Niedersächsische Erstaufführung

TO´N DÜWEL MIT´N SEX

(No sex please, we´re british)
Schwank in drei Akten von Allistar Foot und Anthony Marriott
Niederdeutsch von Hans-Jürgen Ott

Inszenierung: Arnold Preuß
Bühnenbild Arnold Preuß

Bühnenbildbau: Alfred Christoffers, Walter Borraß, Karl-Heinz Goldenstein, Erwin Hildebrandt, Günter Newerla, Michael Müller, Frank Schmidt, Gesienus Thomas  und Klaus Panka
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Souffleuse: Marion Zomerland
Requisiten: Marga Goldenstein
Inspizientin: Anne Hillers

Rollen und Darsteller
Martin Kruse - Jürgen Tapken
Brigitte, seine Frau - Luise Pampuch
Grete, Martins Mutter - Hildegard Steffens
Paul Brandes, Freund von Martin - Claus Miehlke
Robert Gonzelmann - Karl-Heinz Schröder
Albert Rust - Rolf-Peter Lauxtermann
Herr Niklas - Horst Jönck
Tina, Masseurin - Annegret Lauxtermann
Sina, Masseurin - Alexandra Janßen
Gina, Masseurin - Petra Loschen
Bote - Klaus Panka

Drei Masseusinnen (Annegret Lauxtermann, Petra Loschen und Alexandra Janßen)  umschwärmen Martin (Jürgen Tapken)
GRODEN POST

Niederdeutsche Bühne macht Spaß:

Riesenerfolg für"Sexkomödie" in Fgroden

Von Ernst Richter

In den 60er Jahren war manches anders: Da galten die Beatles noch als jugendgefährdend, "Normalfamilien" staunten über die ersten studentischen Wohhgemeinschaften und Sexartikel wurden noch heimlich unter'm Ladentisch gehandelt. Wie gut ist es doch, daß wir heute ein viel freieres Verhältnis zur Sexualität haben, als der verklemmte Sparkassenfilialleiter Martin Kruse in dem heiteren, in den 60er Jahren angesiedelten Dreiakter "To'n Düvel mit'n Sex".

Mit dem Stück aus der Feder von Anthony Marriott und Alistar Foot (No sex please, we' re British) in der plattdeutschen Fassung von Hans Jürgen Ott erlebten die Akteure der Niederdeutschen Bühne Wilhelmshaven in der Aula der Agnes Miegel Schule einen riesigen Erfolg. Knapp 500 F'grodener wollten sich den Schwank, der im Guinness Buch der Rekorde als Komödie mit der längsten en Suite Laufzeit eingetragen ist, auf keinen Fall entgehen lassen.

Bühnenleiter Arnold Preuß war begeistert: "Die letzten Aufführungen hier in F'groden waren ja schon toll, aber diese Resonanz ist der absolute Rekord seit vielen, vielen Jahren." Ob es das Wörtchen "Sex" im Titel oder die garantierten 120 Minuten erstklassige Unterhaltung war, das die F'grodener die Theaterkassen stürmen ließ, sei einmal dahingestellt. Fest steht aber: Wenn die Niederdeutsche Bühne kommt, schmerzen die Lachmuskeln und strömen die Lachtränen.Eins vorweg: Blanke Busen gab's nicht zu sehen. Schließlich hieß es "To'n Düvel mit'n Sex" und nicht "Hoch lebe der Sex". Obschon die schnuckeligen Masseusen von der Skandinavian Import dem lustlosen Bankrevisor gehörig an die Wäsche wollten. Aber alles schön der Reihe nach:

Brigitte Kruse ordert zwecks Aufbesserung der Haushaltskasse bei einer schwedischen Firma ahnungslos Pornoartikel in Großhandelsmengen. Zuerst liefert die "Skandinavian Import" nur Bilder und Heftchen. Sparkassenleiter Martin Kruse ist genauso entsetzt über den Schmuddelkram wie seine Frau. "Das Zeug muß sofort wieder verschwinden!" Doch da rückt auch schon Martins Mutter an und die hat ausgerechnet seinen Boss im Schlepptau. Wenn der nun die vielen Bilder und Hefte sieht? Martins Freund und Kollege Paul Brandes wird damit beauftragt, die Pornos verschwinden zu lassen. Doch als die Polizei die Dinger am Strand auffischt, geht der Ärger erst richtig los.

Doch schon treffen weitere Lieferungen bei den Kruses ein: Bücher und Filme. Bloß weg damit. Inzwischen hat Bankrevisor Niklas bei Familie Kruse sein Nachquartier bezogen, weil in der Stadt kein Zimmer mehr zu bekommen ist. Ausgerechnet an diesem Abend kommt die heikelste Lieferung der Schweden: Tina, Gina und Sina. Drei hübsche Masseusen, die ahnungslosen Niklas ins "schwedische Gebirgeentführen wollen. Der Fluchtversuch durch die Kruse'sche Wohnung ist der absolute Brüller: F'groden heult vor Vergnügen.

Die immer abenteuerlicher werdenden Not Lügengeschichten des Ehepaares Kruse, die Verwicklungen und Verstrickungen, der ungeschickte Freund der Familie, dem alles mißlingt, was er auch anpackt und das auffällig unauffällige Bemühen, das Geschehen vor der Mutter und dem Chef zu verbergen, treiben die Komik beinahe bis ins Groteske. Das Ende vom Lied: Der Bankdirektor kennt die Masseusen aus eigenen Hausbesuchen, und der Kommissar lädt zum Männerabend ein, an dem die beschlagnahmten Filme angesehen werden sollen. Ertappt. So brenzlig war die Lieferung dann ja wohl doch wieder nicht. Und F'grodens Theaterfreunde sind aus dem Häuschen. Riesenbeifall für die Niederdeutschen im Stadtnorden. Wer's verpaßt hat, muß sich für die nächsten Aufführungen schon ins Stadttheater bemühen oder bis zum 6. März warten. Dann sind die Niederdeutschen wieder in F'groden und klagen über "Keen Utkamen mit't Inkamen".

Brigitte (Luise Pampuch) und Paul (Claus Miehlke) - wo kommen bloß diese Pornosachen alle her?

JEVERSCHES WOCHENBLATT

Mitreißende Komödie

Niederdeutsche spielen "Ton'n Düvel mit'n Sex"

Von Christian Erdmann

Wilhelmshaven. Die Premiere der Niederdeutschen Bühne Wilhelmshaven ist ein besonderes Ereignis und um es hier gleich vorwegzunehmen die neueste steht dieser Tradition in nichts nach. "No Sex please, we're british" so der Originaltitel des Stückes von Anthony Marriot und Alistair Foot, das im Guiness Buch der Rekorde als Komödie mit der längsten hintereinanderfolgenden Laufzeit, die es jemals in London gegeben hat, geführt wird. In der hochdeutschen Fassung von Friedrich Berger machte die Komödie Furore auf deutschen Bühnen, ehe sie nun in der plattdeutschen Übersetzung von Hans Jürgen Ott bei den Niederdeutschen präsentiert wurde.

Nun zum Stück: Sparkassenleiter Martin Kruse (Jürgen Tapken)' bewohnt mit seiner Frau Brigitte (Luise Pampuch) eine Wohnung über der Sparkassenfiliale. Da Brigitte das Hausfrauendasein nicht auslastet, hat sie auf die Annonce einer skandinavischen Firma geantwortet, um sich durch "Heimarbeit" etwas Geld hinzuzuverdienen. Als nun die erste Lieferung dieser Firma eintrifft, nimmt das Verhängnis seinen Lauf. In dem Paket befinden sich nämlich weniger Heimarbeitutensilien, als vielmehr pornografische Fotografien.

Daß so etwas im Hause eines Sparkassenleiters nichts zu suchen hat, versteht sich von selbst. Doch nun erscheint auch noch Grete Kruse (Hildegard Steffens), die Mutter des Sparkassenleiters, um diesen für einige Tage zu besuchen. Da wird es natürlich schwierig, das "Material" an der Mutter vorbei aus der Wohnung zu schaffen. Und da ist ja noch der Kassierer und Freund von Martin Kruse Paul Brandes (Claus Miehlke). Durch seine "tatkräftige" Unterstützung gerät die Sache völlig außer Kontrolle. Da ist es fast schon Nebensache, daß plötzlich neben dem Bezirksdirektor Gonzelmann (Karl Hein Schröder) auch der Sparkassenrevisor Niklar (Horst Jönck) in der Wohnung einund ausgehen und immer neue Lieferungen der skandinavischen Firma eintreffen . . . aber mehr sei hier nicht verraten!

Regisseur Arnold Preuß hat das amüsante Stück spritzig und äußerst unterhaltsam inszeniert. Der Spannungsbogen wurde gekonnt von den ersten Szenen bis zu den fast dramatischen Entwicklungen zum Schluß gespannt. Großen Anteil an dem tollen Erfolg der Aufführung hatte aber nicht zuletzt das Ensemble, daß das Tempo während des ganzen Stückes halten konnte. Vor allem sei hier Claus Miehlke genannt. Seine kleinen Vergeßlichkeiten und das Ungeschick beim Fortschaffen der Bilder und Bücher waren mehr als komisch und gaben dem ganzen Stück einen tollen Schliff. Aber auch Martin Kruse verstand es, die zunehmenden Verwicklungen, in die er als eigentlich Unbeteiligter hineingezogen wurde, herüberzubringen. Für das Bühnenbild und Technik sorgte Klaus Panke, die Ausstattung wurde von Marga Goldenstein zusammengestellt.

Das Stück wird von den Niederdeutschen noch achtmal im Januar gespielt. Hier die Termine: Im Stadttheater am 12., 19., 24. und 26. Januar jeweils um 20 Uhr und am 12. und 26. Januar auch um 15.30 Uhr. Gastspiele finden am Donnerstag, 16. Januar, in Sande, ev. Gemeindehaus, und am Freitag, 17. Januar, in der Aula der Agnes MiegelSchule in Fedderwardergroden statt.

Oh Gott,der Bote (Klaus Panka) bringt ja noch mehr Bücher und so´n Zeug´s -  für Paul (Claus Miehlke), Brigitte (Luise Pampuch) und Martin (Jürgen Tapken) wird´s wirklich brenzlig

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Fröhlicher Schwank riß alle mit

"To'n Dübel mit'n Sex" wurde zum Riesenerfolg

Von Theodor Murken

"Greift nur hinein ins volle Menschenleben . . . wo ihr's packt, da ist's interessant". Von diesem Ratschlag, den Goethe im "Faust" der "lustigen Person" in den Mund legte, mögen, bewußt oder unbewußt die Engländer Anthony Mariott und Alistair

Foot geleitet worden sein, als sie vor gut 30 Jahren, selber noch kaum 30 Jahre alt, für einen Schwank ein Thema auffgriffen, das damals gerade eine gewisse Aktualität gewonnen hatte, den Sex. Ihr Stück "No sex please" schlug .ein. In der hochdeutschen Übersetzung von Friedrich Berger gewann es auch alle deutschen Bühnen und schwappte dann in der plattdeutschen Ubersetzung als "To'n Düvel mit'n Sex" von Hans Jürgen Ott auf die plattdeutschen Bühnen über und kam nun am 2. Weihnachtstag bei der Niederdeutschen Bühne in Wilhelmshavener Stadttheater als Premiere heraus.

Ein Schwank gewinnt durch die Fülle der Verwicklungen, drastisch serviert. In diesem Fall geht es um das Geschäft mit dem Sex, das eine unseriöse Firma damit macht. Auf sie fällt die Frau eines gut angesehenen Sparkassen Filialleiters buchstäblich herein. Wie das geschieht und was sich daraus entwickelt, ist des Ansehens wert. Der Schwank ist nicht nur ein lustiges Spiel, er glossiert auch dunkle geschäftliche Machenschaften, wie sie es zu allen Zeiten gibt. Dieser Schwank hat auch eine weitere Eigenschaft. Er gibt dem Regisseur viele Möglichkeiten, die von den Autoren geschilderte Handlung auf die Spitze zu treiben bis hin zur Posse. Diese Gelegenheit hat der Speelbaas der Niederdeutschen Bühne, Arnold Preuß, genutzt und nicht zuletzt auch damit am 2. Weihnachtstag dem Stadttheater im vollen Haus ein begeistertes Publikum gefunden.

Dabei ergab sich, daß auf der Bühne ein Ensemble agierte, von dem man sagen kann, daß es über sich selbst hinauswuchs. Die Leistungen einzelner Darsteller steigerten sich zu reiner Akrobatik. Das Gesamtspiel verlor niemals an Tempo und führte besonders im letzten Akt von einem Höhepunkt zum anderen. Das bedeutet hier, daß am versöhnlichen Schluß man den Darstellern anmerkte, wie glücklich sie selber über die gelungene Aufführung waren. Im Vordergrund des brausenden Beifalls standen Jürgen Tapken als Sparkassenleiter Martin Kruse, der ständig hin und her rennen mußte zwischen all den Verwicklungen, Claus Miehlke als Paul Brandes, den seine eigenen Ungeschicklichkeiten und Pechsträhnen zur Verzweiflung brachten, und Horst Jönck als Revisor Niklas, der sich u. a. dem Angriff dreier "Masseusen erwehren mußte, die von Annegret Lauxtermann (Tina), Alexandra Janssen (Sina) und Petra Looschen (Gina) mit leidenschaftlicher Anhänglichkeit dargestellt wurden.

Luise Pampuch war die Frau des Sparkassenleiters, die das ganze Debakel anrührte, als sie sich auf die Annonce einer angeblichen skandinavischen Firma sich durch "Heimarbeit" etwas verdienen wollte (was den Verkauf von pornografischen Bildern, Büchern und Filmen bedeutete). Schlimm, daß ihre Mutter (Hildegard Steffens) zu den Verwirrungen beitrug; erleichternd, daß der Sparkasseninspektor (Karl Heinz Schröder) mit einiger Mühe aus dem Wirrwar herausgehalten werden konnte und in der Schwiegermutter eine Lebensgefährtin fand. Bei allem darf die Polizei nicht vergessen werden, vertreten durch die riesenhafte Gestalt von Rolf Peter Lauxtermann, der alle die Personen zu einem Fest der Polizei einlud, bei dem man sich die von der Polizei bechlagnahmten Filme und Bücher ansehen will. Dies hatte der Bote (Klaus Panke) als Zusteller ins Haus gebracht. Unter seiner Leitung standen auch Bühnenbild und Technik, für die Ausstattung sorgte Marga Goldenstein, die Malerei Herbert Ulbrich.

Sie (Luise Pampuch und Jürgen Tapken) sind geschafft vom Abtransport der unanständigen Filme,Bilder, Bücher etc.

NORD-WEST-ZEITUNG

Turteleien und Turbulenzen

"To'n Düvel mit'n Sex" Schwank bis zum Bersten

Von Ernst Goetsch

Wilhelmshaven. Ach, es könnte so schön sein . . . Turteleien von Flitterwöchnern! Doch die aprilfrisch muntere Biggi kommt mit ihrem Martin, dem Sparkassen Filialleiter, nicht zur Ruhe. Ihr trautes Heim, ein Haus der Freude. droht zum Freuden Haus zu werden. Denn Biggi, auf eigenen Beitrag zum Familieneinkommen bedacht, hat sich als Bezirksvertreterin einer skandinavischen Versandfirma angedient, und die schickt nun plötzlich statt der erwarteten Edelbestecke kartonweise Schmuddelware Pornobilder, Pornofilme, Pornobücher!

Wohin mit dem Zeug? Durchs Klo spülen? Verbrennen? Vergraben? Dem Reißwolf anvertrauen? Ja, wenn das so einfach wäre . . .!

Paul, Sparkassenkassierer und Freund des Hauses, soll die lästige Fracht aus der Welt schaffen, doch als Tollpatsch höchsten Grades stürzt er die Flitterwöchner und sich selbst immer wieder in neue Verlegenheiten wo doch jeden Augenblick die ehrpusselige Frau Schwiegermama, der gestrenge Herr Sparkassenchef und obendrein noch ein Revisor im Wohnheim der Jungvermählten über Genierliches stolpern könnten . . . !

"To'n Düvel mit'n Sex", heißt dieses närrisch überdrehte Spiel, mit dem die Niederdeutsche Bühne Wilhelmshaven nach einem kassenfüllenden Knüller äugt. Ein prall derber Scherz, der in die 60er Jahre zurückblendet, in jene Zeit, in der "nackte Tatsachen", knallbunt und drastisch offeriert, gen Süden und Westen rollten, Sittenwächter auf die Palme trieben, Spießer klammheimlich zum Studium "schändlicher" Importware verführten.

Anthony Marriott, ein britischer Boulevard Konfektionist (Jahrgang 31, glücklich und kinderreich verheiratet in Middlesex!) und sein Co Autor Alistair Foot (Jahrgang 1930, mittlerweile verblichen) haben diesen tolldreisten Seitenhieb wider Prüderie in englischen Salons ausgebrütet. "No Sex please, we're British", ihr Anmache Produkt gegen Moralinsaure, mutmaßlich satt mit untergründig trockenem englischen Humor gewürzt, lief und läuft und läuft in London seit Jahren, soll sogar inzwischen

Agatha Christies "Mouse Trap" als das bislang am längsten en suite gespielte Unterhaltungsstück übertrumpft haben, somit reif für das Guinness Buch der Rekorde.

Na, wenn schon . . .! Was da an britischer Selbstironie konzipiert, von Friedrich Berger ins Hochdeutsche katapultiert wurde (nicht sehr viel Aufsehen erregend), präsentiert sich nun in norddeutschen Gefilden "auf platt" in Hans Jürgen Otts Mundartfassung als Trumpf As des Dialekttheaters. So, wie der verteufelte Sex britischer Machart ins Niederdeutsche (speziell Oldenburgische) transportiert über die Rampe des Wilhelmshavener Stadttheaters kommt, nimmt er sich als Versuch aus, die legendäre "Pension Schöller" in den Schatten zu stellen. Doch! "To'n Düvel mit'n Sex" ist streckenweise noch schriller, noch irrer, noch turbulenter als das vorweg benannte urdeutsche Gewächs von geballter Situationskomik.

Eine Klamotte? Ein unbändiger Klamauk? Ja, beides! Aber dieser verteufelte Sex, dieses anzüglich (im übrigen sexuell garantiert keimfreie) Animierstück kommt pyramidal an. Arnold Preuß, Bühnenleiter und Regisseur der Niederdeutschen an der Jade, läßt keine Gelegenheit aus, die aberwitzige Komik (Situationskomik) der in Bedrängnis geratenen Kleinbürger drastisch herauszuknallen. Nach zwei vergleichsweise mäßigwellig dahinplätschernden Akten, die trotzdem schon etliche Lacher provozieren, gibt er im Schauspielerjargon gesprochen "den Affen Zucker". Da geht's rund; da wird kräftig aufgeschminkt, aufgedreht: Situationskomik bis zum Bersten!

Claus Miehlke als arg geschundener, vielfach überforderter Schadensbegrenzer Paul Brandes, Freund des Hauses, und Rolf Peter Lauxtermann als ein an Schlafstörungen leidender, von Sex Masseusen bedrängter Revisor quittieren dabei am Ende die stärksten Streicheleinheiten des Publikums. Jürgen Tapken als ge- und zerquälter Jungehemann und Luise Pampuch als dessen Biggi stecken wie die meisten anderen Akteure das Feld einer unfreiwillig heraufbeschworenen "Schändlichkeit" ab, die sich im gnädig selbstgefälligen Rückblick auf Irrungen und Wirrungen der 60er Jahre als relativ harmlos verrückt ausnimmt. Denn selbst die drei höchst ansehnlichen, aber überwiegend nett artig agierenden Masseusinnen sparen letztlich alles aus, was als "Igittigit" Anstoß erregen könnte.

Alles in allem genommen: Ein Super "Schöller". Kein Paradestück niederdeutscher Bühnenkultur, aber trotz weithin fehlender Charakterkomik ein komödiantisch würzig angereicherter Schmalzkuchen. (Erlaubt ist, was gefällt . . . oder?).

Selbst vor dem gestrengen Chef Gonzelmann (Karl-Heinz Schröder) muss Martin alles verstecken, was es zu verstecken gibt. Nur schade, dass seine Mutter Grete (Karin Heyel) so viel Gefallen an Gonzelmann findet. Da kann man nur noch abwarten, was Luise Pampuch und Claus Miehlke in ihren Rollen tun müssen

FRIESISCHER HAUSBOTE

Niederdeutsche Bühne Wilhelmshaven

To'n Düvel mit'n Sex Ein absoluter Publikumsrenner

Wilhelmshaven. Sparkassenleiter Martin Kruse und Brigitte, seine Frau, sind jung vermählt, glücklich und verliebt. Die Zukunft liegt strahlend vor ihnen. Doch dann ereignen sich Katastrophen serienweise. Um sich ein Zubrot zu verdienen, hat Brigitte auf eine Anzeige geschrieben. Und nun bekommt sie statt erhoffter Gläser und Bestecke pornografische Bilder aus Skandinavien. Wo Anfang der 60er Jahre Sex noch verpönt war, um wieviel sträflicher war in jenen Zeiten noch Pornografie.

Unfreiwilliger und oft unbeholfener Helfer, bei den Versuchen die heiße Ware loszuwerden, wird ihr Freund Paul Brandes. Statt die Bilder zu vergraben, wirft er sie in den Hafen und sorgt so ungewollt für deren Verbreitung und löst eine polizeiliche Fahndung nach dem Phantom Pornografen aus.

Pornos und Masseusen

Weitere Porno Sendungen folgen: Bücher und Filme. Und das alles wäre nur halb so schlimm, wenn nicht Martins gestrenge Frau Mutter zu Gast wäre, die zudem den sittenstrengen Robert Gonzelmann Chef von Martin immer wie der als ihren persönlichen Gast ins Haus einlädt. Vor ihnen muß das unfreiwillige schändliche Treiben der jungen Leute verborgen bleiben. Und die höchste Stufe der Komplikationen wird schließlich erreicht, als jene Porno Firma auch noch drei aufreizend attraktive Masseusen ins Haus schickt, wo auch der pingelig prüde Revisor Niklas für die Nacht Unterschlupf gefunden hat, ehe er am folgenden Tag Martins Sparkassen Filiale prüfen kann. Nur gut daß er noch nicht ahnt, daß Martin zu allem Überfluß einen Kundenscheck über 30 000 DM an jene PornoFirma geschickt hat.

Martin, Brigitte und Paul müssen mit immer wieder neuen improvisierten Einfällen verdächtige Spuren verwischen und falsche Fährten legen. Ganz klar, daß sich daraus ein turbulentes komödiantisches Spiel voller Verwicklungen und Verwirrungen ergibt. Ein Gag löst den anderen ab. Wortwitz, Situationskomik und das herrliche Komödianten Trio Jürgen Tapken, Luise Pampuch und Clans Miehlke animieren die Zuschauer zu immer neuem Juchzen, Lachen und Applaudieren. Locker leichtes BoulevardTheater irrbesten Sinne bietet die Inszenierung von Arnold Preuß. Und die Zuschauer sind stets auf der Lauer nach der nächsten Überraschung, der nächsten Katastrophe mit Pfiff.

Klasse Komödianten Trio

Sehr gekonnt stürzt sich Jürgen Tapken als Martin Kruse in die Wechselbäder der Stimmungen und Verhaltensweisen. Mal verliebt zufrieden, mal ohnmächtig wütend, mal überkorrekt höflich, mal ironisch augenzwinkernd. Mit ungeheurer Energie und überzeugend vielfarbigem Spiel gestaltet erden Sparkassenleiter, der aus einer spießigen Biederkeit herauskatapultiert wird, der immer neue Masken der Rechtschaffenheit aufsetzen und immer neue Fassaden der Wohlanständigkeit errichten muß. Und ihm zur Seite Brigitte, die unbeabsichtigt Ursache all der bedrohlichen Turbulenzen geworden ist. Luise Pampuch reißt die Zuschauer mit bei dem komödiantischen Paarlauf, den sie mit Jürgen Tapken durch das Lustspiel mit immer neuen spaßigen und witzigen Figuren manchmal atemberaubend durchhält.

Kontrapunkt und Ergänzung und dritter Komödiant im Bunde ist Clans Miehlke, der den drögen und etwas unbeholfenen, aber stets hilfsbereiten Freund Paul Brandes spielt. Ein ausgezeichnetes Trio, daß die Handlung vorantreibt, zusammenhält und ihm die komödiantische Würze gibt.

Horst Jönck macht die Nebenrolle des Revisors Niklas, dieses scheinheilig lüsternen Spießers, zu einem Genuß. Rolf Peter Lauxtermann als Polizist Albert Rust imponiert allein schon durch seine Statur. Hildegard Steffens gelingt die nervig neugierige, mütterlich bevormundende Mutter/ Schwiegermutter recht gut. Karl Heinz Schröder spielt den scheinheilig biederen Chef Robert Gonzelmann. Annegret Lauxtermann, Alexandra Janßen und Petra Looschen treiben leicht aufreizend ihr Spiel als Masseusen. Und nicht unerwähnt sei der kurze Auftritt von Klaus Panka als Bote.

Publikumswirksam

Mit der Inszenierung dieses englischen Lustspiels 'No sex we're British' hat Arnold Preuß gezeigt, daß Niederdeutsches Theater ganz einfach lustig, unterhaltsam und pfiffig sein kann, ja sein sollte. Und er hat gezeigt, wie müßig all jene Diskussionen sind: Ob denn Niederdeutsches Theater heiter, beschwingt und ganz einfach publikumswirksam sein darf. Für wen denn sonst sollte Theater gespielt werden als fürs Publikum?l Und das Publikum sorgt für immer neue Kassen Rekorde. Erstmalig wird die Niederdeutsche Bühne Wilhelmshaven sogar Zusatztermine anbieten, um die große Nachfrage zu befriedigen. Viel Spaß.

Schon in den Nachrichten wird es gebracht, Pornobilder überschwemmen den Banter See - v.l. Claus Miehlke, Jürgen Tapken, Luise Pampuch