Wilhelmshavener Erstaufführung

LÜTTE WITTE SIEDENSCHOH

Komödie in fünf Akten von Ingo Sax

Inszenierung: Bigge Lünemann a. G.
Bühnenbild: Bigge Lünemann a. G.

Souffleuse - Hanna Christoffers
Requistiten - Monika Eilers
Inspektion - Anke Schluppkotten
Technik - Manfred Eilers, Günter Newerla, Horst Vollbrecht, Alfred Christoffers und Julius Schumann.

Rollen und Darsteller
Benno Roggenkamp - Klaus Aden
Fiete Roggenkamp - Marc Gelhart
Huushollersch - Heidi Rausch
Deern ut de Stadt - Elke Theesfeld

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 25. September 1998

Alt-Bauer Benno entwickelt im Alter noch Frühlingsgefühle

Erste Premiere der Niederdeutschen Bühne am Sonnabend

Frühlingsgefühle eines starrsinnigen Alt-Bauern: Die Niederdeutsche Bühne beginnt ihre diesjährige Saison mit der Komödie „Lütte witte Siedenschoh" von Ingo Sax, die am Sonnabend, 26. September, 20 Uhr, im Stadttheater Wilhelmshaven Premiere hat. Die Regie für die 1991 in Hamburg uraufgeführte Komödie hat als Gast Bigge Lünemann übernommen. Von ihr stammt auch der Bühnenbildentwurf. Bigge Lünemann, Inspizientin bei der Landesbühne, ist bei der Niederdeutschen Büh­ne nicht unbekannt; denn bereits in der vorletzten Spiel-Saison inszenierte sie mit Erfolg ein plattdeutsches Bühnenstück. Derzeit laufen die Proben auf Hochtouren. Die Amateurspieler, inzwischen von der Probebühne auf die große Bühne im Stadttheater „umgesiedelt" , sind geschminkt und machen sich vertraut mit den Requisiten. Die diesjährige Premiereaufführung ist mit nur vier Spielerrollen besetzt. Das Publikum kann sich freuen auf die bekannten Gesichter von Heidi Rausch (Hushollersch), Elke Theesfeld (Deern ut de Stadt) und Klaus Aden (de Buur). Neu und zum ersten mal auf der Bühne steht Marc Gelhart als Sohn.

Als Souffleuse geht Hanna Christoffers in den Flüsterkasten. Verantwortlich für die Requistiten ist Monika Eilers. Inspektion übernimmt Anke Schluppkotten. Die fleißigen Techniker hinter der Bühne sind Manfred Eilers, Günter Newerla, Horst Vollbrecht, Al­fred Christoffers und Julius Schumann. Das Bühnenbild, eine Bauernküche aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg, in der das Stück spielt, wirkt schlicht. Sparsam und ohne überflüssiges Mobiliar ausgestattet, kann kaum etwas von den zwischenmenschlichen Beziehungen in dem Vier-Personen-Stück ablenken.

Der Ablauf ergibt sich aus dem Zusammenleben von vier Menschen aus zwei Generationen, die anfangs nicht so zusammenkommen können und wollen, wie es eigentlich in einer Komödie üblich ist. Da ist der alte starrköpfige Bauer Benno Roggenkamp, ein echter Haustyrann, der sich in eine „söte" Deern verknallt, Süßholz raspelt und ganz närrisch auf Freiersfüßen tänzelt. Das ist Fiete, sein Sohn, der Nackenschläge des sturen Vaters ertragen muß und der nicht Manns genug ist, klare Verhältnisse zu schaffen, um seine heimliche Verlobung zu offenbaren. In Sachen weiblicher Taktik ist die Haushälterin Lisa die Verbündete Katharinas/ Trinas, der heimlichen Verlobten Fietes. Wie diese tiefsinnige Komödie ausgeht, das wird der Zu­schauer erfahren, wenn er am morgigen Sonnabend um 20 Uhr zur Premiere ins Theater kommt .

Die nächsten Aufführungen steigen am Sonntag, 27. Sep­tember, 20 Uhr; Sonntag, 4. Oktober, 15.30 Uhr und 20 Uhr, sowie Freitag, 9. Okto­ber, 20 Uhr. dw

Heidi Rausch, Marc Gelhart

JEVERSCHES WOCHENBLATT vom 29. September 1998

Die Darsteller erhielten Applaus auf offener Szene

Niederdeutsche Bühne erhielt lang anhaltenden Beifall für „Lütte witte Siedenschoh"

(js) Wilhelmshaven. Witte Siedenschoh, Größe 38, sorgten bei der jüngsten Premiere der Niederdeutschen Bühne am Sonnabend im Stadttheater für vergnügliche Komplikationen. Mit amüsantem Wortgeplänkel und hervorragenden Darstellern begeisterte die Niederdeutsche Bühne mit der Komödie „Lütte witte Siedenschoh" aus der Feder von Ingo Sax. Als Dank erhielten sie langanhaltenden Beifall vom begeisterten Publikum. Ein Wunsch ist nur so lange reizvoll und interessant, so lange er unerfüllt bleibt. Bekommt man das Gewünschte, verliert es of seinen Reiz. So ergeht es auch Bauer Benno Roggenkamp, ein starrsinniger Bauer und Haustyrann. Er verliebt sich in ein junges Mädchen und erlebt seinen zweiten Frühling. Bennos Hof ist einer der größten im Hamburger Umland. Während der Erntezeit müssen Tagelöhner angeworben werden, um die Ernte einzubringen. Bei klarem Verstand hätte Benno niemals eine junge Frau angenommen, die für Kost und Logis arbeiten will. Aber Erntedruck, Personalnot und rote Haare trüben seinen Blick. Gerade die roten Haare, gepaart mit Fleiß und Ausdauer, verwirren seinen Kopf.

So kommt Trina auf den Hof, die eigentlich Katharina heißt. Sie ist die heimliche Verlobte von Bennos Sohn Fiete. Doch Katharina ist nicht standesgemäß. Sie ist ein Mädchen aus der Stadt. Da müssen List und Tücke angewendet werden, um Katharina auf den Hof zu bringen. Bennos Haushälterin und ewige Verlobte, Lisa, weiß von den Heimlichkeiten des jungen Paares. Lisa stellt Katharina als Hausmagd ein, während sie ihre Schwester besucht. So wird aus Katharina Trina und dem Bauer als Tochter aus vermögendem Haus vorgestellt. Er ist sofort Feuer und Flamme. Benno macht Trina den Hof. Schnell spricht er von Heirat und kauft ihr „lütte witte Siedenschoh, Größe 38". Das paßt natürlich Lisa nicht, die aber nicht auftrumpfen darf, da sie von Benno im Alter versorgt werden will. Doch irgend jemand muß die Verwechslung aufklären. Benno will nicht, Fiete kann nicht, Lisa darf nicht. Bleibt also nur Trina. Weibliche Lisl ist gefragt, Schläue gegen Verliebtheit. So verspricht sie, daß alles geregelt sein wird, wenn „der Junge zum Mann und der Mann zum Vater" wird.

Immer wieder erhielten die vier Darsteller Applaus auf offener Szene. Mil Klaus Aden, Marc Gelhart, Heidi Rausch und Elke Theesfeld hatte Bigge Lünemann als Regisseurin eine hervorragende Wahl getroffen. Klaus Aden war wie geschaffen für die Rolle als Benno Roggenkamp. Auf der einen Seite der starrsinnige Bauer und Haustyrann, der seinem erwachsenen Sohn mit Nackenschlägen auf den rechten Weg bringen will. Seine Hochzeit mil Lisa schiebt er immer hinaus, weil sie Geld kostet. Aber es gibt auch noch eine andere Seite an Benno. Diese kann sanft und zärtlich sein, aber die erlebt nur Trina. Für sie kauft er Lackschuhe und tauscht sie schließlich auf Anraten von Sohn Fiete gegen Siedenschoh ein. Eigentlich denkt Fiete dabei an seine eigene Hochzeit mit Trina und merkt nicht, wie Benno Trina umgarnt. Die Verwirrung ist perfekt. Trina, gekonnt dargestellt von Elke Theesfeld, hat eine glänzende Idee, sie will Bennos Wunsch erfüllen, denn sie hofft, wird sein Wunsch Wirklichkeit, will er sie nicht mehr.

Da hält sie ihm sehenswert ihrer beiden Zukunft vor Augen. Fünf Kinder möchte sie mit ihm, twee Jungs un dree Deerns. Benno soll tanzen lernen, und sie bringt ihm gleich die ersten Walzerschritte bei. Außerdem brauchte sie eine weitere Haushaltshilfe, denn mit fünf Kindern hat sie nicht mehr viel Zeit für die Hausarbeit. Als Trina ihn schließlich noch auffordert, sein Testament zu ihren Gunsten zu ändern, verläßt Benno die Küche. Er geht zum Nachdenken in den Stall. Unterstützt in ihren Spielchen wird Trina von Bennos Verlobter Lisa, herrlich gespielt von Heidi Rausch. Bleibt zum Schluß noch Fiete, der erst noch zum Mann werden muß, damit er seine Katharina in die Arme schließen kann. Mit der Neubesetzung Marc Gelhart hat die Niederdeutsche Bühne einen Glücksgriff gemacht, meisterhaft füllt er die Rolle des „noch etwas grün hinter den Ohren wirkenden Bauernsohn" aus. Frisch, und scheinbar ohne Lampenfieber, meisterte er bravourös seinen ersten Part.

Die nächste Aufführung der Niederdeutschen Bühne ist am Sonntag, dem 4. Oktober, um 15.30 und 20 Uhr im Stadttheater.

Marc Gelhart, Klaus Aden

Marc Gelhart, Elke Theesfeld