Ut de Oort Slagen

Wilhelmshavener Erstaufführung

UT DE OORT SLAGEN

Nedderdüütsch Schauspill von Adolf Wenck

Aufführungen im Gesellschaftshaus

Spälbaas: Heinrich Frese

Lüüd:
Cassen Vollmer, Olendeeler - Hermann Beuß
Dirk, de Buer, sien Sön van sien eerst Fro - Willi Robe
Eike, Dirk sien Fro - Therese Peters
Dreews, sien anner Sön, ok van sien eerst Fro - Willy Beutz
Wiebke, sien Dochter van sien tweet Fro - Nelly Schwarting
Ernst Fölsch - Emil Meinen
Dörte, Lüttdeern bi Dirk un Eike - Ellen Tammen
Jochen, de ole Knecht - Christoph Janßen
Landow, Derektor van een Ölkonzern - Johannes Nottelmann
Riever, Verdreder van een Ölkonzern - Erich Stammereilers
Danielsen, een Afkaat - Willi Völker

PRESSESTIMMEN

"Ut de Oort slagen"

Eine glänzende Aufführung der Niederdeutschen Bühne Rüstringen

von Theodor Murken

Das niederdeutsche Schauspiel von Adolf Wenck, auf dessen Inhalt und Sinn wir in unserem gestrigen Artikel bereits eingingen, erlebte gestern abend im Gesellschafshaus durch die Niederdeutsche Bühne Rüstringen eine Aufführung, den vom Geist dieses Stückes voll gerecht wurde und in darstellerischer Hinsicht eine Glanzleistung war. Daß ist umso höher zu werten, da das Stück an die Darsteller besondere Anforderungen stellt. Der Dichter zeigt hier seelische Konflikte auf, und es gehört besonders für die Darsteller der Hauptrollen eom großes Maß von Können und Einfühlungsvermögen dazu, dem Stück in vollem Umfange gerecht zu werden.

Wir schilderten gestern, daß in diesem Schauspiel ein Bauernhof in der Lüneburger Heide im Mittelpunkt des Geschehens steht, wie ein Kampf um diesen Hof entbrennt innerhalb der Familie. Der Kampf um den Hof, der ja schon manchem plattdeutschen Stück als Thema gedient hat, wird hier von einer ganz neuen Seite aus behandelt. Wir erleben, wie Wiebke Vollmer ihr Leben opfert, um dem Hof einen Erben zu schenken, damit er nicht in fremde Hände kommt, auseinandergerissen und abgebrochen wird.

Speelbas Heinrich Frese hatte wieder jeden Darsteller an den richtigen Platz gestellt. Die Aufführung war wie aus einem Guß, und da auch der Dichter auf unnötige Längen in seinem Stück verzichtet, wurde der starke Eindruck des dramatischen Geschehens in keiner Weise beeinträchtigt. Besonders bei den beiden letzten Akten folgte das Haus mit tiefer Ergriffenheit der Aufführung.

An diesem Erfolg haben nun vor allen Dingen die beiden Hauptdarsteller ein besonderes Verdienst. Nelly Schwarting spielte die Wiebke. Sehr fein und überzeugend brachte sie im dritten Akt die seelische Größe dieses Mädchens zum Ausdruck. Hermann Beuß war der Altenteiler Cassen Vollmer. Einen prachtvollen alten Heidebauern stellte er auf die Bühne, einen Bauern, der mit Leib und Seele an seiner Heimat, an seinem Hof hangt, den seine Söhne für Geld verschachern wollen. Was die Seele dieses Mannes bewegt, als am Schluß des Stückes Ernst Fölsch (von Emil Meinen gut dargestellt) ihm den Tod Wiebkes mitteilt und ihm berichtet, daß sie durch ihren Tod dem Hof einen Erben geschenkt, damit er erhalten bleibe, daß konnte nicht eindrucksvoller und stärker zur Wirkung gebracht werden, als es durch Hermann Beuß` wirklich meisterhafte Darstellung geschah.

Eine schauspielerische Glanzleistung hat auch Therese Peters als Eike, die als Frau des jungen Vollmer-Bauern besonders eifrig den Verkauf des Hofes betreibt und dabei kein Mittel unversucht läßt. Sie ist die treibende Kraft, ihr Mann, von Willi Robe drastisch verkörpert, schwimmt ganz in ihrem Fahrwasser. Auch der zweite Vollmer-Sohn, den Willy Beutz überzeugend gestatete, gehört mit zu denen, die von dem Geld gelockt werden, aber am Schluß findet er wieder zur Heimat zurück.

Es müssen dann noch besonders genannt werden Ellen Tammen als Lüütdeern Dörte und Christoph Janßen als alter Knecht, weiter die beiden Vertreter des Ölkonzerns Johannes Nottelmann und Erich Stammereilers, und der Rechtsanwalt Danielsen, der von Willi Völker gespielt wurde. Sie tragen mit dazu bei, daß wir eine in sich geschlossene und abgerundete Aufführung erlebten.

Für März bereitet die Niederdeutsche Bühne Alma Rogges Lustspiel "Vergantschoster" vor.

Dat Musfallenspill (Wilhelmshavener Erstaufführung)

Wilhelmshavener Erstaufführung

DAT MUSFALLENSPILL

ein Störtebekerstück in drei Akten und ein Vorwort von Heinrich Diers

Spälbaas: Heinrich Frese
Bühnenbild: Eden-Bant

Aufführung in den Centralhallen

Minschen

1. Akt
Klas Stötebecker, Führer der Schalme oder Likedeeler - Waldemar Schröder
Magister Wigbold, Führer der Schalme oder Likedeeler - Fritz Norden
Brun Tyen, Seilbaas der Likedeeler - Willi Robe
Godeke Micheel, Likedeeler oder Schalmebruder - Willi Beutz
Buddelgerd, Likedeeler oder Schalmebruder - Erich Stamereilers
andere Likedeeler

2. Akt
De Kröger - Hermann Beuß
Eilt, der Knecht - Ernst Dratwa
Hille, de Deenstdeern - Nelly Schwarting
Brun Tyen, Selbaas der Likedeeler - Willi Robe
Lucke, ein Unterführer der Likedeeler - Willi Völker
Godeke Micheel, Likedeeler - Willi Beutz
De rode Hein, Likedeeler - Gerhard Kruse
Lutjefreek, Likedeeler - Siegfried Lilje
Buddelgeerd, Likedeeler - Erich Stamereilers
EenFischer - Christoph Janssen
Musfallnkeerl - ***
andere Likedeeler oder Schalme

3. Akt
Ede Wiemeken, Häuptling in Rüstringen - Johannes Nottelmann
Jarste, Edes Schwester - Therese Peters
Fruwe, Edes Tochter - Lotte Stehl
Hille, die Hörnsieler Krögers Deenstdeern - Nelly Schwarting
Klas Stötebecker, Führer der Schalme oder Likedeeler - Waldemar Schröder
Magister Wigbold, Führer der Schalme oder Likedeeler - Fritz Norden
Godeke Micheel, Likedeeler oder Schalmebruder - Willi Beutz
Arnd Balleer, bremischer Hauptmann - Willi Völker
Hole Hennink, bremischer Ratsschreiber - Ernst Dratwa
Wenke Wiggert, bremischer Frädenkoggen-Seilbaas - Christoph Janssen
Memme Mensen, Burgvogt Ede Wiemekens - Gerhard Kruse
Buddelgerd, Likedeeler - Erich Stamereilers
andere Likedeeler

PRESSESTIMMEN

Dat Musfallenspill van Heinrich Diers

Anno veerteihnhunnert un twee leggde de Hamburger Scharprichter Mester Rosenfeld de Seerower un Likedeeler Klas Störtebecker sien Kopp op de Grasbrook för de Fööt. Siemen van Utrecht har mit sien Seilsshipp, de "bunte Koh", in de Nordsee de Liekedeller söcht un har Klas Störtebecker funnen. Man se harrn em neet krägen, wenn dor neet een Judas west wör, de dat Roer van Störtebecker sien Rowschipp mit Blee fastmakt har. So kunn Störtebecker nich mehr bidreihn, as Siemen op em tokeem. He muß sik rammen laten, un denn weert bold sowiet, dat se em de Hannen tosamenknütten. Wat möögt sick dor de Pepersäck höögt hebben, as se "Godds Fründ un aller Welt Biand" seker harn. Lang noog hart jo düürt, bet se em foot´t kreegen. Man dat Volk in Ostfreesland, in Jever- un Butjaderland höög sik neet. Dat Volk har keen´n Vördeel vam düsse Hansen, disse stolten Kooplüü, de Baas up See wäsen un bliewen wullen. Störtebecker har dor´n Streek dör makt. He gung up de Koggen dal, as de Habicht öwer de Höhner, un well sien Raat neet wern much, sprung öwer de Kling.

To de Tied, as de Schepen van Siemen van Utrecht up Reis gungen, Störtebecker to griepen, stunn de Hanse Baben. In London weer de Stahlhoff, Bergen un Riga kemen ohn Hanse neet ut. Un nu weer düsse Störtebecker na de groote Orlog tägen Dänemark kamen un har de Orlog wiederdräben. Dat gung nu man neet tägen de Dänschen. De Koggen van Hamborg un Brämen un Lübeck weeren dat, de Klas mit sien Maaten kapern däh, ohn Kaperbreef. Säker weer dor faken ook mol´n Engelschmann bi, man in de Hooptsaak gung Klas mit Gödeke Michel up de Hansakoggen dal. Dat kunn sik keen Pepersack beeden laten. De Liekedeeler mussen dor ant Kant brocht worn, dat help all nix.

Licht weer dat neet, dat wussen de Hansen. Oewerall binnendieks har Klas Störtebecker goode Frünn. Kene tom Brook in Auerk har em Marienhaf gewen un leet sien`n Fründ Klas Störtebecker dor husen, as em dat lew weer. MIt koppern Pannen har Störtebecker St. Marien, de hooge Kark, decken laaten, un sien Scheepen kunnen an de Karkmuur fastmaken. In Schaar har Störtebecker sien´n Kumpan Ede Wiemeken, de oole wiese Voß, di in all Deelen sien Part woll wohrnähmen däh. Un wor Klas Störtebecker mit sien Mackers an Land keem, geef dat Hallo un Leben in de Höns. Dat Geld rullde un de Wien wur neet all.

In disse Tied, so um verteihnhunnert, stellt Heinrich Diers sien "Muusfallenspill", wat güstern obend de "Rüstrigner Niederdeutsche Bühne" in de "Centralhallen" upföhren däh. Nägenuntwintig Liekedeelers, eenmol twölf un dat anner Mol söböenteihn, harn de Brämers in Hörnsiel, een lüttjen Hoben an de Noordsee, in ehr Kneep krägen. Klas wuß, dat dor Verrat in´t Spill west weer un he stüürt sien Seilbaas Brun Tyen mit mit een Schipp nah Hörnsiel hen, de dor uprümen schall. To glieker Tied geiht Störtebecker as Mussfallnkeerl nah Hörnsiel hen un sett sik in den Kroog. Keen Minsch kennt hum un hier kriegt he herut, well sien Maaten de Brämers an´t Mest läfert hett. In´n Kroog wahnt de oole Kröger, de Deenstdeern Hille, un de Knecht Eilt. De Kröger is de Halunk, de de Liekedeeler för een poor Gulden an Brämen verraden hett. Un as nu Brun Tyen mit sien Schipp kummt, will he wedder de Fischersmann spälen un sien Neet utsmieten. Muusfallenkeerl, Klas Störtebecker, markt Müüs, de hört, wo de Kröger sien´n Knecht in de Tang hett un hum na Brämen stüürt.

As de Liekedeelers in´n Kroog sitten doht und Brun Tyen sik an de junge moie Deern ranmaken will, kriegt he Larm mit Gödeke Michel, een jungen Liekedeeler. Klas Strötebcker grippt nah een Schweert un gifft sik as Brämer ut. All sien Maaten, de hum neet kennt, haut he dahl, wieldeß Gödeke Michel de Hannen up de Rügg tosamen knütt hett. De Muusfallnkeerl fördert nu Störtebeckers Kopp van Tyen, un de seggt em dat to. Nu kennt Klas sien wohre Fründ! Brun Tyen kummt an de Rah, de Kröger kummt free dorvan aff. Man de Deern neet, de verkickt sik in de staatsche un franke Störtebecker, geiht ober neet mit hum, as de groote Liekedeeler wedder nah See seilt.

In Schaar, in Ede Wiemeken sien Borg, sitt Magister Wigbold un töwt all Wäken un Daag up Stötebecker. Hille, de Deern ut de Kroog in Hörnsiel hett he mitbrocht, as he dat Rottennüst utrökert har. De Ede Wiemeken, de Herr van Rusterland, verklort sik wieldeß mit de Brämer Ratsheer Arnd Valleer. De oole Voß dreiht sien Mütz nah´n Wind un will de Brämers de Liekedeelers in de Hannen spälen. Man dat kummt anners. Just, as Ede de Verdrag unnerschrewen hett, kamt Störtebecker sien Scheepen up un maakt in Schaar fast. Dat Spill is nu ut mit Ede Wiemeken. Störebecker geiht wedder nah See un sien Hille stört em nah.

Heinrich Diers hett dit Spill so schrewen, as he de domolige Tied un ehr Minschen sehn deiht. Un wi seggt: Genau so ist dat wesen. Jo, so lewt Klas Störbekcer bi us wieder. Neet as Seerower un Mordbrenner. Nä, stolt un upprecht hett he för sien Recht up free Seefohrt instahn, gung he tägen Unnerdrückung un Slaweree an. Und darüm lewt Klas Störebecker bi´t Volk in Ostfreesland un bi us wieder, un neet in leegen Sinn....

De "Niederdeutsche Bühne" har een groot Wagnis owernamen. Oewer twintig Rullen mussen dor besett´t worden. Well güstern obend dat Stück sehn hett, mutt togeben, dat de "Niederdeutsche Bühne" dor een Glanzstück tostande brocht hett, dat gröttsten Dank verdeent. Alle, Spälbaas Heinrich Frese, de Spälers un de Bühnenbildner Eden-Bant hebbt ehr Deel dorto bidragen, dat Heinrich Diers sien Spill, dat een echt un recht Heimotspill ist, so goot herutkamen is. Schad weer dat, wenn neet jede Heimotfründ sik dit Stück ansehn kunn.

Waldemar Schröder har as Klas Störtebecker de schworste Rull. He stunn dor up de Bühn, so as wi uns Störtebecker vörstellt. "Godds Fründ un aller Werlt Biand". Sien Spill as Muusfallnkeerl in de Kroog weer in Maske un Mimik neet to öwerdrapen. Groot stunn he dor, as he sik to erkennen geef und säh, "Ik will sehn, well hier de Baas is!"

As Magister Wigbold spälde Fritz Norden, de troe Fründ Störtebeckers. Disse Späler is´n groden Gewinn för de "Niederdeutsche Bühne", wi willt hoopen, hum noch faken to sehn. Willi Robe weer de Seilbaas Brun Tyen, de de Kopp vom Störtebecker verschachern wull. He sett sik wedder mol vull in. Willy Beutz spälde de Gödede Michel. Fast un stur stunn he dor, as sien Woord, dat he Störtebecker gewen har. Keen Verrat un Gemeenheit kunn hum dorvan affbrängen. De Kröger weer de richtige Rull för Hermann Beuß. Ah´n Oewerdriewung, man dat weer´n Glanzstück weddermol. Ochhär, wat kunn de arme Knappen bäden, as dee Liekedeeler hum an´t Leer wulln, un wat weer he listig, as he mark, dat allens klor gung. Nelly Schwarting flogen de Harten gau to in ehr Rull as Denstdeern Hille, de ehr Hart an Klas Störtebecker verloren har. Up ehr Schullern leeg mit de sturste Arbeit. Un dat dat Stück so moi herut keem, is ehr tom gröttsen Deel to verdanken. Johannes Nottelmann geef de Häuptling van Rüstringen, Edo Wiemeken. Listig un ivrig stunn he twüschen de Parteien un wohr sien Vördeel. Sien Spill weer jüst so good as Therese Peters, de as Edes Süster Jarste spälen däh un Lotte Stehl, de Edens Dochter Fuwe weer. Ernst Dratwa as Knecht Eilt willt wi nich vergäten. He spälde eicht und good disse neet lichte Rull. Ook de annern Spälers, Willi Völker, de to Beginn dat Woord vorut spräken däh, Gerhard Kruse, Siegfried Lilje, Erich Stamereilers un Christoph Janßen weern in ehr Rullen iefrig bi de Saak.

De Bühnenbilller, de terst de Hoben bi Schaar wiesen dähn un denn de Kroog in Hörnsiel un toletzt de Stuw van Edes Borg in Schaar, har Eden-Bant malt un düsse Rahmen leet er de rechte Stimmung upkamen. Ook de Inrichtung, de meist van Baumann stammen däh, paß dor good hen.

As dat Stück ut weer, geef dat väl Biefall un Bloomen för de Spälers, för Heinrich Frese un för Heinrich Diers. Dat mag för de "Rüstringer Niederdeutsche Bühne" een Bewies wäsen, wo good dat "Muusfallenspill" de välen, välen Besökers gefallen hett. Wi för uns Deel willt graleern und hapen, dat dat Stück noch mennigmol upföhrt ward. Man drist so wieder!

Leven in de Buud

Wilhelmshavener Erstaufführung

LEVEN IN DE BUUD

Komödie von Carl Budich

Festaufführung anlässlich des 6. Großen Bühnentages in den Centralhallen

Spälbaas: Heinrich Frese

Späler
Brumbeck, Junggeselle und Philosoph - Hermann Beuß
Greetje Bloom, Kontoristin - Nelly Schwarting
Bernhard Klifoot, Dichter - Emil Meinen
Willem Stoltenkamp, Jungbauer - Willy Beutz
Kaufmann Fürbring - Willy Robe
Trina Reimers - Therese Peters
Snieder Knoop - Waldemar Schröder

Wilhelmshaveneber Kurier

"Leben in de Buud" / Komödie von Carl Budich

Festaufführung der Niederdeutschen Bühne zum Bühnentag in Rüstringen

Was auf der gestrigen Tagung der Niededeutschen Bühnen unseres Gaues der Gauobmann der NS-Kulturgemeinde, Gauschulungsleiter Pg Buscher, und der Vorsitzende des Niederdeutschen Bühnenbundes, Dr. Ivo Braak, an Hauptforderungen aufstellten für unsere pattdeutsche Bühne, das ist zu einem großen Teil von unserer Rüstringer Niederdeutschen Bühne schon beachtet worden. Sie hat sich z.B. nicht nur auf lustige Stücke beschränkt in der Darbietung niederdeutscher Bühnenwerke, sondern mit "Fährkroog", "Wrak", "Cili Cohrs" u.a. den niederdeutschen Menschen im Kampf mit dem Alltag und dem Schicksal gezeigt.

Aber vor allem hat sie nicht den Hauptwert auf ein technisches Spiel gelegt, auf die Routiniertheit, mit der hochdeutsche Bühnen manche Schwächen verdecken, sondern gab die Menschen so, wie sie auch im Leben stehen und sitzen und gehen. Es ist darum viel mit hochdeutschen Theaterleitern und Regisseuren herumgeredet worden, die nicht verstanden, daß die Niederdeutsche Bühne ganz anders spielen muß, will sie die Menschen aus dem Volke und dem wirklichen Leben glaubhaft machen und die Zuschauer nicht enttäuschen. Eine kleine Fischerkate, ein Bauernstübchen, ein Kontor ist nun einmal auf die großen Dimensionen einer richtigen Theaterbühne nicht umzubauen, das Technische steht bei dem niederdeutschen Theater im Hintergrund und im Vordergrund die Persönlichkeit des plattdeutschen Schauspielers, die allein durch ihr Spiel, wir erinnern an Vadder Beuß, an Therese Peters oder Waldemar Schröder unserer Rüstringer, das Bühnenwerk glaubhaft macht.

Das alles bestätigte unsere Rüstringer Bühne auch Sonnabend wieder bei der Festaufführung anläßlich des 6. Bühnentreffens der Westgruppe (Gau Weser-Ems) des Niederdeutschen Bühnenbundes. Die Führung der Westgruppe hatte Carl Budichs Komödie "Leben in de Buud" dafür ausgesucht, das von der Rüstringer Bühne ganz, von denen aus Varel und Norden als dritter Akt einstudiert worden war, Varel und Norden gaben diese Szenenproben Sonntag vormittag, um Lehren aus den verschiedenen Spielweisen und Auffassungen zu ziehen.

Für die Öffentlichkeit spielte also nur die Niederdeutsche Bühne Rüstringen. Welcher Beliebtheit sie sich erfreut, ging wieder aus dem sehr starken Besuch der Zentralhallen hervor, großer Saal und Galerie waren besetzt, was im Sommer und bei manch anderer Veranstaltung des Tages viel besagen will. Der Spälbaas Heinrich Frese hatte sich aber auch viel Mühe gegeben, nicht nur mit der Einstudierung des Stückes, das wie am Schnürchen lief, sondern auch mit der Bühne selbst, die ein einwandfreies Bühnenbild mit allem was ein Kontor einer kleinen Landstadt darstellt, aufwies.

Den Verfasser Carl Budich haben die "Kurier"-Leser in unserer Sonderbeilage zum Niederdeutschen Bühnentreffen kennen gelernt durch eigene Schilderung seines Werdens. Das Stück "Leben in de Buud" kann man nun aber nicht ausführlich erzählen, sondern muß es gesehen haben, soviel Situationskomik ist in dem Werk. Es war einmal ein ganz anderes Millieu als bisher, um so glaubhafter aber durch die Typen, die Budich aus dem Leben genommen hatte, jene braven Menschen einer niederdeutschen Kleinstadt, die sich mit Freund und Leid auf ihre Art abzufinden wissen. Leben in de Buud bringt eine nette Kontoristin, die der Chef Fürbrink, ein kleiner Schwerenöter, in das Kontor holt, wo der alte Junggeselle Brumbeck seine philosophische Ruhe verliert und der junge Klifoot, der Dichterling, sein Herz. Aber Greetje Bloom läßt alle abblitzen, denn sie nimmt den jugen Bauern Stoltenkamp, dessen rettender Engel sie wurde, als Fürbrink ihn durch eine Hypothekenkündigung in Schwierigkeiten bringt.

Es ist also nicht nur Lachen in dem Stück. Des Lebens Ernst steht hinter dem Lachen, wird nur verdeckt oder erhellt, und das ist das Schöne an diesem Bühnenwerk. Allerdings gehören nun dazu niederdeutsche Schauspieler, die diese Menschen auf die Bühne stellen können. Und da wäre nun bei den Rüstringern nichts zu tadeln, es war nicht nur alles aus einem Guß, sondern auch jede Type hatte ihren zusagenden Vertreter.

War Vadder Beuß nicht köstlich als Jungeselle und Philosoph Brumbeck? Man mußte diesen ollen Gnatterkopp liebhaben, der mit Schopenhauer alles begründen wollte, sogar seine Weiberfeindlichkeit, und zuletzt doch in die Ehe ging. Um als Philosoph alles kennen zu lernen, wie er begründete, aber die kleine blonde Geertje hatte da etwas mitgeholfen, die, von Nelly Schwarting trefflich dargestellt als ein Mittelding von Kontoristin und Landmädel, überhaupt allen Männern nicht nur den Kopf verrückte, sondern auch gut wider zurechtsetzte. Bernhard Klifoot war ihr junger Anbeter, ein verkanntes Dichtergenie. Emil Meinen hatte eine famose Maske für ihn, jung, unbedarft, so richtig ein lieber Kerl, der seine erste unglückliche Liebe durchmacht. Willy Beutz war prächtig als Willem Stoltenkamp, ein junger Bauer, der schlecht in die Stadt mit ihren Paragraphen passte und sich manches verdarb, bis die Greetje den Dickkop in ihre Hände nahm.

Aber auch die Personen, die mit dieser Greetje nicht direkt zu tun hatten, waren trefflich verkörpert. Ein jovialer, aber manchmal auch recht krötiger Kaufmann Fürbrink war Willy Robe, ein Gentleman und Schwerenöter, wo es zu machen war, durchaus glaubhaft aus dem Leben gestaltet. Ebenso Therese Peters in der an sich kleineren Rolle der Trina Reimers, die der olle Brumbeck tatsächlich doch heiratete. Jede Rolle, die sie spielt, ist ein Gewinn, wie auch Waldemar Schröder Schaupsielerblut in sich hat, denn er kann aus der unbekanntesten Rolle etwas machen, wie diesmal aus dem Snieder Knoop. Ein Charakterspieler, wie er nicht besser zu finden ist.

Wie dankbar die Zuschaur waren, ging aus dem starken Beifall hervor viele Blumen gab es und Vadder Beuß hatte daneben einen ganzen Arm voller Angebinde seiner vielen Freunde. Es war ein schöner und fröhlicher Abend gewesen, für den man der Niederdeutschen Bühne und ihrem Spälbaas Frese von Herzen dankbar sein muß. H.A.

Sien veerte Froo

Wilhelmshavener Erstaufführung

SIEN VEERTE FROO

Lustspiel in einem Akt von Wilfried Wroost

De Etappenhas (Wilhelmshavener Erstaufführung)

Wilhelmshavener Erstaufführung

DE ETAPPENHAS

Komödie in vier Akten von Karl Bunje

Premiere 11. Januar 1936 in den Centralhallen in der Peterstraße

Regie: Heinrich Frese

Rollen und Darsteller:
Hein Lammers, Muskeiter, Bursche beim Kompanieführer - Waldemar Schröder
Ummo Ummen, Landsturmmann - Johannes Nottelmann
Gerd Feldmann, Gefreiter, Meldegänger beim Kompanieführer - Emil Meinen
Dierk Hansen, Leutnant und Kompanieführer - Willi Völker
Ferdinand Hasenbein, Gefreiter, Schreiber bei der Ortskommandantur - Heinrich Aden
Marie - Nelly Schwarting

Das Schlußbild der Premiere am 11. Januar 1936 in den "Centralhallen": v.l. Johannes Nottelmann, Karl Peters (oben), Willy Völker, den Autoren Karl Bunje, Nelly Schwarting, Spälbas Heinrich Frese, Heino Aden, Waldemar Schröder und Emil Meinen. - eine Szene aus "De Etappenhas" - Spielzeit 1936

Wilhelmshavener Zeitung vom 13.01.1936

Niederdeutsche Bühne: "De Etappenhas"

En lustig Spill ut de Kriegstied van Karl Bunje

van Heinz Jacobs

Wi hebbt in uns dütsche Schriewwark 'n heel Bült Böker öwer de Krieg, in uns Theoters wort mennigmol noch Stücken van´n Krieg upföhrt. Man so, as Karl Bunje, uns Landsmann ut Brake de Krieg in sien "Ettappenhas" dorstellt hett, is dr noch keen Minsch wäsen. Dar is nix to marken van Trummelfüer un Gasalarm, Stormangriff un Sappenköpp. Karl Bunje gung dorhen, wor dat in´n Krieg för de Dickpansen an´n säkersten wär un wor uns Frontsoldaten, de ut den dicksten Schiet kämen, sik mol verpusten kunnen. In de Etappe gung Kal Bunje mit sien Stück, dat genau so en Kriegsspill is, as so mennigeen, wat ut den vördersten Groben kummt.

Dat Spill is so echt un so tro, dat de Frontsoldaten, de dor Saterdag in de "Centralhallen" wären, sik seggen, "Düwel, dat wär jo bi uns jüst so, as Bunje dat hier wiest!" Bunje hett dit Stück belewt, as he negenteihn Johr olt wär un ut Flandern in Ruhestellung keem. Do keem he mit sien Kameroden in so´n lüttjet Nüst dicht bi de dütsche Grenze in Quartier un hier drop he so´n moi flamsche Wicht, de hum dat andohn har. Dit Wicht sung hum en ohl Landsknechtsleed vör, dat ut de Tied stammen mag, as de Nederlanners mit Herzog Alba sine Spaniolen uprümen dehn. Swor un ernsthaft klung dat Leed un nedderdütsch is sien Ort. Dor in de Etappe har Karl Bunje mit sien Frünn ut´n Groben en Beläwnis. Dat dreih sik um en Etappen"swien" un um en Etappenhas.

Dat Etappenswien is en Kerl van Schriewer bi de Ortskommandant, de mit´n hogen Stehkrogen rümlöppt un immer schniegelt un bügelt is. Düsse Ort "Frontsoldaten", van de dat ´n heel Bült gifft, de sik in Schriewstuwen rümdrückt hebbt un noher mit EK I in de Heimat keemen, harn dat gröttste Mul (ok noher, as de Krieg vörbi wär). Uns Etappenschriewer will sik bi Marie, de flamsche Deern ´n witten Foot maken, man he kummt nich bi ehr an´n Drücker. Se mag väl lewer mit Gerd Feldmann, de lustigen Bremer Jung tosamen wäsen, freit sik väl mehr an Hein Lammers sien Strieken, de he utfrett.

De dree Frontkumpels, Gerd Feldmann, Hein Lammers und Ummo Ummen kamt uthungert un dreckig ut´n Groben in ehr Ruhestellung. To eeten gifft int Kriegsjohr söbenteihn nicht mehr völ und at is keen Wunner, dat Hein Lammers sik´n Has grippt, de dor ant Fenster bummelt. Disse Has har sik ober der Ortskommandant reserveert…


Annern Dag willt de dree Frünn de Has braden. Man nu kummt de Etappenschriewer, wat´n Fründ van Gerd Feldmann is, bös in de Wicken, wiel he up de Has uppassen schuld. Hein Lammers mut de Has wedder rut gewen, wiel sien Leutnant dat hebben wull. Dat is nu nix mehr mit de Fier, worto ok Marie inloden woren wär. De "Blindgänger", wie Hein Lammers de Oberst nöhmt, wiel he nich krepieren will, schall de Has kriegen, Un de ohle Landsturmmann Ummo Ummen har sik doch all so to de Has freit. He har Speck un Botter van Hus kreegen un wull diesse Fetigkeiten to´n Braden hergewen. Wenn nu Hein Lammers nich wäsen wär…

Düsse Filu kreeg dat klor, dat de "Blindgänger" sien Has kreeg und at de dree Frünn, de Leutnant un Marie nich verzichten bruken. De Oberst wuß ja nich, dat he up sein Disch ´n Dackhas har, sogar mit´n echten Hasenkopp! Dat de Katt Marie gehören deh, wör wieder nich schlimm, de snoop jo doch Melk ut´n Pott, wenn keen in´t Köken wär. So keem denn jeder to sien Recht. De Oberst har sien Hasenbraten (van ´n Dackhas) Hein Lammers un sien Frünn kreegen de richtige Has un de Etappenschriewer mell sik frewillig an de Front.

Hein Lammers is de egentlike Held in dat Stück. Woll in jede Koporalschaft is so´n Ort Hein Lammrs bi us Frontsoldaten wäsen. So ´n Kamerad wie Hein Lammers het in´n Krieg de düstern Stünnen wedder lecht makt. Düsse Hein Lammers kunn nüms bäter spälen, as Waldemar Schröder. He wär so, as Karl Bunje dissen Hein Lammers hebben wull, immer fidel, flietig, tro un mit´n Rüker för Freetereen, de Gold wert wär. So´n Hans Dampf, so´n Spoßmoker un gode Kamerad, dat wär Hein Lammers.

So´n richtigen drögen Landstummann wär Ummo Ummen, de Johannes Nottelmann spälen däh. Mit Waldemar Schröder tosamen geef he de beste Leistung ut dat ganze Stück. Ok düsse Ort Frontsoldat kennt Jedereen, de den Krieg mitmaakt hett. He wär gewissermaßen de Vader, de ruhende Pol, de sik dör nix ut de Ruh brängen lett. Johannes Nottelmann har sik an besten inlewt in sien Rull, dar geef´t bloß een Meenung in´n Sool, wenn dor ok Lü wären, de hum mennigmool nicht verstunnen, wenn he van sien Tohus vertellen däh. Dat wär nu mol nix to lachen, Lü.

Emil Meinen wär de Gefreite un Meldegänger van de Leutnant un de Frünn van Marie. He wär as Gerd Feldmann een frischen un lebendigen jungen Soldat, de so spälen deh, as de Rull dat verlagen däh. Willi Völker wär Leutnant und Komapienführer Dierk Hansen. In hum keem de Frontoffizier up de Bühn, vör de sien Soldaten dört Füer gungen. Dat is de Schlag van Frontoffizier, de Dütschland noher mit uns Führer tosamen rett´t hebbt. Immer mit sien Lü tosamen, up du un du, wenn nich drup ankeem un immer mit vöran, dat wär disse Leutnant, de Willi Völker echt un schlicht ohn Oewerdriweung spälen deh.

Heinrich Aden späl de Etappenschriewer Ferdinand Hasenbein. He wär de Gladdsnacker un Angewer mit´n Stehkrogen un blanke Schoh, de Marie moie Oogen maken deh. Sien Ort to spälen wär richtig.

Als Marie har Nelly Schwarting en Rull, de so recht för eh passen deh. Grad un staatsch gung se dör dat Stück kleih Hasenbein ´n poor an´t Mul, wenn he´t to gau har un keek Gerd Feldmann deep in de blauen Oogen, wiel he een fixen un forschen Kerl wär. Se wär dat eenzige Froonsminsch in dat Spill. Dor geef nix an to rütteln, ehr Spil wär sauber un klar.

De Nedderdütsche Bühne un ehr Spälbaas Heinrich Frese hebbt wedder een ´n neen Erfolg mit düsse Opföhrung, De Sool wär vull Minschen us as dat Spill to Enn´n wär, muss Karl Bunje, de Saterdag ok darbi wär up de Bühn kamen. Langen, langen Bifall kreegen de Spälers un de Verfasser un ok Blomen. Un dat keem so hartlik un deep, dat en dat freien kunn. Wi gralleren ok!

Hexenkomödie (Wilhelmshavener Erstaufführung)

Wilhelmshavener Erstaufführung

HEXENKOMÖDIE

Komödie von Heinrich Behnken

Regie - Willi Minauf
Bühnenbild - Hannes Kaebe

Rollen und Darsteller
Jan Hellwege, Bauer - Hans Macker
Stina, seine Frau - Therese Peters
Jürn, deren Sohn - Karl-Heinz Herpel
Sophie Diekhoff, Nachbarin - Annemarie Beermann
Hann Meiners, Schneiderin - Hildegard Steffens
Lene, ihre Tochter - Gerda Jörss
Immenhannes - Willi Minauf
Harm Engelke, Hexenmeister - Emil Meinen

 

Souffleuse - Marianne Tholen
Inspektion - Maria Siebels
Frisuren - Helmut Teichmann
Beleuchter - Hugo Kazmierczak

Swienskomödie (Wilhelmshavener Erstaufführung)

Wilhelmshavener Erstaufführung

SWIENSKOMÖDIE

Ein Bauernstück in drei Akten von August Hinrichs

Krischan Lamken, een Buer
Anna, sien Dochter
Hinnerk, Knecht bi Lamken
Sofie, Magd bi Lamken
Gerd Bunjes, Lamken sien Nawer
Anton Borchers, Lamken sien Nawer
Harm Pieper, Lamken sien Nawer
Walter Meiners, Schoolmester

Snieder Nörig (Wilhelmshavener Erstaufführung)

Wilhelmshavener Erstaufführung

SNIEDER NÖRIG

Komödie in drei Akten von Paul Schurek

Premiere, Sonntag, den 9. Dezember 1934, abends 8,15 Uhr
in den Centralhallen an der Peterstraße

Speelbaas
Rektor Heinrich Frese

Spälers
Nörig, Snieder - Hermann Beuß
Anna, sin Dochter - Nelly Schwarting
Tine, sin Dochter - Therese Peters
Pann, Barbier, Tine er Mann - Willy Robe
Hannes, Slossergesell - Willy Völker
Krup, Snieder - Waldemar Schröder
Manda Krup, sin Süster - Lisbeth Litter
Froo Meier - Toni Becker

PRESSEMELDUNGEN

Niederdeutsche Bühne "Snieder Nörig", Komödie von Paul Schurek

von Theodor Murken

Die "Niederdeutsche Bühne" des Heimatvereins Rüstringen hat unter der Leitung von Rektor Heinrich Frese Paul Schureks Komödie "Snieder Nörig" neu einstudiert. Gestern abend sah man in den Zentralhallen dieses köstliche Werk des Dichters der "Stratenmusik" zum ersten Male in den Jadestädten auf der Bühne.

Den in großer Zahl erschienenen Besuchern wurde ein vergnüglicher Abend bereitet. Paul Schurek hat mit seinem "Snieder Nörig" wieder eine handfeste Komödie geschaffen, die ihres tiefen Sinnes nicht entbehrt. Es geht hier wieder eimal um das liebe Geld. Es ist der alte Snieder Nörig, der es sich zusammengespart hat und der dabei zu einem Geizkragen geworden ist. Seinen Kindern macht er da Leben zu Hölle. Dazu trägt auch sein Umgang mit dem Snieder Krup bei, einem ganz abgefeimten Kerl, der den Unfrieden zwsichen Nörig und seinen KJindern noch schürt. Krup hat nämlich einen feinen Plan. Er möchte die jüntst Tochter Nörigs heiraten und einmanl Nörigs Vermögen erben. Die Tochter Anna freilich kann sicvh für den alten Kru0 nicht gerade begeistern, zumal ihr Hannes von der Wanderschaft aus Italien zurück ist und in wenigen Wochen schon Hochzeit mit ihr halten möchte.

Krup läßt sich nicht unterkriegen. Er hat eine Schwester, eine furchbare Ziege, die mit Nörig schön tut und ihn ins Garn locken will. Es gelingt ihr, die Verlobung ist beschlossen, ja Snieder Nörig hat seiner Braut schon den Verlobungsring an den Finger gesteckt - da platzt die Bombe. Fensterscheiben klirren. Ein Einbruch. Nörig eilt in sein Schlafzimmer, das Bett ist durchgewühlt und Nörigs Vermögen, das er hier im Strumpf aufbewart, gestohlen. Das wirft alle Pläne der beiden Krups um. Was soll nun Manda Krup mit einem armen Mann. Sie wollte ja den Nörig schnell ins Grab bringen, um ihn dann zu beerben. Snieder Krup und seine Schwester Manda zeigen nun ihr wahres Gesicht, Schnieder Nörig gehen die Augen auf die Verlobung ist schnell ausgehoben udn beide fliegen aus dem Hause hinaus.

Aber herien kommen wieer seine Kinder und Schwiegersöhne, die er vorher aus dem Hause getrieben hate. Hannes bringt die beiden Strümpfe mit dem Geld, er will sie dem Einbrecher wieder abgenommen haben, in Wirklichkeit hat er ja die ganze Sache ausgeheckt, um den alten Geizhals wieder zur Vernunft zu bringen. Das ist ihm gelungen. Snieder Nörig freut sich, sein Geld wieder zu haben, Hannes bekommt eine gute Belohnung, zugleich als Verlobungsgeschenk. Nörig umarmt seine Geldstrumpfe, Hannes aber seine Anna, sie ist ihm die Hauptsache, er weiß, daß Geld alleine nicht glücklich macht, er wird es auch ohneGeld sein.

Die Aufführung war erstklassig. Hermann Beuß war as Snieder Nörig eine glänzende Type. Ein richtiger alter Quäsbüdel und Geizkragen. Waldemar Schröder stand ihm als Snieder Krup nicht nachg. Für solche eine Rolle ist Waldemar Schröder ja wie geschaffen. Großartig war es, wie er den Snieder Nörig herumkriegte und ihn dabei so fünsch von der Seite anguckte. Seine Freundschaft mit Nörig war ja gar nicht echt, es war da noch eine alte Feindschaft mit Nörig, weil dieser ihm in seinen jungen Jahren die Frau vor der Nase weggeschnappt hatte. Nörig und Krup - zwei köstliche Typen - waren hier treffend verkörpert worden. Von den Frauen machte vor allen Dingen Therese Peters als Tine Nörig (die älteste Tochter des Schneiders) ihre Sache gut. Eigentlich heißt sie Tine Pann, denn sie hat den Barbier Pann geheiratet, einen gutmütigen Kerl, der für die Schrullen des alten Schwiegervaters den nötigen Humor aufbringt. Willy Robe gab dem Barbier echte Züge. Dann das junge Paar Anna Nörig, von Nelly Schwarting gespielt, und Hannes, der Schlossergesell, von Willy Völker dargestellt, ein Paar, das allen Freude bereiten konnte. Schließlich noch die alte Hexe Manda Krup. Lisbeth Litter hatte diese Rolle übernommen. Wer sie als die Pastorentochter gesehen hat, die Diderk freet, muß ihr besonders feine Anerkennung aussprechen für die treffliche Verkörperung der Manda. Und zum Schluß Toni Bekcer, die geschwätzige und klatschsüchtige, vornehm und gebildet tuende Frau Meier.

Rektor Frese kann zufrieden sein. Hoffentlich werdennoch viele sich an dieser Komödie und der Darstellung erfreuen können.

De Deerns ut´n Dörpskroog (Wilhelmshavener Erstaufführung)

Wilhelmshavener Erstaufführung

DE DEERNS UT`N DÖRPSKROOG

Volksstück in fünf Akten von Friedrich Lange

Freilichtaufführung auf der Freilichtbühne (Rosenhügel)
Premiere Sonntag, 12. August 1934 (16 Uhr)

Spälleitung: Rektor Heinrich Frese

Späler
Martin Höge, Schoolmester - Theodor Büsing
Bernd Schulte, Buer un Weertsmann - Wilhelm Robe
Dora, sien Dochter - Elisabeth Litter
Anton Kreienhorst, en Allerweltskeerl - Erich Ihmels
Klaus Back, Babutz un Muskant - Waldemar Schröder
Guste Steenhoff, Magd - Therese Peters
Jan Peters, en lüttjen Knecht - Siegfried Lilje
Hinnerk Lütje, Naver - Hermann Beuß
Anna , sien Süster - Annchen Albers
Fritz Fink, en finen jungen Keerl - Herbert Ihnen
Anita Eike, Privatsekretärin - Lydia Bruns
Jungs un Deerns ton danzen (Volkstanzkreis), Muskanten

PRESSEMELDUNGEN

"De Deerns ut´n Dorpskroog"

2. Freilichtaufführung der Niederdeutschen Bühne

Wilhelm Raabe hat zu einer Zeit, wo noch keiner diese Schäden deutlich sah, mit grimmigem Humor jene Betriebsamkeit gegeißlt, die aus stillen und schönen Plätzen "Badeorte" mit Kurbetrieb und allen Schikane machte. Er wollte die Eigenart der Landschaft und des Volstums gewahrt wissen gegen jene Geschäftemacher, die Fortschritt predigen und ihren Profit meinten.

Heute, nachdem der Weise von Branschweig schon lange die Augen geschlossen hat, wissen wir alle, wie recht er sah. Der Boden, die Stammeseigenart, unser Volkstum sind heute geschützt, die Heimatdichter stellten sich in die erste Front derer, die den Kampf aufnehmen gegen Verschandelung der Heimat und ihrer Menschen. Humor ist das beste Kampfmittel, dersthanft und lustig ist deshalb auch das Heimatspiel "De Deerns ut´n Dorpskroog", durch das Friedrich Lange zeigen will, wie ein Dorfkrug, der seit 200 Jahren im Besetze der Familie Schulte ist, fast verschandelt und vertan worden wäre durch die "Nationalisierung" und "Modernisierung" des Allweltkerls Kreienhorst.

Kreienhorst (Erich Ihmels gab diese Betrisrübe, diese seltsame Mischung von hoch und platt) weiß alles besser, will aus dem einfachen Dorfkrug ein "Kurhotel" machen,holt Jazzmsuik herin, schwindelt und randaliert und bringt die eigentlichen Besitzer Schulte, der alles dieses in seiner Einfalt geschehen läßt (Wilhem Robe war ausgezeichnet in diese Rolle), faßt an den Bettelstab. Stimme aus dem Publikum: Smiet den Kerl doch rut!

Kreienhorst also verdirbt es mit allen. Die Bauern sind ihm nicht fein genug mehr für sein fast leerstehendes "Hotel und Erholungsheim", de Naber Hinnerk Lütje drüff bold nich mehr övern Tohn kieken, und dabei tut er (nämlich Hermann Beuß in einer trefflichen Make, denn de ole Beuß kann dat ümmer noch gans famos) so gerne einenBlick in Schultes Garten. Wo die stramme und resolute Guste - wat hett de´n Mulwark! - hantiert, partout geheiratet sein will, eine Seele von Mensch ist und das Herz auf dem rechten Fleck hat und durch Therese Peters so frisch und wahr dargestellt wurde, daß sie Hauptperson ist. Fabelhaft, was sie aus ihrer Ro9lle wieder gemacht hat.

Aber weiter im Text: Kreienhorst ist bald am Ende mit seinem Latein, nachdem die letzte Kuh des Krügers und alles Land versteigert ist, Gust hinausgeworfen wurde und dem Naber Lütje, dem ollen Juggesellen, fast in die Arme. Der Schulmeister Martin Höge (von Theodor Büsing fein gespielt) ettet die Tochter des Kurwirtes Dora, auf deren vom Onkel ererbtes Geld es Kreienhorst schließlch auch noch abgesehen hat, vor dem unsympathischen Freier. Dora (Elisabeth Litter) passte gut für diese zweite Deern ut´n Dörpskroog, wenn sie noch etwas lebhafter spielte) bekommt dann endlich irehn Fritz Fin (eine kleine Rolle zwar nur für Herbertr Ihnen) und Gust ihren Hinnerk. Nn ist endlich Gerechtigkeit in der Welt, und jeder weiß, daß Hinnerk unter´n Pantoffel kommt.

Kreienhorst aber muß kläglich abzieheh. Den Rest gibt ihm noch de Bebutz und Muskant Klaus Back, von Waldemar Schröder ausgezeichnet gespielt. Und der Lüttknecht Peters (wie hat sich doch Siegfried Lilje herausgemacht!) muß seine Kellnerjacke wieder ausziehen und Mist fahren, denn der Dorpskrug bleicht nun doch der Familie Schulte erhalten.

Um dieses alles musiziert und tanzt es, wie es im Dorfkrug ja auch zugeht, und wer einen Gegensatz haben will, hat ihn zwischen der drallen Anna (Annchen Albers spielte sie sehr nett) und der vervösen "Privatsekretärin" Anita (von Lydia Bruns entsprechend dargestellt) Gesunde, frohe Jugned tanzte alte niederdeutsche Volkstänze, daß das Herz der Zuschauer lachte.

Zumal die Sonne nicht minder vom blauen Himmel lachte. Denn dies alles geschah auf der Freilichtbühne am Rosenhügel im Rüstringer Stadtpark. Wie gut sie sich eignet, wurde vorigen Sommer schon bewiesen, und wie gerne man dorthin kommt, bewies die große Zuschauermenge, viele Hundert, heimatverbundene Menschen, vom Rüstringer Oberbürgermeister und Bürgermeister bis zu den alten Mütterchen.

O ja, es war sehr schön, und Rektor Frese, de Speelbas, hatte viele Hände zu schütteln, wie das dankbare Publikum auch bei offener Szene seine Begeisterung über Therese Peters, Hermann Beuß und Waldemar Schröder als gelungendste Typen ausschüttete. Bravo, ihr plattdeutschen Spieler und ihr Deerns und Jungs vom Volkstanzkreis! Ihr alle macht es, daß die Jadestädter gerne zu Euch kommen. Dann hören sie auch das Ernsthafte bei allem lustigen Spiel. Denn nicht wahr, Guste: dat giwt doch ne Gerechtigkeit up de Welt.

Wenn de Hahn kreiht (Wilhelmshavener Erstaufführung)

Wilhelmshavener Erstaufführung

WENN DE HAHN KREIHT

Komödie in drei Akten von August Hirnichs

Regie Heinrich Frese

Lüüd in´t Speel

Jasn Kreyenborg, Gemeendevörstand - Hermann Beuß
Gesine, sin Fro - Therese Peters
Lena, sin Dochter - Elisabeth Varnhagen
Willem Tameling, sin Knecht - Waltermar Schröder
Tierarzt Renken - Willy Völker
Amtshauptmann Kröger - Willy Robe
Wachtmeister Stindt - Hinrich Lottmann
Gustav Piepers, Buernsöhn - Herbert Ihnen
Peter Witt, Snieder - Ernst Fischer
Trina Witt, sin Fro - Hermine Lottmann

Premiere 30. September 1934
Aufführung in den Centralhallen an der Peterstraße

PRESSEMELDUNGEN

Festaufführung der Niederdeutschen Bühne

"Wenn de Hahn kreiht" - Bauernkomödie in drei Akten von August Hinrichs

von H.W.

August Hinrichs, ein Kind unserer Nachbarstadt Oldenburg, der früher im Alltag an der Hobelbank arbeitete und, wenn ihn die Lust ankam, den Hobel mit der Feder vertauschte, hat einen unbestechlichen Blick für die Dinge und Menschen an sich. Es bedeutet nun keineswegs eine Schmälerung seines Gesamtwirkens, wenn wir behaupten, daß August Hinrichs dann am nachhaltigsten zu unserem Gemüt und zu unserem Verstand redet, wenn er niederdeutsch zu uns spricht. August Hinrichs zeigt in einem Baunernstück "Wenn de Hahn kreiht" ein Komödie, an der sich jeder immer wieder erfeuen und aufrichten kann.

Das Erntedankfest mit einer Festaufführung dieser Komödie in den Zentralhallen zu beschließen, war ein schöner Gedanke des Leiters der Niederdeutschen Bühne,des Heimatvereins Rüstingen, des Rektors Heinrich Frese. Die Spielschar genannter Bühne ist festgefügt und hinsichtlich der Hauptdarstller bisher keiner Veränderung unterworfen gewesen. Es ist sicherlich der Wunsch aller Freunde der Niederdeutschen Mundart, daß sich um den alten, sturmerprobten Stamm in seiner bisherigen Starke weitere Kräfte sammeln, damit er seine Zweige weit ausbreiten kann.

Die Spielschar der Niederdeutschen Bühne kann sich getrost jeder Kritik stellen. Unser prächtiger Hermann Beuß, der nicht nur ein ausgezeichneter Menschengestalter, sondern auch ein Künstler der Make ist, zeigt wieder einmal was aus einer Aufgabe zu machen ist, wenn sie dem Richtigen anvertraut wird. In Haltung, Mimik und in seiunem ganzen Auftreten war sein Kreyenborg ein Erzschelm, zeitweilig ein kleiner Mephisto, zweitweilig ein Wüterich. Ein Prachtexemplar stellte Therese Peters mit ihrer Gesine Kreyenborg auf die Beine. Sie schien des Teufels Unterfutter angzogen zu haben. Neben einem solchen Schwerenöter, wie es ihr Jan ist, muß schon ein derartiges couragiertes Weib stehen. Therese Peters versteht sich auf Charaktere, die bei aller Derbheit doch auch Eigenschaften aufweisen, die freundlich berühren. sie verbreitet stets mit ihrer Leistung einen ungettübten Genuß. Und Waldermar Schröder als Knecht Tameling, der nur schwer aus der Ruhe zu bringen ist, bewies auch gestern wieder, daß er der geborene Darsteller solcher Charaktere ist, denen man nicht leicht beikommt.

Nach geraumer Zeit hatte Hermine Lottmann von neuem Gelegenheit, ihre besondere Begabung für resolute Frauen darzutun. Die personifizierte Wichtigkeit war Willy Robe als Amtshauptmann Kröger, bieder und brav führte sich der Wachtmeister Stindt von Hinrich Lottmann auf. Nornehm, zurückhaltend benahm sich Tierarzt Renken, den Willy Völker spielte. Ernst Fischer als Schneider Witt zeigte ein Hasenherz, das vor Angst und Schrecken wie rasend schlug. Kreyenborgs Töchtelein Lena hatte in Elisabeth Varnhagen eine Vertreterin, die ihre Abstammung nicht verleugnen konnte. Mit dem Bauernjnungen Gustav Pepers gab sich Herbert Ihnen alle Mühe.

Vor der Aufführung wies Rektor Frese kurz auf die Bedeutung des Erntedankfestes hin. Dem Charakter der Festvorstellung war durch hübsche Ausschmückung des Saales entsprochen worden. Das Orchester der Lehrlingskapelle der Werft, das der Obhugt des Lehrers Dratwa anvertraut ist, verkürzte die Zeit vor der Vorstellung und die Pausen durch flottes Spiel vertrauter Weisen. Stürmischer Beifall des fast bis auf den letzen Platz besetzten Saales beweis, daß die Niederdeutsche Bühne ihr Heimatrecht erkämpft hat, das ihr von keinem bestritten werden kann.

Unterkategorien