Wilhelmshavener Erstaufführung

LOTTE SPEELT LOTTO

Lustspiel in fünf Akten von Hermann Kugelstadt

Inszenierung: Karl-Heinz Herpel

Bühnenbild: Karl-Heinz Herpel, Klaus Panka, Herbert Ulbrich
Bühnenbildbau: Klaus Panka, Alfred und Wilfried Christoffers,  Karl-Heinz Goldenstein, Norbert Ungermann
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Inspizientin: Berta Herpel
Souffleuse: Herta Tapken
Requisiten: Marga Goldenstein
Beleuchtung: Erwin Telgmann, Peter Pfaus

Rollen und Darsteller
Martin Hagen, ´n lütten Beamten - Horst Karstens
Lotte, sien Fro - Roswitha Bertz
Christine, ehr Dochter se nöömt sick Chris - Sabine Gerdes
Dr. Rashid Nizami, he is Assistenzarzt ut Persien - Jürgen Tapken

Lottes (Roswitha Bertz) Lottoschein spielt eine große Rolle, auch für den Ehemann (Horst Karstens)

WILHEMSHAVENER ZEITUNG

Lotte spielt mit Erfolg Lotto

Gelungener Start der Niederdeutschen Bühne

Von Barbara Schwarz

Wenn die Niederdeutsche Bühne am 20. Oktober Hermann Kugelstadts Lustspiel "Lotte speelt Lotto" abgespielt haben wird, dürfte die Lotto Gesellschaft um einige Lottoanhänger reicher sein; denn wie Lotte Lotto spielt, das überzeugt. Und wie Karl Heinz Herpel das Lustspiel inszenierte, das macht Freude. Das Premieren Publikum fand am Wochenende jedenfalls viel Gefallen an der leicht, locker und sehr komödiantisch daherkommenden Inszenierung. Man guckt gewissermaßen in die gute Stube vom Nachbarn, in diesem Fall von Martin Hagen und seiner Frau Lotte und deren gemeinsamer 22jähriger Tochter Christine. Und man schaut ihnen zu, wie sie sich streiten und wieder vertragen und versuchen, mit verlorenem bzw. unerwartet hohem Lottogewinn mehr sei hier nicht verraten fertig zu werden.

Natürlich gibt's für alle ein Happy End, ein so unerwartet glückliches, wie im Märchen. Bis es mit rund eineinhalb Stunden Spieldauer soweit ist, freut man sich an zum Teil sehr witzigen Dialogen, vor allem aber am Spiel der Vier, die das Stück allein tragen. Roswitha Bertz in der Titelrolle ist wirklich komisch und serviert die Pointen ganz trocken und prägnant. Sie ist eine hinreißende Lotte in all' der für die Rolle erforderlichen Inkonsequenz und eigenen Logik. Sabine Gerdes als Tochter Christine füllt ihre Rolle mit Spielfreude und jugendlichem Liebreiz voll aus.

Horst Karstens als Lottes Mann Martin, zeichnet glaubwürdig einen aufbrausenden Heißsporn, der Mühe hat, Vorurteile zu überwinden. Am Ende aber läßt er sich doch überzeugen, daß auch ein ausländischer Schwiegersohn etwas zu bieten hat. Jürgen Tapken spielt diesen Schwiegersohn, einen iranischen Arzt, sehr liebenswürdighöflich; die blonden Haare werden mit der englischen Mutter einleuchtend erklärt. Streit und Auseinandersetzungen das zeigt auch dieses Spiel kommen in den besten Familien vor. Daß die Niederdeutsche Bühne ihre Querelen hinter den Kulissen vergaß und unter Leitung des scheidenden, vom Amt schon zurückgetretenen Bühnenleiters Karl Heinz Herpel eine so geschlossene, lustige und hübsche Aufführung zustande brachte, ist ihr hoch anzurechnen und läßt für die Zukunft hoffen.

Das Premierenpublikum nahm die erste Inszenierung in der neuen Spielzeit, die zugleich Karl Heinz Herpels letzte für die Niederdeutsche Bühne am Stadttheater Wilhelmshaven sein soll, mit großem Beifall auf.

Anstoßen auf eine gemeinsame Zukunft? (v.l. Sabine Gerdes, Horst Karstens, Jürgen Tapken, Roswitha Bertz)

JEVERSCHES WOCHENBLATT

Menschliches und finanzielles Glück

Niederdeutsche Bühne mit "Lotte speelt Lotto"

(js) Wilhelmshaven. Eine Premiere ist immer etwas Aufregendes, die Darsteller haben Lampenfieber und wirken mitunter leicht nervös. Doch wenn zum Schluß der Aufführung die Zuschauer mit Applaus nicht sparen; weiß man, diese Premiere war trotzallem ein Erfolg. So auch bei der Niederdeutschen Bühne in Wilhelmshaven, die mit der Premiere des Lustspiels "Lotte speelt Lotto" hre Theatersaison '85/86 eröffete.

"Lotte speelt Lotto" und gewinnt, eigentlich nicht sie, doch mit weiblicher List und Tücke versucht sie, die Millionen für sich zu behalten. Doch die Träume von Lotte (Roswitha Bertz) werden von ihrem Mann Martin (Horst Karstens) und ihrer Tochter Christine (Sabine (Gendes) zunichte gemacht. Und so passiert es, daß Lotte zuerst gar kein Geld hat, dann hat sie Millionen, soll aber gerecht teilen, so daß ihr nur etwas bleibt, und zum Schluß, hat Lotte so viel Geld, daß sie nicht weiß, welchen Traum sie sich zuerst erfüllen soll.

Die Handlung ist eine "lustige" Katastrophe voller Mißverständnisse und Liebestragik. Denn Christines Liebe zu dem Assistenzarzt Dr. Rashid Nizami (Jürgen Tapken) bringt auch Tränen. Die Darsteller hatten aber mit viel trockenem Humor und immer passenden Antworten die Lacher auf ihre Seite. Karl Heinz Herpel hat dieses " turbulente Lustspiel mit den genannten Darstellern erarbeitet. Als Souffleuse, Inspizientin und Requisiteuse standen ihm Herta Tapken, Berta Herpel und Marga Goldenstein zur Seite. Das Bühnenbild haben wiederum die Techniker der Niederdeutschen Bühne unter der Leitung von Klaus Panka erarbeitet. Die notwendige farbliche Gestaltung lag in den Händen von Herbert Ulbrich.

Weitere Aufführungen im Stadttheater Wilhelmshaven sind am Mittwoch, 25. September, um 20 Uhr, Sonntag, 29. September, um 15.30 und 20 Uhr und am 10. Oktober um 20 Uhr in Sande.