Wilhelmshavener Erstaufführung

DE BÜRGERMEISTERSTOHL

Komödie von Adolf Woderich
Fasssung für Wilhelmshaven von Armin Tacke

Inszenierung: Armin Tacke a.G.
Bühnenbild:
Verena Oppermann a. G.

Bühnenbau: Alfred Christoffers, Günter Scherf, Horst Vollbrecht
Bühnentechnik: Günter Michaels, Günter Newerla
Inspizientin: Anne Hillers
Souffleuse: Christine Wessolek
Requisten: Monika Eilers
Maske: Margita Pust
Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Technische Leitung: Manfred Eilers

Rollen und Darsteller
Stine - Hanna Christoffers

Lena - Karin Heyel
Mette - Herta Tapken
Hertha - Marianne Karstens
Mudder Klasen - Hildegard Steffens
Willem - Horst Jönck
Hannes - Günter Boye
Peter Klasen - Ralf-Peter Lauxtermann
Frieda Klasen - Heidi Strowik
Hinnerk - Horst Karstens
Kinder
Karina Harms, Silke Schmidt,
Insa Schölermann, Dana Stolte,
Fenja Strowik, Jasmin Vanderschot, Sontka Zomerland

Vorankündigung

Obwohl das Niederdeutsche Theaterspiel wie wir es heute kennen, erst seit etwa 80 Jahren einem breiteren Publikum bekannt wurde, gibt es dennoch schon einige Theaterstücke, die man getrost als Klassiker auf den Theaterbrettern der "niederdeutschen" Welt bezeichnen darf. Einen solchen Klassiker hat Adolf Woderich mit dem Stück "De Börgermeisterstohl" geschrieben. Zum Klassiker ist dieses Stück mit Sicherheit nicht zuletzt deshalb geworden, weil es in der guten alten Ohnsorg-Zeit mit allen bekannten Stars wie Heidi Kabel, Erna Raupach-Petersen, Hilde Sicks, Ernst Grabbe, Heini Kaufeld, Heinz Lanker, Rolf Bohnsach und andere mehr über die "Flimmerkiste" in unser Wohnzimmer kam.

Auch die Niederdeutsche Bühne Wilhelmshaven verfügt über eine Reihe von altbekannten Darstellern, die unser Publikum über die Jahre hinweg gern gesehen und zum Teil richtig lieb gewonnen hat. Das Stück bietet eine große Anzahl von herrlichen Charakterrollen, sei es den plietschen Bürgermeister, der einen neuen bequemen Lehnstuhl für das Seniorenheim spendet (ob aus Mildtätigkeit oder wahltaktischen Gründen?), sei es die püke Krankenschwester, die den fidelen männlichen Bewohnern den Kopf verdreht , sei es die hartherzige Schwiegertochter, die ihren willensschwachen Mann dazu bringt, seine eigen Mutter ins Altersheim abzuschieben oder seien es die vier sehr unterschiedlichen, weiblichen Bewohnerinnen des Seniorenheims, die sich allesamt Hoffnung darauf machen, auf dem vom Bürgermeister gespendeten Stuhl sitzen zu dürfen.

Das es in einem Seniorenheim im Zwischenmenschlichen manchmal wieder so zu geht, wie zu der Zeit, als wir uns das erste Mal verliebt haben, aber eben auch dies ein Ort des Abschiednehmens und des Alleinseins ist, wird hier mit den heiteren und unterhalten Mitteln der Komödie erzählt. Erstmals wird Armin Tacke als Gastregisseur an der Niederdeutschen Bühne Wilhelmshaven arbeiten. Es spielen Hanna Christoffers, Dagmar Grube, Karin Heyel, Marianne Karstens, Hildegard Steffens, Heidi Strowik, Herta Tapken, Günter Boye, Horst Jönck, Horst Karstens und Rolf-Peter Lauxtermann sowie die Kinder der Theaterschule Karina Harms, Silke Schmitt, Insa Schölermann, Dana Stolte, Fenja Strowik, Jasmin Vanderschot und Sontka Zomerland

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 (v.l.) Horst Karstens, Dagmar Grube

WILHELMSHAVEN am 6.11.2000

"De Bürgermeisterstohl" hat am 11. 11. Premiere.

Aus persönlichen Gründen kann der Berufsregisseur Armin Tacke, der erstmals an der Niederdeutschen Bühne gastiert, das Stück "De Bürgermeisterstohl" nicht zu Ende inszenieren. Für ihn übernimmt das Ensemblemitglied und langjährige Bühnenleiter Arnold Preuß die Regie. Durch diese spontane Übernahme ist der Premierentermin gerettet und wir können uns auf die bekannte Komödie von Adolf Woderich freuen, die in Wilhelmshaven in einer von Armin Tacke bearbeiteten Fassung gespielt wird.

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 13.11.2000

Entscheidende Frage: Wer ist hier die Älteste?

Premiere bei der Niederdeutschen Bühne

Von Inga Hellwig

Kleine Gemeinheiten und Sticheleien bestimmen den sonst eher eintönigen Alltag von Stine, Lena, Mette und Hertha. Das Streitobjekt: Ein vom Bürgermeister gespendeter Stuhl und die damit verknüpfte, auch für die alten Damen etwas zweifelhafte Ehre, die Älteste zu sein. Denn, so hat es sich der Bürgermeister zum 85. Geburtstag von Stine ausgedacht, nur die oder der Älteste aus dem Kreise der Bewohner des städtischen "Ollenhuuses" darf sich in dieser besonders bequemen Sitzgelegenheit vom Leben ausruhen.

Das Stück "De Bürgermeisterstohl" von Adolf Woderich, mit dem die Niederdeutsche Bühne am Samstagabend die Premiere ihrer 2. Inszenierung dieser Theatersaison zeigte, spielt in einem Altersheim. Es zeigt die komischen und die traurigen Seiten im Dasein der Menschen, die zum Teil keine Familie mehr haben oder einfach abgeschoben wurden. Manchmal sind solche alten Leute schon kindisch, manchmal können sie aber auch sehr weise sein.

Unter der Regie von Arnold Preuß, der kurzfristig für Armin Tacke einsprang, konnten Fans der "Niederdeutschen" ein Wiedersehen mit vielen ihrer altbekannten Schauspieler wie Hanna Christoffers (Stine), Herta Tapken (Mette) oder Hildegard Steffens als Mudder Klasen feiern. Vor einem aufwendigen Bühnenbild zeigten die Darsteller, dass sie schauspielerisch keinesfalls zum alten Eisen gehören. Mit Einfühlungsvermögen ließen sie trotz aller Komödie immer wieder durchblicken, dass das Thema" Leben im Alter" nicht nur aktuell, sondern oft auch weniger komisch ist.

Das Publikum bekam natürlich trotzdem viel zu lachen. Vor allem Lena (Karin Heyel), die als "Jüngste" sehr wenig Chancen hat, bald in dem bequemen Bürgermeistergeschenk auszuruhen, und ihren Mitbewohnern und der Pflegeschwester Toni mit gezielten Seitenhieben und Meckereien das Leben schwer macht, hatte die Lacher auf ihrer Seite. Vermittelnd, aber nicht weniger lustig, agierten Willem (Horst Jönk) und Hannes (Günter Boye). Sie stellten klar, dass "ok wenn wi uns mal bi de Haar hefft, de Wahrheit is, dat wi uns hier ganz mollig föhlt". Und ganz zum Schluss beschließen die Alten, dass der Bürgermeister noch mal tief in die Tasche greifen muss: Egal ob 80 oder 85: Alle haben das Recht, ihren Lebensabend so bequem wie möglich zu verbringen.

JEVERSCHES WOCHENBLATT vom 14.11.2000

Krach im Olenhus um "De Börgermeisterstohl"

Niederdeutsche Bühne am Stadttheater in Wilhelmshaven zeigt humorige Turbulenzen aus dem Altenheim und erntet dafür reichlich Applaus

von Ernst Richter

Krach im Ollenhus. Am Kaffeetisch geht's schon los mit den kleinen Sticheleien der Heimbewohner, Pflegeschwester Toni schimpft, nie kann man es den Leuten recht machen. Das sind die kleinen AlItagsgeschichten aus einem Alten-oder Seniorenheim. Die Niederdeutsche Bühne am Stadttheater Wilhelmshaven bleibt bei der ausgemusterten Bezeichng Altersheim.

Dort beginnt die Komödie "De Bürgermeisterstohl" in drei Törns von Adolf Woderich. Die Regie führt als Gast Armin Tacke, Ausstattung Verena Oppermann. Und dort endet auch das lustig Speel. Eine richtige Handlung gibt es eigentlich nicht. Vier alte Damen, Stine, die Älteste, feiert gerade ihren 85. Geburtstag, krakeelen und schimpfen miteinander. Die beiden ollen Mannslü geben ihren Senf dazu, fühlen sich wie "im Wartesaal zur letzten Reise". Es ist wie aus dem Leben gegriffen.

Und das ebenfalls meist ergraute Stammpublikum identifiziert sich mit den Sticheleien. Kommentare aus dem Publikum: "Wie die sich wieder angezogen hat", oder "Die Teetante kann ruhig ein bisschen freundlicher mit den alten Frauen umgehen", oder "Kiek, die will sich wieder an den Ollen ranmachen", und als dann als Prunkstück von Bürgermeisterstohl im Raum steht, auf den sich nur die älteste Heimbewohnerin setzen darf, um nach einem arbeitsreichen Leben auszuruhen und sich stattdessen eine etwas jüngere Mitbewohnerin ungeniert draufsetzt, empörte Stimme aus dem Publikum: "Darf die das?"

So trifft dieses zweite Stück der Saison 2000/2001 wohl den Geschmack des alteingesessenen Publikums, neue Theaterfreunde wird die Bühne damit aber nicht gewinnen können. Doch das Speel geht weiter. Wie gesagt, der Bürgermeisterstohl kommt als Geburtstagsgeschenk für Stine (85) an. Allerdings ist es ein zusammenklappbarer Liegestuhl für die Gartenlaube, um den ältere Personen meist einen Bogen machen, weil man vor Überraschungen nicht sicher ist, sollte man sich weder draufsetzen oder hineinlegen. So hat dieser Bürgermeisterstohl wohl symbolische Bedeutung.

Ja, und dann bringen die Eheleute Klasen ihre Mutter ins Altersheim. Ein Neuzugang, der zunächst gar nicht damit einverstanden zu sein scheint. Urplötzlich taucht Bruder Hinnerk aus Amerika auf, kanzelt Peter Klasen ab, wie er Muttern nur ins Altersheim bringen kann und hat die Idee, Mutter mit auf seinen Hof mit 150 Kühen nach Oklahoma mitzunehmen.

Währenddessen geht das Gerangel um den Bürgermeisterstohl weiter. Hier heißt es nicht, wer ist die Schönste im ganzen Land, sondern, wer ist die Alteste im Heim? Da kommt die Spende des Besuchs aus Amerika gerade recht, jeder Heimbewohner erhält seinen Bürgermeisterstohl. Und zur allgemeinen Überraschung verkündet Mutter Klasen, dass noch ein weiterer Bürgermeisterstohl hinzukommen müsse, weil sie nicht mit ihrem Sohn nach Amerika mitgeht, sondern lieber im Altersheim bei den lieben netten Heimbewohnern bleiben möchte. Das macht Freude und für manchen Besucher Lust auf einen späteren Platz im Seniorenheim. Krach im Altersheim bedeutet Spaß für die Zuschauer des neuen Stückes der Niederdeutschen Bühne am Stadttheater in Wilhelmshaven.

Es spielten Stine (Hanna Christoffers), Mudder Klasen (Hildegard Steffens), Peter Klasen (Rolf-Peter Lauxtermann), Lena (Karin Heyel), Willem (Horst Jönck), Hannes (Günter Boye), Frieda Klasen (Heidi Strowik), Mette (Herta Tapken), Hertha (Marianne Karstens), Pflegeschwester Toni (Dagmar Grube), Hinnerk Klasen (Horst Karstens).

Wilhelmshavener Zeitung vom 01.12.2000

Lachen mit bitterem Beigeschmack

Zur Rezension über das Stück "Bürgermeisterstohl" in der WZ vom 13. November schrieb Dagmar Ramrath aus 26121 Oldenburg, Zeughausstrasse 74, folgenden Leserbrief:

Gerne bin ich aus Oldenburg nach Wilhelmshaven ins Stadttheater zur Niederdeutschen Bühne gekommen. Die Kritik lässt trotz einiger richtiger Aspekte für mich viele Punkte missen.

Richtig ist, dass das Stück "Bürgermeisterstohl" die komischen und traurigen Seiten im Dasein alter Menschen zeigt. Es ist jedoch auch (und vor allem) ein Stück, das mit Witz, Charme und Einfühlsamkeit den Umgang unserer Gesellschaft mit " unseren Alten" beschreibt. Es ist auch richtig, dass das Publikum viel zu lachen bekam - allerdings war es ein Lachen mit bitterem Beigeschmack. Ebenfalls richtig ist, dass das Bühnenbild aufwändig ist - es war sehr gut gewählt als Sinnbild für Alter, Abschiebung und Zerfall.

Vermisst habe ich außerdem eine Würdigung der Leistungen der Schauspieler. Das Publikum war jedenfalls begeistert und ging amüsiert und zugleich nachdenklich nach Hause.

Wilhelmshavener Zeitung vom 09.12.2000

Großes Engagement

Über die Premiere des Stückes " De Bürgermeisterstohl" schrieben Ilka und Marc Endert, Blankeneser Chausee 50, Schenefeld folgenden Leserbrief an "Das schreib ich mal dem Jan":

Lieber Jan!

Anlässlich der Premiere des Stückes "De Bürgermeisterstohl" haben wir, zwei begeisterte Zuschauer der Niederdeutschen Bühne, einen anregenden und unterhaltsamen Theaterabend erlebt.

Man kann das Engagement der Laiendarsteller und des Teams im Hintergrund gar nicht groß genug herausstellen. Hintergründig und manchmal mit Galgenhumor hat es das Ensemble verstanden, den letzten Lebensabschnitt der alten Herrschaften mit all seinen lustigen, sarkastischen und auch tragischen Seiten darzustellen.

Alle Akteure trugen durch ihr schauspielerisches Können und Engagement zum Gelingen der Aufführung bei.