Pasters, Pasters nix as Pasters (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

PASTERS, PASTERS, NIX AS PASTERS

(Loop doch nich jümmer weg)
Farce in drei Akten von Philip King
Niederdeutsch von Hans-Jürgen Ott

Inszenierung und Bühnenbild: Martin Erhard a.G.

Bühnenbildbau: Alfred Christoffers, Julius Schumann
Bühnentechnik: Manfred Eilers, Sönke Kiewitt, Günter Newerla
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Inspizient und technische Leitung: Klaus Panka
Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Souffleur: Günter Boye
Requisiten: Monika Eilers

Rollen und Darsteller
Ina, ein Dienstmädchen - Petra Loschen
Fräulein Dorothea - Heidi Rausch
Ernst Bornemann, Pfarrer - Claus Miehlke
Jessica, seine Frau - Marion Zomerland
Stefan Fritsch, Bootsmannsmaat - Alf Hauken a. G.
Ein Mann - Horst Karstens
Gregor Michaelis, Oberkirchenrat - Horst Jönck
Pfarrer Bertzbach - Günter Jaedeke
Wachtmeister Preuß - Gerd Thomßen

Wenn du Geld hest (2. WA)

2. Wiederaufführung (3), davor 1957/58 und 1974/75 gespielt

WENN DU GELD HEST

Volkskomödie in drei Akten von Wilfried Wroost,
Fassung für die Niederdeutsche Bühne Wilhelmshaven von Arnold Preuß

Inszenierung: Arnold Preuß
Bühnenbild: Antje Schierhorn
Kostüme: Antje Schierhorm

Inspizient:: Luise Pampuch
Souffleuse: Karin Heyel/Hildegard Steffens
Regieassistenz: Elke Theesfeld
Requisiten: Monika Eilers
Bühnenbau: Alfred Christoffers, Julius Schumann
Bühnentechnik: Manfred Eilers, Sönke Kiewitt, Günter Newerla
Bühnenmalerei: Herbert Ulbrich
Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Technische Leitung: Klaus Panka

Rollen und Darsteller
Julius Kappelhoff - Klaus Aden
Rudolf, Taxi - Chauffeur, sein Sohn - Jürgen Tapken
Lissi, Hausangestellte, seine Tochter - Dagmar Grube
Fredi, Hoteldiener, sein Sohn - Thorsten Könnecke
Frol. Emilie Kappelhoff, Julius Schwester - Brigitte Halbekath
Oskar Pommerenke, kaufmännischer Angestellter - Heinz Zomerland
Alma Roggenbuck, Wwe. Inh. einer Autovermietung - Barry Brinkhoff
Helga, ihre Tochter - Martina Zahn
Robert M. Dörmann, Inhaber einer Schiffsbefrachterfirma - Friedrich Müller

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 17. NOVEMBER 1997

Amüsantes Spiel um plötzlichen Reichtum überzeugend dargestellt

Niederdeutsche Bühne begeisterte mit Premiere im Stadttheater

Die alte Weisheit, daß Geld nicht glücklich macht, kein Geld aber auch nicht, illustriert das neue Stück der Niederdeutschen Bühne, „Wenn du Geld hest", das am Sonnabend Premiere hatte, auf witzige und anrührende Weise. Da ist Familie Kappelhoff. Vater Julius (Klaus Aden), Witwer mit der stehenden Rede „Kunn ick mi ja eigentlich glieks denken", läßt sich von seiner Schwester Emilie (Brigitte Halbekath) versorgen. Diese, ein seit 30 Jahren verlebtes Fräulein, hat auch seine Kinder Lissi (Dagmar Grube), Rudolf (Jürgen Tapken) und Fredy (Thorsten Könnecke) großgezogen. Vater Kappelhoff möchte seinem tyrannischen Chef am liebsten den Job kündigen. Sein Ältester wiederum verehrt die Tochter seiner Arbeitgeberin, doch die süße Helga (Martina Jahn) soll, um des lieben Geldes willen, eine reiche Partie machen.

Plötzlich taucht Oskar Pommerenke auf (Heinz Zomerland), der Kappelhoff noch aus Kriegstagen kennt. Und mit dem alten Kameraden kommt Geld ins Spiel. Viel Geld. Einen Lottogewinn von 354 000 Mark hat Pommerenke eingestrichen. Weil ihm Forderungen drohen, hat er das Geld auf ein Sperrkonto gepackt, und es auf Kappelhoffs Namen ausstellen las­sen. Doch durch den plötzlichen Reichtum kommt es zu wilden Verwicklungen, nicht nur finanzieller, sondern auch menschlich, allzu menschlicher Art. Pommerenkes alter Onkel entpuppt sich als der langersehnte Verlobte von Tante Emilie...

Mit seiner Interpretation hat Regisseur Arnold Preuß sehr schön das Lebensgefühl der 50er Jahre eingefangen. Die Pausenmusik „Rock around the clock" stimmte auf die gute Stube der Kappelhoffs mit Tütenlampen und Radio ein. Die Schauspieler überzeugten alle. Debütantin Martina Jahn als zarte Braut, Jürgen Tapken als ihr hemdsärmeliger Bräutigam. Alert und flink Thorsten Könnecke als Kellner Fredy in gestreifter Uniform. Schön getragen wirkte Friedrich Müller in seiner Kurzrolle als Kappelhoffs Dienstherr Dörmann. Ganz wunderbar war Klaus Aden als Vater Kappelhoff. Ihm gelang das Kunststück, nicht nur den Brummeligen zu spielen, sondern gespielte Brummigkeit darzustellen. Ob Berta Brinkhoff amüsanter war als eisige Witwe Roggenbuck oder als zuckersüße, künftige Schwiegermama, war sicherlich schwer zu entscheiden.

Die Palme gebührt jedoch Brigitte Halbekath als emotionaler Tante Emilie. So sah es auch das Publikum, das ihr den meisten Applaus zollte. Sie stellte eine solche Bandbreite von Gefühlen dar, sentimental, liebevoll, aufgeregt, bekümmert, daß man glauben mochte, sie sei auch im wirklichen Leben so. Aber von ihrer Rolle als Martha in der niederdeutschen Fassung von „Harold und Maud" weiß man, daß Halbekath auch ganz anders kann.

Die nächsten Aufführungen von „Wenn du Geld hest" finden am Dienstag, 25. , Freitag 28. und Sonntag, 30. November statt, jeweils ab 20 Uhr im Stadttheater. Fe

 

Allens echt, Fro Sperling? (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

ALLENS ECHT, FRO SPERLING?

Komödie in 7 Bildern von Horst Pillau,
nach einem Lustspiel von Erich Krekel,
Niederdeutsch von Jürgen Pooch

Inszenierung: Michael Hermann a.G.
Bühnenbild: Michael Hermann/Klaus Panka

Requisiten: Margita Pust/Klaus Panka
Bühnenbau: Alfred Christoffers, Julius Schumann
Bühnentechnik: Manfred Eilers, Sönke Kiewitt, Michael Müller, Günter Newerla
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Technischer Leiter Klaus Panka
Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Inspektion: Margot Andrews-Jäkel
Souffleuse: Helga Lauermann

Rollen und Darsteller
Carla Sperling, Antiquitätenhändlerin - Roswitha Wunderlich
Alexander, ihr Mann - Walter Bleckwedel
Helga, ihre Tochter - Christel Dörnath
Werner, ihr Schwiegersohn - Michal Hillers
Erich Übelacker, Hotelier - Ingo Folkers
Hellig, Kunstdieb - Horst Jönck

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 29. September 1997

Wenig Publikum bei Premiere der Niederdeutschen Bühne

Unverdientes Desinteresse für eine gelungene Inszenierung

Von Astrid Fertig-Niespor

Es wäre für die Niederdeutsche Bühne ein schöner Start in die neue Spielzeit gewesen, wenn sie ihre Premierenvorstellung von „Allens echt, Fro Sperling" am Sonnabend nicht vor halbleerem Theater hätten geben müssen. Doch die Zuschauer, die gekommen waren, hatten ihr Vergnügen an der Geschichte von der plietschen Antiquitätenhändlerin Carla Sperling. „Oh ist das schön", kam es gleich, als der Vorhang sich hob. Die Bühnenbildner hatten ganze Arbeit geleistet. Ein guter Einfall war es, hinter dem Geschäft eine Straßenszenerie anzudeuten, so daß es von beiden Seiten Publikum hatte: nach vorne Zuschauer, nach hinten Laufkundschaft. Aus dem Hintergrund tauchte er dann ja auch auf, der Spitzbub mit dem Namen Heilig, wunderbar verkörpert von Horst Jönck. Gewandet in Agenten-Trenchcoat und Schlapphut wirkt der Hehler unauffällig, bis er die Brauen hochzieht, die Augen wichtig aufreißt und Pro Sperling von einem „sakralen Heuler" und anderen Schnäppchen vor­schwärmt. Einen hübschen Gegensatz zu diesem umtriebigen Menschen bildete der Hotelier Überlacker. Schmallippig und in trockenem Hochdeutsch fordert Ingo Folkers sein Recht, bis er sich schließlich mit Fro Sperling verbündet, „Erich" heißt und platt schnackt.

Sehr gut besetzt ist mit Walter Bleckwedel auch die Rolle des zurückhaltenden Ehemannes der Fro Sperling. Der 64jährige gehört dem Seniorentheater der Landesbühne, de „Wellenbrechern", an und gibt bei der Niederdeutschen ein Gastspiel. Hinreißend mürrisch brummelt er sein „ehrlich währt am längsten", bis er sich am Schluß ganz warmherzig zeigen kann, und seiner Frau einen für 30 Jahre Ehe erstaunlich feurigen Kuß aufdrückt. Aber ihr, die diese Frau Sperling, spielt, Roswitha Wunderlich, gebührt in diesem Stück die Palme. So sah es auch das Publikum und bedachte sie mit dem meisten Beifall. Geschäftstüchtig, mit beiden Beinen mitten im Leben stehend und manchmal doch anrührend naiv, so stellt Wunderlich die Antiquitätenhändlerin dar. Für eines ihrer überzeugend geführten Telefonate gab es spontanen Szenenapplaus. Es ist amü­sant und hintersinnig zugleich, wie sie aus dem Platt dabei in ein gedrechseltes Hochdeutsch springt, um gelegentlich mit einem breiten „Nää" oder „Wat?" doch wieder ins angestammte Idiom zurückzufallen.

Gerade bei der Ausgestaltung der Hauptfigur spürt man auch die engagierte Arbeit des Regisseurs Michael Herrmann. Hat Fro Sperling Oberwasser, läßt er sie in Taubenblau auftreten. Als sich dunkle Wolken über ihrem Geschäft zusammengeballt haben, klatscht nicht nur Regen gegen das Schaufenster, auch die Kleidung der Händlerin ist nieselgrau. In Ordnung waren auch die Leistungen von Michael Hillers als Schwiegersohn in Nöten und seiner Frau Helga, gespielt von Christel Dörnath, die damit ihr Debüt bei der Niederdeutschen gibt.

Es wäre unfair, ihnen vorzuwerfen, daß man ihm in seiner Jugendlichkeit nicht drei Ehefrauen abnimmt, und sie zu bodenständig wirkt, um als Esoterikerin durchzugehen. Allen Beteiligten ist zu wünschen, daß sie bei den Aufführungen an den beiden kommenden Wochenenden mehr Publikum haben.

Up Düvels Schuuvkar (3. WA)

3. Wiederaufführung (4), davor 1947/48, 1959/60 und 1974/75

UP DÜVELS SCHUUVKAR

Komödie in vier Akten von Karl Bunje
Inszenierung: Horst Jönck
Bühnenbild. Karls Ransleben


Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Requisiten: Monika Eilers
Inspizient: Anke Schluppkotten
Souffleuse: Roswitha Wunderlich
Bühnenbildbau Alfred Christoffers, Julius Schumann
Bühnentechnik Manfred Eilers, Sönke Kiewitt,
Michael Müller, Günter Newerla
Bühnenmaler Herbert Ulbrich

Rollen und Darsteller
Heiko Herkens, Bauer - Manfred Janssen
Taline, Magd - Karin Heyel
Jann Spinn, Knecht - Klaus Aden
Marie, Flüchtlingsmädchen - Petra Loschen
Fiet Hilmer, Gendarm - Horst Karstens
Helga, seine Tochter - Sandra Uehlken

Hamborger Beer (1. WA)

1. Wiederaufführung(2), davor 1962/63 gespielt

HAMBORGER BEER

Komödie von Heinrich Behnken

Inszenierung: Bigge Lünemann
Bühnenbild: Bigge Lünemann
Kostüme: Gabriele Taphorn

Souffleuse: Wilma Welte
Requisiten: Anke Schluppkotten
Bühnenbau: Alfred Christoffers, Julius Schumann
Bühnentechnik: Manfed Eilers, Sönke Kiewitt, Michael Müller, Günter Newerla
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Inspizientin: Anke Schluppkotten

Rollen und Darsteller
Jochen Barkhahn, Broherr in Hamburg - Horst Jönck
Abelke, seine Tochter - Elke Theesfeld
Gesa, sene Tochter - Dagmar Grube
Klaus van Huden, Leutnant im Hamburger Kriegsvolk - Ralf-Rüdiger Bayer
Nickel Strump, Kaufmann - Manfred Janssen
Hinnerk Brandt, Broherr in Lübeck - Karl-Heinz Schröder
Heino, sein Sohn - Torsten Könnecke
Jonni Voß, Kröger in Lauenburg - Günter Boye

Een Slötel för twee (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

EEN SLÖTEL FÖR TWEE

Komödie von John Chapmann und Dave Freemann
Deutsch Paul Overhoff
Niederdeutsch Gerd Meier

Inszenierung und Bühne: Albrecht C. Dennhardt
Regieassistenz Roswitha Wunderlich Bühnenbau: Alfred Christoffers, Erwin Hildebrand, Julius Schumann
Bühnentechnik: Manfred Eilers, Sönke Kiewitt, Michael Müller,
Günter Newerla, Gesienus Thomas
Inspizient:: Klaus Panka
Souffleuse: Hanna Christoffers
Requisiten: Monika Eilers
Beleuchtung Peter Pfaus, Uwe Freiberg

Rollen und Darsteller
Kai - Michael Hillers
Monika - Marion Zomerland
Jürgen - Jürgen Tapken
Gabi - Christine Fein
Horst - Michael Kever
Magda - Helga Lauermann
Henriette - Margot Andrews-Jäkel

Amaretto (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

AMARETTO

Kriminalstück von Ingo Sax

Inszenierung: Jürgen Tapken und Marion Zomerland
Bühnenbild: Jürgen Tapken/Marion Zomerland

Requisiten Monika Eilers
Bühnenbau: Alfred Christoffers, Erwin Hildebrand, Julius Schumann
Inspizient: Helga Borraß
Souffleuse: Christel Dörnath
Bühnentechnik: Manfred Eilers, Sönke Kiewitt, Michael Müller, Günter Newerla
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg

Rollen und Darsteller
Beatrice Moormann, Witwe von Konsul Moormann - Brigitte Halbekath
Julia Moormann, de Dochter von Beatrice - Wilma Welte
Manfred Reimers, Verlobte von Julia - Günter Jaedeke
Nicola Rohde, die Nichte von Beatrice - Elke Theesfeld
Andreas Lüdecke, der Neffe und Geschäftsführer von Beatrice - Torsten Könnecke
Karin, Haushälterin von Beatrice - Margot Andrews-Jäkel
Dr. Hadenfeld, Hausdoktor - Klaus Aden

Döör an Döör´nanner (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

DÖÖR AN DÖÖR´NANNER

Farce in drei Akten von Frank Gruppe

Inszenierung: Horst Jönck
Bühnenbild: Carl Ransleben

Souffleuse: Anke Schluppkotten

Rollen und Darsteller
Herta Müller-Meisenstein - Hildegard Steffens
Antonia Kleinschmidt - Helga Lauermann
Herr Klapproth - Heinz Zomerland
ECW-Fan - Herta Tapken
Arnulf Schmidt, Schauspieler - Ingo Folkers
Uwe Barsig - Manfred Janssen
Doktor, Polizist - Michael Müller

Mien Mann, de fohrt to See (4. WA)

4. Wiederaufführung (5), davor 1950/51, 1953/54, 1962/63 und 1977/78

MIEN MANN, DE FOHRT TO SEE

Lustspiel in drei Akten von Wilfried Wroost

Inszenierung: Horst Jönck
Bühnenbild: Carl Ransleben

Rollen und Darsteller
Karl Brammer - Horst Karstens
Mary Brammer - Christine Fein
Friedrich Brammer - Ralf-Rüdiger Bayer
Augusta-Viktoria - Luise Pampuch
Mandus Sötje - Günter Jaedeke
Malwine Sötje - Karin Heyel
Adrian Pott - Thorsten Könnecke
Ulli Stichling - Petra Loschen
Johannes Menck - Friedrich Müller
Justus Aldag - Klaus Aden

Rommee to drütt (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

ROMMEE TO DRÜTT

Komödie in drei Akten von Petra Blume

Inszenierung: Jürgen Tapken
Bühnenbild: Jürgen Tapken

Bühnenbildbau: Walter Borraß, Alfred Christoffers,
Erwin Hildebrandt, Julius Schumann
Bühnenbildmalerei: Herbert Ulbrich
Bühnentechnik: Klaus Panka, Sönke Kiewitt, Siegfried Margowski, Günter Eilers, Günter Newerla
Bühnenbeleuchtung: Uwe Freiberg, Peter Pfaus
Requisiten: Angelika Lauxtermann

Rollen und Darsteller
Helga Lauermann
Herta - Wilma Welte
Margot Andrews-Jäkel
Nichte - Dagmar Grube
Freund - Michael Hillers

Das Gangstertrio war unterwegs (Helga Lauermann, Margot Andrews-Jäkel, Wilma Welte)

Jeversches Wochenblatt

Niederdeutsche Frauen waren als "Rommeé" Damen zu jung

Bühne hatte mit "Romme to drütt" Premiere / Aufführung am 18. Februar

Von Jutta Schmidt

Wilhelmshaven. Eine gute Theateraufführung steht und fällt mit seinen Darstellern. Da ist es mitunter besser, eine geplante Aufführung vom Spielplan zu nehmen, wenn keine geeigneten Spieler da sind, als keinen Erfolg zu haben. Das dachte sich auch die Niederdeutsche Bühne Wilhelmshaven und nahm das Schauspiel "Johanninacht" wegen Erkrankung des Hauptdarstellers vom Spielplan. Ein Ersatz war schnell gefunden, "Romme to drütt", eine Komödie aus der Feder von Petra Blume wurde einstudiert.

Doch auch hier ist es Regisseur Jürgen Tapken nicht gelungen, eine optimale Rollenbesetzung zu erzielen. Zwar hatte er für seine Inszenierung altbewährte Darstellerinnen ausgesucht, die ihren Part gekonnt spielten, aber leider waren diese Damen für die Verkörperung der skurrilen alten Frauen viel zu jung. So war es auch nicht verwunderlich, daß der Funke der Begeisterung erst mit dem dritten Akt die Zuschauer erreichte, als es recht turbulent auf der Bühne zuging. Auch das Bühnenbild für diese herrliche Komödie war zu nüchtern und modern. Der laut Drehbuch verlangte Gesamteindruck von plüschig und nostalgisch fehlte weitgehendst. Denn gerade der Gedanke, daß drei alte Damen von 60 Jahren eine Bank überfallen, macht diese Komödie so liebenswert, aber leider fehlte bei den Niederdeutschen der Hauch des Alters. Vom Banküberfall als Verjüngungskur war man weit entfernt.

Trotzdem erhielten die Darsteller gebührenden Beifall für ihre schauspielerischen Leistungen, für ihre Inszenierung des dreisten Banküberfalls. Margot Andrews Jäkel und Helga Lauermann schlüpften, wenn zuerst auch widerwillig, in Männerkleidung und begeisterten das Publikum. Wilma Welte als resolute und herzkranke Herta war die tonangebende Ergänzung des Trios. Dagmar Grube als Nichte und Michael Hillers als Dagmars Freund sind weitere Darsteller dieser Komödie.

"Romme to drütt" ist die Geschichte von drei betagten Damen, jede um die sechzig und alle drei verwitwet. Zweimal wöchentlich treffen sie sich und spielen Romme. Seit zehn Jahren laufen diese gemeinsamen Nachmittage bereits wie ein Ritual ab und das ohne jegliche Höhen und Tiefen. Bis man eines Tages auf die vorkommenden Mißstände im Pflege und Altenheim zu sprechen kommt. Um an das benötigte Geld zu kommen, planen die drei, erst nur zum Spaß, einen Banküberfall. Aber die Frauen steigern sich in die Sache hinein, bis schließlich aus der Planung Realität wird.

Nun wird es brenzlig (v.l. Margot Andrews-Jäkel, Dagmar Grube, Michael Hillers,Wilma Welte und Helga Lauermann)

Die Niederdeutsche Bühne spielt noch an folgenden Tagen: Am 18. Februar um 15.30 und 20 Uhr, am 24. Februar um 20 Uhr, am z. März um 20 Uhr, am 3. März um 15.30 und 20 Uhr, am 16. März um 20 Uhr jeweils im Stadttheater Wilhelmshaven. Am 29. Februar um 20 Uhr im ev. Gemeindehaus Sande und am 1. März um 20 Uhr in der Agnes Miegel Schule.

Pension Schöller (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

PENSION SCHÖLLER

Schwank von Carl Laufs und Wilhelm Jacoby,
Plattdeutsch Hans-Jürgen Ott

Inszenierung: Arnold Preuß
Bühnenbild: Arnold Preuß

Bühnenbildbau: Walter Borraß, Alfred Christoffers,
Erwin Hildebrandt, Julius Schumann
Bühnenbildmalerei: Herbert Ulbrich
Bühnentechnik: Klaus Panka, Sönke Kiewitt, Siegfried Margowski, Günter Eilers, Günter Newerla
Bühnenbeleuchtung: Uwe Freiberg, Peter Pfaus
Requisiten: Angelika Lauxtermann, Kristina Drescher
Inspizient: Anne Hillers
Souffleuse: Brigitte Halbekath

Rollen und Darsteller
Philipp Klapproth, Hofbesitzer - Horst Jönck
Ulrike Sprosser, Witwe, seine Schwester - Wilma Welte
Ida, deren Tochter - Dagmar Grube
Franziska, deren Tochter - Petra Loschen
Alfred Klapproth, Philipps Neffe - Thorsten Könnecke
Ernst Kissling, Kunstmaler - Jürgen Tapken
Fritz Bernhardy, Großwildjäger - Claus Miehlke
Josephine Krüger, Schriftstellerin - Roswitha Wunderlich
Schöller, Pensionsinhaber - Klaus Aden
Amalie Pfeiffer, seine Schwägerin- Hanna Christoffers
Friederike, ihre Tochter - Elke Theesfeld
Eugen Rümpel - Arnold Preuß
Gröber, Major a.D. - Horst Karstens
Johann - Michael Müller

Klapproth (Horst Jönck) und Eugen Rümpel (Arnold Preuß)

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 28. Dezember 1995

Da bleibt kein Auge trocken . . .

Niederdeutsche: Horst Jönck dreht in "Pension Schöller" voll auf

Von Ernst Richter

Aber Hallo! Da haben die Silvester-Vorstellungs-Planer etwas verpaßt. Nichts gegen das träumerisch unterhaltsame Stück "Ein Winter unterm Tisch", zu dem sich am 31. Dezember um 19 Uhr der Vorhang im Stadttheater öffnen soll. Zum Zeitpunkt der Planung konnten die Silvester-Theater- Experten den klassischen Schwank "Pension Schöller" von Carl Laufs und Wilhelm Jacoby, Niederdeutsch von Hans Jürgen Ott, aufgeführt von der Niederdeutschen Bühne Wilhelmshaven, noch nicht gesehen haben. Die Premierenvorstellung ging erst am zweiten Weihnachtsfeiertag über die Bühne. Hätten sie's gesehen, hätten sie sagen müssen: Das ist unser Silvesterknaller!

"Pension Schöller" gedieh unter der Regie von Arnold Preuß zu einem echten Lachsalven Knüller. Es sind die nur so daherpurzelnden Pointen, die sich Horst Jönck als Hofbesitzer Philipp Klapproth mimisch aus dem Armel schüttelt. Situationskomik ist Trumpf. Wenn dieser aufgedrehte Horst Jönck aber nicht solch spielfreudige Partner hätte, könnte die effektvolle Handlung nicht brillieren.

Da ist die leicht überdrehte Schriftstellerin Josephine Krüger mit Künstlernamen Wanda Parletti, dargestellt von Roswitha Wunderlich, der ständig deklamierende Schauspieler Eugen Rümpel, gespielt von Arnold Preuß, der spleenige Major a. D. Gröber, gewichtigen Schrittes verkörpert von Horst Karstens, der besessene Großwildjäger Fritz Bernhardy, personifiziert von Claus Miehlke. Die alle wohnen in der "Pension Schöller". Den Pensionsinhaber bringt Klaus Aden auf die Bretter.

Hofbesitzer Klapproth (Horst Jönck) möchte urige Geschichten erleben und versprach seinem Neffen Alfred (Thorsten Könnecke) finanzielle Hilfe, wenn er ihn in eine "Klappsmöhl" bringen würde, wo er sie sozusagen hautnah erleben könnte.

Alfreds Freund, der Kunstmaler Ernst Rissling (Jürgen Tapken) weiß Rat und führt Klapproth in die "Pension Schöller" mit ihren etwas sonderlichen Gästen. Dort agiert auch Amalie Pfeiffer (Hanna Christoffers), die ihre Tochter Friederike (Elke Theesfeld) unter die Haube bringen möchte. So entwickeln sich die komischsten Situationen, die dröhnende Heiterkeit beim Publikum auslösen. Glaubt Klapproth doch, es mit Leuten zu tun zu haben, die alle nicht mehr ganz "dicht" sind. Schließlich kehrt Klapprot. mit vielen Erlebnissen beladen auf seinen Hof zurück und seine Familie meint, auch er habe nicht mehr alle Tassen im Schrank. Wilma Welte spielt Ulrike Sprosser, die Schwester Klapproths, Dagmar Grube deren Tochter Ida und Petra Loschen die verliebte Enkelin Franziska. Johann wird von Michael Müller dargestellt.

Die Besetzung mit 14 Mitwirkenden stellt höchste personelle Anforderungen an das Laien Ensemble, die hier aber beifallumrauscht realisiert werden. Dazu drei Bühnenbilder, überwiegend gemalt von Herbert Ulbrich. Für die Kostüm Auswahl konnte Gabriele Taphorn im Fundus der Landesbühne aus dem vollen schöpfen, spielt das Stück doch in den 20er Jahren. Es kann und darf gelacht werden!

Es ist kalt am Stadtsee - Jürgen Tapken und Michael Müller

Jeverersches Wochenblatt vom 29.12.1995

Gäste der Pension Schöller begeistern das Publikum

Niederdeutsche Bühne Wilhelmshaven hatte großen Erfolg mit ihrer jüngsten Premiere / Regie führte Arnold Preuß / Nächster Termin: 13. Januar

Von Jutta Schmidt

Wilhelmshaven. 111,11 Reichsmark erhielten 1889 die Dichter Carl Laufs und Wilhelm Jacoby vom Karnevalsverein Mainz für ihren Schwank "Pension Schöller". Den Narren gefiel das Stück so gut, daß sie den ersten Preis dafür hergaben. Die Niederdeutsche Bühne Wilhelmshaven erhielt am zweiten Weihnachtsabend, im fast ausverkauften Stadttheater, einen langanhaltenden Applaus vom begeisterten Publikum für ihre Interpretierung dieser Posse.

Vor einem winterlichen Bühnenbild, Kinder fahren Schlittschuh auf einem Teich, beginnt das Stück im Stadtpark. Die Erwachsenen sitzen auf den Bänken und trinken Punsch. Hier treffen sich Bürgerliche, Hofbesitzer, Künstler und Majore. Und der Drehorgelspieler macht Musik dazu. Es ist zu der Zeit, wo Damen noch lange Kleider trugen und die Herren in Gehröcken ausgingen. Hier trifft der Hofbesitzer Philipp Klapproth, hervorragend gespielt von Horst Jönck, seinen Neffen Philipp (Thorsten Könnecke). Klapproth erzählt ihm von Schneidermeister Witte, der ständig in die Großstadt fährt und am Stammtisch von seinen sonderbaren Erlebnissen erzählt, daß einem die Haare zu Berge stehen.

Damit er auch mal was erzählen kann, möchte Klapproth einmal ein Fest in einer "Klappsmühle" besuchen. Neffe Philipp soll ihm dabei helfen. Zusammen mit seinem Freund Ernst Kissling (Jürgen Tapken) führt Alfred Philipp Klapproth zu einer Feierlichkeit in die Pension Schöller. Klapproth glaubt, er sei in einer Irrenanstalt, denn die Pensionsbewohner entpuppen sich alle als sonderbare Typen. Dies wiederum sorgt für allerlei amüsante Verwirrungen und Verwicklungen, die an dieser Stelle kaum gerecht wieder gegeben werden können. Neben Situationskomik und schauspielerische Bestleistungen bestach die Darbietung aber auch durch herrliche Kostüme und wechselnden Bühnenbilder, was das Publikum immer wieder zum Beifall auf offener Szene hinriß.

Insgesamt 14 Rollen mußten besetzt werden, vom besessenen Großwildjäger bis zum duellsüchtigen Major war vieles gefordert. Arnold Preuß, Regisseur und Darsteller zugleich, inszenierte diese lustige Posse, die vor mehr als 100 Jahren für einen karnevalistischen Wettstreit geschrieben und von Hans Jürgen Ott ins Plattdeutsche übersetzt wurde. 14 Rollen die Arnold Preuß ausgezeichnet besetzt hat, denn die weiteren Mitspieler in dem Stück, das in der Zeit um 1920 spielt, waren Klaus Aden als vornehmer Pensionsinhaber, Hanna Christoffers als seine Schwägerin, Elke Theesfeld als ihre Tochter Friederike.

Arnold Preuß erleben wir als verkannten Künstler Eugen Rümpel, Wilma Weilte als Schwester von Philipp Klapproth, Dagmar Grube und Petra Loschen als ihre Töchter. Claus Miehlke mimt den besessenen Großwildjäger Bernhardy und Roswitha Wunderlich verkörpert eine aufdringliche Schriftstellerin. Horst Karstens präsentiert sich dem Publikum als strenger Major a. D. Bleibt zum Schluß noch Michael Müller als Johann zu erwähnen, der für den Punsch zuständig war.


Alfred (Thorsten Könnecke) und Friederike (Elke Theesfeld)

Weitere Vorstellungenvon "Pension Schöner" gibt es am 13. Januar um 20 Uhr, am 14. Januar um 15.3o und 20 Uhr, am 21. Januar um 15.30 und 20 Uhr, am 26. Januar um 20 Uhr und am 4. Februar um 20 Uhr, jeweils im Stadttheater. Weiter spielen die Niederdeutschen diesen Schwank am 18. Januar um 20 Uhr im Ev. Gemeindehaus Sande und am 19. Januar um 20 Uhr in der Agnes Miegel Schule in Fedderwardergroden.

Kramer Krey (4. WA)

4. Wiederaufführung (5), davor vor 1939, 1949/50, 1958/59 und 1978/79 gespielt

KRAMER KREY

Komödie in drei Akten von Hermann Boßdorf

Inszenierung: Arnold Preuß
Bühnenbild: Arnold Preuß

Bühnenbildbau: Walter Borraß, Alfred Christoffers, Erwin Hildebrandt
Bühnenbildmalerei: Herbert Ulbrich
Bühnentechnik: Klaus Panka, Sönke Kiewitt, Siegfried Margowski, Gesienus Thomas, Günter Newerla
Bühnenbeleuchtung: Uwe Freiberg, Peter Pfaus
Requisiten: Angelika Lauxtermann
Inspizient: Helga Borraß
Souffleuse: Hildegard Steffens

Rollen und Darsteller
Kramer Kray - Heinz Zomerland
Asmus Broihan - Jürgen Tapken
Meile Haak - Luise Pampuch
Hein Kohrs - Ralf-Rüdiger Bayer
Deele Rüüsch - Christine Fein
Laura Facklamm - Helga Lauermann
Piepersch - Margot Andrews-Jäkel

Das Ensemble von "Kramer Krey" - Ralf-Rüdiger Bayer, Margot Andrews-Jäkel, Helga Lauermann, Luise Pampuch, Christine Fein, Jürgen Tapken und in der Mitte Heinz Zomerland


Wilhelmshavener Zeitung vom 21.11.1995

Eroberungskünste erheitern das Publikum

Niederdeutsche Bühne Wilhelmshaven spielt Bossdorf Komödie "Kramer Krey"

Von Ernst Richter

Alle Frauen sind hinter Kramer Krey her, dem recht gut betuchten Witwer mit seiner Krämerhandlung: Die Huushollersch Mile Haak, die Reimakefroo Piepersch, das leichte Mädchen Dele Rüsch und die Wittfro Laura Facklamm. Daraus entwickelt sich eine urige Geschichte, denn der Makler Asmus Broihan verleitet Kramer Krey zu nächtelangen Sauftouren, liebt das flo'te Leben und die leichten Deerns. Andererseits hat der Junggeselle Broihan mehr als ein Auge auf die Huushollersch Mile Haak geworfen, möchte sie seinem Freund Kramer Krey ausspannen. Wird es ihm gelingen?

Die Antwort darauf gibt die Hermann Bossdorf Komödie "Kramer Krey", aufgeführt von der Niederdeutschen Bühne Wilhelmshaven. Am Sonntag war Premieren Vorstellung im Stadttheater. Die Regie führt Arnold Preuß. Heinz Zomerland spielt den Kramer Krey, der mit einem Brummschädel nach durchzechter Nacht erst mit einem nassen Feudel wachzukriegen ist, den die Reimakefroo zielsicher schwenkt. Das lustig Speel in fünf Törns hat damit begonnen. Heinz Zomerland könnte sich noch ein bißchen mehr in die Rolle dieses Krämers hineinknien, die Ärmel aufkrempeln und vom feinen Zwirn in den Küsten Alltag hineinagieren.

Das gelingt mit deftigem Temperament Margot Andrew Jäkel als Reimakfroo Piepersch. Und dazu kommt Christine Fein als leichtes Mädchen Dele Rüsch ganz groß heraus, sprüht voller Witz und Mimik und bekommt Szenenapplaus. Helga Lauermann hat als fein ausstaffierte Wittfro Laura Facklamm nur einen kurzen Auftritt. Bleibt als vierte Spielerin Luise Pampuch in der Rolle als Huushollersch Mile Haak zu nennen, die geschickt weiblichen Charme und Raffinesse einsetzt und weiß, wie eine Frau einen Mann einfangen kann. Sie wird so zur Hauptfigur dieser turbulenten Handlung, in der natürlich außer Kramer Krey noch zwei weitere Mannslüü eine Rolle spielen.

Da ist Jürgen Tapken als agiler und gut durchtrainierter Makler Asmus Broihan, bester Freund Kramer Kreys, zu erleben. Er bringt Schwung in den Laden, macht Mile Haak den Hof, versucht sich nachts auch als Gespenst und ist letztlich doch ein richtiger Pechvogel. Zum ruhenden Pol der Handlung wird Ralf Rüdiger Bayer als Hussmester Hein Kohrs, der unliebsame Gäste mit Vergnügen an die Luft befördert.

Irgendwie saß dem Laien-Ensemble die Anspannung der Premierenvorstellung im Nacken. So sprang der zündende Funke zum Publikum anfangs nur etwas zögerlich über, was sich mit fortschreitender Spieldauer änderte. Mit viel Beifall wurden die Mitwirkenden und Speelbaas Arnold Preuß vom Publikum verabschiedet. Die nächsten Vorstellungen werden ganz gewiß von einem gelösteren Ensemble locker vom Hocker aufgeführt.

Vielleicht liegt es auch etwas an dem recht nüchtern wirkenden Bühnenbild. Es führt in die Bürostube des Krämers Kramer Krey mit vielen Türen und einem hübschen Ausblick in den Garten. Aber, atmosphärisch ist der Stube nicht anzumerken, daß die Handlung hier bei uns an der Küste spielt. Solche Requisiten lassen sich aber noch einbauen. Die nächsten Aufführungen im Stadttheater sind am Sonnabend, 25. November, um 20 Uhr; Sonntag, 26. November, 15.30 und 20 Uhr; Freitag, 1. Dezember, 20 Uhr; Sonntag, 3. Dezember, 15.30 und 20 Uhr; Sonnabend, 16. Dezember, 20 Uhr. Im evangelischen Gemeindehaus in Sande wird am Donnerstag, 14. Dezember, ab 20 Uhr gespielt und in der Agnes Miege1 Schule in F'groden am Freitag, 15. Dezember, ebenfalls ab 20 Uhr.

Krey (Heinz Zomerland) hat einen dicken Kopf - woher wohl - Mile (Luise Pampuch) möchte ja gerne helfen, aber gegen Dunität ist man machtlos

Jeversches Wochenblatt vom 22.11.1995

Niederdeutsche Bühne spielt Theaterklassiker

Premiere von "Kramer Krey" von H. Boßdorf

(js) Wilhelmshaven. Sie überstand die unterschiedlichsten Zeitabläufe, überlebte politische Veränderungen und ist heute noch so aktuell wie vor 75 Jahren, die Komödie "Kramer Krey" von Hermann Boßdorf. Denn Liebe ist nun mal ein Thema, daß unvergänglich ist und Stoff für unzählige Bühnenstücke hergibt. Das muß auch der Autor gewußt haben, als er 1919 "Kreyenjagd", so der ursprüngliche Titel, geschrieben hat. Was den Dichter letztendlich dazu bewogen hat, das Stück noch vor der Uraufführung 1920 umzubenennen, ist nicht überliefert, aber der alte Titel wäre treffender gewesen.

Eine Jagd ist sie allemal, die Geschichte des "Kramer Krey", die am Sonntag abend als zweite Inszenierung von der Niederdeutschen Bühne Wilhelmshaven aufgeführt wurde. Auch wenn das Stück bereits zu den Klassikern unter den niederdeutschen Bühnenstücken zählt, kostete es den Darstellern am Anfang einige Mühe, die von Arnold Preuß einstudierte Inszenierung dem Publikum näherzubringen. Die zu Beginn etwas schwunglose Aufführung bekam erst mit Auftritt von Jürgen Tapken den richtigen Pep. Tapken verstand es dann auch immer wieder, Leben auf die Bühne zu bringen, so daß das Publikum die Aufführung mit anhaltenden Schlußbeifall bedachte.

Das ursprünglich 1920 im Hafenmilieu spielende niederdeutsche Lustspiel wurde von Arnold Preuß in das Jahr 1995 verlegt. Somit konnte der Regisseur die menschlichen Beziehungen, die heute viel freier ausgelebt werden, dem Publikum auch freizügiger darstellen. Hochgeschlitzte Kleider, tiefblickende Dekolletes, kurze Röcke und spitzenverzierte Strumpfbänder sorgten dann auch während der Aufführung für allerlei Unruhe unter den männlichen Zuschauern.

Unruhig wurde es auch für Heinz Zomerland, dem als Kramer Krey gleich vier Frauen nachjagen. Vier Frauen unterschiedlichster Art, da bleiben Machtkämpfe nicht aus. Da isi zum einen die Reinmachefrar Piepersch (Margot AndrewJäkel), die mit ihrem losen Mundwerk und ihrer robusten Art den wohlhabenden Witwer eher abschreckt als anzieht. Die Dirne Dele Rüsch (Christine Fein) dagegen ist nach einer durchgemachten Nacht mit dem Kramer auch materieller Art an ihn interessiert. Auch die reiche Witwe Laura Facklamm (Helga Lauermann) macht sich Hoffnung. Doch Kramer Krey, sein Herz gehört einzig und allein der Haushälterin Mile Haak (Luise Pampuch), die er lieber heute als morgen heiraten möchte.

Das wiederum paßt seinem Freund und Makler Asmus Broihan (hervorragend gespielt von Jürgen Tapken) überhaupt nicht. Der eingefleischte Junggeselle setzt Himmel und Geister in Bewegung, damit Krey ledig bleibt. Doch Broihans Geisterbeschwörung endet anders als von ihm erwartet. Bleibt zum Schluß noch Hausmeister Hein Kohrs (Ralf Rüdiger Bayer) zu erwähnen, der bei dieser "Kreyenjagd" als Rausschmeißer und Sprücheklopfer fungiert. Bei einer Jagd, der etwas mehr Temperament gut zu Gesicht gestanden hätte. Die nächste Kreyenjagd im Stadttheater ist am 25. und 26. November um 20 Uhr, Sonntag nachmittag auch um 15.30 Uhr.


Krey (Heinz Zomerland) sieht sich weiblichen Verführungskünsten ausgesetzt, durch Dele Rüsch (Christine Fein) wird das besonders drastisch dargestellt

Josef un Maria (1. WA)

Wiederaufführung, davor Spielzeit 1994/95 gespielt

JOSEF UN MARIA

(Joseph und Maria)
Schauspiel von Peter Turrini,
Plattdeutsch von Hartmut Cyriacks

Inszenierung: Ludwig Brundiers
Bühnenbild und Kostüme: Ludwig Brundiers/Peter Kettner/Firma Karstadt WHV
Dramaturgie: Lucia Geis
Souffleuse: Roswitha Wunderlich
Requisite: Christof Kremke
Technische Leitung: Claus Meschter
Licht und Ton: Peter Pfaus

Rollen und Darsteller
Maria - Hildegard Steffens
Josef - Klaus Aden

Hannes un Martha (WE)

Niedersächsische Erstaufführung 17.9.1995

HANNES UN MARTHA

(Harold and Maude)
Komödie von Colin Higgins
Plattdeutsch von Arnold Preuß

Inszenierung: Uwe Rohbeck
Bühnenbild: Peter Kettner
Dramaturgie: Nina Wittemer
Einstudierung der Musik Jürn Cornelius
Regieassistenz: Elke Theesfeld

Bühnenbildbau: Walter Borraß, Alfred Christoffers, Erwin Hildebrandt
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Bühnentechnik: Klaus Panka, Sönke Kiewitt, Siegfried Margowski, Günter Newerla, Gesienus Thomas
Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Souffleuse: Anne Hillers
Inspizientin: Anke Schluppkotten
Requisiten: Angelika Lauxtermann

Rollen und Darsteller
Martha - Brigitte Halbekath
Hannes Jepsen - Thorsten Könnecke
Fro Helene Jepsen - Roswitha Wunderlich
Dr. Martens - Rolf-Peter Lauxtermann
Marie - Elke Theesfeld
Nane März - Marion Zomerland
Sunshine Doré - Nadine Meier
Silvia Glatzel - Petra Loschen
Pastor - Karl-Heinz Schröder
Karkhoffgarner - Jürn Cornelius

Wilhelmshavener Zeitung vom 19. September 1995

Martha betörend wie ein junges Mädchen

Toller Start der Niederdeutschen Bühne in die Spielzeit 1995/96

Von Ernst Richter

Hannes (Thorsten Könnecke) und Martha (Brigitte Halbekath) nehmen einen Baum mit,
er steht ihnen zu einsam

,,Kein Schwein ruft mich auf - keine Sau interessiert sich für mich..." so tönt es aus den Lautsprechern, und ein ferngesteuertes Schweinchen holpert über die Stadttheater Bühne: Das Premieren Publikum schmunzelt über die Stimme des Kabarettisten und hört gern den der Aufführung unterlegten Schlager "Kauf dir einen roten Luftballon". Aber oh Schreck ein Mann baumelt am Strick. Nur Hose, Schuhe und etwas Bein sind zu erkennen. Erst als sich der Vorhang öffnet, wird der ganze Kerl sichtbar: Es ist Hannes, gespielt von Thorsten Könnecke, in "Hannes un Martha" von Colin Higgens (Original Titel "Harold and Maude"), ins Plattdeutsche übertragen von Arnold Preuß.

Das fängt ja gut an, denken sich die Tokiekers, als ein gewaltiger Kracher die Bühne erzittern läßt, daß die Leut' im Parkett nur so zusammenzukken. Hannes hat eine Handgranate gezündet und damit wieder eines seiner "Projekte" losgelassen. Mit 15 Selbstmord Versuchen hat Hannes bereits seine Mutter Helene Jepsen und das Hausmädchen Marie "unterhalten".

So ist es nicht weiter verwunderlich, daß Mutter Helene trotz des baumelnden Sohnes zur Tagesordnung übergeht. Sie möchte Hannes endlich unter die Haube bringen und erwartet nun drei junge Damen, die ihren Hannes kennenlernen sollen. Das ergibt sehr drastische Komplikationen, denn Hannes ist nicht daran interessiert. Er wandert lieber über Friedhöfe und schaut zu, wie andere unter die Erde gebracht werden.

Dabei lernt er auch Martha, die Gräfin Mathilda Tjardes, eine "versprochene Alte" kennen. Beide entdecken gemeinsame Interessen, Leidenschaften und originelle Ideen. Die Tragödie nimmt ihren Lauf, als Hannes seiner Mutter berichtet, diese Gräfin ehelichen zu wollen. Zunächst huscht über Mutter Helenes Gesicht ein Freudenschimmer, wähnt sie sich doch schon als Gräfin Jepsen, der jedoch in Entsetzen umschlägt, als sie von dem Alter der Braut erfährt: Sie geht auf die 80 zu.

Doch es kommt nicht zu der von der Gesellschaft befürchteten Hochzeit. Martha verabschiedet sich an ihrem 80. Geburtstag vom Leben und damit von ihrem Hannes, der völlig verzweifelt seiner großen Liebe adieu sagt.

Uwe Rohbeck (Schauspieler der Landesbühne) hat "Hannes un Martha" für die Niederdeutsche Bühne Wilhelmshaven in Szene gesetzt. Premiere und damit Einstieg in die Spielzeit 1995!96 war am Sonntag. Das Publikum erlebte eine temperamentvolle und zugleich spannende Aufführung, deren ernster Hintergrund um Liebe und Alter nicht von Platitüden verdeckt wird. Flottes Spiel ohne Längen und gleich mehrere gut getimte Regie Einfälle zeichnen Rohbecks "Erstlingsarbeit" aus.

Brigitte Halbekath geht als Martha förmlich auf in ihrer Rolle, sie agiert, singt, tanzt und mimt diese schrullige Alte mit viel innerer Herzlichkeit. Thorsten Könnecke ist ihr dazu der rollengerechte Kontrast Partner. Beide stellen ein zwar ungleiches, dafür aber äußerst liebenswertes Paar dar.

Roswitha Wunderlich gefällt in bewährter Manier und modischem Chic als Helene Jepsen, unterstützt von der quicklebendigen Elke Theesfeld als Hausmädchen Marie. Karl Heinz Schröder als Pastor Friedrichs und Rolf Peter Lauxtermann als Dr. Martens werden ihren Rollen gerecht. Ein schauspielerisches Kabinettstückchen gelingt Jürn Cornelius als schimpfender Friedhofsgärtner mit stoisch empörter Mimik.

Und dann sind da die drei heiratslustigen Deerns, Petra Loschen als Studentin Silvia Glatzel, Marion Zomerland, als Sekretärin Nane März und Nadine Meyer als Schauspielerin Sunshine Dore. Jeder gelingt eine heitere Typendarstellung, bei der Nadine Meyer als Debutantin mit viel Beifall bedacht wird.

Blumig, voller Sterne, schwarze Wände, grüne Abstufungen und eine knallrote Zimmerflucht passen sich den wechselvollen Bildern plastisch an, öffnen Aktionsflächen für eine heitere Aufführung, die vom PremierenPublikum mit Standing ovation belohnt wurde,

Weitere Aufführungen: Sonntag, 24. September, 15.30 und 20 Uhr; Freitag, 29. September und Freitag, 6. Oktober, jeweils 20 Uhr; Sonntag, 15. Oktober, 15.30 und 20 Uhr; Samstag, 28. Oktober, 20 Uhr im Stadttheater, sowie am Dienstag, 26. September, 19.30 Uhr in der "Neuen Werft" Papenburg, Donnerstag, 19. Oktober, 20 Uhr im Gemeindehaus Sande und am Freitag, 20. Oktober, 20 Uhr in der Agnes Miegel Schule in F'groden.

Wieder mal ein Selbstmordversuch von Hannes (Thorsten Könnecke) - seine Mutter (Roswitha Wunderlich) ist verzweifelt.

Jeversches Wochenblatt vom 19.9.1995

"Mit achtzig ist es Zeit, sich auf den Weg zu machen"

Gelungener Saisonauftakt der Niederdeutschen Bühne mit englischer Komödie in niederdeutscher Fassung: "Hannes un Martha"

(js) Wilhelmshaven. Standing Ovations erhielten am Sonntagabend die Darsteller der Niederdeutschen Bühne Wilhelmshaven für ihre gelungene Interpretation der englischen Komödie "Harold and Maude". Die von Colin Higgins verfaßte Komödie wurde von Arnold Preuß für die Niederdeutsche Bühne ins Plattdeutsche umgeschrieben und von Uwe Rohbeck inszeniert. Während die einen sich beim Schlußapplaus vor Begeisterung von den Plätzen erhoben, zogen es die anderen vor, das Theater bereits während der Pause zu verlassen.

Denn was die Niederdeutschen am Sonntagabend ihrem Publikum boten, war nicht das, was viele immer noch vom Plattdeutschen Theater erwarten, seichte, die Lachmuskeln strapazierende Komödien, sondern erstklassiges niederdeutsches Theater. Gewöhnungsbedürftig sicher die etwas spärliche Theaterkulisse. Ungewohnt auch die Musikeinblendungen und einige Szenendarstellungen. Aber gerade das macht die Aufführung so außergewöhnlich und interessant.

"Hannes und Martha" ist die Liebesgeschichte der fast 80jährigen Gräfin Mathilda Tjardes, genannt Martha, und des jungen Mannes Hannes Jepsen. Hannes ist das, was man als "mißratenen Sohn" bezeichnen kann. Um die Aufmerksamkeit seiner egoistischen Mutter auf sich zu ziehen, täuscht er immer wieder Suizide vor. Seine Vorliebe für Schrottplätze, Beerdigungen und Friedhöfe läßt ihn zum Einzelgänger werden Martha dagegen ist die skurrile alte Dame. Voller origineIler Ideen kümmert sie sich um alles, was von den Menschen sichtbar fallengelassen wird. Sie liebt das Leben, die Natur, die Blum en und wäre selbst am liebsten eine Sonnenblume. Vor nichts der Welt hat sie Angst. "Vör dat, wat ick weet, bün ick nich Bang un wat ick nich weet, dat will ick kennen lernen." Das Wichtigste aber für Martha ist, "man dröfft nich Bang wesen Minschlich to ween!"

Auf einer Beerdigung lernen Hannes und Martha sich kennen. "Kennst du hüm?" froogst se Hannes. "He is tachentig wurm, just de rechte Tied sick up den weeg to maaken. Fiefunsöventig is to fröh un mit fiefuntachentig sit man blots no rüm." Für Martha ist der Tod ein Teil des Lebens und für Hannes eine aufregende Sensation.So beginnt eine Aufführung, in der die lauten wie die leisen Töne ihren Platz haben. Während mit schwarzen Farben das Leben von Hannes dargestellt wird, erstrahlt Marthas Dasein im grellen Rot. Gegensätze prallen hier aufeinander, denen wir selbst immer wieder begegnen. Schwarzer Humor, viele kleine Lebensweisheiten und vor allem hervorragende schauspielerische Leistungen machen das Stück sehenswert. Ihren Höhepunkt erreicht die Vorstellung, als Hannes beschließt, Martha zu heiraten. Doch Martha hat einen ganz anderen Plan. Sie beschließt an ihrem Geburtstag den Freitod zu wählen. "Tachentig", sagt sie zu Hannes, "Tachentig is de rechte Tied sück up de Weeg to maaken!" Bis Hannes endlich begreift, was sie vorhat, ist es zu spät.

Sie war die Martha mit Haut und Haar - Brigitte Halbekath

Der tosende Schlußapplaus galt vor allem Brigitte Halbekath für ihre hervorragende Verkörperung der lebensfrohen Martha. Ihre liebenswerte Art und positive Lebenseinstellung machten sie so sympathisch. Zusammen mit dem jungen Hannes, der ebenso eindrucksvoll von Thorsten Könnecke gespielt wurde, waren sie eine Idealbesetzung für dieses unterschiedliche Paar. Roswitha Wunderlich verkörperte die Rolle der Mutter Jepsen als egoistische und vornehme Dame äußerst glaubwürdig. Die von ihr per Computer ausgesuchten Heiratskandidatinnen für Hannes wurden von Petra Loschen, Marion Zomerland und Nadine Meyer theatralisch und amüsant dargestellt. Elke Theesfeld hatte als Hausmädchen Marie eine eher sprachlose Rolle. Der Totengräber (Jürn Comelius) und Pfarrer Friedrichs (KarlHeinz Schröder) waren zwei weitere Darsteller, die mit Marthas Handeln nicht immer ganz einverstanden waren. Zum Schluß bleibt nur noch Rolf Peter Lauxtermann zu erwähnen, der sich als Psychiater Dr. Marten so seine Gedanken um Hannes macht.

Josef un Maria (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

JOSEF UN MARIA

(Joseph und Maria)
Schauspiel von Peter Turrini,
Plattdeutsch von Hartmut Cyriacks

Inszenierung: Ludwig Brundiers
Bühnenbild und Kostüme:  Ludwig Brundiers/Peter Kettner/Firma Karstadt WHV
Dramaturgie: Lucia Geis
Souffleuse: Roswitha Wunderlich
Requisite: Christof Kremke
Technische Leitung: Claus Meschter
Licht und Ton: Peter Pfaus

Rollen und Darsteller
Maria Hildegard Steffens
Josef Klaus Aden


Maria (Hildegard Steffens)  und Josef (Klaus Aden) im Kaufhaus Karstadt in der Marktstraße

Auf leisen Sohlen in die Herzen der Zuschauer

Aufführung "Josef und Maria" bei Karstadt: Glückselige Weihnacht im Tangoschritt

Von Ernst Richter

Maria und Josef begegnen sich im Kaufhaus. Nach Ladenschluß. Es ist der 24. Dezember 1977. Sie ist Raumpflegerin, er Nachtwächter. Beide haben freiwillig diese Heilig Abend Schicht übernommen. Haben ihre Gründe gehabt. Dem Alleinsein ausweichen. Die persönlichen Probleme "überarbeiten". Aus diesem Vorwurf schrieb der Osterreicher Peter Turrini (50) das Zwei Personen Stück "Josef und Maria". Hartmut Cyriacks und Peter Nissen übersetzten es ins Plattdeutsche, und Ludwig Brundiers (Chefdramaturg der Wilhelmshavener Landesbühne) übernahm als Gast die Regie für die Niederdeutsche Bühne Wilhelmshaven.

Die Premierenvorstellung gelingt zwei Wochen vor Heiligabend des Jahres 1994 im Hause Karstadt. Im Erdgeschoß ist die Spielfläche freigeräumt. 70 Stühle sind für die Besucher aufgestellt worden. Hildegard Steffens geht ganz in der Rolle der Raumpflegerin Maria auf, füllt ihren Part mit einer bewundernswerten Charakterdarstellung aus. "Als ich das Rollenbuch zum ersten Mal las, sagte ich, das bin ja ich", erzählt Hildegard Stefens bei der Premierenfeier und fährt einschränkend fort, "nur, meine Schwiegertochter ist ganz lieb und nicht so böse, wie sie in dem Stück geschildert wird".

Hildegard Steffens hat die Kriegsjahre und die Nachkriegszeit am eigenen Leib erfahren, kann also lebensnah die vom Schicksal geprüfte Frau darstellen, wie sie gern in Erinnerungen schwelgt. Damals, als sie mit einer Schauspielund Ballettruppe durch Italien zog und Rudolpho Valentino ihr Traumidol war. Und dann kam der Mann ihres Herzens, der sie verließ, zurück blieb sie mit einem Kind, das sie unter ihrem Herzen trug. Die Jahre eilten dahin. Was sie doch für eine stattliche Frau war, wie sie vor 40 Jahren ausgesehen hat, das müßte Josef gesehen haben.

Eben diesem Josef gibt Klaus Aden lebendige Gestalt. Auch Josef hat seine Erinnerungen. Die tangieren die Nazizeit, sind mehr politischer Natur. Da war auch noch der Alkohol, der ihm zugesetzt hat. Josef nimmt das Mikrophon der Warenhaus Durchsage und stimmt die "Internationale" an "und niemand hört uns zu", besänftigt ihn Maria.

So steigern sich Hildegard Steffens und Klaus Aden in einen bewundernswerten Gedankenaustausch hinein. Das Rollenspiel lebt nicht vom Dialog allein. Wenn Josef und Maria ihr Leben voreinander ausbreiten, Tango tanzen und sich auf die gemeinsame Nacht vorbereiten, dann pendelt die Empfindung zwischen Komödie und Tragödie hin und her. Schließlich wird diese Weihnachtsnacht zu einem großen Glücksgefühl für Maria und Josef. Das Publikum bedankt sich mit anhaltendem Beifall.

Ludwig Brundiers hat mit Hildegard Steffens und Klaus Aden viel geprobt und gearbeitet. Der Erfolg blieb nicht aus. Die Handlung bietet als gemeinsame Studioauffüh rung der Niederdeutschen mit der Landesbühne ein Stück Lebensgeschichte, die sich auf leisen Sohlen ohne spek takuläre Aktion in die Herzen der Zuschauer schleicht und sich festsetzt.

Unter den Premierengästen befand sich Arnold Cordsen aus Brake, Präsident des Niederdeutschen Bühnenbunde: Niedersachsen Bremen. Er bezeichnete die Aufführung als sehr gelungen. Die Niederdeutsche Bühne Wilhelmshaven hat diese Inszenierung zum Wettbewerb um den Willy-Beutz-Preis angemeldet. Einer der Juroren ist Arnold Cordsen. "Josef und Maria` wurde übrigens bereits iim Hamburger Karstadt Haus vom Ohnesorg Theater aufgeführt.

Die weiteren Wilhelmshavener Aufführungen im Karstadt Haus sind am 14. Dezember (20 Uhr), 18. Dezember (18 Uhr), 8. Januar 1995 (11 Uhr), 11. Januar (20 Uhr) und 18. Januar (20 Uhr).

Fofftein (1. WA)

1. Wiederaufführung (2), davor 1974/75 gespielt

FOFFTEIN

Musical von Hermann Bruhn
Musik Jürn Cornelius

Inszenierung: Horst Jönck
Bühnenbild: Carl Ransleben
Einstudierung der Musik Jürn Cornelius


Bühnenbildbau: Walter Borraß, Alfred Christoffers, Erwin Hildebrandt
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Bühnentechnik Klaus Panka, Sönke Kiewitt, Siegfried Margowski, Günter Newerla, Gesienus Thomas
Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Souffleuse: Hanna Christoffers
Inspizientin: Anke Schluppkotten
Requisiten: Angelika Lauxtermann


Rassige Spanierinnen am Hafenbecken?

Rollen und Darsteller
Kuddel, Stauervice - Klaus Aden
August, Hafenarbeiter - Horst Karstens
Tedje, Hafenarbeiter - Friedrich Müller
Winnie, Student - Michael Kever
Susanne, Kindergärtnerin - Elke Theesfeld a.G.
Ilse, ihre Mutter, Inhaberin eines Fischgeschäftes - Hildegard Steffens
Janker, Bootsmann - Karl-Heinz Schröder
Fernando, ein Südamerikaner - Günter Jaedeke
Hafendmädchen - Barry Brinkhoff, Luise Pampuch,
Heidi Rausch, Helga Lauermann, Sandra Uelken


Bootsmann Janker (Karl-Heinz Schröder, re) und Kuddel (Klaus Aden) mit der merkwürdigen Hinterlassenschaft von Tante Mia - einem Papagei

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