1. Wiederaufführung (2), davor 1985/86 gespielt

MEDEWATT?

Familien-Farce in drei Akten von Johann-Maria Meredig

Inszenierung: Elke Theesfeld
Regieassistenz: Marc Gelhart
Bühnenbild: Leihgabe Staatstheater Oldenburg

Bühnenbildbau Günter Michaelis, Günter Newerla,
Günter Scherf, Horst Vollbrecht
Technischle Leitung: Manfred Eilers
Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Inspizient: Klaus Panka
Souffleuse: Margitta Pust, Heidi Strowik
Requisiten: Monika Eilers

Rollen und Darsteller
Ernst-Martin Fleischhauer - Michael Hillers
Gerhild, sien Fro - Marion Zomerland
Ernst-Friedrich, jemehr Söhn - Andre Gelhart
Rudolf Lehrmann, gen. Rudi - Harald Schmidt
Gaby, sien Fro - Christel Dörnath
Susanne, jemehr Dochter - Claudia Schröder

Vorankündigung

Die Niederdeutsche Bühne als Vorbild für "Big Brother" oder "Inselduell"? So könnte man meinen, wenn man das Stück "Medewatt?" gesehen hat. Aber 1986, als Johann-Maria Meredig das Stück schrieb, war vom Voyeurfernsehen, wie es heute die Massen in seinen Bann zieht, noch weit und breit nichts zu sehen. Meredig, übrigens ein Pseudonym eines bekannten Charakterdarstellers aus Film, Theater und Fernsehen, läßt auf einer imaginären Hallig mit Namen "Medewatt" eine Familie für 14 Tage Urlaub in der einzigen Ferienhütte der Insel machen. Sie haben sich für diesen Urlaub einem soziologischen Institut zur Verfügung gestellt. Sie sind für 14 Tage von der Zivilisation abgeschnitten und völlig auf sich allein gestellt, also kein Fernseher, kein Radio, kein Telefon, kein Gameboy, keine Pommes..... wunderbar.

Nun wollte es das Schicksal, dass durch einen Computerfehler (oder war es vielleicht doch die Absicht des Instituts?) nicht eine Familie auf Medewatt eintrifft, sondern nach den Fleischhauers, einem Lehrerehepaar mit hoffnungsvollem Filius, trifft auch die Familie Lehrmann, ein selbständiger Fleischermeister, mit reizender Tochter, ein. Nun wird es eng auf der Hallig und in den Alkoven. Die Insel und die Hütte wird kurzerhand in zwei feindliche Lager aufgeteilt. Mit dem schöngeistigen Lehrerehepaar und dem proletarischen Schlachtermeister treffen zwei Welten aufeinander, die vor schier unlösbaren Konflikten stehen, wenn da nicht ein zartes Pflänzchen mit Namen "Liebe" zwischen den Kindern der beiden konkurrierenden Familien zu wachsen beginnen würde, und wenn nicht ein heimlich eingeschmuggelter Fernsehapparat mit der Übertragung eines Fußballspiels für eine überraschende Wende in diesem köstlichen "Inselduell" sorgen würde.

Für viele Abonnenten und Freunde der Niederdeutschen Bühne gibt es mit diesem Stück ein Wiedersehen, denn 1986 hatte "Medewatt?" in Wilhelmshaven seine Uraufführung erlebt und damals für turbulentes, pointenreiches Boulevardtheater gesorgt. Bei dieser Neuinszenierung führt erstmals Elke Theesfeld Regie. Die Darsteller sind Christel Dörnath, Claudia Schröder, Marion Zomerland, André Gelhart, Michael Hillers und Harald Schmidt.

 (v.l.) Michael Hillers, Marion Zomerland, Claudia Schröder, Christel Dörnath, Harald Schmidt

 JEVERSCHES WOCHENBLATT vom 06.10.2000

"Ein Familienstreit auf einsamer Nordseehallig"

Die Niederdeutsche Bühne eröffnet die neue Spielzeit 2000/2001

Von Ernst Richter

Die Niederdeutsche Bühne eröffnete mit der Familienfarce "Medewatt?" von Johann-Maria Meredig die neue Spielzeit. Das Bühnenbild, überlassen von der August-HinrichsBühne Oldenburg, eröffnet den Blick auf eine Landschaft mit Aussichtshügel und eine Ferienblockhütte, in der so allerhand passiert. Unter der Regie von Elke Theesfeld spielen zwei Familien die Hauptrolle. Beide kommen am gleichen Tag auf der Hallig Medewatt an und jede beansprucht für sich das Besitzrecht an der Hütte für den zweiwöchigen Ferienaufenthalt. Da nun aber das Schiff erst nach zwei Wochen wieder in Medewatt anlegt, müssen die beiden Familien notgedrungen miteinander auskommen, was zur Erheiterung des Theaterpublikums schwer genug ist.

Die Familie des Oberstudiendirektors Ernst-Martin Fleischhauer (Michael Hillers) besteht aus ihm, seiner Frau Gerhild (Marion Zomerland) und Sohn Fiedi (Andre Gelhart). Dazu gesellt sich dann die Familie Lehrmann mit Fleischermeister Rudi Lehrmann (Harald Schmidt), seiner Frau Gabi (Christel Dörnath) und Tochter Susanne (Claudia Schröder). Damit sind die Rollen verteilt. Das Spiel kann beginnen, und Harald Schmidt kurbelt die Komödie an, bringt das Zwerchfell des Publikums in Schwingungen. Man streitet sich, hier der etwas dröge Oberstudiendirektor mit seiner vom Standesdünkel besessenen Frau Gerhild und dort der nicht auf den Mund gefallene biedere Handwerksmeister Rudi mit seiner kritisch veranlagten und immer aktiv agierenden Frau Gabi.

Die Streitereien und witzigen Auseinandersetzungen amüsieren die Zuschauer, die mit Beifall auf offener Szene nicht geizen. Der Handlungsstoff ist, genauer betrachtet, recht dürftig, Regie und Ensemble machen das Beste daraus. Die jungen Leute finden sich nach und nach und werden erst zu guter Letzt ein verlegenes Liebespärchen. Die Annäherung der beiden Mannslü erfolgt während der Fernsehübertragung eines Fußballspiels. Ernst-Martin und Rudi nutzen die Gunst der Stunde, genehmigen sich ein paar Buddel Bier, lenzen die Flasche Köm und entdecken dabei gemeinsame Veranlagungen als Freunde.

Die Frauen haben sich längst in die Schlafbutzen zurückgezogen. Keine der beiden bemerkt, dass sich der falsche Mann zu ihr ins Bett gelegt hat und nahezu volltrunken sofort entschlummert ist. Der Krawall setzt erst am nächsten Morgen beim Frühstück ein. Es geht rund mit Gerhild und Gabi. Leuchtkugeln werden aus der Signalpistole abgefeuert Ein Hubschrauber naht - und bringt weitere Gäste, die Urlaub macheri wollen.So kann es gehen, wenn die Zimmervermittlung nicht funktioniert.

"Medewatt" bietet ein unterhaltsames Theatervergnügen. Harald Schmidt zieht als Fleischermeister Lehrmann die komödiantischen Trümpfe aus dem Ärmel, steckt voller Humor, den er treffsicher ausspielt. Ernst-Martin Fleischhauer spielt den etwas zugeknöpft und eigenbrötlerisch wirkenden Oberstudiendirektor. Marion Zomerland hat keine Probleme, den Studiendünkel zu parodieren. Christel Dörnath verkörpert die solide, mitten im Leben stehende Meisterfrau. Andre Gelhart und Claudia Schröder können als Fiedi und Susanne der Handlung keine bemerkenswerte Akzente aufsetzen.

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 02.10.2000

"Streit um Intellekt und Salami"

Bei der Premiere der Niederdeutschen Bühne durfte aus vollem Hals gelacht werden

Von Inga Hellwig

Drei Akte lang flogen auf der Bühne verbal die Fetzen, während die Zuschauer aus dem Lachen gar nicht mehr herauskamen: Mit einer gelungenen Premiere, eröffnete die Niederdeutsche Bühne am Samstag Abend die Saison für die Fangemeinde des Plattdeutschen Theaters. Die Familien-Farce "Medewatt" (Johann-Maria Mereding) in der Inszenierung von Elke Theesfeld, ist ein echter Spass.

Perfekte WG-Partner sind der Oberstudienrat Ernst-Maria Fleischhauer (Michael Hillers) mit Frau Gerhild (Marion Zomerland) und Sohn Fiedi (Andre Gelhard) und Schlachtermeister Rudi Lehmann (Harald Schmidt) mit Frau Gabi (Christel Dörnath) und Tochter Susanne (Claudia Schröder) wahrhaftig nicht: Bei einer Reise, die als Experiment eines sozialwissenschaftlichen Forschungsinstituts und des Familienministeriums organisiert wurde, landen die Familien, die unterschiedlicher nicht sein können, versehentlich gleichzeitig in einem Haus auf einer winzigen Hallig. Erst 14 Tage später können sie wieder abgeholt werden.

Die Männer kommen sich bei den wesentlichen Dingen des Lebens - Bier und Fußballübertragung - schließlich näher. Nachdem sie volltrunken die Kojen verwechseln, haben auch ihre Frauen deutlich mehr gemeinsam, als ihnen eigentlich lieb ist. Nur die Kinder halten sich - Amor sei Dank - aus dem Streit um "Intellekt und Salami" heraus.

Humorvoll wird sich in "Medewatt" aller verfügbaren Klischees bedient und so dem Zuschauer und menschlichen Schwächen der Charaktere ironisch vorgeführt. Um so überraschender ist schließlich das Ende. Auch wenn sich die Wogen deutlich geglättet haben - nicht auf ein "Happy End" läuft alles hinaus - sondern auf die Fortsetzung der Katastrophe.

Besonders gelungen: Fleischermeister Lehmann (Harald Schmidt) - der mit seinen Spitzen durchaus mit "Ekel Alfred" mithalten konnte. Für seine Leistung (inklusive Striptease-Einlage) wurde er mit stürmischem Applaus bedacht. Für ihn war die Aufführung übrigens sein erster Bühnenauftritt, dem hoffentlich noch eine Reihe folgen werden.

Ebenso wie Harald Schmidt, als Fleischermeister, Lehmann, konnte Claudia Schröder als seine Tochter Susanne, ihre viel versprechende Premiere auf der Bühne feiern. Die Inszenierende, Elke Theesfeld, hatte mit dem witzigen und originellen Stück "Medewatt" ihr Regiedebüt. Die Leistung des Ensembles der Niederdeutschen Bühne wurde mit viel Szenenapplaus und am Ende mit verdientem Beifall belohnt. Die weiteren Aufführungstermine sind am 9., 10., 21. 22. und 29. Oktober, jeweils um 20 Uhr, am 22. und 29. 10. zusätzlich um 15.30 Uhr.