1. Wiederaufführung (2), davor 1961/62 gespielt

MINSCH WEEN MUTT DE MINSCH

Kriminalkomödie in drei Akten von Günter Siegmund

Inszenierung: Horst Jönck
Bühnenbild: August Ahlers

Bühnenbildbau: Klaus Panka, Alfred Christoffers, Karl-Heinz Goldenstein,  Uwe Rozga, Norbert Ungermann, Walter Borraß, Bernhard Bertram, Rolf Esen
Souffleuse: Frieda Harms
Requisiten: Marga Goldenstein
Inspizient: Willy Meinert

Rollen und Darsteller
Johannes Wilke, Polizeimeister - Klaus Aden
Karl Benthin, Oberwachtmeister - Manfred Janßen
Martin Stingel, Gemeindediener - Günter Boye
Friedel, seine Tochter - Marion Zomerland
Emma Wiggers, Reinmachefrau - Käte Baumann
Paster Petersen - Ralf-Rüdiger Bayer
Sebastian Knoop, ein Landstreicher - Wilhelm Pick
Hanne Kleinschmidt - Margot Andrews-Jäkel

Das Ensemble von "Minsch ween mutt de Minsch"

JEVERSCHES WOCHENBLATT

"Minsch ween mutt de Minsch"

Premiere für einen menschlichen Polizeimeister

von Jutta Schmidt

Wilhelmshaven. "Minsch ween mutt de Minsch, dann kann he maken wat he will", nach diesem Motto lebt und arbeitet Polizeimeister Johannes Wilke in der turbulenten Komödie "Minsch ween mutt de Minsch", die die Niederdeutsche Bühne Wilhelmshaven am Donnerstagabend im Stadttheater aufführte.

Er hat das Herz auf dem rechten Fleck, der Polizeimeister Johannes Wilke (Klaus Aden), der die Polizeistation in Freedensee führt. Den Landstreicher Sebastian Knoop, in hervorragender Maske gespielt von Wilhelm Pick, den Wilke als Hühnerdieb entlarvt, verklagt er kurzerhand zum Holzhaken bei der Witwe Wiggers (Käthe Baumann), wo Knoop die Hühner auch gestohlen hat. Eine Touristin (Margot Andrews Jäkel), die im See nackt badet, lädt der Polizeimeister ein, bei ihm zu bleiben, als Logiergast. Er ahnt nicht, wen er sich ins Haus geholt hat.

Polizeimeister Wilke spielt Schach während der Dienstzeit, er ist Polizist und Dorfrichter in einer Person und eine Sperrstundenverlängerung läßt er sich mit Schnaps bezahlen. Und mit Vorliebe trinkt er den Schnaps selber. Das,alles ist dem Oberwachtmeister. Karl Benthin (Manfred Janßen), ein Dorn im Auge. Kollege Benthin, oder "Embryo", wie Wilke ihn nennt, ist ein Musterbeispiel an Korrektheit und Arbeitsauffassung. Er schreibt einen anonymen Beschwerdebrief an den Polizeirat. Und damit überstürzen sich die Ereignisse auf der sonst so ruhigen Polizeistation. Alles ist ziemlich verwirrend.

Als Martin Stingel (Günter Boye), seines Zeichens Gemeindediener, auch noch eine Leiche findet, spitzt sich die Lage zu. Die Leiche wird hin und her geschoben, bis sich herausstellt, daß es gar keine Leiche gibt oder doch? Weitere IDarsteller bei, dieser Aufführung, die szenenweise etwas langatmig wirkte, waren Marion Zomerland als Fiedel, Tochter des Gemeindedieners und Ralf Rüdiger Bayer als Pastor Petersen. Besonders nennenswert ist die schauspielerische Leistung des Wilhelm Pick als Landstreicher Knoop, der mit seiner Mimik die Lacher auf seiner Seite hatte.

Die Kriminalkomödie, die aus der Feder von Günther Siegmund stammt und von Horst Jönck inszeniert wurde, wird im April noch neun Mal aufgeführt und zwar am 4. um 20 Uhr; am 13. um 15.30 und 20 Uhr; am 16. um 20 Uhr und am 20. um 15.30 und 20 Uhr und am 27. um 20 Uhr. Am Donnerstag, dem 10. April, gastiert die Niederdeutsche Bühne mit diesem Stück in Sande. Eine weitere Aufführung ist am 11. um 20 Uhr in der Agnes Miegel Schule.

Benthin (Manfred Janßen, re.)  hat den Hühnerdieb (Wilhelm Pick) verhaftet

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Der menschliche Polizist

Kriminell gespickte Premiere der Niederdeutschen

Von Theodor Murken

Eine Fülle von Witz und Komik mit geheimnisumwitterter Kriminalität erheiterte auf dem Premierenabend der Niederdeutschen Bühne am Stadttheater Wilhelmshaven ein fast voll besetztes Haus. "Watt schall dorbi rutkamen?" konnte man im ersten Akt der Kummedie "Minsch ween mutt de Minsch° von dem versierten Autoren und Schauspieler Günther Siegmund fragen. Ein Polizeimeister der Polizeistation in der Gemeinde Freedensee, der schon bei Dienstbeginn einen Schnaps nach dem anderen trinkt und mit seinem Kollegen des Nachbarorts telefonisch Schach spielt. Eigenmächtig maßt er sich das Richteramt an und verdonnert einen Hühnerdieb zu zwei, eine Frau, die nackicht im See gebadet hat, zu einer Woche, um dann die Vollstreckung gleich auf menschliche Weise zu vollziehen, getreu seiner Devise "Minsch ween mutt de Minsch".

Ganz im Gegensatz zu seinem forschen und dienstbeflissenen Oberwachtmeister.Kein Wunder, daß in den beiden nächsten Akten des dreiaktigen Spiels die Konflikte sich zusammenbrauen und zu allem Überfluß auch noch die Leiche einer gesuchten Kindesmörderin am See gefunden und zum Objekt von allerhand Verwirrungen wird. Günther Siegmund, der vor vier Jahren verstarb und dieses Stück 1959 geschrieben hat, verstand sein Fach, und gerade in diesem Stück hat er am Schluß eine Überraschung auf die andere gesetzt.

Als Speelbaas zeigt Horst Jönck, daß er auch Regie führen kann. Er überraschte mit einer schmissigen Aufführung. Für einen wirkungsvollen Anfang sorgten Käthe Baumann als wortgewandte Reinmachefrau und Manfred Janßen, der den forschen Oberwachtmeister und pingeligen Beamten herauskehrte. Seine Gegensätzlichkeit zum Polizeimeister wurde deutlich, als dann in dieser Rolle der besinnlichere Klaus Aden in Erscheinung trat mit seiner eigenen Auffassung von Menschlichkeit, die ihm eine Kette von Schwierigkeiten einbringt. Fast wäre er ganz und gar mit seiner Menschlichkeit gescheitert, wenn nicht eine nach Freedensee abgeordnete Kommissarin, als die sich die nacktbadende Frau entpuppte (sie wurde von Margot Andrews Jäkel dargestellt) bei all ihrer Forsche soviel Menschlichkeit gezeigt hätte, daß der Polizeimeister schließlich doch noch mit einem "Verweis" davonkommt.

Zwei Darsteller müssen aber besonders gelobt werden. Einmal der unverwüstliche Wilhelm Pick als landstreichernder Hühnerdieb (und in dieser Maske nur noch an seiner Stimme wiederzuerkennen), dem am Schluß noch wegen der ominösen Frauenleiche ein toller Coup gelingt, und Günter Boye als beflissener Gemeindediener, dem die Leiche schwer zu schaffen macht. Zur Gemeinde gehört neben der Gemeindeverwaltung, der an einem Sportplatz sehr gelegen ist, auch ein Pastor, der sich um einen Gemeindesaal bemüht. Ralf Rüdiger Bayer als Pastor Petersen hat da sein liebe Not mit dem Polizeimeister, der mit allerlei Tricks sich um den Sportplatz bemüht und sich im Gespräch mit dem Pastor bemüht, ein wenig tiefer (nicht nur ins Schnapsglas) zu schauen.

Mensch sein hin Mensch sein her, die Tochter des Gemeindedieners (Marion Zomerland, die noch etwas mehr aus sich herausgegen müßte) schätzt den Polizeimeister und liebt den Oberwachtmeister. Ein Trost bleibt, daß das Menschsein (dat Minsch ween) letzten Endes doch die Oberhand behält und schließlich in der Polizeistation, für die August Ahlers das Bühnenbild entwarf (von einem personenstarken Team "torrechttimmert"), Friede einkehrt daß die Sache mit der Leiche nicht ganz astrein ist, erfährt die Kommissarin nicht mehr.

Wer wäre hier nicht gerne "Minsch", die Kommissarin wird von Margot Andrews-Jäkel dargestellt, der menschliche Polizeimeister Wilke ist Klaus Aden