Wilhelmshavener Erstaufführung

JOSEF UN MARIA

(Joseph und Maria)
Schauspiel von Peter Turrini,
Plattdeutsch von Hartmut Cyriacks

Inszenierung: Ludwig Brundiers
Bühnenbild und Kostüme:  Ludwig Brundiers/Peter Kettner/Firma Karstadt WHV
Dramaturgie: Lucia Geis
Souffleuse: Roswitha Wunderlich
Requisite: Christof Kremke
Technische Leitung: Claus Meschter
Licht und Ton: Peter Pfaus

Rollen und Darsteller
Maria Hildegard Steffens
Josef Klaus Aden


Maria (Hildegard Steffens)  und Josef (Klaus Aden) im Kaufhaus Karstadt in der Marktstraße

Auf leisen Sohlen in die Herzen der Zuschauer

Aufführung "Josef und Maria" bei Karstadt: Glückselige Weihnacht im Tangoschritt

Von Ernst Richter

Maria und Josef begegnen sich im Kaufhaus. Nach Ladenschluß. Es ist der 24. Dezember 1977. Sie ist Raumpflegerin, er Nachtwächter. Beide haben freiwillig diese Heilig Abend Schicht übernommen. Haben ihre Gründe gehabt. Dem Alleinsein ausweichen. Die persönlichen Probleme "überarbeiten". Aus diesem Vorwurf schrieb der Osterreicher Peter Turrini (50) das Zwei Personen Stück "Josef und Maria". Hartmut Cyriacks und Peter Nissen übersetzten es ins Plattdeutsche, und Ludwig Brundiers (Chefdramaturg der Wilhelmshavener Landesbühne) übernahm als Gast die Regie für die Niederdeutsche Bühne Wilhelmshaven.

Die Premierenvorstellung gelingt zwei Wochen vor Heiligabend des Jahres 1994 im Hause Karstadt. Im Erdgeschoß ist die Spielfläche freigeräumt. 70 Stühle sind für die Besucher aufgestellt worden. Hildegard Steffens geht ganz in der Rolle der Raumpflegerin Maria auf, füllt ihren Part mit einer bewundernswerten Charakterdarstellung aus. "Als ich das Rollenbuch zum ersten Mal las, sagte ich, das bin ja ich", erzählt Hildegard Stefens bei der Premierenfeier und fährt einschränkend fort, "nur, meine Schwiegertochter ist ganz lieb und nicht so böse, wie sie in dem Stück geschildert wird".

Hildegard Steffens hat die Kriegsjahre und die Nachkriegszeit am eigenen Leib erfahren, kann also lebensnah die vom Schicksal geprüfte Frau darstellen, wie sie gern in Erinnerungen schwelgt. Damals, als sie mit einer Schauspielund Ballettruppe durch Italien zog und Rudolpho Valentino ihr Traumidol war. Und dann kam der Mann ihres Herzens, der sie verließ, zurück blieb sie mit einem Kind, das sie unter ihrem Herzen trug. Die Jahre eilten dahin. Was sie doch für eine stattliche Frau war, wie sie vor 40 Jahren ausgesehen hat, das müßte Josef gesehen haben.

Eben diesem Josef gibt Klaus Aden lebendige Gestalt. Auch Josef hat seine Erinnerungen. Die tangieren die Nazizeit, sind mehr politischer Natur. Da war auch noch der Alkohol, der ihm zugesetzt hat. Josef nimmt das Mikrophon der Warenhaus Durchsage und stimmt die "Internationale" an "und niemand hört uns zu", besänftigt ihn Maria.

So steigern sich Hildegard Steffens und Klaus Aden in einen bewundernswerten Gedankenaustausch hinein. Das Rollenspiel lebt nicht vom Dialog allein. Wenn Josef und Maria ihr Leben voreinander ausbreiten, Tango tanzen und sich auf die gemeinsame Nacht vorbereiten, dann pendelt die Empfindung zwischen Komödie und Tragödie hin und her. Schließlich wird diese Weihnachtsnacht zu einem großen Glücksgefühl für Maria und Josef. Das Publikum bedankt sich mit anhaltendem Beifall.

Ludwig Brundiers hat mit Hildegard Steffens und Klaus Aden viel geprobt und gearbeitet. Der Erfolg blieb nicht aus. Die Handlung bietet als gemeinsame Studioauffüh rung der Niederdeutschen mit der Landesbühne ein Stück Lebensgeschichte, die sich auf leisen Sohlen ohne spek takuläre Aktion in die Herzen der Zuschauer schleicht und sich festsetzt.

Unter den Premierengästen befand sich Arnold Cordsen aus Brake, Präsident des Niederdeutschen Bühnenbunde: Niedersachsen Bremen. Er bezeichnete die Aufführung als sehr gelungen. Die Niederdeutsche Bühne Wilhelmshaven hat diese Inszenierung zum Wettbewerb um den Willy-Beutz-Preis angemeldet. Einer der Juroren ist Arnold Cordsen. "Josef und Maria` wurde übrigens bereits iim Hamburger Karstadt Haus vom Ohnesorg Theater aufgeführt.

Die weiteren Wilhelmshavener Aufführungen im Karstadt Haus sind am 14. Dezember (20 Uhr), 18. Dezember (18 Uhr), 8. Januar 1995 (11 Uhr), 11. Januar (20 Uhr) und 18. Januar (20 Uhr).