Wilhelmshavener Erstaufführung

LEVEN IN DE BUUD

Komödie von Carl Budich

Festaufführung anlässlich des 6. Großen Bühnentages in den Centralhallen

Spälbaas: Heinrich Frese

Späler
Brumbeck, Junggeselle und Philosoph - Hermann Beuß
Greetje Bloom, Kontoristin - Nelly Schwarting
Bernhard Klifoot, Dichter - Emil Meinen
Willem Stoltenkamp, Jungbauer - Willy Beutz
Kaufmann Fürbring - Willy Robe
Trina Reimers - Therese Peters
Snieder Knoop - Waldemar Schröder

Wilhelmshaveneber Kurier

"Leben in de Buud" / Komödie von Carl Budich

Festaufführung der Niederdeutschen Bühne zum Bühnentag in Rüstringen

Was auf der gestrigen Tagung der Niededeutschen Bühnen unseres Gaues der Gauobmann der NS-Kulturgemeinde, Gauschulungsleiter Pg Buscher, und der Vorsitzende des Niederdeutschen Bühnenbundes, Dr. Ivo Braak, an Hauptforderungen aufstellten für unsere pattdeutsche Bühne, das ist zu einem großen Teil von unserer Rüstringer Niederdeutschen Bühne schon beachtet worden. Sie hat sich z.B. nicht nur auf lustige Stücke beschränkt in der Darbietung niederdeutscher Bühnenwerke, sondern mit "Fährkroog", "Wrak", "Cili Cohrs" u.a. den niederdeutschen Menschen im Kampf mit dem Alltag und dem Schicksal gezeigt.

Aber vor allem hat sie nicht den Hauptwert auf ein technisches Spiel gelegt, auf die Routiniertheit, mit der hochdeutsche Bühnen manche Schwächen verdecken, sondern gab die Menschen so, wie sie auch im Leben stehen und sitzen und gehen. Es ist darum viel mit hochdeutschen Theaterleitern und Regisseuren herumgeredet worden, die nicht verstanden, daß die Niederdeutsche Bühne ganz anders spielen muß, will sie die Menschen aus dem Volke und dem wirklichen Leben glaubhaft machen und die Zuschauer nicht enttäuschen. Eine kleine Fischerkate, ein Bauernstübchen, ein Kontor ist nun einmal auf die großen Dimensionen einer richtigen Theaterbühne nicht umzubauen, das Technische steht bei dem niederdeutschen Theater im Hintergrund und im Vordergrund die Persönlichkeit des plattdeutschen Schauspielers, die allein durch ihr Spiel, wir erinnern an Vadder Beuß, an Therese Peters oder Waldemar Schröder unserer Rüstringer, das Bühnenwerk glaubhaft macht.

Das alles bestätigte unsere Rüstringer Bühne auch Sonnabend wieder bei der Festaufführung anläßlich des 6. Bühnentreffens der Westgruppe (Gau Weser-Ems) des Niederdeutschen Bühnenbundes. Die Führung der Westgruppe hatte Carl Budichs Komödie "Leben in de Buud" dafür ausgesucht, das von der Rüstringer Bühne ganz, von denen aus Varel und Norden als dritter Akt einstudiert worden war, Varel und Norden gaben diese Szenenproben Sonntag vormittag, um Lehren aus den verschiedenen Spielweisen und Auffassungen zu ziehen.

Für die Öffentlichkeit spielte also nur die Niederdeutsche Bühne Rüstringen. Welcher Beliebtheit sie sich erfreut, ging wieder aus dem sehr starken Besuch der Zentralhallen hervor, großer Saal und Galerie waren besetzt, was im Sommer und bei manch anderer Veranstaltung des Tages viel besagen will. Der Spälbaas Heinrich Frese hatte sich aber auch viel Mühe gegeben, nicht nur mit der Einstudierung des Stückes, das wie am Schnürchen lief, sondern auch mit der Bühne selbst, die ein einwandfreies Bühnenbild mit allem was ein Kontor einer kleinen Landstadt darstellt, aufwies.

Den Verfasser Carl Budich haben die "Kurier"-Leser in unserer Sonderbeilage zum Niederdeutschen Bühnentreffen kennen gelernt durch eigene Schilderung seines Werdens. Das Stück "Leben in de Buud" kann man nun aber nicht ausführlich erzählen, sondern muß es gesehen haben, soviel Situationskomik ist in dem Werk. Es war einmal ein ganz anderes Millieu als bisher, um so glaubhafter aber durch die Typen, die Budich aus dem Leben genommen hatte, jene braven Menschen einer niederdeutschen Kleinstadt, die sich mit Freund und Leid auf ihre Art abzufinden wissen. Leben in de Buud bringt eine nette Kontoristin, die der Chef Fürbrink, ein kleiner Schwerenöter, in das Kontor holt, wo der alte Junggeselle Brumbeck seine philosophische Ruhe verliert und der junge Klifoot, der Dichterling, sein Herz. Aber Greetje Bloom läßt alle abblitzen, denn sie nimmt den jugen Bauern Stoltenkamp, dessen rettender Engel sie wurde, als Fürbrink ihn durch eine Hypothekenkündigung in Schwierigkeiten bringt.

Es ist also nicht nur Lachen in dem Stück. Des Lebens Ernst steht hinter dem Lachen, wird nur verdeckt oder erhellt, und das ist das Schöne an diesem Bühnenwerk. Allerdings gehören nun dazu niederdeutsche Schauspieler, die diese Menschen auf die Bühne stellen können. Und da wäre nun bei den Rüstringern nichts zu tadeln, es war nicht nur alles aus einem Guß, sondern auch jede Type hatte ihren zusagenden Vertreter.

War Vadder Beuß nicht köstlich als Jungeselle und Philosoph Brumbeck? Man mußte diesen ollen Gnatterkopp liebhaben, der mit Schopenhauer alles begründen wollte, sogar seine Weiberfeindlichkeit, und zuletzt doch in die Ehe ging. Um als Philosoph alles kennen zu lernen, wie er begründete, aber die kleine blonde Geertje hatte da etwas mitgeholfen, die, von Nelly Schwarting trefflich dargestellt als ein Mittelding von Kontoristin und Landmädel, überhaupt allen Männern nicht nur den Kopf verrückte, sondern auch gut wider zurechtsetzte. Bernhard Klifoot war ihr junger Anbeter, ein verkanntes Dichtergenie. Emil Meinen hatte eine famose Maske für ihn, jung, unbedarft, so richtig ein lieber Kerl, der seine erste unglückliche Liebe durchmacht. Willy Beutz war prächtig als Willem Stoltenkamp, ein junger Bauer, der schlecht in die Stadt mit ihren Paragraphen passte und sich manches verdarb, bis die Greetje den Dickkop in ihre Hände nahm.

Aber auch die Personen, die mit dieser Greetje nicht direkt zu tun hatten, waren trefflich verkörpert. Ein jovialer, aber manchmal auch recht krötiger Kaufmann Fürbrink war Willy Robe, ein Gentleman und Schwerenöter, wo es zu machen war, durchaus glaubhaft aus dem Leben gestaltet. Ebenso Therese Peters in der an sich kleineren Rolle der Trina Reimers, die der olle Brumbeck tatsächlich doch heiratete. Jede Rolle, die sie spielt, ist ein Gewinn, wie auch Waldemar Schröder Schaupsielerblut in sich hat, denn er kann aus der unbekanntesten Rolle etwas machen, wie diesmal aus dem Snieder Knoop. Ein Charakterspieler, wie er nicht besser zu finden ist.

Wie dankbar die Zuschaur waren, ging aus dem starken Beifall hervor viele Blumen gab es und Vadder Beuß hatte daneben einen ganzen Arm voller Angebinde seiner vielen Freunde. Es war ein schöner und fröhlicher Abend gewesen, für den man der Niederdeutschen Bühne und ihrem Spälbaas Frese von Herzen dankbar sein muß. H.A.