1. Wiederaufführung, davor 1953/54 als "De Düwelsdeern" aufgeführt

DE DEERN IS RICHTIG

Lustspiel in drei Akten von Jens Peter Asmussen

Inszenierung: Rudolf Sang
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Beleuchtung: Hugo Kaczmierzak
Souffleuse: Annemarie Beermann
Frisuren: Helmut Teichmann
Inspizientin: Maria Siebels

Rollen und Darsteller
Klaus Snack, Fischer und Bauer - Willi Minauf
Tjark Snack, Fischer und Bauer - Enno Buß
Piet Snack, Fischer und Bauer - Heino Aden
Antje Rotermund, Dienstmädchen - Ellen Beutz
Male, seine Frau - Erika Kaebe
Sanna, beider Tochter - Agda Prahm, Gisela Huske, Nachwuchsdarstellerinnen
Peter Wulk, Bürgermeister - Fritz Dannmann
Stina Siemsen - Therese Peters
Hinrich, ihr Sohn, ein Matrose - Kurt Röthel
Ruhland - Hans Macker

Die Brüder Snack (Enno Buß, Willi Minauf, Heino Aden) - eine Szene in "De Deern is richtig!" - Spielzeit 1960/61 -

Wilhelmshavener Rundschau

Nicht nur "de Deern" war richtig

Herzlicher Beifall für alle Spieler der Niederdeutschen Bühne

Von Roland Thein

Wilhelmshaven. Wenn man als Neu-Wilhelmshavener erstmals eine Auffuhrung der Niederdeutschen Bühne Rüstringen besucht, wie es am Mitwochabeud dem Rezensent bei der Premiere des dreiaktigen Lustspieles "De Deern is richtig" erging, so wird man sich vorher sagen, daß man bei der Aufführung nicht die üblichen strengen Maßstäbe anlegen dürfe, denn schließlich handelt es sie bei den Akteuren ja um Laienspieler. Hat man aber dann die ersten Szenen auf der Bühne verfolgt, so wird man sich sagen, daß diese Einschränkung doch nur sehr bedingt gilt, denn es wird bei der Niederdeutschen Bühne mit solcher Begeisterung und Freude arn Komödienatentum gespielt, daß man recht schnell vergißt, Laienspieler vor sich zu haben.

Die etwas durchsichtige Handlung erzählt die Geschichte dreier Friesenbauern, denen das Stintfischen wichtiger war als der Hof, auf dessen Übernahme die Erben mächtig erpicht waren. Die "richtige Deern" jedoch weiß die drei Hofbesitzer zum Arbeiten zu bringen und verleiht dem Hof ein neues Gesicht. Nicht nur das Korn steht gut auf den Feldern, sogar die Stube zeigt ein freundliches Gesicht, vom bunten Vorhang bis zum "Lotterbett", natürlich geht der Hof auch nicht an die "lieben Verwandten", sondern an das junge Paar, das sich darum Verdienste und außerdem Sympathien erwarb.

Ein hervorragendes Dreigespann waren die Brüder Klaus, Tjark und Piet Schnack (Willi Minauf, Enno Buß und Heino Aden). Mancher Berufskomiker und routinierte "Profi" könnte sich an der Urwüchsigkeit der drei eine Scheibe abschneiden, gIänzend gemeisterte Situationskomik und dabei niemals abgleiten in billigen Klamauk waren die Stärken dieser Bühnenbrüder, denen immer wieder verdienter Sonderbeifall galt. Ellen Beufz spielte die resolute Dienstmagd und guten Geist Antje, ihre Spielweise fand die besondere Zustimmung des Publikums, Bauer Jann Thielen (Ernst Neumann) und seine Frau Male (Erka Kaebe) demonstrierten eindrucksvoll das erbschaftslüsterne Paar, vor allem Erika Kaebe verlieh dem zänkischer Weib so recht die "bissige Note". Stina Siemsen (Therese Peters), der in diesem Lustspiel die einzige getragene Rolle zufiel, überraschte mit ihrer Ausdruckskraft und der disziplinvollen Zurückhaltung. Kurt Röthel, als deren Sohn Hinrich gefiel durch seine urbekümmerte Art, auch für die Nachwuchsdarstellerin Agda Prahm gilt diese Feststellung. Beide waren ein herzerfrischendes Paar.

Fritz Dannmann als Bürgermeister - auch er als Nachwuchsspielter - war nur in den ersten Minuten noch etwas zu gehemmt, fand sich aber dann rasch in das Ensemble ein. Hans Macker als Kommerzienrat Ruhland war ein sehr distinguierter Herr. Rudolf Sangs straffe Regie war mit Erfolg darum bemüht, einige Längen dieses Lustspiels von Jens Peter Asmussen zu verdecken. Er scheint die Möglichkeiten seiner Spieler recht genau zu kennen und setzt sie geschickt ein. Das solide Bühnenbild schuf Hannes Kaebe. Das der Niederdeutschen Bühne offensichtlich sehr verbundene Publikum dankte mit herzlichem Beifall für diesen von urwüchsigem Fliesenhumor durchdrungenen Abend.

Da sitzt das gesamte Ensemble "op´n Dutt" : v.l. Erika Kaebe, Ernst Neumann,  Heino Aden, Fritz Dannmann, Therese Peters, Ellen Beutz, Hans Macker, Willi Minauf und Enno Buß - eine Szene aus "De Deern is richtig!" - Spielzeit 1960/61 -

Wilhelmshavener Zeitung

"De Deern (un dat Spill) is richtig!"

Die Niederdeutsche Bühne "Rüstringen" beendet nun die Spielzeit 1960/61. Widrige Umstände hatten verhindert, daß die vorgesehene Aufführung eines Schauspiels ausfallen mußte, so daß die Freunde der Bühne in jedem der bereits aufgeführten Stücke im wesentlichen ihre Lachmuskeln strapazieren konnten. Am Mittwoch ging der Vorhang auf für die letzte Inszenierung mit dem Lustspiel in drei Akten von Jens Peter Asrnussen "De Deern is richtig".

Wie "richtig" diese Deern ist, stellte schon Hannes Kaebe mit seinem Bühnenbild heraus. Zu Anfang sah man die Dööns eines Bauernhofes in einer Trostlosigkeit und Verkommenheit, die darauf schließen ließ, daß hier nicht allzu strebsame Menschen werkelten. Das dritte und letzte Bühnenbild zeigte denselben Bauernhof mit seiner guten Stube, in der es nur so blitzte und blinkte. Und diese Verwandlung bewirkte ausschließlich die ,.Deern" Antje Rothermund, die von den Besitzern des Hofes, dem Dreigespann Klaas, Tjark und Piet Schnack, als Haushälterin engagiert worden war, und das für nur 15 Mark im Monat! Wie diese Frauensperson mit ihren Dienstherren ins Geschirr ging, läßt sich einfach nicht beschreiben. Wenn Antje nebenbei noch dem erbschleichenden Ehepaar Thielen den Marsch bläst und sie zur Vernunft dazu dessen hübsche Tochter noch an den richtigen Mann bringt und auch sonst noch einiges gradebiegt, dann muß man ihr schon bescheinigen, ein gutes Stück Arbeit geleistet zu haben.

Wer anders als Ellen Beutz konnte wohl für die Rolle der Deern geeignet sein. Sie gaben wiederum einen schönen Beweis ihres Könnnes. Das Dreigespann lag bei Willi Minauf, Enno Buß und Heino Aden in bewährten Händen. Schon wenn sie auf die Bühnen kamen. gab es stürmischen Beifall. Das Ehepaar Thielen (Schwester und Schwager der drei Junggesellen) war mit Erika Kaebe und Ernst Neumann hervorragend besetzt. Therese Peters, nach langer, durch Krankheit bedingten Pause wieder auf den Bühnenbrettern, gab eine ausgezeichnete Studie einer besorgten Mutter. Ihr Sohn Hinrich wurde frisch und lebendig dargestellt von Kurt Röthel. Allerliebst anzuschauen und anzuhören war Agda Prahm, eine Nachwuchsspielerin, die in der Rolle der Sanna ihr Debüt gab. Ein hoffnungsvolles Beginnen, dem wir einen schönen weiteren Erfolg wünschen. Das gleiche läßt sich sagen für Fritz Dannmann, der einen Dorfbürgermeister abgab, wie man ihn sich vorstellt. Hans Macker machte diesmal ausschließlich auf ,.hochdeutsch" und spielte den Kommerzienrat Ruhland* der in besagter Gutsnähe ein Inselchen als Ruhesitz auserkor.

Wie man es nicht schon anders kernt, sorgte Intendant Rudolf Sang für einen flotten Ablauf des Geschehens. Ihm gebührt einmal mehr ein Lob für diese gute Regieleistung. (tgh)

De Deern "konfirmiert" sie alle: v. l. Hans Macker, Ellen Beutz, Agda Prahm, Heino Aden, Kurt Röthel, Enno Buß, Therese Peters und Willi Minauf  - eine Szene aus "De Deern is richtig" - Spielzeit 1960/61 -