Wilhelmshavener Erstaufführung in niederdeutscher Sprache

DE GOLDEN ANKER

(Der goldene Anker - Marius)
Tragikomödie von Marcel Pagnol
Deutsch von Bruno Frank
Plattdeutsch von Hans - Jürgen Ott

Inszenierung und Bühne: Elke Münch
Regieassistenz: Marc Gelhart

Souffleuse: Magita Pust/Marianne Karstens
Requisite: Monika Eilers
Maske: Heidi Strowik
Bühnenbau: Günter Scherf, Horst Vollbrecht
Bühnenmalerei: Herbert Ulbrich
Bühnentechnik: Ewald Brouwer, Werner Dörnath, Manfred Eilers, Gerd Gelhart, Günter Newerla
Beleuchtung: Uwe Freiberg, Heinz Hillers, Peter Pfaus
Techn ische Leitung: Manfred Eilers
Inspizientin: Anke Schluppkotten
Inspizienzassistentin: Monika Grahl


Rollen und Darsteller
Jens - Marc Gelhart
Klaas, sein Vater, Inhaber des Lokals "Zum Goldenen Anker" - Horst Karstens
Harm Bekaan, Segelmacher - Walter Bleckwedel
Käptn Mewes - Klaus Aden
Ole Bakker - Heinz Zomerland
Bruns, Oberzollinspektor - Günther Jaedeke
Der kleine Heizer - Christian Strowik
Visser, Obermaat - Nicolas C. Ducci
Fanny - Martina Hofmann
Hanne, Fannys Mutter - Helga Lauermann
ein arabischer Seemann - Patrick Pust
eine Kundin - Christel Dörnath
ein Polizist:- Markus Pust

 

Fanny (Martina Hofmann) denkt an Jens

Jens (Marc Gelhart) denkt an Fanny

Inhalt

Jens und sein Vater Klaas betreiben eine kleine Kneipe am Hafen. Tagaus, tagein führen die beiden ein ruhiges, zufriedenes Leben und kümmern sich dort um ihre Stammgaste. Zu denen gehören auch Fanny und ihre Mutter Hanne, die vor dem Lokal ihren Fischstand haben. Kein Wunder also, dass die beiden Kinder seit Ewigkeiten gut befreundet sind.

Als die beiden sich mit einem mal etwas intensiver füreinander interessieren und beginnen, ihre ersten Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht zu machen, werden die beiden vor allem von Hanne mit dem moralischen Zeigefinger zur Vorsicht und Vernunft gebeten. Hinzu kommt, das Jens seit langen den Traum vom Leben auf hoher See hegt und dann und wann von heftigem Fernweh heimgesucht wird. Und für solch einen Wunsch ist eine Beziehung nicht unbedingt von Vorteil...

Ein heiteres, aber auch sehr nachdenkliches Stück mit einem Schuss Seemannsromantik.....

Hanne (Helga Lauermann - re) macht Fanny (Martina Hofmann)  Vorwürfe wegen der letzten Nacht

Obermaat Visser (Nicolas C. Ducci)

Wilhelmshaven - Kompass 02/2003 vom 30. Januar 2003

Niederdeutsche hebt  "De goldene Anker"

Harm Bekaan (Walter Bleckwedel) bietet Fanny (Martina Hofmann)  ein Zuhause - geht sie darauf ein?

Als vierte Inszenierung in der Spielzeit 2002/03 präsentiert die Niederdeutsche Bühne am Stadttheater Wilhelmshaven am Sonnabend, dem 8. Februar, um 20 Uhr im Stadttheater die Komödie "De goldene Anker" von Marcel Pagnol in der niederdeutschen Übersetzung von Hans-Jürgen Ott. Regie führt ein weiteres Mal Elke Münch, Landesbühnenschauspielerin in Zeiten der Immelmann-Ära. Erfolgreich war sie bereits mit "Van nu n bün ik glücklich."

Vater Klaas (Horst Karstens) .und Sohn Jens (Marc Gelhart) Betreiben eine Kneipe, kümmern sich um ihre Stammgäste Szene und führen ansonsten ein ruhiges Leben. Zu denen, die häufiger mal in die Kneipe "Zum goldenen Anker" reinschauen, gehört auch Fanny (Martina Hofmann).

Als Jens und Fanny Gefühle füreinander entdecken, beginnen sie ein Verhältnis. Doch Jens hat nicht nur etwas für Fanny übrig, er möchte auch gerne seinen Traum, einmal zur See zu fahren, verwirklichen. Aber solche Pläne sind wiederum nicht von Vorteil für eine einvernehmliche Zweierbeziehung.

Die Besucher der Premiere und aller weiteren Vorstellungen erwartet ein heiteres, aber auch nachdenkliches Stück mit einem Schuss Seemannsromantik und der spannenden Frage, welches Gefühl sich bei Jens durchsetzt. In weiteren Rollen spielen Klaus Aden, Christian Strowik, Heinz Zomerland, Günther Jaedeke, Helga Lauermann, Nicolas Ducci, Patrick Pust, Christel Dörnath und Markus Pust

Fanny (Martina Hofmann) und Jens (Marc Gelhart)  welche Sehnsucht wird siegen - Fanny oder die Seefahrt?

Wilhelmshavener Zeitung vom 10. Februar 2003

Zwischen Moral und Sehnsucht: Junge Liebe im "Goldenen Anker"

Erfolgreiche Premiere der "Niederdeutschen"

Von Inga Hellwig

Ole Bakker (Heinz Zomerland) hat seine Zuunft in Schnaps ertränkt

Liebe, Sehnsucht, ein innerer Konflikt und die Hafenkneipe "Goldener Anker" als Schauplatz: Vier klassische Zutaten lieferten der Niederdeutschen Bühne am Sonnabend bei der Premiere "De goldene Anker" die Grundlage für ein typisches Volksstück. Die Tragikomödie von Marcel Pagnol in der Inszenierung von Regisseurin Elke Münch erzählt die Geschichte der Fischhändlerstochter Fanny (Martina Hofmann) und Jens (Marc Gelhart), dem Sohn des Kneipenbesitzers.

Seit der Kindheit befreundet, entdecken die beiden die Liebe zueinander. Fanny träumt vom Heiraten, doch Jens kann nicht von einer Sehnsucht, die ihn schon als kleiner Junge erfasst hat, lassen. In seiner Kammer steht der gepackte Seesack, und vor der Tür wartet das Schiff, mit dem er nach Hawaii, Feuerland und Madagaskar reisen will. Und dann ist da noch der reiche Segelmacher Harm Bekaan (Walter Bleckwedel), der ebenfalls ein Auge auf die junge Fanny geworfen hat. Im Gastraum des "Goldenen Ankers" fällt schließlich die Entscheidung darüber, welche Wünsche in Erfüllung gehen.

Ihrem Tagebuch vertraut Fanny (Martina Hofmann) alles an

Beteiligt an der Entwicklung des Geschehens sind auch Fannys Mutter Hanne (Helga Lauermann), Obermaat Visser (Nicolas C. Ducci), Matrose Ole Bakker (Heinz Zomerland), ein Polizist (Markus Pust) und Klaas (Horst Karstens), der Gastwirt des "Goldenen Ankers". Als kauziger, aber herzensguter Gastwirt spielte vor allem er sich mit seinen humorvollen Einlagen in die Herzen der Premierenbesucher. Skat spielend, schachernd und Köm trinkend sorgte er zusammen mit Käpt'n Mewes (Klaus Aden), Oberzollinspektor Bruns (Günter Jaedeke) und dem kleinen Heizer (Christian Strowik) für rauchiges und rauhes Hafenmilieu auf der Bühne.

Dies und kleine Einlagen, wie der Auftritt des arabischen Teppichhändlers (Patrick Pust), sorgten für die heitere Seite der Tragikomödie. Sachlicher und ernster hingegen wurde die Botschaft des Stückes in Szene gesetzt. Die Moralvorstellungen, die vor allem von Mutter Hanne von Jens und Fanny eingefordert werden, sind mit heutigen Maßstäben zwar nicht mehr ganz nachvollziehbar, das Dilemma sich widersprechender Lebensträume bleibt jedoch aktuell.

Entsetzt hört Klaas (Horst Karstens) die neueste Neuigkeit  von Hanne (Helga Lauermann)

So belohnten die Zuschauer, die als treue Gemeinde wieder zahlreich erscheinen waren, "De goldene Anker" mit viel Applaus. Sie wirkten ebenfalls mit::

Souffleuse: Marianne Karstens, Margita Pust. Maske: Heidi Strowik. Requisite: Monika Eilers. Bühnenbau: Günter Scherf, Horst Vollbrecht. Bühnentechnik: Ewald Brouwer, Werner Dörnath, Manfred Eilers, Gerd Gelhart, Günter Newerla. Bühnenmalerei: Herbert Ulbrich. Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg, Heinz Hillers. Technische Leitung: Manfred Eilers. Inspizienz: Anke Schluppkotten. Inspiziensassistenz: Monika Grahl

Jeversches Wochenblatt vom 10. Februar 2003

Kein Happyend für Jens und Fanny

"De Goldene Anker": Niederdeutsche Bühne am Stadttheater mit vierter Premiere im 70. Jubiläumsjahr

von Ernst Richter

Vorne wird ein zünftiger Skat gedroschen (Käpt´n Mewes - Klaus Aden, Klaas - Horst Karstens, Harm Bekaan - Walter Bleckwedel). Hinten spielen der kleine Heizer (Christian Strowik) und Bruns (Günter Jadeke) 66.

Wilhelmshaven. "De Goldene Anker" lädt mit sanfter musikalischer Untermalung zum Verweilen ein. Noch ist in dem Lokal nicht viel los. Jens trocknet hinter der Theke Gläser, der alte Käpt'n klagt über zu wenig Leute, die jetzt noch die Fähre benutzen. Alle gehen über die neue Brücke. Im Lehnstuhl hält Kneipenwirt Klaas ein Nickerchen, und vor dem "Goldenen Anker" wartet Fanny auf Kundschaft, um ihre frischen Fische loszuwerden. Das Milieu hat maritimes Flair. Aus dem Hafen dröhnt das Horn eines Ozeandampfers und weckt in Jens das große Fernweh.

Der junge Mann möchte raus aus dem engen Alltagstrott, weit weg, möchte ferne Länder sehen und das Meer in allen Spielarten erleben. Wenn da nur nicht Fanny wäre. Beide kennen sich von Jugend auf und sind auf dem besten Weg, die Liebe zueinander zu entdecken, obwohl Mutter Hanne streng über Fannys Sittsamkeit wacht. Und da ist auch noch Ole Backer, ein wohlhabender und in Ehren ergrauter Witwer, der selbst ein Auge auf Fanny geworfen hat. Er macht Mutter Hanne Andeutungen, die sie missversteht und auf sich bezieht. Das gibt Ärger. Doch auch sie ist letzten Endes geschäftstüchtig und weiß, wenn Tochter Fanny gut versorgt ist, kommt auch sie mit ihrem kleinen Fischhandel über den Berg.

Der kleine Heizr (Christian Strowik) spielt den Kiewitt wenn Mewes (Klaus Aden), Klaas (Horst Karstens) und Bruns (Günter Jaedeke) Skat spielen

Doch es kommt anders. Im Streit zwischen Fernweh und liebender Zweisamkeit, die Fanny und Jens bereits ausprobiert haben, siegt das Fernweh. So erlebt "De Goldene Anker" kein Happyend. Das Premierenpublikum kann sich aber denken, dass Jens nach ein paar Runden um den Globus doch bei Fanny vor Anker gehen wird. Die Niederdeutsche Bühne hat mit dieser Tragikomödie "De Goldene Anker" von Marcel Pagnol,ins Niederdeutsche übersetzt von Hans Jürgen Ott, als viertes Stück dieser Saison auf die Bühne des Stadttheaters gebracht, inszeniert von Elke Münch, die auch das Bühnenbild entwarf. Das Publikum nahm sehr beifällig die Vorstellung auf, obwohl die Regie die Handlung fast ein wenig zu brav in Szenen setzte. Es wird sehr viel geredet und weniger gehandelt.

Wenn da am Kneipentisch beim Skat die Fetzen fliegen, dann wackelt die Wand. Und wenn sich Vater und Sohn (Klaas und Jens) im immerwährenden Generationenduell die Wahrheiten um die Ohren schlagen, dann wird das Publikum kopfnickend denken: ja, ja, wie bei uns oder unseren lieben Nachbarn auch. Das Laienensemble der Niederdeutschen Bühne hat viel Text einstudieren müssen, um die zweistündige Aufführung über die Bühne zu bringen.

Marc Gelbart spielt den ungestümen, von Freiheitsdrang und großer Liebe zu Fanny gleichermaßen arg strapazierten Jens, dessen Vater Klaas von Horst Karstens mit gelassenem Spielwitz in routinierter Manier dargestellt wird. In frischer Farbigkeit bringt Martina Hofmann diese temperamentvolle Deern Fanny auf die Bühne. Die Fischfrau Hanne ist zwar kein Startyp einer Molly Melone wohl aber ein resolutes Frauenzimmer, das stets um das Wohl ihrer Tochter Fanny bedacht ist: Helga Lauermann trifft den richtigen Ton.

Hier streiten sie nicht um des Kaisers Bart, sondern um des Besens Stiel (Helga Lauermann, Horst Karstens)

Heinz Zomerland liefert hier in dem Part als Witwer Ole Bakker eine sehr gelungene Charakterstudie ab, der sich auch Klaus Aden als Käpt'n Mewes anschließen kann. Walter Bleckwedel spielt den Segelmacher Harm Bekaan, der Jens zur See ruft. In den weiteren Rollen des spielfreudigen Ensembles wirken mit: Günther Jaedeke als Oberzollinspektor Bruns, Christian Strowik als kleiner Heizer, Patrick Pust als arabischer Teppiche verkaufender Seemann, Christel Dörnath als eine Fischkäuferin, Markus Pust als Polizist und Nicolas C. Ducci als Obermaat Visser.

"De Goldene Anker" ist ein unterhaltsame Komödie, die von Freiheitsdrang, von Sehnsüchten, von dem Wunsch nach Zärtlichkeit, von Liebe und Glück erzählt. Ein Stück zum Zuhören. Ein kleines Rätsel bleibt am Ende der Premierenvorstellung ungelöst: Als sich Horst Karstens an den Tisch setzen will, droht der Stuhl unter ihm zusammenzubrechen, was sicher nicht beabsichtigt war oder?

Hanne (Helga Lauermann) führt das Kassenbuch,  im Laden macht Jens (Marc Glehart) das Frühstück

Fanny (Martina Hofmann) liebt Jens (Marc Gelhart), liebt Jens auch Fanny?

Spielen einen zünftigen Skat (von links: Klaus Aden, Horst Karstens und Walter Bleckwedel), von hinten blicken neugierig die Kibitze (Christian Strowik, Günter Jaedeke)

Helga Lauermann als Fischhändlerin Hanne

Marc Gelhart als Jens