Wilhelmshavener Erstaufführung

AS´N WULK IN´N WIND

Niederdeutsche Komödie in drei Akten von Ingo Sax

Inszenierung: Jürgen Tapken
Bühnenbild: Jürgen Tapken
Regieassistenz Luise Pampuch

Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Requisiten: Marga Goldenstein
Inspizientin: Anne Hillers
Souffleuse: Hildegard Steffens
Bühnenbildbau: Alfred Christoffers, Walter Borraß, Erwin Hildebrandt, Sönke Kiewitt, Karl-Heinz Goldenstein, Gesienus Thomas, Günter Newerla, Ulrich Weiß und Klaus Panka
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich

Rollen und Darsteller
Wilhelm Eilers - Wilfried Pampuch
Niels Eilers - Michael Hillers
Harm Richertsen - Horst Jönck
Christine Engehard - Christine Fein
Aglaja Engelhard - Alexandra Janßen
Lilo Rathjens - Hanna Christoffers

Christine und Aglaja Engelhard (v.r. Christine Fein, Alexandra Janßen) machen Urlaub auf dem Lande

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 16. Februar 1993

Das Publikum feierte Bühnenautor Ingo Sax

Gelungene Erstaufführung von "As'n Wulk in'n Wind" im Wilhelmshavener Stadttheater

Von Inse Leiner

Eine niederdeutsche Komödie mit Tiefgang präsentierte die Niederdeutsche Bühne am Sonntag. Mit seinem ersten Bühnenstück "As'n Wulk in'n Wind" trägt der Hamburger Autor Ingo Sax ohne Zweifel dazu bei, daß das Plattdeutsche Theater noch mehr Freunde findet. Die Erstaufführung im Wilhelmshavener Stadttheater wurde ein toller Erfolg. Auch Ingo Sax freute sich über den tosenden Applaus. Das Rezept des Bühnenautors ist einfach, hat aber eine hervorragende Wirkung: Geschiedener Vater (Wilfried Pampuch) verliebt sich nicht in jung gebliebene Mutter (Christine Fein), sondern in deren 22jährige Tochter (Alexandra Janßen). Sein Sohn (Michael Hillers) hingegen fühlt sich zur Mutter hingezogen.

Diese ungewöhnlichen Beziehungen bringen Unruhe in die schon zerrütteten Familienverhältnisse. Vater Wilhelm Eilers, seit zehn Jahren geschieden, trauert im Stillen seiner Exfrau Ursel nach. Die Uhr scheint im wahrsten Sinne des Wortes stehen geblieben zu sein. Wilhelm stürzt sich in die Arbeit, um das Vergangene zu verdrängen und bemerkt nicht, wie er innerlich immer mehr vereinsamt. Nicht einmal die resolute Haushälterin Lilo Ratjen (Hanna Christoffers), die ihn liebevoll umsorgt, vermag ihm zu helfen.

Nur der Straßenvagabund Harm Rickertsen (Horst Jönck) wagt es, dem verbitterten Landwirt den Spiegel vorzuhalten. Die Inszenierung von Jürgen Tapken und Regieassistentin Luise Pampuch verdient Anerkennung. Das Bühnenbild von Alfred Christoffers, Walter Borraß und Erwin Hildebrandt mit den vielen Details harmoniert ausgezeichnet mit der Handlung und der Ausstattung von Marga Goldenstein. Wilfried Pampuch, in dieser Spielzeit auch schon hervorragend in "Kattenspöök", verkörpert die Rolle des Landwirts Eilers überzeugend. Trauer und Schmerz sind in seinem Gesicht ebenso zu lesen wie Wut, Enttäuschung und Hoffnung.

Aglaja (Alexandra Janßen) holt Wilhelm (Wilfried Pampuch) aus seinem Stimmungstief heraus

Einmalig auch die Kabbeleien zwischen Harm und Lilo, die sich wie "Hund und Katz" vertragen. Sowohl Horst Jönck als auch Hanna Christoffers sind die Rollen auf den Leib geschrieben. Jönck ist als Harm die treibende Kraft in diesem Stück und sorgt auch für das Happy End. Die Rolle des beobachtenden Familienfreundes mit der Erfahrung eines Landstreicherlebens füllt er mit sehr viel Leben. "As'n Wulk in'n Wind" ist Harm durch die Weltgeschichte gezogen. Ihm und der einfühlsamen Tochter Aglaja gelingt es, Wilhelm etwas von dieser Leichtigkeit wiederzugeben.

Michael Hillers hat nach "Kattenspöök" auch in dieser Komödie die Rolle des Sohnes übernommen. Christine Fein und Alexandra Janßen sind in ihren Rollen Frauen mit Gefühl und Sachverstand, die genau wissen, was sie wollen. Eigenschaften, die Vorbildcharakter haben. Die Niederdeutsche Bühne hat mit Ingo Sax einen Autor gefunden, der den Mut hatte, die Trampelpfade des plattdeutschen Theaters zu verlassen. Diese neue Richtung steht dem niederdeutschen Theater sehr gut zu Gesicht. Ingo Sax läßt seine Personen nicht nur erzählen, sie haben etwas zu sagen. Schon jetzt darf man gespannt sein auf die Aufführung am 4. März von "Güstern eerst un morgen wedder". Dieses Schauspiel von Ingo Sax feierte in einer Gemeinschaftsproduktion des Niederdeutschen Bühnenbundes bereits in Varel Premiere.

Reifere Frau - junger Mann, geht das gut - Christine Fein, Michael Hillers