Wilhelmshavener Erstaufführung

STRANDRÄUBERS

Lustspiel in fünf Akten von Gerhard Bohde
in der Bearbeitung von Günther Siegmund

Inszenierung: Rudolf Sang
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Souffleuse: Hanna Christoffers
Beleuchtung: Theo Pottbacker
Inspektion: Berta Herpel
Frisuren und Perücken: Rudolf Helmut Kunze


Rollen und Darsteller
Mutter Tröllsch, Gastwirtin und Inh. einer Gemischtwarenhandlung - Erika Kaebe
Jens Jensen, Fischer - Wilfried Pampuch a.G. aus Jever
Knud Knudsen, Fischer - Horst Jönck
Niels Nielsen, Fischer - Klaus Aden
Der Strandvogt - Wilhelm Pick
Mine, seine Tochter - Rosemarie Harms a.G. aus Jever
Stine, seine Tochter - Luise Pampuch a.G. aus Jever
Trine, seine Tochter - Ulrike Toben a.G. aus Jever
Ruth von Ehren - Agda Tauscher
Hans Holt - Friedrich Müller

Niels (Klaus Aden), Jens (Wilfried Pampuch) und Knud (Horst Jönck)  bekommen vom Strandvogt (Wilhelm Pick) gehörig den Marsch geblasen  - eine Szene aus "Strandräubers" - Spielzeit 1970/71 -

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Fischer Jensen als "Meisterdetektiv"

Niederdeutsche Bühne brachte Lustspiel "Strandräubers"

von Heinz Jacobs

Was am Sonnabendabend bei der Premiere der Niederdeutschen Bühne "Rüstringen" im fast vollbesetzten Stadttheater praktiziert wurde, wird zu einer festen Einrichtung werden: die Verstärkung des Wilhelmshavener Ensembles durch Darsteller der Niederdeutschen Bühne Jever. Schon in dieser zweiten Inszenierung der neuen Spielzei setzte Bühnenleiter Willy Beutz vier Darsteller aus der Marienstadt ein.

Daß dieser Entschluß ein Erfolg war, bewies der starke Beifall der Zuschauer. Besonders Wilfried Pampuch aus Jever als Darsteller des Fischers Jens Jensen gewann sich die Herzen der Freunde unseres niederdeutschen Theaters im Sturm. Welch ein herrliches jeverländisches Platt spricht er!

Nicht minder fanden die drei jungen Spielerinnen aus Jever die Zustimmung und den Beifall des Premierenpublikums. Sie spielten auf der für sie zunächst fremden Bühne frei und unbefangen und beherrschen das Plattdeutsch einwandfrei. So kann diese Zusammenarbeit mit der benachbarten plattdeutschen Bühne nur ein Gewinn für die Wilhelmshavener sein.

"Strandräubers", ein Lustspiel in fünf Akten von Gerhard Bohde, wurde in der Bearbeitung von Günther Siegmund inszeniert, so, wie es die Freunde des Hamburger OhnsorgTheaters vom Fernsehen her kennen. Rudolf Sangs Verdienst ist es, daß die an sich dürftige Handlung viel Farbe und Esprit bekam. Er inszenierte sogar den reichlich schleppenden ersten Akt so straff, daß ermüdende Längen vermieden wurden. Erika Kaebe könnte als hehlerische Gastwirtin und Krämerin noch glaubwürdiger wirken, wenn sie etwas mehr Verschlagenheit ausdrücken würde. Diese Rolle läßt sich weitaus farbiger und mit mehr Aussagekraft gestalten. Dennoch war Frau Kaebe in dieser etwas derben Rolle großartig wie eh und je, und sie fügte ihren Erfolgen in langen Bühnenjahren einen neuen Beweis ihrer Gestaltungskraft bei.

Überraschend gut, vor allem in der treffend gestalteten Mimik war Wilhelm Pick als Strandvogt und Vater von drei Töchtern. Jens Jensen, der Fischer und gelegentlich Strandräuber, der sich als "Meisterdetektiv" fühlt, weil er dauernd Kriminalschmöker liest, wurde von Wilfried Pampuch (Jever) in einer Art dargestellt, die keinen Wunsch offen ließ. Von ihm erwarten wir noch manche gute Rolle. Agda Tauscher, als von den drei Fischern geborgenes "Strandgut" brachte etwas großstädtische Luft in die Fischerkneipe der Mutter Tröllsch in ihrer Rolle als angebliche "Juwelen Rosi". Friedrich Müller gab den Reederssohn Hans Holt aus Hamburg, dem die junge Blondine Ruth von Ehren sein Boot entführt hatte, mit jener Korrektheit, die einem s teifen Hamburger wohl ansteht.

In Horst Jönck und Klaus Aden fand Intendant Rudolf Sang zwei Darsteller, die die Rollen der Fischer Knud Knudsen und Niels Nielsen randvoll ausfüllten, ewig grogdurstig und lieber nächtens auf Strandraub als auf Fischfang. Aus Jever kamen Rosemarie Harms, Luise Pampuch und Ulrike Thoben, die die Rollen der Strandvogttöchter Mine, Stine und Trine frisch und unbefangen spielten. Hannes Kaebes Bühnenbild, es war übrigens sein einhundertstes, gab dem Spiel einen stilechten Rahmen, wie es nicht anders zu erwarten war. Am Schluß gab es vielen und sehr herzlichen Beifall für alle Darsteller und den Regisseur.