neunte Gemeinschaftsproduktion
Uraufführung

DWAARSLOPERS

Science-Fiction Stück in drei Akten von Christof Wehking

Inszenierung: Hans Peter Renz
Bühnenbild: Wolfgang Kleinpeter

Bühnenbildbau: NB Wiesmoor
Technik: NB Neuenburg
Masken: Karl-Heinz Krämer, Oldenburg, Willy Ochsendorf, NB Neuenburg
Regieassistenz Alfred Meyer, NB Wiesmoor
Inspizient: Edith Gleibs, Werner Klattenberg, NB Wiesmoor

Rollen und Darsteller:
Grete Eilers - Brigitte Halbekath, NB Wilhelmshaven
Frauke Benninga - Brigitte Hermann, NB Aurich
Hans Eilers - Rudolf Wolf, NB Emden
Gerd Eilers - Werner Nörtker, NB Emden
Jan Eilers - Reinhold Wirmann, NB Aurich
Dr. Kramer - Rolf Jaspers, NB Emden
Radiostimmen - Hajo Freitag, NB Oldenburg,
Manfred Malanowski, NB Neuenburg

Das Ensemble von den "Dwaarslopers" (v.l. Rudi Wolf, Brigitte Hermann, Reinhold Wirmann, Werner Nörtker, Brigitte Halbekath, Rolf Jaspers

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Spannung durch mörderische Riesen Dwarslöpers

Starker Eindruck der Gemeinschaftsproduktion des Niederdeutschen Bühnenbundes

Von Theodor Murken

Dwarslöper sagen die Ostfriesen zu jenen Meerestieren, die wir auf hochdeutsch als Taschenkrebse bezeichnen, die sich vorranbewegen, indem sie quer (dwars) laufen. Sie werden etwa handgroß. Wenn wir sie als Jungen vom Strand mit nach Hause brachten und unsere Mutter sie in heißes Wasser warf, wo ihre Panzer sich verfärbten, dann genossen wir ihr Fleisch als Delikatesse ein Hummer hätte uns nicht besser schmecken können.

Der 1924 in Norden geborene Christof Wehking läßt diese Krebse in seinem Schauspiel "Dwarslopers" nun unter dem Einfluß der Umweltverschmutzung phantasievoll ins Riesenhafte wachsen. Sie werden wagenradgroß und vermehren sich derart, daß sie zwischen Emden und Bensersiel in Massen die Küste angreifen, Häuser zerstören, Menschen töten, sie auf jeden Fall in Verwirrung bringen. Schon 1975 schrieb Wehking ein Hörspiel, das diese Zukunftsvision kompakt schilderte.

In seinem dreiaktigen Schauspiel versteht er es, die Zuschauer gleichfalls ständig in Spannung zu halten; denn in dem von den Dwarslöpers bedrohten Haus Eilers, in dem eine Mutter ihre drei Söhne in Schach zu halten versucht, und die Braut des einen Sohnes als lästigen Eindringling betrachtet und behandelt, knistert es. Die Gegensätze spitzen sich dramatisch zu, je näher die Riesenkrebse sich dem Haus nähern.

Die Wilhelmshavener Aufführung dieser sechsten Gemeinschaftsinzenierung des Niederdeutschen Bühnenbundes Niedersachsen und Bremen im Stadttheater kann man als beispielhaft bezeichnen. Sie fand Sonntag abend bei fast vollem Hause statt. Den Besuchern empfingen beim Betreten des Theaters schon sofort unheimliche Geräusche von der Bühne her. Man klatschte Beifall, als sie für einen Augenblick verstummten, aber dann ging es erst richtig los, zwei Stunden hindurch. Riesenkrebse, die auf See sogar mit Bomben bekämpft wurden, hielten das Haus in ständiger Spannung.

Hans Peter Renz aus Westrittrum führte mit fester Hand die Regie. Im Rahmen des Bühnenbildes von Wolfgang Kleinpeter aus Oldenburg brachte Renz das Geschehen bis zum dramatischen Höhepunkt: Die bedrohlichen Zangen der Riesenkrebse zeigten sich am Fenster des Hauses, Scheiben klirrten und...

Eine führende Rolle war Brigitte Halbekath von der Niederdeutschen Bühne Wilhelmshaven als Grete Eilers zugefallen. Die in schwieriger Ehe hart gewordene friesischen Frau bleibt auch in schwerster Not kompromißlos. Die Darstellerin hatte sich in ihre Rolle förmlich eingelebt und bot eine in jeder Beziehung abgerundete Leistung.

Ihre drei Söhne Jan, Gerd und der an einen Rollstuhl gefesselte Hans, gespielt von Reinhold Wirmann, Norden, und den beiden Emdern Werner Nörtker und Rudolf Wolf, entsprachen der ihnen vom Autor gegebenen Charakterisierung. Bei Reinhold Wirmann als Jan konnte das Zusammenspiel mit seiner Braut, der Seemannstochter Frauke Benninga (Brigitte Herrmann aus Aurich), besonders beeindrucken.

Am Spiel sind acht Personen beteiligt, davon Hajo Freitag (Oldenburg) und Manfred Malanowski (Neuenburg) als Sprecher, dessen klare Stimme man im Rundfunkgerät hörte, um das Geschehen draußen zu verdeutlichen; Rolf Jaspers (Emden) als Dr. Kramer der nicht nur als Arzt versucht, im Familienzwist eine Wendung herbeizuführen. Bühnenbau und Ausstattung besorgte die Niederdeutsche Bühne Wiesmoor, die technische Betreuung und Beleuchtung die Niederdeutsche Bühne Neuenburg, die Masken Karl-Heinz Krämer (Oldenburg) und Willy Ochsendorf (Neuenburg). Die Leitung hatte Manfred Malanowski (Neuenburg), während die Auricher Niederdeutsche Bühne noch in Edith Gleibs und Werner Klattenberg die Inspizienten stellte.

Auch diese sechste der Gemeinschaftsinzenierungen erwies, daß eine auf diese Weise erzielte Gemeinsamkeit ein wesentlicher Beitrag zur Vertiefung schauspielerischer Leistungen bei den Niederdeutschen Bühnen ist.