.
Bühnenbild: August Ahlers a.G


Bühnenbildbau: Enno Buß, Alfred Christoffers
Idee und Planung: Willy Beutz
Regieassistenz: Hans-Hermann Plodeck, Oldenburg
Inspizientin: Berta Herpel, Wilhelmshaven
Souffleuse: Margrit Antonschmidt, Oldenburg

Rollen und Darsteller
Peter Tewes, Assessor - Norbert Pfeiffer, Brake
Frau Jürgens, Haushälterin - Hildegard Steffens, Wilhelmshaven
Dr. Sievers, Arzt - Manfred Kaschel, Oldenburg
Adelheid Stege - Roswitha Bertz, Wilhelmshaven
Van der Zandt - Peter Blohm, Brake
Hannes Clausen - Heinrich Brockmann, Wilfried Dirks, Jever
Dora Renken - Edith Beyer, Delmenhorst
Visser, Seemann - Ingo Feith, Jever
De Grut, Konsul - Karl-Heinz Herpel, Wilhelmshaven

Norbert Pfeiffer (Brake) und Hildegard Steffens (Wilhelmshaven) gehören zum ausgefeilten Ensemble

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Ein spannendes Kriminalspiel

Der Autor Walter A. Kreye zur Premiere nach Wilhelmshaven gekommen

Von Barbara Schwarz

Den herzlichen Beifall des Premierenpublikums konnte der Autor Walter A. Kreye am Freitagabend persönlich in Empfang nehmen, er war zur Premiere seines Kriminalschauspiels "De Fall Hansen" nach Wilhelmshaven gekommen. Diese fünfte Gemeinhaftsproduktion von fünf dem Niederdeutschen Bühnenbund Niedersachsen & Bremen angeschlossenen Bühnen, die in wenigstens zwölf Spielorten gezeigt werden soll, kann sich sehen lassen, auch wenn am Premierenabend die Technik (Licht, Vorhänge) noch etwas in den Scharnieren quietschte - im übertragenen Sinn.

Es ist allein schon eine bewundernswürdige Leistung von Bühnenbundpräsident Willy Beutz eine solche Gemeinschaftsproduktion unter der Regie von Rudolf Plent vom Staatstheater Oldenburg überhaupt zu planen und zu organisieren.

Zehn Spielerinnen und Spieler von den niederdeutschen Bühnen Brake Delmenhorst, nburg, Leer und Wilhelmshaven, die alle keine hauptberuflichen Schauspieler sind, sondern wochentags ihren Beruf ausüben, haben dreißigmal an Wochenenden im Staatstheater Oldenburg geprobt. Diese einsame Anstrengung aller hat sich - davon kann sich das Publikum überzeugen - gelohnt, denn wohl kaum eine der beteiligten Bühnen hätte dieses spannende und ernste Spiel so hervorragend besetzt allein auf die Beine stellen können.

Vorwurf für Walter A. Kreyes "De Fall Hansen" ist Georg von der Vrings Roman "Spur im Hafen", ein unheimlicher Kriminalfall, der um 1840 in Elsfleth bei von der Vring Werderfleth genannt spielt. In dieser kleinen Hafenstadt kommt Hafenbaumeister Iko Dietrich Tews durch einen vermeintlichen Unglücksfall um. Aber sein Neffe, der Assessor Peter Tews, glaubt nicht an ein Unglück. Er versucht gemeinsam mit dem Arzt Dr. Sievers und seinem Freund Hannes Clausen hinter die geheimnisvollen Umstände des Todes seines Onkels zu kommen und findet schließlich die Spur seines Mörders.


Eine eindrucksvolle Geschichte wird erzählt - v.l. Norbert Pfeiffer (Brake), Roswitha Bertz (Wilhelmshaven), Edith Beyer (Delmenhorst), Manfred Kaschel (Oldenburg)

Auch zwei weitere Morde, die an dem Lübecker Ehepaa Hansen - darum heißt das Stück bei Kreye "De Fall Hansen" , die schon der ermordete Hafenbaumeister aufklären wollte, deretwegen er sterben mußte, werden schließlich gesühnt. Walter A. Kreye hat von der Vrings Roman sehr bühnenwirksam von allen nicht wesentlichen Nebenhandlungen und Figuren befreit. Er hat auch den geschichtlichen Hintergrund die Studentenunruhen in den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, die Flucht Prof. Hoffmann von Fallersleben nach Helgoland, die heraufdämmernde 48er Revolution ausgeklammert und sich auf den Mordfall konzentriert.

Spannende Aktschlüsse verblüffen immer wieder und lassen das Spiel bis zum Schluß für alle offen, die Roman oder Schauspiel noch nicht kennen. Bis auf das Schlußbild kann die Handlung im Arbeitszimmer des ermordeten Hafenbaumeisters Tews spielen. Umbauten sind so unnötig, das Spiel ist die Technik erst einmal eingespielt kann sehr zügig laufen.

Alle Spielerinnen und Spieler gehen das wurde bei der Premiere sehr schön deutlich voll in ihren Rollen auf. Norbert Pfeiffer (Brake) spielt den jungen Assessor Tews als einen sympathischen, aufrechten norddeutschen Typ, den die leidenschaftliche Liebe zur Pflegetochter von Konsul de Grut in Zwiespalt zur Pflicht bringt. Roswitha Bertz (Wilhelmshaven) füllt die schwere Rolle des jungen Mädchens, das das Unheil kommen sieht und darum zunächst in der Flucht einen Ausweg sucht, voll aus.

Karl Heinz Herpel (Wilhelmshaven) , der vor wenigen Jahren noch in Inszenierungen der Niederdeutschen Bühne Rüstringen jugendliche Liebhaber spielte, ist hier ein ganz zwielichtiger, sehr autoritärer Ehrenmann. Großartig Hildegard Steffens (Wilhelmshaven) als Haushälterin Frau Jürgens. Peter Blohm (Brake) wirkt wie ein echter Seemann Heinrich Brockmanr er alterniert mit Wilfried Dierks (beide Jever) in der Rolle des Hannes Clausen spielt ei. nen aufrichtigen Freund, Manfred Kaschel (Oldenburg) einer gewissenhaften Arzt, Edith Beyer (Delmenhorst) eine arme Frau und Ingo Feith (Jever) einen brutalen Seemann. Es gab für alle Mitwirkenden herzlichen Beifall.

Das praktische, leicht transportierbare Bühnenbild entwarf August Ahlers vom Staatstheater Oldenburg, Enno Buß und Alfred Christoffers (beide Wilhelmshaven) haben es gebaut. Das spannende Spiel paßt unheimlich wie es ist, so recht in die dunkle Jahreszeit.

WILHELMSHAVENER ZEITUNG VOM 17. Oktober 1978

Plattdeutsches vor Fernsehkameras

„De Fall Hansen" mit der Niederdeutschen Bühne für III. Programm des NDR

Keine Scheu vor der Kamera auf der Bühne: (von links: Karl-Heinz Herpel, Roswitha Bertz, beide Wilhelmshaven, Norbert Pfeiffer und Peter Blohm, beide Brake, in einer Probe-Szene vor der Farbfernsehkamera. (WZ-Foto: Angst)

Studio-Stimmung im Stadttheater: Der Norddeutsche Rundfunk nahm für sein III. Fernsehprogramm Plattdeutsches aus Wilhelmshaven auf. Und trotz einiger Schwierigkeiten waren die Beteiligten vollauf zufrieden, als der Vorhang nach der letzten Szene des „De Fall Hansen"-Kriminalschauspiels wieder fiel.

Denn spannend war auch gewesen, was hinter den Kulissen vorging. Produktionsleiter Claus Trollmann, verantwortlicher NDR-Mann für diese Aufzeichnung, war eigens von der Elbe an die Jade gekommen: „Der Sendetermin 10. November drängte, wir wollten trotz sehr knapper Zeit für die Proben dennoch Nägel mit Köpfen machen."

Daß sich die Fernsehleute dabei mindestens einmal auf den Daumen klopften, lag weder an ihnen noch an der Niederdeutschen Bühne: Nun konnte man im Stadttheater wegen dessen Terminplanung ohnehin nur an zwei Nachmittagen proben, und da kam zur Generalprobe, die schon von den Fernsehkameras aufgenommen werden sollte, auch noch der Maskenbildner des Staatstheaters Oldenburg fast eine Stunde zu spät. Seine Entschuldigung: „Wir hatten noch eine Generalprobe, aber dann bin ich wie Stirling Moss über die Autobahn!" Obendrein hatte er auch noch die Perücken der Schauspieler bei sich.

So ziemlich alles andere hatte der NDR mitgebracht, aber pünktlich. Neue Kostüme für die Inszenierung ebenso wie ein neues Bühnenbild. So hatte Karl-Heinz Herpel beispielsweise lila Hosen durch die Spendierhosen des Fernsehens bekommen. „Die Farbkameras benötigen feinere Oberflächen, Qualität erfordert Aufwand," erläuterte Produzent Trollmann. Das Bemühen um Qualität mußte man dem NDR abnehmen, denn die Profis hinter den drei Kameras — sie nehmen sonsten auch das OhnsorgTheater auf — besonders aber Bildregisseur Marcus Scholz wurden wegen ihrer „phantastisch ruhigen Art" von den Schauspielern gelobt.

Für die Aufzeichnung auf Fernsehband waren ein Übertragungswagen, ein Magnetaufzeichnungswagen und einige Hilfsfahrzeuge im Theaterhof abgestellt. Sie bildeten das Symbol für rund 80 000 DM direkte Kosten und noch einmal diese Summe an indirekten Kosten, die der NDR für das Wilhelmshavener Spiel aufwendete. Das Arbeiten vor den drei Farbfernsehkameras hat den Schauspielern gefallen. Stolz nahmen sie die Überraschung des Fernseh-Teams zur Kenntnis, als sich herausstellte, daß alle Darsteller erst nach einem vollen Arbeitstag in abendfüllende, erst nach Mitternacht endende, Proben gingen.

Die schwierige Fernsehbearbeitung eines Stückes, das in seiner Inszenierung über 20 Male bereits gezeigt wurde, gelang nur durch konzentrierte Vorbereitung. Bildregisseur Scholz studierte die Wilhelmshavener Aufzeichnung bereits seit Wochen an Hand eines Fernsehmitschnittes geringerer Qualität, der mit nur einer Kamera aufgenommen worden war.

Das Eingehen auf die Technik machte den Schauspielern keine Schwierigkeiten, wenn es beispielsweise galt, eine Geste zu verzögern, bis die Kamera umgestellt worden war. Vielmehr war die Arbeit mit den „Fernseh-Profis" eine willkommene Gelegenheit, ein breites Publikum zu gewinnen, das eigene Können unter Beweis zu stellen und für die eigene Schulung etwas zu lernen. Und in der Umkleidekabine war fernsehgerechtes Bühnengeplauder zu vernehmen. Nach dem Trick befragt, wie sie denn auf Kommando weinen könne, antwortete Roswitha Bertz: „Da gibt es keinen Trick, die Tränen kommen dann von alleine."

Während Schauspieler und Techniker sich frisch machten und die Technik überprüften, stand Regisseur Marcus Scholz vor dem Vorhang und unterhielt die Zuschauer des vollen Hauses, bis um 20.40 Uhr das aufgezeichnet wurde, was am 10. November abends im III. Fernsehprogramm zu sehen sein wird. „De Fall Hansen", alles in Farbe, einschließlich Roswithas Tränen. dl

Geplauder in der Umkleidekabine unmittelar vor der Hauptaufzeichnung: (von links: Hildegard Steffens, Roswitha Bertz, Regisseur Marcus Scholz, Inspizientin Berta Herpel, NDR-Produktionsassistent Iben und Karl-Heinz Herpel.

Familienansluss (3. WA)

3. Wiederaufführung (4), davor vor 1939, 1950/51, 1959/60 gespielt

FAMILIENANSLUSS

Komödie in drei Akten von Karl Bunje

Inszenierung: Karl-Heinz Herpel
Bühnenbild: Enno Buß/Alfred Christoffers

Souffleuse: Herta Tapken
Requisiten: Marga Goldenstein
Inspizientin: Berta Herpel

Rollen und Darsteller
Krischan Barkhahn, alter Kapitän - Enno Buß
Mali, seine Frau - Hanna Christoffers
Erna, beider Tochter - Helga Fleckenstein
Klaus Seekamp, selbständiger Schiffer - Horst Jönck
Alfred Stegmann, ein junger Kaufmann - Friedrich Müller
Gerichtsvollzieher - Heino Aden
Jochen Krull, mehrfacher Hausbesitzer - Wilhelm Pick
Zwei Möbelpacker - Manfred Janßen, Karl-Heinz Goldenstein

An der Kaffeetafel sitzen - v.l. Enno Buß, Hanna Christoffers, Helga Fleckenstein, Friedrich Müller und Horst Jönck

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Geburtstagsgeschenk für Karl Bunje

Niederdeutsche Bühne Rüstringen eröffnete Spielzeit mit der Komödie "Familienanschluß"

von Barbara Schwarz

Die Niederdeutsche Bühne Rüstringen eröffnete die neue Spielzeit im Wilhelmshavener Stadttheater am Sonntagabend zu Ehren von Karl Bunje, der am B. November 80 Jahre alt wird, mit seiner Komödie "Familienansluß". Karl Heinz Herpel hat die Komödie um den urigen Kapitän Barkhahn, der an Land "dwarslöpt", nicht klarkommt und in zwei Jahren fünfmal Pleite macht, sehr wirkungsvoll inszeniert.

Nach der etwas breit angelegten, ruhigen Einleitung geht es im zweiten Akt dann richtig los. Und wenn Enno Buß als Kapitän Barkhahn aus drei mageren Schinkenscheiben sechs herauszuklopfen versucht, fliegen nicht nur Schinkenfetzen durch die Gegend, auch das Publikum hält es dann nicht mehr: Man lacht, daß einem die Tränen kommen.

Enno Buß hat mit der Rolle des Kapitän Barkhahn wieder eine pralle Figur auf die Beine gestellt. Seine blauäugige Schlitzohrigkeit, seine Lebenslust, sein guter Wille, es immer noch einmal zu versuchen, machen es denn auch seiner Tochter Erna und selbst dem Gerichtsvollzieher unmöglich,ihm böse zu sein.

Tochter Erna bringt, soweit es in ihren Kräften steht, auch alles wieder ins Lot. Unbekümmert und frisch wird sie mit dem Gockel von Hauswirt fertig. Als die Probleme ihr dann über den Kopf wachsen, ist auch gleich Rettung in Gestalt des jungen Schiffers Seekamp zur Hand, der auf sein neues Schiff nicht nur Erna als Frau, sondern auch ihren Vater mitnehmen wird. Zum Happy End gibt es also nicht nur "Familienansluß" für Seekamp, sondern eine richtig schöne, rührende Familienszene.

Barkhahn (Enno Buß, 2 v.l.) schmeißt die Möbelpacker (Manfed Janssen, Karl-Heinz Goldenstein) raus, entsetzt blicken Heino Aden und Hanna Christoffers drein

Als Tochter Erna stellt sich Helga Fleckenstein dem niederdeutschen Publikum erstmals in einer tragenden Rolle vor. Die gewinnt mit ihrer Frische, mit ihrer patenten Ausstrahlung das Publikum im Nu. Hanna Christoffers ist die geplagte Frau Mali von Kapitän Barkhahn, eine armes Weib, die sich zum Dank dafür, wenn er alles Geld immer leichtsinnig ausgibt, auch noch anhören muß, daß nicht Aufschnitt aufgefahren wird und kein Rum im Haus ist. Hanna Christoffers zeichnet diesen Hausmütterchentypsehr lebensecht.

Friedrich Müller ist der sympathische junge Schiffer Seekamp, der "Familienansluß" sucht und findet. Er stattet diesen jungen Kapitän mit so viel Zuversicht und Geradlinigkeit aus, daß jedermann sofort Vertrauen zu ihm faßt. Heino Aden spielt einen wirklich etwas ungewöhnlichen Gerichtsvollzieher, der sogar Pfändungsgelder für seine treuen "Kunden" auslegt. Ein bescheidener Mann, der noch an das Gute im Menschen glaubt.

Wilhelm Pick als Hausbesitzer Jochen Krull heimst manchen Sonderbeifall ein, wenn er Süßholz raspelt und sich auf Freiersfüßen bewegt. Er ist wirklich sehr komisch gravitätisch. Horst Jönck muß die einzige unsympathische Figur dieser Komödie, spielen, den ehrgeizigen Kaufmann Stegmann. Und das macht er wirklich glaubhaft. Das Bühnenbild haben wieder Enno Buß und Alfred Christoffers entworfen und gebaut.

Insgesamt zwei Stunden kurzweilige Unterhaltung ein schönes Geburtstagsgeschenk für Karl Bunje.

Petroleum in Poppenbüttel (1. WA)

1. Wiederaufführung (2.), davor 1963/64 als "Gastweert Göbel" gespielt

PETROLEUM IN POPPENBÜTTEL

(Gastweert Göbel)
Lustspiel in vier Akten von Wilfried Wroost

Inszenierung: Karl-Heinz Herpel
Bühnenbild: Enno Buß, Alfred Christoffers

Inspizientin: Bertha Herpel
Souffleuse: Herta Tapken

Rollen und Darsteller
Gustav Göbel, Gastweert un Kramladeninhaber - Kurt Röthel
Greta, sien Fro - Hildegard Steffens
Lina, deren Dochter - Roswitha Bertz
Klaus Homester, Kleinbauer, Gretens Broder - Karl-Heinz Herpel
Bernhard Butenschön, Malermeister - Wilfried Pampuch
Fritz Pieper, sien Lehrling - Wilma Welte
Karl Lammers, Kleinbauer und Fuhrmann - Horst Jönck
Ludwig Geerken, Trichinenbeschauer und Lotterieverkäufer - Manfred Janßen

Die Kneipe in Poppenbüttel - v.l. Roswitha Bertz, Kurt Röthel, Karl-Heinz Herpel

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Ähnlichkeiten unverkennbar

Niederdeutsche Bühne stellte zwei Nachwuchsspieler vor

von Barbara Schwarz

"Petroleum in Poppenbüttel" von Wilfried Wroost und "Een Milljonär in't Huus" von Hans E. Jürgensen gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Die Ähnlichkeit beider Stücke, die Niederdeutsche Bühne brachte sie jetzt hintereinander heraus, ist unverkennbar. Ort der Handlung ist jeweils ein Gasthaus.

In "Een Millionär in't Huus", der vorletzten Inszenierung dieser Spielzeit, ist der in diesem Gasthaus murrende, wenig sympathische Wirt hinter einem vermeintlichen Lotto Gewinn her. In "Petroleum in Poppenbüttel" jagt der Geizkragen erst einem Lotteriegewinn und dann dem Petroleum auf der Ossenkopp.Weide nach. Beide Wirte, der Peter Oltmann aus "Een Millionär.." und der Gustav Goebel aus "Peiroleum . ," haben eine hübsche Tochter, die sich in einem netten, liebenswerten, aber armen jungen Mann verliebt die eine in einen angehenden Ingenieur, die andere in einen Malermeister.

v.l. Wilfried Pampuch, Kurt Röthel, Horst Jönck und Karl-Heinz Herpel studieren das Blatt

In beiden Stücken siegt natürlich die Liebe, gibt es ein Happy End, wird der geizige Wirt ausgetrickst, darf die Wirtstochter den jungen Mann von nebenan heiraten.

Roswitha Bertz spielt auch jetzt, in "Petroleum . . ." ,wieder diese nette Deern. Daß sie trotzdem zwei ganz unterschiedliche Figuren, zwei ganz individuelle Mädchen auf die Bretter stellt, ist das Erstaunlichste an beiden ansonsten rundherum ansehnlichen Inszenierungen von Karl-Heinz Herpel. Heike Oltmanns, das war so ein richtig geradliniges Mädchen, frisch und rechtlich. Als Lina Goebel aus "Petroleum...." ist Roswitha Bertz dazu noch echt komisch. Sie hat eine beachtenswerte Leichtigkeit gewonnen. Man hat den Eindruck, daß sich diese Spielerin jetzt richtig freigeschwommen hat.

Kurt Röthel als Gastwirt: ein lebensechter Miesling

Kurt Röthel spielt diesmal ihren Vater beim letzten Mal war es Enno Buss. Röthels Gastwirt Gustav Goebel ist so ein richtig lebensechter, unsympathischer Miesling, dem man gönnt, daß er von allen Seiten hereingelegt wird. Aber solche "Patriarchen", die ihre Frau ständig so schikanieren, daß sie vor lauter Schuldkomplexen überhaupt nicht mehr weiß, wie sie sich verhalten soll, gibt's ja durchaus nicht wenige. Hildegard Steffens zeichnet diese arme Frau ganz richtig als graue Maus, die sich ständig entschuldigt. Der nette Junge vor. nebenan, der mit Witz das Wirtstöchterlein erobert, ist Wilfried Pampuch. Wenn er dann noch in die Rolle eines angeblichen Amerikaners schlüpft, ist er für viele im Publikum kaum wiederzuerkennen. Karl-Heinz Herpel als Bauer Klaus Homester und Horst Jönck als Müller Karl Lammert sind ein komisches, treu doofes, aber doch ganz gewieftes Paar.

In dieser Neuinszenierung "Petroleum in Poppenbüttel" stellte die Niederdeutsche Bühne Rüstringen auch zwei Nachwuchsspieler vor, zu denen man ihr nur gratulieren kann. Wilma weite in der Hosenrolle des kleinen Fritz Pieper ist so lustig und in ihrer Spielfreude so ansteckend, daß man sie gern öfter sehen möchte. Ein richtig komödiantisches Talent mit einer staunenswerten Bühnensicherheit. Manfred Janssen als Trichinenbeschauer Ludwig Geerken ein junget Mann, wie man ihn aus der Nachbarschaft kennt. Er kann sich hier ganz offensichtlich selber spielen.

Das Bühnenbild für diese letzte Inszenierung in der laufenden Spielzeit entwarfen wieder Enno Buss und Alfred Christoffers eine Variation der Kneipe aus "Een Milljonär in't Huus'".

Gastweert Göbel (Kurt Röthel, 2.v.r.) muss sich kräftig zur Wehr setzen, v.l. Horst Jönck, Käte Baumann, Roswitha Bertz und Karl-Heinz Herpel

Das Premierenpublikum hat während der Aufführung viel lachen können und sich durch sehr herzlichen Beifall bedankt. Die Aufführung kann man auch Großeltern empfehlen, die gern mit ihren Enkelkindern über Ostern ins Theater gehen möchten. Bei der Premiere hatten schon Zehnjährige ihren Spaß.

Een Millionär in´t Huus (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

EEN MILLIONÄR IN´T HUUS

Schwank in drei Akten von Hans E. Jürgensen

Inszenierung: Karl-Heinz Herpel
Bühnenbild: Enno Buß, Alfred Christoffers

Inspizientin: Berta Herpel
Souffleuse: Helene Schneider
Requisiten: Herta Tapken

Rollen und Darsteller
Peter Oltmann, Kröger - Enno Buß
Heike, seine Tochter - Roswitha Bertz
Telse Neegenbroth, Mieterin im Hause Oltmann - Hanna Christoffers
Doris Friese, Mieterin im Hause Oltmann - Hildegard Steffens
Gerd Struck, Mieter im Hause Oltmann - Friedrich Müller
Fiede Maiboom, Faktotum bei Oltmann - Wilhelm Pick

Wieder ein schönes Bühnenbild von Enno Buß und Alfred Christoffers

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Wilhelm Pick war der Star

Rundherum gelungene Aufführung "Een Milljonär in´t Huus"

Von Barbara Schwarz

Wie sehr Geld die Welt regiert und das Verhalten der Menschen bestimmen und verändern kann, wie es Menschen, eben noch verachtet und unerwünscht, plötzlich sogar so begehrenswert erscheinen läßt, daß sie auf einmal als Ehepartner in Frage kommen, diese Erfahrungen hat in deutschen Landen schon so mancher Lotto-König gemacht.

Um eine gewonnene Lotto-Million geht es auch in Hans E. Jürgensens Schwank "Eer Milljonär in't Huus", den die Niederdeutsche Bühne Rüstringen als vorletzte Inszenierung dieser Spielzeit am Sonntagabend im Stadttheater sehr frisch und straff von Karl Heinz Herpel inszeniert herausbrachte.

Hinter dieser Million ist Peter Oltmann, der geizige Kröger vom Gasthaus "Zur alten Schleuse", her wie der Teufel hinter der armen Seele. Er schreckt nicht davor zurück, zwei schon etwas betagten Mieterinnen, die er eben noch vor die Tür gesetzt hatte, nacheinander einen Heiratsantrag zu machen, als er vermutet, sie hätten die Million gewonnen.

Er ist der "Star" des Abends - Wilhelm Pick

Nur weil beide Damen fast ebenso auf die Million versessen sind und für das Geld auch den alten Fiede Maiboom, Faktotum bei Oltmanns, als Ehemann in Kauf nehmen würden, kommt Peter Oltmann noch glimpflich davon. Daß er am Ende doch der Gelackmeierte ist, dafür sorgen schon seine Tochter Heike und deren Zukünftiger Gerd Struck. Für dieses sympathische Paar gibt es ein Happy End.

Wer die Million nun hat, das sei verschwiegen, um all denen, die sich diesen Schwank noch ansehen wollen, die Spannung nicht zu nehmen. Freuen kann man sich auf diese Aufführung das ist nach der Premiere gewiß. Das Premierenpublikum hat sich köstlich amüsiert und immer wieder lebhaft auf offener Szene und noch begeisterter am Schluß applaudiert.

Den meisten Beifall heimst diesmal wohl Wilhelm Pick ein. Er stattete seinen Fiede Maiboom mit so viel liebenswert clownesken Zügen aus, mit so viel Komik und Menschlichkeit, daß man diese Figur nicht so schnell vergessen wird. Enno Buss, der sonst in komisch grotesken Rollen oft, was den Applaus anbetrifft, der "Abstauber vom Dienst" ist, muß hier recht schön mies, berechnend, geizig und geldgierig sein und das wirkt sich gleich auf den Beifall aus. "Unsympathen" kommen, auch wenn sie nicht richtig böse sind, beim Publikum der Niederdeutschen nicht an.

Viel Beifall gab es dagegen für Roswitha Bertz, die nette Heike hübsch anzusehen, frisch und stolz, nicht bereit Vadders fiese Machenschaften zu unterstützen. Beachtlich die Sicherheit, mit der Roswitha Bertz diese große Rolle bewältigt.

Hanna Christoffers und Hildegard Steffens, die beiden vermeintlichen Lotto- Millionärinnen und Mieterinnen im Hause Oltmanns, haben das Publikum schnell auf ihrer Seite.

Das Ensemble vom "Milljonär" - v.l. Roswitha Bertz, Friedrich Müller, Enno Buß, Hanna Christoffers, Hildegard Steffens und Wilhelm Pick

Hanna Christoffers darf als Telse Neegenbroth wieder einmal so richtig klatschen, tratschen und schimpfen. Hildegard Steffens als ältliches Fräulein Doris Friebe blüht zusehends auf, als Peter Oltmann um ihre Hand anhält. Fritz Müller als der sympathische Mieter und angehende Ingenieur Gerd Struck hat die kleinste Rolle, aber eine der liebenswertesten, und er füllt sie aus.

Insgesamt eine beachtliche Ensemb-lLeistung der Niederdeutschen in einem ansprechenden Bühnenbild von Enno Buss und Alfred Christoffers. (Das Bühnenbild ist übrigens weit auf die Vorbühne vorgezogen, so daß man als Zuschauer auch in den hinteren Reihen alles gut verstehen kann.)

Dat Veilchen von St. Pauli (WE)

Oldenburgische Erstaufführung

DAT VEILCHEN VON ST. PAULI

Lustspiel in drei Akten von Franz W. Schilling
Musik von Karl-Heinz Herpel

Inszenierung: Kurt Büscher a. G.
Bühnenbild: Enno Buß, Alfred Christoffers
Musik: Karl-Heinz Herpel
Tänze: Christa Weise

Inspizientin: Berta Herpel
Souffleuse: Herta Tapken
Requisiten: Anke Preuß

Rollen und Darsteller
Martha Pingel, Blumenverkäuferin - Rika Jung
Jenny, ihre Tochter - Roswitha Bertz
August Schwertfeger, Werftarbeiter - Enno Buß
Wilhelmine, seine Frau - Hanna Christoffers
Anton Drögemüller, Werftarbeiter - Friedrich Müller
Minna, seine Frau - Käthe Baumann
Natalie Wirsing, Inhaberin einer Leihbücherei - Helene Schneider
Oskar Lehmkuhl, Werftarbeiter - Wilfried Pampuch
Ferdinand Callsen, Farmer - Günter Boye
Jim Callsen, sein Sohn - Arnold Preuß
Lilian Fengefisch, Animierdame - Brigitte Halbekath
Klaus Kuffek, Gelegenheitsarbeiter - Horst Jönck
Fred Wegener, Polizist - Wilhelm Pick

Martha Pingel, die Veilchenverkäuferin am Hafen - v.l.Käte Baumann, Rika Jung, Hanna Christoffers, Arnold Preuß und Helene Schneider

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

"Dat Veilchen von St. Pauli" erwies sich als ein herrliches Sträußchen

Eine echte Ensembleleistung der Niederdeutschen Bühne Rüstringen

von Barbara Schwarz

"Dat Veilchen von St. Pauli" ist ein echter Ohrwurm. Im vollbesetzten Stadttheater, bei der Premiere am 2. Weihnachtsfeiertag, klatschten und sangen nicht wenige Zuschauer die von Karl-Heinz Herpel für diese Inszenierung komponierten, eingängigen Melodien mit, die er selber an der Orgel begleitete. Sie klangen manchem auf dem Nachhauseweg und noch am nächsten Tag im Ohr. Der ganze Spaß dauert auf zwei Stunden

Mit dem musikalischen Lustspiel "Dat Veilchen von St. Pauli" von Franz W. Schilling hat die Niederdeutsche Bühne Rüstringen ihren Freunden ein richtiges Weihnachtsgeschenk bereitet. Abgesehen von den musikalischen Nummern zu denen Christa Weise-Heinrich noch teilweise Tänze einstudierte, ist "Dat Veilchen von St. Pauli" ein richtiges Volksstück mit Herz und Schmerz, sich verlieren und wiederfinden. Das Happy End stimmt ein wenig wehmütig, weil nun die alte Blumenverkäuferin Martha Pingel, die mit ihren Veilchensträußchen auf St. Pauli von einer Kneipe ins nächste Nachtlokal zieht, allein zurückbleibt: Ihre Tochter Jenny heiratet den Sohn ihrer alten Jugendliebe und zieht mit Jim nach Texas.

Martha Pingel (Rika Jung) und Jim Callsen (Arnold Preuß)

Schillings Lustspiel, das mit Musik auch schon von niederdeutschen Bühnen in Kiel und Cuxhaven angereichert wurde, spiegelt das St. Pauli wider, das viele Nachtschwärmer oft übersehen: Ein St. Pauli der kleinen Leute, die eine feste Gemeinschaft bilden, die einander mit allen Schwächen und Vorzügen kennen Werftarbeiter, Seviererinnenauch Animiermädchen und kleine Ganoven, die sich durchzuschlagen versuchen, Polizisten und Leihbüchereibesitzerinnen.

Die Männer heben gern dann und wann einen und dreschen auch gern mal einen Skat. Die Frauen halten die Familie zusammen, putzen und kochen, aber machen auch bei Cafe Keese einen drauf, wenn sie's den Männern zeigen wollen.

Mit stimmungsvollem Bühnenbild
Das Bühnenbild, das Enno Buß und Alfred Christoffers für diese Inszenierung entwarfen, spiegelt die Hafenund Kleine Leute Atmosphäre sehr stimmungsvoll wider. Kurt Büscher, Schauspieler und Regisseur der Landesbühne, hat "Dat Veilchen von St. Pauli" für die Niederdeutsche Bühne Rüstringen mit viel Pfiff inszeniert, so daß das Ganze rundherum ein Vergnügen ist. Viele Zuschauer meinten nach dem begeisterten, lang anhaltenden Schlußapplaus: Das ist das Beste, was die Niederdeutsche Bühne seit langem auf jeden Fall in dieser Spielzeit gebracht hat.

Der Erfolg ist natürlich auch Verdienst aller Mitspieler. Sie haben wirklich eine überzeugende Ensembleleistung geboten: Rika Jung als alte Blumenverkäuferin Martha fand so anrührende Töne, indentifizierte sich so sehr mit dieser Rolle, daß man als Zuschauer richtig ergriffen war.

Den Daumen hoch - allens klar (v.l. Horst Jönck, Günter Boye, Wilfried Pampuch, Arnold Preuß, Friedrich Müller, Enno Buß und Wilhelm Pick)

Ganz köstlich war das Doppeltrio der Werftarbeiter und ihrer Frauen bzw. Zukünftigen. Helene Schneider, die als Natalie Wirsing so sehr nach einem Mann schmachtet, so gern mit Oskar in die Harburger Berge gefahren wäre, entpuppte sich dabei als umwerfend komisches Talent. Hanna Christoffers als Wilhelmine und Käthe Baumann als Minna sind zwei erfahrene Ehefrauen, denen keiner so leicht etwas vormachen kann. Vor allem nicht ihre beiden Schlingel von Männern die von Enno Buß und Friedrich Müller sehr überzeugend gespielt werden. Den dritten im Männer Bund und in der Skatrunde, den Oskar Lehmkuhl, stellt Wilfried Pampuch ebenso lebensecht auf die Bretter.

Brigitte Halbekath spielt mit sehr viel Mut die "sündige" Lebedame Lilian. Roswitha Bertz ist ihre Kollegin in der Bar, hat aber wenig mit ihr gemeinsam. Sie stattet die Jenny, Tochter der alten Blumenfrau, mit sehr viel Herz aus. Kein Wunder, wenn sich Jim in das hübsche Mädchen auch sofort verliebt. Arnold Preuß ist dieser schüchterne, sympathische Junge aus dem fernen Texas. Klaus Kuffek dagegen, auf den sich Jenny erst Hoffnungen macht, erweist sich doch als nicht besserungsfähig. Horst Jönck versteht es vortrefflich, sich in diese windige Type einzufühlen. Ganz großartig übrigens seine Tango Szene mit Brigitte Halbekath.

In kleineren Rollen dabei sind auch Wilhelm Pick als rechtschaffener, biederer Polizist von der Davidswache und Günther Boye als erfolgreicher Farmer. Der ganze Spaß dauert (ohne Pause) gut 2 Stunden, und die sollten sich in den nächsten Wochen wirklich einmal viele Wilhelmshavener nehmen, denn "Dat Veilchen von St. Pauli" ist ein hübsches Sträußchen und musikalisch wirklich ein Ohrwurm. Mit dem "Ohnsorg" Theater, das meinten nach der Premiere viele, kann sich die Niederdeutsche Bühne Rüstringen mit dieser Inszenierung durchaus wieder messen.

Jim (Arnold Preuß) und Jenny (Roswitha Bertz) haben sich ineinander verliebt, skeptisch blicken die Nachbarinnen auf die beiden (Hanna Christoffers und Käte Baumann)

Ferien mit Bettina (WE)

Oldenburgische Erstaufführung

FERIEN MIT BETTINA

Komödie in drei Akten von Carolyn Green
Niederdeutsch von Hans-Jürgen Ott

Inszenierung: Willy Beutz
Bühnenbild: Enno Buß, Alfred Christoffers

Souffleuse: Erika Kapfermann
Requisiten: Herta Tapken
Inspizientin: Berta Herpel

Rollen und Darsteller
Bettina Kramer - Ellen Beutz
Walter Lienemann, Lehrer - Karl-Heinz Herpel
Jan Kramer, Kapitän (Bettinas Ehemann) - Wilfried Pampuch
Frollein von Hoorn, Verlegerin - Brigitte Halbekath
Herr Meier, Finanzbeamter - Horst Jönck

Konfusionen in der Fereinewohnung: v.l. Karl-Heinz Herpel, Horst Jönck, Ellen Beutz und Wilfried Pampuch

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Dichtung oder Untreue?

"Ferien mit Bettina" im Stadttheater

von Katrin Börner

"Ferien mit Bettina" was für ein irreführender Titel. Denn was die Bettina zusammen mit ihrem Freund Walter Lienemann in den Sommerwochen treibt, das ist alles andere als erholsame Freizeit. Die beiden schreiben Romane, auch noch erotisch brisante. Die Verwirrungen um dieses Hobbyunternehmen liefern den Stoff für die neueste Komödie bei der Niederdeutschen Bühne Rüstringen.

"Ferien mit Bettina", die Komödie von C. Green in der niederdeutschen Bearbeitung von Hans-Jürgen Ott brilliert nicht gerade durch eine straffe, logisch durchdachte Handlung. Dafür aber durch Witz, Situationskomik ohne allzu billigen Klamauk und einem ungeheuer schwungvollen ersten Akt. Die Niederdeutsche Bühne meisterte diesen tempogeladenen Beginn so temperamentvoll, daß sich manch renommiertes Boulevardtheater ein Beispiel daran nehmen könnte. Regisseur Willy Beutz bewies einen geläufigen Inszenierungsstil.

Sie schreiben nur zusammen, mehr nicht: Ellen Beutz, Karl-Heinz Herpel

Das Bühnenbild von Enno Buß und Alfred Christophers zeigt ein scheußlich möbliertes Appartement, das ganz offensichtlich nur selten benutzt wird. Damit war der Rahmen für die Komödie abgesteckt. Denn in dieser freudlosen Umgebung schrieben Bettina und Walter glücklich und in aller Unschuld pikante Kitschromane. Bettina wurde von Ellen Beutz mit großem Engagement gespielt. Ihr herrlich vertrottelter gutmütiger Dichterfreund Walter war Karl-Heinz Herpel. In die Idylle polterte Bettinas Ehemann, der Kapitän Jan Kramer. Wilfried Pampuch lieferte eine gute Studie des in seiner Männlichkeit gekränkten Ehemannes. Mehr als ihn je eine wirkliche Untreue seiner Frau treffen könnte, verärgerte ihn ihre Freude an eigener, schöpferischer Tätigkeit.

Ein Glas Gurken macht allerdings den Ehemann stutzig: v.l. Ellen Beutz, Karl-Heinz Herpel, Wilfried Pampuch

Horst Jönck war der gradgescheitelte Genauigkeitsfanatiker vom Finanzamt mit kleinen Schönheitsfehlern im Privatleben. Eine ausgezeichnete Komödienfigur schuf Brigitte Halbekath. Ihr Fräulein von Hoorn war einfach großartig in dem schusseligen Bewußtsein eigener Unzulänglichkeiten. Trotz einiger Längen im zweiten Akt nach der Pause war es ein Spaß, das Stück zu sehen.

In Luuv un Lee die Liebe (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

IN LUUV UN LEE DIE LIEBE

Lustspiel in drei Akten von Friedrich Lindemann

Inszenierung: Kurt Frost a. G.
Bühnenbild: Enno Buß, Alfred Christoffers

Souffleuse: Karin Heyel
Requisiten: Anke Preuß
Inspizientin: Berta Herpel

Rollen und Darsteller
Braß, Kapitän - Enno Buß
Hollesen, Steuermann - Kurt Röthel
Dreesen, Bootsmann - Horst Jönck
Jonny, Matrose - Karl-Heinz Herpel
Moses, Schiffsjunge - Arnold Preuß
Milly Groß, Wirtin - Käthe Baumann
Betty Groß, deren Tochter - Roswitha Bertz
Olga - Hanna Christoffers
Der Doktor - Günter Boye
Bleyer, Zollbeamter - Wilhelm Pick
Hansen, Zollbeamter - Klaus Aden

Moses (Arnold Preuß), Dreesen (Horst Jönck) und Jonny (Karl-Heinz Herpel) sind die Spaßvögel an Bord.

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Lustspielspaß aus Luv und Lee

Premiere bei der Niederdeutschen Bühne Rüstringen

von Katrin Börner

Spaß machte es, das Lustspiel "In Luv un Lee die Liebe", ganz offensichtlich dem Publikum, das immer wieder auch. bei offener Szene begeisterten Applaus spendete. Und Spaß machte es wohl auch den Darstellern von der Niederdeutschen Bühne Rüstringen. Denn sie gaben dem volkstümlichen Kriminalstück von Friedrich Lindemann tüchtigen Premierenschwung. Kurt Frost, Mitglied der Landesbühne, hatte das Spiel bearbeitet und sehr gradlinig und schlicht inszeniert. Das Bühnenbild ist praktisch und solide.

Die Liebenden in diesem Lustspiel stehen ganz schön in Luv, denn bis es zum glücklichen Ende kommt, weht ein widriger Wind mit Eifersucht und Verdächtigungen. Dabei ist von Anfang an klar, daß die tüchtige Wirtin Milly Groß den Kapitän Braß liebt und die fesche Tochter Betty ihren Steuermann. Und die Auserwählten haben auch gar nichts gegen eine zukünftige Gemeinsamkeit einzuwenden.

Wer schön sein will, muss leiden... v.l. Horst Jönck, Arnold Preuß, Kurt Röthel, Günter Boye und Karl-Heinz Herpel

Doch dann erscheinen zwielichtig und kriminell die Halbweltdame Olga und der Doktor und bringen die ganze Hafenidylle durcheinander. Mit amtlichem Eifer beginnen die Zollbeamten mit der Aufklärungsarbeit. Sicher würden sie aber nie das richtige Ergebnis finden, wenn die Bootsmannschaft nicht kräftig mit Witz und gesundem Menschenverstand die Anstrengungen der Ordnungshüter unterstützte.

Enno Buß spielt den Kapitän, so einen richtigen bollerigen Seebären mit samtweichem Herzen. Bei ihm fühlt sich die vom Leben ein bißchen enttäuschte Milly geborgen. Käthe Baumann spielt sehr einfühlsam die Hafenkneipenwirtin. Ihre Tochter ist mit viel Munterkeit Roswitha Bertz. Kurt Röthel hat als Steuermann Hollesen seine Schwierigkeiten mit dieser Braut. Er spielt diesen sturen, gutmütigen Seemann überzeugend.

Bei allem Amtseifer bleiben die beiden Zollbeamten doch immer menschlich. Wilhelm Pick und Klaus Aden gelingt es, diese beiden so leicht lächerlich oder unsympathisch erscheinenden Figuren fast liebenswert zu gestalten. Dagegen bleiben für den Doktor und Olga kaum noch Sympathien übrig. Günter Boye und Hanna Christoffers spielen die beiden Bösen des Stückes. Es gelingt ihnen, das Fremde, den Abstand zur Welt der Seeleute deutlich zu machen.

Schnell weg, bevor der Zoll etwas merkt... v.l. Arnold Preuß, Karl-Heinz Herpel, Klaus Aden, Wilhelm Pick und Horst Jönck

Die eigentlichen Lustspielfiguren, die Spaßmacher aber sind in bester Harlekinmanier der Bootsmann, der Matrose und der Schiffsjunge. Ohne selbst in die Verwirrungen verstrickt zu sein, sehen sie alles, erlauschen die Intrigen, und mischen sich dann ein, um ihren Freunden zu nützen und den Bösen zur verdienten Strafe zu verhelfen. Ihr eigenes Leben verläuft ohne Konflikte. Für sie ist es ein Drama, statt des begehrten Genevers irrtümlich Rizinusöl zu schlukken.

Das Publikum dankte den dreien von der Bootsmannschaft mit brausendem Applaus für das Vergnügen an Unsinn und deftigen Scherzen. Horst Jönck ist der scharfsinnige und scharfzüngig Bootsmann, Karl-Heinz Herpel der ewig betrunkene Matrose Jonny und Arnold Preuß spielt mit großem körperlichen Engagement den Moses, den Schiffsjungen.

Das Bühnenbild von Enno Buß und Alfred Christoffers ist praktisch und solide. Ein bißchen schade, daß die Szene nicht vom Hafen auf das Schiff wechselt, wie es die Handlung verspricht, aber eine Änderung der Dekoration wäre wohl zu aufwendig.

Vor Gericht und auf hoher See... sagt man ja, hier ist es auch so - das Ensemble von "In Luuv un Lee"

Sluderkraam in´t Treppenhuus (1. WA)

1. Wiederaufführung, davor 1960/61 gespielt

SLUDERKRAAM IN´T TREPPENHUUS

Komödie in vier Akten von Jens Exler

Inszenierung: Kurt Frost a. G.
Bühnenbild: Enno Buß, Alfred Christoffers

Souffleuse: Erika Kapfermann
Requisiten: Herta Tapken
Inspizientin: Berta Herpel

Rollen und Darsteller
Hanne Knoop, Wwe. - Hildegard Steffens
Heike Seefeldt, Untermieterin bei Frau Knoop - Roswitha Bertz
Ewald Brummer, Steuerinspektor a.D. - Kurt Röthel
Dieter Brummer, sein Neffe - Wilfried Pampuch
Bernhard Tramsen, Schlachtermeister - Enno Buß
Herr Seefeldt, Heike´s Vater - Friedrich Müller
Stimme des Hauses - Willy Beutz
Meta Boldt, eine Nachbarin - Hanna Christoffers

Hanna Christoffers spielte eine tolle Partie als Meta Boldt, ihr stand Hildegard Steffens als Hanne Knoop in nichts nach.

WIHELMSHAVENER ZEITUNG

Hanna Christoffers ist hinreißend

Zum Abschluß der Spielzeit "Sluderkraam in´t Treppenhuus"

Von Barbara Schwarz

Mit Jens Exlers köstlicher Komödie "Sluderkram in't Treppenhus" beendet die Niederdeutsche Bühne Rüstringen ihre Spielzeit 1975/76. Wer in diesem Winterhalbjahr noch keine Aufführung der Rüstringer gesehen hat, sollte sich dieses Lustspiel auf jeden Fall ansehen. Er wird ganz sicher so viel Spaß haben, wie das Premierenpublikum an diesem Wochenende.

Kurt Frost von der Landesbühne hat Exlers Erfolgsstück zügig und mit sehr viel Sinn für Situationskomik inszeniert. Ihm stand mit Hanna Christoffers für die ewig schludernde Nachbarin Meta Boldt auch eine Spielerin zur Verfügung, die diese Rolle ganz hervorragend ausfüllt. Wer eventuell noch von der Fernsehaufzeichnung aus dem Ohnsorg Theater Heidi Kabel in dieser Rolle vor seinem geistigen Auge haben sollte, wird sie eins, zwei, fix vergessen.

Hanna Christoffers ist einfach hinreißend! Ihr galt auch ganz besonders der Beifall des Premierenpublikums. Wieselflink treppauf, treppab, versucht Meta Boldt alles mitzukriegen, was im Haus passiert, versucht den einen gegen den anderen auszuspielen, klatscht und hechelt so unentwegt, daß man nicht nur mit ihren armen Opfern, sondern sogar mit dem Schlachtermeister Tramsen, der kein Waisenknabe ist, Mitleid bekommt. Publikumsliebling Enno Buß hat mit dieser Rolle wieder eine dankbare Aufgabe. Voller Spielfreude zeichnet er diese pralle Figur. Komisch wirkt bei ihm schon, wenn er sich umdreht, den "Achtern" in die Gegend streckt oder die dicke Mettwurst hinter dem Rücken versteckt.

Abgesehen hat Tramsen es auf Heike, die Untermieterin bei Witwe Knoop. Aber er kann ebenso wenig landen, wie der pensionierte Steuerinspektor Brummer, weil Heike sich schon in dessen Neffen Dieter verliebt hat. Und wie das Leben nun einmal so schön spielt, Dieter ist Kraftfahrzeugmeister, Heikes Vater Besitzer eines großen Autohauses. So paßt denn beim Happy End alles hervorragend zusammen.

Dieter (Wilfried Pampuch) und Heike (Roswitha Bertz) finden schnell Gefallen aneinander

Hildegard Steffens zeichnet die sympatische Witwe Hanne Knoop als eine rechtschaffene Frau mit Herz. Roswitha Bertzl ist als Heike eine "Augenweide" dabei frisch, selbstbewußt und auch sehr ulkig. Kurt Röthel als pensionierter Steuerinspektor Brummer entpuppt sich als gar nicht so brummig, wie er zunächst tut. Wilfried Pampuch hat als Dieter wieder einmal den "netten Jungen von Nebenan" zu spielen und macht das, wie immer, gut. Friedrich Müller als Heikes Vater wirkt glaubwürdig.

Wie schon der Titel des Stückes sagt, passiert der ganze Sluderkram und alles, was dazu den Anlaß gibt, im Treppenhaus, im Treppenhaus eines älteren Mietshauses. Enno Buß und Alfred Christoffers haben das passende Bühnenbild entworfen und gebaut. Eine rundherum gelungene Aufführung, die sehr viel Spaß macht, bei der viel gelacht werden kann. Auf die akustisch unverständliche "Stimme des Hauses" zu Beginn des Spiels könnte man verzichten.

Dat Halunkenstück (1. WA)

4. Gemeinschaftsproduktion
1. Wiederaufführung, davor 1960/61 als "Voss gegen Voss" gespielt

DAT HALUNKENSTÜCK

(VOSS GEGEN VOSS)
Komödie in drei Akten von Hans Balzer

Inszenierung: Walter Bäumer a.G.
Bühnenbild: August Ahlers a.G.

Regieassistenz: Heino Aden, Wilhelmshaven

Souffleuse: Grete Mews, Brake
Planung: Willy Beutz, Wilhelmshaven
Bühnenbildbau: Enno Buß, Alfred Christoffers, beide Wilhelmshaven
Kostüme: Traute Limbach a.G, Heinz Siems a.G.
Inspizientin: Berta Herpel, Wilhelmshaven
Masken: Karl-Heinz Krämer a.G.

Rollen und Darsteller
Graf Wulf von Ochtmissen - Karl-Heinz Herpel, Wilhelmshaven
Fred Lujo, sein Halbbruder (Doppelrolle) - Dto
Adele, dessen Frau - Margret Meyer-Thomsen, Oldenburg
Eveline, beider Tochter - Hannele Hilbig, Brake
Junker Heiko von Lehsten - Arnold Preuß, Wilhelmshaven
Peter Manegold, Altbürgermeister - Wilhelm Ahrens, Aurich
Hinnig Riekenbeek, Sülfmester i.R. - Fiete Hillen, Brake
Hieronymus Butenschön, Stadtsyndikus - Günter Osterloh, Oldenburg
Lodemann, Notar - Ferdinand Müsker, Neuenburg
Frerk, Dener - Albert Janßen, Aurich

Die beiden Altbürgermeister (Wilhelms Ahrens,Aurich und  Fiet Hillen, Brake) blicken spektisch. Frerk (Albert Janssen,  Aurich) schaut zu.

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Zusammen Bewundernswertes geleistet

"Dat Halunkenstück" als 4. Gemeinschaftsproduktion des Niederdeutschen Bühnenbundes

von Barbara Schwarz

Dat Halunkenstück, das sich der Lündeburger Stadtsyndikus Hieronymus Butenschön ausgedacht hat, geht ganz anders aus, als er es beabsichtigte. Auch er muß die Erfahrung machen, daß es immer wieder einen gibt, der auf einen Schelm anderthalbe setzt. Darin liegt auch das Überraschungsmoment von Hans Balzers Komödie "Dat Halunkenstück", das der Niederdeutsche Bühnenbund Niedersachsen Bremen als vierte Gemeinschaftsinszenierung herausbrachte.

Bei der Premiere am Sonntagabend im vollbesetzten Wilhelmshavener Stadttheater gab es viel Beifall für die neun Mitwirkenden von fünf Niederdeutschen Bühnen und den Oldenburger Regisseur Walter Bäumer. Der Beifall galt besonders den beiden Hauptdarstellern Karl Heinz Herpel aus Wilhelmshaven und Günter Osterloh aus Oldenburg. Osterloh spielt den Stadtsyndikus Butenschön, der kurz nach Beendigung des 30jährigen Krieges versucht, dem Grafen Wolf von Ochtmissen ein Stück Land für den Neubau des Lüneburger Hafens abzuluchsen: ein Mann, der die Schwächen seiner Gegner voll einkalkuliert, dem der Tod einen Strich durch die kalkulierte Rechnung macht und der unterliegt, als er einen anderen unterschätzt. Günter Osterloh liefert eine bemerkenswerte Charakterstudie ab.

Eine herrliche komödiantische Aufgabe hat der Wilhelmshavener Karl Heinz Herpel: er ist in diesem Spiel um Land und Erbe nicht nur der miese Graf Wulf von Ochtmissen, sondern auch dessen Halbbruder Fred Lujo, ein Luftikus von Theaterdirektor. Wie Herpel blitzschnell von der einen in die andere Rolle schlüpft, wie der durchtriebene Schelm, der fahrende Komödiant immer wieder durchbricht, das macht Freude, zu sehen.

Besonderer Beifall galt auch Albert Janssen aus Aurich, dem Spieler des Diener Frierk. So wie er diesen braven Mann spielt, könnte er für so manchen "Ossi" Witz als Vorbild gedient haben nur daß die Witze meist nicht so gut sind wie diese Figur in Janssens Darstellung. Imposant als Frau Theaterdirektorin Adele ist Margreth Meyer Thomsen aus Oldenburg. Auch diese Figur stimmt absolut. Wirklich würdig wirken Wilhelm Arends aus Aurich in der Rolle des Altbürgermeisters Peter Manegold und Fiete Hillen aus Brake als Sülfmeister im Ruhestand Henning Riekenbeek und Ferdinand Müsker aus Neuenburg in der Rolle des Notars.

Das sympathische junge Paar Eveline und Heiko von Lehsten sind Hannele Hilbig aus Brake und Arnold Preuß aus Wilhelmshaven. Mit diesem in dieser Spielzeit herausgebrachten historischen Stück von Hans Balzer, dem 1960 verstorbenen niederdeutschen Schriftsteller, versucht die Niederdeutsche Bühne Rüstringen vom Klischee der derben Bauernkomödien wegzukommen. Auf den hintergründigen, trockenen Humor dieser 1958 entstandenen Komödie hatte sich das Premierenpublikum bald eingehört und seine Freude daran, obwohl es in diesem Dialogstück wenig "Action" gibt.

Diese Gemeinschaftsinszenierung überzeugt zudem durch Qualität und Sorgfalt bis in die Ausstattung Bühnenbild, Kostüme und Masken hinein. Der Einsatz davon werden sich noch viele Besucher zwischen Weser und Ems überzeugen können hat sich gelohnt. Man sollte nur die Pause etwas verkürzen; 25 Minuten sind zu lang, reißen den Zusammenhang der Komödie auseinander.

Das Ensemble vom "Halunkenstück" - die Schauspieltruppe von Fred Lujo spricht bei den Stadtoberen vor.

KREISZEITUNG WESERMARSCH

"Dat Halunkenstück" war ein Höhepunkt in der KSW

Ein großer Erfolg für den Niederdeutschen Bühnenbund

B r a k e (sd). Die Aufführung des "Halunkenstücks" am Mittwochabend im Forum des BBZ war, nicht nur in großer Erfolg für den Niederdeutschen Bühnenbund, sondern auch ein Höhepunkt in der diesjährigen Kultur und Sportwoche. Die Schauspieler rundeten mit ihrem ausgezeichneten Spiel die spannungsreiche und lustige Handlung ab, so daß es für alle Zuschauer ein unterhaltsamer Abend wurde.

Ein immer wieder kehrendes Thema für viele Komödien ist die hinterlistige Erbschleicherei mit Verwechslungen und einer Liebesgeschichte, doch nie wird es langweilig. In diesem Stück ging es darum, daß die Stadt Lüneburg sehr um ein Stück Land verlegen war, das dem alten kranken und mißmutigen Grafen von Ochtrnissen gehörte, von dem sie aber wußte, daß er es niemals hergeben würde.

So plante der hinterlistige Stadtsyndikus Hieronymus Butenschön zusammen mit dem Halbbruder des Grafen ein regelrechtes "Halunkenstück". Fred Lujo, der Bruder des Grafen, der eine Wanderbühne betreibt, sollte anstelle des Grafen sein Testament machen, worin er der Stadt das wichtige Stück Land vermacht. Aber es kam natürlich anders, denn auch in Lujo steckte ein kleiner Halunke. Er vermachte alles seinem zukünftigen Schwiegersohn und seiner Tochter.

Selbstverständlich wandte sich alles zum Guten, nur der Graf konnte seine Meinung nichtmehr kundtun, da er über Nacht gestorben war. "Dat Halunkenstück" ist aber eine Komödie, bei der es ganz besonders auf die Leistung der Schauspieler ankommt. Sie müssen der Handlung den letzten Pfiff geben. Karl-Heinz Herpel aus Wilhelmshaven schien in der Doppelrolle des Grafen und seinem Bruder in seinem Element. Unfreundlich und mürrisch als gebrechlicher Graf und verschmitzt und voller Elan als dessen Bruder Lujo meisterte er die Hauptrolle fabelhaft.

Ebenso Günter Osterloh aus Oldenburg als Stadtsyndikus, Horst Vogeler aus Brake als Sülfmester in'n Rohstand Riekenbeek und Wilhelm Arends (Aurich) als Oltborgemester Mahnegold verliehen dem Stück Farbe mit spritzigen Dialogen und gekonnter Mimik.

Ohne eine Liebesgeschichte geht es einfach in keiner Komödie. Hannele Hilbig (Brake) und Arnold Preuß (Wilhelmshaven) kämpfen als Eveline, der Tochter Lujos und; Edelmann Heiko von Lehsten um ihr Glück. Zur Seite steht ihnen als resolute Mutter Margreth Meyer Thomsen (Oldenburg). Eine der besten Rollen hatte Albert Janssen (Aurich) als bedächtiger, nicht aus der Ruhe zu bringender Diener Frierk, die er ausgezeichnet spielte.

Und nicht zu vergessen Ferdinand Müsker (Neuenburg), der als Notar dieses "Halunkenstück" über sich ergehen lassen mußte. Wieder war die vierte Gemeinschaftsinszenierung des Niederdeutschen Bühnenbundes Niedersachsen Bremen erfolgreich. Nicht zuletzt ist das aber auch dem hervorragenrlen Bühnenbild und der Regie von Walter Bäumer zu danken. Das Publikum würdigte mit viel Beifall die Verdienste aller Mitwirkenden.

Butenschön (Günter Osterloh), Lujo (Karl-Heinz Herpel), Adele (Margret Meyer-Thomsen), Eveline (Hannele Hilbig) und Junker Heiko (Arnold Preuß) in einer Szene des "Halunkenstücks"

Krach bi Fiete Schach (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

KRACH BI FIETE SCHACH

Schwank in drei Akten von Hans Kirchhoff, Musik von Emilio Stolfa

Inszenierung: Kurt Büscher a.G.
Bühnenbild: Alfred Christoffers, Enno Buß
Musikberatung und Einstudierung: Hubert Marschner, Karl-Heinz Herpel
Tänze:
Christa Weise

Inspizient: Berta Herpel
Souffleuse: Karin Heyel
Requisiten: Anke Preuß

Rollen und Darsteller
Fiete Schach, Fischhändler - Enno Buß
Adele, seine Frau - Rika Jung
Franz Burmeister, ihr Neffe - Wilfried Pampuch
Inge, Schach´s Tochter aus erster Ehe, Burmeisters Frau - Roswitha Bertz
Trina, ein Mädchen vom Lande - Käte Baumann
Hannes Mewes, Schipper eines Fischkutters - Kurt Röthel
Heike, seine Schwester - Rosemarie Kümmel
Jochen Breckwoldt, Bestmann - Horst Jönck
Otje, Leichtmatrose - Arnold Preuß
Mr. Plumpudding, ein reicher Amerikaner - Heino Aden

Am Deich versteht man sich: v.l. Heino Aden, Wilfried Pampuch, Rosemarie Kümmel, Arnold Preuß, Kurt Röthel, Roswitha Bertz, Käte Baumann, Horst Jönck, Rika Jung und Enno Buß

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Ein richtiger Spaß für Zuschauer

Niederdeutsche Bühne erfreute mit "Krach bi Fiete Schach"

von Barbara Schwarz

Wie in jedem Jahr am 2. Weihnachtsfeiertag bescherte die Niederdeutsche Bühne Rüstringen ihre Anhänger auch diesmal wieder mit einem Schwank. Im vergangenen Jahr war es "Fofftein", diesmal gab's "Krach bi Fiete Schach". Und dieser Krach kam im Gegensatz zu manch einem anderen hervorragend an, riß die Zuschauer zu viel Szenenbeifall hin. Auch bei diesem Krach ging es, wie so oft im Leben, um Liebe, Verlobungen, Heirat und Scheidung. Und am Ende hat jeder ,.Pott" den Deckel, den er braucht.

Die Handlung beginnt in Hamburg, in der Fischhandlung von Fiete Schach, und endet im Garten des Finkenwerder Fischerhäuschens von Hannes Mewes. Im Mittelpunkt des Geschehens steht Fiete Schach, ein alter Fahrensmann, der nur mit Widerwillen Fische verkauft und lieber Vierzeiler über das reimt, was um ihn herum geschieht. Dabei fühlt er sich weniger den heimatlichen Volksdichtern, als Goethe verwandt.

Der liebe Ehemann (Wilfried Pampuch) sucht seine Inge. Die drei Deicher (Heino Aden, Rika Jung und Enno Buß) können leider auch nicht helfen.

Wie in vielen Schwänken, die an der Küste spielen, hat Hans Kirchhoff für seinen "Krach bi Fiete Schach" viele liebgewordene Klischees verwendet: Die Jungs von der Küste, die mit Hafen und Seefahrt verbunden, sind wackere, brave Kerls. Die aus der Stadt sind die feinen Pinkel, die immer nur dem Geld nachjagen, bei denen die brav Fiseherdeern ja einfach seelisch verkümmern muß. Und wie in so manchem Schwank von der Küste taucht auch hier rechtzeitig der "gute Onkel aus Amerika" auf, der alles ins rechte Lot bringt. Dazu hat er natürlich, deutschstämmigtüchtig, das nötige Kleingeld in der Fremde verdient.

Publikumsliebling Enno Buß verkörpert den urwüchsigen Fiete Schach gradlinig, warmherzig, rührend um seine Tochter besorgt, die nach seiner Meinung nicht den Richtigen geheiratet hat. Seine Vierzeiler bringt er so treuherzig verschmitzt vor, daß das Preinierenpublikum immer wieder in Gelächter ausbrach. Roswitha Bertz als Schachs Tochter Inge hat hier eine Rolle, die sie besonders glaubhaft spielt. Sie ist das frische Mädchen von der Küste, dem Geld wenig, Herz aber viel bedeutet; ein Mädchen, daß trotz aller Widrigkeiten treu zu seinem Wort zu stehen versucht und "einen Stiebel voll ab kann".

Ein neues Gesicht bei der Niederdeutschen Bühne: Käthe Baumann als Trina. Sie ist ein so lustiger Trampel vom Lande, daß sie ihr Publikum richtig mitriß und begeisterte und das Herz von Bestmann Jochen , Breckwoldt im Sturm eroberte. Horst Jönck in dieser Rolle mit seinen immer wiederkehrenden Schnacks umwerfend komisch!

Ein feuchfröhliches Finale mit Bier und Gesang

Die beiden ungleichen Männer um Schachs Tochter Inge sind Wilfried Pampuch und Kurt Röthel. Wilfried Pampuch, in vielen Aufführungen der Niederdeutschen sonst der "nette Junge von nebenan", hat diesmal die wenig dankbare Aufgabe, den karrieresüchtigen Franz Burmeister zu spielen, der seiner Frau kein gutes Wort gönnt. Hannes Mewes, Schipper und Besitzer zweier Fischkutter, ist in den Augen von Fiete der ideale Mann für seine Tochter: Kurt Röthel spielt ihn sympathisch. Er erinnert in dieser Rolle an einen anderen netten Jungen von der Küste an Freddy.

Eine undankbare Aufgabe hat diesmal auch Rita Jung. Sie muß Fietes stets zeternde dritte Frau Adele, eine richtige Vogelscheuche, spielen. Und das macht sie prächtig, und ab und zu konnte sie sich bei der Premiere selber das Lachen nicht ganz verbeißen. Mit mischen bei dem "Krach bi Fiete Schach" auch noch Heike Mewes und Leichtmatrose Otje, ein sympathisches, frisches Paar und so auch gespielt von Rosemarie Kümmel und Arnold Preuß. Und Heino Aden ist der Mr. Plumpudding aus den USA.

Haben einen dicken Kopf - wovon wohl: Fiete Schach (Enno Buß) und Mr. Plumpudding (Heino Aden)

Inszeniert hat den ganzen Spaß, den Hubert Marschner und Karl Heinz Herpel bearbeiteten, für den Emilio Stolfa Musik schrieb und Christa Weise die Tänze einstudierte, Kurt Büscher. Das Bühnenbild entwarfen und arbeiteten Enno Buß und Alfred Christoffers besonders stimmungsvoll gelang ihnen die Szenerie in Finkenwerder hinter dem Deich.

Een Baas van Kerl (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

EEN BAAS VAN KERL

(De Knecht van Foldingbro)
Komödie in drei Akten von Fritz Völker

Inszenierung: Heino Aden
Bühnenbild: Alfred Christoffers, Enno Buß

Inspizient: Herta Tapken
Souffleuse: Karin Janssen
Requisiten: Anke Preuß

Rollen und Darsteller
Ebba Tönnsen - Roswitha Bertz
Horst von Waldenau - Friedrich Müller
Nils Brodersen - Günter Boye
Nikoline Sibbersen, Hausschneiderin - Hanna Christoffers
Frauke Petersen - Hildegard Steffens
Uwe Vollquardsen - Arnold Preuß

Ebba (Roswitha Bertz) und Uwe (Arnold Preuß) - bei ihnen hat´s gefunkt

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Und es kommt wieder zum Happy End

Die Niederdeutsche Bühne spielte "Een Baas von Kerl"

von Barbara Schwarz

Viel Beifall bekamen die Spieler der Niederdeutschen Bühne Rüstringen auch bei der zweiten Premiere dieser Spielzeit am Sonntagabend im Stadttheater. Gespielt wurde "Een Baas von Kerl", eine dreiaktige und zuweilen etwas handlungsarme Komödie von Fritz Völker.

Arnold Preuß ist dieser "Baas von Kerl". Er hat mit der Rolle des Gutsverwalters Uwe Vollquardsen erstmals eine tragende Rolle übernommen und füllt sie hervorragend aus. Er ist der sympathische junge Landwirt, der auf dem Hof von Ebba Tönnsen dafür sorgt, daß alte Knechte und Pferde die verdiente Sonntagsruhe bekommen. Und da er nicht nur tüchtig, sondern auch liebenswert ist und sogar noch "etwas an den Hacken" hat, steht einer Verbindung mit der jungen Gutsbesitzerin am Ende nichts mehr im Wege.

Wenn doch die Nikoline mal den Sabbel hollen würr: v.l. Hanna Christoffers, Günter Boye

Hindernisse und MißverständnIsse sind bis dahin allerdvngs einige zu beseitigen. Nikoline Sibbersen, genannt Dibbersen, der Hausschneiderin, die so gern klatscht und tratscht, muß er das Schnattermaul stopfen. Hanna Christoffers zeichnet die dibbernde Sibbersen sehr komisch. Horst v. Waldenau, der Vetter von Ebba, wird sehr umgänglich; nachdem er auf einem Ball eine junge Erbin und damit ein gemachtes Nest gefunden hat. Friedrich Müller hat es nicht leicht. diese etwas unlogische Figur lebendig zu machen.

Das Herz von Niels Brodersen, dem Knecht, hat Uwe Vollquardsen ohnehin im Sturm gewonnen. Diesen alten Mann spielt Günter Boye als einen, der in seinem Leben viel getreten wurde und sich dabei doch den Humor bewahrte. Er bekam noch vor Hanna Christoffers den meisten Applaus, diese Figur ist dem Autor auch am besten gelungen. Durch Besuche bei Frauke Petersen sehr sympathisch Hildegard Steffens kommt Uwe vorübergehend in ein schiefes Licht. Aber Ebba Tönnsen sehr resolut von Roswitha Bertz gespielt traut ihrem Uwe einfach nichts Schlechtes zu. Und so kommt es denn zum Happy End.

Hier ist Uwe (Arnold Preuß) wohl ziemlich in Brass - Nils (Günter Boye) kann nur beruhigen

Daß die handlungsarme Dialog Komödie, man hat streckenweise das Gefühl, es sei mehr ein Hörspiel, doch auf der Bühne lebendig wurde, dafür sorgte Heino Aden als Regisseur. Das hübsche Bühnenbild die große Wohndönz auf Gut Foldingbro entwarfen Alfred Christoffers und Enno Buss. Es gefiel so gut, daß aus dem Publikum die Bemerkung zu hören war: "So möchte ich, auch wohnen."

Viola (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

VIOLA

Komödie in drei Akten von Hans Balzer

Inszenierung: Karl-Heinz Herpel
Bühnenbild: Enno Buß/Alfred Christoffers

Souffleuse: Karin Heyel
Inspektion: Berta Herpel
Requisiten: Herta Tapken

Rollen und Darsteller
Hanno Cornelßen - Enno Buß
Freund der Familie - Wilfried Pampuch
Hausknecht - Kurt Röthel
Marlen - Brigitte Halbekath
Viola - Luise Pampuch
Tochter Cornelßen - Rosemarie Kümmel
Jeremias Puttfarken - Heinrich Müller

Hier das Ensemble: v.l. Brigitte Halbekath, Kurt Röthel, Enno Buß, Luise Pampuch, Heinrich Müller, Wlfried Pampuch, Rosemarie Kümmel

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Viel Premierenbeifall für "Viola"

Eine beachtenswerte Leitung der Niederdeutschen Bühne

Von Barbara Schwarz

Direkt aus dem Schweinestall kommt Viola in ein Lübecker Patrizierhaus als Dienstmädchen. Ein Privatgelehrter, der sonst nur Pflanzen in anderer Umgebung als der heimischen ansiedelt, hat dieses "Pflänzchen" verpflanzt. Das erfährt man allerdings erst ganz zum Schluß, wenn der Privatgelehrte Puttfarken plötzlich erkennt, daß auch er ein Mann ist.

Bis zum "Happy End" mit zwei glücklichen Paaren ein drittes wird es auf Grund dieser Konstellation auch noch geben geschieht allerlei Verwickeltes, Verzwicktes und Komisches in Hans Balzers dreiaktiger Komödie ,Viola", mit der die Niederdeutsche Bühne Rüstringen am Freitagabend im Wilhelmshavener Stadttheater ihre neue Spielzeit eröffnete.

Angesiedelt ist dieses reizende Stück etwa in der Biedermeierzeit, und so tragen die Spieler denn auch stilisierte Biedermeierkostüme. Alle drei Akte spielen in einem sommerlichen Garten, für den Enno Buss und Alfred Christoffers ein hübsches Bühnenbild entwarfen. Auf einem grünen Bühnenrasen blühen sogar lebendige Blumen. Sehr hübsch auch das Schlußbild: farbige Lampions in dunkler Sommernacht.

Etwas Musik zur Gitarre gefällig: Brigitte Halbekath, Rosemarie Kümmel, Luise Pampuch

Karl Heinz Herpel inszenierte die Komödie mit Gesang frisch und zügig. Es gab viel verdienten Szenenbeifall und lang anhaltenden Schlußbeifall bei der Premiere. Luise Pampuch in der Titelrolle zeigt hier als pfiffiges Landkind Viola ein ausgesprochen komisches Talent. Sie ist witzig und süß. Rosemarie Kümmel als Frooke Cornelsen, Tochter des Handelsherrn, sah man wohl noch nie so locker. Sie hat sich freigespielt. Man merkt ihr die Bühnenerfahrung an und spürt auch die sichere Führung durch den Regisseur.

Umwerfend kauzig komisch ist wieder einmal Heinrich Müller als Privatgelehrter Jeremias Puttfarken. Er macht aus dieser Figur eine köstliche Studie, und im erikafarbenen Frack mit Zylinder und abgeknicktem Ohr reißt er das Publikum immer wieder zu Heiterkeitsausbrüchen hin. Enno Buss, der hier den Handelsherrn Hanno Cornelsen spielt, zeigt, daß er nicht nur pfiffigen Bauernknechten Gestalt zu verleihen vermag, sondern durchaus eine solche Rolle mit Würde ausfüllt. Geradlinig wie sein Cornelsen ist auch der Klaus Renken von Wilfried Pampuch, Sohn eines Geschäftsfreundes, der ein Auge auf Frooke Cornelsen geworfen hat. Ein liebenswerter junger Mann.

In einer niederdeutschen Pygmalion-Variante: Heinrich Müller und Luise Pampuch

Brigitte Halbekath zeichnet die kluge Haushälterin Marlen mit viel Spielfreude. Kurt Röthel als ihr Mann Jakob ist ein ganz "Plietscher". Fröhlich und heiter stimmt dieses hübsche Kostümstück, eine beachtliche Leistung der Niederdeutschen Bühne Rüstringen.

Verdreihte Verwandschaft (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

VERDREIHTE VERWANDSCHAFT

Bauernkomödie in drei Akten von Erhard Asmus

Inszenierung: Heino Aden
Bühnenbild: Alfred Christoffers, Enno Buß

Inspizientin: Berta Herpel
Souffleuse: Karin Heyel
Requisiten: Anke Weiß
Beleuchtung: Theo Pottbacker

Rollen und Darsteller
Jörn Steen, Bauer - Wilfried Pampuch
Jochen Bruusbort, landwirtschaftlicher Gehilfe - Enno Buß
Trin Puck, Hausgehilfin - Rika Jung
Friedel, Haushilfe - Luise Pampuch
Lore - Roswitha Bertz
Harm Klausen, Jungbauer - Arnold Preuß
Jule Snackfatt, Zeitungsfrau - Brigitte Halbekath
Adalbert Speck, Makler - Hans Macker

Am Ende stehen dann vier mehr oder weniger glückliche Paare auf der Bühne: v.l. Enno Buß, Rika Jung, Wilfried und Luise Pampuch, Roswitha Bertz und Hans Macker, Arnold Preuß und Brigitte Halbekath

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Eine Bauernkomödie mit viel Gemüt

Starker Szenenbeifall in der Premiere der Niederdeutschen

Von Barbara Schwarz

Verdreiht sind die Verwandtschaften in Erhard Asmus dreiaktiger Bauernkomödie "Verdreihte Verwandtschaft" wirklich. Aber am Ende findet doch fast jeder Pott sein Deckelchen und alles läuft sich zur allgemeinen Zufriedenheit zurecht, so daß man als Zuschauer zufrieden und froh gestimmt nach zwei heiteren Stunden das Theater verlassen kann. Die zügige und flotte Inszenierung dieses Stückes - Heino Aden führte Regie - kann sich sehen lassen. Bei der Premiere am Freitagabend gab es viel und starken Szenenbeifall und herzlichen Schlußapplaus.

Die nicht zu den niederdeutschen Klassikern zu zählende Bauernkomödie ist recht vordergründig und simpel geknobelt. Man sieht die Pointen und auch die Lösung kommen. Der Autor, der Nachkriegsschicksale aus Deutschland in sein Stück verwebte, appelliert stark am Gemütswerte. Und selbst die anscheinend "Bösen" stellen sich am Ende als gar nicht so schlecht heraus. "Happy end" auf der ganzen Linie.

Hier wird einer an die Luft gesetzt: v.l. Luise Pampuch, Rika Jung, Enno Buß, Hans Macker und Wilfried Pampuch

Sehr lieb und niedlich anzusehen besonders auch in der Arbeitskluft ist Luise Pampuch als patente Hausgehilfin Trin Puck, die sich vor Arbeit nicht scheut und am Ende gerechterweise den Bauern Jörn Steen bekommt, dem erst spät, dafür aber um so nachhaltiger die Augen aufgehen. Wilfried Pampuch in dieser Rolle ist überzeugend.

Seine einstige Verlobte wird von Roswitha Bertz dargestellt. Sie hat die durch Schicksal hartherzig und egoistisch gewordene junge Frau sehr glaubhaft auf die Bretter gestellt. Ihr "Deckelchen" ist der schon etwas betagte Makler Adelbert Speck, der von Hans Macker mit Blondhaarperücke menschlich rechtlich und verzeihend dargestellt wird.

Hier handelt es sich um einen Kuß unter Geschwistern - naja! - v.l. Arnold Preuß und Luise Pampuch

Kein "Deckelchen" findet Jungbauer Harm Klausen, von Arnold Preuß als der nette, liebenswerte "Junge von Nebenan" gespielt. Und auch die Zeitungsfrau Jule Snackfatt bekommt trotz eifriger Bemühungen keines. Dafür gab es für Brigitte Halbekath in dieser Rolle um so mehr Beifall. Und sie ist wirklich sehr ulkig und komisch als Schnattergans vom Dienst.

Sehr viel Beifall erhielt auch das komische Pärchen des Stückes Erika Jung als Hausgehilfin Trin Puck und Enno Buss als landwirtschaftlicher Gehilfe Jochen Bruusbort, der sich mit Erfolg darum drückt, ernsthaft zu freien. Rika Jung ist köstlich in ihrer naiven Direktheit und Enno Buss so treuherzig pfiffig, daß er seine "Fans" wieder restlos begeistert.

Das Bühnenbild eine Bauernstube haben diesmal mit Einfühlungsvermögen Alfred Christoffers und Enno Buss gemeinsam entworfen.

Dat Inserat (WE)

Oldenburger Erstaufführung

DAT INSERAT

Schwank in drei Akten von Renate Delfs

Inszenierung: Kurt Büscher a.G.
Bühnenbild: Alfred Christoffers, Enno Buß

Inspizientin: Berta Herpel
Souffleuse: Helene Schneider
Requisiten: Anke Weiß

Rollen und Darsteller
Max Müller - Friedrich Müller
Oma Müller, seine Mutter - Rika Jung
Bärbel Müller, seine Tochter (Lehrerin) - Roswitha Bertz
Hein Hansen, der Nachbar - Heinrich Müller
Henny Hansen, dessen Schwester - Brigitte Halbekath
Theophil Kaminski - Kurt Röthel
Jens Matthiesen - Karl-Heinz Herpel

Die Crew vom Inserat: v.l. Heinrich Müller, Brigitte Halbekath, Karl-Heinz Herpel, Kurt Röthel, Rika Jung, Friedrich Müller und Roswitha Bertz

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

"Dat Inserat" mit Witz und Komik

Eine gelungene Aufführung der Niederdeutschen Bühne "Rüstringen"

Von Theodor Murken

Nach jährlicher Übung hat die Niederdeutsche Bühne Rüstringen für die Zeit um Karneval wieder eines der Stücke gewählt, in denen es nach alter Kunst der Schwänke buchstäblich "drunter und drüber" geht. Renate Delfs inFlensburg, die in der dortigen Niederdeutschen Bühne selbst seit Jahren auf den Brettern steht, die die (niederdeutsche) Welt bedeuten, hat eine Handlung erdacht, in der nun alles vorkommt, was zu einem bühnenwirksamen Schwank gehört.

Dazu hat sie noch einen starken Schuß Kriminalistik mit einem Juwelendieb eingeflochten, der auch noch andere Sachen macht und mit seinem "Inserat" nun, wir wollen nicht zuviel verraten, um auch den künftigen Besuchern nicht die Spannung zu nehmen. Es geschieht jedenfalls allerhand in drei ausgezeichneten Akten, bis es am Schluß, im stillen erwartet und doch unerwartet, zu einer "Dubbelt-Hochtied" kommt. Auch Eduard Zimmermann würde seine Freude daran haben, wie gut sich die weiblichen Zuschauer seine "Fernsehstars" merken.

Für die Aufführung hatte Kurt Büscher von der Landesbühne Niedersachsen Nord die Regie übernommen und dabei auf alle die "Treffer" geachtet, die in dem Stück enthalten sind, nicht zuletzt auf manche netten Einfälle der Autorin. Sie, die zuletzt im Mutterfach wie auch im Charakterfach "Komische Alte" auf der Bühne stand, hat die Figur der Oma Müller mit einem feinen Verständnis für solch eine Oma ausgestattet. Rika Jung meisterte die Rolle glänzend.

Wir kennen ja alle eine solche Oma, die alles falsch versteht, aber das, was sie nicht hören soll, richtig, und oft die Dinge viel schneller durchschaut, als man es ihr zutraut. Was Oma Müller denn auch treffend beweisen kann. Ihren Sohn Max spielte Friedrich Müller, und Heinrich Müller war der Nachbar Hein Hansen. Diese beiden Müllers waren ein vortreffliches Zweigespann, wenn es darum ging, sich durch die Geheimtür zu treffen und zu verständigen; Heinrich Müller mußte dazu noch einige Male die Kleider wechseln und seiner Schwester Hennys Perücke aufsetzen, was ihm verdienten Beifall und schallende Heiterkeit einbrachten.

Heinrich Müller in einer Paraderolle

Sonst spielte Brigitte Halbekath die Henny, die im vorgeschrittenen Alter gerne noch an den Mann kommen will, und Roswitha Bertz als Max Müllers Tochter Bärbel war zwar der rechte Typ einer jungen Lehrerin, aber noch nicht so versessen darauf, daß sie auch den Freuden des Lebens nicht abhold war, was sich hier als durchaus nützlich erweist.

Dann gibt es in dem Stück noch zwei Männerrollen, an denen herumzurätseln Spaß macht, nämlich jener zwielichtige Theophil Kaminski. den Kurt Röthel als den wirklich mit allen Wassern gewaschenen Ganoven darstellte, und Jens Matthiesen, den neuen Untermieter von Hansen, der gerade zur rechten Zeit in dies Haus kommt und von dem man erst am Schluß erfährt, welche wichtige Rolle in all dem turbulenten Geschehen spielt. Das wußte Karl Heinz Herpel mit der gewohnten Routine sehr gut zu verkörpern.

Zu allem gab es ein heiteres Bühnenbild von Alfred Christoffers und Enno Buß. Für,die Requisiten sorgte Anke Weiss. Und für starken Beifall, das frohgestimmte Haus.

Eine köstliche Szene aus "Dat Inserat" mit  Brigitte Halbekath, Heinrich Müller und Friedrich Müller - Spielzeit 1974/75 -

Fofftein (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

FOFFTEIN

Musical von Hermann Bruhn
Musik Otto-Karl Siegmund

Inszenierung: Kurt Büscher a.G.
Bühnenbild: Hannes Kaebe
Einstudieren der Tänze: Christa Weise-Heinrich
Einstudieren der Musik: Karl-Heinz Herpel

Souffleuse: Rika Jung
Requisiten: Anke Weiß

Rollen und Darsteller
Kuddel, Stauervice - Wilfried Pampuch
August, Hafenarbeiter - Heino Aden
Tedje, Hafenarbeiter - Kurt Röthel
Winnie, Student - Arnold Preuß
Susanne, Kindergärtnerin - Luise Pampuch
Ilse, ihre Mutter, Inhaberin eines Fischgeschäftes - Hanna Christoffers
Janker, Bootsmann - Friedrich Müller
Fernando, ein Südamerikaner - Horst Jönck
Vier Hafenmädchen - Brigitte Halbekath, Hildegard Steffens,
Anke Schütte, Helene Schneider

"Kikekikekieknich rin - kiek in mienen Wagen rin" - v.l. Arnold Preuß, Hanna Christoffers, Luise Pampuch, Wilfried Pampuch und Kurt Röthel

Wihelmshavener Zeitung

"De gröne Papagei von Tante Mia . . ."

Begeisterter Beifall für "Fofftein" der Niederdeutschen

Von Barbara Schwarz

Mit lang anhaltendem Schluß- und etlichem Szenenbeifall nahm ein begeistertes Publikum am Abend des zweiten Weihnachtstages die neueste Aufführung der Niederdeutschen Bühne Rüstringen auf: "Fofftein", eine Komödie mit Musik, Tanz und Gesang von Hermann Bruhn. Nimmt man die Publikumsreaktion als Maßstab, könnten die Songs "Der gröne Papagei von Tante Mia" oder "De schönste Oogenblick an't Dag is, wenn dat Fofftein heit" in Wilhelmshaven zu Hits der bevorstehenden Karnevalssaison werden.

Und so ein bißchen vorweggenommener Karneval ist die ganze Komödie: bunt, lustig, detib witzig und ein wenig sentimental. Das Ganze, ist allerdings etwas handlungsarm, dramaturgisch reichlich zusammengezimmert und hat eigentlich seinen Schluß schon, als das Geld von Tante Mia einem kranken Waisenkind zugute kommt. Aber was die Niederdeutsche Bühne, was Kurt Büscher als Regisseur, Karl Heinz Herpel als für die musikalischen Einlagen und Christa Weise Heinrich als für die Tanzeinlagen Verantwortliche zusammen mit den Spielerinnen und Spielern in dem wunderschönen Bühnenbild von Hannes Kaebe aus der schwachen Vorlage gemacht haben, verdiente den Beifall, den es bei der Premiere bekam.

Die "Hafenarbeiterinnen" warten auf "Aufträge", v.l. Anke Schütte, Helene Schneider, Hildegard Steffens, Brigitte Halbekath

Außerdem greift der Autor Hermann Bruhn so richtig schön in die Klischeekiste und bringt all das, was man sich auch im Binnenland unter Leben am Hafen vorstellt: die braven Jungs, die Kumpels, die nette Deern von nebenan, die "Bordstein-schwälben", die resolute Fischgeschäftsinhaberin (es könnte auch eine Wirtin sein), den Seemann, der in jedem Hafen eine andere hat, und eine reiche, tote Tante mit exotischem Anhang aus Übersee.

Wilfried Pampuch spielt treuherzig den braven Stauervice Kuddel, der in Erwartung einer Erbschaft sein Sparbuch plündert, um seinen Freunden aus der Schifferstraße eine Freude zu machen, er schenkt ihnen das, was sie sich schon lange wünschen:

dem Hafenarbeiter August (großartig besonders auch in den Songs Heino Aden) eine Angel, dem Hafenarbeiter Tedje (Kurt Röthel, sehr lustig, und beweglich) ein großes Glas Pulverkaffee, dem Studenten Winnie (sympathisch Arnold Preuß) ein Buch, der kleinen Kindergärtnerin Susanne (frisch und lieb Luise Pampuch) die lang ersehnte Handtasche aus Krokodilleder, der Fischgeschäftsinhaberin Ilse (patent Hanna Christoffers) einen Hut.

...und hier die echten Hafenarbeiter - v.l. Heino Aden, Wilfried Pampuch, Kurt Röthel und Arnold Preuß

Und dann scheint es mit der Erbschaft doch nichts zu werden. Nur ein grüner Papagei bleibt von Tante Mia aus Bahia, und der wird auch noch versehentlich ersäuft. Aber es wendet sich alles zum Guten und Kuddel, der Brave und Edelmütige, erbt doch. Dazu verhilft im Fernando (südländisch temperamentvoll Horst Jönck). Mit von der Partie sind vier "Bordsteinschwalben" (verschämt verrucht Brigitte Halbekath, Helene Schneider, Anke Schütte und Hildegard Steffens), die ab und zu aufkreuzen, für Farbe sorgen und hinter dem Bootsmann Janker (fröhlich dargestellt von Friedrich Müller) her sind.

Zwei Stunden bunte Unterhaltung mit Musik und dem außerordentlich vielseitigen Karl Heinz Herpel an der Hammondorgel erwarten all die, die in diesen trüben Tagen den grauen Alltag ein wenig vergessen wollen. Die Spielfreude aller Darsteller wirkt belebend.

Up Düvels Schuuvkar (2. WA)

2. Wiederaufführung (3), davon 1947/48 und 1959/60 gespielt

UP DÜVELS SCHUUVKAR

Komödie in vier Akten von Karl Bunje

Inszenierung: Willy Beutz
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Souffleuse: Hanna Christoffers
Requisiten: Anke Weiß
Inspizientin: Berta Herpel

Rollen und Darsteller
Heiko Herkens, Bauer - Karl-Heinz Herpel
Jann Spinn, Knecht - Hans Macker
Taline, Magd - Ellen Beutz
Fied Hilmer, Gendarm - Enno Buß
Helga, seine Tochter - Lore Buchtmann a.G.
Marie, Flüchtling - Luise Pampuch

Taline (Ellen Beutz) setzt Heiko Herkens (Karl-Heinz Herpel) mächtig unter Druck - sie will ihn heiraten....

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Auch heute noch "Up Düwels Schuvkar"

Niederdeutsche Bühne Rüstringen brachte Bunjes Komödie aus der "Kalorienzeit"

Von Theodor Murken

Als zweites Stück dieser Spielzeit hat die Niederdeutsche Bühne Rüstringen Karl Bunjes Komödie "Up Düwels Schuvkar" neu herausgebracht und damit bei der gut besuchten Premiere ein dankbares Publikum gefunden. Karl Bunje, vor 77 Jahren in Neuenburg geboren, als "Banter Junge" im Schatten des Krähenbusches groß geworden und hier zum Steuer und Finanzbeamten herangewachsen, gehört zu den plattdeutschen Dichtern, die nicht nur einen Namen. sondern auch etwas zu sagen haben.

Vor genau 40 Jahren kam sein erstes Stück auf die Bühne (Desertörs), durch den auch ins Hochdeutsche übersetzten und verfilmten "Etappenhas" wurde er berühmt. Er konnte dann dem Finanzamt ade sagen und die Zeit zum Schreiben nutzen. Als uns nach dem 2. Weltkrieg die "Alliierten" nach einer imaginären "Kalorien" Berechnung die Lebensmittelrationen immer knapper zuteilten und Schwarzmarkt und Hamsterfahrten aufblühten, kam Karl Bunje die Idee zu einem neuen zeitkritischen Stück. 1947 entstand so die Komödie "Up Düwels Schuvkar".

Die Niederdeutsche Bühne spielte es damals 58mal, zuletzt brachte sie das Stück noch einmal vor 14 Jahren. Heute ist mehr als ein Vierteljahrhundert seit jener Hungerund Hamsterzeit vorüber, aber aus der Vorrede des Stückes vor dem Vorhang von Jan Spin auf der "Schuvkar" vorgetragen, hörten wir, daß wir immer noch "up Düwels Schuvkar" fahren, heute nicht mehr auf der Jagd nach Butter und Speck, dafür aber um so mehr nach dem Gelde.

Der Leiter der Niederdeutschen Bühne, Willy Beutz, hat das Stück inszeniert. Seine Regie, so schien uns, setzte der Aufführung nicht nur einige Lichter auf, die denn auch besonderen Beifall fanden, sondern war darauf bedacht, daß "na't Lachen" auch "so'n Spier Besinnen" kommen konnte, was Karl Bunje in seinemVorspruch zu der neuen Aufführung seines Stückes zu erreichen wünschte.

Ein bisschen "dat Gatt vull" bekommt Lore Buchtmann (a.G. aus Varel) von Enno Buß, Hans Macker als Jan Spinn freut sich sogar sehr darüber...

Die Darsteller boten ein abgerundetes Spiel. Karl-Heinz Herpel hatte das richtige Temperament für die Rolle des gerade aus dem Kriege heimgekehrten jungen Bauern Heiko Herkens, der schließlich bei drei Bräuten landet und am Ende doch die richtige bekommt. Hans Macker gab dem Knecht Jan Spin die rechte Facon, wie sie einem tatsächlich spinnerigen und eingefleischten Junggesellen ansteht, der nur noch mit "genauer Not" den Fesseln des Ehestandes entgeht.

Um bei den männlichen Darstellern zu bleiben, wäre dann noch Enno Buß als Ortsgendarm zu erwähnen, der bei aller Komik diese Rolle nicht einmal karikierte und mit mancher wahrhaft erheiternden Szene aufwarten konnte. Wie herrlich schnupperte er nach dem (auf dem Bauernhof geheim gebrannten) ;,Korn" (sprich Rübenschnaps).

Daß bei den Frauen Ellen Beutz als Magd Taline durch ein tief empfundenes Spiel überragte, brauchte nach all dem, was wir von ihr gesehen haben, nicht zu verwundern, sie hatte sich auch hier wieder in ihre Rolle hineingelebt. Man spürte, daß sie das Geschehen auf dem Bauernhof gleichsam in der Hand hatte und zum guten Ende lenkte.

Luise Pampuch als Flüchtlingsmädchen Marie, zurÜckhaltend, aber wachen Sinnes, gehörte zu denen, die von der Magd weise und zielbewußt gelenkt wurde. Lore Buchmann von der Niederdeutschen Bühne Varel war als liebes- und lebensdurstige Tochter des Gendarms in allen Sätteln auf der Höhe (soweit sie nicht einmal von ihrem Vater übers Knie gelegt wurde). Hannes Kaebe zeichnet für das Bühnenbild mit den versteckten Alkoven von einst, der nun, das sollte man sich lieber selbst ansehen.

Nordwest-Zeitung vom 4. November 1974

Für Freunde plattdeutscher Situationskomik auf der Bühne

Viel Beifall für "Up Düwels Schuvkar"

Von Wilhelm Böhme

Wilhelmshaven. Mit der Komödie "Up Düwels Schuvkar° von Karl Bunje brachte die Niederdeutsche Bühne jetzt ein schon in der Spielt eit 1947/48 aufgeführtes Erfolgstück heraus. Unter Regie von Willy Beutz bereitete auch die Neuauflage bei der Premiere im Wilhelmshavener Stadttheater den Freunden plattdeutscher Situationskomik wieder ein köstlich-heiteres Vergnügen.

Begeistert klatschte das Premierenpublikum Beifall und mehrfach gab es prasselnden Applaus auf offener Szene. Trefflich und ausdrucksvoll wußte das Ensemble die urkomischen Tvpen in diesem Stück darzustellen, wobei in dem Bühnengeschehen die Nachkriegszeit lebendig wird, in der Schnapsbrennen und Schwarzhandel zur Tagesordnung zählten.

Im Bühnenbild von Hannes Kaebe wird in eine Bauernstube eingeblendet und die listenreiche Erfindungsgabe eines jungen Hofbesitzer und seines altgedienten Knechtes aufgezeigt, die in einem von einem wuchtigen Bauernschrank verdeckten Alkoven eine heimliche Rübenschnapsbrennerei eingerichtet haben. Natürlich bleibt dieses Treiben dem weiblichen Gesinde und auch anderen nicht verborgen,

Ellen Beutz beherrscht dabei schnapserschnuppernd, resolut und zur Hofbestellung antreibend als Altmagd die Szenen. Karl Heinz Herpel spielt großartig den von der Schnapsproduktion besessenen Bauern. Köstlich in seiner Darstellung als Spießgeselle und Großknecht Hans Macker. Enno Buß verkörpert im wahrsten Sinne den jovialen, doch letztlich den gesetzestrauen Dorfgendarmen. Auch mit Liebe und Eifersucht angereichert ist diese Bunje Komödie, in der Lore Buchtmann - Niederdeutsche Bühne Varel - glänzend ein raffiniertes, rachsüchtiges Flittchen darstellt, während als reizende Gegenspielerin Luise Pampuch mit anmutiger Natürlichkeit den Ausgleich bringt.

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