Wilhelmshavener Erstaufführung

EEN MILLIONÄR IN´T HUUS

Schwank in drei Akten von Hans E. Jürgensen

Inszenierung: Karl-Heinz Herpel
Bühnenbild: Enno Buß, Alfred Christoffers

Inspizientin: Berta Herpel
Souffleuse: Helene Schneider
Requisiten: Herta Tapken

Rollen und Darsteller
Peter Oltmann, Kröger - Enno Buß
Heike, seine Tochter - Roswitha Bertz
Telse Neegenbroth, Mieterin im Hause Oltmann - Hanna Christoffers
Doris Friese, Mieterin im Hause Oltmann - Hildegard Steffens
Gerd Struck, Mieter im Hause Oltmann - Friedrich Müller
Fiede Maiboom, Faktotum bei Oltmann - Wilhelm Pick

Wieder ein schönes Bühnenbild von Enno Buß und Alfred Christoffers

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Wilhelm Pick war der Star

Rundherum gelungene Aufführung "Een Milljonär in´t Huus"

Von Barbara Schwarz

Wie sehr Geld die Welt regiert und das Verhalten der Menschen bestimmen und verändern kann, wie es Menschen, eben noch verachtet und unerwünscht, plötzlich sogar so begehrenswert erscheinen läßt, daß sie auf einmal als Ehepartner in Frage kommen, diese Erfahrungen hat in deutschen Landen schon so mancher Lotto-König gemacht.

Um eine gewonnene Lotto-Million geht es auch in Hans E. Jürgensens Schwank "Eer Milljonär in't Huus", den die Niederdeutsche Bühne Rüstringen als vorletzte Inszenierung dieser Spielzeit am Sonntagabend im Stadttheater sehr frisch und straff von Karl Heinz Herpel inszeniert herausbrachte.

Hinter dieser Million ist Peter Oltmann, der geizige Kröger vom Gasthaus "Zur alten Schleuse", her wie der Teufel hinter der armen Seele. Er schreckt nicht davor zurück, zwei schon etwas betagten Mieterinnen, die er eben noch vor die Tür gesetzt hatte, nacheinander einen Heiratsantrag zu machen, als er vermutet, sie hätten die Million gewonnen.

Er ist der "Star" des Abends - Wilhelm Pick

Nur weil beide Damen fast ebenso auf die Million versessen sind und für das Geld auch den alten Fiede Maiboom, Faktotum bei Oltmanns, als Ehemann in Kauf nehmen würden, kommt Peter Oltmann noch glimpflich davon. Daß er am Ende doch der Gelackmeierte ist, dafür sorgen schon seine Tochter Heike und deren Zukünftiger Gerd Struck. Für dieses sympathische Paar gibt es ein Happy End.

Wer die Million nun hat, das sei verschwiegen, um all denen, die sich diesen Schwank noch ansehen wollen, die Spannung nicht zu nehmen. Freuen kann man sich auf diese Aufführung das ist nach der Premiere gewiß. Das Premierenpublikum hat sich köstlich amüsiert und immer wieder lebhaft auf offener Szene und noch begeisterter am Schluß applaudiert.

Den meisten Beifall heimst diesmal wohl Wilhelm Pick ein. Er stattete seinen Fiede Maiboom mit so viel liebenswert clownesken Zügen aus, mit so viel Komik und Menschlichkeit, daß man diese Figur nicht so schnell vergessen wird. Enno Buss, der sonst in komisch grotesken Rollen oft, was den Applaus anbetrifft, der "Abstauber vom Dienst" ist, muß hier recht schön mies, berechnend, geizig und geldgierig sein und das wirkt sich gleich auf den Beifall aus. "Unsympathen" kommen, auch wenn sie nicht richtig böse sind, beim Publikum der Niederdeutschen nicht an.

Viel Beifall gab es dagegen für Roswitha Bertz, die nette Heike hübsch anzusehen, frisch und stolz, nicht bereit Vadders fiese Machenschaften zu unterstützen. Beachtlich die Sicherheit, mit der Roswitha Bertz diese große Rolle bewältigt.

Hanna Christoffers und Hildegard Steffens, die beiden vermeintlichen Lotto- Millionärinnen und Mieterinnen im Hause Oltmanns, haben das Publikum schnell auf ihrer Seite.

Das Ensemble vom "Milljonär" - v.l. Roswitha Bertz, Friedrich Müller, Enno Buß, Hanna Christoffers, Hildegard Steffens und Wilhelm Pick

Hanna Christoffers darf als Telse Neegenbroth wieder einmal so richtig klatschen, tratschen und schimpfen. Hildegard Steffens als ältliches Fräulein Doris Friebe blüht zusehends auf, als Peter Oltmann um ihre Hand anhält. Fritz Müller als der sympathische Mieter und angehende Ingenieur Gerd Struck hat die kleinste Rolle, aber eine der liebenswertesten, und er füllt sie aus.

Insgesamt eine beachtliche Ensemb-lLeistung der Niederdeutschen in einem ansprechenden Bühnenbild von Enno Buss und Alfred Christoffers. (Das Bühnenbild ist übrigens weit auf die Vorbühne vorgezogen, so daß man als Zuschauer auch in den hinteren Reihen alles gut verstehen kann.)