Oldenburgische Erstaufführung

EEN JOGHURT FÖR TWEE

(The starving rich, Ein Joghurt für zwei)
Boulevard-Komödie von Stanley Price
Plattdeutsch von Heiko Hundt

Inszenierung: Horst Jönck
Bühnenbild: Carl Ransleben
Regieassistenz Luise Pampuch

Bühnenbildbau: Alfred Christoffers, Walter Borraß, Erwin Hildebrandt, Sönke Kiewitt, Karl-Heinz Goldenstein, Gesienus Thomas, Günter Newerla, Ulrich Weiß und Klaus Panka
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Requisiten: Marga Goldenstein
Inspizientin: Anne Hillers
Souffleuse: Berta Brinkhoff

Rollen und Darsteller
Eva Siemann - Maike Michalczyk
Peter Fischer - Klaus Aden
Hildegard Fischer - Hildegard Steffens
Georg Mansing - Karl-Heinz Schröder
Kutte Kaminski - Wilfried Pampuch
Dr. Schmalkopf - Friedrich Müller
Diätköchin - Hanna Christoffers
Inspektor Kalmus - Rolf-Peter Lauxtermann

Kutte (Wilfried Pampuch) bedroht das Ehepaar Fischer (Hildegard Steffens und Klaus Aden)

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Mit viel Situationskomik und Temperament

Niederdeutsche Bühne in Spielfreude bei der Boulevard Komödie "Een Joghurt för twee"

Von Ernst Richter

Wilhelmshaven. Premiere bei der Niederdeutschen Bühne am Stadttheater Wilhelmshaven mit der Boulevard Komödie "The starving Rich" oder "Un Yaourt pour deux" von Stanley Price, als "Een Joghurt för twee" aus dem Englischen ins Plattdeutsche übertragen von Heiko Hundt. Es handelt sich übrigens um eine Wilhelmshavener Erstaufführung, die in fünf Akten serviert wird. Die Regie führt Horst Jönck. Es kann durchaus sein, daß sich im zahlreich gekommenen Premierenpublikum viele Leute befanden, die selbst eine oder mehrere Aufenthalte in Kurkliniken oder Erholungsheimen hinter sich gebracht haben. Die werden sich hier und da vielleicht an eigene Kurerlebnisse erinnern können. Die Handlung spielt in einem Kursanatorium, in dem fettleibige Patienten auf ihr Normalgewicht getrimmt werden sollen.

Zeit zum Abschalten vom Alltagskram, zurücklehnen und genießen: Die Handlung führt in das gemütlich eingerichtete Einzelzimmer des Geschäftsmanns Peter Fischer, der sich hungernd durch die Kurzeit quält und dennoch ein scharfes Auge auf Schwester Eva geworfen hat, obwohl auch seine Frau Hilde im selben Haus kurt. Der Hunger ist gewaltig, vorsorglich steht auf dem Rasen des Sanatoriums das Schild "Essen verboten", und sogar der Gang zum "stillen Örtchen" wird zu einem "therapeutischen Happening".

Das wäre bis dahin ja alles noch ganz normal, bekäme da nicht dieser Peter Fischer urplötzlich Besuch von dem "Quetscher", einem ausgebrochenen Ganoven, mit dem er nun sein een Joghurt teilen muß. Das gibt natürlich komplizierte Verwicklungen, Situationskomik ist Trumpf. Mehr kann und soll dazu nicht verraten werden, denn "Een Jughurt för twee" wird weitere siebenmal im Stadttheater und je einmal in F'groden, in Sande und in Papenburg gespielt. Allen Besuchern soll die Spannung erhalten bleiben.

Klaus Aden spielt mit List und Schläue den Immobilienmakler Peter Fischer. Nie um eine Ausrede verlegen, schafft er es, sich augenzwinkernd auch den brenzlichsten Situationen zu entziehen. Hildegard Steffens geht als Hilde Fischer nachsichtig mit ihrem kurenden Mann um, sie ist von Chefarzt Dr. Schmalkopf begeistert. Maike Michalczyk gefällt als Diätschwester Eva Siemann nicht nur dem Patienten Peter Fischer, sie bringt "das gewisse Etwas" in die Handlung ein, ohne das eine Boulevard Komödie atmosphärisch Fehlanzeige wäre. Keß und gut aufgelegt ist sie eine echte Evastochter. Friedrich Müller übernimmt die Rolle des Chefarztes Dr. Schmalkopf. Es ist nicht nur der weiße Arztmantel, der ihm Autorität verschafft. Friedrich Müller avanciert zum personifizierten Chefarzt, der in jeder echten Kurklinik glatt durchgehen würde.

Mit dem Auftauchen von Wilfried Pampuch als Kutte Kaminski alias "Der Quetscher" kommt Schwung in die Handlung. Pampuch gibt dem Ganoven Kaminski lebendige und durchaus auch sympathische Züge. Das Publikum freut sich mit ihm, wenn es gelingt, dem Arm des Gesetzes ein Schnippchen zu schlagen. Und dieses Gesetz wird repräsentiert von Inspektor Kalmus, den Rolf Peter Lauxtermann mit kriminalistischem Fingerspitzengefühl und stoischer Gelassenheit auf die Bühne bringt.

Sie (Hildegard Steffens) möchte Sport treiben, er (Klaus Aden) lieber nicht

Karl Heinz Schröder spielt den Mitpatienten Georg Manning, der es auf Peter Fischers "eiserner Ration" die Schokoladenriegel abgesehen hat und mit ihm das MonopoliSpiel pflegt. Seinen großen Auftritt, sozusagen als Racheakt, hat Georg Manning in der Schlußszene. In einem amüsanten Zwischenakt spielt Hanna Christoffers die Diätköchin der Klinik, als sie dem Patienten Peter Fischer begegnet, der mit geschientem Arm wie der "einarmige Geiger" es auf das Gemüse abgesehen hat, das die Diätköchin in einem Wagen vor sich herschiebt. Sie dagegen möchte den flotten Karl Fischer ein wenig in ihre Nähe ziehen. Dieses komödiantische Duett löst große Heiterkeit beim Publikum aus.

Horst Jönck läßt als Speelbaas dem Ensemble viel Aktionsraum. Das Bühnenbild vermittelt ein nicht ganz stilechtes Patientenzimmer. Mancher "Ehemalige" wird sich noch im nachhinein solch ein Mobiliar wünschen, mit Sofa, Sessel und einer vielseitig verwendbaren Stehlampe.

"Een Joghurt för twee" kommt der Niederdeutschen Bühne Wilhelmshaven zum Start in die Theaterspielzeit 1993/94 gerade recht. Das lustig Speel macht Appetit auf die nächsten Inszenierungen, die aber nicht nur die Lachmuskeln strapazieren sollen. Die Niederdeutschen haben sich viel vorgenommen. Zunächst heimsten sie am Schluß der Premierenvorstellung den verdienten Beifall des Publikums ein: Zwei Stunden amüsante Unterhaltung.