4. Wiederaufführung (5), davor vor 1939, 1949/50, 1958/59 und 1978/79 gespielt

KRAMER KREY

Komödie in drei Akten von Hermann Boßdorf

Inszenierung: Arnold Preuß
Bühnenbild: Arnold Preuß

Bühnenbildbau: Walter Borraß, Alfred Christoffers, Erwin Hildebrandt
Bühnenbildmalerei: Herbert Ulbrich
Bühnentechnik: Klaus Panka, Sönke Kiewitt, Siegfried Margowski, Gesienus Thomas, Günter Newerla
Bühnenbeleuchtung: Uwe Freiberg, Peter Pfaus
Requisiten: Angelika Lauxtermann
Inspizient: Helga Borraß
Souffleuse: Hildegard Steffens

Rollen und Darsteller
Kramer Kray - Heinz Zomerland
Asmus Broihan - Jürgen Tapken
Meile Haak - Luise Pampuch
Hein Kohrs - Ralf-Rüdiger Bayer
Deele Rüüsch - Christine Fein
Laura Facklamm - Helga Lauermann
Piepersch - Margot Andrews-Jäkel

Das Ensemble von "Kramer Krey" - Ralf-Rüdiger Bayer, Margot Andrews-Jäkel, Helga Lauermann, Luise Pampuch, Christine Fein, Jürgen Tapken und in der Mitte Heinz Zomerland


Wilhelmshavener Zeitung vom 21.11.1995

Eroberungskünste erheitern das Publikum

Niederdeutsche Bühne Wilhelmshaven spielt Bossdorf Komödie "Kramer Krey"

Von Ernst Richter

Alle Frauen sind hinter Kramer Krey her, dem recht gut betuchten Witwer mit seiner Krämerhandlung: Die Huushollersch Mile Haak, die Reimakefroo Piepersch, das leichte Mädchen Dele Rüsch und die Wittfro Laura Facklamm. Daraus entwickelt sich eine urige Geschichte, denn der Makler Asmus Broihan verleitet Kramer Krey zu nächtelangen Sauftouren, liebt das flo'te Leben und die leichten Deerns. Andererseits hat der Junggeselle Broihan mehr als ein Auge auf die Huushollersch Mile Haak geworfen, möchte sie seinem Freund Kramer Krey ausspannen. Wird es ihm gelingen?

Die Antwort darauf gibt die Hermann Bossdorf Komödie "Kramer Krey", aufgeführt von der Niederdeutschen Bühne Wilhelmshaven. Am Sonntag war Premieren Vorstellung im Stadttheater. Die Regie führt Arnold Preuß. Heinz Zomerland spielt den Kramer Krey, der mit einem Brummschädel nach durchzechter Nacht erst mit einem nassen Feudel wachzukriegen ist, den die Reimakefroo zielsicher schwenkt. Das lustig Speel in fünf Törns hat damit begonnen. Heinz Zomerland könnte sich noch ein bißchen mehr in die Rolle dieses Krämers hineinknien, die Ärmel aufkrempeln und vom feinen Zwirn in den Küsten Alltag hineinagieren.

Das gelingt mit deftigem Temperament Margot Andrew Jäkel als Reimakfroo Piepersch. Und dazu kommt Christine Fein als leichtes Mädchen Dele Rüsch ganz groß heraus, sprüht voller Witz und Mimik und bekommt Szenenapplaus. Helga Lauermann hat als fein ausstaffierte Wittfro Laura Facklamm nur einen kurzen Auftritt. Bleibt als vierte Spielerin Luise Pampuch in der Rolle als Huushollersch Mile Haak zu nennen, die geschickt weiblichen Charme und Raffinesse einsetzt und weiß, wie eine Frau einen Mann einfangen kann. Sie wird so zur Hauptfigur dieser turbulenten Handlung, in der natürlich außer Kramer Krey noch zwei weitere Mannslüü eine Rolle spielen.

Da ist Jürgen Tapken als agiler und gut durchtrainierter Makler Asmus Broihan, bester Freund Kramer Kreys, zu erleben. Er bringt Schwung in den Laden, macht Mile Haak den Hof, versucht sich nachts auch als Gespenst und ist letztlich doch ein richtiger Pechvogel. Zum ruhenden Pol der Handlung wird Ralf Rüdiger Bayer als Hussmester Hein Kohrs, der unliebsame Gäste mit Vergnügen an die Luft befördert.

Irgendwie saß dem Laien-Ensemble die Anspannung der Premierenvorstellung im Nacken. So sprang der zündende Funke zum Publikum anfangs nur etwas zögerlich über, was sich mit fortschreitender Spieldauer änderte. Mit viel Beifall wurden die Mitwirkenden und Speelbaas Arnold Preuß vom Publikum verabschiedet. Die nächsten Vorstellungen werden ganz gewiß von einem gelösteren Ensemble locker vom Hocker aufgeführt.

Vielleicht liegt es auch etwas an dem recht nüchtern wirkenden Bühnenbild. Es führt in die Bürostube des Krämers Kramer Krey mit vielen Türen und einem hübschen Ausblick in den Garten. Aber, atmosphärisch ist der Stube nicht anzumerken, daß die Handlung hier bei uns an der Küste spielt. Solche Requisiten lassen sich aber noch einbauen. Die nächsten Aufführungen im Stadttheater sind am Sonnabend, 25. November, um 20 Uhr; Sonntag, 26. November, 15.30 und 20 Uhr; Freitag, 1. Dezember, 20 Uhr; Sonntag, 3. Dezember, 15.30 und 20 Uhr; Sonnabend, 16. Dezember, 20 Uhr. Im evangelischen Gemeindehaus in Sande wird am Donnerstag, 14. Dezember, ab 20 Uhr gespielt und in der Agnes Miege1 Schule in F'groden am Freitag, 15. Dezember, ebenfalls ab 20 Uhr.

Krey (Heinz Zomerland) hat einen dicken Kopf - woher wohl - Mile (Luise Pampuch) möchte ja gerne helfen, aber gegen Dunität ist man machtlos

Jeversches Wochenblatt vom 22.11.1995

Niederdeutsche Bühne spielt Theaterklassiker

Premiere von "Kramer Krey" von H. Boßdorf

(js) Wilhelmshaven. Sie überstand die unterschiedlichsten Zeitabläufe, überlebte politische Veränderungen und ist heute noch so aktuell wie vor 75 Jahren, die Komödie "Kramer Krey" von Hermann Boßdorf. Denn Liebe ist nun mal ein Thema, daß unvergänglich ist und Stoff für unzählige Bühnenstücke hergibt. Das muß auch der Autor gewußt haben, als er 1919 "Kreyenjagd", so der ursprüngliche Titel, geschrieben hat. Was den Dichter letztendlich dazu bewogen hat, das Stück noch vor der Uraufführung 1920 umzubenennen, ist nicht überliefert, aber der alte Titel wäre treffender gewesen.

Eine Jagd ist sie allemal, die Geschichte des "Kramer Krey", die am Sonntag abend als zweite Inszenierung von der Niederdeutschen Bühne Wilhelmshaven aufgeführt wurde. Auch wenn das Stück bereits zu den Klassikern unter den niederdeutschen Bühnenstücken zählt, kostete es den Darstellern am Anfang einige Mühe, die von Arnold Preuß einstudierte Inszenierung dem Publikum näherzubringen. Die zu Beginn etwas schwunglose Aufführung bekam erst mit Auftritt von Jürgen Tapken den richtigen Pep. Tapken verstand es dann auch immer wieder, Leben auf die Bühne zu bringen, so daß das Publikum die Aufführung mit anhaltenden Schlußbeifall bedachte.

Das ursprünglich 1920 im Hafenmilieu spielende niederdeutsche Lustspiel wurde von Arnold Preuß in das Jahr 1995 verlegt. Somit konnte der Regisseur die menschlichen Beziehungen, die heute viel freier ausgelebt werden, dem Publikum auch freizügiger darstellen. Hochgeschlitzte Kleider, tiefblickende Dekolletes, kurze Röcke und spitzenverzierte Strumpfbänder sorgten dann auch während der Aufführung für allerlei Unruhe unter den männlichen Zuschauern.

Unruhig wurde es auch für Heinz Zomerland, dem als Kramer Krey gleich vier Frauen nachjagen. Vier Frauen unterschiedlichster Art, da bleiben Machtkämpfe nicht aus. Da isi zum einen die Reinmachefrar Piepersch (Margot AndrewJäkel), die mit ihrem losen Mundwerk und ihrer robusten Art den wohlhabenden Witwer eher abschreckt als anzieht. Die Dirne Dele Rüsch (Christine Fein) dagegen ist nach einer durchgemachten Nacht mit dem Kramer auch materieller Art an ihn interessiert. Auch die reiche Witwe Laura Facklamm (Helga Lauermann) macht sich Hoffnung. Doch Kramer Krey, sein Herz gehört einzig und allein der Haushälterin Mile Haak (Luise Pampuch), die er lieber heute als morgen heiraten möchte.

Das wiederum paßt seinem Freund und Makler Asmus Broihan (hervorragend gespielt von Jürgen Tapken) überhaupt nicht. Der eingefleischte Junggeselle setzt Himmel und Geister in Bewegung, damit Krey ledig bleibt. Doch Broihans Geisterbeschwörung endet anders als von ihm erwartet. Bleibt zum Schluß noch Hausmeister Hein Kohrs (Ralf Rüdiger Bayer) zu erwähnen, der bei dieser "Kreyenjagd" als Rausschmeißer und Sprücheklopfer fungiert. Bei einer Jagd, der etwas mehr Temperament gut zu Gesicht gestanden hätte. Die nächste Kreyenjagd im Stadttheater ist am 25. und 26. November um 20 Uhr, Sonntag nachmittag auch um 15.30 Uhr.


Krey (Heinz Zomerland) sieht sich weiblichen Verführungskünsten ausgesetzt, durch Dele Rüsch (Christine Fein) wird das besonders drastisch dargestellt