Niederdeutsche Erstaufführung

ALLENS UT DE REEG

(Out of Order, Ausser Kontrolle)

Farce von Ray Cooney
Deutsch von Nick Walsh
Niederdeutsch von Arnold Preuß

Inszenierung und Bühne:
Arnold Preuß

Requisiten: Marianne Karstens
Souffleuse: Christel Dörnath
Inspizientin: Magita Pust
Maske: Heidi Strowik
Bühnenbildbau: Alfred Christoffers, Günter Scherf, Horst Vollbrecht
Bühnentechnik: Günter Michaels, Günter Newerla
Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Technische Leitung: Manfred Eilers

Rollen und Darsteller
Richard Willms - Horst Karstens
De Managerin - Roswitha Wunderlich
De Kellner - Klaus Aden
Inge Würdemann - Elke Theesfeld
Een Lief - Andre Gelhart
Schorsch Sööge - Marc Gelhart
Ronnie Würdemann - Nicolas C. Ducci
Pamela Willms - Marion Zomerland
Geesche Förster - Martina Jahn

 

Vorankündigung

Eine Farce von zeitloser Aktualität, führt sie uns doch einen hohen Politiker beim erneut angestrebten Seitensprung vor. In einer Suite des Hotels Excelsior, wenige Schritte vom Landtag entfernt und deshalb eine geschichtsträchtige Aussicht bietend, sollte sich Landwirtschaftsminister Richard Willms eigentlich auf seine Rede im Parlament vorbereiten. Statt dessen will er sich mit der leichtsinnigen Inge Würdemann vergnügen, der Sekretärin des Oppositionsführers.

Minister Willms (Horst Karstens) ist auf Abwegen (Elke Theesfeld)

Wer so etwas plant, sollte nicht in einem noblen Hotel absteigen, wo Service, Fenster und Türen schon reichlich Patina angesetzt haben. Deshalb werden ein nach oben zu öffnendes Schiebefenster und die ausgleierte Tür eines Schranks für das Paar auf Abwegen zum Verhängnis. Denn im Fenster steckt eine Leiche. Ein politischer Skandal allererster Güte droht. Minister Willms, wenn nicht sogar die gesamte, von peinlichen Pannen gebeutelte Regierung müsste zurücktreten. Also muss Willms Assistent Schorsch Sööge herbeieilen, um das drohende Chaos abzuwenden.

Hier geht es um geistreich ausgeklügelte Unterhaltung, um ein souverän konstruiertes Verwirrungs- und Verwechslungsspiel, das sich wie eine gut geölte Mechanik so reibungslos wie unerbittlich dreht. Und die leichtgängige Artistik, die Ray Cooney mit klingelnden Telefonen, klappernden Fenstern, polternden Türen, Leichen im Schrank, unverhofft auftauchenden Gattinnen und hereinstürmenden Ehemännern entwickelt, weist den Autor als Meister der Riffinesse aus. Der Londoner Komödienschreiber ist ein unumstrittener Meister seines Fachs. Die Farce hat in den letzten Jahren eine der höchsten Aufführungszahlen nicht nur an privaten Boulevard-Theatern, sondern auch an renommierten Staats- und Stadttheatern erreichen können und ein Ende des Erfolges ist noch nicht abzusehen.

Turbulenzen im Hotel (Marc Gelhart, Horst Karstens, Elke Theesfeld, André Gelhart)

Die Niederdeutsche Bühne Wilhelmshaven wird die niederdeutsche Übersetzung von Arnold Preuß als erste Bühne herausbringen und damit das Stück hoffentlich an den Beginn einer erfolgreichen Aufführungsserie an die niederdeutsch sprechenden Theater bringen. In der niederdeutschen Erstafführung spielen: Martina Jahn (Geesche Förster), Elke Theesfeld (Inge Würdemann), Roswitha Wunderlich (Hotelmanagerin), Marion Zomerland (Pamela Willms) Klaus Aden (Kellner), Nicolas C. Ducci (Ronnie Würdemann), André Gelhart (een Lief), Marc Gelhard (Schorsch Sööge), Horst Karstens (Minister Richard Willms)

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 29. Dezember 2000

Wenn der Landwirtschaftsminister einen Seitensprung vorbereitet...

Beifallssturm für "Allens ut de Reeg" der Niederdeutschen Bühne

Die "Leiche" (André Gelhart) und das "leichte" Mädchen (Elke Theesfeld)

Einen nicht enden wollenden Beifallssturm erntete am zweiten Weihnachtsabend die Niederdeutsche Bühne am Stadttheater Wilhelmshaven vor sehr gut besuchtem Haus mit dem Zweiakter "Allens ut de Reeg". Dieses Erfolgsstück des Engländers Ray Cooney war in der Übersetzung und Inszenierung von Arnold Preuß ein zweistündiger Großangriff auf sämtliche Lachmuskeln.

Die Farce spielt im heruntergekommenen Hotel Excelsior nicht weit vom Landtag. Natürlich hat es gar nichts mit realen Vorbildern zu tun, wenn dort Landwirtschaftsminister Richard Willms (Horst Karstens) statt sich auf die BSE-Debatte vorzubereiten lieber mit der attraktiven Oppositionssekretärin Inge (Elke Theesfeld) einen Seitensprung arrangiert. Doch kaum zeigt diese reichlich Haut werden die 'Koalitionsverhandlungen' von der Entdeckung einer Leiche (Andre Gelhart) gestört, die im runtergeklappten Schiebefenster hängt.

Die Leiche muss weg

Wozu ist Willms ein gewiefter Minister; die Leiche muss weg, die nervige Hotelmanagerin (Roswitha Wunderlich) muss beruhigt werden und den ebenso drögen wie pfiffigen Kellner (Klaus Aden) muss man eben mit Trinkgeld zur Diskretion bringen. Da ist nun Assistent Söge (Marc Gelhart) gefordert, der als tölpeliger Lulatsch allmählich zu ungeahnter Hochform aufläuft. Ständig in Bewegung plant der Minister blitzschnell und lügt und salbadert, wie es wohl nur eire abgebrühter Politiker versteht. Und auch, dass trotzdem alles quer läuft, liegt nicht an seinem ständigen Wirbeln. Es kommt eben im mer etwas dazwischen. Da holt er mit dem schreckhaften Söge die Leiche aus dem Schrank und wird vom Kellner überrascht, dem man sogleich ein "Kabarett der Konservativen" mit dem angeblichen Söge-Bruder vortanzt.

Überhaupt gerät der Schrank zum beliebten Abstellversteck für diverse Akteure und immer aufs Neue steigen Leute durch das kaputte Fenster ein und aus. Die Turbulenzen werden durch ständig neue Lügen und Missverständnisse angeheizt. Wobei die Leiche und ihre Beseitigung zunehmend in den Mittelpunkt geraten. Es ist zwerchfellerschütternd und oft geradezu atemberaubend, wie der Bleichling herumgeworfen, aufgehängt und als Marionette bewegt wird. Andre Gelhart gebürt ein Sonderlob für diesen intensiven Körpereinsatz, aber auch dafür, dass er tatsächlich nie eine Miene verzieht. Die Ereignisse überschlagen sich auch ansonsten und schließlich erhöht das Erschei nen von Inges wildgewordenem Ehemann Ronni (Nicolas C. Ducci), der ahnungslos blonden Ministergattin Pamela (Marion Zomerland) und der zierlich gestrengen Schwester Geesche (Martina Jahn) noch das Wirrwarr. Da überschlägt sich die Situationskomik und allerlei Frivolitäten geben ebenso ihre Würze dazu wie einige Kleidungsprobleme. Klamauk und Chaos feiern fröhliche Urständ und das gesamte Ensemble sprühte an diesem Premierenabend vor Spielfreude. Horst Karstens mit seinem riesigen Textpensum und Marc Gelharts quengelige Hampelei als drangsalierter Assitent verdienen mit ihren Leistungen noch aus dem guten Ensemble herausgehoben zu werden. Wie der Klamauk dann endet, soll hier nicht verraten werden. Darauf dürfen sich die Besucher der weiteren Vorstellungen am 7., 13., 14., 21. und 30. Januar jeweils um 20 Uhr sowie am 14. und 21. Januar um 15.30 Uhr freuen. wan

JEVERSCHES WOCHENBLATT vom 28. Dezember 2000

Turbulenzen in Hotelsuite 648 machen Stimmung

Niederdeutsche Bühne am Stadttheater Wilhelmshaven mit deutscher Erstaufführung "Allens ut de Reeg"

von Ernst Richter

Schwester (Martina Hofmann)  und Sööge (Marc Gelhart)  im Clinch

Wilhelmshaven. Die Niederdeutschen Theater leben von und mit der plattdeutschen Sprache. Um sie zum Klingen zu bringen muss das Umfeld - die Handlung und auch das Bühnenbild - stimmen. Dieser "Dreiklang" macht das plattdeutsche Spiel zu einem besonderen Erlebnis. Es nützt also kaum etwas, eine erfolgreiche Komödie, einen deftigen Schwank, eine Lustspiel oder vielleicht einen Krimi einfach ins Plattdeutsche zu übertragen, um den Bühnenerfolg gleichsam vorzuprogrammieren. Alles muss stimmig sein.

Das wissen und wussten auch die bekannten Autoren der niederdeutschen Sprache. Ihre Klassiker, die immer wieder den Spielplänen der Niederdeutschen Bühnen erscheinen, beweisen es. Ob die jüngste deutsche Erstaufführung der Niederdeutschen Bühne am Stadttheater Wilhelmshaven diesen Ansprüchen gerecht wird, mag das Publikum entscheiden.

Die Premierenbesucher amüsierten sich jedenfalls köstlich mit der Farce "Allens ut de Reeg" von Ray Cooney, ins Hochdeutsche übersetzt von Nick Walsh und ins Plattdeutsche übertragen von Arnold Preuß, der auch die Regie übernommen hat.

Das Bühnenbild führt die Besucher in eine Hotelsuite der Mittelklasse. Dort hat sich ein hoher Politiker eingemietet, es soll sich um den Landwirtschaftsminister Richard Willms handeln, der von Horst Karstens souverän dargestellt wird. Dieser möchte mit der jungen, temperamentvollen Oppositions-Sekretärin Inge Würdemann, charming gespielt von Elke Theesfeld, einen Seitensprung riskieren. Doch dazu kommt es nicht, denn im Fensterkreuz des Zimmers hängt eine Leiche.

Der Minister ist der Lage gewachsen, packt den Toten in den Kleiderschrank und ruft sei nen Assistenten Schorsch Söge zu Hilfe, den Marc Gelhart bravourös verkörpert. Nur der Ministerpräsident muss wegen der anberaumten BSE-Debatte etwas auf seinen Landwirtschaftsminister warten, er vermutet seinen Minister im Staatlichen Museum und nicht etwa im Hotel "Exelsior".

Diese Seitensprung-Hindernisse könnten ja noch bewältigt werden, wenn da nicht ständig Klaus Aden als Hotelkellner und Roswitha Wunderlich als Hotelmanagerin umschichtig aufkreuzen und die Therapie durcheinander bringen würden. Die Story wird von Minute zu Minute heikler und undurchsichtiger. Clever wie Politiker sind, entwickelt der Minister eine Lügengeschichte, die immer rasantere Formen annimmt, zumal die jeweiligen Ehepartner der des Seitensprung-Duos auftauchen. Marion Zomerland spielt Pamela Willms, die Frau des Ministers, und Nicolas C. Ducci den total eifersüchtigen Ronni Würdemann.

Um die Turbulenzen noch weiter zu steigern, tritt auch noch Martina Jahn als Pflegeschwester Geesche auf und mischt in dem Durcheinander mit ständigen Auf-und Abgängen durch Fenster und Türen kräftig mit. Selbst die Leiche wird bei solchen Eskapaden wieder lebendig und entpuppt sich als Privatdetektiv, verkörpert von Andre Gelhart.

Das Publikum amüsiert sich trefflich und lässt einen zuvor wohl nie gehörten Aufschrei los, als der eifersüchtig wütende, nur mit einem Badetuch bekleidete Ronni Würdemann bei einem Abgang auch dieses noch fallen lässt. Das wäre doch was für Silvester gewesen. Der Originaltitel der deutschen Übersetzung aus dem Englischen heißt "Außer Kontrolle". Und tatsächlich gerät die Handlung zu Ende der Aufführung etwas außer Kontrolle. Es entwickelt sich ein atemberaubendes Verwechslungs-Tohuwabohu.

Nach der Premiere am zweiten Weihnachtsfeiertag im Stadttheater stehen weitere sieben Aufführungen von "Allens ut de Reeg" auf dem Programm der Niederdeutschen Bühne und zwar am 7., 13., 14., 21. und 30. Januar, jeweils Beginn um 20 Uhr, sowie am 14. und 21. Januar zusätzlich um 15.30 Uhr. Karten sind im Vorverkauf beim ServiceCenter der Landesbühne und an der Abendkasse erhältlich.

Horst Karstens als Minister Willms und Marc Gelhart als Assistent Sööge