Wilhelmshavener Erstaufführung

VÖRNEHME BAGAASCH

Lustspiel von Jack Popplewell
Plattdeutsch Günter Kühn

Inszenierung: Elke Münch a. G.


Rollen und Darsteller
David - Thorsten Könnecke
Penelope - Dagmar Grube
Herr Bohnsack - Klaus Aden
Mine Wilksen - Karin Heyel
Helene Schindler - Elke Theesfeld
Kriminalkommissar Pittak - Horst Karstens
Frau Wantje - Wilma Welte

Wilhelmshavener Zeitung vom 30. März 1999

Solide gespielt, doch ohne rechten Witz: die „Vornehme Bagaasch"

Niederdeutsche Bühne feierte die letzte Premiere dieser Saison

Von Hartmut Siefken

Mit der Aufführung der Komödie „Vornehme Bagaasch" von Jack Popplewell in der plattdeutschen Fassung von Günter Kühn beendet die Niederdeutsche Bühne am Stadt­theater die Saison 1998/99. Am Sonntagabend fand die Premiere statt. Die Schauspielerin Elke Münch führte Regie. Fazit: solide gespielt, doch kränkelt der Unterhaltungswert am Stück selbst.

Zum Inhalt: Die Spezialistin für nächtliche „Eigentumsübertragungen", Penelope Bohnsack (Dagmar Gru­be), wird vom Wohnungsinhaber David Warntje (Thorsten Könnecke) und seiner Haushälterin Mine Wilksen (Karin Heyel) in flagranti erwischt. Doch anstatt die Einbrecherin der Polizei auszuliefern, findet der junge Mann Gefallen an ihr und ist ihr behilf­lich, das Diebesgut vor der Polizei zu verstecken. So bekommt er nicht nur Schwierigkeiten mit seiner Verlobten, der reichen Helene Schindler (Elke Theesfeld), sondern auch mit der Polizei: Kommissar Pittack (Horst Karstens) hat den richtigen Riecher. Die Diebin und ihr neuer Komplize haben ihre liebe Not, im Verein mit der Haushälterin den dienstbeflissenen Schnüffler an der Nase herumführen.

Doch Schwierigkeiten, das Geheimnis zu wahren, macht auch Davids neugierige Mut­ter (Wilma Weite). Penelopes Vater, der standesbewußte Unterweltler Bohnsack (Klaus Aden), fürchtet, daß sein verliebtes Fräulein Toch­ter womöglich rechtschaffen wird. Doch es findet sich al­les: das Paar findet sich, Bohnsack findet das schlußendlich gar nicht mehr so schlimm, der Polizist findet die Juwelen zum eigenen Gebrauch, Davids bisherige Verlobte findet einen Neuen. Das Publikum fand sich gut unter­halten und sparte nicht mit Applaus. Nichtsdestoweniger muß festgehalten werden: Es gibt witzigere Komödien. Der dünne Handlungsstrang und die Flachzeichnung der Figuren sind schon im Stück angelegt. Manche Lustspiele bügeln dies durch Witz der Dialoge aus, doch die „Vornehme Bagaasch" hielt sich damit eher vornehm zurück.

Man wünschte sich die Inszenierung überdrehter, mit mehr Mut zur Komik und zum Klamauk, um den Schwächen des Stücks entgegenzuwirken und den Figuren ein markanteres Profil zu schnitzen. Das Zeug dazu hat die Schauspieltruppe, wie sich in den leider zu wenigen „blitzenden" Momenten zeigte. So blieb es bei einem routinierten, grundsoliden Theaterabend. Das Bühnenbild, die Wohnung des Junggesellen David mit den für Komödien unvermeidlich vielen Türen entwarf Elke Münch. Als Souffleuse halfen Berta Brinkhoff und Herta Tapken unauf­fällig aus. Die Requisiten besorgte Monika Eilers, den Bühnenbau bewerkstelligten Manfred Eilers und Klaus Panka. Für die Bühnentechnik waren Alfred Christoffers, Günter Newerla und Horst Vollbrecht verantwortlich. Herbert Ulbrich verhalf der Kulisse zu Farbe. Peter Pfaus und Uwe Feiberg setzten die Inszenierung ins rech­te Licht. Manfred Eilers oblag die technische Leitung, während Anke Schluppkotten als Inspektoren ein Wort mitzureden hatte. Weitere Aufführungen: Heute, 30. März, 20 Uhr; 10. April, 20 Uhr; 11. April, 15.30 Uhr und 20 Uhr; 18. April, 15.30 Uhr und 20 Uhr; 26. April, 20 Uhr.

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 25. März 1999

Turbulenzen in der „Vornehmen Bagaasch"

Niederdeutsche Bühne bringt am kommenden Sonntag, dem 28. März, neue Premiere heraus

Im März und April spielt die Niederdeutsche Bühne am Stadttheater Wilhelmshaven ein Lustspiel aus der Feder von Jack Popplewell in der niederdeutschen Fassung von Günter Kühn. Dies fünfte und letzte Stück in dieser Theater-Saison ist eine herzhafte Aufführung mit viel britischem Humor. Im Original trägt es den Titel: „Brave Diebe". Es geht um eine äußerst vielseitige Mischung von kaum zu entwirrender Kriminalität, bestens verpackt in trockenem Humor. Derzeit laufen die Bühnen-Proben auf Hochtouren. Sieben Spieler und Spielerinnen sind mit Begeisterung dabei, die verschiedenen Charaktere aus der vornehmen Gesellschaft einzustudieren.

Zur Geschichte: Diese Nacht wird Davids (Thosten Könnecke) Leben auf den Kopf stellen. David ist reich, jung, attraktiv, verlobt, ohne Beruf. Er lebt mit der Haushälterin Mine Wilksen (Karin Heyel) in einer vornehmen Gegend. Alles läuft in ruhigen Bahnen. Bald wird er die reiche Helene heiraten, und somit braucht er sich um seine finanzielle Zukunft keine Sorgen zu machen. In dieser Nacht begeht Penelope (Dagmar Grube), jung, hübsch, von Beruf Einbrecherin, in seiner Wohnung einen Einbruch, um, wie es hier heißt: eine Eigentumsübertragung zu machen. Sie stammt aus einer alten Einbrecher-Dynastie. Doch dieser „Bruch" verändert das Leben von Penelope, - auch Ponny genannt, total. Innerhalb von wenigen Stunden überschlagen sich die Ereignisse. Gefühle wogen hin und her, nichts ist mehr so, wie es war, und es wird auch niemals mehr so sein, wie es war. Doch damit es so richtig turbulent zugehen kann, mischen noch der Kriminalkommissar Pittak (Horst Karstens), Herr Bohnsack (Klaus Aden), Helene Schindler (Elke Theesfeld), und Frau Wantje (Wilma Weite) mit. Mehr wird nicht verraten von der spritzigen Kriminalkommödie, in der die Liebe nicht zu kurz kommt.

Die Regie führt Elke Münch. Sie legt ihre haupt­sächliche Arbeit in dieser In­szenierung darein, die sieben völlig verschiedenen Charaktere der Spieler herauszuarbeiten. Ihr ist dabei wichtig, das Spiel leicht und flott und trotzdem mit für den Zuschauer interessanten Hintergründen auf die Bühne zu bringen. Die Premiere am Sonntag, 28. März, beginnt um 20 Uhr im Stadttheater. Weitere Vor­stellungen sind am 30. März und am 10., 11., 18., und 26. April ebenfalls um 20 UIhr und am 11. und 18. April auch um 15.30 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf (freier Verkauf) nutzen oder Reservierungen vornehmen über Tel.: 4 25 88, immer montags bis freitags von 16 bis 18 Uhr.