Niederdeutsche Erstaufführung (am 1.11.1991)

TÖÖV, DAT DAT DÜSTER WARD

(Wait - until dark, Warte, bis es dunkel ist)
Kriminalspiel von Frederick Knott
Deutsch von Wolfgang Menge
Niederdeutsch von Lore Moor

Inszenierung: Albrecht C. Dennhardt
Bühnenbild Albrecht C. Dennhardt
Regieassistenz Christine Fein

Bühnenbildbau: Walter Borraß, Karl-Heinz Goldenstein, Erwin Hildebrandt, Günter Newerla, Frank Schmidt, Gesienus Thomas und Klaus Panka
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Souffleuse: Karin Heyel
Requisiten: Marga Goldenstein
Inspizientin: Helga Borraß

Rollen und Darsteller
Meik Dalmann - Manfred Janßen
Carlino, gen, Schandarm Kalli - Horst Karstens
Harry Roth - Wilfried Pampuch
Susi Hendrix - Helga Lauermann
Sammi Hendrix - Heinz Zomerland
Gloria - Katrin Schmidt

Sammi (Heinz Zomerland) beruhigt Susi (Helga Lauermann)

NORD-WEST-ZEITUNG

Eine Puppe, die's in sich hat

Uraufführung: "Tööv, dat dat Düster warrt"

Von Ernst Goetsch

Wilhelmshaven. Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett. Ob nun Mimi oder Jimmy viel Zeitgenossen genießen vor dem Schlafengehen einen Thriller im Pantoffelkino. Das hat sich auch bei den Mundartbühnen herumgesprochen, die nichts unversucht lassen, Mimi und Jimmy und möglichst viele andere "aus dem Häuschen zu bringen", ins Theater zu locken. Der jüngste Lockruf dieser Art heißt "Tööv, dat dat Düster warrt". Um zu sehen, wie "das Dunkel wird" (kommt), kamen am Freitag abend die Wilhelmshavener in hellen Scharen ins Stadttheater, zur Uraufführung des von Lore Moor ins Niederdeutsche übertragenen Reißers "Wait, until dark", den Routinier Frederick Knott ausgekocht und in der englischen Originalfassung mit Audrey Hepburn weltweit zum Filmhit getrieben hat.

Im Mittelpunkt dieses Vierakters steht eine Puppe, die's in sich hat. Heroin steckt in ihr; Rauschgift, das auf dem Luftweg eingeschmuggelt und in der Kellerwohnung eines Berufsfotografen versteckt wurde. Ein hochkarätiger Gangster und zwei halbherzig mitlaufende Gelegenheitsganoven versuchen dieser Puppe auf die Spur zu kommen. Nein, das ist kein puppenlustiges Spiel! Das ist Horror, zumal sich die Jagd nach dem weißen Gift rund um die junge blinde Susi, die Frau des meistens abwesenden "Hausherrn" Hendrix, vollzieht. Psychologisches Licht in das Krimi Dunkel aber bringt letztlich eben diese Blinde, die von seltsamen, verdächtigen "Gästen" bedrängt ihre Wahrnehmungskraft schärft, bis sie Freund und Feind richtig zu "orten" weiß, bis sie erkennt, was gespielt und wie ihr mitgespielt wird.

"Harry Roth", der eiskalte Anführer des Trios, scheint unbeirrbar, doch seine Spießgesellen gedrungen, erpreßt sind offenbar nicht frei von Skrupeln. Erwächst daraus ein Fünkchen Hoffnung für die bedrohte Susi? (Ein Rezensent, der weiter aus der Kiste plaudert, muß sich einen Verräter" und Stimmungsmörder schelten lassen. Bitte nicht!)

Regisseur Albrecht C. Dennhardt, Schauspieler am Oldenburgischen Staatstheater, vordem Akteur an der Wilhelmshavener Landesbühne versucht aus dem Knott Thriller herauszukitzeln, was herauszukitzeln ist. Und das ist nicht wenig . .

Doch Dialogführung gestaltet sich schwierig, wo komplizierte Zusammenhänge mit diversen dicken Krimi Knoten zu erklaren sind. Da erweist sich strekkenweise die niederdeutsche Sprache als etwas sperrig. Dennhardt gleicht das aus, indem er um so kräftiger unterschiedliche Charakterstrukturen ausformen läßt (in dieser Beziehung bietet das "Platt", wie sich erweist, eine Vielfalt an bestechenden Ausdrucksformen). Überdies versteht es Dennhardt, als Bühnenbildner die Angstwelt der Susi in einen Rahmen zu zwingen, der Umzingeltsein und scheinbare Ausweglosigkeit signalisiert.

Am Ende satter Applaus vor allem für die als Susi höchst flexibel und sensibel agierende Helga Lauermann, aber auch , für das "Besetzer Trio" (Wilfried Pampuch der rigorose Boß; Manfred Jarißen und Horst Karstens die weniger ruchlosen Mitläufer), für die widerborstige junge Hausbesorgerin (Katrin Schmidt) und den ahnungslosen, meist abwesenden Hausherrn (Heinz Zomerland)

Gewiß, das ist alles andere als ein arteigen niederdeutsches Werk. Doch neue brauchbare Beiträge zeitgenössischer Mundartautoren lassen sich fast an den Fingern einer Hand abzählen. Wer will's da den Wilhelmshavenern übelnehmen, daß sie als nächste Produktion abermals einen Import planen: "To'n Düvel mit'n Sex" im Original "No Sex, we're British!" von Marriot und Foot. Alsdann!

Kalli (Horst Karstens) und Maik (Manfred Janssen)  verabreden Übles - Susi (Helga Lauermann) ahnt etwas....

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Krimi mit knisternder Spannung

Mitreißende Uraufführung der Niederdeutschen Bühne

Von Theodor Murken

Wilhelmshaven. Das Kriminalstück beginnt mit einem schlichten, wenn auch etwas fragwürdigen "Hallo" und endet nach etwa zwei Stunden mit "Mord und Totschlag", aber ein Mord ist schon passiert, bevor das ganze Theater begonnen hat. So war es bei der neuen Premiere der Niederdeutschen Bühne am Stadttheater Wilhelmshaven mit der Uraufführung eines Kriminalstückes von Friedrich Knott, das Lore Moor nun in die plattdeutsche Sprache mit dem Titel "Tööv, dat dat Düster warrt".

Man kann darunter mancherlei erahnen, war aber davon so beeindruckt, daß es das voll besetzte Haus zur Begeisterung hinriß. Wohl nicht ohne Hintergedanken hatte das Programmheft der Bühne Sätze des Berliner Theaterkritikers Alfred Kerr vorangestellt: "Das Publikum wird ethisch gebessert insofern, als der Schuft allemal sein Fett kriegt"! In diesem Stück sind es deren gleich drei. Diese sind nämlich hinter eine "Popp" her, einer Puppe, die mehr als nur eine Spieldose in ihrem Innern verbirgt. Dazu kam noch, daß die Inszenierung mit Regie und Bühnenbild von dem Gast Regisseur Alfred C. Dennhardt besorgt wurde, der dabei auf alles bedacht war, was einen solchen Krimi zur vollen Wirkung verhalf und eine geschliffene Aufführung herausbrachte.

Christine Fein bewährte sich als Regieassistentin. Im ganzen Geschehen steht eine blinde Frau im Mittelpunkt für die die Puppe bestimmt ist und bei der die drei Ganoven sie vermuten. Helga Lauermann verstand es, recht überzeugend, in der Rolle als Susi, eine Blinde darzustellen, die sich am Schluß gar nicht als so hilflos erweist, wie man anfangs vermuten konnte. Die zweite weibliche Darstellerin Katrin Schmidt als Gloria stand ihr nicht nur als Einkäuferin in verschiedenen Szenen kräftig zur Seite und verdiente sich dabei besondere Lorbeeren. Aber als sie am Schluß mit Susis Ehemann, den Heinz Zomerland verkörperte, wieder auf der Bildfläche erschien, war alles glücklich gelaufen.

Die übrigen drei Darsteller gaben die Halunken. Zu ihnen gehörte einmal Manfred Janßen als Meik Dalmann, der sich glänzend auf den Wechsel zwischen Ganove und Biedermann verstand. Wie er wirklichkeitsecht erstochen und tot die Treppe hinunterfällt so etwas muß vorher gut geübt werden. Da hatte es Horst Karstens als Carlino, genannt Schutzmann Kalli, leichter, auch wohl mit dem Tod seiner Figur.

Nur der dritte der Ganoven machte als Anstifter kein Hehl aus seinen bösen Absichten. Diesem Harry Roth gab Wilfried Pampuch die Züge eines abgefeimten Burschen, der vor Mord nicht zurückschreckt, der blinden Susi hart zusetzt und schließlich den Kürzeren ziehen muß. Der Beifall war stark.

Ein herrlich gruseliges Gangstertrio (Horst Karstens, Manfred Janssen, Wilfried Pampuch)

GRODEN POST

"Niederdeutsche Bühne begeisterte F`grodener Publikum"

Eine Blinde gegen drei ausgekochte Ganoven

von Ernst Richter

Das Kriminalstück "Tööv, dat dat düster warrt" beginnt mit einem schlichten "Hallo" und endet nach rund zwei Stunden mit "Mord und Totschlag". Dennoch ist die Inszenierung der Niederdeutschen Bühne alles andere als ein Brutalo Krimi, sondern ein Spiel auf Leben und Tod, in dem die blinde Susi (Helga Lauermann) es mit drei ausgekochten Ganoven zu tun hat.

Und das kommt so: Der Fotograf Sammi Hendrix wird zum ahnungslosen Heroin Kurier, als er von seinem letzten Auslandsaufenthalt aus reiner Gefälligkeit eine Puppe für ein angeblich krankes Kind mitnimmt. Auf der Jagd nach der Puppe, in der Stoff im Wert von rund 300 000 DM versteckt sind, wirbeln die drei Ganoven Harry Roth, Meik Dalmann und Carlino alias Schandarm Kalli den Haushalt und das Leben von Sammis blinder Ehefrau Susi durcheinander.

Die Schurken schlüpfen in die unterschiedlichsten Rollen, um an das wertvolle Heroin zu kommen: Mal taucht einer als Sammis alter Freund auf, Carlino gibt sich als Polizist aus und Harry mimt den gehörnten Ehemänn des vermeintlich untreuen Sammi. Natürlich soll die Blinde nichts von deren wahren Absichten erfahren, und so versucht das düstere Trio mit allerhand Tricks das Versteck der Puppe ausfindig zu machen. Dabei gehen die Gangster sogar über Leichen. Zwei Morde geschehen auf offener Bühne. Scheinbar chancenlos steht die blinde Susi den drei kaltblütigen Verbrechern gegenüber.

Doch am Schluß erweist sich Susi als gar nicht so hilflos, wie man anfangs vermuten konnte. Als Harry Roth in der Wohnung der jungen Frau Benzin ausschüttet, überlegt Susi nicht lange, dreht das Licht aus und läßt den Ganoven im Dunkeln stehen. Sie weiß sich in ihrer Wohnung zwischen Tisch, Sofa, Kühlschrank und Waschmaschine besser zurechtzutasten und setzt den Gangster mit den Mordabsichten raffiniert außer gefecht.

Überzeugende schauspielerische Leistungen boten alle Akteure. Helga Lauermanns Spiel als Blinde, die leicht naiv und gutgläubig im Gewirr aus Lügen und Bedrohungen orientiert, Edel Ganove Maik Dalmann (Manfred Janßen), der die Unschuldige mit einem fiesen Doppel Spiel ans Messer liefert, Horst Karstens, der als Carlinm direkt zur Sache kommt und der abgefeimte Harry (Wilfried Parnpuch), der auch vor Mord nicht zurückschreckt.

Auch Gloria (Karin Schmidt), der locker flippige Teenager, der Susi im Haushalt zur Hand geht und deren Schlüsselrolle erst am Schluß des dramatischen Spiels offenbar wird und Heinz Zomerland, der den sympathischen AllerweltsEhemann verkörpert, haben sich wie alle anderen Akteure ihre Lorbeeren redlich verdient.

Und mit dem Bühnenbild hat Albrecht C. Dennhardt einen konzentrierten Rahmen für die fantastisch verwickelte Geschichte geschaffen, für die es von den über 250 Zuschauern in der Aula der Agnes Miegel Schule am Ende langanhaltenden Beifall gab.

Und Bühnenleiter Arnold Preuß ist stolz, daß der traditionelle Spielort F'groden beim Publikum wieder ankommt, nachdem die Theaterfreude der F'grodener in den vergangenen Spielzeiten deutlich nachgelassen hatte. Der nächste Termin der Niederdeutschen Bühne in der Agnes Miegel Schule ist der 17. Januar 1992. Dann gibt's den Schwank mit dem eindeutig zweideutigen Titel "To'n Düvel mit'n Sex" zu sehen. Unbedingt vormerken!

Gloria (Katrin Schmidt) beobachtet für Susi (Helga Lauermann) was auf der Straße passiert

FRIESICHER HAUSBOTE

Tööv, dat dat düster warrt

Niederdeutsche Bühne WilhelmshavenKnisternde Spannung bei den Niederdeutschen

Wilhelmshaven. Eine Blinde gegen drei ausgekochte Gangster. Ein Spiel auf Leben und Tod. Aber kein Brutalo Krimi, sondern spannende Unterhaltung, eine Handlung voll Überraschungen, eine ständige Einladung an die Zuschauer mitzukombinieren.Fotograf Sammi Hendrix wird zum ahnungslosen Heroin Kurier, als er aus Gegfälligkeit eine harmlos aussehende Puppe aus Amsterdam mitnimmt....Auf der Jagd nach der Puppe, in der Stoff im Wert von über 300 000 DM versteckt ist, wirbeln die drei Ganoven Harry Roth (jun. und sen.), Meik Dalmann und Carlino in Sammis Abwesenheit den Haushalt und Alltag seiner blinden Frau Susi durcheinander.

Sie schlüpfen in die unterschiedlichsten Rollen: Meik als alter Freund Sammis, Carlino als polizeilicher Freund und Helfer, Harry als gehörnter Ehemann, und Opfer des angeblich untreuen Sammi. Natürlich soll die Blinde nichts von ihrem schmutzigen Spiel merken. So versucht das düstere Trio möglichst ohne Gewalt, aber mit zynischen Tricks das Versteck der Puppe ausfindig zu machen. Dennoch geschehen drei Morde im Spiel zwei auf offener Bühne.Wird die blinde Susi den ungleichen Kampf mit der Unterwelt überleben? Alle Chancen stehen gegen sie. Und die Antwort? Tööv, dat dat düster warrt...

Tödliche Falle

Eine bemerkenswerte schauspielerische Leistung vollbringt Helga Lauermann als Susi Hendrix. Überzeugend schon ihr Spiel als Blinde. Behindert in einer vertrauten Umgebung. Sie die Naive, leicht launisch Gutgläubige muß sich in einem Gewirr von Lügen, Bedrohungen, Widersprüchlichkeiten tatsächlich wie eine Blinde im Nebel orientieren. Aber es ist kein Spiel, die Vorstellung, die drei Ganoven geben. Es ist todernst. Und Helga Lauermann entwickelt diszipliniert und ausdrucksstark die Wandlung dieser Frau zu einer ernstzunehmenden Gegenspielerin von drei kaltblütigen sehenden skrupellosen Verbrechern.

Sie vermeidet Hast und Panik, macht aber die ungeheure dramatische Spannung dieser Figur sichtbar, ja, fühlbar. Harry Roth, der kalt kalkulierende, nie impulsiv agierende, von ungeheurer kirmineller Energie angetriebene, zu allem entschlossene Gangster. Der große Unbekannte. Der Drahtzieher. Der Banden Chef. Sieger Typ. Der unmittelbare Gegner dieser scheinbar so schwachen, unbeholfenen, fast unbedarften Susi Hendrix. Wilfried Pampuch spielt ihn schmierig brutal bis sadistisch in der Schluß Szene.

Er steigt locker in die verschiedenen Rollen des beredten Italieners, des gebrechlichen eigenen Vaters, des verschlagenen Verbrechers. Eine schillernde Figur Wilfried Pampuch meistert sie, setzt dramatische Kontraste. Meik Dalmann ein wenig Edel Ganove, kaputter Typ mit einem Rest Gewissen, trügerisch sympathisch liefert mit fiesem Doppel Spiel die unschuldige Susi Hendrix ans Messer. Schleicht sich ein ins Vertfauen der Blinden. Manfred Janßen bringt sehr viel rüber von dieser zwielichtigen, zynischen Gestalt.

Horst Karstens' Carlino da dafür direkter, derber, volkstümlicher sein. Er schusselt un wurstelt sich durch die übelste Korruption und das kälteste Verbrechen. Gewissenloser Befehlsempfänger. Blanker Egoismus. Ein leichter tragikomischer Zug kommt durch ihn in diesen spannungsreichen Krimi. Gloria, der locker flippige Teenager, der Susi Hendrix im Haushalt und beim Einkaufen zur Hand geht und sie gelegentlich ein wenig ärgert Katrin Schmidt spielt diesen harmlosen Alltagsmenschen, der flockig oberflächlich durchs Leben gleitet, mit Engagement. Keine leichte Aufgabe. Doch diese scheinbare Nebenrolle wird zum daramatischen Ende zu einer der Schlüsselrollen. Heinz Zomerland ist der sympathische Allerwelts Ehemann, der seiner Frau scheinbar so überlegen ist. Kein leichter Einstieg in eine Bühnenlaufbahn.

Spannend unterhaltsam

Mit seinem Bühnenbild hat Albrecht C. Dennhardt einen konzentrierten Rahmen für die fantastisch verwickelte Verbrecher Story geschaffen. Spannend unterhaltsam entwickell er Handlung und psychische Situationen der Figuren, die einmal Täter einmal Opfer sind. Und er vermeidet alle plakativen Schwarz Weiß Malereien, treibt die komplexe Geschichte mit Drive voran. Kein Abschlaffen des Ensembles. Kein Ermüden des Publikums.

Und 'Abi' Dennhardt wie ihn das Ensemble respektvoll freundschaftlich nennt schafft es, daß die beiden Gegenspieler Sust und Harry den absoluten dramatischen Höhepunkt in der Schlußszene diszipliniert bis ins Detail ausspielen und dabei jedes platt billig makabere Vergnügen verhindern. Die Niederdeutsche Bühne Wilhelmshaven bietet ein mutiginteressantes Stück und bleibt ihrem Ruf experimentierfreudig zu sein treu. Und die Zuschauer machen mit. Der Premieren Applaus bewies das wieder einmal: 'Tja, op us Publikum sünd wi bannig stolt.' So Bühnenleiter Arnold Preuß.

JEVERSCHES WOCHENLATT

Theater um gefüllte Puppe

Plattdeutsches Stück der Niederdeutschen Bühne

Von Christian Erdmann

Wilhelmshaven. Die Niederdeutsche Bühne führt derzeit als zweites Stück der laufenden Spielzeit mit dem Krimi "Tööv, dat dat düster warrt" einen spannenden Krimi auf, der zum ersten Mal als plattdeutsche Version zu sehen ist. Der Originaltitel ,.Wait, until dark" stammt von Frederik Knott und der Stoff dürfte treuen Fernsehzuschauern aus der Verfilmung mit Audrey Hepburn bekannt sein.

Kernstück der Handlung ist eine Puppe, die der Fotograf Sammi Hendrix (Heinz Zomcrland) auf dem Heimflug von Lisa entgegennimmt, um diese für deren Tochter mitzunehmen. Einige Tage später erscheint Lisa bei Sammi, um die Puppe abzuholen. Was Sammi nicht weiß in der Puppe ist neben einer Spieluhr 800 Gramm reines Heroin. An diesem Heroin sind nun auch drei Schurken interessiert, und daraus entwickelt sich eine spannende Kriminalgeschichte.

Die Inszenierung durch Albrecht C. Dennhardt sorgte für eine wirkungsvolle Darstellung des Stoffes und führte die Zuschauer in die sich immer bedrohlicher gestaltende Handlung hinein. Die Zuschauer waren umso mehr gefesselt, weil die im Mittelpunkt stehende Frau von Sammi Hendrix, Susi (Helga Lauermann), blind ist und daher den drei Schurken bei ihrem Treiben recht hilflos ausgeliefert zu sein scheint. Sie spielt diese Rolle überzeugend, wenn sie sich zwischen Kühlschrank, Tisch und Sofa zurechttastet. In einer weiteren Rolle ist Katrin Schmidt als Gloria zu sehen. Wenn sie zunächst nur Susi bei den Hausarbeiten zur Hand geht, entwickelt sich ihre Rolle zu einem wichtigen Mosaikstein in der Handlung. Doch ein Krimi ist kein Krimi, wenn keine Schurken vorkommen, und davon gibt es in diesem Stück wie gesagt drei, die gemeinsam die Puppe an sich bringen wollen.

Zunächst ist Meik Dalmann (Manfred Janßen) zu nennen, der eine Vertrauensbasis zu Susi herstellen soll, um auf diesem Wege herauszubekommen, wo sich die besagte Puppe befindet. Sein dramatischer Bühnenabgang tut dem Zuschauer beinahe leid. Horst Karstens spielte den Carlino, genannt Schandarm Kalli, der als vermeintlicher Kriminalbeamter das Täuschungsspiel der drei Ganoven verstärkte. Als wahrer Bösewicht schälte sich ,jedoch Wilfried Pampuch als Harry Roth heraus, der im Gegensatz zu den beiden anderen Burschen auch vor Gewalt nicht. zurückschreckte, um zu seinem Ziel zu kommen. Das Publikum belohnte die Darsteller mit starkem Beifall.

Weitere Aufführungen: Sonntag, 17. November, um 15.30 und 20 Uhi', 26. November, um 20 Uhr, 30. November, um 20 Uhr im Stadttheater Wilhelmshaven. Am 28. November um 20 Uhr im Ev. Gemeindehaus Sande und am 29. November um 20 Uhr in der Agnes Miegel Schule.