Wilhelmshavener Erstaufführung

KIEK MAL WEDDER IN

Musical von Heinz Wunderlich
Musik von Charly Niessen
Plattdeutsch Lore Moor

Inszenierung: Arnold Preuß
Bühnenbild: August Ahlers
Tanzeinstudierung: Ingrid und Norbert Kolbenstetter

Bühnenbildbau: Alfred Christoffers, Bernhard Bertram, Walter Borraß, Karl-Heinz Goldenstein, Erwin Hildebrandt, Norbert Ungermann,
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Beleuchtung: Peter Pfaus
Inspizientin :Annchen Warrings-Konken
Souffleuse: Frieda Harms
Requisiten: Marga Goldenstein

Rollen und Darsteller
Fro Carola - Brigitte Halbekath
Gesche - Christine Fein
Nelly - Wilma Welte
Pum - Margot Andrews-Jäkel
Reni, Nichte von Carola - Marion Zomerland
Mylita Kastel, een Schriftstellersch - Roswitha Bertz
Alfons Kühn, van´t Finanzamt - Günter Boye
Dr. Evers, van´t Boamt - Jürgen Tapken
Kamin, van´t Bezirksamt Nord - Horst Jönck
Wilke, van de Verkehrsplanung - Wilfried Pampuch
Below, van´t Ordnungsamt - Friedrich Müller
Fro Kamin - Karin Heyel
Fro Below - Hanna Christoffers
Tamme - Horst Karstens
Jonny - Claus Miehlke
Betty, Servierfrollein - Maie Rosenberg
Mandus, Klaverspeler - Martin Lingnau


WILHEMSHAVENER ZEITUNG

Trubel und Jubel bei Niederdeutschen

Weihnachtspremiere war ein voller Erfolg

Von Theodor Murken

Das Niederdeutsche Theater geht mit der Zeit. Nach Drama, Schauspiel, Komödie und "lustig Spill" hat es sich seit einigen Jahren auch dem Musical verschrieben.

Das stellt besondere Ansprüche an das Ensemble, vor allem musikalisch. Die Darsteller müssen nicht nur spielen und sprechen, sondern auch tanzen und singen können. Heinz Wunderlich, 1907 in Leipzig geboren, hat sich nach dem Kriege zu einem versierten anfangs hoch, dann auch plattdeutschen Textautor für das Musical entwickelt.

Das erste plattdeutsche Musical "Kiek mal wedder in" führte nun die "Niederdeutsche Bühne am Stadttheater Wilhelmshaven" in der Wilhelmshavener Erstaufführung auf, nachdem ihm 1985 schon Wunderlichs "De schönste Mann von de Reeperbahn" voraufgegangen war. Anlaß war der 80. Geburtstag Wunderlichs.

Zu dem Text und den Liedern schrieb Charly Nießen die Musik. Die Liedertexte stammen von Benno Strandt und von Heinz Wunderlich selbst. Die plattdeutsche Bearbeitung übernahm Lotte Moor.

Im Tingeltangel "Kiek mal wedder in" dar is echt wat los

"Kiek mal wedder in" ist der Name eines Tingel Tangel Lokals. Es nennt sich "Kabarett", doch wird die Szene beherrscht von einigen "söten Deerns", die sich "Facharbeiterinnen in'n Alldeel Zärtlichkeit" nennen und für alle da sind "för den Millionär und ok för den Volontär". Daß diesem Lokal das Ende droht, indem das alte Haus am Hafen abgebrochen und einem Parkplatz weichen soll, gab dem Autor den Stoff, ein leidiges Kapitel der Gegenwart, den drohenden Abbruch schöner alter Häuser, zu verarbeiten.

Das Haus wird gerettet, indem es unter Denkmalschutz gestellt wird, und modernisiert, ohne daß es zu vieler Menschen Freude seinen Charakter verliert. So manche plattdeutsche Laienbühne wird kaum die Möglichkeit haben, ein Musical aufzuführen. Die Wilhelmshavener Niederdeutsche Bühne aber hat sich gerade in letzter Zeit so gut entwickelt, daß sie dieses Risiko wagen kann.

"Seeelbaas" Arnold Preuß hat es als Regisseur verstanden, alte und junge Mitglieder seines Ensembles so zusammenzuschweißen, daß er am 2. Weihnachtsfeiertag ein voll besetztes Haus gute zwei Stunden lang mit einer schmissigen Premiere und einem mitreißenden Trubel in einen wahren Jubel versetzen konnte.

Carola (Brigitte Halbekath) und Kühn (Günter Boye) kommen sich rasch näher

Brigitte Halbekath überzeugte als handfeste Wirtin

17 Darsteller standen auf der Bühne. Zeitweise füllten sie alle das zünftige und bunte Bühnenbild aus, nämlich jenes "Kabarett" mit dem einladenden Namen. August Ahlers hatte das Bühnenbild wieder entworfen und sechs Bühnenmitglieder unter der Leitung von Alfred Christoffers wendeten zu seiner Verwirklichung viel Fleiß und Liebe auf. Marga Goldmann stellte die Requisiten zusammen. Glaubhaft waren die Leistungen der einzelnen Darsteller, was vor allem von Brigitte Halbekathals handfester Wirtin Carola und von Christine Fein, Wilma Welte und Margot AndrewsJäkel roden Rollen der drei "säten Deerns"zusagen ist.

Roswitha Bertz spielte eine Schriftstellerin, die studienhalber in das Lokal kommt, während es sich bei den männlichen Gästen des Amüsierlokals um Beamte handelt, ausgerechnet aus Ämtern, die über das Schicksal des Hauses mit zu bestimmen hatten. Friedrich Müller, Wilfried Pampuch, Horst Jönck und Jürgen Tapken verstanden ihren Part auch gut und deutlich zu singen.

Die Taschen der Beamten sind leer

Dem Finanzbeamten Kühn, der so erfolgreich gegen den Abbruch des Hauses Sturm läuft, verleiht Günther Boye recht eindrucksvoll komödiantische Züge. Das Stück hat aber auch ein "Happy End". Der Baubeamte Dr. Evers (Jürgen Tapken) und die Studentin Reni, der Wirtin Nichte, finden zusammen und in der Rolle der Reni gab Marion Zomerland auch darstellerisch eine gute Figur ab.

Dann wirkten noch Karin Heyel und Hanna Christoffers als Beamtenfrauen, Horst Karstens und Claus Miehlke als recht lustige Originale, Maike RosenBerg als Serviererin und schließlich Martin Lingnau, der als Klavierspieler ein umfangreiches Pensum absolvieren mußte.

Es wurde frisch gesungen und getanzt, wobei Ingrid und Norbert Kolbenstetter für die Tänze verantwortlich zeichneten. Und wenn im Sprechen und Singen dies und jenes noch nicht so vollkommen war, so lag das wohl am "Premierenfieber" und tat der Gesamtinszenierung kaum Abbruch. Der Abend klang in 20minütigen Wiederholungen der Lieder aus.

Wenn nichts los ist, wird eben gestrickt - wer weiß, wofür (Wilma Welte, Margot Andrews-Jäkel, Christine Fein)