Wilhelmshavener Erstaufführung

ARSENIK UN OLE SPITZEN

(Arsen und Spitzenhäubchen)
Komödie in drei Akten von Joseph Kesselring
Plattdeutsch von Konrad Hansen

Inszenierung: Albrecht C. Dennhardt
Bühnenbild: Albrecht C. Dennhardt
Regieassistenz:: Wilma Welte

Bühnenbildbau: Alfred Christoffers, Walter Borraß, Erwin Hildebrandt,
Sönke Kiewitt, Karl-Heinz Goldenstein, Gesienus Thomas, Günter Newerla, Siegfried Margowski und Klaus Panka
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Requisiten: Angelika Lauxtermann
Inspizientin: Margot Andrews-Jäkel
Maske: Anke Schluppkotten
Souffleuse: Luise Pampuch

Rollen und Darsteller
Abelke Brauer - Brigitte Halbekath
Martha Brauer - Hanna Christoffers
Martin Brauer, Neffe - Michael Kever
Willem Brauer, Neffe - Ralf-Rüdiger Brauer
Jonas Brauer, Neffe - Manfred Janßen
Dr. Einstein - Günter Boye
Pastor Harder - Horst Jönck
Ellen Harder, Pastor Harders Tochter - Petra Loschen
Herr Göbel - Günter Jaedeke
Herr Grünspan - Karl-Heinz Schröder
Herr Runkel - Ingo Folkers
Herr Klein - Rolf-Peter Lauxtermann
Herr Brodersen - Claus Miehlke

Ist er nun Wilhelm II oder nicht? (Ralf-Rüdiger Bayer)

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Englischer Humor auf niederdeutsch

Viel Beifall für "Arsenik un oole Spitzen"

von Ernst Richter

Schwarzer Humor made in England wird in der Kriminalkomödie "Arsenik un oole Spitzen" groß geschrieben. Wer gedacht hatte, die hochdeutsche Fassung von "Arsen und Spitzenhäubchen" des Autos Joseph Kersselring könnte, von Konrad Hansen ins Plattdeutsche übertragen, nicht die gleiche Situationskomik bieten, der wurde am Sonntagabend eines Besseren belehrt, als die Premiere von "Arsenik un oole Spitzen" im Stadttheater über die Bühne ging. Inszeniert hat das Stück als Gast Albrecht C. Dennhardt für die Niederdeutsche Bühne am Stadttheater Wilhelmshaven. "Arsenik un oole Spitzen" bietet alles, was das Publikum von einer echten Kriminalkomödie erwarten darf: Spannung, gewürzt mit Komik und überraschenden Effekten, dazu Humor der englischen Art. Albrecht C. Dennhardt machte aus diesem Stück keinen platten Schwank, keinen Klamauk, sondern achtete auf Spielwitz und gelungene Charakterdarstellung. Dabei behielt er die Zeit im Auge: knapp zwei Stunden dauert diese mit vielen Turbulenzen angereicherte Handlung.

Wer kennt sie nicht, die beiden liebenswerten, schrulligen alten Tanten, die einem Dutzend älterer Herren den Weg in die Ewigkeit abgekürzt und im Keller ihres Hauses begraben haben. Brigitte Halbekath und Hanna Christoffers verkörpern bravourös die Schwestern Abelke und Martha. Mit verständnisvollem Schmunzeln gehen sie ihrer Arbeit nach und streiten sich bestenfalls darum, ob sie nun zwölf oder dreizehn Leute ins Jenseits befördert haben. Neffe Wilhelm, gespielt von Ralf Rüdiger Bayer, wähnt sich als Kaiser Wilhelm, trägt eine entsprechende Uniform und stürmt zur Attacke davon. Da ist dann noch der normale Neffe Martin, dem Michael Kever in seiner ersten großen Bühnenrolle sehr plastisch und mit geschickter Mimik Gestalt verleiht. Er ist Zeitungsmann, wittert hier großes Unheil und möchte seine Zukünftige von allem Gruseligen fernhalten. Petra Loschen schlüpfte in die Rolle der Verliebten und doch sehr bestimmt reagierenden Ellen, Tochter von Pastor Harder, den Horst Jönck übernahm.

Der dritte Neffe im Bunde ist Jonas, ein Fremdling im Hause der Brauers, der auch seine zwölf Morde auf dem Kerbholz hat und mit Dr. Einstein aus dem Gefängnis geflohen ist. Im Reisegepäck führen sie einen weiteren Toten mit sich. So kommt es zu haarsträubenden Verwechslungen. Manfred Janßen stellt diesen Jonas als furchterregende Dracula Figur mit rostiger Stimme und immer weit aufgerissenen Augen dar. Den Part des verschrobenen Doktors übernahm Günter Boye. Die Polizei wirkt recht einfältig und tritt nur zögerlich in Aktion. Als Polizisten mit und ohne Uniform erscheinen auf der Bildfläche Claus Miehlke als Brodersen, Rolf Peter Lauxtermann als Kelin und Ingo Folkers als Runkel. In weiteren erheiternden Rollen agieren Günter Jaedeke als Göbel und Karl Heinz Schröder als Direktor Grünspan.

Die Niederdeutsche Bühne hat für diese Inszenierung ein homogenes Ensemble aufgeboten, das die Erwartungen mehr als nur erfüllt. Dazu bauten Walter Borraß, Alfred Christoffers und Erwin Hildebrandt das passende Bühnenbild, die gute Stube der 20er Jahre mit Plüsch un oole Spitzen. Am Ende applaudierte das Publikum anhaltend.

Abelke (Brigitte Halbekath, re) und Martha (Hanna Christoffers) umgarnen ihren
Neffen Martin (Michael Kever)

JEVERSCHES WOCHENBLATT

Englischer, Krimi ist auf platt ein Vergnügen

Niederdeutsche Bühne begeisterte mit ihrer jüngsten Inszenierung "Arsenik un oole Spitzen" / Die Darsteller erhielten tosenden Schlußapplaus

(js) Wilhelmshaven. Eine ganz besondere Art von schwarzem Humor servierte am Sonntag abend die Niederdeutsche Bühne im Stadttheater. Mit "Arsenik un oole Spitzen" kam eine äußerst köstliche Kriminalkomödie zur Aufführung, die das Publikum mit Begeisterung aufnahm. Immer wieder wurden die Zuschauer zum Applaus auf offener Szene hingerissen, und mit tosendem Schlußbeifall dankten sie den Niederdeutschen für diese hervorragende Darstellung der kurios heiteren Mörderkomödie. Was im Hochdeutschen schon eine großer Erfolg ist, kann im Plattdeutschen nur noch erfolgreicher sein. Und so ist es auch nicht verwunderlich, daß das Theater und Filmvergnügen "Arsen und Spitzenhäubchen" in plattdeutscher Sprache übersetzt wurde. Während die englische Fassung von Joseph Kesselring stammt, zeigt sich für die niederdeutsche Konrad Hansen verantwortlich. 'Für die Regiearbeit konnte die Niederdeutsche Bühne ein weiteres Mal den Berufsschauspieler und Regisseur Albrecht D. Deenhardt gewinnen, der "Arsenik un oole Spitzen" bereits in Brake mit Erfolg inszeniert hatte.

Sie sind wohl die friedvollsten, freundlichsten und hilfsbereitesten Damen weit und breit. Ihr Haus strahlt Ruhe und Frieden aus und gleicht doch bei näherem Hinsehen einem Irrenhaus. Die beiden Hausdamen Abelke und Martha Brauer, hervorragend dargestellt von Hanna Christoffers und Brigitte Halbekath, handeln aus reinster Nächstenliebe, wenn sie ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Morden, nachgehen. Mittlerweile haben sie ein Dutzend voll. Wie kleine Kinder freuen sie sich, wenn sich wieder ein Opfer, ein älterer Herr ohne Familienangehörigen, in ihrem Haus verirrt hat. Zur Begrüßung gibt es ein Glas Flederbeerwien mit Arsenik. Der im Haus wohnende, leicht angeschlagene Neffe Wilhelm, brillant dargestellt von Ralf Rüdiger Bayer, ist für die Beseitigung der Leichen zuständig. Wilhelm hält sich für Kaiser Wilhelm II. und widmet sich ganz seinem Kanalbau im Keller. Hier verbuddelt er auch in geheimer Mission die angeblich an Thyphus verstorbenen Herren. Mit seinen Attacke Rufen und Trompeteneinlagen hatte er die Lacher schnell auf seiner Seite.

Mit der Ruhe und dem Frieden im Hause Brauer ist es vorbei, als der zweite verrückte Neffe auftaucht. Jonas Brauer, meisterhaft grausam dargestellt von Manfred Janßen, nistet sich mit seinem Freund Dr. Einstein (Günter Boye) und einem Toten im Gepäck gegen den Willen von Abelke und Martha bei seinen alten Tanten ein. Neffe Wilhelm hält Dr. Einstein für den Großadmiral Tirpitz und nimmt ihn mit in den Keller, was ungeahnte Folgen hat. Mit Bravour meisterte Michael Kever seine erste große Rolle. Als normaler Neffe Martin hat er alle Hände voll zu tun, seine Tanten vor dem Gefängnis zu bewahren, Jonas dort hinzubringen und Kaiser Wilhelm nach Holland ins Exil zu schicken, besser gesagt, Wilhelm im Heim Abendsonne unterzubringen. Bis auch die liebenswert schrulligen Tanten Abelke und Martha sich auf den Weg in das Heim begeben, müssen noch manche Familienangelegenheiten geklärt werden. Denn als Jonas schließlich hinter die Machenschaften seiner Tanten kommt, will auch er seine Leiche im Keller verbuddeln. Abelke und Martha wehren sich energisch gegen dieses Vorhaben. Mit zwölf Grabstellen sei ihr Keller voll. Für eine 13. Leiche ist kein Platz und schon gar nicht für eine fremde. Doch Jonas Leiche kommt in den Keller. Und so steht es 12:12. Aber die freundlichen Damen schaffen auch noch die Nummer 13 und das Publikum schaut mit einem Lächeln auf den Lippen genüßlich zu. Weitere Darsteller diese sehenswerten Kriminalgeschichte sind Pastor Harder (Horst Jönck), Martins Braut Ellen (Petra Loschen), die begriffsstutzigen Polizisten Brodersen (Claus Miehlke), Klein (Rolf Peter Lauxtermann) und Runkel (Ingo Folkers) sowie Günther Jaedeke als Göbel.


Dr. Einstiein (Günter Boye) hat Jonas (Manfred Janssen)  noch  mehr verunstaltet, Bruder Willem (Ralf-Rüdiger Bayer)  ist entsetzt