De lüttje Wippsteert (3. WA)

3. Wiederaufführung (4), davor 1957/58, 1967/68 und 1982/83 gespielt

DE LÜTTJE WIPPSTEERT

(Die spanische Fliege)
Schwank von Franz Arnold und Ernst Bach
Plattdeutsch von Erich Schiff

Inszenierung und Bühne: Roswitha Wunderlich

Souffleuse: Marion Zomerland
Maske: Heidi Strowik
Requisiten: Marianne Karstens
Bühnenbid: Günter Scherf, Horst Vollbrecht
Bühnentechnik: Ole Baumgart, Günter Michaels, Günter Newerla, Björn Remstedt
Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
technische Leitung: Manfred Eilers
Inspektion: Anke Schluppkotten.

Rollen und Darsteller
Willem Cordes, Kolonialwaren - Walter Bleckwedel
Meta, seine Frau - Helga Lauermann
Lene, beider Tochter - Dagmar Grube
Eduard Stint, Schulmeister - Horst Karstens
Mathilde, seine Tochter - Meike Zomerland
Christian Krey, Polizeidiener a. D. - Ingo Folkers
Gerd Bruns, Assessor - Marc Gelhart
Anton Stüring, Kirchdiener - Günter Jaedeke
Otto Gemeiner, Revisor - Horst Qualmann
Liese, seine Frau - Christine Wessolek
Heinrich, beider Sohn - André Gelhart
Adeline, Dienstmädchen - Magita Pust


Vorankündigung

Franz Arnold und Ernst Bach stehen für das geliebte und erfolgreiche bürgerliche Lachtheater, für den Schwank. Sie verstanden es meisterhaft in ihren Stücken, die alle in den sittenstrengen zwanziger Jahren in den bürgerlichen Häusern spielten und für im wahrsten Sinne des Wortes brüllende Heiterkeit sorgten, da mit der Tücke der doppelten Moral wahrhaft köstliche zwischenmenschliche Verwicklungen und Verdrehungen entstanden. Das Stück, das wir am Ende der Spielzeit bringen, wurde von ihnen unter dem Titel "Die spanische Fliege" geschrieben und hat seit vielen Jahren seinen festen Stammplatz auf allen großen und kleinen Theatern, die dem Publikum das reine Lachen der Heiterkeit schenken wollen. Erich Schiff hat aus der spanischen Fliege " De lüttje Wippsteert" gemacht und siehe da, auch auf den niederdeutschen Theaterbrettern ist dieses Stück nicht wegzudenken. In Wilhelmshaven gab es in den Spielzeiten 1957/58, 1967/68 und 1982/83 sehr erfolgreiche Einstudierungen dieses turbulenten Schwankes.

Wer der "lüttje Wippsteert" ist, wird in dem Stück relativ schnell bekannt, denn die Dame "Lia Pellerina", deren Profession der Schönheitstanz ist, hat vor rund zwanzig Jahren mehreren Honoratioren der Stadt nicht nur den Kopf verdreht, sondern kurze Zeit später auch die Ankunft eines strammen Sohnes kundgetan. Da diese Herren alle wohlbetucht und gutbürgerlich verheiratet waren, haben sie dann auch, damit niemand diese Ungeheuerlichkeit erfährt, treu und brav die Alimente gezahlt. Dass diese ehrenwerten Herren wie ein aufgeschreckter Hühnerhaufen herumflattern, als sie jetzt erfahren, dass die Lia Pellerina wieder zurückkommen soll, kann man sich leicht vorstellen, zumal die Ehegattin des Protagonisten Willem Cordes Vorsitzende des örtlichen Sittlichkeitsvereins ist. Dass es dabei zu zwerchfellerschütternden Lachsalven und urwitziger Situationskomik kommen wird, kann man sich sehr leicht vorstellen.

Roswitha Wunderlich, der in der letzten Spielzeit mit "Wenn de Hahn kreih" ihr Rediedebüt feierte, hat hier zum zweiten Male die Regie übernommen. Unter ihrer Leitung spielen Dagmar Grube, Helga Lauermann, Magita Pust, Christine Wessoleck, Meike Zomerland, Walter Bleckwedel, Ingo Folkerts, André Gelhart, Marc Gelhart, Günter Jaedeke, Horst Karstens und Horst Qualmann.

Der berühmte Satz: "Freu Dich, Papa, nun bin ich da!", verfehlt auch hier seine Wirkung nicht. (Walter Bleckwedel, André Gelhart)

Jeversches Wochenblatt vom 10. April 2001

Ein unverhoffter Sohn

"De lüttje Wippsteert" feierte erfolgreiche Premiere

Wilhelmshaven. Am 25. März feierte die Niederdeutsche Bühne am Stadttheater ihre letzte Premiere in dieser Spielzeit mit dem Schwank "De lüttje Wippsteert" von Franz Arnold und Ernst Bach in der Inszenierung von Bühnenmitglied Roswitha Wunderlich. Das Publikum zeigte sich mit häufigem Szenen- und lang anhaltendem Schlussapplaus überaus begeistert.

Der Senffabrikant Willem Cordes (Walter Bleckwedel) bekommt von seinem Rechtsanwalt seine alten Unterlagen zurückgesandt, laut denen er 25 Jahre lang zur Zahlung von Alimenten für einen Sohn verpflichtet war, der aus einem Techtelmechtel mit einer Tänzerin, genannt "de lüttje Wippsteert", hervorgegangen sein soll und den er noch nie zu sehen bekommen hat.

Von dieser Geschichte soll sein Frau Meta (Helga Lauermann), sehr engagiert im Sittlichkeitsverein, natürlich nichts erfahren, so dass er die Unterlagen seinem Kumpel, dem Kirchendiener Anton Stüring (Günther Jaedeke) zur Verwahrung gibt. Dieser reicht sie in seiner Unsicherheit an den Assessor Gerd Bruns (Marc Gelhart) weiter, den Cordes bereits seit einem Rechtsstreit mit einem Kunden nicht leiden kann. Hinzu kommt jedoch, dass der junge Rechtsanwaltsgehilfe sich in die Tochter des Hauses, Lene (Dagmar Grube), verliebt hat, jedoch nicht von den Eltern geduldet wird, so dass er die Gelegenheit nutzt, um eine Verlobung mit Lene mit den Papieren zu erpressen.

Mutter Meta hat indes als Schwiegersohn den jungen Heinrich (Andre Gelhart) auserkoren, der sich allerdings zufällig in die beste Freundin von Lene, in Thilli (spielt zum ersten Mal: Meike Zomerland) verliebt. Durch zahlreiche Missverständnisse wird nicht nur Heinrich für den unehelichen Sohn gehalten, sondern es entpuppen sich auch der Schulmeister Eduard Stint (Horst Karstens) und der Polizeidiener a. D. Christian Krey (Ingo Folkers) als äußerst zahlwillig.

Zu wem gehört der vermeintliche Sohn? Die wahren Eltern, Liese (Christine Wessolleck) und Otto Gemeiner (Horst Qualmann) können zunächst auch kein Licht ins Dunkel bringen, so dass das Dienstmädchen Adeline (Magita Pust) am Ende gar nicht mehr weiß, wen sie hereinlassen darf und wen nicht ...

Die letzte Aufführung dieser amüsanten Verwechslungskomödie findet am 12 April um 20 Uhr statt. Karten gibt es sowohl im Vorverkauf als auch im freien Verkauf an der Abendkasse am Service-Center im Stadttheater. Weitere Informationen gibt es unter 0 44 21/94 0115, im N3-Videotext Tafel 587 oder auf der bühneneigenen Homepage unter www.ndb-wilhelmshaven.de.

Mathilde (Meike Zomerland) und Lene (Dagmar Grube) sind ganz angetan von dem jungen Besucher (André Gelhart)

Wilhelmshavener Zeitung vom 27. März 2001

Von Liebe, Intrigen und Vaterfreuden

"Niederdeutsche" zeigt "De lüttje Wippsteert"

Von Inga Hellwig

Vortrefflich startete die Niederdeutsche Bühne in die letzte Runde der Spielzeit 2000/ 2001. Liebe, Intrigen und ungewisse Vaterschaftsverhältnisse in den bürgerlichen Häusern der sittenstrengen 50-er Jahre sorgten für zwischenmenschliche Konfusionen und schufen einen kaum zu entwirrenden Knoten der Verwicklungen, der sich unter wahrhaft brüllender Heiterkeit des über die wahren Hintergründe bestens informierten Publikums immer weiter zuzog.

Bei der klassischen Verwicklungskomödie "De lüttje Wippsteert" der Niederdeutschen Bühne, die im Stadttheater Premiere feierte, kam das Publikum voll auf seine Kosten. In einer beeindruckend geschlossenen Ensembleleistung sorgten die Schauspieler mit dieser immer wieder dankbaren Thematik beim Publikum für Lachsalven und größte Heiterkeit.

Bei der Familie des Kolonialwarenhändlers Wilhelm Cordes (Walter Blackwedel) geht's rund: Töchterchen Lene (Dagmar Grube) wird flügge und verliebt sich ausgerechnet in den als Frauenheld verschrienen Rechtsassessor Gerd Bruns, der zu allem Überfluss auch noch einen Prozess gegen ihren Vater führt. Der hat aber noch ganz andere Sorgen: Es gilt, einen vor gut 20 Jahren mit der Nachtclubtänzerin Lia Pellerina -auch liebevoll de lüttje Wippsteert genannt - gezeugten unehelichen Sohn vor seiner als "Hüterin der Moral" bekannten Ehefrau Meta (Helga Lauermann) zu verbergen, denn dieser soll in Kürze im Städtchen auftauchen. Als Mutter Meta dann auch noch den Sohn einer Freundin, Heinrich (Andre Gelhart), als Heiratskanditaten für Lene einlädt, ist das Chaos perfekt.

Angesichts des vermeintlichen Produkts der Sünde stellt sich heraus, dass die Dame Pellerina auch dem bra ven und gutbürgerlich verheirateten Polizeidiener Christian Krey (Ingo Folkerts), dem Schulmeister Eduard Stindt (Horst Karstens) und Kirchendiener Anton Stüring (Günter Jaedeke) nicht nur den Kopf verdreht, sondern auch ihnen jahrelang die Alimente für "ihr" Kind aus der Tasche gezogen hat. Dass sich dann die Tocher des Schulmeisters Thilli (Meike Zomerland) ausgerechnet in Heinrich verliebt, der sie wiederum für Lene hält, und dass dann auch noch Heinrichs Eltern Otto und Liesa Gemeiner (Horst Qualmann, Christine Wessollek) auftauchen, macht die Situation zunehmend verworrener. Schon wenn das Dienstmädchen Adeline (Margita Pust) einen neuen Besucher ankündigte, begannen in den Publikumsreihen die Lachmuskeln zu zucken.

Bereits zum vierten Mal hat die Niederdeutsche Bühne diesen turbulenten Schwank einstudiert. Das von Franz Arnold und Erich Bach unter dem Titel "Die spanische Fliege" geschriebene und von Erich Schiff ins Niederdeutsche transponierte Stück ist ein garantierter Publikumserfolg. Unter der Regie von Roswitha Wunderlich wurde "De lüttje wi ppsteert" mit Hilfe des Bühnenbildes und der Kostüme aus den 20-er Jahren des Originals in die ebenfalls von doppelter Moral bestimmten 50-er Jahre versetzt. Nach knapp zweistündiger bester Unterhaltung bestätigte sich, wie erwartet, die Begeisterung für dieses Spiel um Sittlichkeit und Anstand.

Souffleuse: Marion Zomerland; Maske: Heidi Strowik; Requisiten: Marianne Karstens; Bühnenbali-Cünter Schwerf, Horst Vollbrecht; Bühnentechnik: Ole Baumgart, Günter Michaels, Günter Newerla, Björn Remstedt; Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg; technische Leitung: Manfred Eilers; Inspektion: Anke Schluppenkotten.

 

Große Freude kommt bei Heinrich (André Gelhart) nicht auf, davür umso mehr bei den vermeintlichen Eltern (Helga Lauermann, Walter Bleckwedel)

Van Muus un Minschen (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

VAN MÜÜS UN MINSCHEN

Schauspiel von John Steinbeck

Regie und Bühne: Albrecht C. Dennhardt

Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Hintergrunddias: Klaus Schreiber
Souffleuse/Maske: Margita Pust
Requisiten: Monika Eilers
Bühnenbau: Günter Scherf, Horst Vollbrecht
Bühnentechnik: Ole Baumgart, Günter Michaels,
Günter Newerla, Björn Remstedt
Technische Leitung: Manfred Eilers
Inspektion: Anke Schluppkotten.

Rollen und Darsteller:
Hinni - Rolf-Peter Lauxtermann
Schorsch - Thorsten Könnecke
Alt-Bauer - Klaus Aden
Sein Sohn Kalli - Marc Gelhart
Krischan - Günter Boye
Garms - Heinz Zomerland
Kallsen - Harald Schmidt
Witte - Karl Zacher
"Waterpollak" Josef - Horst Jönck
Kallis Frau - Elke Theesfeld

Vorankündigung

Mit "Vun Müüs un Minschen" kommt erstmals ein Literaturnobelpreisträger auf den Spielplan der Niederdeutsche Bühne. John Steinbeck (1902 - 1968) erhielt 1962 den Nobelpreis für Literatur und ging in die Geschichte ein, als der zornige junge Mann Amerikas. Bekannt geworden ist er mit den Romanen "Von Mäusen und Menschen" (1937), "Die Früchte des Zorns" (1939) und "Jenseits von Eden" (die Verfilmung machte ja James Dean unsterblich). Steinbeck war deutsch-irischer Abstammung und seine Werke spiegeln die Schicksale von Farmern wieder, die in der großen Wirtschaftskrise der 20er Jahre in Amerika lebten. Seine krasse Naturalistik brachte ihm gleichermaßen positive wie negative Kritik ein und machte Steinbeck weltberühmt.

Vor 15 Jahren setzte sich Walter A. Kreye (Autor niederdeutscher Theaterstücke und unter anderem bei Radio Bremen zuständig für das Niederdeutsche Hörspiel) daran, das Stück vom Mittelwesten Amerikas nach Norddeutschland zu verlegen. Den zeitlichen Hintergrund, Wirtschaftskrise der Zeit nach dem ersten Weltkrieg, hat er gelassen. Die beiden Protagonisten Lennie und Georg (niederdeutsch heißen sie Hinni un Schorsch) haben sich zusammengetan und ziehen Jahr für Jahr von Großbauer zu Großbauer, um sich als Erntehelfer zu verdingen. Insgeheim träumen sie von einer eigenen kleinen Hofstelle.

Der Traum könnte eines Tages Wirklichkeit werden, wenn nicht der bärenstarke, aber geistig etwas zurückgebliebene Hinni ständig in Schwierigkeiten geraten würde, die meistens mit der Flucht der beiden endet. Auch auf dem neuen Hof, auf dem die beiden zu Beginn des Stückes verpflichtet sind, drohen die Konflikte schnell zu eskalieren. Der Sohn des Großbauern ist eifersüchtig auf Schorsch, der angeblich seiner Ehefrau schöne Augen gemacht hat. Die anstehende Prügelei kann der Koloß Hinni gerade noch einmal verhindern, aber als er wenig später mit Kallis Frau zusammentrifft und ihr doch nur das schöne, lange, rote Haar streicheln möchte, spitzt sich die Lage ausweglos zu...

Albrecht C. Dennhardt, gern und häufig gesehener Gastregisseur der Bühne, hat die Aufgabe übernommen, das Stück, mit dem sich die Niederdeutsche Bühne um den Willy-Beutz-Schauspielpreis bewirbt, zu inszenieren. Neben Rolf-Peter Lauxtermann als Hinni und Torsten Könnecke als Schorsch spielen die weiteren Rollen Elke Theesfeld, Klaus Aden, Günter Boye, Marc Gelhardt, Horst Jönck, Harald Schmidt, Karl Zacher und Heinz Zomerland.

von links - Rolf-Peter Lauxtermann, Marc Gelhart, Thorsten Könnecke

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 13. Februar 2001

Steinbecks Klassiker überzeugend gespielt

Niederdeutsche Bühne begeisterte Premierenpublikum mit "Van Müüs un Minschen"

von Inga Hellwig

Hinni (Rolf-Peter Lauxtermann) und Schorsch (Thorsten Könnecke) beeindrucken durch ihr starkes Spiel

Bei der Niederdeutschen Bühne müssen sich nicht immer die Balken vor Lachen biegen, damit sie überzeugt. Ganz im Gegenteil: Mit ihrer Premiere der niederdeutschen Fassung des John Steinbeck-Klassikers, "Van Müüs un Minschen", am Sonntagabend im Stadttheater bewies das Ensemble, dass es das ernste Genre und die damit geforderte schauspielerische Leistung hervorragend bewältigt.

Das aus dem Amerikanischen von Walter A. Kreye ins Niederdeutsche transponierte Stück hält sich vollständig an die Romanvorlage. Das Geschehen dreht sich um zwei zentrale Charaktere: Hinni (Rolf-Peter Lauxtermann) und Schorsch (Thorsten Könneke). Hinni ist ein Mensch mit der Stärke von zwei Männern und dem Verstand eines kleinen Kindes sehr naiv und unbedarft, aber freundlich. Seine ganze Welt kreist um Schorsch, der ihn durchs Leben führt und ihn beschützt wie einen kleinen Bruder, wenn ihn seine übermenschliche Kraft und sein Kindsgemüt mal wieder in Schwierigkeiten bringen.

Die beiden Männer ziehen als Erntehelfer von Hof zu Hof. Auf dem neuen Hof von Bauer Kalli (Marc Gelhart) und dessen Vater (Klaus Aden), auf dem sich die beiden zu Beginn des Stückes verpflichten, kommen sie mit den anderen Landarbeitern Krischan (Günter Boye), Garms (Heinz Zomerland), Kallsen (Harald Schmidt), Witte (Karl Zacher) und Josef (Horst Jönck) gut klar. Trottzdem führt Hinnis Schwachsinn und seine Vorliebe, alles Weiche zu streicheln und dann doch in seinen Riesenfäusten zu zerdrücken, bei der Begegnung mit Kallis Frau (Elke Theesfeld) zu einem unausweichlichen, tragischen Ende.

Unter der Regie von Gastregisseur Albrecht C. Dennhardt vermittelten die beiden Hauptdarsteller im Zusammenspiel mit den anderen Protagonisten perfekt die trostlose und schicksalhafte Ausweglosigkeit, die Steinbeck in seiner krassen Naturalistik der Romanvorlage bezweckt. Ebenso genial wie Rolf-Peter Lauxtermann den debilen Hinni in physischer und psychischer Hinsicht figurierte, konnte Thorsten Könnecke das verzweifelte Anstemmen gegen das sich heraufbeschwörende Verhängnis darstellen - immer begleitet von der Grundmelodie eines - realistisch nicht zu verwirklichenden -Traums, von einem besseren Leben.

Im Publikum hätte man in den gesamten zwei Stunden eine Stecknadel fallen hören können, so ergriffen waren die Zuschauer von dem Geschehen vor dem außergewöhnlichen, mit großformatigen Diaprojektionen Klaus Schreibers dargestellten Bühnenbild.

Mit "Van Müüs und Minschen", bei dem das Ensemble deutlich die Ebene des Laienschaupiels verlassen hat, bewirbt sich die niederdeutsche Bühne für den Wil ly-Beutz-Schauspielpreis. Ergriffene Tränen im Publikum und nicht enden wollender Applaus lassen ahnen, dass zumindest dieser Traum schon bald Wirklichkeit werden könnte.

An der Aufführung wirkten im Hintergrund mit: Hintergrunddias: Klaus Schreiber, Souffleuse/Maske Margita Pust. Requisiten: Monika Eilers. Bühnenbau: Günter Scherf, Horst Vollbrecht. Bühnentechnik: Ole Baumgart, Günter Michaels, Günter Newerla, Björn Remstedt. Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg. Technische Leitung: Manfred Eilers. Inspektion: Anke Schluppkotten.

Es wird gefährlich auf dem Hof (v.l. Marc Gelhart, Harald Schmidt, Karl Zacher, Heinz Zomerland, Thorsten Könnecke)

JEVERSCHES WOCHENBLATT vom 14. Februar 2001

Lacher bleiben im Halse stecken

Niederdeutsche Bühne landet mit dem Schauspiel "Van Müüs un Minschen" einen Volltreffer

von Ernst Richter.

Zwei Landarbeiter schlurfen durch die Gegend. Sind auf Arbeitssuche. Wandern sozusagen von Hof zu Hof. Der eine ist der Hinni, ist bärenstark und, von gewaltiger Statur. Der andere ist der Schorsch, kann kräftemäßig mit Hinni nicht konkurrieren, ist aber mit gewitztem Verstand ausgestattet, der bei Hinni etwas zu kurz gekommen ist. Am Priel legen sie zwischen Gebüsch und Strauchwerk eine Pause ein. Machen sich lang und dösen in der Sonne vor sich hin. Wie schön doch das Leben sein kann. Wenn da doch nicht der Hinni in seiner unberechenbaren Einfältigkeit immer wieder die Bauersleut mit dummen Streichen provozieren würde. Da, jetzt hat Hinni zum Beispiel eine tote Maus in der Rocktasche, die er voller Hingabe streichelt. Schorsch wird das zuviel, er greift sich den toten Nager und wirft ihn möglichst weit weg. Ja, so kann sich diese Szene irgendwo und alle Tage wieder abgespielt haben. Doch der Ort der Handlung ist das Stadttheater und die Premierenvorstellung des Schauspiels "Van Müüs un Minschen" der Niederdeutschen Bühne am Stadttheater Wilhelmshaven.

Der Autor John Steinbeck (1902 -1968) hat deutsch-irische Vorfahren und wurde in Salinas/Kalifornien geboren. Im Frühjahr 1937 kam der Roman "Von Mäusen und Menschen" heraus, den Walter A. Kreye ins Niederdeutsche übertrug. Albrecht C. Dennhardt hat als Regisseur diese balladenhafte Geschichte einer Männerfreundschaft für die Bühne eingerichtet. "Van Müüs un Minschen" ist ein Schauspiel mit tragischem Ausgang. Die Niederdeutsche Bühne will das Stück zum Willy-Beutz-Schauspielpreis des Niederdeutschen Bühnenbundes aufführen. "Van Müüs un Minschen" ist preisverdächtig. Hier ist der Niederdeutschen dank der einfühlsamen Regie von Albrecht C. Dennhardt mit der eindringlichen Zeichnung der Charaktere ein großer Wurf gelungen.

Nach der Vesperpause machen sich Hinni und Schorsch auf den Weg zum Bauern. Dort angekommen, begegnen sie der bäuerlichen Familie und den dort beschäftigten Landleuten. Gleich geht es mit den Streitereien los, obwohl Schorsch seinem Wegkompanen eingeschärft hatte, den Mund zu halten und die Arbeit zu tun. Hinni braucht wieder ein Tier, Maus, Kaninchen oder Hund, um Streicheleinheiten verteilen zu können. Manchmal fassen seine Hände zu fest zu. Dann ist das Tierchen tot, und Hinni wundert sich.

Beide träumen von einem schöneren Leben. Sie wollen einen kleinen Hof kaufen, selbst den Boden bewirtschaften und Kaninken pflegen, was Hinni besonders am Herzen liegt. Mitbewohner Krischan lässt sich von diesem Vorhaben anstecken und kratzt seine Ersparnisse zusammen. Doch es kommt ganz anders. Die angehende Bauersfrau ist ein bisschen mannstoll und macht sich an Hinni heran, der von seiner Lust zuzudrücken übermannt wird. Das Schauspiel endet tragisch, und das Publikum hält den Atem an.

Thorsten Könnecke spielt den Schorsch, der um Hinni jederzeit besorgt ist und aufpasst, dass er keine Dummheiten macht und sie wieder flüchten müssen. Rolf-Peter Lauxtermann glänzt in der Rolle des Hinni, spielt mit feiner Mimik und sicherem Auftritt diesen geistig behinderten Mensch, der eigentlich nur an das Gute im Leben glaubt und niemandem etwas zu Leid tun möchte. Günter Boye gelingt eine treffliche Darstellung des Zimmergenossen, Altknecht Krischan.

Dann erlebt das Publikum die bäuerliche Familie wie aus dem Leben gegriffen mit Klaus Aden als Altbauer, Marc Gelhart als streitsüchtiger Sohn Kalli und Elke Theesfeld als dessen Frau. Die weiteren Rollen gestalten Heinz Zomerland (Garms), Harald Schmidt (Kallsen) und Karl Zacher (Witte). Ein schauspielerisches Kabinettstückchen liefert Horst Jönck dialektisch als Wasserpole Josef ab.

Mit viel Phantasie und realistischen Hintergrunddias wird das verwandelbare Bühnenbild auf die Bretter gestellt, mal Treffpunkt am Priel, dann Logis in der Wohnbaracke, vor dem Bauernhaus und in der Hütte des einsamen Wasserpolen. Der Hintergrundprospekt wird jeweils szenisch ausgeleuchtet. Der Bühnenumbau erfolgt zwischen den Bildern, die balladenhaft vor dem Publikum ablaufen.

Albrecht C. Dennhardt ist als Regisseur der Glücksfall für diese Aufführung. Die Handlung fesselt für knapp zwei Stunden das Publikum, entwickelt tiefere Bedeutung selbst in Szenen, die oberflächlich belächelt werden könnten. Es ist für das Ensemble nicht immer leicht, eine ernste Schauspieltragödie zu bringen, wenn ein Teil des Publikums nur auf Lachen eingestellt ist. Das Wagnis gelingt, was auch mit anhaltendem Schlussbeifall zum Ausdruck gebracht wird.

Marc Gelhart, Heinz Zomerland

Allens ut de Reeg (NDE)

Niederdeutsche Erstaufführung

ALLENS UT DE REEG

(Out of Order, Ausser Kontrolle)

Farce von Ray Cooney
Deutsch von Nick Walsh
Niederdeutsch von Arnold Preuß

Inszenierung und Bühne:
Arnold Preuß

Requisiten: Marianne Karstens
Souffleuse: Christel Dörnath
Inspizientin: Magita Pust
Maske: Heidi Strowik
Bühnenbildbau: Alfred Christoffers, Günter Scherf, Horst Vollbrecht
Bühnentechnik: Günter Michaels, Günter Newerla
Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Technische Leitung: Manfred Eilers

Rollen und Darsteller
Richard Willms - Horst Karstens
De Managerin - Roswitha Wunderlich
De Kellner - Klaus Aden
Inge Würdemann - Elke Theesfeld
Een Lief - Andre Gelhart
Schorsch Sööge - Marc Gelhart
Ronnie Würdemann - Nicolas C. Ducci
Pamela Willms - Marion Zomerland
Geesche Förster - Martina Jahn

 

Vorankündigung

Eine Farce von zeitloser Aktualität, führt sie uns doch einen hohen Politiker beim erneut angestrebten Seitensprung vor. In einer Suite des Hotels Excelsior, wenige Schritte vom Landtag entfernt und deshalb eine geschichtsträchtige Aussicht bietend, sollte sich Landwirtschaftsminister Richard Willms eigentlich auf seine Rede im Parlament vorbereiten. Statt dessen will er sich mit der leichtsinnigen Inge Würdemann vergnügen, der Sekretärin des Oppositionsführers.

Minister Willms (Horst Karstens) ist auf Abwegen (Elke Theesfeld)

Wer so etwas plant, sollte nicht in einem noblen Hotel absteigen, wo Service, Fenster und Türen schon reichlich Patina angesetzt haben. Deshalb werden ein nach oben zu öffnendes Schiebefenster und die ausgleierte Tür eines Schranks für das Paar auf Abwegen zum Verhängnis. Denn im Fenster steckt eine Leiche. Ein politischer Skandal allererster Güte droht. Minister Willms, wenn nicht sogar die gesamte, von peinlichen Pannen gebeutelte Regierung müsste zurücktreten. Also muss Willms Assistent Schorsch Sööge herbeieilen, um das drohende Chaos abzuwenden.

Hier geht es um geistreich ausgeklügelte Unterhaltung, um ein souverän konstruiertes Verwirrungs- und Verwechslungsspiel, das sich wie eine gut geölte Mechanik so reibungslos wie unerbittlich dreht. Und die leichtgängige Artistik, die Ray Cooney mit klingelnden Telefonen, klappernden Fenstern, polternden Türen, Leichen im Schrank, unverhofft auftauchenden Gattinnen und hereinstürmenden Ehemännern entwickelt, weist den Autor als Meister der Riffinesse aus. Der Londoner Komödienschreiber ist ein unumstrittener Meister seines Fachs. Die Farce hat in den letzten Jahren eine der höchsten Aufführungszahlen nicht nur an privaten Boulevard-Theatern, sondern auch an renommierten Staats- und Stadttheatern erreichen können und ein Ende des Erfolges ist noch nicht abzusehen.

Turbulenzen im Hotel (Marc Gelhart, Horst Karstens, Elke Theesfeld, André Gelhart)

Die Niederdeutsche Bühne Wilhelmshaven wird die niederdeutsche Übersetzung von Arnold Preuß als erste Bühne herausbringen und damit das Stück hoffentlich an den Beginn einer erfolgreichen Aufführungsserie an die niederdeutsch sprechenden Theater bringen. In der niederdeutschen Erstafführung spielen: Martina Jahn (Geesche Förster), Elke Theesfeld (Inge Würdemann), Roswitha Wunderlich (Hotelmanagerin), Marion Zomerland (Pamela Willms) Klaus Aden (Kellner), Nicolas C. Ducci (Ronnie Würdemann), André Gelhart (een Lief), Marc Gelhard (Schorsch Sööge), Horst Karstens (Minister Richard Willms)

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 29. Dezember 2000

Wenn der Landwirtschaftsminister einen Seitensprung vorbereitet...

Beifallssturm für "Allens ut de Reeg" der Niederdeutschen Bühne

Die "Leiche" (André Gelhart) und das "leichte" Mädchen (Elke Theesfeld)

Einen nicht enden wollenden Beifallssturm erntete am zweiten Weihnachtsabend die Niederdeutsche Bühne am Stadttheater Wilhelmshaven vor sehr gut besuchtem Haus mit dem Zweiakter "Allens ut de Reeg". Dieses Erfolgsstück des Engländers Ray Cooney war in der Übersetzung und Inszenierung von Arnold Preuß ein zweistündiger Großangriff auf sämtliche Lachmuskeln.

Die Farce spielt im heruntergekommenen Hotel Excelsior nicht weit vom Landtag. Natürlich hat es gar nichts mit realen Vorbildern zu tun, wenn dort Landwirtschaftsminister Richard Willms (Horst Karstens) statt sich auf die BSE-Debatte vorzubereiten lieber mit der attraktiven Oppositionssekretärin Inge (Elke Theesfeld) einen Seitensprung arrangiert. Doch kaum zeigt diese reichlich Haut werden die 'Koalitionsverhandlungen' von der Entdeckung einer Leiche (Andre Gelhart) gestört, die im runtergeklappten Schiebefenster hängt.

Die Leiche muss weg

Wozu ist Willms ein gewiefter Minister; die Leiche muss weg, die nervige Hotelmanagerin (Roswitha Wunderlich) muss beruhigt werden und den ebenso drögen wie pfiffigen Kellner (Klaus Aden) muss man eben mit Trinkgeld zur Diskretion bringen. Da ist nun Assistent Söge (Marc Gelhart) gefordert, der als tölpeliger Lulatsch allmählich zu ungeahnter Hochform aufläuft. Ständig in Bewegung plant der Minister blitzschnell und lügt und salbadert, wie es wohl nur eire abgebrühter Politiker versteht. Und auch, dass trotzdem alles quer läuft, liegt nicht an seinem ständigen Wirbeln. Es kommt eben im mer etwas dazwischen. Da holt er mit dem schreckhaften Söge die Leiche aus dem Schrank und wird vom Kellner überrascht, dem man sogleich ein "Kabarett der Konservativen" mit dem angeblichen Söge-Bruder vortanzt.

Überhaupt gerät der Schrank zum beliebten Abstellversteck für diverse Akteure und immer aufs Neue steigen Leute durch das kaputte Fenster ein und aus. Die Turbulenzen werden durch ständig neue Lügen und Missverständnisse angeheizt. Wobei die Leiche und ihre Beseitigung zunehmend in den Mittelpunkt geraten. Es ist zwerchfellerschütternd und oft geradezu atemberaubend, wie der Bleichling herumgeworfen, aufgehängt und als Marionette bewegt wird. Andre Gelhart gebürt ein Sonderlob für diesen intensiven Körpereinsatz, aber auch dafür, dass er tatsächlich nie eine Miene verzieht. Die Ereignisse überschlagen sich auch ansonsten und schließlich erhöht das Erschei nen von Inges wildgewordenem Ehemann Ronni (Nicolas C. Ducci), der ahnungslos blonden Ministergattin Pamela (Marion Zomerland) und der zierlich gestrengen Schwester Geesche (Martina Jahn) noch das Wirrwarr. Da überschlägt sich die Situationskomik und allerlei Frivolitäten geben ebenso ihre Würze dazu wie einige Kleidungsprobleme. Klamauk und Chaos feiern fröhliche Urständ und das gesamte Ensemble sprühte an diesem Premierenabend vor Spielfreude. Horst Karstens mit seinem riesigen Textpensum und Marc Gelharts quengelige Hampelei als drangsalierter Assitent verdienen mit ihren Leistungen noch aus dem guten Ensemble herausgehoben zu werden. Wie der Klamauk dann endet, soll hier nicht verraten werden. Darauf dürfen sich die Besucher der weiteren Vorstellungen am 7., 13., 14., 21. und 30. Januar jeweils um 20 Uhr sowie am 14. und 21. Januar um 15.30 Uhr freuen. wan

JEVERSCHES WOCHENBLATT vom 28. Dezember 2000

Turbulenzen in Hotelsuite 648 machen Stimmung

Niederdeutsche Bühne am Stadttheater Wilhelmshaven mit deutscher Erstaufführung "Allens ut de Reeg"

von Ernst Richter

Schwester (Martina Hofmann)  und Sööge (Marc Gelhart)  im Clinch

Wilhelmshaven. Die Niederdeutschen Theater leben von und mit der plattdeutschen Sprache. Um sie zum Klingen zu bringen muss das Umfeld - die Handlung und auch das Bühnenbild - stimmen. Dieser "Dreiklang" macht das plattdeutsche Spiel zu einem besonderen Erlebnis. Es nützt also kaum etwas, eine erfolgreiche Komödie, einen deftigen Schwank, eine Lustspiel oder vielleicht einen Krimi einfach ins Plattdeutsche zu übertragen, um den Bühnenerfolg gleichsam vorzuprogrammieren. Alles muss stimmig sein.

Das wissen und wussten auch die bekannten Autoren der niederdeutschen Sprache. Ihre Klassiker, die immer wieder den Spielplänen der Niederdeutschen Bühnen erscheinen, beweisen es. Ob die jüngste deutsche Erstaufführung der Niederdeutschen Bühne am Stadttheater Wilhelmshaven diesen Ansprüchen gerecht wird, mag das Publikum entscheiden.

Die Premierenbesucher amüsierten sich jedenfalls köstlich mit der Farce "Allens ut de Reeg" von Ray Cooney, ins Hochdeutsche übersetzt von Nick Walsh und ins Plattdeutsche übertragen von Arnold Preuß, der auch die Regie übernommen hat.

Das Bühnenbild führt die Besucher in eine Hotelsuite der Mittelklasse. Dort hat sich ein hoher Politiker eingemietet, es soll sich um den Landwirtschaftsminister Richard Willms handeln, der von Horst Karstens souverän dargestellt wird. Dieser möchte mit der jungen, temperamentvollen Oppositions-Sekretärin Inge Würdemann, charming gespielt von Elke Theesfeld, einen Seitensprung riskieren. Doch dazu kommt es nicht, denn im Fensterkreuz des Zimmers hängt eine Leiche.

Der Minister ist der Lage gewachsen, packt den Toten in den Kleiderschrank und ruft sei nen Assistenten Schorsch Söge zu Hilfe, den Marc Gelhart bravourös verkörpert. Nur der Ministerpräsident muss wegen der anberaumten BSE-Debatte etwas auf seinen Landwirtschaftsminister warten, er vermutet seinen Minister im Staatlichen Museum und nicht etwa im Hotel "Exelsior".

Diese Seitensprung-Hindernisse könnten ja noch bewältigt werden, wenn da nicht ständig Klaus Aden als Hotelkellner und Roswitha Wunderlich als Hotelmanagerin umschichtig aufkreuzen und die Therapie durcheinander bringen würden. Die Story wird von Minute zu Minute heikler und undurchsichtiger. Clever wie Politiker sind, entwickelt der Minister eine Lügengeschichte, die immer rasantere Formen annimmt, zumal die jeweiligen Ehepartner der des Seitensprung-Duos auftauchen. Marion Zomerland spielt Pamela Willms, die Frau des Ministers, und Nicolas C. Ducci den total eifersüchtigen Ronni Würdemann.

Um die Turbulenzen noch weiter zu steigern, tritt auch noch Martina Jahn als Pflegeschwester Geesche auf und mischt in dem Durcheinander mit ständigen Auf-und Abgängen durch Fenster und Türen kräftig mit. Selbst die Leiche wird bei solchen Eskapaden wieder lebendig und entpuppt sich als Privatdetektiv, verkörpert von Andre Gelhart.

Das Publikum amüsiert sich trefflich und lässt einen zuvor wohl nie gehörten Aufschrei los, als der eifersüchtig wütende, nur mit einem Badetuch bekleidete Ronni Würdemann bei einem Abgang auch dieses noch fallen lässt. Das wäre doch was für Silvester gewesen. Der Originaltitel der deutschen Übersetzung aus dem Englischen heißt "Außer Kontrolle". Und tatsächlich gerät die Handlung zu Ende der Aufführung etwas außer Kontrolle. Es entwickelt sich ein atemberaubendes Verwechslungs-Tohuwabohu.

Nach der Premiere am zweiten Weihnachtsfeiertag im Stadttheater stehen weitere sieben Aufführungen von "Allens ut de Reeg" auf dem Programm der Niederdeutschen Bühne und zwar am 7., 13., 14., 21. und 30. Januar, jeweils Beginn um 20 Uhr, sowie am 14. und 21. Januar zusätzlich um 15.30 Uhr. Karten sind im Vorverkauf beim ServiceCenter der Landesbühne und an der Abendkasse erhältlich.

Horst Karstens als Minister Willms und Marc Gelhart als Assistent Sööge

De Bürgermeisterstohl (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

DE BÜRGERMEISTERSTOHL

Komödie von Adolf Woderich
Fasssung für Wilhelmshaven von Armin Tacke

Inszenierung: Armin Tacke a.G.
Bühnenbild:
Verena Oppermann a. G.

Bühnenbau: Alfred Christoffers, Günter Scherf, Horst Vollbrecht
Bühnentechnik: Günter Michaels, Günter Newerla
Inspizientin: Anne Hillers
Souffleuse: Christine Wessolek
Requisten: Monika Eilers
Maske: Margita Pust
Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Technische Leitung: Manfred Eilers

Rollen und Darsteller
Stine - Hanna Christoffers

Lena - Karin Heyel
Mette - Herta Tapken
Hertha - Marianne Karstens
Mudder Klasen - Hildegard Steffens
Willem - Horst Jönck
Hannes - Günter Boye
Peter Klasen - Ralf-Peter Lauxtermann
Frieda Klasen - Heidi Strowik
Hinnerk - Horst Karstens
Kinder
Karina Harms, Silke Schmidt,
Insa Schölermann, Dana Stolte,
Fenja Strowik, Jasmin Vanderschot, Sontka Zomerland

Vorankündigung

Obwohl das Niederdeutsche Theaterspiel wie wir es heute kennen, erst seit etwa 80 Jahren einem breiteren Publikum bekannt wurde, gibt es dennoch schon einige Theaterstücke, die man getrost als Klassiker auf den Theaterbrettern der "niederdeutschen" Welt bezeichnen darf. Einen solchen Klassiker hat Adolf Woderich mit dem Stück "De Börgermeisterstohl" geschrieben. Zum Klassiker ist dieses Stück mit Sicherheit nicht zuletzt deshalb geworden, weil es in der guten alten Ohnsorg-Zeit mit allen bekannten Stars wie Heidi Kabel, Erna Raupach-Petersen, Hilde Sicks, Ernst Grabbe, Heini Kaufeld, Heinz Lanker, Rolf Bohnsach und andere mehr über die "Flimmerkiste" in unser Wohnzimmer kam.

Auch die Niederdeutsche Bühne Wilhelmshaven verfügt über eine Reihe von altbekannten Darstellern, die unser Publikum über die Jahre hinweg gern gesehen und zum Teil richtig lieb gewonnen hat. Das Stück bietet eine große Anzahl von herrlichen Charakterrollen, sei es den plietschen Bürgermeister, der einen neuen bequemen Lehnstuhl für das Seniorenheim spendet (ob aus Mildtätigkeit oder wahltaktischen Gründen?), sei es die püke Krankenschwester, die den fidelen männlichen Bewohnern den Kopf verdreht , sei es die hartherzige Schwiegertochter, die ihren willensschwachen Mann dazu bringt, seine eigen Mutter ins Altersheim abzuschieben oder seien es die vier sehr unterschiedlichen, weiblichen Bewohnerinnen des Seniorenheims, die sich allesamt Hoffnung darauf machen, auf dem vom Bürgermeister gespendeten Stuhl sitzen zu dürfen.

Das es in einem Seniorenheim im Zwischenmenschlichen manchmal wieder so zu geht, wie zu der Zeit, als wir uns das erste Mal verliebt haben, aber eben auch dies ein Ort des Abschiednehmens und des Alleinseins ist, wird hier mit den heiteren und unterhalten Mitteln der Komödie erzählt. Erstmals wird Armin Tacke als Gastregisseur an der Niederdeutschen Bühne Wilhelmshaven arbeiten. Es spielen Hanna Christoffers, Dagmar Grube, Karin Heyel, Marianne Karstens, Hildegard Steffens, Heidi Strowik, Herta Tapken, Günter Boye, Horst Jönck, Horst Karstens und Rolf-Peter Lauxtermann sowie die Kinder der Theaterschule Karina Harms, Silke Schmitt, Insa Schölermann, Dana Stolte, Fenja Strowik, Jasmin Vanderschot und Sontka Zomerland

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 (v.l.) Horst Karstens, Dagmar Grube

WILHELMSHAVEN am 6.11.2000

"De Bürgermeisterstohl" hat am 11. 11. Premiere.

Aus persönlichen Gründen kann der Berufsregisseur Armin Tacke, der erstmals an der Niederdeutschen Bühne gastiert, das Stück "De Bürgermeisterstohl" nicht zu Ende inszenieren. Für ihn übernimmt das Ensemblemitglied und langjährige Bühnenleiter Arnold Preuß die Regie. Durch diese spontane Übernahme ist der Premierentermin gerettet und wir können uns auf die bekannte Komödie von Adolf Woderich freuen, die in Wilhelmshaven in einer von Armin Tacke bearbeiteten Fassung gespielt wird.

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 13.11.2000

Entscheidende Frage: Wer ist hier die Älteste?

Premiere bei der Niederdeutschen Bühne

Von Inga Hellwig

Kleine Gemeinheiten und Sticheleien bestimmen den sonst eher eintönigen Alltag von Stine, Lena, Mette und Hertha. Das Streitobjekt: Ein vom Bürgermeister gespendeter Stuhl und die damit verknüpfte, auch für die alten Damen etwas zweifelhafte Ehre, die Älteste zu sein. Denn, so hat es sich der Bürgermeister zum 85. Geburtstag von Stine ausgedacht, nur die oder der Älteste aus dem Kreise der Bewohner des städtischen "Ollenhuuses" darf sich in dieser besonders bequemen Sitzgelegenheit vom Leben ausruhen.

Das Stück "De Bürgermeisterstohl" von Adolf Woderich, mit dem die Niederdeutsche Bühne am Samstagabend die Premiere ihrer 2. Inszenierung dieser Theatersaison zeigte, spielt in einem Altersheim. Es zeigt die komischen und die traurigen Seiten im Dasein der Menschen, die zum Teil keine Familie mehr haben oder einfach abgeschoben wurden. Manchmal sind solche alten Leute schon kindisch, manchmal können sie aber auch sehr weise sein.

Unter der Regie von Arnold Preuß, der kurzfristig für Armin Tacke einsprang, konnten Fans der "Niederdeutschen" ein Wiedersehen mit vielen ihrer altbekannten Schauspieler wie Hanna Christoffers (Stine), Herta Tapken (Mette) oder Hildegard Steffens als Mudder Klasen feiern. Vor einem aufwendigen Bühnenbild zeigten die Darsteller, dass sie schauspielerisch keinesfalls zum alten Eisen gehören. Mit Einfühlungsvermögen ließen sie trotz aller Komödie immer wieder durchblicken, dass das Thema" Leben im Alter" nicht nur aktuell, sondern oft auch weniger komisch ist.

Das Publikum bekam natürlich trotzdem viel zu lachen. Vor allem Lena (Karin Heyel), die als "Jüngste" sehr wenig Chancen hat, bald in dem bequemen Bürgermeistergeschenk auszuruhen, und ihren Mitbewohnern und der Pflegeschwester Toni mit gezielten Seitenhieben und Meckereien das Leben schwer macht, hatte die Lacher auf ihrer Seite. Vermittelnd, aber nicht weniger lustig, agierten Willem (Horst Jönk) und Hannes (Günter Boye). Sie stellten klar, dass "ok wenn wi uns mal bi de Haar hefft, de Wahrheit is, dat wi uns hier ganz mollig föhlt". Und ganz zum Schluss beschließen die Alten, dass der Bürgermeister noch mal tief in die Tasche greifen muss: Egal ob 80 oder 85: Alle haben das Recht, ihren Lebensabend so bequem wie möglich zu verbringen.

JEVERSCHES WOCHENBLATT vom 14.11.2000

Krach im Olenhus um "De Börgermeisterstohl"

Niederdeutsche Bühne am Stadttheater in Wilhelmshaven zeigt humorige Turbulenzen aus dem Altenheim und erntet dafür reichlich Applaus

von Ernst Richter

Krach im Ollenhus. Am Kaffeetisch geht's schon los mit den kleinen Sticheleien der Heimbewohner, Pflegeschwester Toni schimpft, nie kann man es den Leuten recht machen. Das sind die kleinen AlItagsgeschichten aus einem Alten-oder Seniorenheim. Die Niederdeutsche Bühne am Stadttheater Wilhelmshaven bleibt bei der ausgemusterten Bezeichng Altersheim.

Dort beginnt die Komödie "De Bürgermeisterstohl" in drei Törns von Adolf Woderich. Die Regie führt als Gast Armin Tacke, Ausstattung Verena Oppermann. Und dort endet auch das lustig Speel. Eine richtige Handlung gibt es eigentlich nicht. Vier alte Damen, Stine, die Älteste, feiert gerade ihren 85. Geburtstag, krakeelen und schimpfen miteinander. Die beiden ollen Mannslü geben ihren Senf dazu, fühlen sich wie "im Wartesaal zur letzten Reise". Es ist wie aus dem Leben gegriffen.

Und das ebenfalls meist ergraute Stammpublikum identifiziert sich mit den Sticheleien. Kommentare aus dem Publikum: "Wie die sich wieder angezogen hat", oder "Die Teetante kann ruhig ein bisschen freundlicher mit den alten Frauen umgehen", oder "Kiek, die will sich wieder an den Ollen ranmachen", und als dann als Prunkstück von Bürgermeisterstohl im Raum steht, auf den sich nur die älteste Heimbewohnerin setzen darf, um nach einem arbeitsreichen Leben auszuruhen und sich stattdessen eine etwas jüngere Mitbewohnerin ungeniert draufsetzt, empörte Stimme aus dem Publikum: "Darf die das?"

So trifft dieses zweite Stück der Saison 2000/2001 wohl den Geschmack des alteingesessenen Publikums, neue Theaterfreunde wird die Bühne damit aber nicht gewinnen können. Doch das Speel geht weiter. Wie gesagt, der Bürgermeisterstohl kommt als Geburtstagsgeschenk für Stine (85) an. Allerdings ist es ein zusammenklappbarer Liegestuhl für die Gartenlaube, um den ältere Personen meist einen Bogen machen, weil man vor Überraschungen nicht sicher ist, sollte man sich weder draufsetzen oder hineinlegen. So hat dieser Bürgermeisterstohl wohl symbolische Bedeutung.

Ja, und dann bringen die Eheleute Klasen ihre Mutter ins Altersheim. Ein Neuzugang, der zunächst gar nicht damit einverstanden zu sein scheint. Urplötzlich taucht Bruder Hinnerk aus Amerika auf, kanzelt Peter Klasen ab, wie er Muttern nur ins Altersheim bringen kann und hat die Idee, Mutter mit auf seinen Hof mit 150 Kühen nach Oklahoma mitzunehmen.

Währenddessen geht das Gerangel um den Bürgermeisterstohl weiter. Hier heißt es nicht, wer ist die Schönste im ganzen Land, sondern, wer ist die Alteste im Heim? Da kommt die Spende des Besuchs aus Amerika gerade recht, jeder Heimbewohner erhält seinen Bürgermeisterstohl. Und zur allgemeinen Überraschung verkündet Mutter Klasen, dass noch ein weiterer Bürgermeisterstohl hinzukommen müsse, weil sie nicht mit ihrem Sohn nach Amerika mitgeht, sondern lieber im Altersheim bei den lieben netten Heimbewohnern bleiben möchte. Das macht Freude und für manchen Besucher Lust auf einen späteren Platz im Seniorenheim. Krach im Altersheim bedeutet Spaß für die Zuschauer des neuen Stückes der Niederdeutschen Bühne am Stadttheater in Wilhelmshaven.

Es spielten Stine (Hanna Christoffers), Mudder Klasen (Hildegard Steffens), Peter Klasen (Rolf-Peter Lauxtermann), Lena (Karin Heyel), Willem (Horst Jönck), Hannes (Günter Boye), Frieda Klasen (Heidi Strowik), Mette (Herta Tapken), Hertha (Marianne Karstens), Pflegeschwester Toni (Dagmar Grube), Hinnerk Klasen (Horst Karstens).

Wilhelmshavener Zeitung vom 01.12.2000

Lachen mit bitterem Beigeschmack

Zur Rezension über das Stück "Bürgermeisterstohl" in der WZ vom 13. November schrieb Dagmar Ramrath aus 26121 Oldenburg, Zeughausstrasse 74, folgenden Leserbrief:

Gerne bin ich aus Oldenburg nach Wilhelmshaven ins Stadttheater zur Niederdeutschen Bühne gekommen. Die Kritik lässt trotz einiger richtiger Aspekte für mich viele Punkte missen.

Richtig ist, dass das Stück "Bürgermeisterstohl" die komischen und traurigen Seiten im Dasein alter Menschen zeigt. Es ist jedoch auch (und vor allem) ein Stück, das mit Witz, Charme und Einfühlsamkeit den Umgang unserer Gesellschaft mit " unseren Alten" beschreibt. Es ist auch richtig, dass das Publikum viel zu lachen bekam - allerdings war es ein Lachen mit bitterem Beigeschmack. Ebenfalls richtig ist, dass das Bühnenbild aufwändig ist - es war sehr gut gewählt als Sinnbild für Alter, Abschiebung und Zerfall.

Vermisst habe ich außerdem eine Würdigung der Leistungen der Schauspieler. Das Publikum war jedenfalls begeistert und ging amüsiert und zugleich nachdenklich nach Hause.

Wilhelmshavener Zeitung vom 09.12.2000

Großes Engagement

Über die Premiere des Stückes " De Bürgermeisterstohl" schrieben Ilka und Marc Endert, Blankeneser Chausee 50, Schenefeld folgenden Leserbrief an "Das schreib ich mal dem Jan":

Lieber Jan!

Anlässlich der Premiere des Stückes "De Bürgermeisterstohl" haben wir, zwei begeisterte Zuschauer der Niederdeutschen Bühne, einen anregenden und unterhaltsamen Theaterabend erlebt.

Man kann das Engagement der Laiendarsteller und des Teams im Hintergrund gar nicht groß genug herausstellen. Hintergründig und manchmal mit Galgenhumor hat es das Ensemble verstanden, den letzten Lebensabschnitt der alten Herrschaften mit all seinen lustigen, sarkastischen und auch tragischen Seiten darzustellen.

Alle Akteure trugen durch ihr schauspielerisches Können und Engagement zum Gelingen der Aufführung bei.

Medewatt ? (1. WA)

1. Wiederaufführung (2), davor 1985/86 gespielt

MEDEWATT?

Familien-Farce in drei Akten von Johann-Maria Meredig

Inszenierung: Elke Theesfeld
Regieassistenz: Marc Gelhart
Bühnenbild: Leihgabe Staatstheater Oldenburg

Bühnenbildbau Günter Michaelis, Günter Newerla,
Günter Scherf, Horst Vollbrecht
Technischle Leitung: Manfred Eilers
Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Inspizient: Klaus Panka
Souffleuse: Margitta Pust, Heidi Strowik
Requisiten: Monika Eilers

Rollen und Darsteller
Ernst-Martin Fleischhauer - Michael Hillers
Gerhild, sien Fro - Marion Zomerland
Ernst-Friedrich, jemehr Söhn - Andre Gelhart
Rudolf Lehrmann, gen. Rudi - Harald Schmidt
Gaby, sien Fro - Christel Dörnath
Susanne, jemehr Dochter - Claudia Schröder

Vorankündigung

Die Niederdeutsche Bühne als Vorbild für "Big Brother" oder "Inselduell"? So könnte man meinen, wenn man das Stück "Medewatt?" gesehen hat. Aber 1986, als Johann-Maria Meredig das Stück schrieb, war vom Voyeurfernsehen, wie es heute die Massen in seinen Bann zieht, noch weit und breit nichts zu sehen. Meredig, übrigens ein Pseudonym eines bekannten Charakterdarstellers aus Film, Theater und Fernsehen, läßt auf einer imaginären Hallig mit Namen "Medewatt" eine Familie für 14 Tage Urlaub in der einzigen Ferienhütte der Insel machen. Sie haben sich für diesen Urlaub einem soziologischen Institut zur Verfügung gestellt. Sie sind für 14 Tage von der Zivilisation abgeschnitten und völlig auf sich allein gestellt, also kein Fernseher, kein Radio, kein Telefon, kein Gameboy, keine Pommes..... wunderbar.

Nun wollte es das Schicksal, dass durch einen Computerfehler (oder war es vielleicht doch die Absicht des Instituts?) nicht eine Familie auf Medewatt eintrifft, sondern nach den Fleischhauers, einem Lehrerehepaar mit hoffnungsvollem Filius, trifft auch die Familie Lehrmann, ein selbständiger Fleischermeister, mit reizender Tochter, ein. Nun wird es eng auf der Hallig und in den Alkoven. Die Insel und die Hütte wird kurzerhand in zwei feindliche Lager aufgeteilt. Mit dem schöngeistigen Lehrerehepaar und dem proletarischen Schlachtermeister treffen zwei Welten aufeinander, die vor schier unlösbaren Konflikten stehen, wenn da nicht ein zartes Pflänzchen mit Namen "Liebe" zwischen den Kindern der beiden konkurrierenden Familien zu wachsen beginnen würde, und wenn nicht ein heimlich eingeschmuggelter Fernsehapparat mit der Übertragung eines Fußballspiels für eine überraschende Wende in diesem köstlichen "Inselduell" sorgen würde.

Für viele Abonnenten und Freunde der Niederdeutschen Bühne gibt es mit diesem Stück ein Wiedersehen, denn 1986 hatte "Medewatt?" in Wilhelmshaven seine Uraufführung erlebt und damals für turbulentes, pointenreiches Boulevardtheater gesorgt. Bei dieser Neuinszenierung führt erstmals Elke Theesfeld Regie. Die Darsteller sind Christel Dörnath, Claudia Schröder, Marion Zomerland, André Gelhart, Michael Hillers und Harald Schmidt.

 (v.l.) Michael Hillers, Marion Zomerland, Claudia Schröder, Christel Dörnath, Harald Schmidt

 JEVERSCHES WOCHENBLATT vom 06.10.2000

"Ein Familienstreit auf einsamer Nordseehallig"

Die Niederdeutsche Bühne eröffnet die neue Spielzeit 2000/2001

Von Ernst Richter

Die Niederdeutsche Bühne eröffnete mit der Familienfarce "Medewatt?" von Johann-Maria Meredig die neue Spielzeit. Das Bühnenbild, überlassen von der August-HinrichsBühne Oldenburg, eröffnet den Blick auf eine Landschaft mit Aussichtshügel und eine Ferienblockhütte, in der so allerhand passiert. Unter der Regie von Elke Theesfeld spielen zwei Familien die Hauptrolle. Beide kommen am gleichen Tag auf der Hallig Medewatt an und jede beansprucht für sich das Besitzrecht an der Hütte für den zweiwöchigen Ferienaufenthalt. Da nun aber das Schiff erst nach zwei Wochen wieder in Medewatt anlegt, müssen die beiden Familien notgedrungen miteinander auskommen, was zur Erheiterung des Theaterpublikums schwer genug ist.

Die Familie des Oberstudiendirektors Ernst-Martin Fleischhauer (Michael Hillers) besteht aus ihm, seiner Frau Gerhild (Marion Zomerland) und Sohn Fiedi (Andre Gelhart). Dazu gesellt sich dann die Familie Lehrmann mit Fleischermeister Rudi Lehrmann (Harald Schmidt), seiner Frau Gabi (Christel Dörnath) und Tochter Susanne (Claudia Schröder). Damit sind die Rollen verteilt. Das Spiel kann beginnen, und Harald Schmidt kurbelt die Komödie an, bringt das Zwerchfell des Publikums in Schwingungen. Man streitet sich, hier der etwas dröge Oberstudiendirektor mit seiner vom Standesdünkel besessenen Frau Gerhild und dort der nicht auf den Mund gefallene biedere Handwerksmeister Rudi mit seiner kritisch veranlagten und immer aktiv agierenden Frau Gabi.

Die Streitereien und witzigen Auseinandersetzungen amüsieren die Zuschauer, die mit Beifall auf offener Szene nicht geizen. Der Handlungsstoff ist, genauer betrachtet, recht dürftig, Regie und Ensemble machen das Beste daraus. Die jungen Leute finden sich nach und nach und werden erst zu guter Letzt ein verlegenes Liebespärchen. Die Annäherung der beiden Mannslü erfolgt während der Fernsehübertragung eines Fußballspiels. Ernst-Martin und Rudi nutzen die Gunst der Stunde, genehmigen sich ein paar Buddel Bier, lenzen die Flasche Köm und entdecken dabei gemeinsame Veranlagungen als Freunde.

Die Frauen haben sich längst in die Schlafbutzen zurückgezogen. Keine der beiden bemerkt, dass sich der falsche Mann zu ihr ins Bett gelegt hat und nahezu volltrunken sofort entschlummert ist. Der Krawall setzt erst am nächsten Morgen beim Frühstück ein. Es geht rund mit Gerhild und Gabi. Leuchtkugeln werden aus der Signalpistole abgefeuert Ein Hubschrauber naht - und bringt weitere Gäste, die Urlaub macheri wollen.So kann es gehen, wenn die Zimmervermittlung nicht funktioniert.

"Medewatt" bietet ein unterhaltsames Theatervergnügen. Harald Schmidt zieht als Fleischermeister Lehrmann die komödiantischen Trümpfe aus dem Ärmel, steckt voller Humor, den er treffsicher ausspielt. Ernst-Martin Fleischhauer spielt den etwas zugeknöpft und eigenbrötlerisch wirkenden Oberstudiendirektor. Marion Zomerland hat keine Probleme, den Studiendünkel zu parodieren. Christel Dörnath verkörpert die solide, mitten im Leben stehende Meisterfrau. Andre Gelhart und Claudia Schröder können als Fiedi und Susanne der Handlung keine bemerkenswerte Akzente aufsetzen.

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 02.10.2000

"Streit um Intellekt und Salami"

Bei der Premiere der Niederdeutschen Bühne durfte aus vollem Hals gelacht werden

Von Inga Hellwig

Drei Akte lang flogen auf der Bühne verbal die Fetzen, während die Zuschauer aus dem Lachen gar nicht mehr herauskamen: Mit einer gelungenen Premiere, eröffnete die Niederdeutsche Bühne am Samstag Abend die Saison für die Fangemeinde des Plattdeutschen Theaters. Die Familien-Farce "Medewatt" (Johann-Maria Mereding) in der Inszenierung von Elke Theesfeld, ist ein echter Spass.

Perfekte WG-Partner sind der Oberstudienrat Ernst-Maria Fleischhauer (Michael Hillers) mit Frau Gerhild (Marion Zomerland) und Sohn Fiedi (Andre Gelhard) und Schlachtermeister Rudi Lehmann (Harald Schmidt) mit Frau Gabi (Christel Dörnath) und Tochter Susanne (Claudia Schröder) wahrhaftig nicht: Bei einer Reise, die als Experiment eines sozialwissenschaftlichen Forschungsinstituts und des Familienministeriums organisiert wurde, landen die Familien, die unterschiedlicher nicht sein können, versehentlich gleichzeitig in einem Haus auf einer winzigen Hallig. Erst 14 Tage später können sie wieder abgeholt werden.

Die Männer kommen sich bei den wesentlichen Dingen des Lebens - Bier und Fußballübertragung - schließlich näher. Nachdem sie volltrunken die Kojen verwechseln, haben auch ihre Frauen deutlich mehr gemeinsam, als ihnen eigentlich lieb ist. Nur die Kinder halten sich - Amor sei Dank - aus dem Streit um "Intellekt und Salami" heraus.

Humorvoll wird sich in "Medewatt" aller verfügbaren Klischees bedient und so dem Zuschauer und menschlichen Schwächen der Charaktere ironisch vorgeführt. Um so überraschender ist schließlich das Ende. Auch wenn sich die Wogen deutlich geglättet haben - nicht auf ein "Happy End" läuft alles hinaus - sondern auf die Fortsetzung der Katastrophe.

Besonders gelungen: Fleischermeister Lehmann (Harald Schmidt) - der mit seinen Spitzen durchaus mit "Ekel Alfred" mithalten konnte. Für seine Leistung (inklusive Striptease-Einlage) wurde er mit stürmischem Applaus bedacht. Für ihn war die Aufführung übrigens sein erster Bühnenauftritt, dem hoffentlich noch eine Reihe folgen werden.

Ebenso wie Harald Schmidt, als Fleischermeister, Lehmann, konnte Claudia Schröder als seine Tochter Susanne, ihre viel versprechende Premiere auf der Bühne feiern. Die Inszenierende, Elke Theesfeld, hatte mit dem witzigen und originellen Stück "Medewatt" ihr Regiedebüt. Die Leistung des Ensembles der Niederdeutschen Bühne wurde mit viel Szenenapplaus und am Ende mit verdientem Beifall belohnt. Die weiteren Aufführungstermine sind am 9., 10., 21. 22. und 29. Oktober, jeweils um 20 Uhr, am 22. und 29. 10. zusätzlich um 15.30 Uhr.

In Luuv un Lee die Liebe (1. WA)

1. Wiederaufführung (2.), davor 1976/77 gespielt

IN LUUV UN LEE DIE LIEBE

Lustspiel in drei Akten von Friedrich Lindemann

Inszenierung, Bühne und Musik: Stefan Brosig

Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Requisiten: Marianne Karstens

Rollen und Darsteller
Braß, Kapitän - Klaus Aden
Hollesen, Steuermann - Marc Gelhart
Dreesen, Bootsmann - Jürgen Tapken
Jonny, Matrose - Nicolas Ducci
Moses, Schiffsjunge - André Gelhart
Milly Groß, Wirtin - Christine Fein
Betty Groß, deren Tochter - Martina Jahn
Olga - Elke Theesfeld
Doktor - Rolf-Peter Lauxtermann
Bleyer, Zollbeamter - Claus Miehlke
zwei Bordsteinschwalben - Margita Pust, Heidi Strowik

Hollesen (Marc Gelhart) und Betty Groß (Martina Jahn)

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 9. April 2000

„In Luv und Lee die Liebe"

Viel Beifall für die „Niederdeutsche" - Jubiläum: Klaus Aden

Von Inga Hellwig

Hafenromantik, Kuddelmuddel, Seemannsgarn, Liebe, Intrigen und eine Prise Schmuggelei - mit dieser unterhaltsamen Kombination gab sich das Ensemble der Niederdeutschen Bühne unter der Regie von Stefan Brosig am Sonntagabend im Stadttheater die Ehre: Mit gewohnter Spielfreude und viel Humor gingen die Darsteller damit in die letzte niederdeutsche Premiere dieser Theatersaison.

In dem Lustspiel „In Luv und Lee die Liebe" von Dietrich Lindemann in der überarbeiteten Fassung des Regisseurs Stefan Brosig dreht sich alles um eine Schiffsapotheke, die Kapitän Brass (Klaus Aden) vom Doktor (Rolf Peter Lauxernmann) aufgedrängt bekommt, der „blaue Peter" ist schon am Mast: Kurz davor, auszulaufen, muss die Besatzung des Schlickrutschers in Liebesdingen noch „alles klar" machen. Kapitän Brass verlobt sich mit der Gastwirtin Milly Gross (Christine Fein). Ihre Tochter Betty Gross hat derweil Krach mit ihrem Geliebten Steuermann Hollesen (Marc Gehlhart).

Die Hafendirne und eifersüchtige Ex-Freundin des Doktors, Olga (Elke Theesfeld), gibt dem Zollsekretär Bleyer (Claus Mielke) den Tipp, dass in der Schiffsapotheke Kokain geschmuggelt werden soll. Der Inhalt dieser Apotheke unterliegt einem steten Wandel, denn die Schiffsbesatzung lässt sich einiges einfallen, um an den in ihr vermuteten Schnaps zu kommen.

Zu guter Letzt landet das Kokain in der Handtasche der ahnungslosen Betty Gross und sorgt dann bei den Ermittlungen des Zollsekretärs Beyer gehörig für Verwirrung und diverse Festnahmen. Der Schnaps landet natürlich im Magen des Matrosen Jonny (Nicolas C. Ducci) und des (großartig gespielten) Bootsmanns Dreesen (Jürgen Tapken).

Auf Seiten der Zuschauer gab es bei der Betrachtung dieses spaßigen Durcheinanders in drei Akten viel zu Lachen. Besonders gelungen waren, neben der schauspielerischen Darbietung, die Kostüme - insbesondere die der drei Dockschwalben. Sahnehäubchen des gelungenen Regiedebüts des Wilhelmshavener Regisseurs Brosig waren die in die Aufführung eingestreuten Musikarrengements. Das Premierenpublikum im gut besuchten Stadttheater war „al tofreden" und bedachte das Ensemble mit voll verdientem langen Schlussapplaus. Sonderapplaus gab es für Klaus Aden, der in der Rolle des Kapitän Brass ein 40. Bühnenjubiläum feiern konnte.

Käpt´n Brass (Klaus Aden), Jonny (Nicolas Ducci), Moses (André Gelhart), Dreesen (Jürgen Tapken) und Hollessen (Marc Gelhart)

JEVERSCHES WOCHENBLATT vom 10. April 2000

Ein Spiel um Liebe, Genever und Rizinus

Niederdeutsche Bühne Wilhelmshaven schließt die Saison 1999/2000 mit maritimen Turbulenzen ab

Von Ernst Richter

Wilhelmshaven. Der „Eiserne" hebt und gibt die Bühne des Stadttheaters frei: Ein Frachter liegt am Kai, auf dem sich allerlei Leute tummeln: Seeleute, Grünröcke vom Zoll, „Küstenschwalben" und andere Frauenpersonen. Es herrscht Hochbetrieb. Das Lustspiel kann beginnen: „In Luv und Lee die Liebe" in drei Törns von Friedrich Lindemann in der Fassung von Heinz Lanker und eingerichtet für die Niederdeutsche Bühne Wilhelmshaven von Stefan Brosig. Gleich fängt mit ihrem taufrischen Charme die Seute Deern Betty nicht nur das Publikum des Stadttheaters ein, sondern umgarnt auch ihren Steuermann Hollesen. Sie rät ihm abzumustern, um auf einen größeren Dampfer umzusteigen. Er hat schließlich das Zeug einschließlich Patent dazu. Kann was werden. Aber er will nicht. Zu ärgerlich.

Da tritt Olga, eine der drei „Küstenschwalben", in knisterndem Rot auf den Plan, bezirzt den Steuermann und verabredet einen Treff. Mit allen Wassern der Meere gewaschen ist der Bootsmann Dreesen, er hat seine Erfahrungen mit den Deerns gemacht und weiß, wo es lang geht. So entwickelt sich ein Spiel im Luv und Lee der Liebe. Halt, kein Schiff sticht ohne Kapitän in See - und dieser namenlose Dampfer hat bereits den „Blauen Peter" gesetzt, ist bereit zum Auslaufen. Da kommt der Kapitän auch schon daher mit seiner Milly, die es auf ihn abgesehen hat.

Szenenwechsel. Wir gehen vom Kai an Bord. Eigentlich wäre nun alles klar zum Ablegen, wenn da nicht der Doktor, groß wie ein Mastbaum, in Erscheinung getreten wäre. Der dreht dem Käpt'n eine Schiffsapotheke an. Doch eben diese Apotheke sorgt für Spannung, die eigentlich nichts mit dem Thema Liebe zu tun hat. Der Zollsekretär Bleyer schleicht auch schon interessiert spionierend im Schiff herum. Längst hat die Besatzung den Genever in der Hausapotheke entdeckt und gegen klares Wasser ausgewechselt. Hat der Käpt'n doch ohnehin gemeint, man brauche nur zwei Medizinen: Vom Kopf bis zum Bauchnabel Aspirin und von da bis unten Rizinusöl. Das Publikum amüsiert sich köstlich und auch über den Matrosen Jonny, der zu viel von dem Genever verkostet hat und nun alkoholselig für Stimmung sorgt. Der Käpt'n hat rein zufällig auch noch Geburtstag. Die „Küstenschwalben" bringen ihm ein Ständchen vom Glückwunsch-Radio. Turbulenzen in Luv und Lee der Liebe. Dabei hat der Dampfer noch gar nicht die Leinen losgeschmissen. Der Moses flitzt noch durch die Gegend.

Nein, was da noch so alles an Bord unter Deck passiert, wird nicht verraten. Hingehen, zuschauen und 90 Minuten humorvoll unterhalten werden, das ist die Lösung. Natürlich kommt die Liebe zu ihrem Recht. Und am Ende kriegen sie sich doch noch: Der Steuermann, seine Betty und der Käpt'n die Gastwirtin Milly. Viel Beifall am Ende für die Mitwirkenden, die zusammen ein homogenes Team bilden.

Klaus Aden spielt mit ruhiger Gelassenheit den Kapitän Brass. Er feiert übrigens mit dieser Rolle sein 40-jähriges Bühnenjubiläum. Marc Gelhart steht zum zweiten Mal auf der Bühne und gefällt als Steuermann Hollesen. Jürgen Tapken zieht als Bootsmann Dreesen alle Register seines schauspielerischen Könnens und reißt so das ganze Ensemble in die maritime Sprachkultur mit. Nicolas C. Ducci gibt als Matrose Jonny sein schauspielerisches Debüt und produziert gleich einen trunkentollen Solopart. Andre Gelhart hat als Moses (Schiffsjunge) viel erheiternde Lauferei am Hals. Christine Fein spielt in ungekünstelter Natürlichkeit die Gastwirtin Milly Gross, die um ihren Kapitän Brass sehr besorgt ist. Martina Jahn quirlt als Seute Deern Betty durch die Szenen und erobert nicht nur mit kessem Augenaufschlag ihren Steuermann. Rolf-Peter Lauxtermann ist Bühnenleiter und setzt sich hier als „Doktor" kraftvoll in Szene. Elke Theesfeld weiß als flottes Hafenmädchen seine Reize auszuspielen. Das Trio der „Küstenschwalben" wird komplettiert von Magita Pust und Heidi Strowik, Letztere steht ebenfalls zum ersten Mal auf den Brettern der Niederdeutschen Bühne. Last but not least ist Claus Miehlke als Zollsekretär Bleyer zu nennen, der mit viel Routine diesen Part meistert.

Für Regie und Musikarrangements ist Stefan Brosig zuständig. Er inszenierte temporeich, lässt Überraschungen und keine Langeweile aufkommen. Dazu lieferte er auch den Entwurf der beiden Bühnenbilder. Zur Kostümausstattung wurde Marianne Karstens von der Landesbühne beraten. Mit dieser Inszenierung endet die Spielzeit 1999/2000 der Niederdeutschen Bühne Wilhelmshaven.

Hollesen (Marc Gelhart), Blayer (Claus Miehlke), Doktor (Rolf - Peter Lauxtermann)

Olga (Elke Theesfeld) und Hollesen (Marc Gelhart)

 

Wenn de Hahn kreiht (4. WA)

4. Wiederaufführung (5), davor vor 1939, 1948/49, 1956/57 und 1971/72 gespielt

WENN DE HAHN KREIHT

Bauernkomödie in drei Akten von August Hinrichs

Regie und Bühne:
Roswitha Wunderlich

Souffleur: Günter Boye
Requisiten: Monika Eilers
Bühnenbildbau: Alfred Christoffers, Günter Scherf, Horst Vollbrecht
Bühnentechnik: Günter Michaels, Günter Newerla
Bühnenmalerei: Herbert Ulbrich
Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Technische Leitung: Manfred Eilers
Inspektion: Anke Schluppkotten

Rollen und Darsteller
Jan Kreyenborg, Gemeindevorsteher - Walter Bleckwedel
Gesine, seine Frau - Karin Heyel
Lena, seine Tochter - Dagmar Grube
Willem Tameling, Knecht - Horst Karstens
Tilko Renken, Tierarzt - Karl Zacher
Steffen Kröger, Amtshauptmann - Ingo Folkers
Hinnerk Stindt, Wachtmeister - Horst Qualmann
Gustav Piepers, Bauernsohn - Marc Gelhart
Peter Witt, Schneider - Heinz Zomerland
Trina Witt, seine Frau - Roswitha Wunderlich

von links: Walter Bleckwedel, Roswitha Wunderlich und Marc Gelhart

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 8. Februar 2000

„Wenn de Hahn kreiht"

Heiteres Spiel der Niederdeutschen Bühne hatte Premiere

Von Doris Wilkens

Mit der Bauernkomödie von August Hinrichs hat die Niederdeutsche Bühne wieder einmal eines der bekanntesten klassischen Stücke neu aufgelegt. Das Aufgebot an Akteuren ist recht groß, sie alle haben den Auftrag, die spannende Handlung und vielfältige Komik auf den Punkt zu bringen. Erinnerungen kommen auf und damit natürlich Vergleiche, so man dieses Bühnenstück schon einmal sah. Dabei schneidet die aktuelle Inszenierung nicht schlecht ab. Spieler sind Figuren, die nach Regieanweisung arbeiten. Sie sollen jedoch „etwas" mitbringen und voll und ganz in ihre Rolle hineinschlüpfen - und das ist ihnen gelungen! Das Ensemble hat dem Premierenpublikum eine abgerundete Aufführung präsentiert. Es wurde dafür mit reichlich Zwischen- und Schlussbeifall belohnt.

Was in einem Dorfe so alles passiert in einer einzigen Nacht. Da kommt der Gemeindevorsteher ziemlich angeheitert von einer Sitzung heim, nimmt aber einen kleinen Umweg; da steigt der Viehdoktor in der Frühe aus einem Kammerfenster; da kehrt der Knecht bei anbrechender Dämmerung vom Angeln zurück.; und gerade in dieser Nacht wurde beim Schneider Witt eingebrochen. Als Beweisstücke sollen ein schmutziger Stiefel sowie ein zunächst verlorengegangener Knopf dienen. Es kommt zu immer neuen Verwicklungen und Verdächtigungen, dabei spielt die Verletzung des Gemeindevorstehers im Bereich seines Allerwertesten eine nicht unbedeutende Rolle.

Verdienter Beifall

Walter Bleckwedel fühlt sich als Gemeindevorsteher nicht wohl in seiner Haut, denn er allein kennt die wahren Zusammenhänge, diese Situation stellt er überzeugend dar. Karin Heyel spielt die besorgte Ehefrau ehrlich und natürlich. Das frische Auftreten der verliebten Tochter (Dagmar Grube) wirkt sympatisch. Horst Karstens als dümmlicher, aber bauernschlauer Knecht liefert eine reife Leistung ab, das gilt auch für den tüchtigen Tierarzt (Karl Zacher). Routiniert wie immer spielt Roswitha Wunderlich die Rolle der resoluten Frau des Schneiders Witt. Zugleich führt sie zum ersten Mal Regie und musste nach kurzfristiger Umbesetzung selbst auf die Bühne. Die Rolle des drömeligen Schneiders Witt hat Heinz Zomerland gut gemeistert; das gleiche gilt für Horst Qualmann als Wachtmeister. Ingo Folkers als Amtshauptmann tritt pedantisch und wichtigtuend auf, wie es die Rolle verlangt. Der naive Bauernsohn Gustav wird überzeugend verkörpert von dem Nachwuchsschauspieler Marc Gelhart. Das bewährte, hinter der Bühne arbeitende Team, das sich erstmalig dem Publikum zeigte, erhielt den wohlverdienten Beifall. Die eingespielten Bauernhofgeräusche brachten die Besucher zum Schmunzeln.

Die nächsten Vorstellungstermine sind: 12., 13., 18., 26. und 27. Februar um 20 Uhr; außerdem am 13. und 27. Februar um 15.30 Uhr. Man sollte hereinschauen! Nicht nur für die Plattdeutsch sprechenden und verstehenden Bürger Wilhelmshavens spielt die „Niederdeutsche"!


Dagmar Grube und Marc Gelhart

JEVERSCHES WOCHENBLATT vom 8. Februar 2000

Bauernkomödie mehr als ein deftiger Schwank

Niederdeutsche Bühne führt Bühnenklassiker „Wenn de Hahn kreiht" von August Hinrichs auf / Premiere in Wilhelmshaven

-eri- Wilhelmshaven. Der Vorhang öffnet sich und gibt den Blick frei auf eine Dorfidylle mit Hof und Ziehbrunnen, links das Wohnhaus, rechts der Wirtschaftstrakt. Geranien blühen vor Lenas Fenster, der wohlbehüteten Tochter der Kreienborgs. Das Publikum quittiert das Bühnenbild von Roswitha Wunderlich, gebaut von Alfred Christoffers, Günter Scherf und Horst Vollbrecht, mit spontanem Beifall. Da, man sollte es nicht glauben, steigt eine Mannsperson aus des Töchterleins Fensterchen. Noch ein Küsschen und dann Tschüs. Doch dieses Fensterrendevouz wird vom Knecht des Hauses beobachtet, wie er just vom Fischen heimkommt. So kann die klassische Bauernkomödie „Wenn de Hahn kreiht" aus der Feder von August Hinrichs beginnen. Sonntagabend: Mit viel Beifall aufgenommene Premierenvorstellung der Niederdeutschen Bühne am Stadttheater Wilhelmshaven.

Aber, auch Gemeindevorstand Jan Kreienborg hat seine Probleme. Er war beim nächtlichen Einstieg in die Kammer der Tochter des benachbarten Schneiders erwischt worden und hatte davoneilend einen Stiefel und einen Jackenknopf verloren. Indizien für sein nächtliches Recontre. Die Handlung erinnert ein wenig an die Kleist-Komödie „Der zerbrochene Krug".

Roswitha Wunderlich führt auch die Regie dieser Aufführung und tritt selbst auf in der Rolle der sprachbegabten Schneidersfrau Trina Witt. Das Publikum erlebt, man möchte sagen, eine elegante Inszenierung dieser Bauernkomödie. Sie verkommt nicht zu einem deftigen Schwank, sondern hat ihre Stärke in der kraftvollen Dynamik der plattdeutschen Sprache. Allen voran ist da Horst Karstens als Knecht Willem Tamaling zu nennen, wie er mit stoischer Ruhe und norddeutscher Schlagfertigkeit den Amtshauptmann Steffen Kröger zur Verzweiflung bringen kann, der von Ingo Folkers typenecht dargestellt wird.

Karin Heyel glänzt in der prachtvoll angelegten Rolle der Frau Gesine des Gemeindevorstands, die sich resolut, temperamentvoll und wachen Auges über ihre Lieben in den Mittelpunkt des Geschehens spielt. Walter Bleckwedel füllt den Part des Gemeindevorstands Jan Kreienborg augenzwinkernd mit trockenem Humor und bissigen Bemerkungen aus. Dagmar Grube verbreitet als verliebte Tochter Lena Liebreiz und interpretiert mit Karl Zacher als Tierarzt Tilko Renken das nicht fehlen dürfende Liebespaar.

Horst Qualmann hat keine Mühe, den Wachtmeister Hinnerk Stindt zu verkörpern. Dafür hat Marx Gelhart als Bauernsohn Gustav Piepers eine weit schwierigere Aufgabe zu bewältigen. Er muss den abgewiesenen Verehrer Lenas verkraften und andererseits mit viel Temperament zur Aufklärung des nächtlichen Einbruchs beitragen, was ihm auch zustimmend gelingt. Bleibt noch übrig Heinz Zomerland in der traurigen Figur des Schneiders Peter Witt, der auf Geheiß seiner Frau Trina aus einem unfreiwilligen Sturz auf eine Steinkante einen Überfall konstruieren sollte.

Das Stück reißt das Publikum nicht unbedingt von den Sitzen, es bietet aber köstliche Unterhaltung und damit ein Vergnügen auf Plattdeutsch. Die weiteren Aufführungen sind am Sonnabend, 12. Februar (20 Uhr), Sonntag, 13. Februar (15.30 und 20 Uhr), Freitag, 18. Februar (20 Uhr), Sonnabend, 26. Februar (20 Uhr) sowie Sonntag, 27. Februar (15.30 und 20 Uhr). Danach steht als viertes Stück der Saison 1999/2000 am 2. April die Premiere „In Luv un Lee, die Liebe" auf dem Spielplan der Niederdeutschen.

von links: Karin Heyel, Roswitha Wunderlich, Marc Gelhart, Walter Bleckwedel und Dagmar Grube

von links: Dagmar Grube, Marc Gelhart und Roswitha Wunderlich

´n schöne Bescherung (WE)

Norddeutsche Erstaufführung

´N SCHÖNE BESCHERUNG

Lustspiel in vier Akten von Monika Hirschle
Plattdeutsch von Heide Tietjen

Premiere: 4. 12. 1999, Stadttheater Wilhelmshaven

Inszenierung und Bühne:
Elke Münch a.G.

Regieassistenz: Elke Theesfeld
Souffleuse: Heidi Strowick
Requisiten: Marianne Karstens
Bühnenbildbau: Günter Scherf, Horst Vollbrecht
Bühnentechnik: Günter Michaelis, Günter Neverla, Klaus Panka
Bühnenmalerei: Herbert Ulbrich
Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Technische Leitung Manfred Eilers
Inspektion: Klaus Panka

Rollen und Darsteller
Irmgard Eisel - Chritstine Wessoleck
Reinhold Eisel - Horst Karstens
Klaus-Dieter Eisel - André Geelhart
Angelika Meier-Eisel - Martina Jahn
Eberhard Meier - Marc Gelhart
Klothilde Eisel - Hanna Christoffers
Frau Menzel - Magita Pust
Luigi - Günter Jaedeke

André Gelhart, Marc Gelhart, Horst Karstens

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 6. Dezember 1999

Humorvolle Weihnachtskatastrophe

Viel Beifall für die Niederdeutsche Bühne bei Premiere

Von Inga Hellwig

Familie Eisel weiß, wie man es sich am 24. Dezember so richtig gemütlich macht: Ein friedvolles Essen unter dem Weihnachtsbaum im harmonischen Kreise der Lieben. Doch in dem Lustspiel "n' schöne Bescherung" von Monika Hirsch, das am Sonnabendabend im Stadttheater Premiere feierte, klaffen Idee und Wirklichkeit natürlich meilenweit auseinander. Die Heizung ist ausgefallen, der Kühlschrank abgetaut, die Gans verdorben, Oma geht allen auf die Nerven, der Weihnachtsbaum fehlt noch, die Geschenke sowieso, bei Vater und Mutter Eisel (Christine Wessoleck und Horst Karstens) fliegen die Fetzen, Sohn Klaus Dieter (Andre Gelhart) hat ohnehin „null Bock" und Tochter Angelika Maier-Eisel (Martina Jahn) will sich sogar von ihrem Mann Eberhard (Marc Gelhart) scheiden lassen.

Unter der Regie von Elke Münch bescherte das Ensemble der Niederdeutschen Bühne seinem Publikum in dem mit rund 350 Zuschauern gut gefüllten Stadttheater vergnügliche vier Akte, bei denen so manche Lachträne die Wange herunter rollte. Spitzige Dialoge und witzige treffsichere Situationen sorgten für viel Gelächter und anhaltenden Applaus, wobei die Pannen der Eisel-Sippe so manchen sicher mit Grauen an das eigene bevorstehende Weihnachtsfest denken ließen.

In dem Lustspiel "n' schöne Bescherung" werden dem Betrachter humorvoll die Widrigkeiten der Wirklichkeit präsentiert und mit der Gelassenheit heiteren Darüberstehens betrachtet - das alles natürlich auf Plattdeutsch. Die Darsteller spielten schwungvoll und mit sichtbarem Spaß. Am etwas abrupten Ende wird selbstverständlich alles wieder gut und die ganze Familie schart sich um den neuen Kühlschrank und stimmt in das gemeinsame Weihnachtslied ein. Alles in allem eine erfolgreiche letzte Premiere des Jahres 1999 im Stadttheater.

Sonderapplaus gab es für Hanna Christoffers, die in der sehr gelungenen Rolle der Oma Eisel ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum feierte. Bühnenleiter Rolf-Peter Lauxtermann dankte ihr und auch ihrem Ehemann Alfred Christoffers, der genauso lange hinter den Kulissen des niederdeutschen Theaters für den reibungslosen Ablauf der Bühnentechnik sorgt, für die langjährige erfolgreiche Arbeit an der niederdeutschen Bühne. Weitere Aufführungen am 11./12./17. und 26. Dezember 1999 und am 9. Januar 2000.

Hanna Christoffers, Horst Karstens, vorne: Marc Gelhart, Martina Jahn

JEVERSCHES WOCHENBLATT vom 7. Dezember 1999

Jede Rolle ist ein Lustspiel-Volltreffer

Niederdeutsche Bühne am Stadttheater Wilhelmshaven sorgt mit "n' schöne Bescherung" für Weihnachtsstimmung

Von Ernst Richter

Wilhelmshaven. Die Leute sitzen dicht bei dicht, beobachten scharf die Szenerie und kommentieren die Dinge, die da im trauten Familienkreis passieren: „Siehst du, wie bei uns, die Oma ruft dauernd an und fragt, wann sie endlich abgeholt wird, wobei wir ihr das doch schon tausendmal gesagt haben, um fünf Uhr" - „Na, kuck, die läuft immer noch im Morgenrock durch die Stube - und die Zähne hat sie sich auch noch nicht geputzt." Zur Nachbarin gewandt: „Weißt du noch, als die Heizung bei uns ausfiel, da haben wir gleich gewusst, dass da Luft in der Röhre sei und die rufen tatsächlich den Klempner an, da will die Irmgard wohl ein Techtelmechtel mit dem Monteur anfangen, diesem Luigi, so heißt er wohl, dabei hat sie doch einen so netten Mann!" Die Nachbarin antwortet: „Nett ja, aber der poussiert doch mit dieser Menzel, der aufgedrehten Flurnachbarin." „Kiek an, der Kühlschrank ist kaputt, das hätte ich der Frau gleich sagen können, wenn sie das Abtauen vergisst!"

So fliegen die Kommentare hin und her. Alle schauen zu, amüsieren sich köstlich und nicken verständnisvoll, „genau wie bei den Leuten von nebenan". „Bei uns? - Nein, da gibt's höchstens Ärger mit dem Weihnachtsbaum, den Vater aufstellen will, am Ende aber fast besopen ist und der Baum ganz schief in der Stube steht. Jetzt soll Klaus-Dieter den Baum schmücken, wenn er sich nur nicht immer die halben Nächte in der Disco herumtreiben würde", klagt Frau Nachbarin. Das sind Szenen aus dem Zuschauerraum, aufgeschnappt bei der Premiere des Lustspiels "N' schöne Bescherung", aufgeführt Sonnabendabend im Stadttheater von der Niedersächsischen Bühne Wilhelmshaven.

So genau ist das Publikum dabei, identifiziert sich mit den Geschehnissen der Familie Eisel, die sich da streitend auf den Heiligabend vorbereitet. Monika Hirschle hat gut beobachtend das Stück geschrieben, plattdeutsch übersetzt von Heide Tietjen. Die Regie übernahm als Gast Elke Münch. Hier ist die Frage nach den Hauptpersonen schwer zu beantworten. Jede Typisierung ist so trefflich mit Text und Darstellung gelungen, dass alle acht Mitwirkenden Hauptpersonen in ihrer jeweiligen Rolle sind. Das Ehepaar Irmgard und Reinhold Eisel, dargestellt von Christine Wessolleck und Horst Karstens, zieht alle komödiantischen Register und vermittelt echte Weihnachtshektik, unterstützt von André Gelhart als deren Sohn Klaus-Dieter und Martina Jahn im Part der Tochter Angelika, die verheiratet ist und sich ausgerechnet zu Heiligabend mit Scheidungsabsichten herumplagt. Ihr Mann Eberhard Maier wird von Marc Gelhart gespielt, der sehr zum Verdruss seiner jungen Frau immer noch ein Muttersöhnchen geblieben ist. Und die Frau des Hauses freut sich ganz toll, dass sie von ihrem Mann zu Weihnachten eine Bratpfanne geschenkt bekommt. Szenen wie dem Leben abgelauscht. Oma ist wenig begeistert über die Marke des Eau de Cologne, das ihr geschenkt wurde: "N' schöne Bescherung", und Sohn Klaus-Dieter bekam das SOS-Weihnachtsgeschenk: Schlips, Oberhemd, Socken.

Mit viel Temperament zeichnet Hanna Christoffers zu ihrem 40-jährigen Bühnenjubiläum die Oma Klothilde Eisel. Eine Oma wie aus dem Bilderbuch, ausgestattet mit allen Tributen, um die liebe Verwandtschaft zu nerven, die ständig am Telefon hängt und schließlich mit drastischen Anmerkungen doch die Stimmungs-Schieflage geraderücken kann. Magita Pust spielt mit schwingenden Hüften die blonde Nachbarin Frau Menzel, die mehr als ein Auge auf den Hausherrn Reinhold Eisel geworfen hat. Und Günther Jaedeke erfreut in einer leider nur recht kurzen Szene als Heizungsmonteur Luigi typisch italienisch das Publikum und ganz besonders Irmgard Eisel, die ihn mit flehend-anziehender Stimme zu Hilfe gerufen hat, um die Heizung zu reparieren. Zum Happy End haben sich die familiären Kontroversen geglättet.

Das Publikum applaudierte lebhaft und anhaltend. Bevor sich dann der Vorhang endgültig schließt, gratuliert Bühnenleiter Rolf-Peter Lauxtermann Hanna und Alfred Christoffers zu ihrem 40-jährigen Bühnenjubiläum. Hanna Christoffers hat in unzähligen Rollen das Publikum erfreut, es hat mit ihr geweint und gelacht. Ihr Mann Alfred Christoffers war zunächst ebenfalls Schauspieler und hat dann hinter den Kulissen in der Technik als Bühnenbauer an mehr als 200 Bühnenbildern mitgewirkt.

Die weiteren Aufführungen von "N' schöne Bescherung" folgen am 11., 12., 17. und 26. Dezember sowie am 9. Januar. Dem Publikum kann man nur viel Pläsier wünschen, landete die Niederdeutsche Bühne mit diesem Lustspiel doch einen echten Volltreffer.

Horst Karstens, Marc Gelhart (v.l.)

von links: Christine Wessolek, André Gelhart,  Horst Karstens, Marc Gelhart, Hanna Christoffers

Pension Sünnenschien (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

PENSION SÜNNENSCHIEN

Volksstück von Karl Wittlinger
Plattdeutsch von Hartmut Cyriacks und Peter Nissen

Inszenierung: Elke Münch a.G.
Bühnenbild: Emilio de Paciani a.G.

Souffleuse: Wilma Welte
Requisiten: Monika Eilers
Bühnenbau: Alfred Christoffers, Günter Scherf, Horst Vollbrecht
Bühnentechnik: Günter Michael, Günter Newerla
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Technische Leitung: Manfred Eilers
Inspektion: Helga Lauermann

Rollen und Darsteller
Elfie Wohlsen - Heidi Rausch
Ida Salm - Christel Dörnath
Otto Salm - Rolf-Peter Lauxtermann
Henriette Borasch - Brigitte Halbekath
Kurt Borasch - Horst Jönck
Bella von Tandler - Hildegard Steffens
Rene Meier-Raffael - Günter Boye

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 4. Oktober 1999

Beifall für „Revolte im Seniorenheim"

Gelungene Premiere der Niederdeutschen Bühne im Wilhelmshavener Stadttheater

Von Doris Wilkens

Das für den Auftakt der Theatersaison ausgesuchte Volksstück „Pension Sünnenschien" von Karl Wittlinger ist vom Publikum im voll besetzten Haus sehr gut aufgenommen worden, das zeigte auch der wiederholt spontane Szenenbeifall. Es ist ein Glücksfall, dass die Rollen mit Akteuren besetzt werden konnten, die auf eine zum Teil Jahrzehnte lange Bühnenerfahrung zurückschauen. Da ist Hildegard Steffens zu nennen, die die nachdenkliche und hilflos wirkende Bella von Tandler überzeugend darstellt. Brigitte Halbekath als Frau Henriette Borasch zieht Aufmerksamkeit auf sich mit ihrem vornehmen Getue und Bevormundung ihres Ehemannes. Horst Jönk spielt den sympatischen Ehemann, der vor seiner resoluten Ehe­hälfte kuschen muss. Günter Boye in seiner verschmitzten Art versteht sich als Rene Meier-Raffael in Pose zu setzen. Die Pensionsinhaber Sahn, sicher dargestellt von Christel Dörnath und Rolf-Peter Lauxtermann, gehen wenig liebevoll mit den zahlenden Heim­bewohnern um. Diese haben sich in ihr Schicksal solange gefügt, bis ein „Neuzugang" eintrifft. Die lebenslustige zu Geld gekommene Dame mit bewegtem Vorleben verän­dert den Alltag der älteren Herrschaften.

Heidi Rausch als Elfie Wohlsen steht eindeutig im Mittelpunkt des Geschehens. Sie spielt sicher, burschikos spritzig und sorgt ständig für neue Überraschungen. Für ihre hervorragende Darstellung bedankte sich das Publikum mit verdientem Szenenbeifall. Das Stück, inszeniert von Elke Münch, streift gesellschaftliche Probleme, die auftreten, wenn die ältere Generation auf Hilfe anderer angewiesen ist. Es kommt sogar zu Überlegungen, Veränderungen durch Gift herbeizuführen. Die Handlung bekommt dadurch zeitweise kriminelle Züge.

Dem Bühnenbildner und dem technischen Personal gebühren Anerkennung. Der gelungene Saison-Auftakt sollte Ansporn sein, die nächsten Aufführungen zu besuchen.

Vörnehme Bagaasch (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

VÖRNEHME BAGAASCH

Lustspiel von Jack Popplewell
Plattdeutsch Günter Kühn

Inszenierung: Elke Münch a. G.


Rollen und Darsteller
David - Thorsten Könnecke
Penelope - Dagmar Grube
Herr Bohnsack - Klaus Aden
Mine Wilksen - Karin Heyel
Helene Schindler - Elke Theesfeld
Kriminalkommissar Pittak - Horst Karstens
Frau Wantje - Wilma Welte

Wilhelmshavener Zeitung vom 30. März 1999

Solide gespielt, doch ohne rechten Witz: die „Vornehme Bagaasch"

Niederdeutsche Bühne feierte die letzte Premiere dieser Saison

Von Hartmut Siefken

Mit der Aufführung der Komödie „Vornehme Bagaasch" von Jack Popplewell in der plattdeutschen Fassung von Günter Kühn beendet die Niederdeutsche Bühne am Stadt­theater die Saison 1998/99. Am Sonntagabend fand die Premiere statt. Die Schauspielerin Elke Münch führte Regie. Fazit: solide gespielt, doch kränkelt der Unterhaltungswert am Stück selbst.

Zum Inhalt: Die Spezialistin für nächtliche „Eigentumsübertragungen", Penelope Bohnsack (Dagmar Gru­be), wird vom Wohnungsinhaber David Warntje (Thorsten Könnecke) und seiner Haushälterin Mine Wilksen (Karin Heyel) in flagranti erwischt. Doch anstatt die Einbrecherin der Polizei auszuliefern, findet der junge Mann Gefallen an ihr und ist ihr behilf­lich, das Diebesgut vor der Polizei zu verstecken. So bekommt er nicht nur Schwierigkeiten mit seiner Verlobten, der reichen Helene Schindler (Elke Theesfeld), sondern auch mit der Polizei: Kommissar Pittack (Horst Karstens) hat den richtigen Riecher. Die Diebin und ihr neuer Komplize haben ihre liebe Not, im Verein mit der Haushälterin den dienstbeflissenen Schnüffler an der Nase herumführen.

Doch Schwierigkeiten, das Geheimnis zu wahren, macht auch Davids neugierige Mut­ter (Wilma Weite). Penelopes Vater, der standesbewußte Unterweltler Bohnsack (Klaus Aden), fürchtet, daß sein verliebtes Fräulein Toch­ter womöglich rechtschaffen wird. Doch es findet sich al­les: das Paar findet sich, Bohnsack findet das schlußendlich gar nicht mehr so schlimm, der Polizist findet die Juwelen zum eigenen Gebrauch, Davids bisherige Verlobte findet einen Neuen. Das Publikum fand sich gut unter­halten und sparte nicht mit Applaus. Nichtsdestoweniger muß festgehalten werden: Es gibt witzigere Komödien. Der dünne Handlungsstrang und die Flachzeichnung der Figuren sind schon im Stück angelegt. Manche Lustspiele bügeln dies durch Witz der Dialoge aus, doch die „Vornehme Bagaasch" hielt sich damit eher vornehm zurück.

Man wünschte sich die Inszenierung überdrehter, mit mehr Mut zur Komik und zum Klamauk, um den Schwächen des Stücks entgegenzuwirken und den Figuren ein markanteres Profil zu schnitzen. Das Zeug dazu hat die Schauspieltruppe, wie sich in den leider zu wenigen „blitzenden" Momenten zeigte. So blieb es bei einem routinierten, grundsoliden Theaterabend. Das Bühnenbild, die Wohnung des Junggesellen David mit den für Komödien unvermeidlich vielen Türen entwarf Elke Münch. Als Souffleuse halfen Berta Brinkhoff und Herta Tapken unauf­fällig aus. Die Requisiten besorgte Monika Eilers, den Bühnenbau bewerkstelligten Manfred Eilers und Klaus Panka. Für die Bühnentechnik waren Alfred Christoffers, Günter Newerla und Horst Vollbrecht verantwortlich. Herbert Ulbrich verhalf der Kulisse zu Farbe. Peter Pfaus und Uwe Feiberg setzten die Inszenierung ins rech­te Licht. Manfred Eilers oblag die technische Leitung, während Anke Schluppkotten als Inspektoren ein Wort mitzureden hatte. Weitere Aufführungen: Heute, 30. März, 20 Uhr; 10. April, 20 Uhr; 11. April, 15.30 Uhr und 20 Uhr; 18. April, 15.30 Uhr und 20 Uhr; 26. April, 20 Uhr.

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 25. März 1999

Turbulenzen in der „Vornehmen Bagaasch"

Niederdeutsche Bühne bringt am kommenden Sonntag, dem 28. März, neue Premiere heraus

Im März und April spielt die Niederdeutsche Bühne am Stadttheater Wilhelmshaven ein Lustspiel aus der Feder von Jack Popplewell in der niederdeutschen Fassung von Günter Kühn. Dies fünfte und letzte Stück in dieser Theater-Saison ist eine herzhafte Aufführung mit viel britischem Humor. Im Original trägt es den Titel: „Brave Diebe". Es geht um eine äußerst vielseitige Mischung von kaum zu entwirrender Kriminalität, bestens verpackt in trockenem Humor. Derzeit laufen die Bühnen-Proben auf Hochtouren. Sieben Spieler und Spielerinnen sind mit Begeisterung dabei, die verschiedenen Charaktere aus der vornehmen Gesellschaft einzustudieren.

Zur Geschichte: Diese Nacht wird Davids (Thosten Könnecke) Leben auf den Kopf stellen. David ist reich, jung, attraktiv, verlobt, ohne Beruf. Er lebt mit der Haushälterin Mine Wilksen (Karin Heyel) in einer vornehmen Gegend. Alles läuft in ruhigen Bahnen. Bald wird er die reiche Helene heiraten, und somit braucht er sich um seine finanzielle Zukunft keine Sorgen zu machen. In dieser Nacht begeht Penelope (Dagmar Grube), jung, hübsch, von Beruf Einbrecherin, in seiner Wohnung einen Einbruch, um, wie es hier heißt: eine Eigentumsübertragung zu machen. Sie stammt aus einer alten Einbrecher-Dynastie. Doch dieser „Bruch" verändert das Leben von Penelope, - auch Ponny genannt, total. Innerhalb von wenigen Stunden überschlagen sich die Ereignisse. Gefühle wogen hin und her, nichts ist mehr so, wie es war, und es wird auch niemals mehr so sein, wie es war. Doch damit es so richtig turbulent zugehen kann, mischen noch der Kriminalkommissar Pittak (Horst Karstens), Herr Bohnsack (Klaus Aden), Helene Schindler (Elke Theesfeld), und Frau Wantje (Wilma Weite) mit. Mehr wird nicht verraten von der spritzigen Kriminalkommödie, in der die Liebe nicht zu kurz kommt.

Die Regie führt Elke Münch. Sie legt ihre haupt­sächliche Arbeit in dieser In­szenierung darein, die sieben völlig verschiedenen Charaktere der Spieler herauszuarbeiten. Ihr ist dabei wichtig, das Spiel leicht und flott und trotzdem mit für den Zuschauer interessanten Hintergründen auf die Bühne zu bringen. Die Premiere am Sonntag, 28. März, beginnt um 20 Uhr im Stadttheater. Weitere Vor­stellungen sind am 30. März und am 10., 11., 18., und 26. April ebenfalls um 20 UIhr und am 11. und 18. April auch um 15.30 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf (freier Verkauf) nutzen oder Reservierungen vornehmen über Tel.: 4 25 88, immer montags bis freitags von 16 bis 18 Uhr.

Dat Stück Land (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

DAT STÜCK LAND

Schauspiel von Jean B. Kean
Plattdeutsch Margret Peper, Michael Augustin, Jochen Schütt

Inszenierung und Bühne: Rudolf Plent a.G.
Kostüme: Sybille Schulz a.G.

Souffleuse: Martina Jahn
Requisiten: Monika Eilers
Bühnenbau: Alfred Christoffers, Julius Schumann
Bühnentechnik: Günter Newerla, Horst Vollbrecht
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Technische Leitung: Manfred Eilers
Inspektion: Klaus Panka

Rollen und Darsteller
Klaus Butenschön, gen. Klaas Baas, Bauer - Horst Jönck
Jan Butenschön, sein Sohn - Michal Hillers
Walter, Valentino, Butenschön, sein Bruder - Horst Karstens
Walters Frau - Roswitha Wunderlich
Karl Kröger, Gastwirt und Auktionator - Jürgen Tapken
Edith Kröger, seine Frau - Elke Theesfeld
Thomas Kröger, beider Sohn - Katrin Paasch
Vagel Dreyer - Günter Boye
Greten Brockmann, Witwe - Hildegard Steffens
Der Pastor - Rolf-Peter Lauxtermann
Der Polizist - Claus Miehlke
Herr Weiss, Unternehmer - Karl Zacher

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 8. Februar 1999

„Dat Stück Land" - tolle Leistung der Niederdeutschen Bühne

Das Publikum war bei der Premiere am Sonnabend begeistert

Von Doris Wilkens

Die Niederdeutsche Bühne hat mit ihrem vierten Bühnenstück dieser Spielzeit ein Schauspiel ins Programm genommen und beweist, daß sie auch ernstes Theater machen kann. Der erfahrene Regisseur Rudolf Plent als Gast aus Oldenburg hat das Schauspiel in drei Akten aus der Feder von John B. Keane hervorragend inszeniert. Nach zahlreichen intensiven Proben schlüpften die Amateurspieler(innen) in ihre Rollen, sie werden von allen Beteiligten gleichermaßen hervorragend verkörpert. Das Bühnenbild nach einem Entwurf von Rudolf Plent ist eine Gaststube der 20er Jahre, in der sich ein wesentlicher Teil des dörflichen Lebens abspielt. Bevor es zum Verkauf von einem Stück Land kommt, wofür die Witwe Greten Brockmann einen guten Preis erwartet, gibt es eine Reihe von besonderen Begebenheiten und Vorkommnissen. Der Gastwirt und Auktionator Kroger wittert ein Geschäft. Überaus großes Interesse zeigt auch der größte und mächtigste Bauer im Dorf, Klaus Butenschön, der dadurch seinen Besitz noch vergrößern und da­mit seine Macht im Dorf ausweiten will. Daß auch ein auswärts wohnender Unternehmer das Grundstück kaufen möchte, paßt ihm nicht. Es gibt Streit. Vater und Sohn wollen dem Fremden einen kleinen Denk­zettel verpassen, daraus wird jedoch mehr...

Warum kann die Polizei das Verbrechen nicht aufklären? Zeugen und Mitwisser gibt es viele. Butenschön, stets in Begleitung seines einfältigen Sohnes Jan, zu Jähzorn und Gewalt neigend, versteht es, durch Drohungen und Zahlung von Schweigegeld, die Dorfbewohner einzuschüchtern. Wirt und Aktionator Kröger muß mit seiner Frau Edith und sechs Kindern sehen, wie er über die Runden kommt, da ist es besser, sich nach dem Wind zu drehen und vor dem Großbauern zu kuschen. Thomas, sein sensibler Sohn, macht sich Gedanken über die Verlogenheit im Dorf, wird von seiner Mut­ter sicherheitshalber in die Ferien geschickt, als er zur Wache gehen will.

Der Pastor ist verzweifelt, weil in seiner Gemeinde eine schreckliche Tat geschehen ist und diese noch nicht aufgeklärt werden konnte. Er hält eine aufrüttelnde Predigt über einen Mörder, der von der Bevölkerung gedeckt wird. Auch dem Polizisten, einfühlsam aber streng die Leute im Dorf verhörend, rei­chen die Verdächtigungen nicht zur Verhaftung. Machtbesessenheit führt zu Brutalität, Verlogenheit und Schweigen, Wahrheit und Gerechtigkeit werden unterdrück. Wird Butenschön mit dem Geschehen fertig? Immer wieder versucht er, sein Gewissen sauber zu reden und verdrängt die schlimme Tat mit aller Gewalt.

Das Publikum reagiert mit Szenenbeifall und Bravo-Rufen; unverständlich bleibt da vereinzeltes Gelächter an unpassender Stelle. Wegen der überzeugenden Leistung des gesamten Ensembles wäre es ungerecht, einzelne Darsteller besonders hervorzuheben. Einen Sonderbeifall gab es für Hildegard Steffens. Sie wurde zu ihrem 50. Bühnenju­biläum von der Bühnenleitung mit einem Blumenstrauß bedacht.

In Hamborg op St. Pauli (3. WA)

4. Wiederaufführung, davor 1949/50,  1951/52, 1957/58 und 1969/70 gespielt

IN HAMBURG OP ST. PAULI

Komödie in drei Akten von Wilfried Wroost

Inszenierung: Jürgen Reiners a. G.
Regiesassistenz und Inspektion Anne Hillers

Souffleuse: Barry Brinkhoff
Requisiten: Marga Goldenstein, Claudia Ernst
Bühnenbau: Alfred Christoffers, Julius Schumann
Bühnentechnik: Günter Neverla, Horst Vollbrecht
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Beleuchtung: Uwe Freiberg, Peter Pfaus
Technische Leitung: Manfed Eilers

Rollen und Darsteller
Johannes Pröschmeyer, Gastwirt - Walter Bleckwedel
Pauline, seine Frau - Roswitha Wunderlich
Ursula, genannt Uschi, beider Tochter - Martina Jahn
Mia Puvagel, Pauline´s Schwester - Wilma Welte
Christian Sellhorn, Kapitän für Küstenfahrt - Stefan Brosig
Otto Karstendiek, sein Onkel - Horst Qualmann
August Dührkopp, Schiffswachmann - Günter Jaedeke
Frieda, seine Frau, Morgenfrau bei Pröschmeyers - Marlies Ochsendorf a.G.
Willi, ihr Sohn, Friseurgehilfe - Marc Gelhart
Bordsteinschwalbe - Claudia Ernst
Leichtmatrosen - Nicolas Ducci, André Gelhart
Ein Seemann - Rolf-Peter Lauxtermann

von links: Roswitha Wunderlich, Marc Gelhart, Walter Bleckwedel, Horst Qualmann

Horst Qualmann, Walter Bleckwedel, Marc Gelhart (v.l.)

Marc Gelhart

Nette Pasteten (1. WA)

1. Wiederaufführung (2.), davor 1980/81 gespielt

NETTE PASTETEN

(Frikadellen)
Schwank in drei Akten von Erich Hagemeister
Neufassung von Günther Siegmund

Inszenierung: Jürgen Tapken
Bühnenbild: Jürgen Tapken

Bühnenbildbau: Alfred Christoffers, Julius Schumann
Bühnentechnik: Günter Neverla, Horst Vollbrecht
Bühnenmaler: Herbert Ulbricht
Requisiten: Monika Eilers
Inspizient: Klaus Panka
Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Souffleuer: Günter Boye

Rollen und Darsteller
Karl Burmann, pensionierter Beamter - Horst Jönck
Anna, seine Frau - Herta Tapken
Lotte, beider Tochter - Christel Dörnath
Ida Schöppmeier, Karl´s Schwester - Hanna Christoffers
Johannes Melk, Sohn eines Fischgroßhändlers - Ingo Folkers
Ernst Schultendörp, Student der Theologie - Thorsten Könnecke
Aurora, Hausgehilfin bei Burmann - Margita Pust
Dr. Behrbohm, Tierarzt - Claus Miehlke
Wachtmeister Schult - Friedrich Müller

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 20.November 1998

Nette Pasteten und ungenießbare Verwandte

Neuer Schwank der Niederdeutschen Bühne ein heiterer Lichtblick in dunkler Jahreszeit

Von Doris Wilkens

Mit dem Schwank in drei Akten „Nette Pasteten" von Erich Hagemeister sorgte die Niederdeutsche Bühne wieder einmal für beste Stimmung. Unter der Leitung von Jürgen Tapken als Regisseur gelang ein flotter Spielablauf. Der geizige Karl Burmann (Horst Jönck) feiert an einem heißen Sommertag seinen Geburtstag. Statt der erwarteten Pasteten bringt der Gastgeber eine große Menge nicht mehr ganz frischer Frikadellen auf den Tisch. Seine Frau (Hertha Tapken) hatte sich mit ihren Bedenken wieder einmal nicht durchsetzen kön­nen. In der Tageszeitung steht ein aktueller Bericht über eine Fleischvergiftung mit To­desfolge für Mensch und Tier. Daraufhin muß der Hofhund Phylax eine Frikadelle fut­tern; doch er überlebt den Test. Um den Geizhals zu schädigen, greifen die Geburtstagsgäste, u. a. Burmanns Schwester und Erbtante Ida (Hanna Christoffers), reichlich zu. Es kommt zu einem Streit, als deutlich wird, daß Burmann seine Tochter Lotte (Christel Dörnath) gegen ihren Willen mit dem wohlhabenden Heringskaufmann Johannes Melk (Ingo Folkers) verloben will. Lotte aber hat ihr Herz an den armen Theologie-Studenten Ernst (Thorsten Kön­necke) verloren.

Die Völlerei bleibt nicht ohne Folgen, mehrere Teilnehmer der Geburtstagsrunde überkommt ein großes Unwohlsein. Besonders betroffen ist die Erbtante Ida; und bei ihrem Ableben ginge es schließlich um einen großen zu vererbenden Bauernhof. Dramatisch wird es, als der Hofhund tot aufgefunden wird. Da der Hausarzt nicht erreichbar ist, wird der Tierarzt Dr. Behrbohm (Claus Miehlke) gerufen. In der Stunde des vermeintlichen Endes aller, die von den fraglichen Frikadellen gegessen hatten, will jeder möglichst elegant seine kleinen und großen Sünden beichten und reinen Gewissens von dieser Welt gehen. Aus der zerstrittenen Verwandtschaft wird schnell eine heile Familie.

Wachtmeister Schult (Friedrich Müller) kommt ins Haus, die Eheleute Burmann vermuten eine Anzeige für die von ihnen verursachte Vergiftung. Die kreuz und quer verwobenen Mißverständnisse gehen weiter. Das ist noch ein abgegebener Brief an Burmann, welcher in der Hitze des Gefechtes achtlos beiseite gelegt wird. Es entsteht eine neue Verstrickung. Die zunächst zickige Tante Ida hält die Fäden in der Hand, nimmt sich die guten Bibelworte des Theologie-Studenten zu Herzen und bringt durch ihre kluge Entscheidung das Glück in die ganze Familie zurück. Der egoistische Herr Melk bleibt dabei auf der Strecke.

Mit anhaltendem Beifall würdigte das Publikum die Leistungen der Akteure. Die verschiedenen Rollen sind gut besetzt. Da sind zu nennen Horst Jönck, routiniert und überzeugend als stets nörgelnder Gastgeber Burmann, seine ihm treu ergebene Ehefrau Anna (Hertha Tapken) in ihrer ruhigen und ausgeglichenen Spielweise. Schwung auf die Bühne bringt Hanna Christoffers als Ida, die sich in ihrer resoluten Art stets Gehör verschafft. Auch das junge Paar Lotte (Christel Dörnath) und Ernst (Thorsten Könnecke) wirkt sympathisch. Ingo Folkers in seiner ersten großen Rolle verkörpert den Fiesling Johannes Melk überzeugend. Der Hausangestellten Aurora (Margitta Pust) kann man gratulieren zu ihrem gelungenen Debüt. Dem Claus Miehlke als weinseliger Viehdoktor Behrbohm sitzt der Schalk im Nacken, und er hat dadurch die Lacher auf seiner Seite. Wachtmeister Schult, gespielt von Friedrich Müller, verleiht dem Geschehen eine amtliche Note.

Eine sehenswerte Aufführung: gerade das Richtige zum Lachen und Aufmuntern in dieser tristen Jahreszeit. Die Mitwirkenden würden sich sicherlich freuen, vor einem vollen Haus auf der Bühne zu stehen, sie haben es verdient! Gelegenheit hierzu ist gegeben am kommenden Wochenende, am Sonnabend, 21. November, um 20 Uhr, Sonn­tag, am 22. November, um 15.30 Uhr und 20 Uhr, sowie am 28. November, 5. und 13. Dezember jeweils um 20 Uhr. |

Lütte witte Siedenschoh (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

LÜTTE WITTE SIEDENSCHOH

Komödie in fünf Akten von Ingo Sax

Inszenierung: Bigge Lünemann a. G.
Bühnenbild: Bigge Lünemann a. G.

Souffleuse - Hanna Christoffers
Requistiten - Monika Eilers
Inspektion - Anke Schluppkotten
Technik - Manfred Eilers, Günter Newerla, Horst Vollbrecht, Alfred Christoffers und Julius Schumann.

Rollen und Darsteller
Benno Roggenkamp - Klaus Aden
Fiete Roggenkamp - Marc Gelhart
Huushollersch - Heidi Rausch
Deern ut de Stadt - Elke Theesfeld

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 25. September 1998

Alt-Bauer Benno entwickelt im Alter noch Frühlingsgefühle

Erste Premiere der Niederdeutschen Bühne am Sonnabend

Frühlingsgefühle eines starrsinnigen Alt-Bauern: Die Niederdeutsche Bühne beginnt ihre diesjährige Saison mit der Komödie „Lütte witte Siedenschoh" von Ingo Sax, die am Sonnabend, 26. September, 20 Uhr, im Stadttheater Wilhelmshaven Premiere hat. Die Regie für die 1991 in Hamburg uraufgeführte Komödie hat als Gast Bigge Lünemann übernommen. Von ihr stammt auch der Bühnenbildentwurf. Bigge Lünemann, Inspizientin bei der Landesbühne, ist bei der Niederdeutschen Büh­ne nicht unbekannt; denn bereits in der vorletzten Spiel-Saison inszenierte sie mit Erfolg ein plattdeutsches Bühnenstück. Derzeit laufen die Proben auf Hochtouren. Die Amateurspieler, inzwischen von der Probebühne auf die große Bühne im Stadttheater „umgesiedelt" , sind geschminkt und machen sich vertraut mit den Requisiten. Die diesjährige Premiereaufführung ist mit nur vier Spielerrollen besetzt. Das Publikum kann sich freuen auf die bekannten Gesichter von Heidi Rausch (Hushollersch), Elke Theesfeld (Deern ut de Stadt) und Klaus Aden (de Buur). Neu und zum ersten mal auf der Bühne steht Marc Gelhart als Sohn.

Als Souffleuse geht Hanna Christoffers in den Flüsterkasten. Verantwortlich für die Requistiten ist Monika Eilers. Inspektion übernimmt Anke Schluppkotten. Die fleißigen Techniker hinter der Bühne sind Manfred Eilers, Günter Newerla, Horst Vollbrecht, Al­fred Christoffers und Julius Schumann. Das Bühnenbild, eine Bauernküche aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg, in der das Stück spielt, wirkt schlicht. Sparsam und ohne überflüssiges Mobiliar ausgestattet, kann kaum etwas von den zwischenmenschlichen Beziehungen in dem Vier-Personen-Stück ablenken.

Der Ablauf ergibt sich aus dem Zusammenleben von vier Menschen aus zwei Generationen, die anfangs nicht so zusammenkommen können und wollen, wie es eigentlich in einer Komödie üblich ist. Da ist der alte starrköpfige Bauer Benno Roggenkamp, ein echter Haustyrann, der sich in eine „söte" Deern verknallt, Süßholz raspelt und ganz närrisch auf Freiersfüßen tänzelt. Das ist Fiete, sein Sohn, der Nackenschläge des sturen Vaters ertragen muß und der nicht Manns genug ist, klare Verhältnisse zu schaffen, um seine heimliche Verlobung zu offenbaren. In Sachen weiblicher Taktik ist die Haushälterin Lisa die Verbündete Katharinas/ Trinas, der heimlichen Verlobten Fietes. Wie diese tiefsinnige Komödie ausgeht, das wird der Zu­schauer erfahren, wenn er am morgigen Sonnabend um 20 Uhr zur Premiere ins Theater kommt .

Die nächsten Aufführungen steigen am Sonntag, 27. Sep­tember, 20 Uhr; Sonntag, 4. Oktober, 15.30 Uhr und 20 Uhr, sowie Freitag, 9. Okto­ber, 20 Uhr. dw

Heidi Rausch, Marc Gelhart

JEVERSCHES WOCHENBLATT vom 29. September 1998

Die Darsteller erhielten Applaus auf offener Szene

Niederdeutsche Bühne erhielt lang anhaltenden Beifall für „Lütte witte Siedenschoh"

(js) Wilhelmshaven. Witte Siedenschoh, Größe 38, sorgten bei der jüngsten Premiere der Niederdeutschen Bühne am Sonnabend im Stadttheater für vergnügliche Komplikationen. Mit amüsantem Wortgeplänkel und hervorragenden Darstellern begeisterte die Niederdeutsche Bühne mit der Komödie „Lütte witte Siedenschoh" aus der Feder von Ingo Sax. Als Dank erhielten sie langanhaltenden Beifall vom begeisterten Publikum. Ein Wunsch ist nur so lange reizvoll und interessant, so lange er unerfüllt bleibt. Bekommt man das Gewünschte, verliert es of seinen Reiz. So ergeht es auch Bauer Benno Roggenkamp, ein starrsinniger Bauer und Haustyrann. Er verliebt sich in ein junges Mädchen und erlebt seinen zweiten Frühling. Bennos Hof ist einer der größten im Hamburger Umland. Während der Erntezeit müssen Tagelöhner angeworben werden, um die Ernte einzubringen. Bei klarem Verstand hätte Benno niemals eine junge Frau angenommen, die für Kost und Logis arbeiten will. Aber Erntedruck, Personalnot und rote Haare trüben seinen Blick. Gerade die roten Haare, gepaart mit Fleiß und Ausdauer, verwirren seinen Kopf.

So kommt Trina auf den Hof, die eigentlich Katharina heißt. Sie ist die heimliche Verlobte von Bennos Sohn Fiete. Doch Katharina ist nicht standesgemäß. Sie ist ein Mädchen aus der Stadt. Da müssen List und Tücke angewendet werden, um Katharina auf den Hof zu bringen. Bennos Haushälterin und ewige Verlobte, Lisa, weiß von den Heimlichkeiten des jungen Paares. Lisa stellt Katharina als Hausmagd ein, während sie ihre Schwester besucht. So wird aus Katharina Trina und dem Bauer als Tochter aus vermögendem Haus vorgestellt. Er ist sofort Feuer und Flamme. Benno macht Trina den Hof. Schnell spricht er von Heirat und kauft ihr „lütte witte Siedenschoh, Größe 38". Das paßt natürlich Lisa nicht, die aber nicht auftrumpfen darf, da sie von Benno im Alter versorgt werden will. Doch irgend jemand muß die Verwechslung aufklären. Benno will nicht, Fiete kann nicht, Lisa darf nicht. Bleibt also nur Trina. Weibliche Lisl ist gefragt, Schläue gegen Verliebtheit. So verspricht sie, daß alles geregelt sein wird, wenn „der Junge zum Mann und der Mann zum Vater" wird.

Immer wieder erhielten die vier Darsteller Applaus auf offener Szene. Mil Klaus Aden, Marc Gelhart, Heidi Rausch und Elke Theesfeld hatte Bigge Lünemann als Regisseurin eine hervorragende Wahl getroffen. Klaus Aden war wie geschaffen für die Rolle als Benno Roggenkamp. Auf der einen Seite der starrsinnige Bauer und Haustyrann, der seinem erwachsenen Sohn mit Nackenschlägen auf den rechten Weg bringen will. Seine Hochzeit mil Lisa schiebt er immer hinaus, weil sie Geld kostet. Aber es gibt auch noch eine andere Seite an Benno. Diese kann sanft und zärtlich sein, aber die erlebt nur Trina. Für sie kauft er Lackschuhe und tauscht sie schließlich auf Anraten von Sohn Fiete gegen Siedenschoh ein. Eigentlich denkt Fiete dabei an seine eigene Hochzeit mit Trina und merkt nicht, wie Benno Trina umgarnt. Die Verwirrung ist perfekt. Trina, gekonnt dargestellt von Elke Theesfeld, hat eine glänzende Idee, sie will Bennos Wunsch erfüllen, denn sie hofft, wird sein Wunsch Wirklichkeit, will er sie nicht mehr.

Da hält sie ihm sehenswert ihrer beiden Zukunft vor Augen. Fünf Kinder möchte sie mit ihm, twee Jungs un dree Deerns. Benno soll tanzen lernen, und sie bringt ihm gleich die ersten Walzerschritte bei. Außerdem brauchte sie eine weitere Haushaltshilfe, denn mit fünf Kindern hat sie nicht mehr viel Zeit für die Hausarbeit. Als Trina ihn schließlich noch auffordert, sein Testament zu ihren Gunsten zu ändern, verläßt Benno die Küche. Er geht zum Nachdenken in den Stall. Unterstützt in ihren Spielchen wird Trina von Bennos Verlobter Lisa, herrlich gespielt von Heidi Rausch. Bleibt zum Schluß noch Fiete, der erst noch zum Mann werden muß, damit er seine Katharina in die Arme schließen kann. Mit der Neubesetzung Marc Gelhart hat die Niederdeutsche Bühne einen Glücksgriff gemacht, meisterhaft füllt er die Rolle des „noch etwas grün hinter den Ohren wirkenden Bauernsohn" aus. Frisch, und scheinbar ohne Lampenfieber, meisterte er bravourös seinen ersten Part.

Die nächste Aufführung der Niederdeutschen Bühne ist am Sonntag, dem 4. Oktober, um 15.30 und 20 Uhr im Stadttheater.

Marc Gelhart, Klaus Aden

Marc Gelhart, Elke Theesfeld

Witte Wyandotten (1. WA)

1. Wiederaufführung (2), davor 68/69

WITTE WYANDOTTEN

Komödie in drei Akten von Konrad Hansen

Inszenierung: Jürgen Reiners a.G.

Rollen und Darsteller
August - Horst Karstens
Pauline, Nachbarin - Hanna Christoffers
Pit - Rolf-Peter Lauxtermann
Opa Hartmann - Günter Boye / ab 2 Vorstellung Jürgen Reiners
Schwiegertochter Emmy - Margot Andrews-Jäkel
Makler Krawuttke - Michael Hillers

WILHELMSHAVENER ZEITUNG, Ostersamstag 1998

Nicht nur Hühnerfans begeistert

Niederdeutsche hatte mit „Witte Wyandotten" gelungene Premiere

Von Astrid Fertig

Bei Wyandotten handelt es sich um eine aus Amerika stammende Hühnerrasse mittelgroßer, reichbefiederter Fleisch- und Legehühner. Wenn nun ein Theaterstück „Witte Wyandotten" heißt, wie das von Konrad Hansen, das am Gründonnerstag bei der Niederdeutschen Bühne im Stadttheater Premiere hat­te, erwartet der Zuschauer womöglich, Federvieh auf der Bühne zu erleben. Konnte er auch. Unsichtbare Wyandotten waren das, die Haustiere von Hauptfigur Opa Hartmann (Günter Boye), denen er liebevoll durch die Stube hinter­hersteigt, wodurch seine Familie, bestehend aus Schwie­gertochter Emmy (Margot Andrews-Jäkel) und deren Bekanntem August (Horst Karstens), ihrerseits reagiert wie ein aufgeregter Hühnerhof. Schließlich verdirbt ihnen Opa mit seinem Blick auf Phantasie-Federvieh das Geschäft mit dem windigen Makler Krawuttke (Michael Hillers). Da scheint August nur noch eines zu helfen: Opa muß weg. Pit (Rolf-Peter Lauxtermann), der schon wegen Mordes gesessen hat, scheint ihm der richtige Mann dafür zu sein. Doch der Mordversuch nimmt eine überraschende Wende.

„Witte Wyandotten" ist eine hintergründige Komödie um Lebensklugheit, die sich hinter vermeintlicher Trotteligkeit verbirgt. Wunderbar selbstverständlich spielt Boye den tüdeligen Hühnerfan. Nichts bringt ihn aus der Ruhe, und warum Pit ihm mit dem Revolver vor der Nase herumfuchtelt, kann er sich gar nicht denken. Dabei weiß Opa Hartmann genau, was er will. Eine Hühnerfarm drau­ßen auf dem Land.

Schon vor dreißig Jahren hat Günter Boye in „Witte Wyandotten" auf der Bühne des Stadttheaters gestanden. Ob er den rabiat-geschäftstüchtigen August, den er damals spielte, genausogut verkörpert hat, wie jetzt Opa Hartmann, läßt sich nicht mehr beurteilen. Die aktuelle Rolle ist ihm jedenfalls wie auf den Leib geschneidert. Die Rolle des August wird im aktuellen Stück von Horst Karstens überzeugend hemdsärmelig-polternd dargestellt. Lauxtermann als gedungener Mörder beeindruckt schon durch seine hünenhafte Gestalt in Trench und Schlapphut. Bezaubernd ist Hanna Christoffers als rührige Nachbarin Pauline, ob sie nun Opa Hartmann hausfraulich mit Kaffee versorgt, sich kindlich über einen Pelzmantel freut oder verliebt mit ihrem Nachbarn Tango tanzt.

Auch Michael Hillers ist ein hinreichend schmieriger Häusermakler. Margot Andrews-Jäkel als Emmy trägt den Gegensatz zwischen zuckersüß und kaltschnäuzig sehr dick auf. Die Zuschauer, die zwei Drittel des Saales füllten, bekamen eine gelungene Premiere zu sehen.

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Phantasie-Hühner in der Stube

Donnerstag Premiere der Niederdeutschen mit „Witte Wyandotten"

Klaus Aden, Bühnenleiter der Niederdeutschen, war etwas irritiert von der perfekten Aufführung, die ihm am Montag im Stadttheater geboten wurde. „Für eine Generalprobe ist das eigentlich zu gut gelaufen", seufzte er begeistert. Schauspieler sind abergläubisch. Die Zuschauer dürfen gespannt sein, ob die Peremiere von „Witte Wyandotten" am Donnerstag ebenso gut klappt.

Zur Generalprobe war die Bühne schon komplett eingerichtet. Der Blick geht in eine gutbürgerliche Stube: Lindgrüne Tapeten, Tütenstehlampe in der einen Ecke, Schusterpalrne in der anderen, an den Wänden Landschaftsbilder und maritime Motive: Doch die Bilder haben Rückseiten. Auf denen kleben Abbildungen von Hühnern der Rasse „weiße Wyandotten". Die hat der Bewohner des Hauses, Opa Hartmann (Günther Boye), früher gezüchtet, bis Schwiegertochter Emmi (Margot Andrews-Jäkel) es verboten hat. Jetzt laufen die Hühner nur noch in Opas Phantasie herum, und mit seinen suchenden Blicken erschreckt er alle Leute. Ihn selbst kann dagegen nichts erschüttern. „Schreckhaft sind Se wohl ok nich?", brüllt Rolf-Peter Lauxtermann seinen Schauspielerkollegen über den Tisch hinweg an. Er spielt den gedungenen Mörder Pit, der Opa Hartmann um die Ecke bringen soll. Günther Boye zuckt noch nicht einmal. Gemütlich steht er auf, verkündet, „nu wullt wi wohl erstmal 'n Lütten hebben" und langt die Schnapsflasche aus der Anrichte. Dann stellt er fest, daß auch Pit der Hühnerrasse „Wyandotten" verfallen ist.

„Küken? Doch wohl nich Höhnerküken", schreit er entzückt, und aus dem Zuschauerraum ruft Regisseur Jürgen ReinerS begeistert „schön" zurück. Dann wendet der Regisseur sich leise an den zweiten Zuschauer bei dieser Probe, Bühnenleiter Aden. „Jetzt paß auf, jetzt dreht er alle wieder um". Tatsächlich wendet Boye die Bilder an den Wänden und läßt die Hühner zum Vorschein kommen. „Im Buch ist eine Tätowierung angesagt", erklärt Reiners. Opa Hartmann sollte sich das Hemd aufreißen, um das eingestichelte Huhn auf seiner Brust vorzuführen. Aber derart markige Gesten fand der Regisseur „blöd".

Es ist das erste Mal, daß Reiners Regie führt. Der gebürtige Bassurner war vorher in Bremen als Inspizient und Regieassistent tätig. Er ist ebenfalls von dem Ablauf der Generalprobe angetan, auch wenn er nach dem letzten Vorhang statt Schlußapplaus lediglich Anweisungen gibt, wie die Schauspieler sich zu verbeugen haben. Der elegante Abgang ge­hört eben auch zu einer gelungenen Aufführung. Die Premiere beginnt am Donnerstag um 20 Uhr im Stadttheater.

De Regenmaker (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

DE REGENMAKER

Von Richard N. Nash
Niederdeutsch von Hans-Jürgen Ott

Inszenierung: Bigge Lünemann a.G.

Rollen und Darsteller
Lies - Christine Fein
Regenmaker - Jürgen Tapken
Altbauer - Klaus Aden
jüngerer Sohn - Thorsten Könnecke
älterer Sohn - Michael Hillers
Gendarm Fritz Garfs - Wilfrid Pampuch

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 10. Februar 1998

Donner wurde zu Beifall

Laiendarsteller der Niederdeutschen überzeugten bei ihrer Premiere

Vordergründig geht es um die langanhaltende Trockenheit auf dem Land in dem Stück „De Regenmaker", mit dem die Niederdeutsche Bühne am Sonntag im Stadttheater Premiere hatte. Seit Wochen hat es in dem kleinen norddeutschen Dorf nicht geregnet, und der Bauernfamilie Jensen verendet das Vieh. Zu verdorren droht ihnen aber auch die Tochter des Hauses. Lies (Christine Fein) ist eine tüchtige, junge Frau, aber ihr fehlt das Vertrauen in ihre Weiblichkeit. Vergeblich versuchen der Bauer (Klaus Aden) und seine Söhne (Michael Kever und Thorsten Könnecke), sie an den Mann zu bringen. Schließlich kommt ein windiger Visionär in Umhang und Schlapphut daher (Jürgen Tapken) und verspricht Erlösung von der überlangen Dürre. Und so ist „De Regenmaker" auch ein Stück über Liebe und Einsamkeit, über Unsicherheit und Träume. Vieles ist symbolisch an dieser Geschichte. Manche Erzählungen beschwert eine so ausgeprägte zweite Ebene. Aber „De Regenmaker" gewinnt durch sie. Den Laienschauspielern der Niederdeut­schen Bühne gelingt es, die Typen nicht nur dadurch zu verkörpern, was sie sagen, sondern darin, was sie tun.

Was für ein verschlossener Mensch der Dorfgendarm Fritz Garfs (Wilfried Pampuch) ist, erkennt am besten, wer ihm beim Stiefelwichsen zusieht. „Ick will von nüms wat" hätte er dazu gar nicht mehr sagen müssen. Auf den Leib geschrieben ist Thorsten Könnecke seine Rolle als jüngerer Bauernsohn. Wie Quecksilber perlt er über die Bühne, dem Leben vertrauend, selbst ein blaues Auge verzeihend, und bereit, für den Regenmacher die Trommel zu schlagen. Michael Kever verkörpert das Vernunftprinzip des älteren Bruders, indem er sich mit verschränkten Armen abwendet von dem Leben, das nicht läuft, wie die Logik es vorschreibt. Und der Altbauer, gespielt von Klaus Aden, wischt sich dazu ratlos mit dem Schnupftuch über die Stirn.

Geradezu wie eine der großen, tragischen Frauengestalten aber wirkt Christine Fein in ihrer Rolle als Lies. Es ist bemerkenswert, welche Gefühlsvielfalt sie allein in ihren Blicken ausdrücken kann. Starr blickt sie und läßt das Urteil ihres älteren Bruders, sie sei häßlich, auf sich wirken, umgeben von einer Aura tiefer Trauer. Panisch sieht sie ihren Vater an, als sie ihn bittet, ihr zu helfen. Und schließlich strahlen ihre Augen mit tiefer Zuversicht demjenigen ins Gesicht, für den sie sich entschieden hat.

Ihr Gegenpart ist Jürgen Tapken als Regenmacher, wie er begeistert und überzeugend versichert, daß er ein Wunder bewirken kann, auch wenn er das vorher noch nie geschafft hat. Aber „ohne Vertroon löpt nix", und mit dem Vertrauen, daß ihm die Bauersleute schenken, kommt es schließlich zu einem gewaltigen Wolkenbruch. Der segensreiche Gewitterdonner, mit dem das Stück endete, ging fast übergangslos in den verdienten Beifall des Stadttheater-Publikums über.

Die nächsten Aufführungstermine von „De Regenma­ker" sind am kommenden Wochenende jeweils um 20 Uhr und am Sonntag zusätzlich um 15.30 Uhr.

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